{"id":118123,"date":"2014-04-01T12:00:00","date_gmt":"2014-04-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2014\/04\/weber-26\/"},"modified":"2023-08-23T23:19:14","modified_gmt":"2023-08-23T21:19:14","slug":"weber-25","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2014\/04\/weber-25\/","title":{"rendered":"Anpassungsf\u00e4higkeit des Arbeitsmarktes: Welche Rolle spielen Institutionen und Regulierungen?"},"content":{"rendered":"<p>Die Schweizer Arbeitsmarktpolitik verfolgt einen <i>Flexicurity-Ansatz.<\/i> Gemeint ist mit diesem Ausdruck, dass die Arbeitsmarktpolitik danach strebt, eine hohe Arbeitsmarktflexibilit\u00e4t mit einem guten sozialen Schutz f\u00fcr Personen im Erwerbsalter zu kombinieren. Wie das optimal erreicht wird, l\u00e4sst der Begriff offen. Vielleicht ist er deshalb zu Recht etwas aus der Mode gekommen. Die Herausforderung, einen guten &shy;<i>Policy-Mix<\/i> \u2013 d.h. eine gute Kombination &shy;beider Elemente \u2013 zu finden, ist allerdings &shy;geblieben.&#13;<\/p>\n<h2>Was ist Arbeitsmarktflexibilit\u00e4t, und &shy;warum ist sie wichtig?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Flexicurity-Ansatz beruht darauf, dass die Institutionen und Regulierungen der Arbeitsmarkt- und der Sozialpolitik die Marktkr\u00e4fte m\u00f6glichst wenig behindern und sich deren positive Wirkungen \u2013 namentlich ein hohes Besch\u00e4ftigungsniveau und eine tiefe Arbeitslosigkeit \u2013 zunutze machen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nFlexibilit\u00e4t bedeutet zun\u00e4chst, dass sich L\u00f6hne an ver\u00e4nderte Nachfragebedingungen relativ rasch anpassen k\u00f6nnen, etwa \u00fcber den Konjunkturzyklus oder \u2013 wie j\u00fcngst in der Schweiz \u2013 bei starken Wechselkursver\u00e4nderungen. Flexible L\u00f6hne helfen mit, dass sich negative Schocks auf die Wirtschaft nicht ausschliesslich in einer Reduktion der Besch\u00e4ftigung und einer Erh\u00f6hung der Arbeitslosigkeit niederschlagen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nNeben der preislichen spielt daf\u00fcr auch die mengenm\u00e4ssige Flexibilit\u00e4t eine wichtige Rolle. Hier geht es um Fragen wie: Wie k\u00f6nnen Unternehmen die Belegschaft nach oben wie nach unten an ver\u00e4nderte Nachfrage&shy;bedingungen anpassen? Welche H\u00fcrden gibt es bei der Entlassung von Arbeitskr\u00e4ften? Bestehen allenfalls Instrumente, welche mithelfen, Entlassungen \u2013 z.B. durch flexible &shy;Arbeitszeitanpassungen im Betrieb \u2013 zu verhindern? Wie sieht es in Wachstumsphasen aus? Finden die Unternehmen innert n\u00fctzlicher Frist geeignete Arbeitskr\u00e4fte, um von &shy;einem Nachfragewachstum zu profitieren?&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin weiteres Element der Flexibilit\u00e4t bezieht sich auf die Qualifikation, also die Fertigkeiten (Skills) der Arbeitskr\u00e4fte. Wie entwickeln sich die Qualifikationserfordernisse in den Unternehmen \u00fcber die Zeit? Und wie passt sich das Angebot an Arbeitskr\u00e4ften diesen Entwicklungen an? In dieser Dimension kommt der enge Bezug zwischen Arbeitsmarkt-, Bildungs- und Migrationspolitik besonders gut zum Ausdruck. Im Ergebnis tr\u00e4gt eine gute \u00dcbereinstimmung von angebotenen und nachgefragten Qualifikationen dazu bei, Arbeitsmarktungleichgewichte \u2013 etwa in Form struktureller Arbeitslosigkeit \u2013 gering zu halten. Gleichzeitig ist sie Voraussetzung daf\u00fcr, dass das Arbeitskr\u00e4ftepotenzial eines Landes m\u00f6glichst produktiv eingesetzt wird und damit auch hohe Einkommen f\u00fcr Arbeitnehmende sowie Mehrwert f\u00fcr die Unternehmen zu generieren vermag.