{"id":117578,"date":"2014-09-01T12:00:00","date_gmt":"2014-09-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2014\/09\/kronthaler_heublein_dinkelmann-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:17:43","modified_gmt":"2023-08-23T21:17:43","slug":"kronthaler_heublein_dinkelmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2014\/09\/kronthaler_heublein_dinkelmann\/","title":{"rendered":"Wie sich Gesundheit und Tourismus gegenseitig erg\u00e4nzen k\u00f6nnen \u2013 das Beispiel Davos"},"content":{"rendered":"<p>Aus dem Blickwinkel der Clustertheorie lassen sich Belege daf\u00fcr finden, dass in Davos sowohl ein Cluster im Gesundheitssektor als auch ein Cluster im Tourismussektor bestehen. Beide weisen eine lange und bewegte Tradition auf.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Entstehung des Gesundheitsclusters reicht bis etwa Mitte des 19. Jahrhunderts zur\u00fcck. Zu dieser Zeit begann der Landarzt Dr. Spengler in seinen Schriften \u00fcber die heilende Wirkung des Davoser Klimas bei Lungenkrankheiten zu berichten. Hinzu kam ein Ph\u00e4nomen, welches in der Regional\u00f6konomie als historischer Zufall bekannt ist. Bei zwei deutschen Tuberkulosepatienten, Dr. Friedrich Unger und Hugo Richter, traten \u00fcberraschende Heilungserfolge auf. Diese Erfolge fanden sowohl in der \u00d6ffentlichkeit als auch in der Fachwelt breite Beachtung, was zur Entstehung des H\u00f6henkurortes f\u00fchrte. Innerhalb weniger Jahrzehnte etablierte sich Davos als weltweit anerkannter H\u00f6henkurort mit zahlreichen Sanatorien, Pensionen, Forschungsst\u00e4tten und der dazugeh\u00f6rigen \u00f6ffentlichen Infrastruktur. Siehe z. B. Hauri, J. (1907): Davos As Commune and Health-Resort, in: W.R. Huggard, Davos As Health Resort, Davos Printing Company Ltd.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nParallel dazu entwickelte sich Davos zum Wintersportort. 1869 wurde die erste k\u00fcnstlich angelegte Eisbahn in Betrieb genommen. 1883 fand mit dem <i>Symonds-Shield<\/i> das weltweit erste internationale Schlittenrennen von Davos Wolfgang nach Klosters statt. Der Davoser Schlitten, gewissermassen das \u00abOriginal\u00bb, ist heute noch das weltweit am meisten benutzte Schlittenmodell. 1931\/32 wurde die Parsennbahn f\u00fcr den alpinen Wintersport gebaut, und 1934 erfolgte am Bolgen die Inbetriebnahme des ersten B\u00fcgellifts der Welt. Siehe \u00abDie Anf\u00e4nge auf Skiern bis hin zur Skidestination\u00bb, www.davos.ch &gt; Aufenthalt &gt; Davos-Klosters\u00a0&gt; Geschichte &gt; Davos The Pioneer&gt; Anf\u00e4nge des Skisports.&#13;<\/p>\n<h2>Tourismuscluster in der Erhaltungsphase \u2026<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nHeute ist Davos ein vielf\u00e4ltiger, internationaler Tourismusort mit einer ausgepr\u00e4gten Clusterstruktur, welche sowohl zahlreiche private als auch \u00f6ffentliche Akteure des Tourismuswesens umfasst. Es existieren rund 60 Hotels und Pensionen, 23 Lager und Jugendherbergen und zahlreiche Ferienwohnungen. Insgesamt verf\u00fcgt Davos \u00fcber mehr als 32&nbsp;000 Logierbetten. Daneben gibt es mit den Bergbahnen, Golfpl\u00e4tzen und Sportanbietern ein breit angelegtes touristisches Angebot. Erg\u00e4nzt wird dies durch zahlreiche Museen und kulturelle Veranstaltungen. Die genossenschaftlich organisierte Destination Davos Klosters \u00fcbernimmt dabei u. a. die Vermarktung der Angebote. Neben den Akteuren ist ein zentrales Kriterium eines Clusters die gegenseitige Verflechtung der Akteure. Eine Netzwerkanalyse dieser Verflechtung zeigt, dass die Akteure des Tourismusclusters eng miteinander verbunden sind. Im Durchschnitt hat jeder der touristischen Akteure 4,5 Verbindungen mit anderen Akteuren des Tourismus informeller Art sowie in Form von gemeinsamen Angeboten und Events.