{"id":117811,"date":"2014-06-01T12:00:00","date_gmt":"2014-06-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2014\/06\/buholzer-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:18:17","modified_gmt":"2023-08-23T21:18:17","slug":"buholzer-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2014\/06\/buholzer-3\/","title":{"rendered":"Frauen in den Chefetagen \u2013 Visionen f\u00fcr unsere T\u00f6chter"},"content":{"rendered":"<p>Eine Studie der <i>American Management Association (AMA)<\/i> hat vor Jahren bereits ausdr\u00fccklich festgehalten, dass die Qualit\u00e4t der Heterogenit\u00e4t von Teams \u00fcber Produktivit\u00e4t und Profitabilit\u00e4t entscheide. Die Studie zeigt, dass heterogene Gesch\u00e4ftsleitungen produktiver und profitabler sind; Zukunftsf\u00e4higkeit und Innovation, Marketing und Unternehmenskulturen profitieren also von breit gef\u00e4cherten Talentportfolios und interkulturellen St\u00e4rkenprofilen (siehe <i>Kasten 1).<\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nHier sind einige ausgew\u00e4hlte Visionen, die den Boden f\u00fcr das Wirken der Begabtesten auf Chefetagen ebnen m\u00f6gen, T\u00f6chtern wie S\u00f6hnen \u2013 bei gleichen Qualifikationen aber zuerst einmal den T\u00f6chtern, um auch im helvetischen Rahmen neue Normen zu etablieren und mit der weltweit laufenden Entwicklung der Feminisierung Schritt zu halten.&#13;<\/p>\n<h2>Erste Vision: Vorstandsetagen sind nur mit gelebter Diversity zukunftsf\u00e4hig<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDiversity ist partiell weiblich, interkulturell und global vernetzt. Sie integriert auch \u00e4ltere, weise Pers\u00f6nlichkeiten und verbindet diese mit jungen, mutig hinterfragenden Menschen. Diversity vertritt ein Universum selbst im kleinsten Anteil jedes Diskurses. Und braucht in dieser Selbstverst\u00e4ndlichkeit kein weiteres Wort mehr \u00fcber die tragende Bedeutung von Frauen zu f\u00fchren, weil diese die Chance haben, sie t\u00e4glich zu praktizieren. Nicht alle Frauen werden auf die Chefetagen wollen; jenen aber, die es wirklich wollen, werden keine Steine mehr in den Weg gelegt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nInnovation beginnt bei der Heterogenit\u00e4t in der Zusammensetzung der Vorstands- und Executivepositionen. Diese sind mit gescheiten, kritischen, zukunftsorientierten und mit R\u00fcckgrat ausstaffierten Nachhaltigkeitsleadern best\u00fcckt, die sich sowohl f\u00fcr die Wirtschaftlichkeit als auch f\u00fcr Umwelt, Mensch und Diversity engagieren. Sie sind ein Schulterschluss zwischen der alten Welt und der neuen digitalisierten Realit\u00e4t, die alles sofort und \u00fcberall transparent macht.&#13;<\/p>\n<h2>Zweite Vision: Der Mehrwert weiblicher F\u00fchrungskr\u00e4fte wird gew\u00fcrdigt, gewollt und bef\u00f6rdert<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDamit Frauen bestehenden Konzernen und KMU auf obersten F\u00fchrungsebenen ihr Kapital zur Verf\u00fcgung stellen, m\u00fcssen sie in ihrem Mehrwert explizit gew\u00fcrdigt, gewollt und bef\u00f6rdert werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nFrauen, vorab die Generation Y<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>, k\u00e4mpfen nicht mehr um Anerkennung. Sie wissen, was sie wert sind. Und sind w\u00e4hlerisch geworden, wem sie ihr K\u00f6nnen und ihre Lebenszeit zur Verf\u00fcgung stellen und zu welchem Preis. Ihr Lebensmodell ist multioptional, und sie gehen genauso schnell, wie sie kommen, wenn sie unterminiert werden. Oder sie machen sich selbstst\u00e4ndig und leben ihre eigene Wert- und Unternehmenskultur.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEffiziente Top-Level-Gremien m\u00fcssen weiblicher werden. Frauen eignen sich erstklassig auch als globale Agentinnen in Nachhaltigkeitsfragen. Sie haben die Synapsen zwischen Ethik, \u00d6konomie und \u00d6kologie quasi einprogrammiert. Nur mit vernetztem und interdisziplin\u00e4rem Denken sind Umdenken und Zukunftsf\u00e4higkeit m\u00f6glich. Frauen denken anders als M\u00e4nner. Sie werten und hinterfragen anders. Dieses Anders-Sein ist ein Riesenkapital f\u00fcr den Erfolg jedes Unternehmens.