{"id":117249,"date":"2014-12-11T09:55:10","date_gmt":"2014-12-11T09:55:10","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2014\/12\/finanzielle-inklusion-und-finanzstabilitaet-zwei-aehnliche-problematiken\/"},"modified":"2023-08-23T23:15:52","modified_gmt":"2023-08-23T21:15:52","slug":"finanzielle-inklusion-und-finanzstabilitaet-zwei-aehnliche-problematiken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2014\/12\/finanzielle-inklusion-und-finanzstabilitaet-zwei-aehnliche-problematiken\/","title":{"rendered":"Finanzielle Inklusion und Finanzstabilit\u00e4t \u2013 zwei \u00e4hnliche Problematiken?"},"content":{"rendered":"<p>Die internationalen Gremien gehen von der Feststellung aus, dass \u00fcber 2,5 Milliarden Erwachsene heute keinen Zugang zu einem Bankkonto haben. In den Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4ndern, ja sogar in den Industriestaaten ist der Zugang zu Finanzdienstleistungen keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Einer Studie zufolge haben in den USA 7,7% der Erwachsenen kein Bankkonto, und 18% benutzen ihr Bankkonto kaum.&#13;<br \/>\nDer daf\u00fcr verwendete Begriff ist underbanked.&#13;<br \/>\nDieser Ausschluss kann entweder freiwillige Gr\u00fcnde haben (kulturelle oder religi\u00f6se Faktoren, kein Bedarf an Bankdienstleistungen) oder aber unfreiwillig erfolgen (ungen\u00fcgende Ressourcen, Diskriminierung, geografische Distanz, unvollkommene Bankenm\u00e4rkte). Der Anteil an Privatpersonen und Unternehmen, die Finanzdienstleistungen beanspruchen, variiert je nach Land erheblich.&#13;<\/p>\n<div class=\"body\">&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Die Wirtschaftstheorie hat erst relativ sp\u00e4t festgestellt, dass spezifische Unvollkommenheiten des Bankenmarkts zur <span class=\"recomDescriptiveWord\">finanziellen<\/span> Exklusion von Teilen der Bev\u00f6lkerung f\u00fchren. Davon ausgehend wurde der Gegenbegriff <span class=\"recomDescriptiveWord\">finanzielle Inklusion<\/span> (Financial Inclusion) geschaffen. Die Politik zur Finanzmarktregulierung hat in der Folge diesen Begriff aufgenommen und auf die gleiche Ebene wie die Aspekte Finanzmarktstabilit\u00e4t, Integrit\u00e4t und Verbraucherschutz gestellt. Diese vier Faktoren sollten einen \u00abCirculus virtuosus\u00bb bilden. Die <span class=\"recomDescriptiveWord\">finanzielle Inklusion<\/span> selbst umfasst ihrerseits mehrere Dimensionen:<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">\u00b7 einen breiteren Zugang zu Finanzdienstleistungen (f\u00fcr Privatpersonen und Unternehmen);&#13;<br \/>\n\u00b7 Bildung, Eigenverantwortung und Finanzkultur;&#13;<br \/>\n\u00b7 Pr\u00e4vention von <span class=\"recomDescriptiveWord\">finanziellen<\/span> Risiken;&#13;<br \/>\n\u00b7 Demokratisierung der Zahlungsmittel durch neue Technologien, allen voran die F\u00f6rderung der digitalen und mobilen Finanzdienste;&#13;<br \/>\n\u00b7 Erleichterung und Kostenreduktion von internationalen \u00dcberweisungen;&#13;<br \/>\n\u00b7 Bek\u00e4mpfung von geschlechtsspezifischen und sozialen Ungleichheiten im Finanzbereich;&#13;<br \/>\n\u00b7 Bek\u00e4mpfung der informellen Wirtschaft und der illegalen Finanzierungskan\u00e4le.