{"id":117605,"date":"2014-09-01T12:00:00","date_gmt":"2014-09-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2014\/09\/widmer-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:18:36","modified_gmt":"2023-08-23T21:18:36","slug":"widmer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2014\/09\/widmer\/","title":{"rendered":"Berufsbildung Schweiz \u2013 praxisnah und zukunftssicher?"},"content":{"rendered":"<p>Kaum ein Tag vergeht, an dem wir nicht \u00fcber den (vermeintlichen) Konkurrenzkampf zwischen Gymnasien und Berufsbildung Kontroverses h\u00f6ren. So rufen gewisse Bildungspolitiker und -experten nach mehr Hochschulabg\u00e4ngerinnen und -abg\u00e4ngern und somit nach mehr Maturandinnen und Maturanden. Dagegen warnen Hochschulrektoren, Gewerbe- und Industrievertretende vor einer h\u00f6heren Maturandenquote und vor der abnehmenden Qualit\u00e4t der Hochschuleintretenden. So oder so: Beide Bildungswege sind aus unserem Land nicht wegzudenken. Und ganz bestimmt falsch ist es, berufliche und akademische Bildung gegeneinander auszuspielen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nForschungsergebnisse des Leading House f\u00fcr Bildungs\u00f6konomie der Universit\u00e4ten Z\u00fcrich und Bern zeigen: F\u00fcr die Innovations- und Wettbewerbsf\u00e4higkeit schweizerischer Unternehmen sind nicht nur Akademikerinnen und Akademiker, sondern auch berufliche Fachkr\u00e4fte mit Berufslehre und terti\u00e4rem Berufsbildungsabschluss (h\u00f6here Berufsbildung) entscheidend. Sie sind es, welche Innovationen markttauglich machen und umsetzen k\u00f6nnen. Wohl nicht zuletzt deshalb belegt die Schweiz \u2013 die traditionell auf einen Mix von unterschiedlichen Bildungswegen setzt \u2013 in verschiedenen internationalen Rankings immer wieder absolute Spitzenpl\u00e4tze.<a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/09\/widmer_gra1_de1.png\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-3455\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/09\/widmer_gra1_de1-300x286.png\" alt=\"widmer_gra1_de[1]\" width=\"300\" height=\"286\" \/><\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&nbsp;&#13;<\/p>\n<h2>Auf St\u00e4rken bauen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n\u00dcberhaupt verdankt unser Land seine Erfolge unter anderem seinem hochstehenden Bildungssystem, das durch eine hohe Durchl\u00e4ssigkeit der Bildungswege gekennzeichnet ist. Man kann hierzulande mit einer Berufslehre anfangen und mit entsprechender Motivation und Leistungsbereitschaft einige Jahre sp\u00e4ter an der ETH doktorieren. Oder man kann eine gymnasiale Matura absolvieren, studieren, und anschliessend eine h\u00f6here Fachpr\u00fcfung als eidgen\u00f6ssisch diplomierter Wirtschaftspr\u00fcfer absolvieren. F\u00fcr Leute, die die Voraussetzungen mitbringen und motiviert sind, ist (fast) alles m\u00f6glich. Kurzum: Ein hoch differenziertes Bildungssystem stellt der Wirtschaft eine Vielzahl von Fach- und F\u00fchrungskr\u00e4ften zur Verf\u00fcgung, die exakt die am Markt gefragten Kompetenzen und Qualifikationen mitbringen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nVolkswirtschaftlich betrachtet, l\u00e4sst die vergleichsweise tiefe (Jugend-)Arbeitslosigkeit \u00fcberdies vermuten, dass eine arbeitsmarktorientierte Ausbildung ein zentraler Schl\u00fcssel zur Integration Jugendlicher in die Arbeitswelt ist. Was geschieht, wenn keine praxisorientierten Berufslehren existieren, erkennt man gut an Beispielen aus dem S\u00fcden Europas. Spanien hat beispielsweise eine Akademikerquote von 38% und eine Jugendarbeitslosigkeit von 53%. Demgegen\u00fcber weisen L\u00e4nder wie \u00d6sterreich, Deutschland oder die Schweiz, deren Akademikerquoten vergleichsweise tief sind, zurzeit Jugendarbeitslosenquoten von unter 10% auf. Offenbar gelingt es in dualen Berufsbildungssystemen wesentlich besser, Jugendliche in den Arbeitsmarkt zu integrieren.