{"id":117531,"date":"2014-10-09T08:28:42","date_gmt":"2014-10-09T08:28:42","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2014\/10\/swatch-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:17:01","modified_gmt":"2023-08-23T21:17:01","slug":"swatch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2014\/10\/swatch\/","title":{"rendered":"Die neuen Swissness-Regeln sind wichtig f\u00fcr die Uhrenindustrie"},"content":{"rendered":"<p>Der Hinweis auf die Schweizer Herkunft eines Produktes ist f\u00fcr den Anbieter eine gute Gelegenheit, indirekt auf die Wertigkeit und Glaubw\u00fcrdigkeit des Produktes hinzuweisen. Jeder Abnehmer einer Schweizer Uhr wird automatisch auf hohe Qualit\u00e4t, ein gutes Preis-Leistungs-Verh\u00e4ltnis und einen exzellenten Service schliessen. Das war denn auch der Grund, dass bei der Lancierung der Swatch-Uhren im Jahr 1983 lediglich mit einer Abbildung der Skyline von Frankfurt mit einer riesigen Swatch am Commerzbank-Wolkenkratzer geworben wurde, und dies mit dem minimalen Text \u00abSwatch \u2013 Swiss\u00bb.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWenn die Verbindung zwischen einem Produkt und dem Herkunftsland Schweiz im Marketing eines Produktes genutzt werden soll, dann muss die Aussage stimmen. Das heisst, der gr\u00f6sste Teil eines Produktes muss tats\u00e4chlich in der Schweiz geschaffen worden sein. Wie viel das am Gesamtwert gemessen sein muss und welche Elemente allenfalls zwingend aus der Schweiz stammen m\u00fcssen, wurde im Rahmen der Swissness-Revision sehr kontrovers diskutiert. Diese Werte k\u00f6nnen durchaus von Produkt zu Produkt etwas variieren. Deshalb l\u00e4sst das Gesetz richtigerweise zus\u00e4tzliche Branchenl\u00f6sungen zu. F\u00fcr die Uhrenindustrie war aber immer klar, dass der Wertanteil massiv \u00fcber 50% liegen muss und dass ein magerer 50-Prozent-Anteil f\u00fcr den Konsumenten irref\u00fchrend gewesen w\u00e4re. Fragt man Uhrenk\u00e4ufer in China, in Japan oder in den USA, wie hoch der Anteil der Schweizer Wertsch\u00f6pfung einer Swiss-made-Uhr sei, wird die Antwort n\u00e4mlich zweifellos 100% sein.&#13;<\/p>\n<h2>Der lange Weg zur Swissness-Revision<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Revisionsbestrebungen sind f\u00fcr die Uhrenindustrie viel zu langsam erfolgt. Bereits vor rund zehn Jahren wurde in unserer Industrie die Diskussion \u00fcber die Versch\u00e4rfung der bestehenden Swiss-made-Verordnung aufgenommen, weil sich Missbr\u00e4uche h\u00e4uften und einzelne Produkte legal angeboten werden konnten, welche nur noch einen minimalen Bezug zur Schweiz aufwiesen. Im Jahr 2007 legte der Uhrenverband einen neuen Verordnungsentwurf vor, der von einer \u00e4usserst breiten Basis der Industrie getragen wurde. Der Entwurf sah neu Regeln f\u00fcr Uhrwerke und Fertigprodukte vor und unterschied jeweils zwischen mechanischen Uhren\/Uhrwerken und Quarzprodukten. Bei mechanischen Uhren\/Uhrwerken wurde die Schwelle bei 80% Wertsch\u00f6pfung gelegt; bei Quarzprodukten gab man sich mit 60% zufrieden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Bundesrat trat auf den Entwurf nicht ein und verkn\u00fcpfte ihn mit der damals andiskutierten Swissness-Revision. In dieser Diskussion exponierte sich die Uhrenindustrie sehr stark f\u00fcr den bundesr\u00e4tlichen Vorschlag von 60%. Es ging um eine existenzielle Frage, war man sich doch bewusst, dass eine Regelung mit nur 50% dem guten Namen unserer Produkte im Ausland massiv geschadet h\u00e4tte.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZu unserer allergr\u00f6ssten Verwunderung war die Uhrenindustrie praktisch der einzige Industriesektor, der sich nachdr\u00fccklich und mit \u00dcberzeugung f\u00fcr den Vorschlag des Bundesrates mit einer 60-Prozent-Schwelle einsetzte. Die Diskrepanz mit anderen Sektoren gipfelte gar in einer K\u00fcndigung der Mitgliedschaft der Uhrenindustrie bei Economiesuisse (welche inzwischen wieder r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht wurde).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAls Mitte 2013 beide R\u00e4te (nach einigem Hin und Her) der Revision und der 60-Prozent-Schwelle zustimmten, konnte unsere Industrie aufatmen und entspannter in die Zukunft blicken. Nun stehen allerdings noch die Umsetzung der neuen Regeln durch die Swissness-Verordnung und insbesondere die zu \u00fcberarbeitende Branchenverordnung auf der Traktandenliste. Hier liegt der Teufel im Detail, und es sind noch einmal politische H\u00fcrden zu nehmen. Einerseits sind komplexe technische Fragen zu kl\u00e4ren. Dabei geht es etwa um Berechnungsmethoden f\u00fcr die relevanten Elemente (Wie werden Forschungs- und Entwicklungskosten berechnet und einzelnen Produkten zugeordnet?) oder um Abgrenzungen zwischen Stoffen, die in gen\u00fcgendem oder ungen\u00fcgendem Masse in der Schweiz zur Verf\u00fcgung stehen. Andererseits ist aber auch die Frage noch offen, ob die von der Uhrenindustrie verlangte Wertsch\u00f6pfung von 80% bei mechanischen Fertiguhren machbar ist. W\u00e4hrend die rechtliche Machbarkeit durch ein Expertengutachten gekl\u00e4rt ist, hoffen wir, dass sich der Bundesrat letztendlich auch noch von einer politischen Machbarkeit gegen\u00fcber der EU \u00fcberzeugen l\u00e4sst.