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"ZT\">Die Finanzkrise offenbarte den Graben zwischen Angebot und Nachfrage<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Nachgang der Finanzkrise von 2008 haben die G-20 Massnahmen ergriffen, um die \u00dcbereinstimmung von Nachfrage und Angebot im Bereich der Finanzdienstleistungen zu verbessern. Um die Arbeiten international zu koordinieren, wurde anl\u00e4sslich des Gipfels in Seoul 2010 die Global Partnership for Financial Inclusion (GPFI) geschaffen. Diese Partnerschaft ist offen f\u00fcr alle L\u00e4nder und internationale Organisationen. Die Niederlande leisten als Nichtmitglied der G-20 einen substanziellen Beitrag \u2013 nicht zuletzt <span class=\"recomDescriptiveWord\">finanziell<\/span&gt;; die K\u00f6nigin Maxima, UNO-Sonderbotschafterin f\u00fcr Mikrofinanz, fungiert zudem als Ehrenpr\u00e4sidentin des GPFI. Zu den Mitgliedern der Organisation geh\u00f6ren unter anderem die Alliance for Financial Inclusion (AFI), die Consultative Group to Assist the Poor (CGAP) und die Weltbank-Gruppe.Das Financial Stability Board (FSB) wurde mit dem Verbraucherschutz beauftragt. Im Bereich der <span class=\"recomDescriptiveWord\">finanziellen<\/span> Bildung am aktivsten ist das International Network on Financial Education (Infe) der Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). \u00dcber 150 Institutionen des \u00f6ffentlichen Sektors aus 77 L\u00e4ndern geh\u00f6ren heute zu diesem Netzwerk, und mehr als 50 L\u00e4nder haben sich verpflichtet, eine nationale Strategie zur Verbesserung der <span class=\"recomDescriptiveWord\">finanziellen Inklusion<\/span> zu verfolgen. Die Weltbank-Gruppe verwaltet den Trust Fund on Financial Literacy and Education, der von Russland mit 15 Mrd. US-Dollar unterst\u00fctzt wird. Zahlreiche weitere Organisationen beteiligen sich ebenfalls daran.Im kommenden Jahr wird die <span class=\"recomDescriptiveWord\">finanzielle Inklusion<\/span> zu den Priorit\u00e4ten der G-20 unter t\u00fcrkischem Vorsitz geh\u00f6ren. Die T\u00fcrkei m\u00f6chte die Kontinuit\u00e4t mit der Agenda Australiens sicherstellen und den Schwerpunkt auf die Niedriglohnl\u00e4nder und die Privatsektorf\u00f6rderung legen. Der Internationale W\u00e4hrungsfonds (IWF), die Weltbank-Gruppe und das Europ\u00e4ische Parlament haben ebenfalls Arbeiten in diesem Bereich eingeleitet.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie bisher kompletteste Ver\u00f6ffentlichung zu diesem Thema stammt von der Weltbank (2014): Global Financial Development Report 2014: Financial Inclusion, Washington (www.worldbank.org &gt; Search). Siehe auch IWF (2014): \u00abAssessing Countries\u2019 Financial Inclusion Standing \u2013 A New Composite Index\u00bb, IMF Working Paper (February), sowie Europ\u00e4isches Parlament (2014): The Impact of Remittances on Developing Countries.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas internationale Engagement f\u00fcr <span class=\"recomDescriptiveWord\">finanzielle Inklusion<\/span> steht im Kontext mit den erneuten Bem\u00fchungen um Strukturreformen zur Bew\u00e4ltigung der aktuellen Krise. Angesichts des schrumpfenden Handlungsspielraums der Fiskal- und der Geldpolitik drohen den entwickelten Volkswirtschaften eine \u00abdauerhafte Stagnation\u00bb und ein geringeres Wachstumspotenzial. Eine Reform der Volkswirtschaften mit gezielten politischen Massnahmen in den Bereichen Besch\u00e4ftigung, Innovation und Investitionen in Infrastrukturen ist daher dringend geboten. Dazu geh\u00f6rt auch eine Politik zugunsten des sogenannten inklusiven Wachstums.