{"id":117568,"date":"2014-09-01T12:00:00","date_gmt":"2014-09-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2014\/09\/fluder_salzgeber-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:16:59","modified_gmt":"2023-08-23T21:16:59","slug":"fluder_salzgeber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2014\/09\/fluder_salzgeber\/","title":{"rendered":"Erwerbsverl\u00e4ufe und Sozialleistungsbez\u00fcge von Personen aus dem EU\/Efta-Raum"},"content":{"rendered":"<p>Mit der ab 2002 schrittweise eingef\u00fchrten Personenfreiz\u00fcgigkeit gegen\u00fcber den EU\/Efta-L\u00e4ndern haben sich die Migrationsstr\u00f6me grundlegend ver\u00e4ndert. Zun\u00e4chst wurde das Freiz\u00fcgigkeitsabkommen (FZA) f\u00fcr die urspr\u00fcnglichen 15 EU-Staaten (EU15) und die drei Efta-L\u00e4nder eingef\u00fchrt. 2006 folgten 8 osteurop\u00e4ische L\u00e4nder (EU8) sowie Zypern und Malta (EU15+2 = EU17), 2009 Rum\u00e4nien und Bulgarien (EU2). Die Zuwanderung nahm in der Folge deutlich st\u00e4rker zu als bei der Einf\u00fchrung erwartet wurde. Zudem ver\u00e4nderte sich die Struktur der Zuwanderung deutlich.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie dadurch ausgel\u00f6sten Diskussionen \u00fcber die Auswirkung der Zuwanderung und die Umsetzung des FZA durch die Beh\u00f6rden war Anlass f\u00fcr eine vertiefte Evaluation des Aufenthalts von Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4ndern in der Schweiz. Die Berner Fachhochschule (BFH) hat zusammen mit Interface-Politikstudien im Auftrag der Parlamentarischen Verwaltungskontrolle und der Gesch\u00e4ftspr\u00fcfungskommission des Nationalrates f\u00fcr diese Evaluation die quantitativen Analysen durchgef\u00fchrt. Dabei ging es unter anderem um folgende Fragestellungen: Wie lange bleiben die Zuwandernden in der Schweiz und wie h\u00e4ufig reisen sie mehrmals ein (Aufenthaltsverl\u00e4ufe)? Wie oft und wie lange sind FZA-Zugewanderte erwerbst\u00e4tig (Erwerbsverl\u00e4ufe) und wie h\u00e4ufig beziehen sie Sozialleistungen? Wie reagiert die Zuwanderung auf die konjunkturelle Entwicklung?&#13;<\/p>\n<h2>Zuwanderung zeigt starke Dynamik<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZur Beantwortung dieser Fragestellungen wurden erstmals Erwerbs- und Aufenthaltsverl\u00e4ufe der Zugewanderten f\u00fcr eine l\u00e4ngere Periode erstellt. Die Basis dazu bildeten die Administrativdaten<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> und die Sozialhilfestatistik, die zu einem komplexen Datensatz kombiniert wurden. Damit war es m\u00f6glich, die Verl\u00e4ufe unterschiedlicher Gruppen von Zugewanderten zu rekonstruieren und diese mit jenen der vor dem FZA Zugewanderten sowie der Schweizerinnen und Schweizer zu vergleichen. Untersucht wurde die Periode von 2002 bis Ende 2010\/2011.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Rahmen des FZA sind von Mitte 2002 bis Ende 2011 knapp eine Million Personen (986 544) zugewandert, von denen zwei F\u00fcnftel bis Ende 2011 die Schweiz wieder verlassen haben. Damit betrug die Nettozuwanderung unter dem FZA bis Ende 2011 581&nbsp;000 Personen. Ein Teil dieser Personen wanderte mehrmals ein; in den ersten vier Jahren des FZA betraf dies 16% der Zugewanderten. Die Zuwanderung weist damit eine hohe Dynamik auf. Von den bis 2011 zugewanderten erwachsenen Personen kamen zwei Drittel aus den umliegenden und etwa ein F\u00fcnftel aus den s\u00fcdlichen EU-L\u00e4ndern. Weitere 6% stammten bis 2011 aus den EU8\/EU2-Staaten Osteuropas. Seit 2010 hat die Zuwanderung nach einem R\u00fcckgang in den Jahren 2009\/2010 wieder leicht zugenommen, wobei eine deutliche Verschiebung der Zuwanderung hin zu den s\u00fcdlichen und \u00f6stlichen EU-Staaten beobachtet werden kann.