{"id":117285,"date":"2014-12-01T22:49:26","date_gmt":"2014-12-01T22:49:26","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2014\/12\/comment-les-entreprises-sintegrent-elles-dans-les-chaines-de-valeur-mondiales\/"},"modified":"2023-08-23T23:16:25","modified_gmt":"2023-08-23T21:16:25","slug":"automatisch-gespeicherter-entwurf-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2014\/12\/automatisch-gespeicherter-entwurf-2\/","title":{"rendered":"Wie sich Unternehmen in die globalen Wertsch\u00f6pfungsketten integrieren"},"content":{"rendered":"<p>In der heutigen Welt globaler Wertsch\u00f6pfungsketten stammen die Bestandteile eines Produkts oft aus mehreren L\u00e4ndern. Ebenso finden die Aktivit\u00e4ten und Dienstleistungen, die n\u00f6tig sind, um das Produkt auf den Markt zu bringen, in unterschiedlichen L\u00e4ndern statt.&#13;<\/p>\n<div>Das ber\u00fchmteste Beispiel daf\u00fcr sind die i-Produkte von Apple. Der iPod wurde zuerst mit dem Label \u00abMade in China\u00bb gekennzeichnet. Doch Forschende haben aufgedeckt, dass die Wertsch\u00f6pfung in China nur gerade 4 US-Dollar des US-Einzelverkaufspreises von 300 US-Dollar ausmacht. In China bauen Tieflohnbesch\u00e4ftigte die Ger\u00e4te zusammen, deren Komponenten aus f\u00fcnf verschiedenen, vornehmlich asiatischen L\u00e4ndern nach China importiert werden. Der Wert der Komponenten betr\u00e4gt \u00fcber 40% des Einzelverkaufspreises<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>. Einzelh\u00e4ndler und Verteiler in den USA erhalten 25% des Verkaufspreises, w\u00e4hrend 27% als Bruttogewinn zu Apple fliessen, wo das Ger\u00e4t konstruiert, die Marke entworfen und der gesamte Produktionsprozess koordiniert wurde. In der Folge \u00e4nderte Apple die Produktbezeichnung in \u00abDesigned in California, assembled in China\u00bb.<\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div>Ein Forschungsprojekt des World Trade Institute (WTI) der Universit\u00e4t Bern im Auftrag des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) hat analysiert, wie Schweizer Unternehmen ihre eigenen Wertsch\u00f6pfungsketten organisieren und wie sie an denjenigen anderer Firmen partizipieren. Untersucht wurden alle Stufen der Wertsch\u00f6pfungskette, von der Produktidee, der Gestaltung sowie der Forschung und Entwicklung (F&amp;E) \u00fcber die Herstellung und die Montage der Komponenten bis hin zu Marketing, Verteilung und Verkauf an die Endverbraucher.<\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2 class=\"article-subtitle\">Die Waadtl\u00e4nder Computermaus \u00abmade in China\u00bb<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<div>Ein Teil der Studie befasste sich mit Wertsch\u00f6pfungsketten einzelner Produkte. Sie konzentrierte sich auf zwei Computerm\u00e4use von Logitech, dem Weltmarktf\u00fchrer f\u00fcr Computerzubeh\u00f6r. Die 1981 im Kanton Waadt gegr\u00fcndete Firma hat Hauptsitze in Lausanne und in Kalifornien. Dank der Unterst\u00fctzung von Logitech konnten wir zwei M\u00e4use untersuchen: das Basismodell M185 mit Standardtechnologie und die MX Performance, ein gestyltes Modell mit ausgekl\u00fcgeltem Laser-Trackingsensor.