&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Seit Kurzem steht die Entwicklung von neuen Finanztechnologien f\u00fcr bed\u00fcrftige Bev\u00f6lkerungsgruppen im Rampenlicht. Die Weltbank-Gruppe hat dazu eine neue Initiative angek\u00fcndigt: Bis 2020 soll die gesamte Bev\u00f6lkerung im erwerbsf\u00e4higen Alter Zugang zu Finanzdienstleistungen erhalten, dies dank technologischen Innovationen wie dem mobilen Portemonnaie und dem elektronischen Portfolio; auch die Chancen des Web 2.0 inklusive Crowdfunding sollen genutzt werden. Ziel ist es gleichzeitig, die Nutzer mit funktionellen Tools bei einem vern\u00fcnftigen und rationellen Umgang mit ihren Finanzen zu unterst\u00fctzen. Eine weitere Herausforderung besteht darin, wettbewerbsf\u00e4hige technologische Alternativen zu den traditionellen Anbietern von Zahlungsdienstleistungen zu schaffen, um die Kosten zu senken. Virtuelles Geld \u2013 wie Bitcoin \u2013 bietet zwar ein grosses Potenzial zur Verringerung der internationalen \u00dcberweisungskosten; doch wegen der nutzungsbedingten Risiken erscheint die weitere Entwicklung zurzeit unsicher. Daneben befassen sich die Regulierungsbeh\u00f6rden auch mit dem Zusammenhang zwischen digitalen Zahlungsmitteln und der Bek\u00e4mpfung von illegalen T\u00e4tigkeiten (dank der m\u00f6glichen automatischen \u00dcberwachung verd\u00e4chtiger Transaktionen).<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h3 class=\"ZT\">Die Schweiz ist indirekt betroffen<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nIn der Schweiz steht die <span class=\"recomDescriptiveWord\">finanzielle Inklusion<\/span> nicht zuoberst auf der innenpolitischen Priorit\u00e4tenliste. Es besteht ein praktisch universaler Zugang zu Finanzdienstleistungen:\u00b7 Die Schweiz weist \u00fcber 80 Bankstellen und \u00fcber 170 Bankautomaten pro 1000 km2 auf;&#13;<br \/>\n\u00b7 Schweizerinnen und Schweizer besitzen im Durchschnitt mehr als drei Bankkonten;&#13;<br \/>\n\u00b7 der Gesamtwert der Bankeinlagen wird auf \u00fcber 177% des Bruttoinlandprodukts (BIP) gesch\u00e4tzt.&#13;<br \/>\nQuelle: IWF, Financial Access Survey.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZudem scheint der Finanzplatz Schweiz besser auf das digitale Zeitalter vorbereitet zu sein als andere L\u00e4nder.&#13;<br \/>\nVgl. AT Karney (2013): Banking in a Digital World, October (www.atkearney.com &gt; Search).&#13;<br \/>\nDie Schweizer Banken zeigen wachsendes Interesse an neuen Crowdfunding-Modellen, um Finanzdienstleistungen noch besser zug\u00e4nglich zu machen. Das Engagement zeigt sich in Form der Einrichtung von elektronischen Plattformen zur Pr\u00e4sentation von Portfolios, Anlageberatung, Kontaktaufnahme mit Kundenberatern oder Zugang zu E-Learning-Modulen.&#13;<br \/>\nSiehe z. B. Swissfinancestartups.com: Die Webseite wurde von drei schweizerischen Start-ups aus dem Finanzbereich ins Leben gerufen. Ziel ist es, den Austausch zwischen jungen, spezialisierten Unternehmen zu f\u00f6rdern sowie den Kontakt von Anbietern innovativer elektronischer L\u00f6sungen mit etablierten Finanzinstituten zu erleichtern.&#13;<br \/>\nZwar weckt die exzessive Verschuldung von Privatpersonen zunehmende Besorgnis \u2013 insbesondere die Situation von Jugendlichen, wie sie der Bericht der Eidgen\u00f6ssischen Kommission f\u00fcr Kinder- und Jugendfragen (EKKJ) schildert.&#13;<br \/>\nVgl. Medienmitteilung der EKKJ vom 3. November 2014 (www.ekkj.admin.ch &gt; Aktuell). Siehe auch Henchoz, Wehrly: Ist die Jugendverschuldung in der Schweiz h\u00f6her als jene der Erwachsenen?, in: Die Volkswirtschaft, 6-2011.