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDiese Ausf\u00fchrungen verdeutlichen, dass zwischen Flexibilit\u00e4t und Sicherheit im Arbeitsmarkt nicht die Zielkonflikte dominieren. Im Gegenteil: Ein gut funktionierender, integrativer Arbeitsmarkt ist vielmehr als zentraler Pfeiler einer erfolgreichen Sozialpolitik zu verstehen.&#13;<\/p>\n<h2>Absicherung gegen Risiken eines &shy;Erwerbsausfalls<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine hohe Arbeitsmarktflexibilit\u00e4t fordert teilweise erhebliche Anpassungsleistungen ein \u2013 besonders auf der Seite der Arbeitnehmenden. Ein Erwerbsleben ist daher mit zahlreichen Risiken behaftet, etwa was Besch\u00e4ftigungschancen, die H\u00f6he des Einkommens oder auch gesundheitliche Beeintr\u00e4chtigungen betrifft. Konjunkturelle Schwankungen und technologische Entwicklungen machen diese Risiken f\u00fcr Individuen schwer vor&shy;hersehbar. Angesichts der Dominanz des &shy;Erwerbseinkommens als Einkommensquelle der\u00a0meisten Haushalte kommt der Absicherung gegen Risiken der Erwerbslosigkeit vor allem aus sozialpolitischer Sicht grosse Bedeutung zu.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDar\u00fcber hinaus spielen die Institutionen zur Absicherung gegen Erwerbsausfall auch f\u00fcr die optimale Aussch\u00f6pfung des Arbeitskr\u00e4ftepotenzials eine Rolle. Die rein finanziellen Absicherungsinstrumente der Sozialversicherungen \u2013 Arbeitslosenversicherung, Invalidenversicherung, Sozialhilfe \u2013 wurden seit Mitte der 1990er-Jahre zunehmend durch Elemente wie Arbeitsvermittlungs&shy;aktivit\u00e4ten oder Weiterbildungsmassnahmen erg\u00e4nzt. Diese Instrumente sind darauf ausgerichtet, die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt aktiv zu f\u00f6rdern. Solche Massnahmen wirken den negativen Arbeitsanreizen entgegen, die von diesen Versicherungen ausgehen k\u00f6nnen.&#13;<\/p>\n<h2>Wie flexibel ist der Schweizer &shy;Arbeitsmarkt?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDem Schweizer Arbeitsmarkt wird international eine hohe Flexibilit\u00e4t zuge&shy;schrieben. Dieses Ergebnis l\u00e4sst sich einerseits &shy;quasi &shy;direkt aus den ausgezeichneten Arbeits&shy;marktergebnissen ableiten. Die Schweiz wies 2013 mit 4,2% im europ\u00e4ischen Vergleich nach Norwegen die tiefste <i>Arbeits&shy;losenquote<\/i> und mit 79,3% hinter Island die h\u00f6chste &shy;<i>Erwerbst\u00e4tigenquote<\/i> aller L\u00e4nder auf. Ein &shy;Arbeitsmarkt, der seit vielen Jahrzehnten so gut abschneidet und sich in einem techno&shy;logisch und makro\u00f6konomisch dynamischen Umfeld anzupassen weiss, muss eine hohe Flexibilit\u00e4t aufweisen. Anders liessen sich die\u00a0anhaltend guten Ergebnisse kaum &shy;erkl\u00e4ren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGleichzeitig besitzt der Schweizer Arbeitsmarkt verschiedene Eigenschaften, die auf eine hohe Flexibilit\u00e4t der Arbeitsmarktinstitutionen hindeuten. Zu erw\u00e4hnen sind etwa ein im internationalen Vergleich moderater K\u00fcndigungsschutz, eine starke Betonung der Aktivierung in der Arbeitslosenversicherung, eine relativ hohe Autonomie der Unternehmen und Branchen bei der Lohnfestsetzung, das Fehlen eines nationalen Mindestlohnes sowie eine moderate steuerliche Belastung der Arbeitnehmereinkommen&#13;<\/p>\n<h2>Die Wirkung von Regulierungen auf die\u00a0Arbeitslosigkeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEinige internationale Studien haben die Wirkung von Arbeitsmarktinstitutionen und Regulierungen auf das langfristige Niveau der Arbeitslosigkeit empirisch untersucht. Die Hauptergebnisse zweier j\u00fcngerer Studien der OECD sind im <i>Kasten 1<\/i> wiedergegeben.