{"id":117558,"date":"2014-09-01T12:00:00","date_gmt":"2014-09-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2014\/09\/antonelli-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:17:20","modified_gmt":"2023-08-23T21:17:20","slug":"antonelli","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2014\/09\/antonelli\/","title":{"rendered":"Schweizer Berufsbildungsabschl\u00fcsse werden international vergleichbar"},"content":{"rendered":"<p>Bildung ist national gepr\u00e4gt: Jedes Land hat seine eigene Geschichte und Kultur sowie unterschiedlich stark ausgepr\u00e4gte gesellschaftliche Wertvorstellungen. Deshalb zeichnen sich die Bildungssysteme in Europa durch eine hohe Diversit\u00e4t aus. Im schweizerischen Bildungssystem nimmt die Berufsbildung einen wichtigen Platz ein. Zwei Drittel der Jugendlichen starten damit ihre berufliche Karriere. Die berufliche Grundbildung schafft eine solide Basis f\u00fcr den Einstieg in die Arbeitswelt und erm\u00f6glicht eine H\u00f6herqualifizierung oder eine Spezialisierung \u00fcber die h\u00f6here Berufsbildung. Gerade die h\u00f6here Berufsbildung ist im europ\u00e4ischen Vergleich einzigartig. Sie vermittelt spezifische Berufsqualifikationen und bereitet auf F\u00fchrungs- und qualifizierte Fachfunktionen vor. Sie bildet zusammen mit dem Hochschulbereich<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> die Terti\u00e4rstufe des schweizerischen Bildungssystems. Die Berufsbildung orientiert sich dabei an vom Arbeitsmarkt tats\u00e4chlich nachgefragten F\u00e4higkeiten und ist qualitativ hochstehend.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nMit der Internationalisierung der Wirtschaft stehen Inhaberinnen und Inhaber von schweizerischen Berufsbildungsabschl\u00fcssen jedoch vermehrt in Konkurrenz zu Personen mit ausl\u00e4ndischen Abschl\u00fcssen. Unterschiede in den Bildungssystemen machen es schwierig, den Wert der jeweiligen Ausbildung einzusch\u00e4tzen und zu vergleichen. Besonders die h\u00f6here Berufsbildung ist im Ausland kaum bekannt. Arbeitgebende im In- oder Ausland, die mit dem schweizerischen Berufsbildungssystem nicht vertraut sind, neigen deshalb bei Stellenbesetzungen dazu, Tr\u00e4gerinnen und Tr\u00e4ger von international bekannten Hochschultiteln wie beispielsweise Bachelor oder Master zu bevorzugen.&#13;<\/p>\n<h2>Drei Instrumente f\u00fcr eine bessere berufliche Mobilit\u00e4t<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDrei Instrumente sollen nun die Vergleichbarkeit von Schweizer Berufsbildungsabschl\u00fcssen mit denjenigen anderer europ\u00e4ischer L\u00e4nder verbessern und die berufliche Mobilit\u00e4t erh\u00f6hen:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>ein nationaler Qualifikationsrahmen f\u00fcr Berufsbildung;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Zeugniserl\u00e4uterungen f\u00fcr Abschl\u00fcsse der beruflichen Grundbildung;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Diplomzus\u00e4tze f\u00fcr Abschl\u00fcsse der h\u00f6heren Berufsbildung.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nDer <i>Nationale Qualifikationsrahmen f\u00fcr Berufsbildung (NQR Berufsbildung)<\/i> ist ein Raster, das aus acht Niveaus besteht. Er enth\u00e4lt Beschreibungen, die es erm\u00f6glichen, s\u00e4mtliche Abschl\u00fcsse der Berufsbildung<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> einem Niveau zuzuordnen. Dabei orientiert sich der NQR Berufsbildung an den Handlungskompetenzen, die eine Person mit einem bestimmten Abschluss aufweist. Ausschlaggebend sollen somit nicht Name oder Titel eines Abschlusses sein, sondern, wozu eine Absolventin bzw. ein Absolvent mit diesem Abschluss bef\u00e4higt ist. Das Einstufungsniveau bezieht sich auf den jeweiligen Berufsbildungsabschluss und nicht auf individuelle