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBetrachtet man den Entwicklungsstand des Tourismusclusters in Davos, so l\u00e4sst sich leicht feststellen, dass sich dieses in der Erhaltungsphase befindet (siehe <i>Grafik\u00a01<\/i> und <i><\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten\u00a02<\/b>&#13;<br \/>\nAls Cluster wird in der Regional\u00f6konomie eine geografische Konzentration von vernetzten Unternehmen, spezialisierten Zuliefern, Dienstleistungsanbietern, Unternehmen in verwandten Branchen und assoziierten Institutionen (z. B. Forschungsinstitutionen) verstanden, die sich gegenseitig konkurrenzieren und miteinander kooperieren. Neuere Forschung zeigt, dass Cluster \u00e4hnlich wie Produkte einem Lebenszyklus unterliegen. Dieser enth\u00e4lt die Phasen Entstehung, Wachstum, Erhaltung und Niedergang (siehe Grafik\u00a01). In der Entstehungsphase ist die Anzahl an Unternehmen im Cluster zun\u00e4chst gering, ferner sind die Unternehmen relativ heterogen in der Ausrichtung. In der Wachstumsphase nimmt die Heterogenit\u00e4t ab und die Anzahl an Unternehmen nimmt zu. Die Erhaltungsphase kennzeichnet sich dadurch, dass die Heterogenit\u00e4t weiter abnimmt und die Anzahl an Clusterunternehmen konstant bleibt. In der Niedergangsphase nimmt die Heterogenit\u00e4t noch weiter ab und auch die Anzahl Unternehmen sinkt. Wichtig ist dabei, dass die L\u00e4nge der einzelnen Phasen nicht vorherbestimmt ist, sondern u. a. von der Innovationskraft der Clusterunternehmen abh\u00e4ngt. Die Erhaltungsphase kann beispielsweise durch eine permanente Adaption neuer Marktgegebenheiten und durch Innovationen verl\u00e4ngert werden. Befindet sich ein Cluster in der Niedergangsphase, kann es durch Erneuerung oder Transformation wieder in die Wachstumsphase einschwenken. Erneuerung bedeutet, sich auf ein neues Marktsegment mit einem hohen Innovationspotenzial auszurichten. Transformation meint, die vorhandenen Kompetenzen und F\u00e4higkeiten auf einen komplett neuen Markt auszurichten. F\u00fcr n\u00e4here Ausf\u00fchrungen zu Clustern und deren Lebenszyklus vgl. z. B. Porter, M.E. (1998): Clusters and Competition: New Agendas for Companies, Governments, and Institutions, in: Porter, M.E. (Hrsg.): On Competition, Harvard Business Review Books, Boston, S. 197\u2013287; sowie Menzel M.P., Fornahl, D. (2010): Cluster Life Cycles \u2013 Dimensions and Rationales of Cluster Evolution, in: Industrial and Corporate Change 19(1), S.\u00a0205\u2013238. ). Gut belegen kann man dies anhand der zur Verf\u00fcgung stehenden Zahlen der Logiern\u00e4chte (siehe Grafik\u00a02). Die \u00dcbernachtungszahlen der Hotels und Pensionen sowie der Parahotellerie \u2013 d.\u00a0h. Gruppenh\u00e4user, Jugendherbergen und Ferienwohnungen \u2013 zeigen bis hin zu den 1970er-Jahren einen markanten Anstieg. Ab 1970 sind die Zahlen weitestgehend konstant geblieben.&#13;<\/p>\n<h2>Gesundheitscluster in der Niedergangsphase<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nF\u00fcr das Gesundheitscluster in Davos ergibt sich ein etwas anderes Bild. <i>Grafik\u00a0<\/i>2 zeigt ebenfalls, dass im Bereich Kliniken die \u00dcbernachtungszahlen bis hin zu den 1950er-Jahren angestiegen sind. Tats\u00e4chlich hatte der H\u00f6henkurort Davos seine Hochbl\u00fcte in den 1930er-Jahren. Seither sind aufgrund von Strukturbr\u00fcchen \u2013 z. B. die Erfindung des Streptomycins, mit dessen Hilfe das Tuberkulosebakterium wirksam bek\u00e4mpft werden konnte \u2013 die Zahlen stetig r\u00fcckl\u00e4ufig. Sie betragen heute nur noch einen Bruchteil der \u00dcbernachtungszahlen der Hochbl\u00fcte. Das Cluster befindet sich entsprechend der Clustertheorie damit in der Phase des Niederganges, wobei in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Akteure verschwunden sind. Trotzdem hat das Gesundheitswesen noch immer eine wichtige Bedeutung f\u00fcr Davos. Es existieren noch Clusterans\u00e4tze in Form von zahlreichen Akteuren des Gesundheitswesens, wie dem Spital Davos, der Z\u00fcrcher H\u00f6henklinik, dem Nederlands Astmacentrum, dem Europ\u00e4ischen Allergie und Asthma Zentrum Davos, dem Schweizerischen Institut f\u00fcr Allergie und Asthmaforschung, dem Christine K\u00fchne-Center for Allergy Research and Education sowie weiteren Allgemein- und Alternativmedizinern, Ergotherapeuten oder Physiotherapeuten. Eine Analyse der Vernetzung zeigt, dass diese Akteure untereinander \u00e4hnlich dicht vernetzt sind wie diejenigen im Tourismuscluster. Das Gesundheitscluster muss sich aber den Herausforderungen eines Clusters im Niedergang stellen.