{"id":117734,"date":"2014-07-01T12:00:00","date_gmt":"2014-07-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2014\/07\/mueller-36\/"},"modified":"2023-08-23T23:17:45","modified_gmt":"2023-08-23T21:17:45","slug":"mueller-35","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2014\/07\/mueller-35\/","title":{"rendered":"Kundenschutz muss im Interesse der Kundinnen und Kunden sein"},"content":{"rendered":"<p>Die Finanzkrise hat verschiedene Schwachstellen des globalen Finanzsystems aufgedeckt. Insbesondere die Problematik der international agierenden Grossbanken, die so gross sind, dass sie nicht untergehen d\u00fcrfen, haben wir in der Schweiz am Fall UBS erlebt. Dieses Problem ist weltweit anerkannt. Entsprechend wurden von den Gesetzgebern erste Schritte eingeleitet.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAufgrund der Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers 2008 oder des Skandals um den Milliardenbetr\u00fcger Bernard Madoff ist jedoch auch der Kundenschutz ins Visier der Regulatoren ger\u00fcckt. Diese zwei krassen Beispiele zeigen, wie Anlegerinnen und Anleger durch fahrl\u00e4ssiges bis kriminelles Verhalten von Finanzdienstleistern gesch\u00e4digt worden sind. Auch Bankkunden in der Schweiz hatten hohe Verluste zu beklagen. Der Ruf nach einem besseren Anlegerschutz ist daher verst\u00e4ndlich.&#13;<\/p>\n<h2>Das Ziel nicht aus den Augen verlieren<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBevor wir \u00fcber konkrete Regulierungsans\u00e4tze nachdenken, m\u00fcssen wir uns das Ziel des Kundenschutzes im Finanzbereich in Erinnerung rufen: Es geht darum, Kundinnen und Kunden vor absehbaren oder untragbaren Verlusten zu sch\u00fctzen. Deshalb muss der Kundenberater jeweils sorgf\u00e4ltig analysieren, welche Produkte f\u00fcr seinen Kunden infrage kommen, und ihn informieren, welches die Vor- und Nachteile sind, damit er selbstverantwortlich entscheiden kann.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEs ist \u2013 der Vergleich sei erlaubt \u2013 wie beim Arzt: Dieser kl\u00e4rt zusammen mit dem Patienten die Ausgangslage ab (Anamnese), analysiert die Problemstellung (Diagnose), um schliesslich eine oder mehrere L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge zu pr\u00e4sentieren (Therapie). Wichtig ist, dass der Arzt die Vor- und Nachteile jeder m\u00f6glichen Behandlung (inklusive der bekannten Risiken und Nebenwirkungen) transparent darlegt. Nur so kann der Patient effektiv entscheiden. Es sei angemerkt, dass in gewissen Situationen einige Schritte auch von einer Praxishilfe oder einer Apothekerin erbracht werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAuch wenn es im Finanzbereich nicht um Leben und Tod, sondern \u00abnur\u00bb um Geld geht, helfen geregelte Prozesse, um Sch\u00e4den zu vermeiden. So ist der Kundenschutz ein zentraler Aspekt der Beziehung zwischen Finanzintermedi\u00e4r und Kunde. Bereits heute tragen die Banken den berechtigten Anliegen weitgehend Rechnung: Das Personal ist aufgrund des schweizerischen Bildungssystems ad\u00e4quat geschult. Bei der Analyse der Fragestellung wird der Kunde und seine spezifische Situation in den Vordergrund gestellt. Und die Beschreibung der Produkte geht auch auf Risiken und Verlustpotenziale ein.&#13;<\/p>\n<h2>Keine grunds\u00e4tzlichen Defizite im Anlegerschutz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Finanzsektor braucht es keine st\u00e4rkere und formalistischere Regulierung als im Gesundheitssektor, zumal wir in der Schweiz keine grunds\u00e4tzlichen Defizite beim Anlegerschutz beobachten k\u00f6nnen. Die Kundenzufriedenheit ist hierzulande sp\u00fcrbar h\u00f6her als in anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern, wie eine Umfrage des Swiss Finance Institute zusammen mit McKinsey j\u00fcngst gezeigt hat. Bek\u00e4mpft werden sollen nur effektive Missst\u00e4nde in der Schweiz. Vor allem ist aber zu bedenken, dass auch Regulierungen Risiken und Nebenwirkungen ausl\u00f6sen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin formal ausgebauter Kundenschutz f\u00fchrt zun\u00e4chst einmal zu deutlich h\u00f6heren Kosten. Einige davon fallen bei der Einf\u00fchrung an (z. B. Schulung und IT); andere sind laufende Kosten (z. B. Protokollierung und Compliance). Sie alle benachteiligen die kleineren Institute. Diese Kosten werden nach M\u00f6glichkeit auf die Kunden \u00fcberw\u00e4lzt, sodass f\u00fcr sie viele Bankdienstleistungen teurer werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWenn eine \u00dcberw\u00e4lzung aber nicht m\u00f6glich ist \u2013 und dies ist insbesondere bei personalintensiven Beratungsgespr\u00e4chen f\u00fcr kleinere Kunden der Fall \u2013, werden diese Dienstleistungen nicht mehr angeboten. So hat die strenge Kundenschutzregulierung in Deutschland mit rigoroser Protokollierungspflicht und Beraterregister dazu gef\u00fchrt, dass sich viele Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken aus der Anlageberatung zur\u00fcckgezogen haben. Es ist somit davon auszugehen, dass Regulierungen nach EU-Vorbild vorab Privatkunden mit tieferen Verm\u00f6gen sowie das Gewerbe benachteiligen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Finanzkrise hat verschiedene Schwachstellen des globalen Finanzsystems aufgedeckt. Insbesondere die Problematik der international agierenden Grossbanken, die so gross sind, dass sie nicht untergehen d\u00fcrfen, haben wir in der Schweiz am Fall UBS erlebt. Dieses Problem ist weltweit anerkannt. 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Dass die Banken im Umgang mit ihrer Kundschaft Sorgfaltspflichten haben, ist wohl unbestritten. Hingegen muss der Kundenschutz auch die Kosten bei den Banken im Auge behalten, da er sich sonst gegen die Kundinnen und Kunden richten k\u00f6nnte. Die Feststellung ist wohl nicht \u00fcbertrieben: Mit den bestehenden Vorschriften und Selbstregulierungen f\u00fcr den Kundenschutz fahren wir in der Schweiz bereits sehr gut. Kriminelle Machenschaften k\u00f6nnen auch mit der besten Regulierung kaum verhindert werden. Was sich in der Schweiz bew\u00e4hrt hat, ist eine zielorientierte Regulierung mit Augenmass.","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":117737,"main_focus":[156666,157277],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"3017","post_abstract":"","magazine_issue":"20140708","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/548eeb2501527"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117734"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3116"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=117734"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117734\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":127045,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117734\/revisions\/127045"}],"acf:post":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/157277"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156666"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3116"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=117734"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=117734"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=117734"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=117734"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=117734"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=117734"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}