{"id":117660,"date":"2014-07-01T12:00:00","date_gmt":"2014-07-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2014\/07\/cottier_sieber-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:17:04","modified_gmt":"2023-08-23T21:17:04","slug":"cottier_sieber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2014\/07\/cottier_sieber\/","title":{"rendered":"M\u00f6gliche Auswirkungen eines Handels- und Investitionsschutzabkommens EU\u2013USA auf die Schweiz"},"content":{"rendered":"<p>Das prim\u00e4re Verhandlungsziel der USA und der EU ist die Reduktion von nichttarif\u00e4ren Handelshemmnissen f\u00fcr Waren und Dienstleistungen zwischen dem US-amerikanischen und dem europ\u00e4ischen Markt. Konkret geht es um eine verst\u00e4rkte Zusammenarbeit im Bereich von Produktionsstandards und -regulierungen. Auf diese Weise sollen beidseits des Atlantiks Wachstum und Arbeitspl\u00e4tze gef\u00f6rdert und unn\u00f6tige Doppelspurigkeiten bei der Zulassung von Produkten vermieden werden. Die <i>Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP)<\/i> soll aber auch generell verbleibende Z\u00f6lle auf Waren und Agrarprodukte reduzieren, Dienstleistungen umfassen, Bestimmungen zum geistigen Eigentum und zum \u00f6ffentlichen Beschaffungswesen beinhalten sowie den Investitionsschutz st\u00e4rken. Potenziell handelt es sich bei der TTIP um ein umfassendes Abkommen mit substanziellen Verpflichtungen zur Handelsliberalisierung, in dem teilweise auch neue regulatorische Themen Eingang finden k\u00f6nnten \u2013 insbesondere Energie und Klimawandel.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie m\u00f6gliche TTIP umfasst 30% des Welthandels und 50% der Weltwirtschaftsleistung. Von einem solchen Abkommen sind signifikante Wohlstandsgewinne prim\u00e4r f\u00fcr die Verhandlungspartner zu erwarten.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Die Konturen des Abkommens sind derzeit noch wenig gefestigt. Eventuell wird sich das Abkommen im Ergebnis auf Zollsenkungen und den geringf\u00fcgigen Abbau nichttarif\u00e4rer Hemmnisse beschr\u00e4nken <i>(Shallow Agreement).<\/i> Es k\u00f6nnte aber auch ein ambiti\u00f6ses Abkommen mit tieferen Integrationswirkungen im Bereich von Dienstleistungen, Investitionen und \u00f6ffentlichen Beschaffungen zustande kommen <i>(Deep Agreement).<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a><\/i> Falls sich die EU und die USA auf gemeinsame Produktionsstandards und -regulierungen einigen k\u00f6nnen, wird die TTIP wegen ihrer einmalig gewichtigen Bedeutung f\u00fcr die Weltwirtschaft neue, global wirksame Standards setzen. Diese d\u00fcrften die Handelspolitik Dritter und die Vertragsentwicklung im Handelsrecht nachhaltig beeinflussen. Das gilt in hohem Masse auch f\u00fcr die Schweiz.&#13;<\/p>\n<h2>Die Schweiz ist nicht beteiligt, aber betroffen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAls Nichtmitglied der EU nimmt die Schweiz an den Verhandlungen nicht teil und ist auch nicht als Beobachterin zugelassen. Sie kann ihre Interessen nicht unmittelbar einbringen und wird auch nicht unmittelbar in den Genuss einer k\u00fcnftigen TTIP kommen. Die Beziehungen der Schweiz zur EU basieren auf einem dichten Netz bilateraler Abkommen und auf WTO-Recht. Die Beziehungen mit den USA st\u00fctzen sich allein auf das WTO-Recht. Als Drittstaat wird die Schweiz von Handelsumlenkungen gegen\u00fcber den USA wegen unterschiedlicher Zollbelastungen betroffen sein. Sowohl im US-amerikanischen wie auch im europ\u00e4ischen Markt wird sie aufgrund der pr\u00e4ferenziellen Behandlung der Vertragspartner der TTIP einen Wettbewerbsnachteil in Kauf nehmen m\u00fcssen. Andererseits k\u00f6nnen durch eine regulatorische Harmonisierung wesentliche Synergien <i>(Spillover-Effekte)<\/i> entstehen, von denen die Schweiz profitiert. Durch unilaterale Massnahmen \u2013 im Sinne einer transatlantischen Kompatibilit\u00e4tspolitik \u2013 kann sie diese Effekte unterst\u00fctzen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuf dem europ\u00e4ischen Markt verliert die Schweiz mit einer TTIP den gegen\u00fcber den USA privilegierten Marktzugang zur EU, ihrem wichtigsten Markt. Das Gleiche gilt f\u00fcr den US-amerikanischen Markt, wo die EU neu Privilegien \u00fcber die Meistbeg\u00fcnstigung hinaus geniessen wird, welche schweizerischen Produzenten nicht zukommen werden. Unklar ist derzeit das Ausmass der m\u00f6glichen Auswirkungen.