&#13;<\/p>\n<h2>Erneuerung durch den Gesundheitstourismus<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEin Cluster, welches sich im Niedergang befindet, kann gem\u00e4ss Clustertheorie durch Erneuerung und Transformation den Niedergang stoppen und wieder in die Wachstumsphase einschwenken (siehe <i><\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1<\/b>&#13;<br \/>\nDie Erkenntnisse dieses Artikels st\u00fctzen sich auf die Ergebnisse des KTI-Projektes Nr. 13922.2 PFES-ES \u00abEntwicklung innovativer Produkte zur St\u00e4rkung des Gesundheits- und Aktivtourismus in Davos Klosters\u00bb. ).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTheoretisch bieten sich damit f\u00fcr das Gesundheitscluster in Davos zwei Optionen: Erstens kann es einen neuen Trend aufgreifen und sich den Marktgegebenheiten anpassen oder zweitens die vorhandenen F\u00e4higkeiten und Kompetenzen auf ein komplett neues Marktgebiet ausrichten. Mit dem Trend Gesundheitstourismus besteht die M\u00f6glichkeit, eine Erneuerung durchzuf\u00fchren und wieder in den Wachstumspfad einzuschwenken. Damit dies erfolgreich geschehen kann, muss jedoch eine Reihe von Voraussetzungen erf\u00fcllt sein:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Erstens sind die vorhandenen Kompetenzen mit Blick auf den Trend Gesundheitstourismus zu analysieren und daraus abzuleiten, in welchen Bereichen Potenziale bestehen (Profilbildung und Spezialisierung Vgl. dazu den Artikel von Heublein und Kronthaler auf S. 48 in dieser Ausgabe. );<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>zweitens sind bestehende Kunden und deren Bed\u00fcrfnisse zu ber\u00fccksichtigen (Ausrichtung auf den Kundennutzen);<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>drittens ist die bestehende Zusammenarbeit der Akteure des Gesundheits- und Tourismussektors einschliesslich bereits bestehender Produkte zu untersuchen (Initiierung und F\u00f6rderung von Anbieternetzwerken);<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>viertens sind in einer Synthese und in Zusammenarbeit mit den bestehenden Akteuren Strategien und innovative Produkte zu entwickeln, so dass die M\u00f6glichkeit besteht, den Trend zu erschliessen (systematisches Innovationsmanagement der Akteure).<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2>Kompetenzen in nahezu allen Angebotssparten vorhanden<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Analyse der bestehenden Kompetenzen im Gesundheitssektor und im Tourismussektor zeigt f\u00fcr Davos: Sowohl in den nicht-indikationsorientierten Angebotssparten des Gesundheitstourismus, die ohne medizinische Diagnose durchgef\u00fchrt werden, als auch in den indikationsorientierten Angebotssparten, die auf einer medizinischen Diagnose basieren, bestehen gegenw\u00e4rtig Kompetenzen. Einen \u00dcberblick der beiden Angebotssparten bietet die Tabelle 1 auf S. 50 in dieser Ausgabe. Diese k\u00f6nnen im Rahmen einer gesundheitstouristischen Strategieentwicklung n\u00e4her spezifiziert und weiter ausgebaut werden. Es bieten sich vor allem die nicht-indikationsorientierten Angebotssparten Prim\u00e4rpr\u00e4vention und Leistungssteigerung an, die gut mit dem vorhandenen touristischen Sportangebot in Davos kombiniert werden k\u00f6nnen. Aber auch eine Neukonzeption des vorhandenen indikationsorientierten Angebotes der bestehenden H\u00f6henkliniken ist denkbar. Als eine M\u00f6glichkeit bietet sich das Thema Allergie an. Hier hat Davos mit dem Mikroklima und seinem vorhandenen Renommee als H\u00f6henkurort einen Standortvorteil. Davos verf\u00fcgt auch auf wissenschaftlicher Ebene mit den vorhandenen Institutionen im Bereich der Allergie- und Asthmaforschung \u00fcber das ben\u00f6tigte fachliche Know-how.