<\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div>Die Wertsch\u00f6pfungskette der Computermaus ist international stark gestreut: Die Aktivit\u00e4ten verteilen sich auf neun verschiedene L\u00e4nder. Das Label \u00abMade in China\u00bb trifft f\u00fcr die Logitech-Maus jedoch deutlich besser zu als f\u00fcr die i-Produkte von Apple, fallen doch 60% der Produktionskosten jeder Maus (d. h. deren Wert ab Fabrik) in China an. Wie bei allen elektronischen Ger\u00e4ten werden die Komponenten der M\u00e4use in sechs oder sieben verschiedenen L\u00e4ndern produziert und stammen von unabh\u00e4ngigen Zulieferern. Logitech kauft die Komponenten ein, anstatt sie selber zu produzieren \u2013 damit werden hohe Umr\u00fcstungskosten in der Produktion aufgrund h\u00e4ufiger Ger\u00e4teanpassungen vermieden. Die Logitech-M\u00e4use beinhalten mehrere Teile aus chinesischer Produktion, dies im Gegensatz zu komplexeren Ger\u00e4ten wie portablen Musikplayern oder Mobiltelefonen, deren Komponenten nicht aus China, sondern aus Korea, Japan, Taiwan, Europa und den USA stammen. Weil Computerm\u00e4use zudem viel billiger sind als diese Ger\u00e4te, machen die Fertigungskosten einen deutlich gr\u00f6sseren Anteil am Gesamtwert aus. Logitech muss die st\u00e4ndige Verf\u00fcgbarkeit seiner Produkte garantieren k\u00f6nnen, da ein grosser \u2013 wenn auch abnehmender \u2013 Anteil der produzierten M\u00e4use direkt an Computerhersteller geht, die sie zusammen mit ihren eigenen Produkten im B\u00fcndel verkaufen. Deshalb werden die M\u00e4use in der Logitech-eigenen Fabrik in Suzhou, China, montiert. Im Gegensatz dazu lagern Firmen wie Apple die Produktmontage in selbstst\u00e4ndige Unternehmen in China aus.<\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2 class=\"article-subtitle\">Welcher Anteil der Computermaus ist schweizerisch?<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<div>Computerm\u00e4use geh\u00f6ren zu den meistverkauften Produktlinien von Logitech. Die Pr\u00e4senz des Hauptsitzes in der Schweiz hat zur Folge, dass der Anteil an der Gesamtwertsch\u00f6pfung (inklusive Reingewinn), der in der Schweiz verbleibt, bedeutend h\u00f6her ist als der Anteil des in der Schweiz besch\u00e4ftigten Personals: Von den 7000 weltweit Besch\u00e4ftigten arbeiten 4% in der Schweiz. Der eigentliche physische Beitrag der Schweiz zur Mausfabrikation ist jedoch sehr bescheiden. Nur gerade ein einziger Bestandteil \u2013 ein Sensor-Mikrochip der M185-Maus \u2013 wird von einer zur Swatch Group geh\u00f6renden Halbleiterfirma aus Neuenburg geliefert. Die F&amp;E im Elektronikengineering sowie die Entwicklung der Marketingstrategie finden in den B\u00fcros von Logitech auf dem Campus der EPF Lausanne statt. Andere F&amp;E-Aktivit\u00e4ten \u2013 Maschinenbau, Softwareentwicklung und Industriedesign \u2013 werden in Irland, den USA, Taiwan und anderen asiatischen L\u00e4ndern get\u00e4tigt.<\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div>Die Kostennachteile der Schweiz in Segmenten der globalen Wertsch\u00f6pfungskette, die auf niedrig qualifizierter Arbeit beruhen (z. B. Fertigung), sind offensichtlich. Doch weshalb beherbergt die Schweiz nicht gr\u00f6ssere Teile der h\u00f6heren Wertsch\u00f6pfungssegmente, etwa der Produktentwicklung, der F&amp;E oder der Herstellung elektronischer Komponenten? Schliesslich besitzt die Schweiz bedeutende entsprechende Fertigkeiten in Branchen wie Uhren oder industrielle Hard- und Software.<\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div>Im Bereich der Unterhaltungselektronik h\u00e4ngt die Position von Marktf\u00fchrern mit Spitzenmarken wie Logitech von st\u00e4ndiger Innovation und der Einf\u00fchrung neuer Produktarten oder -funktionen ab, um die Konsumenten zu Ersatzk\u00e4ufen zu veranlassen. Die Innovationszyklen sind kurz: Eine neue Maus kann innerhalb von 18 Monaten bis zur Produktionsreife gebracht werden. Anpassungen an bestehenden Modellen sind noch viel h\u00e4ufiger.