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBei der Zuwanderung im Rahmen des FZA handelt es sich um Arbeitsmigration. 78% reisten zum Zweck der Erwerbst\u00e4tigkeit ein, davon 0,8% als Selbst\u00e4ndige. Nur 13% taten dies als Nichterwerbst\u00e4tige, mehr als die H\u00e4lfte davon zur Ausbildung. Rund 9%<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> der Erwachsenen sind \u00fcber den Familiennachzug \u2013 vorwiegend als Ehepartner \u2013 eingereist. Von den Personen, die nicht \u00fcber den Familiennachzug eingereist sind, erhielten 62% eine Kurzaufenthaltsbewilligung L (bis 12 Monate) und 38% eine B-Bewilligung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBetrachtet man die Zuwanderung im konjunkturellen Verlauf, so zeigt sich ein deutliches Muster. Anhand einer multivariaten Modellrechnung kann eine Abh\u00e4ngigkeit der Zuwanderung von der Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt nachgewiesen werden: Eine schlechte Konjunkturlage (gemessen an der Ver\u00e4nderung der Erwerbslosenquote) schw\u00e4cht sowohl die Zuwanderung als auch die R\u00fcckwanderung\u00a0\u2013 wenn auch weniger stark \u2013 ab, w\u00e4hrend eine gute Konjunkturlage beide f\u00f6rdert. Daneben bestimmen weitere Faktoren die Zuwanderung, so etwa das Wohlstandsgef\u00e4lle zwischen der Schweiz und den Herkunftsl\u00e4ndern oder die konjunkturelle Situation in den Herkunftsl\u00e4ndern.&#13;<\/p>\n<h2>Junge, gut qualifizierte und flexible Arbeitskr\u00e4fte<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Gruppe der zugewanderten Personen unterscheidet sich deutlich vom Durchschnitt der Schweizer Bev\u00f6lkerung: Zwei Drittel sind j\u00fcnger als 35 Jahre (30% sind 18 bis 25 und 37% 26 bis 35 Jahre alt). Sie sind durchschnittlich wesentlich besser qualifiziert und arbeiten h\u00e4ufiger in F\u00fchrungspositionen sowie in akademischen Berufen.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> Allerdings zeigen sich grosse Unterschiede je nach Herkunftsland: Die H\u00e4lfte der Zugewanderten aus s\u00fcdeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern (Portugal, Spanien und Griechenland) verf\u00fcgt \u00fcber keinen Berufsabschluss. Damit sind bei der Zuwanderung im Rahmen des FZA Elemente einer \u00dcber- und einer Unterschichtung festzustellen. Im Vergleich zur Schweizer Bev\u00f6lkerung sind die Zugewanderten zudem h\u00e4ufiger Einzelpersonen oder Paare ohne Kinder. Insgesamt profitiert die Wirtschaft von der Zuwanderung hoch qualifizierter Arbeitskr\u00e4fte und kann damit Engp\u00e4sse auf dem Arbeitsmarkt abbauen. Im Segment der wenig qualifizierten, kurzfristig ben\u00f6tigten saisonalen Besch\u00e4ftigten ist die hohe Flexibilit\u00e4t des Arbeitsangebots von grossem Nutzen f\u00fcr die Wirtschaft.&#13;<\/p>\n<h2>Aufenthalts- und Erwerbsverl\u00e4ufe<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAnhand von Aufenthalts- und Erwerbsverl\u00e4ufen der Zugewanderten l\u00e4sst sich aufzeigen, ob jemand in den vier Jahren nach der Einreise in die Schweiz konstant, mit Unterbr\u00fcchen oder \u00fcberhaupt nicht erwerbst\u00e4tig ist und ob jemand wieder ausreist oder m<i>ehrmals einreist.<\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<i>Tabelle 1<\/i> zeigt, dass 57% der Zugewanderten in den ersten vier Jahren nach der Einwanderung konstant erwerbst\u00e4tig sind (Typ A). Wird nach Nationalit\u00e4tengruppen unterschieden, so liegt dieser Anteil bei den Eingewanderten aus den umliegenden L\u00e4ndern und vor allem aus den EU17\/Efta-S\u00fcdl\u00e4ndern \u00fcber dem Durchschnitt, bei Personen aus EU17\/Efta-Nord-Zugewanderten deutlich tiefer (45%) und bei den Personen aus den EU8-L\u00e4ndern leicht tiefer. Rund ein Viertel dieser Personen (Typ A1: 15%) ist konstant erwerbst\u00e4tig und lebt vier Jahre nach der Zuwanderung noch immer in der Schweiz; knapp ein Drittel (A2: 17,7%) ist wieder ausgereist und knapp ein F\u00fcnftel mehrmals eingereist (A4: 10,7%).