{"id":117900,"date":"2014-05-10T13:04:04","date_gmt":"2014-05-10T13:04:04","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2014\/05\/aberer-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:18:25","modified_gmt":"2023-08-23T21:18:25","slug":"aberer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2014\/05\/aberer\/","title":{"rendered":"Die Nutzung der Cloud bedingt eine sorgf\u00e4ltige Analyse der Risiken"},"content":{"rendered":"<p>Was genau ist Cloud-Computing? Aus technischer Sicht basiert es insbesondere auf dem Konzept der <i>Virtualisierung<\/i> von Rechnerressourcen. Virtualisierung unterst\u00fctzt die Entkoppelung der Hardwareressourcen von den Softwarediensten. So k\u00f6nnen Clouds beispielsweise mehreren Nutzern auf Basis desselben physischen Rechners eigene virtuelle Rechner zur Verf\u00fcgung stellen. Voraussetzung zur effizienten Virtualisierung sind Rechnerarchitekturen, die viele Rechner zu Clustern verkn\u00fcpfen, sowie allgemein die rasche Steigerung der Leistungsf\u00e4higkeit von Rechnern und Netzwerken. Durch Virtualisierung k\u00f6nnen Rechnerressourcen auf verschiedenen Ebenen verf\u00fcgbar gemacht werden: Infrastrukturen wie virtuelle Rechner oder Speichermedien <i>(Infrastructure as a Service, IaaS),<\/i> Plattformen wie Datenbanksysteme oder Webserver <i>(Platform as a Service, PaaS)<\/i> und schliesslich Anwendungsservices wie E-Mail oder Dokumentmanagement <i>(Service as a Service, SaaS).<\/i>&#13;<\/p>\n<h2>Rechenkapazit\u00e4t wird flexibel erwerbbar<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nVirtualisierung erm\u00f6glicht auch neue Gesch\u00e4ftsmodelle. Diese repr\u00e4sentieren die eigentliche Innovation von Cloud-Computing. Rechnerressourcen k\u00f6nnen bei Bedarf gemietet werden <i>(Pay per Use),<\/i> was eine Verschiebung von Investitionskosten zu operationellen Kosten erm\u00f6glicht. Zus\u00e4tzlich k\u00f6nnen Ressourcen bedarfsabh\u00e4ngig erworben werden. Bei Bedarfsspitzen \u2013 z. B. Anwendungen, die pl\u00f6tzlich eine grosse Anzahl von Benutzerzugriffen verarbeiten m\u00fcssen \u2013 k\u00f6nnen rasch grosse Ressourcen erworben und anschliessend wieder freigegeben werden. Diese Eigenschaft von Cloud-Computing wird als <i>Elastizit\u00e4t<\/i> bezeichnet. Dadurch, dass viele Anwender dieselben physischen Ressourcen teilen, lassen sich auch <i>Skaleneffekte<\/i> realisieren, indem der administrative und technische Aufwand pro Rechnereinheit wesentlich geringer wird. Die gr\u00f6ssere Effizienz von Cloud-Computing f\u00fchrt nicht nur zu \u00f6konomischen Vorteilen, sondern auch zu einer potenziell effizienteren Nutzung von Ressourcen. Dies betrifft insbesondere die elektrische Energie, den zentralen Kostenfaktor heutiger Informationstechnologie. Cloud-Computing kann also zur <i>Nachhaltigkeit der Informationstechnologie<\/i> beitragen. Allerdings ist Cloud-Computing nicht immer automatisch die \u00f6konomisch g\u00fcnstigere Alternative. Gerade Big-Data-Anwendungen, welche die Speicherung grosser Datenmengen erfordern, sind oft nicht sehr stark auf Elastizit\u00e4t angewiesen. Zudem erfordern sie oft grosse Datentransfers, die \u00fcber externe Netzwerke sehr kostspielig und langwierig sein k\u00f6nnen. In solchen F\u00e4llen k\u00f6nnen traditionelle lokale L\u00f6sungen eine \u00f6konomisch durchaus interessante Alternative sein.&#13;<\/p>\n<h2>Wie steht es um die Sicherheit?