Leistungen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nViele L\u00e4nder kennen bereits nationale Qualifikationsrahmen, die jedoch unterschiedlich ausgestaltet sind. Um die jeweiligen nationalen Qualifikationen eines Landes mit jenen anderer Staaten vergleichen zu k\u00f6nnen, wird der von der EU erarbeitete Europ\u00e4ische Qualifikationsrahmen f\u00fcr lebenslanges Lernen (EQR) herangezogen. Der EQR wird als \u00dcbersetzungsinstrument verwendet, indem der jeweilige NQR eines Landes zum EQR referenziert wird. Dies bedeutet, dass jedes Niveau des NQR einem Niveau des EQR zugeordnet wird. Alle europ\u00e4ischen L\u00e4nder ordnen zurzeit ihren jeweiligen nationalen Qualifikationsrahmen auf diese Weise ein oder haben dies bereits getan. In der Folge k\u00f6nnen beispielsweise deutsche Unternehmen einen Schweizer Berufsbildungsabschluss besser einsch\u00e4tzen, da sie wissen, welchem Niveau dieser Abschluss im deutschen Qualifikationsrahmen entspricht.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie <i>Zeugniserl\u00e4uterungen<\/i> und die <i>Diplomzus\u00e4tze<\/i> enthalten Informationen zum entsprechenden Abschluss in einer allgemeinverst\u00e4ndlichen Sprache. Diese Dokumente erm\u00f6glichen Arbeitgebenden im In- und Ausland eine Einsch\u00e4tzung der fachlichen Kompetenzen der Absolvierenden. Beispielsweise werden das Profil der beruflichen T\u00e4tigkeit und die T\u00e4tigkeitsfelder erl\u00e4utert. Genannt werden auch die Zulassungsvoraussetzungen, um diesen Abschluss zu erwerben. Ausserdem sind die Niveaus des Abschlusses im NQR Berufsbildung und im EQR aufgef\u00fchrt. F\u00fcr jeden Abschluss der beruflichen Grundbildung wird eine Zeugniserl\u00e4uterung, zu jedem Abschluss der h\u00f6heren Berufsbildung ein Diplomzusatz erstellt. Beide Dokumente orientieren sich an einer Vorlage der EU und sind dadurch leicht wiedererkennbar. Der Diplomzusatz wird zudem personalisiert, indem der entsprechende Name darin aufgef\u00fchrt ist.&#13;<\/p>\n<h2>Was ist der Nutzen der Instrumente?<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li><i>Absolventinnen und Absolventen<\/i> k\u00f6nnen ohne zus\u00e4tzlichen Erkl\u00e4rungsaufwand die Zeugniserl\u00e4uterung und den Diplomzusatz ihrem Bewerbungsdossier beilegen. Sie verbessern damit ihre Arbeitsmarktchancen und ihre berufliche Mobilit\u00e4t. Denn sowohl Arbeitgebende im Ausland als auch Schweizer Unternehmen erhalten klare Informationen dar\u00fcber, wie der Abschluss der Bewerbenden in dem ihnen bekannten Bildungssystem einzustufen ist und welche Kompetenzen die Person aufweist.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>F\u00fcr <i>Unternehmen<\/i> wird der Rekrutierungsprozess im In- und Ausland vereinfacht und tr\u00e4gt dazu bei, den Fachkr\u00e4ftebedarf zu sichern. Die Zeugniserl\u00e4uterungen und Diplomzus\u00e4tze liefern transparente Informationen \u00fcber die Kompetenzen, welche Bewerbende mit Berufsbildungsabschl\u00fcssen mitbringen. Das NQR-Niveau dient als Orientierungshilfe im schweizerischen Berufsbildungssystem und erlaubt ausl\u00e4ndischen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrenden und Personalverantwortlichen die Einstufung des Abschlusses in dem ihnen bekannten Bildungssystem.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>F\u00fcr die <i>Berufsbildung insgesamt<\/i> bedeutet dies, dass die Abschl\u00fcsse der Berufsbildung gest\u00e4rkt werden. Denn der NQR Berufsbildung zeigt sowohl die Gleichwertigkeit als auch die Andersartigkeit der Berufsbildung zum allgemeinbildenden Bildungsbereich auf. Er f\u00f6rdert die Transparenz und Vergleichbarkeit der Abschl\u00fcsse, st\u00e4rkt die Arbeitsmarktchancen sowie die Mobilit\u00e4t der Absolventinnen und Absolventen und steigert die Attraktivit\u00e4t der Schweizer Berufsbildung.