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2022\/01\/fluder_salzgeber_gra1_de1.png\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-3554 size-full\" src=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2022\/01\/fluder_salzgeber_gra1_de1.png\" alt=\"fluder_salzgeber_tab1_de[1]\" width=\"625\" height=\"840\" \/><\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKnapp 17% der Zugewanderten sind mit Unterbr\u00fcchen von mehr als drei Monaten (Typ B) erwerbst\u00e4tig. Hier f\u00e4llt der \u00fcberdurchschnittlich hohe Anteil bei Personen aus den s\u00fcdlichen EU-L\u00e4ndern sowie aus EU8-L\u00e4ndern auf, w\u00e4hrend er bei Personen aus EU17\/Efta-Nord besonders tief ist. Nur ein Viertel davon hat Erwerbsunterbr\u00fcche und ist w\u00e4hrend 4 Jahren permanent in der Schweiz (Typ B1), ein weiterer knapper Viertel ist wieder ausgereist (B2, B3) und rund 30% sind mehrmals eingereist (B5). Besonders h\u00e4ufig kommen mehrfache Einreisen bei Zugewanderten aus den s\u00fcdlichen EU-L\u00e4ndern und aus der EU8 vor. Hier d\u00fcrfte es sich h\u00e4ufig um Personen mit saisonbedingten Kurzbesch\u00e4ftigungen handeln. Personen mit mehrmaligen Einreisen und solche, die wieder ausgereist sind, haben denn auch vergleichsweise h\u00e4ufig eine L-Bewilligung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGut ein Viertel der Zugewanderten ist w\u00e4hrend der ersten vier Jahre nie erwerbst\u00e4tig. Besonders h\u00e4ufig kommen diese Personen aus n\u00f6rdlichen EU17\/Efta-L\u00e4ndern. Davon reisen drei Viertel innerhalb von vier Jahren wieder aus.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Vergleich zur Schweizer Erwerbsbev\u00f6lkerung sind die FZA-Zugewanderten h\u00e4ufiger konstant erwerbst\u00e4tig. Bei den Einheimischen ist der Anteil der Erwerbst\u00e4tigen mit Unterbr\u00fcchen etwas h\u00f6her.&#13;<\/p>\n<h2>Soziodemografische Profile<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Vergleich der soziodemografischen Profile nach Verlaufstyp zeigt, dass Frauen weniger h\u00e4ufig wieder ausreisen und in einer ersten Phase nach der Einreise \u00f6fter nicht erwerbst\u00e4tig sind. Ledige und 26- bis 35-J\u00e4hrige sind besonders h\u00e4ufig konstant erwerbst\u00e4tig, w\u00e4hrend Geschiedene h\u00e4ufiger Erwerbsunterbr\u00fcche haben. Besonders hoch ist die Flexibilit\u00e4t bei den jungen Erwachsenen: Sie weisen \u00fcberdurchschnittlich viele Erwerbsperioden, Ausreisen oder Erwerbsunterbr\u00fcche auf.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie relevanten Einflussfaktoren auf die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr einen bestimmten Verlauf wurden anhand einer multivariaten Modellsch\u00e4tzung bestimmt. Dabei interessieren vor allem die Einflussfaktoren f\u00fcr einen Verlauf mit Erwerbsunterbr\u00fcchen, da damit auch ein erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr einen sp\u00e4teren Sozialleistungsbezug verbunden ist.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Sch\u00e4tzungen zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr einen Verlauf mit Erwerbsunterbr\u00fcchen bei jungen Erwachsenen und \u00e4lteren Erwerbst\u00e4tigen (ab 55 Jahren), Alleinerziehenden, Personen im Familiennachzug und Zugewanderten aus den EU8-L\u00e4ndern erh\u00f6ht ist. In der Tendenz trifft dies auch f\u00fcr Frauen, Alleinlebende und Personen ohne Terti\u00e4rbildung zu. Auch in gewissen Branchen ist das Risiko eines Verlaufs mit Erwerbsunterbr\u00fcchen erh\u00f6ht; typischerweise geh\u00f6rt das Bau- und Gastgewerbe dazu. Der erh\u00f6hte Anteil von Erwerbsunterbr\u00fcchen bei Zugewanderten aus den EU-S\u00fcd-L\u00e4ndern ist nicht auf deren Herkunft zur\u00fcckzuf\u00fchren. Er hat vielmehr damit zu tun, dass diese h\u00e4ufiger in Branchen mit unsicheren Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnissen arbeiten und h\u00e4ufiger \u00fcber keine Berufsausbildung verf\u00fcgen.