<\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2 class=\"article-subtitle\">Schwieriges Branchenumfeld in der Schweiz<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<div>In Interviews haben die Manager von Logitech zum einen auf die Lohnkosten in der Schweiz verwiesen. Grunds\u00e4tzlich fehle es zum andern aber an einem \u00abBusiness-\u00d6kosystem<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>\u00bb f\u00fcr die Entwicklung von Unterhaltungselektronik. Die erste wichtige Eigenschaft eines solchen \u00d6kosystems ist Gr\u00f6sse: Eine gen\u00fcgend grosse Nachfrage nach Bestandteilen f\u00fcr Unterhaltungselektronik f\u00fchrt zur Bildung einer Agglomeration von eigenst\u00e4ndigen Unternehmen, von welchen ein Marktf\u00fchrer hoch qualifizierte T\u00e4tigkeiten einkaufen kann alternativ oder erg\u00e4nzend zu hauseigenen Abteilungen mit \u00e4hnlichen Aufgaben. Dadurch werden die relevanten T\u00e4tigkeiten kosteng\u00fcnstiger: Einerseits sind die Lohnkosten geringer; ebenso wichtig ist jedoch andererseits die Reduktion der Suchkosten inklusive der daf\u00fcr aufgewendeten Zeit. So gross Logitech mit seinem j\u00e4hrlichen Umsatz von \u00fcber 2\u00a0Mrd. US-Dollar ist \u2013 das Unternehmen allein gen\u00fcgt nicht, um mit seiner Nachfrage die Agglomeration entsprechender Unternehmen zu generieren.<\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div>Eine zweite, vielleicht noch entscheidendere Schl\u00fcsseldimension eines solchen \u00d6kosystems ist die<i>Anpassung der verschiedenen Elemente aneinander.<\/i> Die Beziehungen zwischen einem Marktf\u00fchrer und seinen Zulieferern an G\u00fctern und Dienstleistungen \u2013 ausser vielleicht die arbeitsintensiven, niedrig qualifizierten Grundschritte wie die Montage \u2013 sind f\u00fcr gew\u00f6hnlich langfristiger Natur. Denn beide Partner haben in die Beziehung investiert und sich den Anforderungen des Gegen\u00fcbers angepasst. Die Zulieferer entwickeln<i>spezifische<\/i> F\u00e4higkeiten, um den Bed\u00fcrfnissen des Kunden zu entsprechen. Ein Wechsel des Zulieferers ist zwar m\u00f6glich, aber kosten- und zeitintensiv sowie risikobehaftet. Die Gesamtheit dieser Umstellungskosten ist h\u00f6her, wenn die Innovationszyklen wie im Fall der Unterhaltungselektronik kurz sind.<\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div>Der Unterschied zwischen<i> generischen (allgemeinen)<\/i>und <i>spezifischen<\/i> F\u00e4higkeiten bedeutet, dass Unternehmen, die zum Beispiel im grossen Massstab Software f\u00fcr Telekommunikationssysteme entwickeln oder im Industriedesign t\u00e4tig sind, sich nicht von vornherein als Zulieferer f\u00fcr Wertsch\u00f6pfungsketten wie PC-Zubeh\u00f6r oder andere Bereiche der Unterhaltungselektronik eignen. Dennoch ist das Vorhandensein allgemeiner F\u00e4higkeiten eine Voraussetzung f\u00fcr das potenzielle Entstehen von spezifischen F\u00e4higkeiten und damit f\u00fcr das Entstehen eines Business-\u00d6kosystems.<\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div>Eine dritte Eigenschaft von Business-\u00d6kosystemen ist die <i>Pr\u00e4senz einer grossen Firmenvielfalt,<\/i> die alle ben\u00f6tigten Funktionen abdeckt. Unterhaltungselektronik beinhaltet eine komplexe Mischung von Hardware, Software und Industriedesign. F\u00fcr die Produktentwicklung braucht es Unternehmen, die \u00fcber Know-how in all diesen Bereichen verf\u00fcgen und miteinander interagieren. Denn es geht darum, nicht nur ein Einzelprodukt zu kreieren, sondern einen steten Fluss von neuen Produkten und Produkteigenschaften hervorzubringen.