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nViele Frauen sind in den Bereitschaftspositionen zum grossen Sprung auf die obersten Karriereleitern der Konzerne; Akademikerinnen, mobil, mehrsprachig, international orientiert, hoch ambitioniert und kompromisslos, wenn es um Anspr\u00fcche an die eigene Leistung und den Arbeitgeber geht, wollen nach oben. Desolate Diskussionen um Frauenthemen m\u00f6gen sie nicht mehr. Sie wissen, was sie k\u00f6nnen und wollen. Mit einer fast rigiden Haltung des \u00abTake it or leave it\u00bb fordern sie, was sie selber f\u00f6rdern: Abstand von jedem Mittelmass und 24\/7-Eins\u00e4tze: Erreichbarkeit rund um die Uhr, digital vernetzt und mit der ganzen Welt im Kontakt, wollen sie Einfluss nehmen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDiese neue Frauengeneration fordert ein oder geht. Gerade die Schweiz ist nicht selten \u00fcberfordert von so viel Klarheit und Commitment. Sie dokumentiert fast t\u00e4glich eindr\u00fccklich, wie sehr solche Frauen auch Angst machen. Damit kommen nur m\u00e4nnliche Leader mit ebensolchen Profilen und Leistungsprinzipien klar. Wenn sie es schaffen, mit solchen High-Profile-Teams zu konzipieren, sind sie schlagkr\u00e4ftig, hoch intelligent und gut diversifiziert aufgestellt und k\u00f6nnen auch h\u00f6chst komplexe Aufgabenstellungen meistern.&#13;<\/p>\n<h2>Dritte Vision: Neue Unternehmenskulturen erm\u00f6glichen Karriere und Familie<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nFrauen machen Karriere nicht prim\u00e4r um der Karriere und des Status willen, sondern weil sie einen messbaren Beitrag f\u00fcr eine bessere Welt leisten und eine sinnvolle Investition ihrer Lebenszeit und ihrer Skills wollen. Alles andere ist sekund\u00e4r.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDiese Frauen haben den zus\u00e4tzlichen Anspruch, Partnerschaft und Kinder mit einem aufgeschlossenen Arbeitgeber so zu timen und zu koordinieren, dass selbst Familie und Karriere m\u00f6glich sind. Hier werden also auch die Anspr\u00fcche an flexible Arbeitszeitmodelle f\u00fcr Kader beiden Geschlechts und zeitgem\u00e4sse Arbeitsmodalit\u00e4ten apriorisch gefordert und realisiert. Innovation und Experimentierfreudigkeit sind ein Bestandteil hoher Motivation und f\u00f6rdern den ganzen Menschen in seinen Anspr\u00fcchen an ein ganzheitlich gelebtes Leben in verschiedenen Rollen zur gleichen Zeit. Neue Unternehmenskulturen entstehen hier.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNeue F\u00fchrungsgremien auf Top-Level haben noch einen weiteren gemeinsamen Nenner: Ethik und Nachhaltigkeit f\u00fcr die Welt von morgen glaubw\u00fcrdig, verbindlich und zielf\u00fchrend zu definieren und zu steuern. Frauen sorgen sich um die Zukunft. Sie sind am Puls des Lebens, verbunden mit ihrer Besorgtheit um den Zustand der Welt f\u00fcr ihre Kinder und deren Nachfolgegenerationen. Was immer Frauen bewegen, hat in der Regel mit ihrem Beitrag zu einer besseren Welt zu tun. Dies erkl\u00e4rt wohl auch, weshalb so viel Pro-bono-Arbeit durch Frauen geleistet wird.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn der Wirtschaft sind sich Frauen dessen inzwischen sehr wohl bewusst. Sie erwarten deshalb auch, dass Lohn- und Karriereverhandlungen nicht \u00aberk\u00e4mpft\u00bb, sondern als Zeichen der Wertsch\u00e4tzung offeriert werden. Dies ist eine weibliche Prim\u00e4rmotivation im Doppelpaket, das \u2013 bei Nichteinhalten \u2013 nicht selten in einer wenigstens inneren K\u00fcndigung landet. Dass sie dabei auch den Anspruch haben, nicht alles auf eine Karte zu setzen, sondern vielmehr die Balance von Leistung im Beruf und Leistung als Mutter und Partnerin auszutarieren, versteht sich von selbst.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Vision integriert den tiefen Wunsch nach m\u00e4nnlichen Partnern, die ebensolche Anspr\u00fcche an Arbeit und Leben haben und als echte Partner auf Augenh\u00f6he mit diesen ambitionierten, hoch leistungsf\u00e4higen, aber auch in ihrem Frausein verankerten \u00abT\u00f6chtern\u00bb zu kooperieren. Auch hier wird mit neuen Rollenmodellen lustvoll experimentiert, und alte Z\u00f6pfe werden genauso lustvoll eliminiert. Partnerschaft kann beim Wort genommen werden. Und dies beinhaltet auch, dass unsere T\u00f6chter vielleicht mehr verdienen und hierarchisch weiter oben stehen als ihre Partner \u2013 und dennoch als Frauen wahrgenommen und geliebt werden.