&#13;<br \/>\nTrotzdem bleibt die traditionelle Sparkultur in der Schweiz vor allem wegen des weitgehend obligatorischen Vorsorgesystems st\u00e4rker ausgepr\u00e4gt als etwa in den angels\u00e4chsischen L\u00e4ndern. Bisher sind die Bem\u00fchungen der Schweiz zur F\u00f6rderung der <span class=\"recomDescriptiveWord\">finanziellen<\/span> Bildung relativ bescheiden geblieben. Das dezentralisierte Bildungssystem macht die Erarbeitung einer nationalen Strategie in diesem Bereich besonders schwierig.Die <span class=\"recomDescriptiveWord\">finanzielle Inklusion<\/span> bildet hingegen einen wichtigen Bestandteil der schweizerischen Strategie f\u00fcr die Entwicklungszusammenarbeit. In diesem Zusammenhang wurde nachgewiesen, dass die Erfolge der L\u00e4nder bei der Armutsverringerung eng mit dem \u00abDurchdringungsgrad\u00bb der Finanzdienstleistungen verbunden sind.&#13;<br \/>\nVgl. Bericht der Weltbank, Fussnote 2; siehe auch Demirgu\u00e7-Kunt und Klappner (2012): Measuring Financial Inclusion.&#13;<br \/>\nAuch die Auswirkungen privater R\u00fcckweisungen von Migranten (Remittances) auf die Entwicklung r\u00fccken zunehmend in den Mittelpunkt des Interesses.&#13;<br \/>\nVgl. Europ\u00e4isches Parlament (2014).&#13;<br \/>\nDie laufenden Arbeiten konzentrieren sich auf die Frage, wie die Geld\u00fcberweisungen besser zur Durchf\u00fchrung von nachhaltigen Investitionsprojekten in den Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4ndern beitragen k\u00f6nnen (z. B. Gew\u00e4hrung von Investitionskrediten, die durch private Geld\u00fcberweisungen garantiert sind).Das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) leistet in diesem Rahmen seit mehreren Jahren einen <span class=\"recomDescriptiveWord\">finanziellen<\/span> und inhaltlichen Beitrag an das technische Hilfsprogramm der Weltbank-Gruppe f\u00fcr Verbraucherschutz und <span class=\"recomDescriptiveWord\">finanzielle<\/span> Bildung. Die Finanzierung der Schweiz betr\u00e4gt 7,6 Mio. US-Dollar, d. h. 60% des gesamten Programmbudgets. Zudem plant das Seco, 4,7 Mio. US-Dollar zum Weltbank-Programm Remittances &amp; Payments zugunsten von sieben osteurop\u00e4ischen L\u00e4ndern beizusteuern.&#13;<br \/>\nAlbanien, Aserbaidschan, Kosovo, Kirgisische Republik, Mazedonien, Serbien, Ukraine.&#13;<br \/>\nDas Staatssekretariat f\u00fcr internationale Finanzfragen (SIF) vertritt die Schweiz in der G-20-Gruppe im Rahmen der GPFI. In diplomatischer Hinsicht erh\u00e4lt die Schweiz damit Zugang zum \u00abVorzimmer\u00bb der G-20. Die Arbeitsgruppe f\u00fcr Entwicklung der G-20 wird von der GPFI massgeblich beeinflusst. Die Schweiz erh\u00e4lt so eine M\u00f6glichkeit, sich Geh\u00f6r zu verschaffen, wie zum Beispiel anl\u00e4sslich der Konsultation zum Aktionsplan der USA \u00fcber die Kosten der Remittances. Unser Land ist von diesen Diskussionen unmittelbar betroffen, steht es doch nach Russland und Saudi-Arabien volumenm\u00e4ssig weltweit an dritter Stelle der Herkunftsl\u00e4nder von internationalen R\u00fcckweisungen.&#13;<br \/>\nDie SNB zeigt jedoch in der Studie \u00abRemittance Outflow from Switzerland\u00bb, dass \u00fcber 80% der Transfers aus der Schweiz in die angrenzenden L\u00e4nder fliessen. Daher h\u00e4tte eine Regulierung zur Verringerung der Kosten von Finanztransaktionen aus der Schweiz nur begrenzte Auswirkungen auf die Ziell\u00e4nder.