&#13;<\/p>\n<h2>Aktuelle Trends versch\u00e4rfen den Rekrutierungsbedarf<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEin komplexes Umfeld mit sich rasch \u00e4ndernden gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und technologischen Anforderungen stellt die Berufsbildung jedoch permanent vor neue Herausforderungen und verlangt laufende Anpassungen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin Thema, das nach Annahme der Masseneinwanderungsinitiative am 9.\u00a0Februar\u00a02014 zus\u00e4tzlich an Brisanz gewonnen hat, ist die demografische Entwicklung und der damit drohende Fachkr\u00e4ftemangel. Das Wachstum der Bev\u00f6lkerung im erwerbsf\u00e4higen Alter schwindet. Ihr Anteil an der Gesamtbev\u00f6lkerung nimmt ab. Laut statistischen Szenarien ist in einigen Jahren sogar mit einem R\u00fcckgang der absoluten Zahl der Personen im Alter von 15 bis 64 Jahren zu rechnen. Bei den Schulabg\u00e4ngerinnen und -abg\u00e4ngern rechnet das Bundesamt f\u00fcr Statistik (BFS) bis 2018 mit einem R\u00fcckgang um gut 7%, von 82&nbsp;000 auf 76&nbsp;000. Aufgrund dieser Entwicklung und dank dem vereinten Engagement der Verbundpartner \u00fcbersteigt das Lehrstellenangebot die Nachfrage bereits heute deutlich. Eine Trendwende mit wieder steigenden Abg\u00e4ngerzahlen ist erst nach 2020 zu erwarten. Die Schwierigkeiten bei der Rekrutierung qualifizierter Personen f\u00fcr Ausbildungs- und Arbeitspl\u00e4tze <i>(War of Talents)<\/i> werden sich also weiter versch\u00e4rfen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nHinzu kommt, dass die technologische Entwicklung in allen Wirtschaftsbereichen zu h\u00f6heren Anforderungen f\u00fchrt. Bei der 25- bis 64-j\u00e4hrigen Wohnbev\u00f6lkerung der Schweiz prognostiziert das Bundesamt f\u00fcr Statistik ein weiterhin steigendes Qualifikationsniveau. Der Anteil der terti\u00e4r Gebildeten (Hochschulen und h\u00f6here Berufsbildung) d\u00fcrfte von heute 36% bis ins Jahr 2030 auf \u00fcber 50% zunehmen. Im Vergleich dazu lag der Anteil der Personen mit Terti\u00e4rabschluss vor 1980 bei lediglich gut 10%.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWir erleben heute eine dynamische Arbeitswelt, welche die st\u00e4ndige Weiterentwicklung sozusagen zum Programm macht. Vor diesem Hintergrund ist das heutige Modell der Berufslehre gerade f\u00fcr Erwachsene, die ihren Beruf wechseln wollen oder m\u00fcssen, noch zu wenig flexibel. Kommt dazu, dass die Berufsbildung nach wie vor stark gewerblich verankert und in den Dienstleistungs- und Technologiebereichen eher unterrepr\u00e4sentiert ist. Die Berufe in diesem Bereich stellen teilweise andere Anforderungen an die Lernenden und haben andere Bed\u00fcrfnisse bez\u00fcglich Lernorganisation und -form. Dem wird in der dualen Ausbildung heute noch zu wenig Rechnung getragen.&#13;<\/p>\n<h2>Gegenseitige Anerkennung der Abschl\u00fcsse sicherstellen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine weitere Herausforderung, der sich die Berufsbildung stellen muss, ist die steigende Internationalisierung im Arbeitsmarkt und der damit verbundene Bedarf nach internationaler Vergleichbarkeit von Bildungsabschl\u00fcssen. Das zeigt sich zurzeit insbesondere bei der h\u00f6heren Berufsbildung. Sie ist sehr arbeitsmarktnah und auf die Bed\u00fcrfnisse der Wirtschaft ausgerichtet. Ihre j\u00e4hrlich rund 27&nbsp;000 Absolventinnen und Absolventen (die Hochschulen verzeichnen vergleichsweise j\u00e4hrlich 44&nbsp;000 Abschl\u00fcsse) sind f\u00fcr die \u00dcbernahme anspruchsvoller Fach- und F\u00fchrungsfunktionen in der Wirtschaft hervorragend qualifiziert. Viele L\u00e4nder ohne ausgebaute Berufsbildung kennen den Wert dieser anspruchsvollen praxisorientierten Abschl\u00fcsse jedoch nicht.