&#13;<\/p>\n<h2>Sozialleistungsbez\u00fcge sind w\u00e4hrend der ersten Aufenthaltsjahre selten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nNeben der Erwerbst\u00e4tigkeit wurden auch die Sozialleistungsbez\u00fcge in den vier Jahren nach der ersten Einreise ausgewiesen und mit der Kontrollgruppe der vor dem FZA-Zugewanderten sowie den Schweizerinnen und Schweizern verglichen.<a href=\"#footnote_6\" id=\"footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor\">[6]<\/a> Bei 91% der unter dem FZA zugewanderten Personen liegt in den ersten vier Jahren nach der Zuwanderung kein Sozialleistungsbezug (Arbeitslosenentsch\u00e4digung oder Sozialhilfe) vor. 6% weisen einen kurzen (bis zw\u00f6lf Monate) und 1,7% einen l\u00e4ngeren Bezug von Arbeitslosenentsch\u00e4digung (mehr als zw\u00f6lf Monate) auf. 0,5% haben sowohl Arbeitslosenentsch\u00e4digung wie auch Sozialhilfe und weitere 0,5% ausschliesslich Sozialhilfe bezogen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Vergleich zu den Vor-FZA-Zugewanderten und den Schweizerinnen und Schweizern haben die FZA-Zugewanderten weniger h\u00e4ufig Sozialleistungen bezogen (siehe <i>Grafik 1).<\/i> Eine Ausnahme sind Personen aus den EU17-S\u00fcd-L\u00e4ndern. Betrachtet man die j\u00e4hrlichen Leistungsbezugsquoten, so zeigt sich jedoch, dass diese mit der Dauer des FZA zunehmen: Bis 2010 gleicht sich die Bezugsquote der FZA-Zugewanderten jener der Vor-FZA-Zugewanderten an und ist damit h\u00f6her als bei der Schweizer Bev\u00f6lkerung. Auffallend ist, dass die Bezugsquote der Personen aus s\u00fcdlichen EU-L\u00e4ndern deutlich st\u00e4rker zunimmt und 2010 wesentlich \u00fcber der Bezugsquote der \u00fcbrigen Nationalit\u00e4tengruppen liegt. Dies d\u00fcrfte damit zusammenh\u00e4ngen, dass Personen aus diesen L\u00e4ndern h\u00e4ufig keine Berufsausbildung haben und in Branchen mit tiefen L\u00f6hnen, unsicheren Anstellungsbedingungen und einem h\u00f6heren Arbeitslosigkeitsrisiko arbeiten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a href=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2022\/01\/fluder_salzgeber_gra1_de1.png\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-3555 size-full\" src=\"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2022\/01\/fluder_salzgeber_gra1_de1.png\" alt=\"fluder_salzgeber_gra1_de[1]\" width=\"920\" height=\"849\" \/><\/a>&#13;<\/p>\n<h2>Sozialhilfebez\u00fcger sind oft erwerbst\u00e4tig<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nVon den FZA-Zugewanderten, welche 2010 Sozialhilfe bezogen (0,9% aller FZA-Zugewanderten), waren 60% Working Poor, d. h. sie bezogen Sozialhilfeleistungen trotz einer Erwerbst\u00e4tigkeit. Sowohl die Sozialhilfequote insgesamt (Sozialhilfebezug mit und ohne Erwerbst\u00e4tigkeit) wie auch die Working-Poor-Quote stiegen seit Inkrafttreten des FZA deutlich an. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Nationalit\u00e4tengruppen (siehe <i>Grafik\u00a02).