{"id":118161,"date":"2014-03-01T12:00:00","date_gmt":"2014-03-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2014\/03\/hanslin-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:19:33","modified_gmt":"2023-08-23T21:19:33","slug":"hanslin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2014\/03\/hanslin\/","title":{"rendered":"Schweizer Warenexporte: Asien hat die USA \u00fcberfl\u00fcgelt"},"content":{"rendered":"<p>Seit 1993 sind die globalen Warenexporte in die aufstrebenden M\u00e4rkte (wie China, Polen oder Brasilien, siehe <i>Kasten 1<\/i>) im Schnitt um 12% pro Jahr angestiegen. W\u00e4hrend 1993 noch rund 25% der Weltexporte in diese L\u00e4nder flossen, waren es im Jahr 2012 bereits 41%. Dominiert hat diese Entwicklung der asiatische Markt, welcher zuletzt rund 23% der Weltexporte absorbierte. Gleichzeitig nahm der Anteil der globalen Waren&shy;exporte in die Industriel\u00e4nder von 65% auf 50% ab.&#13;<\/p>\n<h2>Wandel in der Struktur der Schweizer Warenexporte<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Schweizer Exportwirtschaft hat in den letzten 20 Jahren einen profunden strukturellen Wandel durchlebt.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Dies betrifft einerseits die wachsende Bedeutung pharmazeutischer Exportprodukte und den schrumpfenden Anteil von Maschinenexporten. Andererseits hat sich die relative Bedeutung verschiedener Absatzm\u00e4rkte ver\u00e4ndert. Die Abh\u00e4ngigkeit von den traditionellen M\u00e4rkten \u2013 insbesondere in Europa \u2013 wurde reduziert. Im Gegenzug haben die Exporteure ihre Pr\u00e4senz in neuen M\u00e4rkten mit besseren Wachstumsaussichten verst\u00e4rkt, was zu einer gr\u00f6sseren geografischen Diversifizierung gef\u00fchrt hat.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDies betrifft einerseits die wachsende Bedeutung pharmazeutischer Exportprodukte und den schrumpfenden Anteil von Maschinenexporten. Andererseits hat sich die relative Bedeutung verschiedener Absatzm\u00e4rkte ver\u00e4ndert. Die Abh\u00e4ngigkeit von den traditionellen M\u00e4rkten \u2013 insbesondere in Europa \u2013 wurde reduziert. Im Gegenzug haben die Exporteure ihre Pr\u00e4senz in neuen M\u00e4rkten mit besseren Wachstumsaussichten verst\u00e4rkt, was zu einer gr\u00f6sseren geografischen Diversifizierung gef\u00fchrt hat.Die st\u00e4rkere Pr\u00e4senz Schweizer Exporteure in den aufstrebenden M\u00e4rkten d\u00fcrfte auch dazu beigetragen haben, dass sich die Warenexporte der Schweiz seit der Wirtschafts- und Finanzkrise \u2013 trotz widriger Umst\u00e4nde mit schwachem globalem Wachstum und Frankenaufwertung \u2013 als relativ robust erwiesen haben. Denn der Einbruch in den aufstrebenden L\u00e4ndern war weniger aus&shy;gepr\u00e4gt, und sie erholten sich nach der Krise rascher als die Industriel\u00e4nder.&#13;<\/p>\n<h2>Europa bleibt wichtigster Absatzmarkt<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nTrotz dieses Wandels bleibt Westeuropa (bzw. die EU-15) der weitaus wichtigste Absatzmarkt f\u00fcr Schweizer Warenexporte. Auch heute noch wird rund die H\u00e4lfte aller Warenexporte nach Westeuropa verkauft. Im Zeitablauf hat ihr Anteil jedoch merklich abgenommen; in den 1990er-Jahren lag er noch bei mehr als 60%. Im Gegenzug haben die USA und die aufstrebenden Volkswirtschaften an Gewicht gewonnen. Der Anteil der USA bei den Warenexporten ist seit 1993 von 7% auf 11% angestiegen, w\u00e4hrend er bei den aufstrebenden Volkswirtschaften von 18% auf 26% angewachsen ist. Der Exportumsatz Schweizer Hersteller in diesen L\u00e4ndern hat sich w\u00e4hrend der letzten 20 Jahre mehr als verdreifacht.