{"id":117693,"date":"2014-07-01T12:00:00","date_gmt":"2014-07-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2014\/07\/freihofer_bernhard-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:18:13","modified_gmt":"2023-08-23T21:18:13","slug":"freihofer_bernhard","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2014\/07\/freihofer_bernhard\/","title":{"rendered":"Eine Handels- und Investitionspartnerschaft EU\u2013USA hat in jedem Fall Folgen f\u00fcr die Schweiz"},"content":{"rendered":"<p>Seit Juli 2013 verhandeln die EU und die USA \u00fcber eine umfassende transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft <i>(Transatlantic Trade and Investment Partnership, TTIP).<\/i> Ziel ist neben dem Zollabbau f\u00fcr Industrie- und Agrarprodukte insbesondere die Beseitigung von nichttarif\u00e4ren Handelshemmnissen. Das geplante Abkommen soll auch Bestimmungen zu den Dienstleistungen, dem \u00f6ffentlichen Beschaffungswesen, dem Schutz des geistigen Eigentums und dem Wettbewerb umfassen sowie den Investitionsschutz st\u00e4rken. Zudem soll der Zugang zu den Rohstoffm\u00e4rkten verbessert werden. Falls es zu einem Verhandlungsabschluss zwischen der EU und den USA kommt, w\u00fcrde daraus die weltweit gr\u00f6sste Freihandelszone entstehen. Sie vereinigte beinahe die H\u00e4lfte der globalen Wirtschaftsleistung und einen Drittel des Welthandels auf sich. Die Handelsstr\u00f6me zwischen der EU und den USA erreichen einen Wert von rund 2 Mrd. Euro pro Tag.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nVon beiden Seiten wird offiziell ein Abschluss der Verhandlungen bis Ende 2015 angestrebt. Die Verhandlungen gestalten sich aufgrund der unterschiedlichen Ans\u00e4tze und Positionen in etlichen Bereichen erwartungsgem\u00e4ss schwierig. Sie erfordern daher beidseitig Flexibilit\u00e4t und Kompromissbereitschaft. Grunds\u00e4tzlich stehen die Chancen f\u00fcr einen Verhandlungsabschluss jedoch gut. Trotz vermehrt kritischer Stimmen geniesst das ambiti\u00f6se Projekt nach wie vor die Unterst\u00fctzung einer Mehrheit in Politik und Wirtschaft beidseits des Atlantiks. Beide Seiten versprechen sich durch eine TTIP substanzielle Wachstumsimpulse und neue Arbeitspl\u00e4tze.&#13;<\/p>\n<h2>Die Schweiz wird sicher betroffen sein<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie EU und die USA sind nicht nur global die handelspolitischen Schwergewichte, sondern auch die zwei gr\u00f6ssten Handelspartner der Schweiz. Mehr als zwei Drittel aller Schweizer Exporte gehen in die EU (56%) und die USA (11%). Dies verdeutlicht, dass f\u00fcr die Schweizer Wirtschaft einiges auf dem Spiel steht, denn: Kommt ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA zustande, mit dem sich die beiden Seiten auf dem jeweils anderen Markt g\u00fcnstigere Rahmenbedingungen einr\u00e4umen, als der Schweiz gew\u00e4hrt werden, kann es zu einer Benachteiligung der Schweizer Wirtschaft kommen. Eine solche Benachteiligung ist insgesamt auf dem US-Markt sehr wahrscheinlich, da zwischen den USA und der Schweiz kein Freihandelsabkommen besteht. Hingegen hat die Schweiz ein dichtes Netz von wirtschaftlich relevanten Abkommen mit der EU, sodass zwischen der Schweiz und der EU in verschiedenen Bereichen binnenmarkt\u00e4hnliche Verh\u00e4ltnisse bestehen. Schweizer Anbieter profitieren deshalb heute von vorteilhafteren Marktzutrittsbedingungen in der EU als US-Anbieter. Diese Pr\u00e4ferenzmarge wird durch die TTIP aller Voraussicht nach reduziert; je ambitionierter das TTIP-Paket ausf\u00e4llt, desto st\u00e4rker wird diese Pr\u00e4ferenzerosion sein.