{"id":118150,"date":"2014-03-01T12:00:00","date_gmt":"2014-03-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2014\/03\/arvanitis-22\/"},"modified":"2023-08-23T23:19:13","modified_gmt":"2023-08-23T21:19:13","slug":"arvanitis-21","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2014\/03\/arvanitis-21\/","title":{"rendered":"Die Tertiarisierung der Volkswirtschaften setzt sich fort"},"content":{"rendered":"<p>Die KOF f\u00fchrte im Auftrag des Staats&shy;sekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) im Jahre 2008 eine Studie zum wirtschaftlichen Strukturwandel der Schweiz zwischen 1991 und 2005 durch.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> \u00abStrukturwandel\u00bb bedeutet in diesem Zusammenhang eine Ver\u00e4nderung des Wertsch\u00f6pfungs- bzw. des Besch\u00e4ftigungs&shy;anteils eines Wirtschaftssektors oder eines Wirtschaftszweiges an der gesamtwirtschaft&shy;lichen Leistungs&shy;erbringung, also dem Bruttoinlandprodukt (BIP). Die <i>Tabelle 1<\/i> zeigt die Resul&shy;tate einer Aufdatierung dieser Wertsch\u00f6pfungsdaten f\u00fcr den Industrie-, den Bau-, und den Dienstleistungsbereich f\u00fcr zehn L\u00e4nder.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/03\/201403_12D_Tabelle01.eps1_.gif\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-4102\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/03\/201403_12D_Tabelle01.eps1_-600x221.gif\" alt=\"201403_12D_Tabelle01.eps[1]\" width=\"600\" height=\"221\" \/><\/a>&#13;<\/p>\n<h2>Sinkende Bedeutung des Aussensektors<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZun\u00e4chst betrachten wir die Verschiebung der Wertsch\u00f6pfungsanteile zwischen dem Aussen-, dem Binnen- und dem Staatssektor auf Basis von insgesamt zw\u00f6lf Teilsektoren (siehe <i>Kasten 1<\/i>). Ein Vergleich der Ver\u00e4nderung des Anteils der nominellen Wertsch\u00f6pfung zeigt, dass sich in der Schweiz \u2013 ebenso wie in allen anderen Referenzl\u00e4ndern, mit Ausnahme der USA \u2013 der Wertsch\u00f6pfungsanteil des Aussensektors zwischen 1998 und 2010 verringert hat. Die Schweiz verzeichnet mit \u20131,5 Prozentpunkten (PP) nach Schweden (\u20132,8 PP) und Finnland (\u20132,4 PP) den st\u00e4rksten R\u00fcckgang des Wertsch\u00f6pfungsanteils des Aussensektors. Dieses Ergebnis steht im Zeichen des starken internationalen Konjunktureinbruchs im Jahre 2008. Die binnenorientierten Teile der Schweizer Wirtschaft weisen hingegen mit 0,5 PP die\u00a0gr\u00f6sste Anteilszunahme im L\u00e4nder&shy;vergleich auf. Deutschland, Finnland und Schweden verzeichnen ebenso Anteilszuw\u00e4chse im Binnensektor. Relativ starke Anteilsr\u00fcckg\u00e4nge sehen wir hingegen in D\u00e4nemark, den Niederlanden und den USA.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer L\u00e4ndervergleich zeigt auch eine zum Teil erhebliche Zunahme des Staatssektors im weiteren Sinn, also inklusive Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich. W\u00e4hrend der Anteil des \u00f6ffentlichen Sektors in der Schweiz seit 1998 um 1 PP wuchs, verzeichneten Finnland, die Niederlande und D\u00e4nemark eine mehr als doppelt so starke Vergr\u00f6sserung des Staats&shy;sektors. Nur in Schweden und \u00d6sterreich wuchs der Staatssektor in geringerem Ausmass als in der Schweiz. In keinem Vergleichsland kam es zu einer Verkleinerung des Staatssektors. Die Zuw\u00e4chse des breiten \u00f6ffentlichen Sektors sind prim\u00e4r auf das Wachstum des Gesundheits- und Sozial&shy;bereichs zur\u00fcckzuf\u00fchren.