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nHaben Schweizer Exporteure besonders stark von der Wachstumsdynamik in den aufstrebenden M\u00e4rkten profitiert? Ein Vergleich mit anderen L\u00e4ndern zeigt, dass dies nur teilweise der Fall ist. \u00dcber die letzten 20 Jahre betrachtet, haben die Exporte verschiedener anderer L\u00e4nder \u2013 wie beispielsweise Deutschlands und der USA \u2013 in die aufstrebenden M\u00e4rkte tendenziell sogar st\u00e4rker zugenommen als die der Schweiz. Allerdings hat sich die Verschiebung der Schweizer Exporte in Richtung aufstrebende M\u00e4rkte in der j\u00fcngeren Vergangenheit nochmals beschleunigt. Dennoch bleibt der Exportanteil der Schweiz in die aufstrebenden Volkswirtschaften auch heute noch deutlich unter jenem von Deutschland (31%) und der USA (42%).&#13;<\/p>\n<h2>Asien als Haupttreiber unter den &shy;aufstrebenden M\u00e4rkten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n<i>Grafik 1<\/i> zeigt die Bedeutung der aufstrebenden Volkswirtschaften im Zeit- und L\u00e4ndervergleich. Die Ver\u00e4nderung der Exportanteile der einzelnen L\u00e4ndergruppen ist stark mit der jeweiligen Wachstumsdynamik verbunden. Der deutlichste Anstieg fand bei den Exporten in die rasant wachsenden neuen M\u00e4rkte in Asien statt. Diese absorbieren heute etwa 13% der Schweizer Warenexporte (im Vergleich zu 9% Mitte der 1990er-Jahre) und haben mittlerweile eine gr\u00f6ssere Bedeutung als die USA. Die treibenden Kr\u00e4fte hinter den steigenden Exportanteilen der asiatischen Region sind China und Hongkong. Aber auch Indien, Singapur und S\u00fcdkorea haben wesentlich zum Anstieg beigetragen. Bei den lateinamerikanischen L\u00e4ndern entwickelten sich vor allem die Ausfuhren nach Brasilien sehr dynamisch. Seit 2000 ist auch ein steigender Trend bei den Warenexporten in die Opec-L\u00e4nder ersichtlich. Ihr Anteil ist aber auch heute noch immer deutlich tiefer als in den fr\u00fchen 1980er-Jahren; damals exportierte die Schweiz knapp 8% in die Opec-L\u00e4nder. Bis 2008 war auch f\u00fcr Osteuropa ein positiver Trend beobachtbar (mit Polen und der Tschechischen Republik als wichtigsten Exportdestinationen), der jedoch durch die Finanz- und Wirtschaftskrise unterbrochen wurde. Seither sinkt der Anteil dieser M\u00e4rkte leicht, was auf die schleppende Erholung dieser L\u00e4nder seit der Krise zur\u00fcckzuf\u00fchren ist.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/03\/201403_09D_Grafik01.eps1_.gif\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-4021\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/03\/201403_09D_Grafik01.eps1_-600x581.gif\" alt=\"201403_09D_Grafik01.eps[1]\" width=\"600\" height=\"581\" \/><\/a>&#13;<\/p>\n<h2>Grosse Unterschiede zwischen &shy;Exportbranchen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Tatsache, dass die neuen M\u00e4rkte f\u00fcr die schweizerische Exportwirtschaft an Bedeutung gewonnen haben, bedeutet nicht, dass dieses Ph\u00e4nomen