{"id":117614,"date":"2014-09-01T12:00:00","date_gmt":"2014-09-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2014\/09\/wolter-8\/"},"modified":"2023-08-23T23:17:04","modified_gmt":"2023-08-23T21:17:04","slug":"wolter-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2014\/09\/wolter-7\/","title":{"rendered":"Wie kann man Betriebe f\u00fcr die Lehrlingsausbildung gewinnen?"},"content":{"rendered":"<p>Lehrlingsausbildung muss \u2013 wie alle anderen Ausbildungsanstrengungen einer Firma \u2013 immer auch im Kontext betriebswirtschaftlicher Kosten-Nutzen-\u00dcberlegungen betrachtet werden. Denn keine Firma kann es sich auf Dauer leisten, Verlustgesch\u00e4fte zu machen. Investitionen in die Ausbildung junger Mitarbeitender m\u00fcssen sich deshalb fr\u00fcher oder sp\u00e4ter anderen Alternativen der Rekrutierung qualifizierter oder unqualifizierter Mitarbeitender gegen\u00fcber als lohnender erweisen. In flexiblen Arbeitsm\u00e4rkten kann sich das \u00abTrittbrettfahren\u00bb einzelner Betriebe \u2013 d. h. das Rekrutieren von Arbeitskr\u00e4ften, die von der Konkurrenz ausgebildet wurden \u2013 als lohnender erweisen als eine eigene Ausbildung (siehe <em>Kasten\u00a01<\/em> und <i>Grafik\u00a01)<\/i>. In L\u00e4ndern mit einem fl\u00e4chendeckenden vollschulischen \u00fcberobligatorischen Bildungssystem kann sich zudem das Warten vor den Schulh\u00e4usern als effizienter erweisen, als selbst in der Ausbildung aktiv zu werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/09\/wolter_gra1_de1.png\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-3475\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/09\/wolter_gra1_de1-300x247.png\" alt=\"wolter_gra1_de[1]\" width=\"300\" height=\"247\" \/><\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNeben dem Abw\u00e4gen gegen\u00fcber alternativen Wegen, um zu qualifizierten Arbeitskr\u00e4ften zu gelangen, muss aber sicherlich die Minimalbedingung erf\u00fcllt sein, dass sich die Investitionen in die Ausbildung kurz- bis mittelfristig durch einen betrieblichen Nutzen decken lassen.&#13;<\/p>\n<h2>Notwendig, aber nicht hinreichend<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie betriebswirtschaftliche Rentabilit\u00e4t der Lehrlingsausbildung ist somit eine notwendige Bedingung daf\u00fcr, dass Betriebe bereit sind, in die Ausbildung einzusteigen. Sie ist aber bei weitem keine hinreichende Bedingung f\u00fcr ein funktionierendes betriebliches Berufsbildungssystem. Denn welche Eltern m\u00f6chten schon gerne ihre Kinder in einen Betrieb geben, der diese als billige Arbeitskr\u00e4fte ausn\u00fctzt? Die betriebliche Rentabilit\u00e4t muss deshalb auch in einer Situation gew\u00e4hrleistet sein, in welcher den Lernenden namhafte Ausbildungsinvestitionen zugutekommen.&#13;<\/p>\n<h2>Der Nettonutzen w\u00e4hrend der Ausbildung ist essenziell<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Ausbildungsvertrag und somit auch der Arbeitsvertrag zwischen den Lernenden und den Betrieben endet automatisch nach Lehrende. Danach sind beide Parteien frei, sich anderweitig zu binden. Im Fall einer entgegen anf\u00e4nglicher Erwartungen ungen\u00fcgenden Arbeitsleistung des Lernenden ist es f\u00fcr den Betrieb von Vorteil, dass er diesen nach Lehrende nicht weiterbesch\u00e4ftigen muss. Es kann aber auch vorkommen, dass ein Lernender den Lehrbetrieb aus eigenen St\u00fccken verl\u00e4sst, obwohl der Betrieb an einem l\u00e4ngerfristigen Engagement interessiert gewesen w\u00e4re. Die M\u00f6glichkeit, sich nach Lehrende neu zu orientieren, ist nicht nur mit flexiblen Arbeitsm\u00e4rkten ohne mobilit\u00e4tshemmende Regulierungen der Arbeitsbeziehungen kompatibel; sie muss schon alleine deshalb gegeben sein, weil viele Lernende sich nach der Lehre bildungsm\u00e4ssig (Fachhochschulen, h\u00f6here Berufsbildung etc.) ausserhalb des Lehrbetriebes weiterqualifizieren wollen. So sind denn in der Schweiz rund zwei Drittel der Lernenden ein Jahr nach Lehrende nicht mehr in ihrem Ausbildungsbetrieb t\u00e4tig.