{"id":117825,"date":"2014-06-01T12:00:00","date_gmt":"2014-06-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2014\/06\/keller-8\/"},"modified":"2023-08-23T23:18:12","modified_gmt":"2023-08-23T21:18:12","slug":"keller-7","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2014\/06\/keller-7\/","title":{"rendered":"Die Kraft der Rollenbilder in der Karriere von Frauen in Naturwissenschaften und Technologie"},"content":{"rendered":"<p>Die Metapher der gl\u00e4sernen Decke illustriert die Situation der Frauen: Sie haben die M\u00f6glichkeit, mitzuentscheiden und Einfluss zu nehmen, zwar in Sichtweite; der Zugang dazu bleibt jedoch verwehrt. Ein anderes Bild, um zu zeigen, warum mehr M\u00e4nner als Frauen in der Physik forschen und lehren, verwendet die Physikprofessorin Amy Bug: das der \u00abunsichtbaren Gegenstr\u00f6mung\u00bb.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nOffenbar \u00fcben stereotype Rollenbilder von Frauen und M\u00e4nnern eine Art unsichtbare Kraft gegen Forscherinnen und Dozentinnen aus. Das f\u00f6rderte Amy Bugs Experiment<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> zutage, in dem Schauspielerinnen und Schauspieler vor verschiedenen Klassen nach gleichem Drehbuch Physik lehrten und anschliessend von den Studierenden bewertet wurden. Die Auswertung zeigte, dass \u00abder Professor\u00bb im Schnitt als f\u00e4higer beurteilt wurde als \u00abdie Professorin\u00bb. Dieses Experiment zeigt wie viele Studien auch, dass wir uns bei der Beurteilung anderer Menschen von impliziten Rollenbildern leiten lassen. Das bedeutet f\u00fcr eine Wissenschaftlerin in einer M\u00e4nnerdom\u00e4ne wie der Physik, dass sie von der Mehrheit der Studierenden und Fachleute weniger gut bewertet wird als ihr Kollege, trotz gleich gutem oder besserem Leistungsausweis.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDieses implizite Voreingenommensein ist ein kaum sichtbarer Nachteil, der sich mit der Zeit akkumuliert und weitreichende Folgen f\u00fcr die Karriere einer Wissenschaftlerin hat. Sie erlebt im Laufe ihrer Forschert\u00e4tigkeit, wie Kollegen mit gleichem oder geringerem Leistungsausweis zus\u00e4tzliche Forschungsmittel oder Auszeichnungen erhalten. Und sie wundert sich, warum sie trotz anerkannter Forschungsresultate und viel zitierter Publikationen immer wieder \u00fcbergangen wird. Im schlimmsten Fall treibt es sie aus der Akademie.&#13;<\/p>\n<h2>Transparenz und Grunds\u00e4tze f\u00fcr die Mittelverteilung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUm zu vermeiden, dass Frauen aus der akademischen Laufbahn gedr\u00e4ngt werden, gibt es seit einigen Jahren verschiedene Initiativen an der ETH Z\u00fcrich wie <i>Fix the Leaky Pipeline!<\/i> oder die Sensibilisierungskampagne <i>Check Your Stereotypes.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a><\/i> Dennoch \u00f6ffnet sich nach dem Doktorat weiterhin die Schere zwischen M\u00e4nnern und Frauen, die eine wissenschaftliche Karriere in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik (Mint) verfolgen.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Zur gew\u00e4hlten Professur schaffen es noch immer ganz wenige Frauen: Ende 2013 waren es an der ETH Z\u00fcrich gerade 39 Professorinnen gegen\u00fcber 360 Professoren. Doch der professorale Nachwuchs l\u00e4sst Hoffnung aufkommen: Unter den Assistenzprofessuren (auf maximal sechs Jahre befristet) gibt es 22 Frauen gegen\u00fcber 58 M\u00e4nnern.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrossen Einfluss auf die akademische Laufbahn haben zur Verf\u00fcgung stehende Forschungsgelder, Laborpl\u00e4tze und Personal. \u00dcber solche Ressourcen entscheiden Gremien, die mehrheitlich oder ausschliesslich aus M\u00e4nnern bestehen; sie sind die H\u00fcter \u00fcber deren Informationen und Verteilung. Damit Forscherinnen und Professorinnen nicht wegen der \u00abunsichtbaren Gegenstr\u00f6mung\u00bb benachteiligt werden, braucht es Transparenz und Grunds\u00e4tze \u00fcber die vorhandenen Mittel und deren Verteilung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEine Option w\u00e4re, Gremien wie zum Beispiel die Forschungskommission der ETH Z\u00fcrich parit\u00e4tisch mit M\u00e4nnern und Frauen zu bestellen. \u00c4hnliche Massnahmen ergreift das Research Council of Norway, das gezielt die Frauen in Budgetfragen einbezieht, weil es darin den Schl\u00fcssel f\u00fcr ein ausgeglichenes Verh\u00e4ltnis der Geschlechter in Forschung und Lehre erkannt hat.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a>&#13;<\/p>\n<h2>Aufweichen der stereotypen Rollenbilder<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUm die Anliegen der Professorinnen bei den Entscheidungstr\u00e4gern der ETH Z\u00fcrich einzubringen, wurde 2012 das <i>ETH Women Professors\u2019 Forum (ETH WPF)<\/i> gegr\u00fcndet. Zudem wollen die Professorinnen als Vorbilder junge Frauen dazu bewegen, in Mint-Bereichen zu forschen und Karriere zu machen. Denn ein h\u00f6herer Anteil von Frauen in diesen Bereichen soll stereotype Rollenbilder aufweichen und der Wissenschaft wie der Industrie erm\u00f6glichen, mehr weibliche Talente zu gewinnen. Es ist wichtig, dass die gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse in der Forschung repr\u00e4sentiert sind, zumal die Forschung mit Unterst\u00fctzung der und f\u00fcr die Gesellschaft forscht.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Amy Bug: Swimming Against the Unseen Tide, in: Physics World, August 2010, S. 16\u201317.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Siehe www.fix-the-leaky-pipeline.ch und www.equal.ethz.ch.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">ETH Gender Monitoring 2012\/13: Bericht zur Situation der Gleichstellung von Frauen und M\u00e4nnern in Studium und Wissenschaft.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">The Research Council of Norway: Gender Balance and Gender Perspectives In Research and Innovation \u2013 Policy for the Research Council of Norway 2013\u20132017.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Metapher der gl\u00e4sernen Decke illustriert die Situation der Frauen: Sie haben die M\u00f6glichkeit, mitzuentscheiden und Einfluss zu nehmen, zwar in Sichtweite; der Zugang dazu bleibt jedoch verwehrt. 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