{"id":117891,"date":"2014-05-10T13:12:24","date_gmt":"2014-05-10T13:12:24","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2014\/05\/myrach-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:18:45","modified_gmt":"2023-08-23T21:18:45","slug":"myrach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2014\/05\/myrach\/","title":{"rendered":"Wie Unternehmen die Datenflut bew\u00e4ltigen und f\u00fcr sich nutzen"},"content":{"rendered":"<p>Die Verbreitung von Informations- und Kommunikationstechnologien hat in Unternehmen zu einer immer weiter gehenden und genaueren Erfassung von betriebsrelevanten Sachverhalten gef\u00fchrt. Neben der Erfassung rein innerbetrieblicher Vorg\u00e4nge sind auch die Schnittstellen zur Aussenwelt und die Interaktionen mit Kunden und Lieferanten von grosser Bedeutung.&#13;<\/p>\n<h2>Der Kunde steht im Zentrum des Interesses<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Verfolgen des Kundenverhaltens \u2013 und allenfalls auch der Kundeneinstellungen\u00a0\u2013 ist aus der Perspektive des Marketings ein vorrangiger Informationsgegenstand. Das moderne Konzept des <i>Customer Relationship Management (CRM)<\/i> legt den Fokus auf einen spezifischen Kunden und dessen Verhalten. Voraussetzung f\u00fcr die m\u00f6glichst individuelle Behandlung des einzelnen Kunden ist eine umfassende Datensammlung, die m\u00f6glichst alle Kundeninteraktionen an den verschiedenen Kontaktpunkten eines Unternehmens zu registrieren versucht. Moderne Unternehmen richten oftmals verschiedene Kontaktkan\u00e4le ein, \u00fcber die Kunden mit dem Unternehmen und seinen Produkten interagieren k\u00f6nnen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKlassisch ist der Kontakt in einem Ladenlokal, in dem Kunden die Produkte ausgestellt vorfinden und sie auch kaufen k\u00f6nnen. Die Verkaufspunkte in den L\u00e4den sind mittlerweile typischerweise in zentralisierte Informationssysteme eingebunden, die jede einzelne Verkaufsposition registrieren und in den entsprechenden Systemen auf vielf\u00e4ltige Weise weiterverarbeiten. Grossverteiler wie Migros oder Coop betreiben in etlichen Filialen in den verschiedenen Landesteilen eine grosse Zahl von Kassensystemen, bei denen t\u00e4glich eine enorme Menge von Transaktionen anf\u00e4llt. Der Informationswert dieser Daten kann durch die Zuordnung der Transaktionen zu einzelnen Kunden noch gesteigert werden, was etwa Kundenkarten erm\u00f6glichen.&#13;<\/p>\n<h2>Gesammelte Daten nutzbar machen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMit den gesteigerten M\u00f6glichkeiten der Aufzeichnung relevanter Vorg\u00e4nge geht die Problematik einer effektiven Verarbeitung der generierten Datenmengen einher. In manchen F\u00e4llen werden erhobene Daten nicht sachgerecht weiterverarbeitet, und so wird das Informationspotenzial der erhobenen Datenberge nicht effektiv genutzt.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Dieser Befund ist nicht einmal prim\u00e4r der Verarbeitungsproblematik von grossen Datenmengen geschuldet. Als wesentliche Ursache ist das Entstehen von organisatorischen und technischen Silos zu nennen, die das Zusammenfassen von Daten \u00fcber gleiche Objekte sehr erschweren k\u00f6nnen.Um die Integrations- und Auswertungsprobleme \u00fcber heterogene Datenbest\u00e4nde in den Griff zu bekommen, ist das Konzept des <i>Data Warehouse<\/i> entstanden. Daten aus den verschiedenen Anwendungssystemen werden mithilfe einiger Transformationsschritte zu einer einheitlichen Datenbasis zusammengetragen und f\u00fcr Auswertungszwecke geeignet strukturiert. Diese Datenbasis l\u00e4sst sich dann mithilfe von interaktiven Werkzeugen \u2013 wie dem <i>Online Analytical Processing<\/i> und dem <i>Data Mining<\/i> \u2013 auswerten. Am Konzept des Data Warehouse zeigt sich, dass die Bew\u00e4ltigung grosser und heterogener Datenmengen eine strukturelle und eine analytische Komponente beinhalten kann.