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNehmen wir das Beispiel der Pflegefachpersonen: In England oder Holland werden diese ausschliesslich an Universit\u00e4ten ausgebildet, in der Schweiz an h\u00f6heren Fachschulen und Fachhochschulen. Die mit diesen Abschl\u00fcssen erworbenen F\u00e4higkeiten und Kompetenzen sind in den drei L\u00e4ndern \u00e4hnlich, die Bildungsstufen und Titel jedoch verschieden. Das gleiche gilt unter anderem f\u00fcr Wirtschaftspr\u00fcfer, Personalfachleute oder Marketingplaner, deren Abschl\u00fcsse in der Schweiz zur h\u00f6heren Berufsbildung z\u00e4hlen. Oder auch f\u00fcr Polymechaniker, die zwar in der Schweiz \u00abnur\u00bb eine Berufslehre absolvieren, mit ihren F\u00e4higkeiten in manchen L\u00e4ndern jedoch gar als Ingenieure durchgehen w\u00fcrden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Beispiele zeigen, dass die internationale Vergleichbarkeit und Anerkennung von Berufsbildungsabschl\u00fcssen ein schwieriges Unterfangen ist. Effektiv vergleichbar machen kann man so unterschiedliche Bildungssysteme wie diejenigen von England und der Schweiz kaum. Vielmehr geht es darum, die gegenseitige Anerkennung von Abschl\u00fcssen sicherzustellen, ohne das eigene (sehr gute) Bildungssystem zu stark anpassen zu m\u00fcssen oder eine Nivellierung nach unten zu riskieren (siehe <em>Kasten 2<\/em>).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/09\/widmer_gra2_de1.png\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-3456\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/09\/widmer_gra2_de1-300x247.png\" alt=\"widmer_gra2_de[1]\" width=\"300\" height=\"247\" \/><\/a>&#13;<\/p>\n<h2>Dem Fachkr\u00e4ftemangel begegnen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWie lassen sich nun all diese Herausforderungen meistern? Zugegeben: Nicht \u00fcberall ist die L\u00f6sung einfach zu finden. Aber die L\u00f6sungsans\u00e4tze sind da, viele Massnahmen bereits eingeleitet und andere in Planung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nUm dem drohenden Fachkr\u00e4ftemangel zu begegnen, hat der Bund bereits 2011 die <i>Fachkr\u00e4fteinitiative<\/i> lanciert. Bis Ende 2013 wurden dabei vier Handlungsfelder identifiziert (Vereinbarkeit von Beruf und Familie, \u00e4ltere Arbeitnehmende, Steigerung der Produktivit\u00e4t, Qualifizierungsmassnahmen) und ein auf die Jahre 2015 bis 2018 angelegtes Massnahmenpaket verabschiedet. Im Handlungsfeld \u00ab(Re-)Qualifizierung der Arbeitnehmenden\u00bb, f\u00fcr welches das Staatssekretariat f\u00fcr Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) zust\u00e4ndig ist, laufen schon heute vielf\u00e4ltige Projekte. In der beruflichen Grundbildung versuchen wir zum Beispiel, den \u00dcbergang zwischen obligatorischer Schule und Berufsbildung weiter zu optimieren. Heute absolvieren mehr als ein Viertel aller Jugendlichen ein oder mehrere \u00abBr\u00fcckenjahre\u00bb, bevor sie in einen Beruf einsteigen \u2013 und dies in einer Zeit, in der j\u00e4hrlich mehr als 8000 Lehrstellen nicht besetzt werden k\u00f6nnen. Offensichtlich bestehen hier Fehlanreize im System, die es zu durchbrechen gilt. Um Abhilfe zu schaffen, hat das SBFI letzten Fr\u00fchling das Projekt Match-Prof ins Leben gerufen. In Absprache mit den Verbundpartnern soll das \u00abMatching\u00bb (also die \u00dcbereinstimmung) zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Lehrstellenmarkt nachhaltig verbessert werden. Ziel ist es, Jugendliche und junge Erwachsene ohne Umwege fr\u00fcher in eine Berufslehre oder in den Arbeitsmarkt zu integrieren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEinen Beitrag zur Bek\u00e4mpfung des Fachkr\u00e4ftemangels leistet auch die Nach- und H\u00f6herqualifizierung von Erwachsenen. Sie ist aus wirtschafts-, gesellschafts- und sozialpolitischer Sicht von gr\u00f6sster Bedeutung. Denn Erwachsene ohne nachobligatorischen Bildungsabschluss sind weniger gut in den Arbeitsmarkt integriert. Sie sind h\u00e4ufiger arbeitslos, und \u00fcberdurchschnittlich viele arbeiten in Tieflohnstellen. Rund 400&nbsp;000 Personen in der Schweiz im Alter von 25 bis 54 Jahren verf\u00fcgen \u00fcber keinen nachobligatorischen Abschluss. Und lediglich 6000 Erwachsene pro Jahr holen einen Berufsabschluss nach. Offensichtlich besteht hier noch ein betr\u00e4chtliches Qualifizierungspotenzial. Dieses besser auszusch\u00f6pfen, ist eine der Zielsetzungen, welche das SBFI gemeinsam mit den Verbundpartnern verfolgt.