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAngesichts all der offensichtlichen Vorteile von Cloud-Computing stellt sich die Frage, wo die potenziellen Probleme liegen. Diese sind klar mit neuen Sicherheitsrisiken und rechtlichen Fragestellungen verbunden. Cloud-Computing schafft neuartige <i>technische Risiken,<\/i> die aus der Nutzung gemeinsamer Infrastrukturen resultieren. Es ist zum Beispiel nicht v\u00f6llig auszuschliessen, dass Programme eines Anwenders durch detaillierte statistische Analysen vertrauliche Informationen \u00fcber Programme anderer Anwender erlangen k\u00f6nnen. Da Infrastrukturen verschiedener Cloud-Plattformen technisch nicht kompatibel sind, ergibt sich zudem das Problem, dass Anwender nicht ohne gr\u00f6sseren Aufwand den Cloud-Provider wechseln k\u00f6nnen <i>(Lock-in).<\/i> Die gr\u00f6ssten Probleme stellen sich allerdings in Bezug auf die <i>Datensicherheit<\/i>. Grunds\u00e4tzlich sind Daten in der Cloud unterschiedlichen Risiken ausgesetzt. Wir k\u00f6nnen drei Problembereiche identifizieren:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>die autorisierte oder unautorisierte Nutzung der Daten durch den Cloud-Provider, beispielsweise durch die Analyse von Kundendaten zur Platzierung von Werbeangeboten;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>kriminelle Attacken auf die Systeme von Cloud-Providern, sowohl von externen Angreifern als auch von Insidern. Die j\u00fcngsten F\u00e4lle von Diebstahl sensitiver Benutzerdaten \u2013 insbesondere Passw\u00f6rter \u2013 zeugen klar von dieser Problematik;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>der unerw\u00fcnschte Zugriff auf Daten durch staatliche Organisationen. Der Snowden-Skandal, bei dem die weitreichenden \u00dcberwachungsaktivit\u00e4ten der US-amerikanischen Geheimdienste einer breiten \u00d6ffentlichkeit bewusst gemacht wurden, zeigt wohl nur einen Teil des Problems auf.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nAllerdings sollte man sich bewusst sein, dass lokale Rechenzentren in vielen F\u00e4llen denselben Risiken ausgesetzt sind. Und nicht immer kann davon ausgegangen werden, dass das Sicherheitsmanagement dort von h\u00f6herer Qualit\u00e4t ist als bei einem Cloud-Provider.&#13;<\/p>\n<h2>Viele rechtliche Fragen sind noch ungel\u00f6st<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWas die Sicherheits- und Datenschutzproblematik bei der Nutzung von Clouds so schwierig macht, ist die komplexe rechtliche Situation. Gesetzgebungen unterschiedlicher L\u00e4nder greifen ineinander. Gesetzgeber haben M\u00fche, mit der technischen Entwicklung und den neuen Realit\u00e4ten Schritt zu halten. Anwender sind zutiefst verunsichert durch die die daraus resultierenden Unklarheiten und Risiken sowie den entstehenden Mangel an Vertrauen in die verschiedenen Akteure. Ein typisches Problem entsteht aus der Tatsache, dass Cloud-Provider Teile ihrer Aktivit\u00e4ten outsourcen. So nutzt zum Beispiel Dropbox die Webservice-Infrastruktur von Amazon. Die sich daraus ergebenden vertraglichen Abh\u00e4ngigkeiten und rechtlichen Gegebenheiten sind letztendlich f\u00fcr einen Nutzer \u2013 und selbst f\u00fcr Experten \u2013 praktisch undurchschaubar. Aus Sicht von Forschungseinrichtungen und Universit\u00e4ten ergeben sich aus der rechtlichen Lage schwerwiegende Probleme zur Nutzung der Cloud. Bei strenger Auslegung der gesetzlichen Rahmenbedingungungen\u00a0\u2013 zum Beispiel betreffend den Austausch von internen Dokumenten \u2013 wird die Nutzung von \u00f6ffentlichen Cloud-Plattformen praktisch unm\u00f6glich. Dies f\u00fchrt wiederum zu signifikanten Nachteilen in Bezug auf Arbeitseffizienz, beispielsweise im Bereich der kollaborativen Dokumentbearbeitung oder der Nutzung mobiler Plattformen. Dienste f\u00fcr Mitarbeitende und Studenten, die auf Cloud-Plattformen im Ausland aufbauen, sind h\u00f6chst problematisch, da pers\u00f6nliche Daten \u00fcbermittelt werden. Eine L\u00f6sung ist es, Vereinbarungen mit Cloud-Providern zu treffen, Daten nur innerhalb des Landes oder in L\u00e4ndern, mit denen geeignete Abkommen bestehen, zu speichern. Ein solches Abkommen wurde k\u00fcrzlich zwischen Microsoft und den schweizerischen Erziehungsinstitutionen geschlossen.