&#13;<\/p>\n<h2>Nicht nur der Zollabbau k\u00f6nnte die Schweiz benachteiligen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas erkl\u00e4rte Ziel der TTIP ist unter anderem ein m\u00f6glichst umfassender Zollabbau. In Bezug auf den Marktzugang in den USA besteht f\u00fcr die Schweiz im tarif\u00e4ren Bereich daher ein reelles Diskriminierungspotenzial. Auch auf dem EU-Markt w\u00e4ren bestimmte Agrarprodukte benachteiligt. Allerdings heben sich auf ausl\u00e4ndischen M\u00e4rkten eine Reihe von Schweizer Exportprodukten hinsichtlich Qualit\u00e4t oder anderer spezifischer (Funktions-)Eigenschaften von Konkurrenzprodukten ab. Die Preiselastizit\u00e4t der Nachfrage ist f\u00fcr diese Produkte geringer, weshalb sich eine Zollreduktion zwischen der EU und den USA hier schw\u00e4cher auf die Nachfrage auswirkt. Je nach Verhandlungsergebnis k\u00f6nnte somit die Benachteiligung von Schweizer Anbietern im regulatorischen Bereich (z. B. gegenseitige Anerkennung von unterschiedlichen Produktevorschriften), bei den Dienstleistungen oder beim \u00f6ffentlichen Beschaffungswesen gr\u00f6sser sein als bei den Z\u00f6llen. 80% der Wohlstandsgewinne aus dem TTIP-Abkommen f\u00fcr die EU sollen laut Sch\u00e4tzungen von Kosteneinsparungen durch die Verringerung b\u00fcrokratischer und regulatorischer Hindernisse sowie durch Liberalisierungen ausserhalb des Warenverkehrs herr\u00fchren.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>&#13;<\/p>\n<h2>Zwei Studien zur m\u00f6glichen Bandbreite der Auswirkungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nVor diesem Hintergrund verfolgt die Schweiz die Entwicklungen der TTIP-Verhandlungen eng. Im Rahmen einer interdepartementalen Arbeitsgruppe unter der Leitung des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) werden Abkl\u00e4rungen \u00fcber die m\u00f6glichen Auswirkungen einer TTIP auf die Schweiz gemacht. Diese dienen als Grundlagen zur Diskussion konkreter wirtschaftspolitischer Handlungsoptionen f\u00fcr die Schweiz nach Abschluss der Verhandlungen zwischen den USA und der EU. Ziel ist es, die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Schweizer Wirtschaft und die Attraktivit\u00e4t des Wirtschaftsstandortes Schweiz zu bewahren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZwei im Auftrag des Seco erstellte Berichte geben eine erste Einsch\u00e4tzung der m\u00f6glichen Auswirkungen der TTIP auf die Schweiz.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Da zurzeit die konkreten Verhandlungsresultate der TTIP noch weitgehend unbekannt sind, basieren die Studien auf Annahmen und arbeiten mit Szenarien. Dies erlaubt erste Einsch\u00e4tzungen zur m\u00f6glichen Bandbreite der Auswirkungen der TTIP auf die Schweiz und \u00dcberlegungen zu wirtschaftspolitischen Handlungsoptionen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Studie des World Trade Institute (WTI) gibt Anhaltspunkte zu den gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen verschiedener TTIP-Szenarien auf die Schweiz auf der Basis eines berechenbaren allgemeinen Gleichgewichtsmodells. Das Modell errechnet \u2013 je nach Annahmen und Szenario \u2013 Auswirkungen auf das Niveau des BIP von \u20130,5% bis +2,9% im Jahre 2030. Auch die potenziellen Auswirkungen in den Bereichen Dienstleistungen, Direktinvestitionen und \u00f6ffentliches Beschaffungswesen werden analysiert. Die Studie von Emanuela Balestrieri besch\u00e4ftigt sich mit den m\u00f6glichen Auswirkungen von in der TTIP vereinbarten Ursprungsregeln auf wichtige Schweizer Exportsektoren. Negative Auswirkungen der TTIP-Ursprungsregeln k\u00f6nnten sich f\u00fcr Pr\u00e4zisionsinstrumente sowie die Autozulieferer ergeben, hingegen d\u00fcrfte der Einfluss auf Pharma und Chemie gering sein. In den nachfolgenden Artikeln erl\u00e4utern die Verfasser der beiden Berichte deren wichtigste Ergebnisse. Zudem geht ein weiterer Artikel n\u00e4her auf den Bereich der nichttarif\u00e4ren Handelshemmnisse ein, in welchem die bedeutendsten Auswirkungen einer TTIP erwartet werden.&#13;<\/p>\n<h2>Wie ambitioniert wird das Verhandlungsergebnis ausfallen?