&#13;<\/p>\n<h2>Pflege der Kundenbeziehung dank Webanalyse<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSeit den 1990er-Jahren haben im Zusammenhang mit dem Internet und dem Mobilfunk neue Kundenkontaktkan\u00e4le zunehmend an Bedeutung gewonnen. Diese Technologien bieten systeminh\u00e4rent weitgehende M\u00f6glichkeiten, das Verhalten von Kunden zu registrieren. Im Internet kann jeder Abruf einer Webseite protokolliert werden. Dies geschieht am einfachsten durch Anlegen und Auswerten von Logdateien. Mit einer systematischen Webanalyse l\u00e4sst sich das Kundenverhalten auf dem eigenen Webauftritt auch abseits des eigentlichen Verkaufs erfassen. Dabei entstehen schnell grosse Datenmengen, die f\u00fcr Auswertungszwecke verdichtet und angereichert werden m\u00fcssen. Die Verarbeitung dieser Daten erfordert spezielle Analysewerkzeuge. Die Informationen \u00fcber Benutzer eines Webauftritts und deren Verhalten k\u00f6nnen unmittelbar umgesetzt werden, um ihren vermeintlichen Bed\u00fcrfnissen entgegenzukommen und ihr Verhalten im Sinne der Marketingziele zu beeinflussen. Die Schl\u00fcsseltechnologie dazu ist die Personalisierung, mit der eine dynamische Ausgestaltung von Webauftritten im Hinblick auf bestimmte Benutzer erfolgt. Analog zu Instrumenten des Data Mining kann das Verhalten aller Kunden analysiert und daraufhin automatisiert in CRM-Massnahmen umgesetzt werden. Eine durch popul\u00e4re Webauftritte wie Amazon bekannt gewordene Technik ist etwa das <i>Collaborative Filtering.<\/i> Auf der Basis einer Analyse des Verhaltens aller Benutzer oder einer bestimmten Benutzergruppe sind Schlussfolgerungen \u00fcber das Verhalten in einem konkreten Einzelfall m\u00f6glich. Dies wird genutzt, um einem Kunden in einer konkreten Situation eine Kaufempfehlung abzugeben. Ruft ein Benutzer ein bestimmtes Produkt auf, so weist das System gleich auf weitere Produkte hin, die von anderen Kunden mit Interesse f\u00fcr das gleiche Produkt ebenfalls ausgew\u00e4hlt worden sind. Dabei wird unterstellt, dass der Kunde \u00e4hnlich gelagerte Interessen hat und sich deshalb auch f\u00fcr die vorgeschlagenen Produkte interessieren k\u00f6nnte.&#13;<\/p>\n<h2>Der Blick \u00fcber den eigenen Webauftritt hinaus<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nNormalerweise bleibt einem Anbieter das Benutzerverhalten ausserhalb der eigenen Webauftritte verborgen. Das Potenzial von datengetriebenen Marketingmassnahmen steigt unmittelbar, wenn nicht nur das Verhalten der eigenen Kundenbasis ausgewertet werden kann, sondern wenn \u00fcbergreifende Informationen \u00fcber das Verhalten von Kunden im Netz zur Verf\u00fcgung stehen. Hier bieten sich vor allem im R\u00fcckgriff auf die Datenerhebung bei Intermedi\u00e4ren einige M\u00f6glichkeiten. Ansatzpunkt ist dabei vor allem, dass die Erl\u00f6smodelle von etlichen internetbasierten Unternehmen wesentlich auf der Verbreitung von Werbung basieren und diese urs\u00e4chlich mit dem Erfassen von Kundenverhalten und dem Generieren von Kundenprofilen verkn\u00fcpft ist.Im Internet hat sich mittlerweile eine Reihe von Anbietern stark frequentierter Webauftritte mit Portalfunktion etabliert, deren Gesch\u00e4ftsmodell wesentlich auf dem Generieren und Nutzen von Kundendaten beruht. Diese lassen sich f\u00fcr eigene Zwecke nutzen, k\u00f6nnen aber auch anderen Interessenten zug\u00e4nglich gemacht werden. Ein vorrangiges Beispiel sind Suchmaschinen-Anbieter wie Google, bei denen ein Grossteil der Suchanfragen\u00a0\u2013 und damit Interessens\u00e4usserungen von Internetnutzern \u2013 anfallen. Auch Social-Media-Plattformen wie Facebook sind als Datenpool f\u00fcr verschiedene Aktivit\u00e4ten von Benutzern von Bedeutung. Die Nutzung der Dienstleistungen derartiger Plattformen ist vordergr\u00fcndig kostenfrei. Es muss den Benutzern jedoch bewusst sein, dass sie f\u00fcr die Nutzung letztlich mit ihren Daten bezahlen, die von den Plattformen erhoben und ausgewertet werden.