&#13;<\/p>\n<h2>Drei Szenarien eines Abkommens<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Studie untersucht verschiedene Szenarien zum m\u00f6glichen Ausgang der TTIP-Verhandlungen. Die Auswirkungen der verschiedenen Szenarien auf die Schweizer Wirtschaft werden mit einem berechenbaren allgemeinen Gleichgewichtsmodell berechnet und durch eine qualitative Diskussion erg\u00e4nzt. Sie beschr\u00e4nkt sich auf Analysen und verzichtet im Rahmen des Auftrages auf Vorschl\u00e4ge f\u00fcr wirtschaftspolitische Massnahmen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Studie st\u00fctzt sich auf drei grunds\u00e4tzliche Szenarien unterschiedlicher Integrationsdichte (siehe <em>Kasten 2<\/em>):&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Das Abkommen beseitigt oder reduziert nur Z\u00f6lle.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Das Abkommen beseitigt oder reduziert zus\u00e4tzlich in bescheidenem Umfang bestehende nichttarif\u00e4re Handelshemmnisse <i>(Shallow Agreement).<\/i><\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Das Abkommen beseitigt oder reduziert sowohl Z\u00f6lle wie auch in grossem Umfang nichttarif\u00e4re Handelshemmnisse <i>(Deep Agreement).<\/i><\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Szenarien werden im Rahmen der Studie m\u00f6glichen handelspolitischen Massnahmen gegen\u00fcbergestellt. Dabei wird wiederum unterschieden zwischen der Beibehaltung des Status quo (a) und dem Abschluss eines Freihandelsabkommens (FHA) zwischen der Efta und den USA (b).<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a>&#13;<\/p>\n<h2>Markante Auswirkungen auf die Schweiz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nTrotz allen Unsicherheiten beim gegenw\u00e4rtigen Stand der Verhandlungen l\u00e4sst sich aufgrund von quantitativen \u00f6konomischen und auch rechtlichen \u00dcberlegungen schon im jetzigen Zeitpunkt absch\u00e4tzen, dass eine TTIP einen markanten Einfluss auf die Wirtschaftsleistung der Schweiz haben kann. Je nach Ausgestaltung des Abkommens, aber auch der handelspolitischen Massnahmen der Schweiz als Reaktion auf dieses Abkommen reichen die Auswirkungen von m\u00f6glichen Einbussen von 0,51% des BIP-Niveaus im Jahre 2030 (verglichen mit einer Entwicklung ohne TTIP) bis hin zu einer Niveauerh\u00f6hung von gesch\u00e4tzten 2,87% BIP im Falle eines sowohl Zollsenkungen wie nichttarif\u00e4re Handelshemmnisse umfassenden Freihandelsabkommens der Efta-Staaten mit den USA. Die Auswirkungen des Abkommens bewegen sich damit in einer weiten Spanne, solange die genauen Konturen des Abkommens nicht feststehen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGleichwohl ist bereits jetzt klar, dass ein auf Zollreduktionen beschr\u00e4nktes Abkommen f\u00fcr die Schweiz zu nachteiligen Handelsumlenkungen f\u00fchrt. Demgegen\u00fcber wird sich ein umfassendes Abkommen unter Einschluss der Liberalisierung des Dienstleistungshandels wegen der erw\u00e4hnten Spillover-Effekte positiv f\u00fcr die schweizerische Volkswirtschaft auswirken. Die Schweiz m\u00fcsste daher \u2013 entgegen der Intuition \u2013 ein Interesse am Abschluss eines weitgehenden Abkommens haben. <i>Grafik 1<\/i> fasst die Ergebnisse der mit einem Gleichgewichtsmodell berechneten generellen Auswirkungen