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Dies bedeutet automatisch, dass ein Grossteil der Ausbildungsbetriebe zum Zeitpunkt der Lehrabschlusspr\u00fcfung keine ungedeckten Ausbildungsinvestitionen mehr aufweisen darf, da diese nach dem Weggang des Lernenden nie mehr gedeckt werden k\u00f6nnten. Die Ausbildung w\u00fcrde somit in ein Verlustgesch\u00e4ft enden.&#13;<\/p>\n<h2>Auch nach der Lehre ist Nutzen m\u00f6glich<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nRund ein Drittel der Ausbildungsbetriebe in der Schweiz weist jedoch zu Lehrende Nettokosten \u2013 d. h. ungedeckte Ausbildungsinvestitionen \u2013 aus. Haben diese Betriebe eine Fehlkalkulation gemacht? Was motiviert diese Firmen, das Risiko eines Verlustes einzugehen? Bei den meisten dieser Betriebe sind die Nettokosten zu Lehrende eine schon zu Lehrbeginn bewusst kalkulierte Investition in zuk\u00fcnftige, qualifizierte Mitarbeitende. Im Gegensatz zu den Ausbildungsbetrieben, die bei Lehrende einen Nettonutzen generiert haben, sind es Betriebe, die aufgrund ihrer Gr\u00f6sse (mehrere Filialen oder Produktionsstandorte) ihren ehemaligen Lernenden so etwas wie einen internen Arbeitsmarkt und somit auch Ver\u00e4nderungs- und Aufstiegsm\u00f6glichkeiten bieten k\u00f6nnen, was die Wahrscheinlichkeit erh\u00f6ht, dass die Lernenden nicht zur Konkurrenz wechseln. Weiter sind es in der Regel Betriebe, die sich durch spezifische Technologien, Fertigungstechniken oder Produkte und Dienstleistungen von den Konkurrenten unterscheiden, was es notwendig macht, den Lernenden betriebsspezifische Kompetenzen zu vermitteln. Da sie bei einem Firmenwechsel dieses spezifische Wissen verlieren w\u00fcrden, d\u00fcrfen sie beim Ausbildungsbetrieb einen h\u00f6heren Lohn erwarten als bei einer anderen Firma. Dies verhindert ebenfalls, dass sich Lernende sofort nach einem neuen Arbeitgeber umsehen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDa aber bei weitem nicht alle Betriebe interne Arbeitsm\u00e4rkte oder hochspezifische Technologien vorweisen k\u00f6nnen, w\u00e4re ein quantitativ hohes Angebot an Lehrstellen gar nicht denkbar, wenn die Ausbildungsregeln und die Lohnstrukturen es einem grossen Teil der Firmen \u2013 gerade den kleinen und mittleren Unternehmen \u2013 nicht m\u00f6glich machen w\u00fcrden, eine Ausbildung kostenneutral bis zum Lehrende durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h2>Schulische Qualit\u00e4t und betriebliche Rentabilit\u00e4t<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUnter die vielen exogenen \u2013 d. h. vom Ausbildungsbetrieb nicht beeinflussbaren\u00a0\u2013 Faktoren, welche die Kosten-Nutzen-Relation einer Lehrlingsausbildung beeinflussen k\u00f6nnen, f\u00e4llt die schulische Qualit\u00e4t potenzieller Lernender zu Lehrbeginn. Zwar gen\u00fcgen Schulnoten alleine nicht, um einen Beruf gut aus\u00fcben zu k\u00f6nnen. Dennoch ist eine ungen\u00fcgende schulische Vorbereitung mit dem Risiko verbunden, dass der Betrieb entweder kompensatorisch zus\u00e4tzliche und f\u00fcr ihn teure interne Ausbildungsstunden<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> aufwendet oder dass es im schlimmsten Fall zu einem Lehrabbruch und damit zu ungedeckten Ausbildungsinvestitionen und einem m\u00f6glichen Reputationsschaden f\u00fcr den Lehrbetrieb kommt. Lehrbetriebe versuchen deshalb wenn immer m\u00f6glich, schulisch unzureichend vorbereitete Lernende zu meiden.