{"id":118132,"date":"2014-04-01T12:00:00","date_gmt":"2014-04-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2014\/04\/wunsch-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:19:21","modified_gmt":"2023-08-23T21:19:21","slug":"wunsch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2014\/04\/wunsch\/","title":{"rendered":"Der Schweizer Arbeitsmarkt hat in der Krise grosse Widerstandskraft gezeigt"},"content":{"rendered":"<p>Als im Sommer 2007 die Krise auf dem US-Immobilienmarkt ihre Anf\u00e4nge nahm, konnte die Schweizer Wirtschaft auf ein mehrj\u00e4hriges Wachstum und eine zunehmende Nachfrage nach neuen Arbeitskr\u00e4ften zur\u00fcckblicken. Mit rund 62\u2009000 offenen &shy;Stellen innerhalb des zweiten und dritten Quartals 2007 wurden der h\u00f6chste Wert seit 2001 erzielt. Das Wirtschaftswachstum erreichte mit \u00fcber 3,8% pro Kopf im Jahresdurchschnitt 2007 einen Rekordwert. Entsprechend positiv &shy;ent&shy;wickelte sich auch die Erwerbslosenquote gem\u00e4ss Internationaler Arbeitsorganisation (ILO). Im zweiten Quartal 2007 lag diese mit 3,6% fast einen Prozentpunkt unter dem Wert zwei Jahre zuvor.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/04\/201404_04D_Grafik01.eps1_.gif\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-3824\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/04\/201404_04D_Grafik01.eps1_-600x543.gif\" alt=\"201404_04D_Grafik01.eps[1]\" width=\"600\" height=\"543\" \/><\/a>&#13;<\/p>\n<h2>Vergleichsweise stabiler Arbeitsmarkt in\u00a0der Schweiz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nObwohl die Krise sp\u00fcrbare Auswirkungen auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt der Schweiz hatte, zeichnete sie sich im internationalen Vergleich durch grosse Stabilit\u00e4t aus. Nicht nur die Krisenl\u00e4nder der Eurozone, sondern auch Staaten wie Grossbritannien und insbesondere D\u00e4nemark, die vor Beginn der Krise eine \u00e4hnlich positive Ausgangslage wie die Schweiz aufwiesen, haben die letzten Jahre weitaus weniger gut \u00fcberstanden. So verharrt beispielsweise die Erwerbslosenquote von D\u00e4nemark seit mehreren Jahren bei \u00fcber 7%, obwohl 2007 mit 3,8% ein \u00e4hnlich tiefer Wert erreicht wurde.&#13;<\/p>\n<h2>Grosse regionale Unterschiede<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Krise machte sich nicht in allen Teilen der Schweiz gleichermassen bemerkbar. Vor allem innerhalb der Genferseeregion sowie in der Nordwestschweiz stieg die Erwerbs&shy;losenquote 2008\u20132009 \u00fcberproportional an. Einen zeitlich verz\u00f6gerten, aber ebenfalls starken und kontinuierlichen Anstieg der &shy;Erwerbslosenquote bis 2011 verzeichnete ausserdem das Tessin. Den geringsten Zuwachs wiesen hingegen die Regionen Z\u00fcrich und Mittelland auf.&#13;<\/p>\n<h2>Dienstleistungssektor w\u00e4chst auch in\u00a0der\u00a0Krise weiter<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBei den Sektoren gab es im Verlauf der Krise nur geringf\u00fcgige und meist kurzfristige Verschiebungen. In der Industrie zeigte sich ein stark \u00fcberproportionaler Anstieg der Erwerbslosenquote 2008\u20132009, aber der R\u00fcckgang nach der Krise verlief im Gegenzug ebenfalls schneller. Das Baugewerbe sticht dadurch hervor, dass es sich deutlich rascher erholt hat als alle anderen Sektoren. Ansonsten setzte sich auch w\u00e4hrend und nach der Krise der Besch\u00e4ftigungszuwachs im Dienstleistungssektor fort, auch wenn sich das Wachstum etwas verlangsamte. Der Zuwachs erfolgte vor allem im Gesundheits- und Sozialwesen sowie in den Bereichen Bildung und Er&shy;ziehung. Eine \u00e4hnliche Entwicklung zeigte sich auch bei freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen.&#13;<\/p>\n<h2>Ausl\u00e4ndische Arbeitskr\u00e4fte st\u00e4rker von\u00a0der Krise betroffen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAusl\u00e4ndische Arbeitskr\u00e4fte, insbesondere jene aus Staaten ausserhalb der EU28\/Efta, waren von der Krise deutlich st\u00e4rker betroffen als Schweizerinnen und Schweizer. Ihre &shy;Erwerbslosenquote stieg von 2008 bis 2010 um 3,6 Prozentpunkte von 10,1% auf 13,7%, was einer Zunahme um 36% entspricht. Jene der Schweizer Arbeitskr\u00e4fte erh\u00f6hte sich dagegen nur um 0,7 Prozentpunkte, ein Anstieg um 28%. Auch Arbeitskr\u00e4fte aus den EU28\/Efta-Staaten waren \u00fcberproportional von der Krise betroffen. Die Unterschiede zu den Arbeitskr\u00e4ften mit Schweizer Nationalit\u00e4t waren jedoch weitaus geringer als bei jenen aus Drittstaaten. Die Erholung nach der Rezession von 2009 verl\u00e4uft bei ausl\u00e4ndischen Arbeitskr\u00e4ften ebenfalls langsamer als bei den schweizerischen. F\u00fcnf Jahre nach der Krise liegt ihre Erwerbslosenquote etwa 2\u00a0Prozentpunkte \u00fcber dem Vorkrisenniveau von 10,1% bei Arbeitskr\u00e4ften aus Drittstaaten und 4,1% bei Angeh\u00f6rigen der EU28\/Efta-Staaten. Die Quote der Schweizerinnen und Schweizer liegt mit 2,9% dagegen nur geringf\u00fcgig \u00fcber dem Vorkrisenwert von 2,5%.&#13;<\/p>\n<h2>Ver\u00e4nderung der Zuwanderung und Lohnzur\u00fcckhaltung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Nettozuwanderung ist im Krisenjahr 2008 einmalig stark angestiegen. Der Zuwachs beruhte fast ausschliesslich auf Arbeitskr\u00e4ften aus den EU17\/Efta-Staaten. Als Folge der Krise, welche die s\u00fcdeurop\u00e4ischen L\u00e4nder besonders stark getroffen hat, ver\u00e4nderte sich dar&shy;\u00fcber hinaus die Zusammensetzung der Zuwanderung. Die Nettozuwanderung aus den s\u00fcdeurop\u00e4ischen Staaten Portugal, Ita&shy;lien, Spanien und Griechenland ist seit 2009 deutlich und kontinuierlich gestiegen, w\u00e4hrend jene aus Deutschland und den \u00fcbrigen EU17\/Efta-Staaten zur\u00fcckgegangen ist. Dadurch hat sich auch das durchschnittliche Bildungsniveau der zugewanderten Arbeitskr\u00e4fte ver\u00e4ndert. Der Anteil an Arbeitskr\u00e4ften mit niedrigerem Bildungsniveau ist bei Zuwanderern aus den s\u00fcdeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern h\u00f6her als bei jenen aus Deutschland, Frankreich und den \u00fcbrigen EU17\/Efta-Staaten, welche vor der Krise den Hauptteil der Zuwanderung ausmachten.&#13;<\/p>\n<h2>Trotz Krise keine Zunahme der Armut<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Sozialhilfequote ist mit 2% f\u00fcr Schweizerinnen und Schweizer sowie mit 6% bei Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4ndern w\u00e4hrend und nach der Krise unver\u00e4ndert geblieben. Die Armutsquote \u2013 d.h. der Anteil der Personen, die mit einem Einkommen unter dem sozialen Existenzminimum auskommen m\u00fcssen \u2013 ist von 2007 auf 2009 sogar um 1,8 Prozentpunkte auf 7,7% gefallen und seither stabil bei knapp 8%. Damit hat die Armut in der Schweiz trotz der Krise nicht zugenommen.&#13;<\/p>\n<h2>Arbeitsmarktentwicklung mit &shy;ungewisser Zukunft<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Schweiz hat die Krise ohne grosse Strukturver\u00e4nderungen und ohne l\u00e4ngerfristig nachteilige Folgen f\u00fcr den Arbeitsmarkt \u00fcberstanden. W\u00e4hrend aktuelle Prognosen auch weiter mit einer stabilen Lage am Arbeitsmarkt rechnen, bleibt die Entwicklung auf l\u00e4ngere Sicht ungewiss. Die Annahme der Masseneinwanderungsinitiative und die m\u00f6gliche Einf\u00fchrung von Mindestl\u00f6hnen k\u00f6nnen erhebliche Auswirkungen auf die schweizerische Wirtschaft und den Arbeitsmarkt haben. Insbesondere die wachsenden Bereiche im Dienstleistungssektor stark von Fachkr\u00e4ften aus dem Ausland. Die konkreten Folgen auf das Wirtschaftswachstum und den Arbeitsmarkt sind momentan noch nicht absch\u00e4tzbar.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als im Sommer 2007 die Krise auf dem US-Immobilienmarkt ihre Anf\u00e4nge nahm, konnte die Schweizer Wirtschaft auf ein mehrj\u00e4hriges Wachstum und eine zunehmende Nachfrage nach neuen Arbeitskr\u00e4ften zur\u00fcckblicken. Mit rund 62\u2009000 offenen &shy;Stellen innerhalb des zweiten und dritten Quartals 2007 wurden der h\u00f6chste Wert seit 2001 erzielt. 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