der TTIP auf die Schweizer Wirtschaft f\u00fcr die verschiedenen Szenarien zusammen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/07\/grafik_cottier_de1.png\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-3722\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/07\/grafik_cottier_de1-563x600.png\" alt=\"grafik_cottier_de[1]\" width=\"563\" height=\"600\" \/><\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Auswirkungen einer k\u00fcnftigen TTIP h\u00e4ngen somit stark von ihrer Ausgestaltung, aber auch vom k\u00fcnftigen Rechtsverh\u00e4ltnis der Schweiz zu diesem Abkommen ab. Die Studie zeigt auf, dass Spillover-Effekte der Harmonisierung von Normen und Standards im Bereich nichttarif\u00e4rer Hemmnisse die zollbedingten negativen Auswirkungen teilweise zu kompensieren verm\u00f6gen. Die Schweiz wird ihre Politik der Europakompatibilit\u00e4t auf eine Politik der transatlantischen Kompatibilit\u00e4t ausdehnen k\u00f6nnen, weil europakompatible Produkte auf dem US-amerikanischen Markt \u2013 und allenfalls auf Drittm\u00e4rkten \u2013 einfacher zugelassen werden k\u00f6nnen. So kann die Schweiz neue Skaleneffekte mit Wirkung auch in den USA erzielen. Soweit allerdings der Marktzugang auf eine explizite gegenseitige Anerkennung und damit ein besonderes Abkommen <i>(Mutual Recognition Agreement)<\/i> angewiesen ist, lassen sich auch in diesem Bereich neue Hemmnisse namentlich in Bezug auf die USA nicht ausschliessen.&#13;<\/p>\n<h2>Einzelne Sektoren sind unterschiedlich betroffen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Bereich des <i>G\u00fcterhandels<\/i> d\u00fcrfte sich die TTIP unterschiedlich stark auf die einzelnen Warenarten auswirken. Die Folgen h\u00e4ngen auch hier von der Tiefe und der Breite des Abkommens sowie von den handelspolitischen Reaktionen ab.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer <i>Dienstleistungssektor<\/i> wird vermutlich weniger stark von der TTIP betroffen sein als der Warenhandel. Aufgrund bisheriger Liberalisierungsschritte in vergleichbaren Vertr\u00e4gen der EU und der USA ist es nicht zu erwarten, dass das k\u00fcnftige Abkommen weitreichende Liberalisierungen im Dienstleistungshandel zwischen der EU und den USA herbeif\u00fchren wird. Die Studie arbeitet hier angesichts einer schwachen Datenlage<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> mit einem Vergleich der Abkommen von EU und USA mit Korea sowie gegenw\u00e4rtigen Entwicklungen in den Dienstleistungsverhandlungen. Dabei zeigt sich, dass die Partner nicht wirklich bereit sind, in den f\u00fcr die Schweiz wichtigen Bereichen (insbesondere Finanzdienstleistungen) wesentliche \u00d6ffnungen vorzunehmen. Von Bedeutung wird sein, ob sich die USA und die EU im Rahmen des Abbaus von nichttarif\u00e4ren Handelshemmnissen auf eine weitreichende gegenseitige Anerkennung von Diplomen und Zertifikaten einigen k\u00f6nnen, welche Einzelnen einen vereinfachten Zugang zum Arbeitsmarkt verschaffen. Hier liegt ein nicht unerhebliches Diskriminierungspotenzial f\u00fcr schweizerische Abg\u00e4ngerinnen und Abg\u00e4nger einer terti\u00e4ren Ausbildung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuch im Bereich des <i>\u00f6ffentlichen Beschaffungswesens<\/i> ist zu erwarten, dass sich die TTIP negativ auf die Schweiz auswirken wird. Die beiden M\u00e4rkte in Europa und in den USA sind wichtig f\u00fcr die Schweiz: Zwischen 1990 und 2003 gingen 66% der Schweizer Exporte im \u00f6ffentlichen Beschaffungswesen in den europ\u00e4ischen Markt und 12% in die USA. Insbesondere falls die TTIP auch gliedstaatliche Ausschreibungen in den USA aufn\u00e4hme, h\u00e4tte eine Liberalisierung des \u00f6ffentlichen Beschaffungswesens sp\u00fcrbare Nachteile f\u00fcr die Schweiz. Europ\u00e4ische Anbieter w\u00fcrden dadurch den Zugang zum US-amerikanischen Markt f\u00fcr \u00f6ffentliches