&#13;<\/p>\n<h2>Verschiebung hin zum wissensintensiven Sektor h\u00e4lt an<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Trend zu einer Verschiebung der Wertsch\u00f6pfungsanteile (bezogen auf die Wertsch\u00f6pfung des Privatsektors) hin zu wissensintensiven Sektoren best\u00e4tigt sich auch im Rahmen dieser Aufdatierung der Kennzahlen. Hightech-Industrie und moderne wissensbasierte Dienstleistungen werden in eine Hauptkategorie \u00abwissensintensiver Sektor\u00bb zusammengefasst (siehe <i>Kasten 1<\/i>). Es zeigt sich deutlich, dass sich die Wertsch\u00f6pfung abermals hin zum wissensintensiven Sektor verschoben hat. Der Anteil dieses Sektors in der Schweiz stieg im internationalen Vergleich moderat von 46,4% im Jahr 1991 auf 48,6% im Jahr 2010 (siehe <i>Tabelle 2<\/i>). Die st\u00e4rksten Anstiege des wissensintensiven Sektors sehen wir in Finnland (9,7 PP), den Niederlanden (8,6 PP) und D\u00e4nemark (8,3 PP). W\u00e4hrend in Finnland die Zunahme sowohl auf die Entwicklung des Hightech-Sektors als auch der modernen Dienstleistungen zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, begr\u00fcnden sich die Entwicklungen in den Niederlanden und in D\u00e4nemark durch die deutliche Erh\u00f6hung der Wertsch\u00f6pfungsanteile der modernen Dienstleistungsbranchen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/03\/201403_12D_Tabelle02.eps1_.gif\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-4103\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/03\/201403_12D_Tabelle02.eps1_-600x397.gif\" alt=\"201403_12D_Tabelle02.eps[1]\" width=\"600\" height=\"397\" \/><\/a>&#13;<\/p>\n<h2>Industrie verliert \u2013 zum Teil auch&#13;<br \/>\nHightech-Branchen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Industrie hat in allen Vergleichsl\u00e4ndern an Wertsch\u00f6pfungsanteilen (bezogen auf die Wertsch\u00f6pfung des Privatsektors) verloren. Besonders stark waren die Verluste in Frankreich (\u20139,4 PP), den Niederlanden (\u20137,8 PP) und D\u00e4nemark (\u20137,3 PP). Deutlich weniger stark schrumpfte der Industriesektor in der Schweiz (\u20132,8 PP), in \u00d6sterreich (\u20133,1 PP) und in Finnland (\u20132,7). Obwohl diese Entwicklung stark auf die &shy;weniger innovativen Lowtech-Branchen des Industriesektors zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, verzeichnen auch die forschungs- und entwicklungsintensiveren Hightech-Branchen Verluste bei den Wertsch\u00f6pfungsanteilen, insbesondere in Frankreich (\u20133,7 PP), Schweden (\u20132,9 PP) und den USA (\u20133,4 PP). In der Schweiz beobachten wir einen uneinheitlichen Verlauf. W\u00e4hrend die Hightech-Wertsch\u00f6pfungsanteile zwischen 1991 und 1998 sanken, stiegen diese zwischen 1998 und 2008 deutlich von 13,9% auf 16,3% an, bevor sie im Jahre 2010 wiederum leicht abnahmen. Eine \u00e4hnliche Entwicklung sehen wir auch in Deutschland. Wenn wir den gesamten Zeitraum betrachten, verzeichneten nur Finnland (+3,5 PP), die Schweiz (+0,6 PP) und \u00d6sterreich (+1,3 PP) einen Anstieg der Wertsch\u00f6pfungs&shy;anteile der Hightech-Branchen.&#13;<\/p>\n<h2>Dienstleistungen legen zu<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn allen betrachteten Volkswirtschaften hat sich der Wertsch\u00f6pfungsanteil der Dienstleistungen im Beobachtungszeitraum erh\u00f6ht. Nur in einzelnen Perioden kam es zu R\u00fcckg\u00e4ngen; in Deutschland zwischen 2005 und 2008 (\u20131,4 PP), in Finnland zwischen 1991 und 1998 (\u20132,9 PP), in Italien zwischen 2005 und 2008 (\u20130,6 PP) und in den Niederlanden ebenfalls in der konjunkturellen Aufschwungsphase zwischen 2005 und 2008 (\u20130,6 PP). Zu insgesamt sehr starken Steigerungen \u00fcber den gesamten Untersuchungszeitraum kam es in Frankreich (+9,5 PP), D\u00e4nemark (+8,5 PP) und den USA (+8,4 PP). Moderate Anstiege sehen wir hingegen in Italien (1998\u20132010: 2,3 PP) und in Finnland (3,1 PP). In der Schweiz erh\u00f6hten sich die Wertsch\u00f6pfungsanteile der Dienstleistungsbranchen zwischen 1991 und 2010 um 4,8 PP, wobei die st\u00e4rksten Anstiege zwischen 1991 und 2005 zu beobachten sind. Seit 2005 stagniert der Dienstleistungsanteil faktisch.