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nInsbesondere bei der Interpretation der Resultate des berechenbaren allgemeinen Gleichgewichtsmodells ist Vorsicht geboten. Die quantitativen Resultate geben lediglich eine Idee \u00fcber die m\u00f6gliche Gr\u00f6ssenordnung von Auswirkungen der TTIP auf die gesamte Wirtschaft und einzelne Sektoren. So ist es sehr wahrscheinlich, dass je nach Sektor und Produkten \u2013 beispielsweise Landwirtschaft oder Chemie und Pharma\u00a0\u2013 unterschiedlich weitgehende \u00d6ffnungsschritte vereinbart werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nInsgesamt d\u00fcrfte das Abkommen sektor- oder produktspezifisch weit differenzierter ausgestaltet sein, als dies bei den vorliegenden Berechnungen abgebildet wird. Wie ambitioniert die TTIP in den verschiedenen Sektoren oder Produktekategorien schliesslich ausf\u00e4llt, ist heute noch schwierig abzusch\u00e4tzen. Wenn das konkrete Verhandlungsergebnis vorliegt, werden deshalb voraussichtlich in den relevanten Bereichen weitere spezifische Analysen zu realisieren sein. Gerade bez\u00fcglich der m\u00f6glichen Auswirkungen der TTIP auf die Schweizer Landwirtschaft k\u00f6nnen vertiefte Analysen erst dann durchgef\u00fchrt werden, wenn die Parameter der TTIP im Agrarbereich bekannt sind.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Francois, J. et al. (2013). Reducing Transatlantic Barriers to Trade and Investment: An Economic Assessment. London: Centre for Economic Policy Research.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Die zwei Berichte gehen auf Studienauftr\u00e4ge zu Auswirkungen in drei Themengebieten zur\u00fcck: Gesamtwirtschaft; Dienstleistungen, Direktinvestitionen und \u00f6ffentliche Beschaffung; Ursprungsregeln. Die Analysen zu den ersten beiden Bereichen wurden in einem Bericht zusammengefasst.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Juli 2013 verhandeln die EU und die USA \u00fcber eine umfassende transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (Transatlantic Trade and Investment Partnership, TTIP). Ziel ist neben dem Zollabbau f\u00fcr Industrie- und Agrarprodukte insbesondere die Beseitigung von nichttarif\u00e4ren Handelshemmnissen. 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Zweck dieser Plattform ist es, Informationen aus erster Hand zu den laufenden TTIP-Verhandlungen zu erhalten sowie die Efta-Interessen gegen\u00fcber den USA sicherzustellen. Der Dialog soll jedoch kein Pr\u00e4judiz f\u00fcr allf\u00e4llige sp\u00e4tere weiter gehende Schritte darstellen. Die ersten beiden Treffen unter dem handelspolitischen Dialog zwischen Vertretern der Efta-Staaten und des US-Handelsvertreters fanden am 20. November 2013 und am 5. Juni 2014 in Washington D.C. statt. Dabei wurden der US-amerikanischen Seite unter anderem die Funktionsweise und die Freihandelspolitik der Efta pr\u00e4sentiert sowie das m\u00f6gliche Diskriminierungspotenzial einer TTIP f\u00fcr die Efta-Staaten erl\u00e4utert."}],"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":117696,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"3007","post_abstract":"","magazine_issue":"20140708","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/548ffa91d9558"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117693"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3949"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=117693"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117693\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":127040,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117693\/revisions\/127040"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/0"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4079"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3949"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=117693"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=117693"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=117693"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=117693"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=117693"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=117693"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}