Beschaffungswesen in den einzelnen Bundesstaaten erhalten, welcher Schweizer Anbietern verwehrt bleibt. Gleichzeitig verl\u00f6re die Schweiz im europ\u00e4ischen Markt eine heute gegen\u00fcber den USA bestehende Vorzugsstellung bei Vergaben von L\u00e4ndern, Gemeinden und \u00f6ffentlichen Versorgungseinrichtungen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nOffen sind die Auswirkungen eines allf\u00e4lligen verst\u00e4rkten Investitionsschutzes, namentlich durch die derzeit umstrittene Einf\u00fchrung von Klagerechten der Unternehmen vor internationalen Schiedsgerichten. Der heutige Rechtsschutz im transatlantischen Verh\u00e4ltnis basiert auf dem Zugang zu staatlichen Gerichten und steht auch Schweizer Unternehmen weiterhin offen. Verlagerungen von Investitionen und Arbeitspl\u00e4tzen ins europ\u00e4ische Ausland oder in die USA d\u00fcrften eher zur Vermeidung zollrechtlicher Handelsnachteile oder zur Vermeidung anderweitiger Standortnachteile erfolgen. In welchem Ausmass diese Risiken bestehen, h\u00e4ngt wesentlich vom k\u00fcnftigen Integrationsgrad der TTIP ab. Wenige Probleme d\u00fcrften sich im Bereich des Schutzes des <i>geistigen Eigentums<\/i> ergeben. Jede \u00fcber das Trips-Abkommen der WTO <a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a>vereinbarte Erh\u00f6hung des Schutzes wird \u2013 gest\u00fctzt auf bestehenden Meistbeg\u00fcnstigungsverpflichtungen der USA und der EU \u2013 auch der Schweiz zugutekommen und so den Forschungs- und Produktionsstandort nicht beeintr\u00e4chtigen.&#13;<\/p>\n<h2>Spannende verfahrensrechtliche Fragen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nVielversprechend sind die geplanten verfahrensrechtlichen Ans\u00e4tze zur Beseitigung von nichttarif\u00e4ren Handelshemmnissen. Die USA und die EU diskutieren die Einrichtung permanenter Foren, in welchen die Angleichung von Normen beziehungsweise deren gegenseitige Anerkennung <i>(Mutual Recognition)<\/i> in einem dauerhaften und fortlaufenden Prozess erreicht werden soll. Man erhofft sich durch die Vereinfachung von Vorschriften und Verfahren eine Senkung bestehender Hemmnisse von \u00fcber 80%. Damit w\u00fcrde erstmals auch in der Rechtssetzung ein permanenter transatlantischer Dialog mit festen Institutionen und Prozessen entstehen, der das Abkommen zu einer dynamischen Einrichtung \u00fcber bisherige statische Staatsvertr\u00e4ge hinaus machen k\u00f6nnte.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn dem Masse, wie sich diese Prozesse etablieren und regulatorische Wirkung entfalten, wird die Schweiz gezwungen sein, sich jeweils ohne Mitbestimmung den Ergebnissen dieser Verhandlungen anzuschliessen. Angesichts der Marktgr\u00f6sse der beiden Verhandlungspartner ist wahrscheinlich, dass erzielte Ergebnisse in der Folge nicht nur autonom, sondern vor allem auch durch weitere Verhandlungen in der WTO und in speziellen Normierungsorganisationen multilateralisiert werden. Die weltweite Harmonisierung und die durch die TTIP bedingten Anreize geh\u00f6ren zu den wichtigsten positiven Wirkungen f\u00fcr Drittstaaten. Sie verm\u00f6gen einerseits die negativen Auswirkungen zu neutralisieren, schaffen aber damit auch erneute Abh\u00e4ngigkeiten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nInwieweit eine Angleichung nichttarif\u00e4rer Hemmnisse zwischen den USA und der EU gelingen kann, ist derzeit offen. Beide Partner sind sich im Rahmen pr\u00e4ferenzieller Abkommen gewohnt, ihre eigenen Standards durchzusetzen. Dies wird im Rahmen der TTIP nicht mehr m\u00f6glich sein. Es handelt sich auch um eine Frage des politischen Willens; wo dieser besteht, ist die Ann\u00e4herung durchaus m\u00f6glich. Dies zeigte namentlich das Trips-Abkommen im Bereich des geistigen Eigentums: Hier wurden im Rahmen der Uruguay-Runde (1986\u20131994) europ\u00e4ische und US-amerikanische Rechtsfiguren erfolgreich miteinander verbunden. Die Entwicklung gemeinsamer Rechtsnormen auch in anderen Bereichen ist somit kein Ding der Unm\u00f6glichkeit.