{"id":118181,"date":"2014-03-01T12:00:00","date_gmt":"2014-03-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2014\/03\/maeder-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:20:21","modified_gmt":"2023-08-23T21:20:21","slug":"maeder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2014\/03\/maeder\/","title":{"rendered":"Wie steht es um die Konjunkturlage in den USA?"},"content":{"rendered":"<p>Dass die Entwicklung von Realwirtschaften stark mit derjenigen der Finanzm\u00e4rkte verlinkt ist, haben die j\u00fcngsten Krisenjahre eindrucksvoll aufgezeigt. Im Anschluss an die Verwerfungen auf den M\u00e4rkten im Jahre 2008 erlebte die US-amerikanische Volkswirtschaft die schwerste Rezession seit den 1930er-Jahren: W\u00e4hrend die Arbeitslosenquote innerhalb von zwei Jahren von 4,7% auf 10% hochschnellte<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>, schrumpfte das Bruttoinlandprodukt (BIP) im selben Zeitraum um \u00fcber 4%<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>. Aus Angst vor den realwirtschaftlichen Auswirkungen der Finanzkrise schn\u00fcrte die US-Regierung neben dem 700 Mrd. US-Dollar schweren Hilfsprogramm zur Rettung des Finanzsystems <i>(Troubled Asset Relief Program)<\/i> im Februar 2009 zus\u00e4tzlich ein 800 Mrd. US-Dollar umfassendes, \u00fcber mehrere Jahre laufendes Stimulierungspaket <i>(American Recovery and Reinvestment Act)<\/i>. Zus\u00e4tzlich wurde der Staatshaushalt von noch aus der \u00c4ra Bush jr. stammenden Initiativen, namentlich den massiven Steuersenkungen <i>(Bush Tax Cuts)<\/i>, der Ausweitung der Krankenversicherung f\u00fcr Rentner <i>(Medicare)<\/i> sowie den beiden Kriegen im Irak und in Afghanistan. F\u00fcr das Fiskaljahr 2009 mussten die USA ein Rekorddefizit von rund 1,4 Bio. US-Dollar; das sind rund 10% des BIP.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a>&#13;<\/p>\n<h2>Haushaltsstreit im Kongress mit &shy;glimpflichem Ausgang<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSeit 2010, als es den Republikanern gelang, die Mehrheit im Repr\u00e4sentantenhaus f\u00fcr sich zu gewinnen, sind die gegens\u00e4tzlichen Vorstellungen zum Thema Haushaltspolitik der beiden Parteien \u2013 Stimuluspolitik der Demokraten bzw. Austerit\u00e4tspolitik der Republikaner \u2013 in einen regelrechten Dauerstreit ausgeartet. Wie in jedem Jahr seit Antritt der Administration Obama wurde der US-Staatshaushalt auch w\u00e4hrend des&shy; gesamten Fiskaljahres 2013 nicht durch ein &shy;ordentliches Budget, sondern durch sogenannte <i>Continuing Resolutions<\/i> finanziert. Im letzten Herbst fiel sodann auch das aktuelle Haushaltsbudget der Teilung des Kongresses \u2013 dem Senat mit demokratischer Mehrheit und dem Repr\u00e4sentantenhaus mit republikanischer Mehrheit \u2013 zum Opfer. Im Anschluss an den dadurch ausgel\u00f6sten, f\u00fcr die Republikaner eher unr\u00fchmlichen <i>Government Shutdown<\/i> einigten sich die beiden Parteien f\u00fcr die Fiskaljahre 2014 und 2015 auf einen Budgetrahmen, der die schlimmsten automatischen Ausgabenk\u00fcrzungen <i>(Sequester)<\/i> aus dem <i>Budget Control Act 2011<\/i> zu korrigieren vermochte. Damit ist f\u00fcr das laufende und das n\u00e4chste Fiskaljahr der Rahmen f\u00fcr eine geordnete Haushaltspolitik grunds\u00e4tzlich gegeben.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTrotz harscher Kritik konnte der Sequester im Zusammenspiel mit anderen anl\u00e4sslich des Budget Control Act beschlossenen K\u00fcrzungen sowie der Nichtverl\u00e4ngerung der Steuererleichterungen f\u00fcr Jahreseinkommen \u00fcber 400\u2009000 US-Dollar die Haushaltslage merklich beruhigen. Gem\u00e4ss Prognosen des Congressional Budget Office (CBO) liegt das Budgetdefizit im laufenden Jahr noch knapp \u00fcber 3% des BIP und d\u00fcrfte bis Ende des Jahrzehnts unter dieser Schwelle bleiben. Gleichzeitig ist von einer stabilisierenden Schuldenquote von rund 75% (bezogen auf \u00f6ffentlich gehandelte Staatsanleihen)<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> bzw. 100% (bezogen auf die Gesamtschuld)<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a> des