&#13;<\/p>\n<h2>Vierte Vision: Leadership-Prinzipien werden beim Wort genommen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nKarriere hat zu tun mit sinnvollem Leben und Wirken. Frauen haben hierin elementare Anspr\u00fcche und betrachten Leadership immer auch als Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung erster G\u00fcte. Es muss Freude und Spass machen, \u00fcber sich hinauszuwachsen und t\u00e4glich dazuzulernen. Karriere erf\u00e4hrt hierbei die Konnotation auch des Wachsens an Widerst\u00e4nden, des Lernens aus Fehlern, des Authentisch-Seins und des an Grenzen Wachsens: Karriere ist hierbei sinngebendes Motiv und der Boden, auf dem pers\u00f6nliches Wachstum gedeiht.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Umgang mit dem kostbaren Gut Zeit wird besonders sorgsam \u00fcberwacht. Weniger ist mehr, und das wenige muss es wert sein. Motiviert wird \u00fcber gelebte Werte, die immer auch Vorbild und Orientierung in einer h\u00f6chstdiversifizierten Welt bieten und fast schon Familienersatz anbieten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie digital vernetzte Welt bildet alles sofort ab, was ist. M\u00f6gen unsere T\u00f6chter mit weiteren Visionen all das tun und lassen, was viele Generationen vor ihnen aufbereiteten: Hinter ihnen liegen Jahrtausende History. W\u00e4hrend M\u00e4nner weitgehend Geschichte geschrieben und Frauen Geschichte gemacht haben (Rosalind Myles), schreiben wir hoffentlich zusammen ein neues Buch: Visionen f\u00fcr Menschen, die sich der Toleranz, dem Miteinander, dem interkulturellen Dialog und der Diversity verpflichtet haben. In einer globalisierten Welt kompletter Deregulierung geben sie sich kraft ihrer Toleranz und ihres historischen Learnings die Hand und suchen gemeinsam den gr\u00f6sstm\u00f6glichen Nenner, um dieser Welt eine Br\u00fccke in eine lebbare Zukunft zu bauen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nUnsere T\u00f6chter sind die Chefinnen der Zukunft, die Respekt und Nachhaltigkeit auf ihrer Fahne tragen und jene Verantwortung \u00fcbernommen haben, die den Planeten Erde von einer r\u00fccksichtslos oft nur pekuni\u00e4r fehlgeleiteten Gier nach immer mehr ein St\u00fcck weit herausl\u00f6sen. Wirtschaft im Dienste der Gesellschaft eben \u2013 aber auch im Dienste eines Planeten, der ausgebeutet wurde und eine Atempause braucht. Die weiblich sein kann.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Generation der nach 1980 Geborenen, die etwa um das Jahr 2000 zu den Teenagern z\u00e4hlten. Nachfolgegeneration der Generation X.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Studie der American Management Association (AMA) hat vor Jahren bereits ausdr\u00fccklich festgehalten, dass die Qualit\u00e4t der Heterogenit\u00e4t von Teams \u00fcber Produktivit\u00e4t und Profitabilit\u00e4t entscheide. 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Die Visionen sind nicht prim\u00e4r gendermotiviert. Sie sind vielmehr motiviert vom Nutzen und von der Dringlichkeit des weiblichen Einflusses in f\u00fchrenden Konzernen, um ein Umdenken in Richtung Nachhaltigkeit und Ethik f\u00fcr unsere nachfolgenden Generationen zu bewirken.","post_hero_image_description":"Viele Frauen sind in den Bereitschaftspositionen zum grossen Sprung auf die obersten Karriereleitern der Konzerne. 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Die Untersuchung lieferte folgende Ergebnisse:&#13;\n<ul>&#13;\n\t<li>Heterogenit\u00e4t im Sinne einer Durchmischung von Geschlechtern, ethnischer Abstammung und Altersgruppen im F\u00fchrungskader korreliert mit einer besseren Unternehmensleistung.<\/li>&#13;\n\t<li>F\u00fchrungsteams mit einem betr\u00e4chtlichen Anteil von Pers\u00f6nlichkeiten, die von ausserhalb der Unternehmung stammen, leisten mehr als Gremien, die durch Bef\u00f6rderungen innerhalb der Firma entstanden.<\/li>&#13;\n\t<li>Unternehmen, deren F\u00fchrungskader auch Personen enthalten, die j\u00fcnger als 40 Jahre sind, zeigen bessere Ergebnisse als Firmen mit durchwegs \u00e4lteren Managern.<\/li>&#13;\n<\/ul>"},{"kasten_title":"Publikationen der Autorin","kasten_box":"Das neueste Management-Buch wird im September 2014 bei Orell F\u00fcssli erscheinen. Die drei letzten erschienenen B\u00fccher sind:&#13;\n<ul>&#13;\n\t<li>Buholzer Sonja A. (2010): Die Frau im Haifischbecken. 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