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Die hohe Bedeutung, welche die schulischen Leistungen der Lernenden am Ende der Volksschule f\u00fcr die Bereitschaft der Betriebe hat, sich in deren Ausbildung zu engagieren, verweist nicht nur darauf, wie wichtig eine gute schulische Bildung am Ende der obligatorischen Schule f\u00fcr ein funktionierendes Berufsbildungswesen ist. Sie zeigt auch, dass die Berufsbildung in einem dynamischen Konkurrenzverh\u00e4ltnis zu den allgemeinbildenden, \u00fcberobligatorischen Ausbildungsalternativen (Gymnasium, Fachmittelschule) steht.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> Je leichter und attraktiver es f\u00fcr gute Sch\u00fcler ist, in eine allgemeinbildende Ausbildung einzusteigen, desto schwieriger wird es f\u00fcr die Betriebe, die Lernziele mit den verbliebenen Sch\u00fclern zu erreichen. Dies zeigt sich beispielsweise an der hohen Korrelation von kantonalen Gymnasialquoten und den kantonalen Misserfolgsquoten bei den Lehrabschlusspr\u00fcfungen.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a>&#13;<\/p>\n<h2>Lehrlingslohn oder Ausbildung?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine Frage, die in der Schweiz nur sporadisch auftaucht, aber in unseren europ\u00e4ischen Nachbarstaaten ohne Berufsbildungstradition die Diskussion teilweise vollst\u00e4ndig dominiert, ist jene der fairen Entl\u00f6hnung der Lernenden. Die reine Fokussierung auf die Frage des Lehrlingslohnes l\u00e4sst sich auch damit erkl\u00e4ren, dass die Lehrlingsausbildung in L\u00e4ndern ohne Berufsbildungstradition viel st\u00e4rker als Arbeit denn als Ausbildung gesehen wird. Mindestlohnvorstellungen, die weit \u00fcber der Grenze liegen, welche f\u00fcr eine Rentabilit\u00e4t f\u00fcr den Ausbildungsbetrieb noch vertr\u00e4glich w\u00e4re (siehe <em>Kasten 2<\/em> und <em>Grafik 2<\/em>), zerst\u00f6ren entweder die Ausbildungsbereitschaft oder locken nur Betriebe in die Ausbildung, die an der Ausbildung sparen und somit die Lernenden tats\u00e4chlich als billiges Personal ausn\u00fctzen. Wenn sich Ausbildungswillige eine Lehrlingsausbildung nicht leisten k\u00f6nnen, weil sie ihre Lebenshaltungskosten nicht decken k\u00f6nnen,<a href=\"#footnote_6\" id=\"footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor\">[6]<\/a> m\u00fcsste diesem Problem \u2013 entsprechend der \u00dcberlegung, dass es sich bei einer Lehre eben auch um eine Ausbildung handelt \u2013 mit Ausbildungszusch\u00fcssen in der Form von Stipendien oder Darlehen an die Lernenden begegnet werden und nicht mit h\u00f6heren Lehrlingsl\u00f6hnen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/09\/wolter_gra2_de1.png\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-3474\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/09\/wolter_gra2_de1-300x260.png\" alt=\"wolter_gra2_de[1]\" width=\"300\" height=\"260\" \/><\/a>&#13;<\/p>\n<h2>Kollektive Standards<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn praktisch allen L\u00e4ndern mit geringer Verbreitung