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Dies ist allerdings ein aufwendiger Ansatz und kann auch mit einer verminderten Funktionalit\u00e4t einhergehen, zum Beispiel bei der Nutzung sozialer Netzwerke.&#13;<\/p>\n<h2>Die Cloud als Ziel von Cyber-Attacken<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAus staatlicher Sicht stellt sich im Zusammenhang mit der Cloud insbesondere die Frage des Umgangs mit dem <i>Informationskrieg (Information Warfare<\/i> oder <i>Cyberwar).<\/i> Dieser betrifft den Bereich der Spionage sowohl f\u00fcr staatliche als auch \u00f6konomische Zwecke ebenso wie Attacken auf kritische Infrastrukturen. Informationskrieg ist heutzutage eine Realit\u00e4t, wie die aktuellen Spannungen zwischen den USA und China in diesem Bereich aufzeigen. Die Nutzung dieser Mittel f\u00fcr politische und wirtschaftliche Ziele ist in vielen Staaten mehr oder weniger offen deklarierte Politik. Die Cloud stellt in diesem Zusammenhang ein Ziel solcher Attacken dar, zum Beispiel zur Erlangung vertraulicher Informationen. Sie ist aber auch ein Mittel f\u00fcr Attacken auf andere Infrastrukturen, zum Beispiel im Bereich Verkehr oder Energie. Hier er\u00f6ffnet sich das grundlegende Spannungsfeld zwischen der Nutzung der Cloud-Infrastruktur als kritischem Wettbewerbsfaktor einerseits und dem Schutz der grundlegenden Interessen des Staates andererseits. Angepasste Rahmenbedingungen und Best Practices zur Nutzung der Cloud sind in diesem Zusammenhang ein wesentliches Element; sie k\u00f6nnen die Probleme aber nicht alleine l\u00f6sen. Die Frage stellt sich, in welchem Grad ein Staat bereit ist, in eigene Cloud-Infrastrukturen und die Sicherung der bestehenden Infrastruktur \u2013 zum Beispiel Netzwerke \u2013 zu investieren, um nicht von Infrastrukturen anderer Staaten abh\u00e4ngig zu sein. Es braucht eine sorgf\u00e4ltige Analyse der kritischen Bereiche, bevor die notwendigen Investitionen get\u00e4tigt werden.&#13;<\/p>\n<h2>Wie ist die aktuelle Situation in der Schweiz?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Bild der Lage in der Schweiz ist durchwachsen. Im privaten Sektor hat sich ein \u00d6kosystem von Cloud-Providern entwickelt, die das positive Image und die verl\u00e4sslichen Rahmenbedingungen nutzen, um erfolgreich sichere Datenhaltung insbesondere im Finanzbereich als Service anzubieten. Bei der Nutzung der Cloud sind Schweizer Unternehmen hingegen eher z\u00f6gerlich. Sie sehen insbesondere Sicherheitsrisiken und neue Abh\u00e4ngigkeiten als Haupthindernisse. Im Umfeld der \u00f6ffentlichen Verwaltung hat E-Government Schweiz eine <i>Cloud-Computing-Strategie 2012\u20132020<\/i> erarbeitet, die insbesondere den Aufbau einer \u00abGovernment Cloud\u00bb f\u00fcr Anwendungen mit erh\u00f6htem Sicherheitsbedarf vorsieht.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Diverse Studien analysieren die Risiken und Defizite.