{"id":117239,"date":"2014-12-11T10:57:50","date_gmt":"2014-12-11T10:57:50","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2014\/12\/wirkungsorientierte-steuerung-der-oeffentlichen-arbeitsvermittlung-zusammenspiel-von-bund-und-kantonen\/"},"modified":"2023-08-23T23:15:54","modified_gmt":"2023-08-23T21:15:54","slug":"wirkungsorientierte-steuerung-der-oeffentlichen-arbeitsvermittlung-zusammenspiel-von-bund-und-kantonen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2014\/12\/wirkungsorientierte-steuerung-der-oeffentlichen-arbeitsvermittlung-zusammenspiel-von-bund-und-kantonen\/","title":{"rendered":"Wirkungsorientierte Steuerung der \u00f6ffentlichen Arbeitsvermittlung: Zusammenspiel von Bund und Kantonen"},"content":{"rendered":"<p>In den 1980er-Jahren setzte in Europa ein Trend ein, Verwaltungen verst\u00e4rkt nach den Kriterien der Effizienz und der Effektivit\u00e4t auszurichten. Insbesondere das New Public Management wies einer modernisierten, auf Wirkung ausgerichteten Verwaltung die Richtung. Wesensz\u00fcge dieser Reformbem\u00fchungen waren eine st\u00e4rkere Markt- und Wettbewerbsausrichtung, eine ziel- und ergebnisorientierte <span class=\"recomDescriptiveWord\">Steuerung<\/span>, mehr Autonomie f\u00fcr die Verwaltungseinheiten sowie eine st\u00e4rkere Kunden- bzw. B\u00fcrgerorientierung. Auch die Schweiz \u00fcbernahm die wesentlichen Stossrichtungen des New Public Management. Im Bereich der \u00f6ffentlichen Arbeitsvermittlung war die <span class=\"recomDescriptiveWord\">wirkungsorientierte Steuerung<\/span> ein wesentlicher Ausfluss dieser Reformbestrebungen.&#13;<\/p>\n<div class=\"body\">&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Die strategische Neuausrichtung der \u00f6ffentlichen Arbeitsvermittlung der Schweiz ging nicht zuf\u00e4llig in den 1990er-Jahren vonstatten. Die Notwendigkeit von Reformen war vor dem Hintergrund der pl\u00f6tzlich rasch ansteigenden Arbeitslosenquoten offenkundig. Ziel der Reform war, die \u00f6ffentliche Arbeitsvermittlung zu professionalisieren sowie ihren Vollzug effizient und wirkungsorientiert auszugestalten. Die neu geschaffenen Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) \u00fcbernahmen die bisher von rund 3000 Gemeindearbeits\u00e4mtern wahrgenommenen Aufgaben. Diese umfassen die Beratung, die Kontrolle und die Unterst\u00fctzung von Arbeitslosen bei der Stellensuche, die Kontaktpflege zu Arbeitgebern und die Beobachtung des regionalen Arbeitsmarktes. Zudem wurde die aktive Arbeitsmarktpolitik verst\u00e4rkt, indem das Angebot an Programmen zur vor\u00fcbergehenden Besch\u00e4ftigung, Qualifizierungskursen und anderen arbeitsmarktlichen Massnahmen (AMM) deutlich ausgebaut wurde. Die Finanzierung der \u00f6ffentlichen Arbeitsvermittlung und der arbeitsmarktlichen Massnahmen wurde vollst\u00e4ndig der Arbeitslosenversicherung (ALV) \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h3 class=\"ZT\">Vom Leistungsauftrag zur Wirkungssteuerung<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Ziel der \u00f6ffentlichen Arbeitsvermittlung ist seither in \u00dcbereinstimmung mit dem Arbeitslosenversicherungsgesetz (Avig), die rasche und dauerhafte Wiedereingliederung von Stellensuchenden in den Arbeitsmarkt zu f\u00f6rdern. In einer ersten Phase zwischen 1997 und 1999 wurde der Vollzug in einer Input-Output-Logik \u00fcber einen Leistungsauftrag gesteuert. Dieser enthielt zum Beispiel Vorgaben in Bezug auf die durchzuf\u00fchrenden Beratungsgespr\u00e4che, die Zuweisung und Vermittlung von Stellensuchenden, die Anzahl der Mitarbeitenden sowie die technischen und finanziellen Rahmenbedingungen. In dieser Phase war zudem gesetzlich ein Mindestangebot an AMM vorgeschrieben (25 000 Jahrespl\u00e4tze). Diese Form der <span class=\"recomDescriptiveWord\">Steuerung<\/span> \u00fcber Ressourcen und Aktivit\u00e4ten war zum Aufbau der neuen \u00f6ffentlichen Arbeitsvermittlung zweckdienlich. Ergebnisse aus der Evaluation dieser ersten Phase f\u00fchrten zu einem Wechsel in der Steuerungslogik hin zur Wirkungsorientierung (Outcome). Daher steuert der Bund den kantonalen Vollzug der \u00f6ffentlichen Arbeitsvermittlung seit