der dualen Berufsbildung leiden Lernende darunter, dass es keine allgemeinverbindlichen Standards f\u00fcr die in einem Beruf zu erlernenden Kompetenzen gibt. Daraus resultieren von Betrieb zu Betrieb nicht nur inhaltlich, sondern auch qualitativ sehr verschiedene Ausbildungen. Dies hat zur Folge, dass Lernende in eine Ausbildung investieren, die auf dem Arbeitsmarkt praktisch nichts wert ist, weil die anderen Betriebe kein Vertrauen in die Abschl\u00fcsse haben. Wer aber das Gl\u00fcck hatte, bei einem der wenigen Ausnahmebetriebe mit hervorragender Reputation die Lehre absolviert zu haben, verl\u00e4sst auch in der Regel ohne Not seinen Ausbildungsbetrieb nach Abschluss der Lehre nicht. Mit anderen Worten: Eine Berufsbildung mit hoher Qualit\u00e4t, die sich als System und nicht nur als Einzelmaske durchsetzt, hat zur Vorbedingung, dass sich viele Betriebe \u2013 mit oder ohne Hilfe des Staates \u2013 zu gemeinsamen Standards in der Ausbildung durchringen k\u00f6nnen. F\u00fcr die Kosten-Nutzen-Relation des Einzelbetriebes haben solche Standards verschiedene Vorteile. Erstens w\u00e4re die einzelbetriebliche Erstellung und kontinuierliche Anpassung von Ausbildungsstandards und -modellen bedeutend teurer als ein kollektiver Effort. Und zweitens sind solche kollektiven Standards in den Augen potenzieller Lernender und Arbeitgeber glaubw\u00fcrdiger, was gut qualifizierte Jugendliche eher in eine Berufsbildung bringt. Letzteres senkt wiederum die Ausbildungskosten der Betriebe.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWie es bei den Ausbildungsanstrengungen der Betriebe die Gefahr von Trittbrettfahrern gibt, so besteht auch bei den Anstrengungen zur Erstellung von Ausbildungsstandards die latente Gefahr, dass Betriebe zwar davon profitieren, nicht aber dazu beitragen wollen. Falls solche inaktiven Betriebe nicht effektiv von den Vorteilen der allgemeinverbindlichen Standards ausgeschlossen werden k\u00f6nnen, brauchte es zus\u00e4tzliche Massnahmen und Anreize des Staates. Dieser d\u00fcrfte dabei aber nicht in dem Mass in die Definition der Kompetenzen und Ausbildungsvorschriften eingreifen, dass diese danach nicht mehr den Bed\u00fcrfnissen der Wirtschaft entsprechen. Ein erfolgreicher staatlicher Eingriff in die Lehrlingsausbildung, der den Firmen einen Anreiz zum kollektiven Handeln gibt, besteht darin, dass nur solche Abschl\u00fcsse vom Staat auch als Zugang f\u00fcr weiterf\u00fchrende Bildungsabschl\u00fcsse anerkannt werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nSomit erhalten diese Ausbildungen einen zus\u00e4tzlichen Bildungsoptionswert, was sie in den Augen gut qualifizierter Jugendlicher erst wirklich attraktiv macht und den Betrieben wiederum den Zugang zu guten zuk\u00fcnftigen Mitarbeitenden sichert.&#13;<\/p>\n<h2>Die Welt ist dynamisch und vielf\u00e4ltig<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDrei Kosten-Nutzen-Untersuchungen in der Schweiz und zwei in Deutschland zwischen den Jahren 2000 und 2009 haben viel Wissen \u00fcber das Verhalten von ausbildenden und nicht ausbildenden Betrieben geschaffen. Dieses Wissen hat nicht nur zu einem besseren Verst\u00e4ndnis des betrieblichen Ausbildungsentscheides gef\u00fchrt, sondern auch die Folgen von Eingriffen in das Bildungssystem oder in den Arbeitsmarkt f\u00fcr das Funktionieren des Berufsbildungssystems aufgezeigt. Trotzdem sind wir nicht am Ende der Forschungsagenda angelangt. Die sich st\u00e4ndig wandelnde Arbeitswelt verlangt nach dynamischen