BIP auszugehen. Diesem positiven Trend zum Trotz ist zu beachten, dass die bisherigen Ausgabenk\u00fcrzungen ausschliesslich in jenem Drittel des Bundesbudgets vorgenommen wurden, \u00fcber welches der Kongress frei verf\u00fcgen kann. Damit sind neben der Verteidigung insbesondere die f\u00fcr die k\u00fcnftige Wirtschaftsentwicklung bedeutenden Bereiche Infrastruktur und Bildung von K\u00fcrzungen betroffen. Die tiefer greifende Problematik, dass die gesetzlich gebundenen Ausgaben im Gesundheitswesen und bei der Rentenversicherung eine langfristig nicht nachhaltige Entwicklung aufweisen, bleibt hingegen ungel\u00f6st.&#13;<\/p>\n<h2>Anfang vom Ende der expansiven &shy;Geldpolitik<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie in <i>Grafik 1<\/i> dargestellte relative Stabilisierungsprognose impliziert ein betr\u00e4chtliches reales Wirtschaftswachstum. \u00dcber die n\u00e4chsten vier Jahre geht das CBO konkret von einem realen Wachstum von durchschnittlich \u00fcber 3,1% pro Jahr aus. Die in diesem Zeitraum erwartete Inflation wird gem\u00e4ss IWF bis 2018 geringf\u00fcgig \u00fcber das von der US-Notenbank <i>Federal Reserve Board (Fed)<\/i> angestrebte 2-Prozent-Ziel ansteigen. Auch aufgrund der sich entspannenden Arbeitsmarkterwartungen hat das Fed mit dem sogenannten <i>Tapering<\/i> den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik <i>(Quantitative Easing)<\/i> eingel\u00e4utet. Solange die Inflation unter 2% und die Arbeitslosenquote \u00fcber 6,5% liegt, will es allerdings am tiefen Zielband der <i>Federal Funds Rate<\/i> \u2013 und damit an einer expansiven Geldpolitik \u2013 festhalten. Zwar k\u00f6nnen aktuell viele Unternehmen vom \u00e4usserst liquiden Umfeld profitieren. Dennoch gilt es f\u00fcr den US-amerikanischen W\u00e4hrungsh\u00fcter, diese \u00dcberschussliquidit\u00e4t in der H\u00f6he von 2,5 Bio. US-Dollar im Auge zu behalten. Sollte es dem Fed \u2013 beziehungsweise deren neuer Pr\u00e4sidentin Janet Yellen \u2013 nicht gelingen, den mittlerweile systemischen Liquidit\u00e4ts\u00fcberschuss rechtzeitig abzusch\u00f6pfen, w\u00e4re sp\u00e4testens mittelfristig mit einer unerw\u00fcnscht hohen Teuerung zu rechnen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/03\/201403_08D_Grafik01.eps1_.gif\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-4011\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/03\/201403_08D_Grafik01.eps1_-600x516.gif\" alt=\"201403_08D_Grafik01.eps[1]\" width=\"600\" height=\"516\" \/><\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGleichzeitig sei insbesondere auf den Zielkonflikt verwiesen, dass ein allf\u00e4llig ansteigendes Zinsniveau mit einer Versch\u00e4rfung der Budgetproblematik im Bereich der Bedienung der eigenen Staatsanleihen einhergehen k\u00f6nnte. Das CBO stellt in diesem Zusammenhang in Aussicht, dass sich die Zinszahlungen auf den Treasuries bis 2024 vervierfachen werden. Der Schluss , dass die klassische Unterscheidung zwischen Geld- und Fiskalpolitik zunehmend schwieriger wird.&#13;<\/p>\n<h2>Demografische Entwicklung hinterl\u00e4sst Spuren im Arbeitsmarkt<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie ab 2007 sprunghaft angestiegene &shy;Arbeitslosenquote fiel im Verlauf von 2013 von 7,9% auf ein F\u00fcnfjahrestief von 6,7%. Das Fed erwartet, dass dieser positive Trend auch in den kommenden Jahren Bestand haben und sich ab 2016 bei rund 5,5% einpendeln wird. Ein Erreichen des Vorkrisenniveaus von unter 5% ist in diesem Sinne auch mittelfristig nicht zu erwarten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/03\/201403_08D_Grafik02.eps1_.gif\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-4012\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/03\/201403_08D_Grafik02.eps1_-600x522.gif\" alt=\"201403_08D_Grafik02.eps[1]\" width=\"600\" height=\"522\" \/><\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIm Dezember 2013 wurden im Vergleich zum Vormonat zwar rund 490\u2009000 Amerikaner als arbeitslos registriert. Allerdings sind mit 347\u2009000 \u00fcber zwei Drittel dieses R\u00fcckgangs nicht auf die Schaffung neuer Stellen, sondern auf die statistische Ausgliederung aus der Erwerbsbev\u00f6lkerung zur\u00fcckzuf\u00fchren.