&#13;<\/p>\n<h2>Kundenbed\u00fcrfnisse bestehen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine Analyse der Davoser Sommer- und Winterg\u00e4ste 2013\/2014 zeigt, dass die aktuellen Davoser G\u00e4ste bei ihrer Urlaubsplanung insbesondere an der Erhaltung der Gesundheit durch Vorbeugung \u00fcber Sport, Ern\u00e4hrung, Stressabbau und Wellness sowie an der Steigerung ihrer eigenen Leistungsf\u00e4higkeit durch Training und Meditation interessiert sind (siehe <i>Grafik\u00a03).<\/i> Knapp 70% der G\u00e4ste ist die Erhaltung der Gesundheit bei ihrer Urlaubsplanung wichtig. Immerhin noch \u00fcber 30% wollen ihre Leistungsf\u00e4higkeit steigern. Beim Ausbau gesundheitstouristischer Angebote kann somit auf bestehende G\u00e4ste zur\u00fcckgegriffen werden und es besteht eine gute Ausgangslage.&#13;<\/p>\n<h2>Zusammenarbeit der touristischen und gesundheitlichen Akteure ist ausbaubar<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWird die Zusammenarbeit der touristischen und gesundheitlichen Akteure analysiert, so zeigt sich, dass erst vereinzelt Kooperationen zwischen Tourismusakteuren und Gesundheitsakteuren bestehen. Die Netzwerkanalyse ergibt, dass sowohl Tourismusakteure als auch Gesundheitsakteure untereinander kooperieren und kommunizieren. Eine Zusammenarbeit zwischen den beiden Sph\u00e4ren fehlt jedoch weitgehend.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAus theoretischer Perspektive ist aber eine Zusammenarbeit zwischen den Akteuren der beiden Cluster Tourismus und Gesundheit zentral. Es gilt, die Synergien beider Cluster zu nutzen und ein neues Cluster zu formen bzw. die bestehenden Cluster zu verschmelzen. Idealtypisch treffen sich Akteure des Tourismus und des Gesundheitswesens und formen mit Blick auf die Marktbed\u00fcrfnisse ein neues gesundheitstouristisches Produkt. Entschliessen sich gen\u00fcgend Akteure f\u00fcr eine Zusammenarbeit, so entsteht ein neues Cluster mit all seinen \u00f6konomischen Vorteilen im Hinblick auf Vermarktung, Kostenstruktur, Innovationsf\u00e4higkeit etc. Das Entstehen des neuen Clusters ist dabei nicht auf die bestehenden Akteure beschr\u00e4nkt, sondern es k\u00f6nnen auch externe Akteure hinzukommen.&#13;<\/p>\n<h2>Synthese und wirtschaftspolitische Implikationen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nClustertheoretische \u00dcberlegungen zeigen M\u00f6glichkeiten, wie bestehende Tourismus- und Gesundheitsregionen den aktuellen gesundheitstouristischen Trend nutzen k\u00f6nnen. Davos verf\u00fcgt \u00fcber zahlreiche Ans\u00e4tze, die es erm\u00f6glichen, auf den bestehenden Standortvorteilen aufzubauen und den gesundheitstouristischen Trend f\u00fcr sich zu erschliessen. Aus der Analyse l\u00e4sst sich ableiten, dass m\u00f6gliche Strategien beispielsweise zum Trend Leistungsf\u00e4higkeit und zum Thema Allergie erarbeitet werden k\u00f6nnen, was in der Region Davos\/Klosters aktuell auch geschieht. Ein zentrales Erfolgskriterium wird dabei sein, marktf\u00e4hige Produkte zu entwickeln und zu kommunizieren. Es zeigt sich, dass eine der wesentlichen Herausforderungen darin bestehen wird, eine Kooperation zwischen den touristischen und den gesundheitlichen Akteuren herzustellen, dies aufgrund zweier Problemkreise:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Erstens sprechen die Akteure eine unterschiedliche Sprache, und es braucht gegebenenfalls einen Mediator, der \u00dcbersetzungsarbeit leistet.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Zweitens sind die Akteure im allt\u00e4glichen Gesch\u00e4ft gefangen, in dem wenig Zeit f\u00fcr Innovationen bleibt.