<\/i> Am tiefsten ist die Quote f\u00fcr Personen aus EU\/Efta-Nord, w\u00e4hrend sie bei Personen aus EU-S\u00fcd-L\u00e4ndern deutlich h\u00f6her ist. Zudem nimmt die Quote der s\u00fcdlichen L\u00e4ndergruppe seit 2005 st\u00e4rker zu als bei den anderen L\u00e4ndergruppen. Dies d\u00fcrfte mit der spezifischen sozioprofessionellen Zusammensetzung dieser Zuwanderungsgruppen zusammenh\u00e4ngen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/09\/fluder_salzgeber_gra2_de1.png\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-3556 size-full\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/09\/fluder_salzgeber_gra2_de1.png\" alt=\"fluder_salzgeber_gra2_de[1]\" width=\"922\" height=\"926\" \/><\/a>&#13;<\/p>\n<h2>Zugewanderte aus s\u00fcdlichen EU-L\u00e4ndern bilden spezielle Gruppe<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEs zeigt sich, dass die Zuwanderung unter dem Personenfreiz\u00fcgigkeitsabkommen \u00e4usserst dynamisch und flexibel ist. Zwei F\u00fcnftel der zugewanderten Personen reisen wieder aus. Personen, die in der Schweiz bleiben, sind mehrheitlich konstant erwerbst\u00e4tig.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAufgrund der sozioprofessionellen Merkmale unterscheidet sich die Gruppe der aus den s\u00fcdlichen EU-L\u00e4ndern Zugewanderten deutlich von denjenigen aus den \u00fcbrigen EU17\/Efta-L\u00e4ndern. Sozialleistungsbez\u00fcge der unter dem FZA zugewanderten Personen sind in der ersten Zeit relativ selten; sie nehmen aber bei l\u00e4ngerer Aufenthaltsdauer zu. Insbesondere selten sind Sozialhilfebez\u00fcge, und diese beschr\u00e4nken sich mehrheitlich auf die Existenzsicherung bei einer Erwerbst\u00e4tigkeit.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Zentrales Migrationsinformationssystem (Zemis), individuelle Konten der AHV-Einkommensdaten IK, Avam\/Asal-Daten, IV-Registerdaten.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Seco (2014), S. 19.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Bei Ber\u00fccksichtigung der Kinder sind es 17 Prozent.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Dies gilt sowohl im Vergleich zu den Personen, die vor dem FZA aus Europa zugewandert sind, wie auch im Vergleich zur Schweizer Bev\u00f6lkerung.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Diese Sch\u00e4tzungen wurden anhand der Befragungsdaten Soziale Sicherheit und Arbeitsmarkt (Sesam) durchgef\u00fchrt, die mit Administrativdaten verkn\u00fcpft wurden.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_6\" class=\"footnote--item\">Bei den vor der Personenfreiz\u00fcgigkeit eingewanderten Personen wurden die vier Jahre nach April 2002 beobachtet. Bei der Schweizer Bev\u00f6lkerung die vier Jahre nach dem Stichprobenziehungsjahr (2002 bis 2006).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit der ab 2002 schrittweise eingef\u00fchrten Personenfreiz\u00fcgigkeit gegen\u00fcber den EU\/Efta-L\u00e4ndern haben sich die Migrationsstr\u00f6me grundlegend ver\u00e4ndert. Zun\u00e4chst wurde das Freiz\u00fcgigkeitsabkommen (FZA) f\u00fcr die urspr\u00fcnglichen 15 EU-Staaten (EU15) und die drei Efta-L\u00e4nder eingef\u00fchrt. 2006 folgten 8 osteurop\u00e4ische L\u00e4nder (EU8) sowie Zypern und Malta (EU15+2 = EU17), 2009 Rum\u00e4nien und Bulgarien (EU2). 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Die grosse Mehrheit der Zugewanderten kommt zum Zweck der Erwerbst\u00e4tigkeit in die Schweiz und ist in den ersten Jahren konstant erwerbst\u00e4tig. Nur wenige nehmen Arbeitslosengelder oder Sozialhilfeleistungen in Anspruch, wobei die meisten Sozialhilfebeziehenden erwerbst\u00e4tig sind.","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"<ul>&#13;\n\t<li>Fluder Robert, Salzgeber Renate, von Gunten Luzius, Fritschi Tobias, M\u00fcller Franziska, Germann Urs, Pfiffner Roger, Ruckstuhl Herbert, Koch Kilian (2013): Evaluation zum Aufenthalt von Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4ndern unter dem Personenfreiz\u00fcgigkeitsabkommen: Quantitative Analysen; Teil\u00a0III der Materialien zum Bericht der Parlamentarischen Verwaltungskontrolle zuhanden der Gesch\u00e4ftspr\u00fcfungskommission des Nationalrates. Bern: BFH\/Interface.