&#13;<\/p>\n<h2>Soziale Medien erschliessen pers\u00f6nliche Meinungen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWeitere M\u00f6glichkeiten zur Sammlung von Daten \u00fcber Kundenverhalten bieten sich durch das Auswerten von \u00f6ffentlich verf\u00fcgbaren Daten, die im Internet zur Verf\u00fcgung stehen. Durch die intensive Nutzung des Internets ist eine Art virtueller \u00d6ffentlichkeit entstanden. Insbesondere die sozialen Medien verleiten viele Menschen zu einer Preisgabe von pers\u00f6nlichen Informationen sowie von Meinungen und Einstellungen zu einer Vielzahl von Themen. Dies geschieht etwa \u00fcber Blogs, Forumsbeitr\u00e4ge bei Online-Communities, Kommentare auf diversen Webauftritten oder Eintr\u00e4ge auf Social-Media-Plattformen. F\u00fcr Unternehmen sind vor allem Meinungen \u00fcber das Unternehmen selbst und speziell \u00fcber eigene Produkte von hohem Interesse.Die systematische Beobachtung und Auswertung aller ver\u00f6ffentlichten Informationen im World Wide Web, soweit sie einen Bezug zu einem Unternehmen, seiner Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit und seinen Produkten haben, ist ein neuartiges Handlungsfeld des betrieblichen Informationsmanagements. Die Daten m\u00fcssen ausgewertet und allenfalls in konkrete kommunikative oder sonstige Marketingmassnahmen umgesetzt werden. Als besondere Schwierigkeit erweisen sich unter anderem die sehr grosse Zahl m\u00f6glicher relevanter Ver\u00f6ffentlichungen, die sehr verschiedenen und heterogenen Quellen und die unterschiedlichen verwendeten Sprachen.&#13;<\/p>\n<h2>Virales Marketing: Ein heikles Terrain<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Interesse eines Unternehmens steht es nat\u00fcrlich, positive Meldungen hervorzurufen und deren Verbreitung zu beg\u00fcnstigen. Eine einfache Massnahme besteht darin, auf dem eigenen Webauftritt die Abgabe von Kundenkommentaren zu erm\u00f6glichen. Ein aufwendigeres Konzept ist die Etablierung einer eigenen Online-Community, in der sich Interessierte \u00fcber ein Unternehmen und seine Produkte austauschen k\u00f6nnen. Das virale Marketing macht sich die Weitergabe von Meinungen im Internet zunutze. Aufh\u00e4nger sind dabei vor allem originelle Werbemassnahmen, die \u00fcber die Hinweise und Weiterempfehlungen im Internet eine breite Aufmerksamkeit erhalten und zudem \u00fcber das Erzeugen von Backlinks die Relevanz einer entsprechenden Aktion etwa bei Suchmaschinen erh\u00f6hen.Die Weitergabe von Benutzerurteilen hat f\u00fcr Unternehmen nicht nur positive Seiten. Ebenso rasch verbreiten sich auch negative Meldungen, die damit eine ungleich gr\u00f6ssere Breitenwirkung erfahren k\u00f6nnen. Individuelle negative Erlebnisse finden relativ schnell den Weg in die \u00d6ffentlichkeit und werden \u00fcber verschiedene Medien potenziert. Dies kann zu heftigen, breit abgest\u00fctzten Aktionen gegen ein Unternehmen f\u00fchren. Derartige \u00abShitstorms\u00bb sind bereits wiederholt aufgetreten und haben bei den betroffenen Unternehmen zu ernst zu nehmenden Reputationssch\u00e4den gef\u00fchrt. Ein Unternehmen muss sich gegen solche Ereignisse wappnen und daf\u00fcr geeignete Kommunikationsstrategien zurechtlegen.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">In diesem Zusammenhang wird auch davon gesprochen, dass heutige Unternehmen datenreich, aber informationsarm seien (data rich but information poor).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Verbreitung von Informations- und Kommunikationstechnologien hat in Unternehmen zu einer immer weiter gehenden und genaueren Erfassung von betriebsrelevanten Sachverhalten gef\u00fchrt. 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Moderne betriebswirtschaftliche Konzepte sind vielfach datengetrieben. So ben\u00f6tigt das Management der Kundenbeziehungen eine umfassende Information \u00fcber Verhalten und Einstellungen der Kunden. Internet und Mobilfunktechnologien kommen dem entgegen, indem sie eine genaue Analyse des Kundenverhaltens erm\u00f6glichen. Dar\u00fcber hinaus erzeugen soziale Medien eine neue Art der virtuellen \u00d6ffentlichkeit. Die Unternehmen m\u00fcssen die damit verbundenen Herausforderungen in ihrem betrieblichen Informationsmanagement ber\u00fccksichtigen.","post_hero_image_description":"Kunden k\u00f6nnen heute \u00fcber verschiedene Kan\u00e4le mit dem Unternehmen und seinen Produkten interagieren. Deshalb geht es darum, m\u00f6glichst alle Interaktionen an den verschiedenen Kontaktpunkten zu registrieren. 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