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Solche Untersuchungen sind sehr anspruchsvoll, da nicht nur die Wirkung einzelner &shy;Instrumente wie z.B. einer grossz\u00fcgigere Arbeitslosenentsch\u00e4digung dabei zu ber\u00fccksichtigen sind, sondern auch die Interaktionen verschiedener Massnahmen \u2013 &shy;etwa einer grossz\u00fcgigen Arbeitslosenentsch\u00e4digung mit einer aktivierenden Arbeitsmarktpolitik.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZudem h\u00e4ngen Arbeitsmarktergebnisse nicht nur von den Institutionen und Regulierungen des Arbeitsmarktes ab. Die allgemeinen, wirtschaftspolitischen Rahmen&shy;bedingungen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle (siehe <i>Kasten 2<\/i>). Kurzfristig schl\u00e4gt vor allem die Konjunktur direkt auf die Arbeitsmarktentwicklung durch und verstellt zuweilen den Blick auf die l\u00e4ngerfristigen Zusammenh\u00e4nge und die wichtige Rolle der Arbeitsmarktpolitik. Dies erschwert es, die Wirkung von arbeitsmarktpolitischen Instrumenten z.B. auf die Arbeitslosigkeit zu quantifizieren.&#13;<\/p>\n<h2>Was ist die Wirkung eines hohen &shy;K\u00fcndigungsschutzes?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEin flexibler Arbeitsmarkt wird h\u00e4ufig &shy;relativ direkt mit lockeren K\u00fcndigungsschutzbestimmungen in Verbindung gebracht. Dahinter steht die Vorstellung, dass Unternehmen bei schwacher Nachfrage ihre Belegschaft einfacher und rascher (eben flexibel) abbauen k\u00f6nnen. Umgekehrt w\u00fcrde man erwarten, dass sie im Aufschwung eher wieder Personal einstellen, selbst wenn das Marktumfeld noch relativ unsicher ist.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Netto-Effekt von lockeren K\u00fcndigungsschutzbestimmungen auf das Niveau der Arbeitslosigkeit ist theoretisch nicht eindeutig. Auch empirisch findet die Mehrzahl der aktuelleren Studien denn auch keinen signifikanten Einfluss von K\u00fcndigungsschutzbestimmungen auf die Arbeitslosenquote. Allerdings zeigen verschiedene Studien, dass strenge K\u00fcndigungsschutzbestimmungen massgeblichen Einfluss darauf haben, wie sich das Arbeitslosigkeitsrisiko auf &shy;verschiedene Bev\u00f6lkerungsgruppen verteilt. W\u00e4hrend ein hoher K\u00fcndigungsschutz das Risiko f\u00fcr Erwerbst\u00e4tige (Insider), arbeitslos zu werden, tendenziell verringert, errichtet er auf der anderen Seite Eintrittsh\u00fcrden f\u00fcr Stellensuchende (Outsider) in ein perma&shy;nentes Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnis. Typische &shy;Auswirkungen eines starken K\u00fcndigungs&shy;schutzes sind etwa eine erh\u00f6hte Jugend&shy;arbeitslosigkeit oder stark segmentierte &shy;Arbeitsm\u00e4rkte, in denen die Arbeitnehmenden in gefestigten Arbeitsverh\u00e4ltnissen einer grossen Zahl von tempor\u00e4r Besch\u00e4ftigten &shy;ohne ausgebauten K\u00fcndigungsschutz gegen\u00fcberstehen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Schweizer K\u00fcndigungsschutzbestimmungen positionieren sich insgesamt etwa im OECD-Mittelfeld. Sie sind insofern gut ausgestaltet, als bei permanenten und befristeten Anstellungen ein \u00e4hnlich hohes Schutzniveau besteht.