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>&#13;<\/p>\n<h2>Talente im Fokus der Berufsbildung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Berufsbildung muss so attraktiv sein, dass sie auch leistungsstarke Jugendliche gewinnen kann. Nur so l\u00e4sst sich verhindern, dass die Berufsbildung als Ausbildung zweiter Klasse wahrgenommen wird. Den Blickwinkel verst\u00e4rkt auf die F\u00f6rderung von Jugendlichen mit hohem Leistungspotenzial zu richten, ist auch dem Bundesrat ein Anliegen. In einem Ende 2013 verabschiedeten Bericht<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> pl\u00e4diert er f\u00fcr ein umfassenderes Begabungs- und Leistungsverst\u00e4ndnis. Dementsprechend ist die Talentf\u00f6rderung eines der Leitthemen im laufenden <i>Jahr der Berufsbildung 2014<\/i> (siehe <em>Kasten 1 <\/em>).&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Entscheid, eine Berufslehre zu beginnen, h\u00e4ngt heute mehr denn je von den Perspektiven ab, welche sich mit einer Grundausbildung ergeben. F\u00fcr leistungsstarke junge Leute bietet die Berufsmatura mit dem anschliessenden direkten Zugang zur Fachhochschule beste Aussichten. Oft sind diese Vorteile noch zu wenig bekannt. Ein moderner Rahmenlehrplan und intensivierte Kommunikationsanstrengungen des Bundes, der Kantone, der Berufsverb\u00e4nde und der Schulen sollen hier Abhilfe schaffen. Eine weitere M\u00f6glichkeit im Anschluss an eine berufliche Grundbildung einen eidgen\u00f6ssisch anerkannten Abschluss auf der Terti\u00e4rstufe zu erlangen, bietet die h\u00f6here Berufsbildung. Deren St\u00e4rkung ist ein erkl\u00e4rtes Ziel des SBFI. Sie erfolgt durch eine verbesserte Finanzierung, die klarere Positionierung auf nationalem und internationalem Parkett<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> und eine intensivierte Kommunikation.&#13;<\/p>\n<h2>Flexibilisierung und Modernisierung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGesellschaft, Wirtschaft und Arbeitswelt ver\u00e4ndern sich immer rascher. Gewisse Berufe sind heute so anspruchsvoll geworden, dass die Ausbildungsmodelle teilweise an ihre Grenzen stossen. In enger Zusammenarbeit mit den Verb\u00e4nden pr\u00fcft das SBFI laufend, wo es flexiblere Modelle f\u00fcr besonders anspruchsvolle Berufe braucht. Die aktuelle Berufsbildungsgesetzgebung l\u00e4sst viel mehr Variation und Flexibilit\u00e4t zu, als sie tats\u00e4chlich von den Organisationen der Arbeitswelt genutzt wird. Spielr\u00e4ume gibt es beispielsweise bei der Festlegung der Anteile schulischer und praktischer Bildung \u00fcber die verschiedenen Lehrjahre, bei der Dotation der \u00fcberbetrieblichen Kurse oder bei der Gestaltung der \u00dcberg\u00e4nge. Wichtig ist, dass auf allen Stufen Fachkr\u00e4fte mit den richtigen Qualifikationen aus- und weitergebildet werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer lebenslangen Weiterqualifizierung kommt im \u00dcbrigen eine immer h\u00f6here Bedeutung zu. Die Berufsbildung ist dabei gleich doppelt gefordert: Einerseits soll sie die Menschen bef\u00e4higen, aktiv und erfolgreich am gesellschaftlichen und beruflichen Leben teilzunehmen, sich zu entfalten und ihre Aufgaben zu erf\u00fcllen; andererseits muss sie sich stetig, rasch und offen auf Ver\u00e4nderungen einstellen und einen wesentlichen Beitrag zur Wettbewerbsf\u00e4higkeit von Unternehmen und Volkswirtschaften leisten. Mit neuen interessanten