{"id":117280,"date":"2014-12-01T23:05:21","date_gmt":"2014-12-01T23:05:21","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2014\/12\/la-specialite-de-la-suisse-produire-en-masse-dans-les-domaines-intensifs-en-recherche\/"},"modified":"2023-08-23T23:16:19","modified_gmt":"2023-08-23T21:16:19","slug":"die-spezialitaet-der-schweizer-industrie-massenproduktion-in-forschungsintensiven-bereichen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2014\/12\/die-spezialitaet-der-schweizer-industrie-massenproduktion-in-forschungsintensiven-bereichen\/","title":{"rendered":"Die Spezialit\u00e4t der Schweizer Industrie: Massenproduktion in forschungsintensiven Bereichen"},"content":{"rendered":"<div>Der wirtschaftliche Aufstieg der Schwellenl\u00e4nder seit den 1990er-Jahren versch\u00e4rfte den globalen Wettbewerbsdruck deutlich und stellt die weltwirtschaftliche Dominanz der entwickelten Volkswirtschaften infrage. Bisher zeigt sich der Aufholprozess der Schwellenl\u00e4nder vor allem an stark gestiegenen Anteilen an der globalen Produktion und am Welthandel. Der Aufbau von Forschungskapazit\u00e4ten in den Schwellenl\u00e4ndern folgt zwar seit einigen Jahren ebenfalls einem sehr dynamischen Wachstumspfad. Gleichwohl ist deren Anteil an den globalen Forschungsausgaben nach wie vor gering.<\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2 class=\"article-subtitle\">Forschungsintensit\u00e4t der Schweizer Industrie<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<div>Weniger entwickelte Volkswirtschaften spezialisieren sich h\u00e4ufig zun\u00e4chst auf die Herstellung von arbeitsintensiven G\u00fctern, deren Produktionsprozesse relativ einfach sind. Die Schweiz ist als kleine, offene Volkswirtschaft eng in die globalen Wertsch\u00f6pfungsketten eingebunden. Als Hochlohn-Standort d\u00fcrfte sie sich daher verst\u00e4rkt auf die Produktion von anspruchsvolleren G\u00fctern spezialisieren \u2013 Wertsch\u00f6pfung also zunehmend in eher forschungs- und wissensintensiven Produktionsbereichen erzielen.<\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div>Um diese These zu \u00fcberpr\u00fcfen, hat Prognos zun\u00e4chst die Daten der <i>Trade in Value Added Database (TiVA)<\/i> der OECD, die den Wert der exportierten Bruttowertsch\u00f6pfung eines Landes in einzelnen Wirtschaftszweigen ausweist,<a id=\"footenote_1_link\" class=\"footnoteAnchor\" name=\"footenote_1_link\"><\/a>1 mit Informationen zu den Forschungsausgaben bzw. Forschungsintensit\u00e4ten in den einzelnen Wirtschaftszweigen verkn\u00fcpft (zur Sch\u00e4tzung der Schweizer Forschungsausgaben siehe<i><a class=\"box-link\">Kasten 1). <\/a><\/i>Tats\u00e4chlich ist die Schweiz\u00a0\u2013 gemessen am TiVA-Wertsch\u00f6pfungshandel \u2013 in forschungsintensiven Wirtschaftszweigen \u00fcberdurchschnittlich stark vertreten. Zudem weist sie in diesen Bereichen leicht \u00fcberdurchschnittliche Zuwachsraten auf.<\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div>Gleichwohl ist eine tiefergehende Analyse zur Forschungsintensit\u00e4t auf Grundlage des stark aggregierten Datenstands der TiVA-Datenbank kaum m\u00f6glich. Die ausgewiesenen Wirtschaftszweige fassen oft mehrere Branchen zusammen, welche sich hinsichtlich ihrer Forschungsintensit\u00e4t stark unterscheiden. Die Untersuchung basiert daher auf dem st\u00e4rker disaggregierten Welthandelsmodell der Prognos AG <i><a class=\"box-link\">(siehe Kasten 1).