Anpassungen der Berufe. Deshalb muss die Kosten-Nutzen-Situation der Ausbildungsbetriebe auch periodisch \u00fcberpr\u00fcft werden. Nur ein solches Monitoring gew\u00e4hrleistet, dass sich die Rahmenbedingungen f\u00fcr die Ausbildung nicht verschlechtern, was die Ausbildungsbereitschaft vieler Betriebe negativ beeinflussen w\u00fcrde. Ebenso muss die Rentabilit\u00e4t f\u00fcr neu geschaffene Berufsausbildungen <i>(ex ante)<\/i> gew\u00e4hrleistet sein, wenn man sicher sein will, dass sich gen\u00fcgend ausbildungswillige Betriebe finden lassen, die dem neuen Beruf auch in der Ausbildung zum Durchbruch verhelfen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie f\u00fcr die Schweiz und Deutschland vorhandene Evidenz<a href=\"#footnote_7\" id=\"footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor\">[7]<\/a> ist nicht einfach auf andere L\u00e4nder \u00fcbertragbar, die entweder eine Berufsbildung haben, aber keine Messdaten, oder die gar keine duale Lehrlingsausbildung kennen. Die Rahmenbedingungen, welche f\u00fcr die Rentabilit\u00e4t der Ausbildung entscheidend sind, unterscheiden sich teilweise von Land zu Land sehr deutlich. Deshalb ist anzunehmen, dass auch die Rentabilit\u00e4t unter den gegebenen Bedingungen unterschiedlich ausf\u00e4llt. Angesichts des verbreiteten Wunsches, der dualen Berufsausbildung in weiteren L\u00e4ndern zum Durchbruch zu verhelfen, w\u00e4ren deshalb analog der vorg\u00e4ngigen Absch\u00e4tzung der Kosten-Nutzen-Situation bei einem neu geschaffenen Beruf in der Schweiz auch vorg\u00e4ngige Absch\u00e4tzungen in diesen L\u00e4ndern vorzunehmen. Damit k\u00f6nnte einerseits die Bereitschaft der Firmen, sich in der Ausbildung zu engagieren, erh\u00f6ht werden. Andererseits liessen sich Regulierungen oder ung\u00fcnstige Rahmenbedingungen so ver\u00e4ndern, dass sich eine Ausbildung f\u00fcr ausbildungswillige Betrieb auch in kurzer Frist lohnen w\u00fcrde.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Vgl. Strupler und Wolter (2012).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Vgl. M\u00fchlemann et al. (2013).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Vgl. M\u00fcller und Wolter (2014).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Vgl. M\u00fchlemann et al. (2009).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Vgl. SKBF (2014, S. 131).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_6\" class=\"footnote--item\">Dieses Problem existiert in vielen L\u00e4ndern, in denen die typischen Lernenden in der Berufsbildung weit \u00fcber 20-j\u00e4hrig sind, weil sie vorher entweder eine lange Allgemeinbildung absolviert oder viele Jahre als unqualifizierte Arbeitskr\u00e4fte gearbeitet haben.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_7\" class=\"footnote--item\">Vgl. M\u00fchlemann und Wolter (2013).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lehrlingsausbildung muss \u2013 wie alle anderen Ausbildungsanstrengungen einer Firma \u2013 immer auch im Kontext betriebswirtschaftlicher Kosten-Nutzen-\u00dcberlegungen betrachtet werden. Denn keine Firma kann es sich auf Dauer leisten, Verlustgesch\u00e4fte zu machen. Investitionen in die Ausbildung junger Mitarbeitender m\u00fcssen sich deshalb fr\u00fcher oder sp\u00e4ter anderen Alternativen der Rekrutierung qualifizierter oder unqualifizierter Mitarbeitender gegen\u00fcber als lohnender erweisen. 