Berufsbildern, flexibleren Ausbildungsmodellen, Massnahmen zur Steigerung der beruflichen Mobilit\u00e4t und einem attraktiven Berufsmaturit\u00e4tsangebot kann dies gelingen. Die feststellbare Individualisierung der Bildungsbiografien l\u00e4sst dabei klassische Bildungs- und Berufsverl\u00e4ufe zunehmend in den Hintergrund treten. Vor dem Hintergrund des im Juni 2014 vom Parlament verabschiedeten Weiterbildungsgesetzes muss dieser Tatsache vermehrt Rechnung getragen werden. Aus dem klassischen Berufsbildungssystem muss ein dynamisches Aus- und Weiterbildungssystem mit verschiedenen Ein- und Ausg\u00e4ngen werden.&#13;<\/p>\n<h2>Modernisierung der Berufsbildung als Daueraufgabe<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Berufsbildung hat dank der Reformen der letzten zehn Jahre viel erreicht. Bildungserlasse wurden modernisiert, neue Berufe entwickelt und das (Berufs-)Bildungssystem unter dem Motto \u00abkein Abschluss ohne Anschluss\u00bb durchl\u00e4ssig gestaltet. Gemeinsam mit den Kantonen und Sozialpartnern ist es gelungen, die Berufsbildung f\u00fcr die Zukunft fit zu trimmen. Abgeschlossen ist die Modernisierung der Schweizer Berufsbildung keineswegs. Angesichts der skizzierten nationalen und internationalen Herausforderungen ist und bleibt sie eine Daueraufgabe, die es mit dem n\u00f6tigen Respekt, aber auch mit viel Selbstbewusstsein, anzupacken gilt.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Berufsabschluss und Berufswechsel f\u00fcr Erwachsene. Bestehende Angebote und Empfehlungen f\u00fcr die Weiterentwicklung. Bericht des SBFI. Bern, Juni 2014.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Gezielte F\u00f6rderung und Unterst\u00fctzung von Jugendlichen mit unterschiedlichen Begabungspotentialen an der Nahtstelle I und in der Berufsbildung. Bericht des Bundesrates. Bern, September 2013.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Unter anderem via den Nationalen Qualifikationsrahmen, siehe dazu den Beitrag von Laura Antonelli auf S. 26 in dieser Ausgabe.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaum ein Tag vergeht, an dem wir nicht \u00fcber den (vermeintlichen) Konkurrenzkampf zwischen Gymnasien und Berufsbildung Kontroverses h\u00f6ren. So rufen gewisse Bildungspolitiker und -experten nach mehr Hochschulabg\u00e4ngerinnen und -abg\u00e4ngern und somit nach mehr Maturandinnen und Maturanden. Dagegen warnen Hochschulrektoren, Gewerbe- und Industrievertretende vor einer h\u00f6heren Maturandenquote und vor der abnehmenden Qualit\u00e4t der Hochschuleintretenden. 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Welches sind die Herausforderungen, und mit welchen Rezepten bleibt die Berufsbildung zukunftstauglich?","post_hero_image_description":"F\u00fcr die Innovations- und Wettbewerbsf\u00e4higkeit schweizerischer Unternehmen sind nicht nur Akademikerinnen und Akademiker, sondern auch berufliche Fachkr\u00e4fte mit terti\u00e4rem Berufsbildungsabschluss entscheidend.","post_hero_image_description_copyright_de":"Keystone","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":[{"kasten_title":"Das Jahr der Berufsbildung 2014","kasten_box":"2014 wurde von Bundesrat Johann N. Schneider-Ammann zum Jahr der Berufsbildung erkl\u00e4rt. Zahlreiche Veranstaltungen r\u00fccken die Berufsbildung und ihre Vorz\u00fcge in den Fokus der \u00d6ffentlichkeit und tragen dazu bei, die Bekanntheit des dualen Berufsbildungssystems national und international zu f\u00f6rdern. Zwei H\u00f6hepunkte dominieren das Jahr: Vom 15. bis 18. September 2014 findet erstmals ein internationaler Berufsbildungskongress in Winterthur statt, der sich der dualen Berufsbildung widmet. Die offizielle Kongresser\u00f6ffnung erfolgt durch Bundesrat Schneider-Ammann am 16. September. Erwartet werden 300 bis 400 Personen aus Ministerien, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft aus aller Welt. Am 17. September gibt der Schweizer Bildungsminister den Startschuss f\u00fcr die SwissSkills 2014 in Bern, die ersten an einem gemeinsamen Standort ausgetragenen Schweizer Berufsmeisterschaften. Bis am 21. September k\u00e4mpfen junge Berufsleute in \u00fcber 130 Berufen um den Schweizermeistertitel. Erwartet werden rund 200 000 Besucherinnen und Besucher, darunter viele Schulklassen (www.berufsbildung2014.ch; www.swissskillsbern2014.ch; www.vpet-congress.ch)."