{"id":117290,"date":"2014-12-01T22:20:14","date_gmt":"2014-12-01T22:20:14","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2014\/12\/renoncer-a-la-croissance-nest-pas-une-solution\/"},"modified":"2023-08-23T23:16:11","modified_gmt":"2023-08-23T21:16:11","slug":"der-verzicht-auf-wachstum-ist-keine-loesung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2014\/12\/der-verzicht-auf-wachstum-ist-keine-loesung\/","title":{"rendered":"Der Verzicht auf Wachstum ist keine L\u00f6sung"},"content":{"rendered":"<div>Gerade in den letzten Jahren stellte sich vermehrt die Frage, ob Volkwirtschaften immer weiter wachsen k\u00f6nnen. An d\u00fcsteren Prognosen eines versiegenden Wachstums fehlt es nicht. Eine langfristige Betrachtung der Wachstumsentwicklung st\u00fctzt solche Prognosen jedoch nicht. Zwar kann seit den 1970er-Jahren ein gewisser R\u00fcckgang des Trendwachstums festgestellt werden. Daf\u00fcr verlief die wirtschaftliche Entwicklung weniger volatil als in der Vergangenheit: Boom- und Rezessionsphasen fielen weniger heftig aus und erlaubten einen stabileren Wirtschaftsverlauf. Es gibt gute Gr\u00fcnde, weshalb kein komplettes Versiegen des Wachstums zu erwarten ist. In den Industriel\u00e4ndern ist heute der wichtigste Wachstumstreiber der technische Fortschritt. Dieser l\u00e4sst sich \u2013 wie die Geschichte zeigt \u2013 nicht erzwingen, aber auch nicht g\u00e4nzlich unterbinden. Wahrscheinlich ist, dass auch in Zukunft kleinere und gr\u00f6ssere Innovationen get\u00e4tigt werden, die zu einem gewissen Wachstum f\u00fchren \u2013 unabh\u00e4ngig davon, ob dieses als gut, schlecht, zu hoch oder zu tief empfunden wird.<\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2 class=\"article-subtitle\">Wachstum als Notwendigkeit?<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<div>Dass Wachstum unerw\u00fcnschte Begleiterscheinungen haben kann, ist unbestritten. Forderungen, deshalb m\u00f6glichst auf Wachstum und Wohlstand zu verzichten, sch\u00fctten jedoch das Kind mit dem Bade aus, denn dadurch w\u00fcrden auch Innovationen verhindert, die zu einem besseren Wohlergehen der Menschheit beitragen. Hand aufs Herz: Wer w\u00fcrde sich schon ernsthaft Zeiten ohne Farbfernsehen, Computer, Handy und Waschmaschine zur\u00fcckw\u00fcnschen? Zeiten, in denen es f\u00fcr viele Krankheiten noch keine Behandlungen gab und die Kinder- und die M\u00fcttersterblichkeit hoch waren? Und wer k\u00f6nnte es moralisch vertreten, solche Vorteile des technischen Fortschritts f\u00fcr sich zu beanspruchen, sie jedoch Menschen in weniger entwickelten Regionen zu verweigern?<\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div>Eher nachvollziehbar sind hingegen Bedenken gegen\u00fcber einem \u00abWachstumszwang\u00bb: Zentrale gesellschafts- und wirtschaftspolitische Bereiche sowie Institutionen sind heute auf stetiges Wachstum angewiesen. F\u00e4llt es zu gering aus, besteht die Gefahr, dass einzelne L\u00e4nder ihre Staatsverschuldung endg\u00fcltig nicht mehr tragen k\u00f6nnen, sich die Finanzierungsl\u00fccken in Altersvorsorge, im Gesundheits- und Bildungswesen nochmals verschlimmern und der soziale Ausgleich gef\u00e4hrdet wird.<\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2 class=\"article-subtitle\">Wachstums nicht k\u00fcnstlich anheizen<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<div>Ein Anheizen des Wachstums \u00fcber expansive Geld- und konjunkturstimulierende Fiskalpolitik ist hierbei keine Antwort auf diese Herausforderungen, denn solches Wachstum kann niemals nachhaltig sein. Erst der Verzicht auf strukturerhaltende Massnahmen erm\u00f6glicht ein qualitatives Wachstum. Die beste Wachstumspolitik ist deshalb die Beseitigung aller das Wachstum und das Unternehmertum behindernden Regulierungen unter gleichzeitiger Aufhebung aller spezifischen, auf einzelne Regionen, M\u00e4rkte, Produkte und Unternehmen fokussierten F\u00f6rderung.<\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div>Diese Absage an gezielte staatliche Lenkung darf jedoch nicht als Votum f\u00fcr Unt\u00e4tigkeit missverstanden werden. Die geschilderten Probleme der heutigen Industriel\u00e4nder m\u00fcssen umgehend angepackt werden \u2013 und zwar mit konkreten Massnahmen. Eine wirksame Schuldenbremse w\u00fcrde helfen, \u00fcberbordende Staatsverschuldung und Finanzierungsl\u00fccken in den Vorsorgewerken in den Griff zu bekommen. Eine liberale Ausgestaltung des Arbeitsmarktes und eine umsichtige Bildungspolitik k\u00f6nnen dazu beitragen, Arbeitslosigkeit zu verhindern und den sozialen Ausgleich zu f\u00f6rdern. H\u00f6here Kostenwahrheit im (\u00f6ffentlichen und privaten) Verkehr k\u00f6nnte die Belastung der Infrastruktur mindern und die Umweltqualit\u00e4t verbessern. Marktgerechte und zeitlich ausdifferenzierte Elektrizit\u00e4tspreise w\u00fcrden korrekte Knappheitssignale aussenden und zu einem effizienten Umgang mit Ressourcen beitragen.<\/div>\n<p>&#13;<\/p>\n<div>Viele der von den Wachstumsskeptikern angesprochenen Probleme k\u00f6nnten so einer L\u00f6sung zugef\u00fchrt werden. Diese L\u00f6sungen liegen allerdings nicht im Verzicht auf Wachstum, sondern viel eher im Verzicht, auf Kosten anderer und auf Kosten kommender Generationen zu leben.<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerade in den letzten Jahren stellte sich vermehrt die Frage, ob Volkwirtschaften immer weiter wachsen k\u00f6nnen. An d\u00fcsteren Prognosen eines versiegenden Wachstums fehlt es nicht. Eine langfristige Betrachtung der Wachstumsentwicklung st\u00fctzt solche Prognosen jedoch nicht. 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W\u00e4hrend ein Teil der Wachstumsskeptiker d\u00fcstere Prognosen eines versiegenden Wachstums an die Wand malt, betonen andere die unerw\u00fcnschten Begleiterscheinungen einer fortschreitenden wirtschaftlichen Entwicklung. Ein komplettes Versiegen des Wachstums ist jedoch weder realistisch noch w\u00fcnschenswert. Die L\u00f6sung f\u00fcr die aktuellen Probleme der Industriel\u00e4nder liegt nicht in einem Verzicht auf Wachstum, sondern vielmehr im Verzicht, auf Kosten anderer und kommender Generationen zu leben.","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":117293,"main_focus":[156647,157268],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"15708","post_abstract":"","magazine_issue":null,"seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/5532bb7619c60"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117290"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3899"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=117290"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117290\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":126983,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117290\/revisions\/126983"}],"acf:post":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/157268"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156647"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3899"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=117290"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=117290"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=117290"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=117290"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=117290"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=117290"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}