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F\u00fcnfzehn Jahre intensive Forschung zu Kosten und Nutzen der Lehrlingsausbildung aus der Sicht der Betriebe hilft uns zu verstehen, wie wir auch in der Schweiz in Zukunft noch gen\u00fcgend Firmen f\u00fcr die Lehrlingsausbildung begeistern k\u00f6nnen. Sie zeigt zudem auf, welche Punkte bei einem \u00abExport\u00bb der dualen Berufsbildung ins Ausland zu beachten w\u00e4ren, wenn man dort die Betriebe in die Berufsbildung holen m\u00f6chte.","post_hero_image_description":"Jugendliche informierten sich an der Berufs- und Ausbildungsmesse \u00abYour Challenge\u00bb vom Februar 2014 in Martigny \u00fcber verschiedene Berufe und konnten bei den Maurern selber Hand anlegen.","post_hero_image_description_copyright_de":"Keystone","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"<ul>&#13;\n\t<li>Blatter, Marc, M\u00fchlemann, Samuel, Schenker, Samuel und Wolter, Stefan C. (2012): Hiring Costs of Skilled Workers and the Supply of Firm-Provided Training, IZA Discussion Paper Nr. 6344.<\/li>&#13;\n\t<li>M\u00fchlemann, Samuel, Br\u00e4ndli, Romy und Wolter, Stefan C. (2013): Invest in the Best or Compensate the Weak? An Empirical Analysis of the Heterogeneity of a Firm\u2019s Provision of Human Capital, in: Evidence Based Human Resource Management, 1(1), S. 80\u201395.<\/li>&#13;\n\t<li>M\u00fchlemann, Samuel und Wolter, Stefan C. (2013); Return on Investment of Apprenticeship Systems for Enterprises: Evidence from Cost-Benefit Analyses, EENEE Analytical Report prepared for the European Commission, Nr. 16.<\/li>&#13;\n\t<li>M\u00fchlemann, Samuel, Wolter, Stefan C. und W\u00fcest, Adrian (2009): Apprenticeship Training and the Business Cycle, in: Empirical Research in Vocational Education and Training, 1(2), S. 173\u2013186.<\/li>&#13;\n\t<li>M\u00fcller, Barbara und Wolter, Stefan C. (2014): The Role of Hard-to-Obtain Information on Ability for the School-to-Work Transition, in: Empirical Economics, 46 (4), S.\u00a01447\u20131471.<\/li>&#13;\n\t<li>SKBF (2014): Bildungsbericht Schweiz 2014, Aarau: Schweizerische Koordinationsstelle f\u00fcr Bildungsforschung.<\/li>&#13;\n\t<li>Strupler, Mirjam und Wolter, Stefan C. (2012): Die duale Lehre: eine Erfolgsgeschichte \u2013 auch f\u00fcr die Betriebe, Z\u00fcrich und Chur: R\u00fcegger-Verlag.<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":[{"kasten_title":"Selber ausbilden oder rekrutieren?","kasten_box":"Grunds\u00e4tzlich stellt sich ein Betrieb immer die Frage, ob es billiger ist, eine ausgebildete Fachkraft auf dem Arbeitsmarkt zu rekrutieren oder eine Arbeitskraft selbst auszubilden. Sucht man auf dem Arbeitsmarkt, ergeben sich unter Umst\u00e4nden hohe Rekrutierungs- und Einarbeitungskosten. Bildet man hingegen selbst aus, muss man damit rechnen, dass die Ausbildung (netto) teuer zu stehen kommt und ein hohes Risiko bestehen kann, dass man die ausgebildete Fachkraft gleich nach der Ausbildung an die Konkurrenz verliert. In der Schweiz ergeben sich einem durchschnittlich ausbildenden Betrieb bei einer Einstellung \u00fcber den Arbeitsmarkt Rekrutierungs- und Einarbeitungskosten von \u00fcber 21 000 Franken. Wie viel sich davon bei eigener Ausbildung tats\u00e4chlich einsparen l\u00e4sst, h\u00e4ngt stark von der Betriebsgr\u00f6sse, vom Spezialisierungsgrad sowie von der F\u00e4higkeit des Betriebes ab, ausgelernte Fachkr\u00e4fte halten zu k\u00f6nnen (siehe Grafik 1). Deshalb kann es durchaus sein, dass es f\u00fcr viele Betriebe g\u00fcnstiger ist, \u00fcber den Arbeitsmarkt zu rekrutieren, als selbst auszubilden. Blatter