},{"kasten_title":"Einfluss der Internationalisierung auf die Schweizer Berufsbildung","kasten_box":"Die Internationalisierung wird im Bildungsbereich zu einem immer wichtigeren Thema. W\u00e4hrend im Hochschulbereich mit der Bologna-Reform die Transparenz der Hochschulabschl\u00fcsse international verbessert wurde, fehlen f\u00fcr die Abschl\u00fcsse der beruflichen Grundbildung und der h\u00f6heren Berufsbildung solche Instrumente der Transparenz und der gegenseitigen Anerkennung. Als Folge des vermeintlich h\u00f6heren Sozialprestiges, das Hochschulabschl\u00fcsse in der Bev\u00f6lkerung erfahren, und der Tatsache, dass manche Schweizer Bildungsabschl\u00fcsse international zu wenig bekannt sind, hat der Akademisierungsdruck auf die Berufsbildung deutlich zugenommen. Eine st\u00e4rkere Akademisierung der h\u00f6heren Berufsbildung ist f\u00fcr das SBFI jedoch der falsche Weg. Zielf\u00fchrender ist es, die eigentlichen St\u00e4rken der h\u00f6heren Berufsbildung besser zum Tragen zu bringen: die Praxisorientierung, die konsequente Selektion, die klar definierten Kompetenzprofile und die hohe Reputation der Abschl\u00fcsse im Arbeitsmarkt. Um die h\u00f6here Berufsbildung zu st\u00e4rken und ihre Anerkennung national und international zu optimieren, l\u00e4uft im SBFI ein Strategieprojekt (www.hbb.admin.ch). Dieses umfasst eine bessere Finanzierung der Vorbereitungskurse auf Berufs- und h\u00f6here Fachpr\u00fcfungen sowie Massnahmen zur besseren Positionierung der h\u00f6heren Berufsbildung. Der besseren Vergleichbarkeit der Bildungssysteme dient die Einf\u00fchrung eines Nationalen Qualifikationsrahmens f\u00fcr Abschl\u00fcsse der Berufsbildung (www.nqr-berufsbildung.ch). Das als Folge der europ\u00e4ischen Wirtschaftskrise gestiegene Interesse ausl\u00e4ndischer Staaten am schweizerischen Berufsbildungssystem fordert die Schweiz ebenfalls heraus. Um klare Rahmenbedingungen f\u00fcr die internationale Berufsbildungszusammenarbeit zu definieren, hat das SBFI die Internationale BFI-Strategie der Schweiz f\u00fcr den Bereich der Berufsbildung konkretisiert (www.sbfi.admin.ch\/ibbz)."}],"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":117608,"main_focus":[156663,157276],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"3059","post_abstract":"","magazine_issue":"20140901","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/5488461a6ef49"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117605"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4100"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=117605"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117605\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":127028,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117605\/revisions\/127028"}],"acf:post":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/157276"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156663"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4100"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/34421"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=117605"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=117605"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=117605"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=117605"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=117605"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=117605"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}