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Wirtschaftspolitik kann hier ansetzen und \u00fcber Regionalentwicklung und entsprechende Fachstellen Anst\u00f6sse geben, um eine Vernetzung sowie eine gemeinsame strategische Ausrichtung herzustellen. Letztlich sind aber die Akteure gefordert, diese Anst\u00f6sse zu nutzen und in Kooperation marktf\u00e4hige, innovative Produkte zu entwickeln.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 1: Hinweis<\/b>&#13;<br \/>\nDie Erkenntnisse dieses Artikels st\u00fctzen sich auf die Ergebnisse des KTI-Projektes Nr. 13922.2 PFES-ES \u00abEntwicklung innovativer Produkte zur St\u00e4rkung des Gesundheits- und Aktivtourismus in Davos Klosters\u00bb.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<b>Kasten 2: Clustertheorie und Clusterlebenszyklus<\/b>&#13;<br \/>\nAls Cluster wird in der Regional\u00f6konomie eine geografische Konzentration von vernetzten Unternehmen, spezialisierten Zuliefern, Dienstleistungsanbietern, Unternehmen in verwandten Branchen und assoziierten Institutionen (z. B. Forschungsinstitutionen) verstanden, die sich gegenseitig konkurrenzieren und miteinander kooperieren. Neuere Forschung zeigt, dass Cluster \u00e4hnlich wie Produkte einem Lebenszyklus unterliegen. Dieser enth\u00e4lt die Phasen Entstehung, Wachstum, Erhaltung und Niedergang (siehe Grafik\u00a01). In der Entstehungsphase ist die Anzahl an Unternehmen im Cluster zun\u00e4chst gering, ferner sind die Unternehmen relativ heterogen in der Ausrichtung. In der Wachstumsphase nimmt die Heterogenit\u00e4t ab und die Anzahl an Unternehmen nimmt zu. Die Erhaltungsphase kennzeichnet sich dadurch, dass die Heterogenit\u00e4t weiter abnimmt und die Anzahl an Clusterunternehmen konstant bleibt. In der Niedergangsphase nimmt die Heterogenit\u00e4t noch weiter ab und auch die Anzahl Unternehmen sinkt. Wichtig ist dabei, dass die L\u00e4nge der einzelnen Phasen nicht vorherbestimmt ist, sondern u. a. von der Innovationskraft der Clusterunternehmen abh\u00e4ngt. Die Erhaltungsphase kann beispielsweise durch eine permanente Adaption neuer Marktgegebenheiten und durch Innovationen verl\u00e4ngert werden. Befindet sich ein Cluster in der Niedergangsphase, kann es durch Erneuerung oder Transformation wieder in die Wachstumsphase einschwenken. Erneuerung bedeutet, sich auf ein neues Marktsegment mit einem hohen Innovationspotenzial auszurichten. Transformation meint, die vorhandenen Kompetenzen und F\u00e4higkeiten auf einen komplett neuen Markt auszurichten. F\u00fcr n\u00e4here Ausf\u00fchrungen zu Clustern und deren Lebenszyklus vgl. z. B. Porter, M.E. (1998): Clusters and Competition: New Agendas for Companies, Governments, and Institutions, in: Porter, M.E. (Hrsg.): On Competition, Harvard Business Review Books, Boston, S. 197\u2013287; sowie Menzel M.P., Fornahl, D. (2010): Cluster Life Cycles \u2013 Dimensions and Rationales of Cluster Evolution, in: Industrial and Corporate Change 19(1), S.\u00a0205\u2013238.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abVon der Entstehung zum Niedergang \u2013 Lebenszyklus von Clustern\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abLogiern\u00e4chte der Destination Davos, 1943\/44 bis 2011\/12\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 3: \u00abAnteil der G\u00e4ste, f\u00fcr welche die entsprechende Angebotssparte eine Rolle bzw. eine grosse Rolle spielt\u00bb<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus dem Blickwinkel der Clustertheorie lassen sich Belege daf\u00fcr finden, dass in Davos sowohl ein Cluster im Gesundheitssektor als auch ein Cluster im Tourismussektor bestehen. Beide weisen eine lange und bewegte Tradition auf.&#13; &#13; Die Entstehung des Gesundheitsclusters reicht bis etwa Mitte des 19. Jahrhunderts zur\u00fcck. 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