f\u00fcr alle Exportbranchen gleich wichtig ist. Zwar hat ihr Anteil in allen Hauptexportbranchen tendenziell zugenommen (siehe <i>Grafik 2<\/i>). Die bei Weitem gr\u00f6sste Bedeutung aber haben die neuen M\u00e4rkte schon immer f\u00fcr die Uhrenindustrie. Bereits Mitte der 1990er-Jahre lag ihr Anteil bei rund 35%. Seitdem ist er nochmals deutlich angestiegen: Heute machen sie rund die H\u00e4lfte der Uhrenausfuhren aus. Insbesondere die asiatischen Volkswirtschaften waren an dieser Entwicklung beteiligt. Seit der Krise 2008\/09 gehen gut 37% aller Uhrenexporte in die asiatischen L\u00e4nder, w\u00e4hrend ihr Anteil zwischen 2006 und 2008 noch bei 27% lag.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/03\/201403_09D_Grafik02.eps1_.gif\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-4022\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/03\/201403_09D_Grafik02.eps1_-600x526.gif\" alt=\"201403_09D_Grafik02.eps[1]\" width=\"600\" height=\"526\" \/><\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nVon relativ grosser Bedeutung sind die neuen M\u00e4rkte auch f\u00fcr die Maschinenindustrie: 33% aller Maschinenexporte werden von den aufstrebenden M\u00e4rkten absorbiert. Mitte der 1990er-Jahren betrug ihr Anteil lediglich 22%. Auch bei den Maschinenexporten waren es vor allem die asiatischen L\u00e4nder, die zum Exportwachstum beigetragen haben. Verh\u00e4ltnism\u00e4ssig weniger ausgepr\u00e4gt ist das Ph\u00e4nomen bei den Ausfuhren der chemisch-pharmazeutischen Industrie, bei den Metallerzeugnissen und bei den Pr\u00e4zi&shy;sionsinstrumenten, wo die aufstrebenden M\u00e4rkte ein geringeres Gewicht haben (jeweils nahe 20%).&#13;<\/p>\n<h2>Viele kleinere Branchen profitieren ebenfalls von den neuen M\u00e4rkten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBei einer feinen Aufgliederung nach Warenarten findet man in vielen Branchen der Schweiz signifikante Spuren der neuen M\u00e4rkte. Die <i>Tabelle 1<\/i> f\u00fchrt alle aufstrebenden M\u00e4rkte auf, welche 5% oder mehr der totalen schweizerischen Exporte f\u00fcr eine bestimmte Warenart zwischen 2010 und 2012 importierten. F\u00fcr jeden Markt sind die &shy;betroffenen Warenarten und ihr Anteil auf&shy;gelistet.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/03\/201403_09D_Tabelle01.eps1_.gif\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-4023\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/03\/201403_09D_Tabelle01.eps1_-600x588.gif\" alt=\"201403_09D_Tabelle01.eps[1]\" width=\"600\" height=\"588\" \/><\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWie die Tabelle zeigt, bieten die neuen M\u00e4rkte eine breite Palette an M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Schweizer Exportfirmen. Neben den grossen Absatzm\u00e4rkten China und Hongkong k\u00f6nnen auch einzelne andere L\u00e4nder f\u00fcr spezifische Branchen von grosser Bedeutung sein. Denn die neuen M\u00e4rkte spielen nicht nur f\u00fcr grosse Exportbranchen wie Uhren oder Maschinen , sondern auch f\u00fcr viele kleinere Branchen. Beispielsweise erzielen die Leder-, Schuh- und Bekleidungshersteller einen signifikanten Teil ihrer Ums\u00e4tze auf diesen M\u00e4rkten. Auch die Fahrzeugindustrie f\u00e4llt auf; sie lieferte zwischen 2010 und 2012 einen bedeutenden Anteil ihrer Exporte in die Vereinigten Arabischen Emirate, nach Algerien und nach Polen.