&#13;<\/p>\n<h2>Die Schweiz wird nicht tatenlos zusehen k\u00f6nnen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie vorliegende Studie erfolgte zu einem Zeitpunkt, als die Konturen des Abkommens noch unklar waren. Gleichwohl lassen sich gest\u00fctzt auf die quantitativen und rechtlichen \u00dcberlegungen erste Schlussfolgerungen ziehen. Die Schweiz wird der Entwicklung nicht tatenlos zusehen k\u00f6nnen. Paradoxerweise sind die negativen Auswirkungen bei einem schwachen Abkommen st\u00e4rker als bei einem umfassenden. Wenn das Abkommen neue transatlantische Standards zu setzen vermag, wird der Wirtschaftsstandort Schweiz profitieren. Je tiefer das Abkommen, desto st\u00e4rker werden sich aber auch die Defizite der Verfahrensbeteiligung bemerkbar machen; die Schweiz wird umso mehr zur \u00dcbernahme ausl\u00e4ndischen Rechts gezwungen sein. Die Aushandlung eines Freihandelsabkommens der Efta-Staaten mit den USA ist sowohl aus \u00f6konomischer wie auch verfahrensrechtlicher Sicht\u00a0\u2013 nebst anderen m\u00f6glichen Massnahmen\u00a0\u2013 n\u00e4her zu pr\u00fcfen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAlle handelspolitischen Optionen werden jedoch voraussichtlich starke Auswirkungen auf die Landwirtschaftsfrage haben. L\u00f6sungen werden nicht ohne erhebliche Reduktion des Grenzschutzes f\u00fcr die inl\u00e4ndische Produktion zu erreichen sein. Sicher ist, dass die Entwicklung der TTIP nicht ohne Folgen f\u00fcr die Beziehungen der Schweiz zur EU bleiben wird. Immer st\u00e4rker zeigt sich, dass dieses Verh\u00e4ltnis auch durch die globalen Rahmenbedingungen und Drittlandbeziehungen beeinflusst und gepr\u00e4gt wird. Es l\u00e4sst sich nicht l\u00e4nger auf die Frage der Beteiligung am europ\u00e4ischen Binnenmarkt beschr\u00e4nken.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Das Abkommen wird zwischen den 50 Bundesstaaten der USA und den 28 Mitgliedstaaten der EU geschlossen. Deshalb und wegen seiner Bedeutung f\u00fcr die Weltwirtschaft wird es als \u00abmega-regional\u00bb bezeichnet. Vorliegende Studien beziffern die zu erwartenden Wohlstandsgewinne unterschiedlich. Siehe z. B. Francois et al. (2013), welche f\u00fcr die EU ein zus\u00e4tzliches Einkommen pro Haushalt von 545 Euro pro Jahr bis 2027 berechnen; oder \u00e4hnlich Felbermayr, Heid und Lehwald (2013), welche eine durchschnittliche Zunahme des realen Pro-Kopf-Einkommens in der EU von 0,27% erwarten.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Das Spektrum zwischen Shallow und Deep Agreement wurde in der Studie mit verschiedenen Szenarien ber\u00fccksichtigt.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Das Mandat der Studie beschr\u00e4nkt sich auf die hier aufgef\u00fchrte handelspolitische Massnahme und umfasst die Berechnung der Auswirkungen auf die Schweiz je nach Umfang und Tiefe eines Freihandelsabkommens zwischen der Efta und den USA.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Die neuesten Abkommen sind noch nicht publiziert, insbesondere jenes zwischen der EU und Kanada.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">\u00dcbereinkommen \u00fcber handelsbezogene Aspekte der Rechte des geistigen Eigentums (Trade-Related Aspects of Intellectual Property Rights).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das prim\u00e4re Verhandlungsziel der USA und der EU ist die Reduktion von nichttarif\u00e4ren Handelshemmnissen f\u00fcr Waren und Dienstleistungen zwischen dem US-amerikanischen und dem europ\u00e4ischen Markt. 