<\/a><\/i><\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div>In der Schweiz haben sich seit 1995 die pharmazeutische Industrie sowie die Medizin-, Mess- und Steuerungstechnik besonders dynamisch entwickelt. Fast die H\u00e4lfte der Ausfuhr und \u00fcber ein Drittel der Industrieproduktion entfallen mittlerweile auf diese beiden Bereiche. Im Jahr 1995 lagen diese Werte noch bei 23% bzw. 17%. Auch der globale Anteil der Schweiz an der Ausfuhr in den zwei Branchen weist mit \u00fcber 12% bzw. 7% einen Wert auf, der deutlich \u00fcber dem Branchendurchschnitt von knapp 2% liegt (siehe<i><a class=\"graphic-link\" title=\"Schweizer Anteil an der globalen Ausfuhr und Forschung nach Branchen, 2012\">Grafik 1).<\/a><\/i> Hinsichtlich der Anteile an der globalen Forschung ist die Schweiz breiter aufgestellt. Gleichwohl haben auch hier meist jene Branchen hohe Anteile zu verzeichnen, in denen das Land hohe Ausfuhranteile aufweist.<\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2 class=\"article-subtitle\">Wichtigste Schweizer Branchen global am forschungsintensivsten<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<div>Damit haben in der Schweiz die zwei besonders forschungsstarken Branchen Pharmaindustrie sowie Medizin-, Mess- und Steuerungstechnik deutlich an Gewicht gewonnen. Sie stellen \u2013 gemessen am Anteil der globalen Forschungsausgaben am globalen Produktionswert \u2013 gar die beiden forschungsintensivsten Branchen \u00fcberhaupt dar. Eine Spezialisierung auf forschungsintensive Bereiche zeigt sich auch im Branchendurchschnitt: Die Ausfuhr der Gruppe der forschungsintensiven Branchen hat sich zwischen 1995 und 2012 mehr als verdreifacht. Die Ausfuhr der forschungsarmen Branchen legte im gleichen Zeitraum um lediglich 90% zu.<a id=\"footenote_2_link\" class=\"footnoteAnchor\" name=\"footenote_2_link\"><\/a>2<\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2 class=\"article-subtitle\">\u00abMassenhersteller\u00bb in den forschungsintensivsten Branchen<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<div>Aus Branchenperspektive hat sich die Schweizer Industrie also stark auf forschungsintensive Bereiche spezialisiert. Die Produktionsstruktur innerhalb dieser Branchen zeichnet jedoch ein differenzierteres Bild. Mithilfe einer Patentanalyse l\u00e4sst sich aufzeigen, f\u00fcr welche Produktgruppen zwischen 1995 und 2012 weltweit besonders viele Patente erteilt wurden \u2013 welche Bereiche also eine besonders hohe oder niedrige Forschungst\u00e4tigkeit aufweisen. In der Produktion der Pharmaindustrie zeigt sich, dass in der Schweiz seit 1995 G\u00fctergruppen stark an Bedeutung gewonnen haben, in denen keine bis wenig Forschung stattfindet (siehe <i><a class=\"graphic-link\" title=\"Produktionsstruktur in der Pharmaindustrie nach Forschungskategorien, 1995 bis 2012\">Grafik 2).<\/a><\/i> In der Medizin-, Mess- und Steuerungstechnik ist der Anteil der forschungsarmen G\u00fcter an der gesamten Branchenproduktion in der Schweiz ebenfalls h\u00f6her als im internationalen Durchschnitt. Die Schweiz ist also in den beiden forschungsintensivsten Branchen insbesondere bei der Herstellung von weniger wissensintensiven Produkten sehr wettbewerbsf\u00e4hig\u00a0\u2013 sozusagen eine \u00abMassenherstellerin\u00bb in den forschungsintensivsten Branchen.<\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div>Um ein umfassendes Bild zu erhalten, untersuchte Prognos die Produktionsstruktur in insgesamt elf Branchen, in denen Forschung allgemein eine wichtige Rolle f\u00fcr den Herstellungsprozess spielt. Dabei zeigt sich wiederum, dass die Schweizer Hersteller in fast allen Branchen \u2013 anders als in der Pharmaindustrie und in der Medizin-, Mess- und Steuerungstechnik \u2013 bei der Produktion von forschungsintensiven Produktgruppen \u00fcberrepr\u00e4sentiert sind. Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass sich die Pharmaindustrie sowie die Medizin-, Mess- und Steuerungstechnik in der Schweiz auch deshalb \u00fcberdurchschnittlich dynamisch entwickelten, weil sie es besser als die meisten \u00fcbrigen Branchen geschafft haben, auch den Bereich der standardisierten Massenproduktion erfolgreich abzudecken.<\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2 class=\"article-subtitle\">Export\u00fcberschuss bei forschungsintensiven Technologien<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<div>Einen weiteren Schwerpunkt der Untersuchung bildet die Analyse der Bedeutung einzelner Technologien f\u00fcr den Produktionsstandort Schweiz. W\u00e4hrend sich die Schweiz auf der Branchenebene stark spezialisierte, ist sie auf der Ebene von Technologien breiter aufgestellt. Es zeigt sich zum einen, dass in der Schweiz solche Technologien eine hohe Wachstumsdynamik und Relevanz aufweisen, die als Technologietr\u00e4ger f\u00fcr die wichtigsten Schweizer Branchen fungieren.<\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div>Zum anderen wird etwa bei einem Blick auf den Aussenhandel deutlich, dass die Schweiz insbesondere bei forschungsintensiven Technologien wettbewerbsf\u00e4hig ist. So ist die Schweizer Handelsbilanz in den eher forschungsarmen Technologiebereichen meist ausgeglichen oder negativ. In den forschungsintensivsten Technologiebereichen steht hingegen in der Regel ein deutlicher Export\u00fcberschuss (siehe <i><a class=\"graphic-link\" title=\"Produktionsstruktur in der Pharmaindustrie nach Forschungskategorien, 1995 bis 2012\">Grafik 2).<\/a><\/i> Dementsprechend ist die gr\u00f6sste Wachstumsdynamik im forschungsintensiven Bereich der insgesamt 32 ber\u00fccksichtigten Technologien zu finden: W\u00e4hrend sich in der Gruppe der 16 Technologiebereiche mit geringerer Forschungsintensit\u00e4t die Ausfuhr zwischen 1995 und 2012 lediglich verdoppelte, vervierfachte sie sich in den forschungsintensiveren Bereichen. Es hat also in den vergangenen Jahren nicht nur auf Ebene der Branchen, sondern auch auf Ebene der Technologien ein Spezialisierungsprozess stattgefunden, der mit einer zunehmenden Ausrichtung auf forschungsintensive Bereiche einherging.<\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div>Zusammenfassend zeigt die Untersuchung, dass in der Schweiz seit 1995 tats\u00e4chlich eine zunehmende Spezialisierung auf forschungsintensive Branchen und Technologiebereiche stattfand. Die Analyse der brancheninternen Produktionsstruktur zeigte dar\u00fcber hinaus, dass die Schweiz in den forschungsintensivsten Branchen auch im Bereich der standardisierten Massenproduktion wettbewerbsf\u00e4hig produzieren kann. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Industrieunternehmen in hoch entwickelten Volkswirtschaften vor dem Hintergrund des industriellen Aufstiegs der Schwellenl\u00e4nder zur \u00abWerkbank der Welt\u00bb zwar auf eine hohe Forschungsintensit\u00e4t angewiesen sind. Sie k\u00f6nnen aber auch jenseits der Herstellung von hoch forschungsintensiven Produkten erfolgreich sein.<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der wirtschaftliche Aufstieg der Schwellenl\u00e4nder seit den 1990er-Jahren versch\u00e4rfte den globalen Wettbewerbsdruck deutlich und stellt die weltwirtschaftliche Dominanz der entwickelten Volkswirtschaften infrage. Bisher zeigt sich der Aufholprozess der Schwellenl\u00e4nder vor allem an stark gestiegenen Anteilen an der globalen Produktion und am Welthandel. 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