&#13;<\/p>\n<h2>Geografische Diversifizierung erh\u00f6ht die Robustheit des Schweizer Exportsektors<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMit dem Boom in den aufstrebenden Volkswirtschaften haben sich w\u00e4hrend der letzten 20 Jahre neue Absatzm\u00e4rkte f\u00fcr Schweizer Exportfirmen er\u00f6ffnet. In vielen Branchen wurden diese M\u00f6glichkeiten erfolgreich genutzt. Das l\u00e4sst sich auch daran erkennen, dass die aufstrebenden Volkswirtschaften \u00fcberdurchschnittliche Nachfrageelastizit\u00e4ten bez\u00fcglich Schweizer Produkte aufweisen. Die Nachfrageelastizit\u00e4ten signalisieren, wie stark die realen Schweizer Exporte mit dem jeweiligen realen BIP-Wachstum zunehmen. An erster Stelle steht hier China mit einer Elastizit\u00e4t von rund 2,2, gefolgt von Brasilien, Russland und Mexiko (alle mit Werten \u00fcber 1,7). Auch Indien hat mit 1,2 noch einen \u00fcberdurchschnittlichen Wert. Nach Warenart betrachtet, sind die Nachfrageelastizit\u00e4ten besonders hoch f\u00fcr in der Schweiz hergestellte chemisch-pharmazeutische Erzeugnisse, Pr\u00e4zisionsinstrumente und Uhren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEinige Exportbranchen haben somit stark vom Wachstum in den aufstrebenden M\u00e4rkten profitiert. Allerdings k\u00f6nnten sich damit auch die Risiken erh\u00f6ht haben. Denn eine starke Ausrichtung auf diese M\u00e4rkte erh\u00f6ht die Anf\u00e4lligkeit Schweizer Hersteller auf negative Schocks aus diesen L\u00e4ndern, wie z. B. einen pl\u00f6tzlichen Wachstumseinbruch. Aus Risikoperspektive ist deshalb eine breite &shy;Diversifizierung nach Absatzl\u00e4ndern von Vorteil. Ein gutes Mass der Diversifizierung ist der sogenannte Herfindahl-Index, der die quadrierten Anteile aller Exportm\u00e4rkte aufsummiert. Je tiefer der Wert, desto diversifizierter sind die L\u00e4nder bez\u00fcglich ihrer &shy;ausl\u00e4ndischen Absatzm\u00e4rkte. Unter den Hauptexportbranchen gibt es relativ grosse Unterschiede im Herfindahl-Index. Allgemein l\u00e4sst sich w\u00e4hrend der letzten 20 Jahre aber ein Trend zu einer gr\u00f6sseren geografischen Diversifizierung feststellen. Am st\u00e4rksten nach Absatzl\u00e4ndern diversifiziert sind heute die Exporte der Uhrenindustrie und der chemisch-pharmazeutischen Industrie. Auch der drittgr\u00f6sste Exportsektor, die &shy;Maschinenindustrie, liegt diesbez\u00fcglich im vorderen Drittel. Am anderen Ende des Spektrums befinden sich die Metalle, die Energietr\u00e4ger und die Papierwaren: Diese Industrien weisen eine vergleichsweise starke Konzentration auf bestimmte Exportl\u00e4nder auf.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Da es bei den Dienstleistungsexporten der Schweiz \u00adbisher keine Aufschl\u00fcsselung nach Exportdestinationen gab, konzentrieren wir uns in diesem Beitrag auf die Entwicklung der Warenexporte.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit 1993 sind die globalen Warenexporte in die aufstrebenden M\u00e4rkte (wie China, Polen oder Brasilien, siehe Kasten 1) im Schnitt um 12% pro Jahr angestiegen. W\u00e4hrend 1993 noch rund 25% der Weltexporte in diese L\u00e4nder flossen, waren es im Jahr 2012 bereits 41%. 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