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> Insgesamt wird derzeit sehr viel zu dem Thema diskutiert, aber noch nicht allzu viel Konkretes getan. Als eine der ersten Initiativen entwickelt Switch derzeit einen Pilot f\u00fcr eine akademische Cloud. Kommerzielle Anbieter haben inzwischen erste Angebote f\u00fcr Cloud-Services entwickelt, die spezifisch auf \u00f6ffentliche Anwender zugeschnitten sind. Sowohl im \u00f6ffentlichen als auch im Forschungsbereich (siehe <i>Kasten 1)<\/i> ist es klar, dass Cloud-L\u00f6sungen nur durch Zusammenarbeit auf nationaler Ebene \u00f6konomisch sinnvoll zu realisieren sind. Dies stellt sich aufgrund der sehr kleinr\u00e4umigen und f\u00f6deralen Struktur der Schweiz als ein nicht ganz triviales Unterfangen heraus.&#13;<\/p>\n<h2>Digitale Souver\u00e4nit\u00e4t ist nicht umsonst zu haben<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Cloud sollte grunds\u00e4tzlich als Chance betrachtet werden. Die Schweiz bringt viele Voraussetzungen zur Nutzung der Cloud mit: eine hohe Rechtssicherheit, ein exzellentes Bildungs- und Forschungssystem sowie viele Branchen, die auf die Nutzung von Big Data angewiesen sind. Dazu geh\u00f6ren die Finanzbranche und die Pharmaindustrie. Nat\u00fcrlich bringt die Cloud viele Risiken mit sich; Hysterie ist allerdings nicht angebracht. Vielmehr braucht es eine sorgf\u00e4ltige Analyse der Risiken. Dabei wird das langfristige Ziel der digitalen Souver\u00e4nit\u00e4t nicht umsonst zu haben sein, sondern massive Investitionen erfordern.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> Doch angesichts der immensen Bedeutung des Rohstoffs Information sind solche Investitionen sicherlich zu rechtfertigen. Neben den notwendigen Investitionen werden auch eine bessere Koordination der Akteure und eine h\u00f6here Rechtssicherheit unabdingbar sein. Wenn all diese Faktoren zusammenspielen, er\u00f6ffnen sich enorme \u00f6konomische Chancen in Form von effizienterer Informationstechnologie, h\u00f6herer Wettbewerbsf\u00e4higkeit und neuen Gesch\u00e4ftsfeldern. Ein grosses Potenzial liegt aber auch in der Steigerung der Lebensqualit\u00e4t durch Anwendungen in Bereichen wie der Medizin und neuer Formen der sozialen und politischen Interaktion.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Gem\u00e4ss diesem Abkommen wird spezifiziert, in welchen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern Daten gehalten werden k\u00f6nnen, welche die Kontrollm\u00f6glichkeiten sind und dass in Streitf\u00e4llen der Gerichtsstand Schweiz gilt. Vgl. dazu: www.srf.ch\/news\/schweiz\/microsoft-laesst-mit-sich-reden.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Siehe www.egovernment.ch, Umsetzung, Schwerpunkte, Cloud-Computing.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Z.B.: www.switch.ch\/de\/uni\/projects\/cloud; www.satw.ch\/projekte\/projekte\/cloud_computing; www.ta-swiss.ch\/cloud-computing.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Beispielsweise ist es noch relativ \u00fcberschaubar, Infrastrukturservices auf nationaler Ebene aufzubauen, etwa zur Datenhaltung. Komplexere Dienste \u2013 wie zum Beispiel ein kollaboratives Dokumenten\u00admanagement \u2013 erfordern einen ungleich h\u00f6heren Aufwand.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was genau ist Cloud-Computing? Aus technischer Sicht basiert es insbesondere auf dem Konzept der Virtualisierung von Rechnerressourcen. Virtualisierung unterst\u00fctzt die Entkoppelung der Hardwareressourcen von den Softwarediensten. So k\u00f6nnen Clouds beispielsweise mehreren Nutzern auf Basis desselben physischen Rechners eigene virtuelle Rechner zur Verf\u00fcgung stellen. 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