&#13;<br \/>\nDas Eidgen\u00f6ssische Departement f\u00fcr ausw\u00e4rtige Angelegenheiten (EDA) unterst\u00fctzt den Weltpostverein bei der F\u00f6rderung des Ausbaus der Postnetze, damit auch die \u00e4rmsten Bev\u00f6lkerungsgruppen ein Konto er\u00f6ffnen k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h3 class=\"ZT\">Verbindung von <span class=\"recomDescriptiveWord\">Inklusion<\/span> und Stabilit\u00e4t<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nNeben den Aspekten der internationalen Entwicklung stehen f\u00fcr die Schweiz auch wirtschaftliche Interessen auf dem Spiel. Denn <span class=\"recomDescriptiveWord\">finanzielle Inklusion<\/span> und Finanzstabilit\u00e4t k\u00f6nnen als sich erg\u00e4nzende, positiv korrelierte Aspekte der Politik zur Krisenpr\u00e4vention betrachtet werden.&#13;<br \/>\nSiehe die Rede vom 4. November 2011 des Vizedirektors der Indischen Zentralbank, H. R. Khan: Financial Inclusion and Financial Stability: Are They Two Sides of the Same Coin? (www.bis.org\/review\/r111229f.pdf).&#13;<br \/>\nIm Finanzsektor erleichtert die <span class=\"recomDescriptiveWord\">finanzielle Inklusion<\/span> den Intermediationsprozess zwischen Sparen und Investieren und ver\u00e4ndert gleichzeitig die Zusammensetzung des Finanzsystems. Das dadurch verbreiterte Spektrum an Wirtschaftssubjekten und die Diversifizierung der Aktiven verringern die <span class=\"recomDescriptiveWord\">finanziellen<\/span> Risiken des Finanzsektors. Sparer und Anleger mit geringem Einkommen weisen zudem ein konstanteres und verl\u00e4sslicheres Finanzverhalten in Krisenzeiten auf. Dank ihren Einlagen verf\u00fcgen die Banken \u00fcber eine wertvolle Liquidit\u00e4tsquelle und k\u00f6nnen ihre Rolle in Kreditvergabeketten auch im Falle einer systemischen Krise wahrnehmen.Aus der Sicht der \u00f6ffentlichen Politik verst\u00e4rkt die <span class=\"recomDescriptiveWord\">finanzielle Inklusion<\/span> die Wirksamkeit der Geldpolitik. Denn im informellen Finanzsektor laufen die \u00dcbertragungskan\u00e4le der Geldpolitik ins Leere, weil die Wirtschaftssubjekte ihre Entscheidungen unbeeinflusst von den Massnahmen der Zentralbank treffen. Zudem kann die <span class=\"recomDescriptiveWord\">finanzielle Inklusion<\/span> durch das Zur\u00fcckdr\u00e4ngen des Schattenfinanzsektors zur Bek\u00e4mpfung der Finanzkriminalit\u00e4t beitragen. Dabei sollte sie aber nicht als Vorwand dienen, um Massnahmen zur Bek\u00e4mpfung von Geldw\u00e4scherei und Terrorismusfinanzierung abzuschw\u00e4chen. Das breitere Finanzdienstleistungsangebot f\u00f6rdert ausserdem die Entwicklung von innovativen Finanzl\u00f6sungen, tr\u00e4gt zur Verringerung der Finanztransaktionskosten bei und beschleunigt die Informations\u00fcbermittlung. Schliesslich hat die <span class=\"recomDescriptiveWord\">finanzielle Inklusion<\/span> auch einen positiven Einfluss auf Haushalte und Kleinunternehmen: Sie verringert die Abh\u00e4ngigkeit der Wirtschaftssubjekte von den Kosten der informellen Wirtschaft, verbessert die Bedingungen f\u00fcr den Zugang zu Immobilienkrediten und erleichtert die Bedingungen f\u00fcr Finanztransaktionen bei Kreditr\u00fcckzahlungen sowie f\u00fcr den Erhalt von staatlichen Hilfen.<span class=\"recomDescriptiveWord\">Finanzielle Inklusion<\/span> ist also nicht nur eine Entwicklungsthematik, sondern ein Stabilit\u00e4tsfaktor f\u00fcr das Finanzsystem. Das Engagement der Schweiz in diesem Bereich kann sich demnach indirekt positiv auf die schweizerische Volkswirtschaft auswirken. Es ist kein Zufall, dass sich nun auch der IWF mit dem Thema besch\u00e4ftigt und die Aspekte der <span class=\"recomDescriptiveWord\">finanziellen Inklusion<\/span> in seinen Arbeiten vermehrt ber\u00fccksichtigt. So hat er 2009 die bisher einzige Datenbank mit internationalen Statistiken zum Angebot an Finanzdienstleistungen geschaffen.&#13;<br \/>\nFinancial Access Survey (www.imf.org &gt; Data and Statistics).