et\u00a0al. (2012) zeigen empirisch, dass Betriebe mit hohen Einstellungs- und Rekrutierungskosten dazu neigen, selbst auszubilden, w\u00e4hrend Betriebe mit hohen Ausbildungskosten und\/oder tiefen Einstellungs- und Rekrutierungskosten sich auf dem Arbeitsmarkt schon ausgebildete Arbeitskr\u00e4fte suchen. Diese Ergebnisse zeigen also, dass Firmen durchaus die verschiedenen Optionen, wie sie zu qualifizierten Arbeitskr\u00e4ften kommen, gegeneinander abw\u00e4gen. Solange es gen\u00fcgend Betriebe gibt, f\u00fcr die sich eine Ausbildung schon w\u00e4hrend der Lehre lohnt und die den Arbeitsmarkt mit ausgebildeten Fachkr\u00e4ften versorgen, ist die Aufteilung in ausbildende und in nicht ausbildende Betriebe f\u00fcr das Berufsbildungssystem auch kein Problem."},{"kasten_title":"Wo liegt der faire Lehrlingslohn?","kasten_box":"Neben den Auslagen f\u00fcr die Ausbildung muss bei der Festsetzung eines Lehrlingslohnes, der dem Betrieb keine Nettokosten verursacht, ber\u00fccksichtig werden, dass der Lernende a) wegen des schulischen Ausbildungsteils nicht st\u00e4ndig im Betrieb anwesend ist, b) w\u00e4hrend der Anwesenheit im Betrieb nicht immer produktiv t\u00e4tig ist (\u00dcbungszeiten) und c) bei der Aus\u00fcbung anspruchsvoller T\u00e4tigkeiten nicht die gleiche Leistung erbringt wie ausgebildete Fachkr\u00e4fte. Berechnet man den Lehrlingslohn in Relation zu einem durchschnittlichen Fachkr\u00e4ftelohn im gleichen Beruf unter Ber\u00fccksichtigung dieser drei Faktoren (siehe Grafik 2), dann resultieren L\u00f6hne, die deutlich unter den Vorgaben der Europ\u00e4ischen Sozialcharta liegen (im ersten Lehrjahr ein Drittel und im letzten Lehrjahr zwei Drittel eines Fachkr\u00e4ftelohnes). Der faire Lohn m\u00fcsste aber noch deutlich tiefer liegen, da ja auch die Ausbildungsaufwendungen des Betriebes durch produktive Leistungen der Lernenden gedeckt werden m\u00fcssen. Werden die Mindestl\u00f6hne f\u00fcr Lernende durch gesetzliche Vorgaben zu hoch angesetzt, ist leicht einsichtig, dass Betriebe, die nicht sofort aus der Ausbildung aussteigen, versucht sein werden, wenigstens ihre Ausbildungsausgaben so tief wie m\u00f6glich zu halten. Dies bringt kurz- bis mittelfristig das ganze Berufsbildungssystem zum Einsturz."}],"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":117617,"main_focus":[156663,157276],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"3061","post_abstract":"","magazine_issue":"20140901","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/548866679b81b"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117614"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3061"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=117614"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117614\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":127029,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117614\/revisions\/127029"}],"acf:post":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/157276"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156663"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3061"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=117614"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=117614"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=117614"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=117614"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=117614"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=117614"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}