Anfang 2000 mittels wirkungsorientierter Vereinbarungen nach Art. 92 Abs. 7 Avig sowie Art. 122c der Arbeitslosenversicherungsverordnung (Aviv). Die Vereinbarungen gelten zudem seit 2006 jeweils f\u00fcr eine Laufzeit von vier Jahren.Die erste <span class=\"recomDescriptiveWord\">wirkungsorientierte<\/span> Vereinbarung (2000\u20132002) war noch sehr stark auf Konkurrenz und Wettbewerb unter den Kantonen ausgerichtet. Dieser Konkurrenzdruck wurde mit der zweiten Vereinbarung (2003\u20132005) gemildert \u2013 insbesondere durch Abschaffung des Bonus-Malus-Systems. Gleichzeitig wurde die Zusammenarbeit zwischen den Kantonen gef\u00f6rdert durch die Schaffung eines institutionalisierten Erfahrungsaustausches.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"ZT\">Vier massgebende Indikatoren<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nSeit 2000 beruht die Vereinbarung im Wesentlichen auf vier gewichteten Wirkungsindikatoren, die sich wiederum aus vier Wirkungsabsichten ableiten:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li class=\"P\">rasche Wiedereingliederung;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li class=\"P\">Vermeidung von Langzeitarbeitslosigkeit;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li class=\"P\">Vermeidung von Aussteuerungen;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li class=\"P\">Vermeidung von Wiederanmeldungen.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nUm die Wirkungen der RAV schweizweit vergleichen zu k\u00f6nnen, werden die vier Indikatoren jedes einzelnen RAV und jedes Kantons durch eine sogenannte Exogenit\u00e4tskorrektur um regional spezifische exogene Einflussgr\u00f6ssen bereinigt und anhand des Schweizer Durchschnitts indexiert. Ein Wert unter 100 entspricht einer unterdurchschnittlichen, ein Wert \u00fcber 100 einer \u00fcberdurchschnittlichen Wirkung. Mit diesem einfachen \u00f6konometrischen Modell ist ein fairer interkantonaler Vergleich der Wirkungsergebnisse m\u00f6glich. Erg\u00e4nzender Bestandteil der Vereinbarung sind operative Kennzahlen zur F\u00fchrung der RAV und der Logistikstellen arbeitsmarktlicher Massnahmen (LAM) sowie das Instrument der besonderen Lagebeurteilung f\u00fcr die kontinuierliche Verbesserung insbesondere von Kantonen oder RAV mit unterdurchschnittlicher Wirkung. Ein Steuerungsausschuss mit Vertretenden des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) und Amtsleitenden aus den Kantonen analysiert jeweils die Wirkungsergebnisse und leitet bei Bedarf Massnahmen zur Optimierung der Vereinbarung ein.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"ZT\">Optimierung des bew\u00e4hrten Instruments<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nMit der Schaffung der RAV und insbesondere mit der Einf\u00fchrung der wirkungsorientierten Vereinbarungen konnte die Leistung der \u00f6ffentlichen Arbeitsvermittlung erh\u00f6ht werden. Es ist belegt, dass die Effizienz des Gesamtsystems seit 1998 um rund 20% gestiegen ist.&#13;<br \/>\nSheldon G. (2008): Entwicklung der Performance der \u00f6ffentlichen Stellenvermittlung der Schweiz im Zeitraum 1998\u20132007, Studie erstellt im Auftrag des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft, Forschungsstelle f\u00fcr Arbeitsmarkt- und Industrie\u00f6konomik, Universit\u00e4t Basel.&#13;<br \/>\nDaher war unbestritten, dass die <span class=\"recomDescriptiveWord\">wirkungsorientierte Steuerung<\/span> beibehalten wird. Die aktuelle Vereinbarung sollte urspr\u00fcnglich Ende 2013 auslaufen. Sie wurde fr\u00fchzeitig um ein Jahr verl\u00e4ngert, damit das Seco und der Steuerungsausschuss das bew\u00e4hrte Instrument zielgerichtet optimieren konnten.Dem Ergebnis dieser Arbeiten widmet sich der nachfolgende Artikel. In aller K\u00fcrze dies: Die vier bisherigen Wirkungsindikatoren bleiben bestehen und in ihrer Gewichtung unver\u00e4ndert. Allerdings wurden die ersten drei Indikatoren auf Ebene der Spezifikationen technisch verbessert. Der vierte Indikator wiederum erfuhr konzeptionell eine Anpassung, die bessere R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Nachhaltigkeit der Wiedereingliederung von Stellensuchenden erlauben. Neu soll im Rahmen eines Pilotversuchs zudem die Vermittlung von Nichtleistungsbez\u00fcgern&#13;<br \/>\nAls Nichtleistungsbez\u00fcger werden Stellensuchende bezeichnet, welche bei einem RAV angemeldet sind, ohne \u00fcber eine zum Taggeldbezug berechtigende Rahmenfrist zu verf\u00fcgen, oder in der laufenden Rahmenfrist ausgesteuert worden sind.