&#13;<\/p>\n<h2>Schutz gegen Erwerbsausfall und &shy;Aktivierung von Stellensuchenden<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEin gut ausgebauter Schutz gegen &shy;Erwerbsausfall kann in einem <i>Flexicurity-Ansatz<\/i> als Gegenst\u00fcck zu einer moderaten &shy;K\u00fcndigungsschutzbestimmung verstanden werden. Die Schweiz geh\u00f6rt in der OECD zu den L\u00e4ndern mit hohem Schutz vor Erwerbsausfall. Gleichzeitig verfolgt sie aber eine konsequente Aktivierungspolitik, indem etwa die Bewerbungsaktivit\u00e4ten der Stellensuchenden \u00fcberpr\u00fcft werden und eine breite Palette an unterst\u00fctzenden <i>arbeitsmarktlichen Massnahmen (AMM)<\/i> zur Anwendung kommen. Die Arbeitslosenversicherung tr\u00e4gt damit insgesamt dazu bei, dass die Arbeitslosigkeit in der Schweiz tief liegt.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn der grossen Rezession von 2009 spielte die Kurzarbeitsentsch\u00e4digung, welche ebenfalls durch die Arbeitslosenversicherung ausgerichtet wird, eine besondere Rolle. Sie verschaffte den Unternehmen, welche rasch und unverhofft mit einem starken Nachfrageeinbruch konfrontiert waren, einen erweiterten Spielraum, die Belegschaft vorl\u00e4ufig zu halten. Die Bedingungen f\u00fcr einen effektiven Einsatz der Kurzarbeitsentsch\u00e4digung waren fast idealtypisch: Der Einbruch der Nachfrage erfolgte sehr schnell, und die Aussichten waren h\u00f6chst ungewiss; doch der Aufschwung setzte im Jahr 2010 rasch wieder ein. Hinzu kam, dass die Rezession in der Schweiz stark auf die Industrie fokussierte, auf die das Instrument der Kurzarbeitsentsch\u00e4digung besonders zugeschnitten ist.&#13;<\/p>\n<h2>Lohnflexibilit\u00e4t und Arbeitslosigkeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nLohnabschl\u00fcsse, die der wirtschaftlichen Lage der Unternehmen oder der Branche nicht angemessen Rechnung tragen, k\u00f6nnen zu einer erh\u00f6hten Arbeitslosenquote f\u00fchren.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> Eine systematische Positionierung verschiedener L\u00e4nder im Hinblick auf die Lohnflexibilit\u00e4t ist allerdings schwierig. \u00dcblicherweise werden Indikatoren wie der gewerkschaftliche Organisationsgrad, der Abdeckungsgrad mit Gesamtarbeitsvertr\u00e4gen oder die Form der Koordination von Lohnabschl\u00fcssen (zentral\/dezentral) erhoben. Ein Grundproblem solcher N\u00e4herungsgr\u00f6ssen besteht allerdings darin, dass das effektive Verhalten der Akteure durch die institutionelle Form der Lohnvereinbarungen nicht abgebildet wird. So l\u00e4sst sich aus dem Zentralisierungsgrad von Lohnverhandlungen beispielsweise nicht direkt schliessen, inwieweit makro\u00f6konomische Auswirkungen besser ber\u00fccksichtigt werden als bei dezentralen Entscheiden. Entsprechend vorsichtig sind dahingehende empirische Ergebnisse zu interpretieren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm OECD-Vergleich liegt der GAV-Abdeckungsgrad in der Schweiz mit rund 50% im hinteren Mittelfeld.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a> Da zudem ein bedeutender Teil der Gesamtarbeitsvertr\u00e4ge auf betrieblicher Ebene abgeschlossen wird, findet die Lohnfestlegung in der Schweiz mehrheitlich dezentral statt. Gleichwohl ist \u2013 vor allem in stark exportabh\u00e4ngigen Branchen \u2013 davon auszugehen, dass makro\u00f6konomische Bedingungen wie auch der Wechselkurs bei der Lohnfestsetzung geb\u00fchrend ber\u00fccksichtigt werden. Unter diesem Blickwinkel w\u00fcrden wir davon ausgehen, dass die Lohnflexibilit\u00e4t in der Schweiz relativ stark ausgepr\u00e4gt ist und ebenfalls zu einem tiefen Niveau der Arbeitslosigkeit beitr\u00e4gt.