<\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2 class=\"article-subtitle\">Medizinaltechnik-Branche mit langen Innovationszyklen<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<div>Die schweizerische Medizinaltechnik-Branche, der zweite Schwerpunkt der WTI-Studie, dient als erfolgreiches Beispiel f\u00fcr die Entstehung eines solchen Business-\u00d6kosystems. Es verdeutlicht die Bedeutung des Innovationsprozesses f\u00fcr die Umstellungskosten von Marktf\u00fchrer und Zulieferern und damit f\u00fcr die Standortwahl globaler Wertsch\u00f6pfungsaktivit\u00e4ten. In der Medizinaltechnik, zu der Implantate sowie Diagnose- und Behandlungsapparate geh\u00f6ren, sind die Innovationszyklen lang. Das liegt zum Teil an den sehr anspruchsvollen Standards, die umfangreiche Dokumentationen und Produkttests umfassen, um die Anspr\u00fcche der Endverbraucher sowie die regulatorischen Vorschriften zu erf\u00fcllen. Mit anderen Worten: Der Innovationszyklus wird von den Charakteristika der Regulierung, der Marktnachfrage und den Anspr\u00fcchen der Abnehmer gestaltet.<\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div>In den Interviews gaben die Manager der Schweizer Medtech-Unternehmen an, dass die Innovationszyklen bereits in den 1990er-Jahren f\u00fcnf Jahre umfassten. Diese Zyklen h\u00e4tten sich mit der Zunahme der regulatorischen Anforderungen seither noch verl\u00e4ngert und seien heute zum Teil doppelt so lang. Angesichts der Kosten und der Lebensdauer von Innovationen haben geistige Eigentumsrechte einen grossen Stellenwert bei den \u00dcberlegungen bez\u00fcglich der Auswahl von Zulieferern und Standorten in der Wertsch\u00f6pfungskette. Bereits ab einem fr\u00fchen Stadium sind Produktentwickler eng mit ihren Zulieferern von F&amp;E- sowie Ingenieursleistungen verflochten, sodass ein Wechsel nahezu unm\u00f6glich wird <i>(Lock-in-Effekt). <\/i>Doch im Unterschied zur Unterhaltungselektronik haben es die l\u00e4ngeren Innovationszyklen erm\u00f6glicht, dass die Medizinaltechnik generische F\u00e4higkeiten f\u00fcr sich anpassen konnte, die in anderen Branchen (allen voran in der Uhren- und der Transportindustrie) bereits vorhanden waren.<\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div>Die Befragten haben speziell auf die F\u00e4higkeiten der Uhrenindustrie bez\u00fcglich Feinmechanik auf Mikroebene verwiesen. Diese wurden auf medizinische Implantate wie Gelenkprothesen oder H\u00f6rger\u00e4te \u00fcbertragen. Winzige Maschinen wie Herzschrittmacher und Medikamentenpumpen m\u00fcssen m\u00f6glichst reibungsarm funktionieren, um den Energieverbrauch zu minimieren und die Lebensdauer der Batterien zu verl\u00e4ngern.<\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2 class=\"article-subtitle\">Ein Hersteller von Komponenten f\u00fcr Medikamentenpumpen<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<div>Ein interessantes Beispiel daf\u00fcr, wie globale Wertsch\u00f6pfungsketten in der Medizinaltechnik-Branche funktionieren, aber auch f\u00fcr den Lock-in-Effekt ist ein kleines Maschinenbau-Unternehmen im Kanton Jura. Es stellt mechanische Schl\u00fcsselkomponenten f\u00fcr eine implantierbare Medikamentenpumpe her, die von einer multinationalen US-Firma entwickelt wurde. Der urspr\u00fcngliche Kontakt zwischen der US-Firma und dem jurassischen Komponentenhersteller entstand durch eine Schweizer Ingenieurunternehmung, welche im Auftrag der US-Firma die Pumpe designt hatte. So waren die beiden Schweizer Unternehmen direkt im Produktdesign und im Prototypenbau involviert. Die US-Firma, der Marktf\u00fchrer, entschied sich schlussendlich daf\u00fcr, die Montage in den USA und nicht in der Schweiz anzusiedeln. Trotzdem produziert das jurassische Unternehmen weiterhin die Komponenten, die anschliessend zur Weiterverarbeitung in die USA transportiert werden.