&#13;<br \/>\ngemessen werden, da auch diese Personengruppe Anrecht auf die Dienstleistungen der RAV hat. Schliesslich wurde auch die Exogenit\u00e4tskorrektur nochmals verfeinert und gesch\u00e4rft.F\u00fcr einige Diskussion sorgte die Forderung von Kantonen der Westschweiz und dem Tessin nach einer Mentalit\u00e4tsvariablen. Hintergrund dieser Forderung ist der Befund einer Studie, wonach in der Romandie und im Tessin im Vergleich zur deutschen Schweiz eine andere Haltung zum Staat und eine andere Arbeitseinstellung statistisch nachweisbar seien. Dies k\u00f6nnte dazu f\u00fchren, dass Stellensuchende der lateinischen Schweiz schneller staatliche Hilfe in Anspruch nehmen und l\u00e4nger in der Arbeitslosigkeit verbleiben. Mit einer Mentalit\u00e4tsvariablen w\u00e4ren diese \u00abkulturellen\u00bb Disparit\u00e4ten aus den Wirkungsergebnissen herauskorrigiert worden. Der Steuerungsausschuss entschied sich nach eingehender Pr\u00fcfung allerdings gegen die Einf\u00fchrung einer solchen Mentalit\u00e4tsvariablen. Zum einen w\u00e4ren kulturelle Unterschiede dieser Art, so sie sich denn zweifelsfrei belegen liessen, mindestens zum Teil endogener Natur. Zum anderen h\u00e4tte eine solche Korrektur keine zustimmende Mehrheit bei den Kantonen gefunden.Die neue <span class=\"recomDescriptiveWord\">wirkungsorientierte<\/span> Vereinbarung, die ab Januar 2015 in Kraft tritt, basiert auf einem weiter optimierten \u00f6konometrischen Modell sowie auf den erprobten Steuerungsinstrumenten und Kennzahlen. Damit kann die bew\u00e4hrte Zusammenarbeit von Bund und Kantonen fortgesetzt werden.&#13;<\/p>\n<p class=\"P\"><span class=\"AU\"> Oliver Sch\u00e4rli Leiter des Bereichs Arbeitsmarkt\/ALV, Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft SECO, Bern <\/span><\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;\n<\/p><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den 1980er-Jahren setzte in Europa ein Trend ein, Verwaltungen verst\u00e4rkt nach den Kriterien der Effizienz und der Effektivit\u00e4t auszurichten. Insbesondere das New Public Management wies einer modernisierten, auf Wirkung ausgerichteten Verwaltung die Richtung. 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Seit 2000 steuert der Bund den kantonalen Vollzug der \u00f6ffentlichen Arbeitsvermittlung mittels wirkungsorientierter Vereinbarungen. Die Vereinbarungen gelten seit 2006 jeweils f\u00fcr eine Laufzeit von vier Jahren. Im Januar 2015 tritt eine neue Vereinbarung in Kraft. An der Wirkungsorientierung wird ebenso festgehalten wie am bisherigen Zielsystem. Die neue Vereinbarung soll aber m\u00f6glichst alle strategischen Ziele der \u00f6ffentlichen Arbeitsvermittlung abbilden.","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":117242,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"24433","post_abstract":"","magazine_issue":"20141201","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/55794d8ebc052"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117239"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4224"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=117239"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117239\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126973,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117239\/revisions\/126973"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4224"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=117239"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=117239"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=117239"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=117239"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=117239"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=117239"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}