&#13;<\/p>\n<h2>Eine gute Arbeitsmarktpolitik ist die beste Sozialpolitik<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBisher ist es der Schweiz ausserordentlich gut gelungen, die Vorz\u00fcge eines flexiblen &shy;Arbeitsmarktes mit dem Nutzen einer guten sozialen Absicherung zu kombinieren. Das System ist gut abgestimmt und austariert, und es konnte in den letzten Jahren auch mehrfach punktuell an neue Gegebenheiten angepasst werden. Angesichts der anhaltend guten Arbeitsmarktergebnisse und ihrer grossen Bedeutung f\u00fcr die soziale Sicherheit sollte dieser Weg konsequent weiterverfolgt werden. Die Schweizer Arbeitsmarktpolitik ist nach wie vor ein Erfolgs- und kein Auslaufmodell.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Auf die qualitativen Aspekte der Flexibilit\u00e4t und die Querbez\u00fcge zur Bildungs- und Migrationspolitik wird in diesem Kapitel nicht n\u00e4her eingegangen. Oesch (2013) bietet eine umfassende Analyse, wie sich die Qualifika\u00adtionsstruktur der Erwerbsbev\u00f6lkerung in der Schweiz im Vergleich zu Deutschland, D\u00e4nemark, Grossbritannien und Spanien entwickelt hat.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Die empirischen Ergebnisse werden f\u00fcr die Schweiz in Sheldon (2013) diskutiert.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Vgl. OECD (2013) f\u00fcr eine Diskussion der Aktivierungs\u00adpolitik in sieben OECD-Staaten (darunter die Schweiz).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Goette et. al. (2007) finden Evidenz daf\u00fcr, dass sich Lohnrigidit\u00e4ten in erh\u00f6hter Arbeitslosigkeit niederschlagen. Dustmann et al. (2014) argumentieren, dass der deutliche R\u00fcckgang der Arbeitslosenquote in Deutschland in den letzten rund zehn Jahren durch eine Dezentralisierung der Lohnpolitik und eine st\u00e4rkere Konkurrenz durch die neuen EU-Mitgliedstaaten in \u00adOsteuropa getrieben wurde.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Zur Bedeutung von Organisations- und GAV-Abdeckungsgrad in der Schweiz im internationalen Vergleich vgl. den Artikel von Daniel Baumberger und Rudolf Kindler auf S. 14 ff. in dieser Ausgabe.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schweizer Arbeitsmarktpolitik verfolgt einen Flexicurity-Ansatz. 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Sie kommt zum Ergebnis, dass hohe Arbeitslosenentsch\u00e4digungen, eine hohe Steuerbelastung der Arbeitseinkommen und wettbewerbshemmende Regulierungen in G\u00fcterm\u00e4rkten die Arbeitslosenquote erh\u00f6hen. H\u00f6here Ausgaben f\u00fcr aktive arbeitsmarktliche Massnahmen gehen dagegen mit tieferen Arbeitslosenquoten einher. Keinen signifikanten Einfluss \u00fcben der gewerkschaftliche Organisationsgrad sowie die Strenge der K\u00fcndigungsschutz\u00adbestimmungen auf das Niveau der Arbeitslosigkeit aus.&#13;\n&#13;\nIm Nachgang zur Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 und 2009 wurde die Analyse der OECD aktualisiert und auf die Frage gerichtet, welche Arbeitsmarktinstitutionen und Regulierungen einen \u00adArbeitsmarkt krisensicherer (resilient) machen. Die\u00a0Studie kommt zum Schluss, dass die Ausgestaltung der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik insgesamt einen bedeutenden Einfluss darauf hat, wie stark sich ein Einbruch der Wirtschaftsleistung in einer Erh\u00f6hung der Arbeitslosigkeit niederschl\u00e4gt. Sie hebt zwei Faktoren hervor, die sowohl die langfristige Arbeitslosenquote als auch die Resilienz in positivem Sinne beeinflussen: \u00adkoordinierte, an die makro\u00f6konomische Situation angepasste Lohnfestsetzungsmechanismen und moderate K\u00fcndigungsschutzbestimmungen f\u00fcr unbefristete Arbeitsverh\u00e4ltnisse. 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