{"id":117344,"date":"2014-11-12T16:23:09","date_gmt":"2014-11-12T16:23:09","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2014\/11\/rie-iii-beaucoup-reste-en-jeu-pour-lindustrie\/"},"modified":"2023-08-23T23:16:32","modified_gmt":"2023-08-23T21:16:32","slug":"bei-der-unternehmenssteuerreform-iii-steht-fuer-die-industrie-viel-auf-dem-spiel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2014\/11\/bei-der-unternehmenssteuerreform-iii-steht-fuer-die-industrie-viel-auf-dem-spiel\/","title":{"rendered":"Bei der Unternehmenssteuerreform III steht f\u00fcr die Industrie viel auf dem Spiel"},"content":{"rendered":"<p>Bisher besteuert die Schweiz Ertr\u00e4ge aus dem Ausland gegen\u00fcber inl\u00e4ndischen Ertr\u00e4gen privilegiert. Dieses sogenannte Ring-Fencing ist f\u00fcr Fiskus und Unternehmen effizient, weil diese Ertr\u00e4ge gezielt gef\u00f6rdert und teure Mitnahmeeffekte vermieden werden. Solche selektiven Besteuerungsregeln sind jedoch ins Kreuzfeuer der internationalen Kritik geraten. Die jahrelange Auseinandersetzung mit der EU wurde 2013 mit dem Projekt Base Erosion Profit Shifting auf eine h\u00f6here Ebene mit noch gr\u00f6sserem Retorsionspotenzial gehievt. Die OECD\/G-20 werden in den n\u00e4chsten Monaten das Ergebnis ihrer Pr\u00fcfung der Regime verschiedener L\u00e4nder verk\u00fcnden. Bereits heute steht fest, dass die Schweizer Regime gegen die im internationalen Steuerwettbewerb geltenden Standards verstossen. Ein Festhalten an den Regimen w\u00fcrde unweigerlich zu Sanktionen gegen die Schweiz f\u00fchren. Wie einschneidend solche Sanktionen sind, hat sich am Beispiel der \u00abschwarzen Listen\u00bb Italiens gezeigt. F\u00fcr die stark auf das Auslandgesch\u00e4ft ausgerichtete Schweizer Wirtschaft w\u00fcrden fl\u00e4chendeckende Sanktionen der Staatengemeinschaft bedeuten, faktisch vom internationalen Markt ausgeschlossen zu sein. Wegen der grossen volkswirtschaftlichen Bedeutung der exportorientierten Wirtschaft hat der Bundesrat ein Bekenntnis zur Abschaffung der Steuerregime abgegeben.&#13;<\/p>\n<div class=\"body\">&#13;<\/p>\n<h3 class=\"ZT\">Multinationale Konzerne schaffen jede zweite neue Stelle<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Praktisch bis zur Jahrtausendwende war die Schweiz keine bevorzugte Destination f\u00fcr nicht bereits hier ans\u00e4ssige international operierende Konzerne. Erst die <span class=\"recomDescriptiveWord\">Unternehmenssteuerreform<\/span> I von 1998 schuf ausreichend attraktive Voraussetzungen f\u00fcr ausl\u00e4ndische Konzerne, zentrale Funktionen von der Schweiz aus zu t\u00e4tigen. Von 2000 bis 2010 haben multinationale Unternehmen in der Schweiz gut 165&nbsp;000 neue Stellen geschaffen \u2013 und damit jeden zweiten neuen Arbeitsplatz. Kommt hinzu, dass auf jeden Job eines multinationalen Konzerns 1,5 bis 1,6 Arbeitspl\u00e4tze beim lokalen Gewerbe und bei Dienstleistern gesichert werden. Resultat f\u00fcr den Fiskus: Bund und Kantone nahmen massiv mehr Steuern von juristischen und nat\u00fcrlichen Personen ein. Allein das kantonale Steueraufkommen juristischer Personen stieg zwischen 2000 und 2010 um rund 50% \u2013 trotz Finanzkrise und obschon die kantonalen Steuers\u00e4tze gleichzeitig um durchschnittlich rund ein Viertel gesenkt wurden. Seit der <span class=\"recomDescriptiveWord\">Unternehmenssteuerreform<\/span> I bis zum Beginn der Finanzkrise 2007 stieg das Steueraufkommen gar um das Doppelte.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Nun ist es aber keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, dass die Steuereinnahmen im bisherigen Ausmass fliessen. Es braucht im Gegenteil konkrete Anstrengungen, damit die Steuereinnahmen nicht einbrechen. Deshalb ist es richtig, dass der Bundesrat mit der <span class=\"recomDescriptiveWord\">Unternehmenssteuerreform III<\/span> f\u00fcr die nicht mehr haltbaren Regime akzeptierte Alternativen schaffen will \u2013 allen voran eine Lizenzbox. In Erg\u00e4nzung dazu will der Bund die Kantone bei Gewinnsteuersatzsenkungen finanziell unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<h3 class=\"ZT\">International vergleichbare steuerliche Konditionen bieten<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\">Die Schweizer Industrie m\u00f6chte T\u00e4tigkeiten wie Forschung und Entwicklung sowie Konzernleitungsfunktionen weiterhin in der Schweiz aus\u00fcben. Dabei m\u00fcssen die Unternehmen allerdings gewisse Kostenfaktoren gegen\u00fcber ihren Investoren rechtfertigen: Zentral sind die wegen des starken Schweizer Frankens hohen Produktionskosten sowie die Steuern. Diese Kosten jedoch d\u00fcrfen ein gewisses Ausmass nicht \u00fcberschreiten. W\u00fcrden die speziellen Besteuerungsregeln f\u00fcr die Auslandaktivit\u00e4ten von Schweizer Unternehmen ersatzlos wegfallen, w\u00fcrde ihre Steuerbelastung in rund der H\u00e4lfte der Kantone von heute ca. 8% bis 12% auf \u00fcber 20% steigen. In diversen Konkurrenzstandorten \u2013 allen voran Grossbritannien \u00a0 \u2013 betr\u00e4gt die Steuerbelastung f\u00fcr dieselben Auslandt\u00e4tigkeiten nicht \u00fcber 10%. Ziel der <span class=\"recomDescriptiveWord\">Unternehmenssteuerreform III<\/span> muss sein, dass die international t\u00e4tigen Konzerne in der Schweiz steuerlich vergleichbare Konditionen erhalten wie an den wichtigsten Konkurrenzstandorten. Somit geht es den Unternehmen nicht darum, im Vergleich zu heute weniger Steuern zu bezahlen.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p class=\"P\"><span class=\"AU\"> Dr. iur. Martin Zogg Advokat, Mitglied der Gesch\u00e4ftsleitung, Leiter nationales und internationales Steuerrecht, SwissHoldings, Bern <\/span><\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;\n<\/p><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bisher besteuert die Schweiz Ertr\u00e4ge aus dem Ausland gegen\u00fcber inl\u00e4ndischen Ertr\u00e4gen privilegiert. Dieses sogenannte Ring-Fencing ist f\u00fcr Fiskus und Unternehmen effizient, weil diese Ertr\u00e4ge gezielt gef\u00f6rdert und teure Mitnahmeeffekte vermieden werden. Solche selektiven Besteuerungsregeln sind jedoch ins Kreuzfeuer der internationalen Kritik geraten. 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