&#13;<\/p>\n<h2>Gr\u00f6ssere strukturelle Ver\u00e4nderungen in Finnland, Frankreich, USA, Niederlande<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nFinnland, Frankreich und die USA verzeichneten \u00fcber die 20 Beobachtungsjahre einen sehr ausgepr\u00e4gten strukturellen Wandel. Finnland zeichnet sich vor allem durch eine sehr unstetige Entwicklung aus. Die Lowtech-Branchen verloren nach einem kleinen Anstieg zwischen 1991 und 1998 insgesamt 6,1 PP, w\u00e4hrend die Hightech-Branchen bis 2008 ihren Wertsch\u00f6pfungsanteil um 6,5 PP steigern konnten, bevor sich dieser zwischen 2008 und 2010 um 3 PP verringerte. \u00c4hnlich markant sind die Ver\u00e4nderungen im Dienstleistungsbereich. Dort erh\u00f6hte sich der Anteil der modernen Dienstleistungen stetig um insgesamt 6,2 PP, sodass die wissensintensiven Sektoren um 9,7 PP zulegten. In Frankreich kam es hingegen zu einem massiven Wertsch\u00f6pfungsverlust, vor allem bei den Lowtech-, aber auch bei den Hightech-Industrien; der Industriebereich verlor insgesamt 9,4 PP, und sein Wertsch\u00f6pfungsanteil betrug im Jahre 2010 nur noch 17,5%. Im Gegensatz dazu stieg der Wertsch\u00f6pfungsanteil vor allem der modernen Dienstleistungsbranchen sehr stark, wodurch sich der Dienstleistungsanteil um insgesamt 9,5% erh\u00f6hte. Die Dienstleistungsbranchen hatten im Jahre 2010 einen Wertsch\u00f6pfungsanteil von 68,1%. Bei den USA f\u00e4llt zudem auf, dass der Wertsch\u00f6pfungsanteil moderner Dienstleistungen deutlich angestiegen ist (+10,6 PP) und dass die Hightech-Branchen (\u20133,4 PP) wie auch die Industrie insgesamt (\u20137 PP) relativ viel eingeb\u00fcsst haben. Ein \u00e4hnliches Bild sehen wir f\u00fcr die Niederlande, wo sich der Wertsch\u00f6pfungsanteil der Industrie um 7,8 PP verringerte, w\u00e4hrend die &shy;modernen Dienstleistungen um 11,2 PP &shy;zulegten.&#13;<\/p>\n<h2>Die Struktur der Volkswirtschaften im Jahre 2010<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDeutschland hatte im Jahre 2010 den mit Abstand gr\u00f6ssten Industriesektor (33,4%), gefolgt von Finnland (28,9%), \u00d6sterreich (27%) und Schweden (26,5%). Die Schweiz sticht vor allem durch den relativ hohen Wertsch\u00f6pfungsanteil der Hightech-Industrien hervor (15,8%); nur Deutschland hatte mit 20,5% einen noch h\u00f6heren Anteil. Die USA (71,6%), Frankreich (68,1%), D\u00e4nemark (67,4%) und die Niederlande (67,4%) haben den anteilsm\u00e4ssig gr\u00f6ssten Dienstleistungssektor, wobei die USA mit einem Wertsch\u00f6pfungsanteil von 42,8% den mit Abstand gr\u00f6ssten Wertsch\u00f6pfungsanteil der modernen Dienstleistungen aufwiesen. In der Schweiz betrug der Wertsch\u00f6pfungsanteil der Dienstleistungen 64,4%, von denen rund die H\u00e4lfte den modernen Dienstleistungsbranchen zuzurechnen ist. H\u00f6here Anteile als die Schweiz f\u00fcr den wissensintensiven Sektor (moderne Dienstleistungen und Hightech-Branchen) wiesen nur die USA und Deutschland auf.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Arvanitis, S., Ley, M., Stucki, T. und M. W\u00f6rter (2008): Innovation und Marktdynamik als Determinanten des Strukturwandels, Strukturberichterstattung Nr. 43, herausgegeben vom Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft, Bern.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die KOF f\u00fchrte im Auftrag des Staats&shy;sekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) im Jahre 2008 eine Studie zum wirtschaftlichen Strukturwandel der Schweiz zwischen 1991 und 2005 durch. \u00abStrukturwandel\u00bb bedeutet in diesem Zusammenhang eine Ver\u00e4nderung des Wertsch\u00f6pfungs- bzw. des Besch\u00e4ftigungs&shy;anteils eines Wirtschaftssektors oder eines Wirtschaftszweiges an der gesamtwirtschaft&shy;lichen Leistungs&shy;erbringung, also dem Bruttoinlandprodukt (BIP). 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