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Eine Studie des World Trade Institute der Universit\u00e4t Bern im Auftrag des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft analysiert die m\u00f6glichen Auswirkungen eines Abkommens auf die Schweizer Wirtschaft und auf die Handelsbeziehungen der Schweiz. Unterschiedliche Szenarien f\u00fchren dabei zu unterschiedlichen Auswirkungen.","post_hero_image_description":"Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel flankiert von US-Handelsvertreter Michael Froman (links) und EU-Handelskommissar Karel De Gucht (rechts) an der Pressekonferenz zum TTIP-Dialog am 5. Mai 2014.","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"<ul>&#13;\n\t<li>Thomas Cottier, Peter Egger, Joseph Francois, Miriam Manchin, Anirudh Shingal und Charlotte Sieber-Gasser (2014): Potential Impacts of a EU-US Free Trade Agreement on the Swiss Economy and External Economic Relations, Bern: World Trade Institute.<\/li>&#13;\n\t<li>Joseph Francois, Miriam Manchin, Hanna Norberg, Olga Pundyuk und Patrick Tomberger (2013): Reducing Trans-Atlantic Barriers to Trade and Investment, London: Centre for Economic Policy Research.<\/li>&#13;\n\t<li>Gabriel Felbermayr, Benedikt Heid und Sybille Lehwald (2013): Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP): Who Benefits from a Free Trade Deal?, G\u00fctersloh: Bertelsmann Stiftung.<\/li>&#13;\n<\/ul>","post_kasten":[{"kasten_title":"Hinweis zur Studie","kasten_box":"Thomas Cottier, Peter Egger, Joseph Francois, Miriam Manchin, Anirudh Shingal, und Charlotte Sieber-Gasser (2014): Potential Impacts of a EU-US Free Trade Agreement on the Swiss Economy and External Economic Relations, Bern: World Trade Institute."},{"kasten_title":"Annahmen der Szenarien","kasten_box":"<ul>&#13;\n\t<li>Szenario 1 geht von einer vollst\u00e4ndigen Beseitigung der Industriez\u00f6lle und einer Reduktion um 50% der Z\u00f6lle auf landwirtschaftliche Produkte aus.<\/li>&#13;\n\t<li>Szenario 2 sieht neben einer Zollreduktion gem\u00e4ss Szenario 1 zus\u00e4tzlich eine Reduktion der nichttarif\u00e4ren Hemmnisse (NTH) um 20% vor. Die Reduktion der NTH in diesem Szenario ist pr\u00e4ferenziell und kommt Drittstaaten nicht zugute. Nur diejenigen NTH, welche tats\u00e4chlich reduziert werden k\u00f6nnten, wurden in die Berechnung aufgenommen.<\/li>&#13;\n\t<li>Szenario 3 sieht neben der Zollreduktion gem\u00e4ss Szenario 1 zus\u00e4tzlich eine Reduktion der NTH um 50% vor. Die Reduktion der NTH in diesem Szenario ist nicht ausschliesslich pr\u00e4ferenziell und kommt in bescheidenem Umfang auch Drittstaaten zugute (Spillover-Effekt). Auch hier wurden nur diejenigen NTH, welche tats\u00e4chlich reduziert werden k\u00f6nnten, in die Berechnung aufgenommen.<\/li>&#13;\n<\/ul>"}],"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":117663,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"2993","post_abstract":"","magazine_issue":"20140708","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/548fff53e4518"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117660"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2801"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=117660"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117660\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":127035,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117660\/revisions\/127035"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4085"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4084"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4083"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2801"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=117660"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=117660"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=117660"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=117660"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=117660"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=117660"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}