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2>Umsetzung in enger Zusammenarbeit mit den Partnern<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nF\u00fcr die Berufsbildung sind die Verbundpartner zust\u00e4ndig, also Bund, Kantone und die Organisationen der Arbeitswelt. Beim Einstufungsprozess der rund 730 Abschl\u00fcsse der Berufsbildung steht daher der Konsens dieser Partner im Vordergrund: Da es die Tr\u00e4ger der Bildungsabschl\u00fcsse (Organisationen der Arbeitswelt) sind, die ihre Abschl\u00fcsse am besten kennen, erarbeiten sie einen ersten Einstufungsvorschlag ihrer Abschl\u00fcsse, Zeugniserl\u00e4uterungen und Diplomzus\u00e4tze. Dabei z\u00e4hlt, welche Kompetenzen mit dem Abschluss erworben werden. Eine externe Fachstelle \u00fcberpr\u00fcft die Arbeiten und garantiert damit die Gleichbehandlung sowie die Koh\u00e4renz der Einstufungen im Bildungssystem. Das Staatssekretariat f\u00fcr Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) entscheidet \u2013 nach Konsultation der Verbundpartner \u2013 \u00fcber die definitive Einstufung der Abschl\u00fcsse. Der eingestufte Abschluss wird in ein vom SBFI gef\u00fchrtes Verzeichnis aufgenommen und ver\u00f6ffentlicht.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Zeugniserl\u00e4uterungen zum entsprechenden eidgen\u00f6ssischen Berufsattest oder F\u00e4higkeitszeugnis f\u00fcr Absolvierende einer beruflichen Grundbildung stehen von diesem Zeitpunkt an zum Herunterladen im Berufsverzeichnis des SBFI<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> zur Verf\u00fcgung. Zu jedem Abschluss der h\u00f6heren Berufsbildung gibt diejenige Stelle den entsprechenden Diplomzusatz ab, die f\u00fcr die Ausstellung des Fachausweises oder des Diploms zust\u00e4ndig ist.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a>&#13;<\/p>\n<h2>Die n\u00e4chsten Schritte<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMit der Verordnung \u00fcber den Nationalen Qualifikationsrahmen f\u00fcr Abschl\u00fcsse der Berufsbildung soll die Grundlage f\u00fcr den NQR Berufsbildung und die dazugeh\u00f6rigen Zeugniserl\u00e4uterungen und Diplomzus\u00e4tze geschaffen werden. Die Inkraftsetzung der Verordnung ist auf den 1. Oktober 2014 geplant. Danach beginnen die Einstufung der Berufsbildungsabschl\u00fcsse in den NQR Berufsbildung und die Erarbeitung der Zeugniserl\u00e4uterungen und Diplomzus\u00e4tze. Das SBFI wird diesen Prozess mit Informationsveranstaltungen, Schulungen und weiteren Massnahmen unterst\u00fctzen. Die Ver\u00f6ffentlichung der ersten Serie der definitiven Einstufungen, Zeugniserl\u00e4uterungen und Diplomzus\u00e4tze ist f\u00fcr Sommer 2015 vorgesehen.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Eidgen\u00f6ssische Technische Hochschulen (ETH Z\u00fcrich, EPFL), kantonale Universit\u00e4ten, Fachhochschulen und P\u00e4dagogische Hochschulen.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Abschl\u00fcsse der beruflichen Grundbildung: eidgen\u00f6ssisches Berufsattest, eidgen\u00f6ssisches F\u00e4higkeitszeugnis; Abschl\u00fcsse der h\u00f6heren Berufsbildung: Diplome der h\u00f6heren Fachschulen, eidgen\u00f6ssischer Fachausweis (Berufspr\u00fcfung), eidgen\u00f6ssisches Diplom (h\u00f6here Fachpr\u00fcfungen) sowie Abschl\u00fcsse von Berufsbildungsverantwortlichen.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Siehe www.sbfi.admin.ch\/bvz.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Je nach Abschluss sind dies die h\u00f6heren Fachschulen, die Bildungsanbieter oder das SBFI.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bildung ist national gepr\u00e4gt: Jedes Land hat seine eigene Geschichte und Kultur sowie unterschiedlich stark ausgepr\u00e4gte gesellschaftliche Wertvorstellungen. 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