<\/li>&#13;\n\t<li>Parlamentarische Verwaltungskontrolle (2013): Evaluation zum Aufenthalt von Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4ndern unter dem Personenfreiz\u00fcgigkeitsabkommen. Bericht zuhanden der Gesch\u00e4ftspr\u00fcfungskommission des Nationalrates vom 6.\u00a0November 2013.<\/li>&#13;\n\t<li>Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (2014): 10. Bericht des Observatoriums zum Freiz\u00fcgigkeitsabkommen Schweiz-EU. Auswirkungen der Personenfreiz\u00fcgigkeit auf den Schweizer Arbeitsmarkt.<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":[{"kasten_title":"Nationalit\u00e4tengruppen","kasten_box":"<ul>&#13;\n\t<li>EU17\/Efta: EU17\/Efta umliegende Staaten (Deutschland, \u00d6sterreich, Liechtenstein, Italien, Frankreich) + EU17\/Efta-Nord (Belgien, D\u00e4nemark, Finnland, Irland, Island, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Schweden, Vereinigtes K\u00f6nigreich) + EU17\/Efta-S\u00fcd (Griechenland, Malta, Portugal, Spanien, Zypern).<\/li>&#13;\n\t<li>EU8: Estland, Lettland, Litauen, Polen, Republik Tschechien, Slowakei, Slowenien, Ungarn.<\/li>&#13;\n\t<li>EU2: Bulgarien, Rum\u00e4nien.<\/li>&#13;\n<\/ul>"},{"kasten_title":"Datenbasis","kasten_box":"Erstmals wurden anhand der verf\u00fcgbaren administrativen und statistischen Daten die Aufenthaltsverl\u00e4ufe aller Zugewanderten im Rahmen des FZA aus den EU- und Efta-L\u00e4ndern rekonstruiert und analysiert. Die quantitativen Analysen der BFH st\u00fctzen sich auf Administrativdaten des Zentralen Migrationsinformationssystems (Zemis), die AHV-Einkommensdaten der individuellen Konten, die Administrativdaten der ALV der Jahre 2002 bis 2010, die Sozialhilfestatistik sowie die IV-Registerdaten der Jahre 2005 bis 2010. Untersucht wurden die Daten aller aus den EU\/Efta-L\u00e4ndern zugewanderten Personen (vor bzw. nach Inkrafttreten des FZA) sowie die Daten einer j\u00e4hrlich wechselnden Kontrollgruppe von Schweizerinnen und Schweizern. Pro Einwanderungskohorte wurden Aufenthalts- und Erwerbsverl\u00e4ufe \u00fcber vier Jahre rekonstruiert und Perioden mit Leistungsbez\u00fcgen aus der Arbeitslosenversicherung und der Sozialhilfe abgebildet. F\u00fcr Modellrechnungen und spezielle Analysen wurden zudem die Daten der Erhebung Soziale Sicherheit und Arbeitsmarkt (Sesam) beigezogen."}],"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":117571,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"3039","post_abstract":"","magazine_issue":"20140901","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/54897a189243d"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117568"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3633"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=117568"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117568\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":127023,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117568\/revisions\/127023"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3795"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3633"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/34382"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=117568"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=117568"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=117568"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=117568"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=117568"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=117568"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}