<a href=\"#footnote_6\" id=\"footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor\">[6]<\/a> Insbesondere aufgrund dieser \u2028Abh\u00e4ngigkeit vom Anteil der als aktiv eingestuften Bev\u00f6lkerung sind die obigen Prognosen mit Vorsicht zu geniessen. So geht das Bureau of Labor Statistics (BLS) davon aus, dass der r\u00fcckl\u00e4ufige Trend bei der Erwerbsquote \u2013 sprich der Anteil der im Arbeitsmarkt aktiven Erwachsenen \u2013 auch in Zukunft Bestand haben wird. W\u00e4hrend 2002 noch 66,6% aller Erwachsenen als im Arbeitsmarkt aktiv eingestuft waren, rapportiert das BLS aktuell eine Quote von 62,8%. Als Folge eines erwarteten R\u00fcckgangs in der Altersgruppe der 16- bis 24-J\u00e4hrigen von \u00fcber 5% sowie insbesondere der bevorstehenden Pensionierung der Baby-Boomer-Generation wird bis 2022 ein R\u00fcckgang der Quote bis auf 61,6% prognostiziert. In absoluten Zahlen wurden 2013 \u2013 wie im Vorjahr \u2013 pro Monat durchschnittlich gut 180\u2009000 Arbeitsstellen geschaffen. Zuk\u00fcnftig ist gem\u00e4ss BLS insbesondere im Gesundheitswesen sowie in der Bauindustrie das gr\u00f6sste Wachstumspotenzial zu orten. Im Gegensatz dazu rechnet das BLS im Landwirtschaftsbereich und im Staatswesen mit einem R\u00fcckgang. Eine weitere Herausforderung stellt das stetige Bev\u00f6lkerungswachstum dar: Wuchs die Erwerbsbev\u00f6lkerung w\u00e4hrend der vergangenen zehn Jahre um 9 Mio. Personen, so waren monatlich schon rund 75\u2009000 neue Stellen n\u00f6tig, um eine &shy;konstante Arbeitslosenquote ausweisen zu k\u00f6nnen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/03\/201403_08D_Grafik03.eps1_.gif\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-4013\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/03\/201403_08D_Grafik03.eps1_-600x534.gif\" alt=\"201403_08D_Grafik03.eps[1]\" width=\"600\" height=\"534\" \/><\/a>&#13;<\/p>\n<h2>L\u00e4ngerfristig stehen etliche ungel\u00f6ste Probleme an<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nObwohl die US-amerikanische Volkswirtschaft noch vor einigen Hindernissen steht, darf die unmittelbar bevorstehende Zukunft als positiv beurteilt werden. Mittelfristig ist von einer \u2013 zumindest relativ zum BIP \u2013 stabilen Schuldensituation, einer positiven Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt sowie einer R\u00fcckkehr zu gesundem Wirtschaftswachstum auszugehen. Voraussetzung daf\u00fcr ist jedoch, dass die aktuell im Finanzsystem schlafende Liquidit\u00e4t nicht ungehindert in den Kreis der Konsumenten gelangt, k\u00fcnftige Erh\u00f6hungen der Schuldenobergrenze im Kongress durchkommen und die US-Wirtschaft nicht einen externen Schock erf\u00e4hrt. Insbesondere in der langen Frist stehen die USA angesichts des ungebremsten Kostenanstiegs im Gesundheitswesen und der Altersvorsorge sowie des komplexen und investitionshindernden Steuersystems mit den weltweit h\u00f6chsten Gewinnsteuers\u00e4tzen vor erheblichen ungel\u00f6sten Problemen.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Bureau of Labor Statistics.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Bureau of Economic Analysis.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Office of Management and Budget.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Debt held by the public.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Total Debt.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_6\" class=\"footnote--item\">Bureau of Labor Statistics.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass die Entwicklung von Realwirtschaften stark mit derjenigen der Finanzm\u00e4rkte verlinkt ist, haben die j\u00fcngsten Krisenjahre eindrucksvoll aufgezeigt. 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Ob dieser negativen Schlagzeilen ging \u00adbeinahe unter, dass die enormen Budgetdefizite mittlerweile \u00adeine deutliche Korrektur erfahren \u00adhaben. 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