&#13;<br \/>\nAuf dieser Basis konnten dieses Jahr neue Analysen zur <span class=\"recomDescriptiveWord\">finanziellen Inklusion<\/span> in den einzelnen L\u00e4ndern durchgef\u00fchrt werden.&#13;<br \/>\nVgl. IWF (2014): Assessing Countries\u2019 Financial Inclusion Standing \u2013 A New Composite Index, Februar.&#13;<br \/>\nDar\u00fcber hinaus stellt sich die Frage nach einer besseren \u00dcberwachung der Politiken zur <span class=\"recomDescriptiveWord\">finanziellen Inklusion<\/span> durch den IWF. Dessen Generaldirektorin, Christine Lagarde, hat in ihrer j\u00fcngsten Rede am Internationalen Forum \u00fcber <span class=\"recomDescriptiveWord\">finanzielle Inklusion<\/span> in Mexiko im letzten Juni den Zusammenhang mit der Stabilit\u00e4t des Finanzsystems hervorgehoben.&#13;<br \/>\nVgl. \u00abEmpowerment Through Financial Inclusion\u00bb, 26 Juni 2014 (www.imf.org\/external\/np\/speeches\/2014\/062614a.htm).&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Allerdings sollte man sich vor zu weit gehenden oder zu einfachen Interpretationen h\u00fcten. <span class=\"recomDescriptiveWord\">Finanzielle Inklusion<\/span> hat zwar positive Auswirkungen, kann aber auch negative Externalit\u00e4ten aufweisen, wie etwa die unkontrollierte Vergabe von nicht rentablen Kleinkrediten. Dar\u00fcber hinaus stellt sich die Frage, ob und, wenn ja, in welchem Ausmass eine bessere <span class=\"recomDescriptiveWord\">finanzielle<\/span> Kultur die Risikobereitschaft von Individuen erh\u00f6ht.&#13;<br \/>\nVgl. Manz, Michael: Financial Education \u2013 Rolle und internationale Entwicklungen, in: Die Volkswirtschaft, 6-2011.&#13;<br \/>\nDie These, wonach unzureichendes Finanzwissen die letzte globale Finanzkrise ausgel\u00f6st habe, kommt als Teilerkl\u00e4rung nach wie vor in Betracht. Weitere Untersuchungen sind somit notwendig, um aufzuzeigen, wie eng die Verbindung zwischen der <span class=\"recomDescriptiveWord\">finanziellen Inklusion<\/span> und der makro\u00f6konomischen Stabilit\u00e4t eines Landes wirklich ist.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\"><span class=\"AU\"> Gildas Monnerie Wirtschaftswissenschaftler, Abteilung Multilaterales, Internationale Finanzinstitutionen, Staatssekretariat f\u00fcr internationale Finanzfragen SIF <\/span><\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<div class=\"LG\">&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Gesellschaftlichen Gruppen, die bisher vom Finanzmarkt ausgeschlossen waren, k\u00f6nnen dank der <span class=\"recomDescriptiveWord\">finanziellen Inklusion<\/span> bestehende H\u00fcrden des Finanzmarktes \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;\n<\/p><\/div>\n<p>&#13;<br \/>\n<span class=\"UR\"> Foto: Keystone <\/span><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die internationalen Gremien gehen von der Feststellung aus, dass \u00fcber 2,5 Milliarden Erwachsene heute keinen Zugang zu einem Bankkonto haben. 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Ziel der Arbeiten ist es, die Perspektiven der wirtschaftlichen Entwicklung zu erweitern, indem die informelle Wirtschaft zur\u00fcckgedr\u00e4ngt und die Krisenanf\u00e4lligkeit der L\u00e4nder verringert wird. Seit der Finanzkrise 2008 hat das Thema auf internationaler Ebene an Aktualit\u00e4t gewonnen. Denn die finanzielle Inklusion ist nicht nur f\u00fcr die Entwicklung relevant, sondern beeinflusst auch die Stabilit\u00e4t des internationalen Finanzsystems positiv. 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