{"id":117922,"date":"2014-05-10T11:41:15","date_gmt":"2014-05-10T11:41:15","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2014\/05\/cachelin-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:18:37","modified_gmt":"2023-08-23T21:18:37","slug":"cachelin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2014\/05\/cachelin\/","title":{"rendered":"Big Data \u2013 die Schattenseite der Informationswirtschaft?"},"content":{"rendered":"<p>Um die Datenberge sind zahlreiche Startups entstanden, welche die Inhalte der Daten sowie deren \u00c4sthetik vermitteln. Durch die steigende Transparenz und die Enth\u00fcllungen rund um die NSA, die nationale Sicherheitsbeh\u00f6rde der USA, verst\u00e4rkt sich der Bedarf an Datensicherheit. Hier bietet sich eine grosse Chance f\u00fcr Schweizer Unternehmen, steht doch die Schweiz seit je f\u00fcr Sicherheit, Diskretion und Stabilit\u00e4t. Auch die bewusste Abgrenzung vom Digitalen wird neue Besch\u00e4ftigungsfelder schaffen. Gerade im Tourismus wird es Betriebe geben, die sich damit vermarkten, dass sie keinen Zugang zum Internet bieten und keine Daten \u00fcber ihre G\u00e4ste sammeln.&#13;<\/p>\n<h2>Big Data als Produktions- und Managementinnovation<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBig Data begr\u00fcndet eine neue Managementphilosophie. Unternehmen glauben, durch ein datengetriebenes Management Kosten zu sparen und Innovationspotenziale zu entdecken. Big Data ist deshalb wesentlich eine <i>Managementinnovation,<\/i> die weniger etwas mit dem <i>Was<\/i> der Wertsch\u00f6pfung zu tun hat, sondern etwas mit dem <i>Wie.<\/i> Auch diese branchenunabh\u00e4ngige Ver\u00e4nderung der Produktion ist volkswirtschaftlich relevant. Erstens entstehen durch die Transformation der Unternehmensf\u00fchrung neue Auftr\u00e4ge f\u00fcr Unternehmensberater sowie Aus- und Weiterbildungsinstitutionen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDurch Big Data sollen die Ressourcen in Wirtschaft und Verwaltung effizienter genutzt werden: Der Versand, das Gesundheitssystem, die Abfallentsorgung und sogar das Humankapital sollen effizienter werden. Big Data wird genutzt, um unpassende Mitarbeitende auszusortieren und die \u00fcbrig bleibende Arbeitskraft m\u00f6glichst produktiv zu nutzen. Die Integration von Big Data in die Produktion ist also zweitens volkswirtschaftlich relevant, weil sie menschliche Wertsch\u00f6pfungspotenziale zerst\u00f6rt.&#13;<\/p>\n<h2>Exponentieller Strukturwandel<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Verf\u00fcgbarkeit der Daten l\u00e4utet eine neue Epoche der Wissens\u00f6konomie ein: Die Daten stellen einerseits eine neue Ressource dar und ver\u00e4ndern anderseits im Sinne des technologischen Fortschritts die Produktionsbedingungen. Das gilt insbesondere f\u00fcr den dritten Sektor. Big Data f\u00fchrt zu einer weiteren Industrialisierung der Dienstleistungen, wobei Maschinen die Menschen auf den Arbeitspl\u00e4tzen verdr\u00e4ngen. Im Arbeitsmarkt duellieren sich immer mehr Algorithmen mit menschlichen Arbeitskr\u00e4ften. Es stellt sich also die Frage, ob der exponentielle Verlauf des technologischen Fortschritts nicht zwingend eine laufende Erh\u00f6hung der strukturellen Arbeitslosigkeit mit sich bringt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBisher zeigt sich, dass Big Data die Transparenz im Arbeitsmarkt erh\u00f6ht. Das f\u00fchrt zu einem \u00abperfekteren\u00bb Arbeitsmarkt und zu einer \u00d6konomisierung der Arbeit. Gewinner der neuen Epoche in der Wissens\u00f6konomie sind die Hochqualifizierten, da die Produktion und die Verwertung der Daten hohe Anforderungen stellen. Weil es auch in Zukunft viele Aufgaben gibt, die von keiner Maschine erledigt werden k\u00f6nnen, ist auch die Arbeit f\u00fcr handwerkliche Berufe und flexible Niedrigqualifizierte gesichert. Verlierer sind Arbeitskr\u00e4fte mit einem mittleren Qualifikationsniveau, die entweder \u00fcber- oder unterqualifiziert sind oder \u2013 anders ausgedr\u00fcckt \u2013 ihre relativen Vorteile gegen\u00fcber der Maschine verlieren.&#13;<\/p>\n<h2>Bessere Lebensqualit\u00e4t, weniger Arbeitspl\u00e4tze<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUm zu einer Bilanzierung von Big Data zu kommen, m\u00fcsste man diese wertschaffenden und -zerst\u00f6renden Effekte bewerten. Auf den ersten Blick scheint die Schweiz durch Offline-Tourismus, Datenverschl\u00fcsselung und -speicherung sowie als Hub der Managerausbildung von Big Data profitieren zu k\u00f6nnen. Doch ist fraglich, ob auf lange Sicht die durch Managementinnovation ausgel\u00f6ste volkswirtschaftliche Wertminderung tats\u00e4chlich kompensiert wird. Man kann Big Data als Schattenseite der Informationswirtschaft betrachten, f\u00fchrt doch der technologische Fortschritt dazu, dass unsere Organisationen quasi \u00fcbereffizient werden. Das steigert zwar die Lebensqualit\u00e4t, ist aber nicht wirklich geeignet, um Arbeitspl\u00e4tze zu schaffen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um die Datenberge sind zahlreiche Startups entstanden, welche die Inhalte der Daten sowie deren \u00c4sthetik vermitteln. Durch die steigende Transparenz und die Enth\u00fcllungen rund um die NSA, die nationale Sicherheitsbeh\u00f6rde der USA, verst\u00e4rkt sich der Bedarf an Datensicherheit. 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