&#13;<\/p>\n<h2>Mehr Wertsch\u00f6pfung in der Schweiz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie neuen Wertsch\u00f6pfungsregeln bringen der Uhrenindustrie einen Anpassungsbedarf. Ein Teil der Produktionskette wird wieder in die Schweiz (r\u00fcck-)transferiert werden. Gewisse Komponenten werden k\u00fcnftig zwingend in der Schweiz produziert werden m\u00fcssen, wenn man weiterhin vom Label \u00abSwiss made\u00bb profitieren will. Das stellt technologisch eine Herausforderung dar, m\u00fcssen diese Komponenten doch zu gleich g\u00fcnstigen Produktionskosten wie in China produziert werden k\u00f6nnen. Die Uhrenindustrie nimmt diese Herausforderung an. Sie ist \u00fcberzeugt, dass es m\u00f6glich ist, am Standort Schweiz konkurrenzf\u00e4hig zu produzieren. Dass dies tats\u00e4chlich machbar ist, belegen inzwischen einzelne Beispiele der Industrie. Allerdings m\u00fcssen hier teils neue Materialien, Produktionsprozesse und Arbeitsmethoden eingesetzt werden. Wir sind in der Schweiz aber in der beneidenswerten Lage, \u00fcber die notwendigen Technologien, das Know-how, die gut ausgebildeten Arbeitskr\u00e4fte, das stabile Umfeld und die finanziellen Ressourcen zu verf\u00fcgen. Durch die Repatriierung von Produktionsschritten werden auch Arbeitspl\u00e4tze in die Schweiz zur\u00fcckgenommen. Dabei wird es sich um moderne, hoch qualifizierte Arbeitspl\u00e4tze handeln, die nicht rein repetitive T\u00e4tigkeiten umfassen werden. Wir sind \u00fcberzeugt, dass das schweizerische Berufsbildungssystem in der Lage sein wird, auf der bestehenden guten Basis aufzubauen und die notwendigen qualitativen Rahmenbedingungen zu schaffen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie erh\u00f6hte Notwendigkeit einer schweizerischen Wertsch\u00f6pfung ist auch ein Beitrag an die Zukunft des Werkplatzes Schweiz und damit Europas. Wir sind \u00fcberzeugt, dass die Schweiz (auch langfristig) eine industrielle Basis braucht und dass nicht alle industriellen Operationen in den Fernen Osten transferiert werden d\u00fcrfen. Die Schweiz (und Europa) braucht einen guten Mix von hoch technischen, produktiven industriellen T\u00e4tigkeiten und von Dienstleistungen, die sich erg\u00e4nzen und gegenseitig unterst\u00fctzen. Eine reine Dienstleistungsgesellschaft entspricht nicht der Mentalit\u00e4t unserer Bev\u00f6lkerung und w\u00e4re f\u00fcr das weitere Wachstum kritisch.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Hinweis auf die Schweizer Herkunft eines Produktes ist f\u00fcr den Anbieter eine gute Gelegenheit, indirekt auf die Wertigkeit und Glaubw\u00fcrdigkeit des Produktes hinzuweisen. Jeder Abnehmer einer Schweizer Uhr wird automatisch auf hohe Qualit\u00e4t, ein gutes Preis-Leistungs-Verh\u00e4ltnis und einen exzellenten Service schliessen. 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Obwohl die Uhrenindustrie die einzige Branche in der Schweiz mit klaren Regeln war, bestand Handlungsbedarf. Denn die aus dem Jahre 1972 stammenden Bestimmungen stellten allzu einseitig auf die Wertsch\u00f6pfung bei den Uhrwerken ab und \u00f6ffneten Missbr\u00e4uchen T\u00fcr und Tor.","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":117534,"main_focus":[156660,157275],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"3093","post_abstract":"","magazine_issue":"20141001","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/5481825143265"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117531"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4114"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=117531"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117531\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":127018,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117531\/revisions\/127018"}],"acf:post":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/157275"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156660"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4114"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=117531"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=117531"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=117531"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=117531"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=117531"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=117531"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}