{"id":117655,"date":"2014-07-01T12:00:00","date_gmt":"2014-07-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2014\/07\/birrer-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:17:29","modified_gmt":"2023-08-23T21:17:29","slug":"birrer-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2014\/07\/birrer-3\/","title":{"rendered":"Sparguthaben sichern \u2013 mit griffigem Gesetz"},"content":{"rendered":"<p>Nach dem Crash von 2008 wurde rasch klar, dass Hochrisikoprodukte in den Portfolios von Herrn und Frau Schweizer irreparablen Schaden angerichtet hatten. Die Finanzinstitute und deren Produkteverk\u00e4ufer konterten die Vorw\u00fcrfe geschickt: W\u00e4ren die Sparer und Sparerinnen nicht im \u00dcbermass risikofreudig, ja geldgierig und verlangten nach gr\u00f6sstm\u00f6glicher Rendite, w\u00e4re dies nicht passiert. Das Vorgefallene darauf zu reduzieren und den Kleinanlegern unterzuschieben, ist eine gewiefte Kommunikationsstrategie der Finanzbranche, die aber auch von Arroganz und Uneinsichtigkeit zeugt. Das Know-how und die wirtschaftliche Kraft der Finanzbranche sind zu ungleich verteilt, das Machtgef\u00e4lle zwischen dem Finanzexperten und dem Laien kaum \u00fcberwindbar.&#13;<\/p>\n<h2>Verlockende Sparguthaben und \u00abpassende\u00bb Anlageprodukte<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSchweizer sind Weltmeister im Sparen. Auch die Altersguthaben, die mehrere Hundert Milliarden ausmachen, verlocken. Werden Anlageprodukte mit diesem brachliegenden Verm\u00f6gen gekauft, ist das in der Regel ein gutes Gesch\u00e4ft f\u00fcr die Finanzinstitute. Die tats\u00e4chlichen Geb\u00fchren, die pro Jahr geschuldet sind, werden seitens des Verk\u00e4ufers beim Kauf eines Finanzprodukts meistens nicht offengelegt. Angepriesen wird die zu erwartende Rendite, mit Prognosen, deren Eintreffenswahrscheinlichkeit unrealistisch ist. Nicht erst seit der Tiefzinsphase tilgen die j\u00e4hrlichen Kosten oftmals die durchschnittliche Rendite \u2013 ein klares Verlustgesch\u00e4ft f\u00fcr den Kleinanleger. Seit 2008 ist klar, dass Risikoklassen, auch wenn sie tief angesetzt waren, eine toxische Mischung aus Anlageprodukten zuliessen. Unbekannt war der breiten Bev\u00f6lkerung bis vor wenigen Jahren ebenfalls, dass einzelne Produktverk\u00e4ufe dem Berater satte Provisionen bescheren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nW\u00e4hrend in den umliegenden europ\u00e4ischen L\u00e4ndern seit Jahren die Gesetzgebung f\u00fcr Kleinsparer ausgebaut und revidiert wird, versuchen hiesige Vertreter der Branche, die Regulierung abzuwenden. Damit w\u00fcrden Anleger in der Schweiz weiterhin ohne griffigen gesetzlichen Schutz dastehen. Das ist unverst\u00e4ndlich, zumal die meisten nationalen Finanzinstitute seit Jahren die Spielregeln der EU einhalten m\u00fcssen. Die Abl\u00e4ufe sind ihnen daher bekannt und sollten \u2013 sofern sich der Schweizer Gesetzgeber daran orientiert \u2013 keine Mehrfachbelastungen f\u00fcr die Banken bedeuten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas Wehklagen \u00fcber steigende Kosten und wegfallende Beratungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Kleinsparer wird im Sommer zunehmen. Zu diesem Zeitpunkt endlich geht ein Entwurf des vom Konsumentenschutz seit Langem geforderten Finanzdienstleistungsgesetzes in die Vernehmlassung. Die Branche wird schon heute nicht m\u00fcde, auf die vielen Nachteile hinzuweisen, die Kleinanleger mit der \u00abteuren \u00dcberregulierung\u00bb in Kauf nehmen m\u00fcssten. Unverst\u00e4ndlich ist das Argument, dass kleinere Institute die Beratungst\u00e4tigkeit einstellen m\u00fcssten, da sie nicht mehr rentabel w\u00e4re. F\u00fcr die Kleinsparer w\u00e4re dies kein Manko, im Gegenteil: Damit w\u00fcrde endlich unterbunden, dass Kunden, die einen kleinen Sparbatzen auf ihrem Konto haben, zu unn\u00f6tigen Anlagen mit unrealistischen Erwartungen bewegt w\u00fcrden. Denn oft kommt der Anlageinput nicht vom Sparer, sondern vom Berater.&#13;<\/p>\n<h2>Fidleg: Papiertiger unerw\u00fcnscht<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIch k\u00e4mpfe weiterhin daf\u00fcr, dass das neu zu schaffende Finanzdienstleistungsgesetz (Fidleg) die hohen Erwartungen des Anlegerschutzes erf\u00fcllt: Es muss einerseits f\u00fcr Transparenz mittels Protokollpflicht und einfachen, vergleichbaren Produktbeschriebs sorgen, der auch alle Kosten und Risiken enth\u00e4lt. Andererseits sollen falsche Anreize f\u00fcr den Verkauf von Produkten eliminiert werden, indem die Offenlegung und Weitergabe der Retrozessionen verankert ist. Und zum Schluss muss in diesem ungleichen Machtgef\u00e4lle ein Rechtsinstrument etabliert werden, welches auch f\u00fcr Kleinanleger n\u00fctzlich ist. Denn der Rechtsstaat Schweiz war in diesem Bereich bisher eine Farce. F\u00fchlten sich Kleinanleger ungerecht behandelt, ben\u00f6tigten sie weitere grosse Geldsummen, viel Zeit und Nerven aus Drahtseilen, um gegen ein Finanzinstitut vorzugehen. Dieser Zustand sollte mit dem neuen Fidleg endlich korrigiert werden!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem Crash von 2008 wurde rasch klar, dass Hochrisikoprodukte in den Portfolios von Herrn und Frau Schweizer irreparablen Schaden angerichtet hatten. Die Finanzinstitute und deren Produkteverk\u00e4ufer konterten die Vorw\u00fcrfe geschickt: W\u00e4ren die Sparer und Sparerinnen nicht im \u00dcbermass risikofreudig, ja geldgierig und verlangten nach gr\u00f6sstm\u00f6glicher Rendite, w\u00e4re dies nicht passiert. 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Vor solch teuren und schmerzvollen Erfahrungen k\u00f6nnen die Konsumentinnen und Konsumenten zuk\u00fcnftig nur mit einer neuen \u2013 \u00fcberf\u00e4lligen \u2013 Gesetzgebung gesch\u00fctzt werden.","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":117658,"main_focus":[156666,157277],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"2991","post_abstract":"","magazine_issue":"20140708","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/548eea20a7494"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117655"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4082"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=117655"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117655\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":127034,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117655\/revisions\/127034"}],"acf:post":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/157277"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156666"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4082"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=117655"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=117655"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=117655"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=117655"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=117655"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=117655"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}