<\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div>Die Schweiz verf\u00fcgt in der Medizinaltechnik sowohl \u00fcber Spitzenunternehmen, die in der globalen Wertsch\u00f6pfungskette die Rolle als Produktentwickler innehaben, als auch \u00fcber Zulieferer mit Kapazit\u00e4ten in F&amp;E, Engineering, Produktdesign und der Herstellung von Komponenten. Viele von diesen Unternehmen sind weltweite Branchenf\u00fchrer, die produktf\u00fchrende Schweizer Unternehmen \u00fcbernommen haben. Andere haben einen bedeutenden Teil ihrer globalen Aktivit\u00e4ten in der Schweiz angesiedelt, um von den in diesem Bereich vorhandenen F\u00e4higkeiten zu profitieren.<\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div>Das \u00dcberleben der Produktf\u00fchrer als unabh\u00e4ngige Unternehmen in der Schweiz scheint jedoch eine Herausforderung zu sein. Ein Grund daf\u00fcr ist, dass sogar die gr\u00f6ssten global t\u00e4tigen Firmen in dieser Branche die Option noch nicht wahrgenommen haben, mit der Verlagerung von Teilen der Produktion nach Asien oder in andere L\u00e4nder mit tiefen Produktionskosten Kosten zu senken. Verhindert haben dies bisher zwei Faktoren: die Nachahmungsgefahr und die Qualit\u00e4tsanspr\u00fcche an das Produkt. Die Hersteller in Asien versorgen haupts\u00e4chlich den lokalen Markt. Deshalb ist die Schweiz nach wie vor Standort f\u00fcr die eigentliche Produktion in der Medizinaltechnik-Branche, bez\u00fcglich Komponentenherstellung wie auch Montage. Doch kleinere Unternehmen stehen zunehmend unter Kosten- und Wettbewerbsdruck anderer Standorte. Sie sind gezwungen, entweder ihre Produktpalette zu verkleinern oder sich durch gegenseitige Allianzen zu konsolidieren, um nicht durch gr\u00f6ssere Firmen \u00fcbernommen zu werden.<\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2 class=\"article-subtitle\">Kreative Ans\u00e4tze in der Standortpolitik sind gefragt<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<div>Die Studie zu Schweizer Unternehmen und ihren individuellen Wertsch\u00f6pfungsketten unterstreicht die komplexen Wechselwirkungen zwischen Produkt und Standort in der heutigen Welt. Zentral ist dabei, wie diese Wechselwirkungen durch die branchenspezifische Natur des Innovationsprozesses geformt werden. Der politische Diskurs und bestehende Politikans\u00e4tze beginnen erst, den instinktiven Reflex des Protektionismus zu \u00fcberwinden. Die Aufgabe besteht heutzutage n\u00e4mlich darin, kreativere Ans\u00e4tze zu entwickeln, um Wirtschaftsaktivit\u00e4ten an einen Standort zu binden. Eine grosse politische Herausforderung f\u00fcr \u2013 regionale und nationale \u2013 Regierungen besteht beispielsweise darin, die Bildung von generischen F\u00e4higkeiten in ihrem Zust\u00e4ndigkeitsgebiet zu unterst\u00fctzen. Dies kann etwa durch Investitionen in das Bildungssystem, durch eine geeignete Migrationspolitik oder durch Unterst\u00fctzung bei der Unternehmensentwicklung erfolgen.<\/div>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Vgl. Greg Linden, Kenneth Kraemer und Jason Dedrick (2009): Who Captures Value in a Global Innovation Network? The Case of Apple\u2019s iPod, in: Communications of the ACM, March, Vol. 52 (3).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Ein Business-\u00d6kosystem bezeichnet die Gesamtheit aller Akteure sowie deren Interaktionen innerhalb eines Wertsch\u00f6pfungsnetzwerkes. Es umfasst zum Beispiel Firmen (Marktf\u00fchrer, Zulieferer, Konkurrenten), Kunden sowie Gesch\u00e4ftsmodelle.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der heutigen Welt globaler Wertsch\u00f6pfungsketten stammen die Bestandteile eines Produkts oft aus mehreren L\u00e4ndern. 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