{"id":118191,"date":"2014-03-01T12:00:00","date_gmt":"2014-03-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2014\/03\/monnerie-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:20:21","modified_gmt":"2023-08-23T21:20:21","slug":"monnerie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2014\/03\/monnerie\/","title":{"rendered":"Neue internationale Bestrebungen f\u00fcr mehr Statistiktransparenz: Was steht f\u00fcr die Schweiz auf dem Spiel?"},"content":{"rendered":"<p>Die Forderung einer Verbesserung der statistischen Daten, wie sie die G20 erheben, ist nicht neu. Er &shy;ert\u00f6nte erstmals in den 1930er-Jahren nach der Grossen Depression, als die Volks&shy;wirtschaftliche Gesamtrechnung\u00a0(VGR) &shy;entwickelt wurde, und setzte sich 1948 mit dem Aufkommen der internationalen &shy;Finanzstatistiken des Internationalen W\u00e4hrungsfonds (IWF) fort. Die 1960er- und 1970er-Jahre brachten mit dem starken Wachstum der \u00abEurodollar\u00bb-M\u00e4rkte die Bankdatenstatistik sowie die Schaffung des speziellen Standards zur Verbreitung von Wirtschafts- und &shy;Finanzdaten (SDDS) mit sich. In den 1990er-Jahren erblickte im &shy;Gefolge der mexikanischen Finanzkrise das Allgemeine Datenver\u00f6ffentlichungssystem (GDDS) das Licht der Welt. Und schliesslich f\u00fchrte nach der Asienkrise die Schaffung des <i>Financial Sector Assessment Program (FSAP)<\/i> durch den IWF im Jahre 1999 zu einem wachsenden Bedarf an Finanzdaten. In der Folge wurde der Ruf nach transparenteren Statistiken immer lauter.&#13;<\/p>\n<h2>Systemische Risiken \u00fcberwachen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie neusten, von der Finanzkrise im Jahr 2008 ausgel\u00f6sten Denkanst\u00f6sse zum internationalen Statistiksystem sind die Fortsetzung dieser Entwicklung. Die laufenden Arbeiten fokussieren auf die internationale Finanz&shy;stabilit\u00e4t und die \u00dcberwachung des Systemrisikos. Der Mangel an Transparenz und an Finanzinformationen ist einer der Hauptgr\u00fcnde f\u00fcr die Unsicherheit an den M\u00e4rkten und die damit einhergehenden Risiken. Es hat sich gezeigt, dass die traditionellen Instrumente der Finanzmarktaufsicht, die vor der Krise in Gebrauch waren, nicht gen\u00fcgten, um die unkontrollierte Versch\u00e4rfung der Systemkrise vorauszusehen. Dies f\u00fchrte schliesslich dazu, dass das Versagen einzelner Finanzmarktaktivit\u00e4ten schwerwiegende Folgen f\u00fcr das ganze Finanzsystem und entsprechende Auswirkungen auf die Realwirtschaft hatte.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDaraufhin wollte man die Ex-ante-Instrumente zur Risikopr\u00e4vention verbessern. Die Idee dahinter war die B\u00fcndelung von makro\u00f6konomischer Politik und \u00dcberwachung des Finanzsystems (daher die Bezeichnung \u00abmakroprudentielle\u00bb Politik). Diese verfolgt zwei Ziele:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Erstens soll die Verst\u00e4rkung der Konjunkturzyklen durch das Finanzsystem (Prozyklizit\u00e4t) bek\u00e4mpft werden.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Zweitens geht es darum, die Widerstandsf\u00e4higkeit des Finanzsystems gegen\u00fcber &shy;finanziellen oder wirtschaftlichen Schocks (Krisenresistenz) zu erh\u00f6hen.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nDie makro\u00f6konomische Analyse ist auf detailliertere Finanzsystemdaten angewiesen. Die Finanzmarkt-Aufsichtsbeh\u00f6rde ist ihrerseits dazu aufgerufen, vermehrt die System&shy;risiken zu beachten, die von ebendiesen Daten ausgehen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nEin zentraler Aspekt dieses Ansatzes besteht im besseren Verst\u00e4ndnis der Ansteckungsmechanismen, die insbesondere auf die immer st\u00e4rkere Vernetzung der Finanzm\u00e4rkte, die Zunahme der grenz\u00fcberschreitenden Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeiten, das Aufkommen komplexer Finanzinstitutionen und Finanzinstrumente sowie das Wachstum des parallelen Finanzmarktes (Shadow Banking) zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. Der IWF fordert Daten \u00fcber die Wechselwirkungen von inter- und intrasektoriellen Finanzstr\u00f6men und Risiken (sogenannter Whom-to-whom-Ansatz), die derzeit noch nicht vorliegen. Damit will er eine vollst\u00e4ndige statistische Erfassung der VGR erreichen sowie die internationalen Kan\u00e4le f\u00fcr die Weitergabe von Daten zwischen dem Finanzsektor und der Realwirtschaft &shy;offenlegen. Diese Vorwegnahme einer f\u00fcr alle identisch hohen Risikoanf\u00e4lligkeit bezweckt, ein kollektives Versagen zu begrenzen.&#13;<\/p>\n<h2>Der neue, anspruchsvollere Standard<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn diesem Kontext hat der IWF seine Standards zur Verbreitung von Statistiken erg\u00e4nzt. Sie sind Teil der zw\u00f6lf vom <i>Financial Stability Board (FSB)<\/i> anerkannten <i>Key Standards for Sound Financial Systems<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a><\/i>, von denen einer die Statistiktransparenz betrifft. Dieser Bereich obliegt dem IWF, der mehrere Statistikstandards eingef\u00fchrt hat, um die Reputation der einzelnen Staaten hinsichtlich der Integrit\u00e4t, der Qualit\u00e4t sowie der \u00f6ffentlichen Zug\u00e4nglichkeit wichtiger makro\u00f6konomischer und finanzieller Daten sicherzustellen. In den IWF-Statuten steht, dass der IWF ein Sammel- und Austauschzentrum f\u00fcr Daten zu Geld- und Finanzfragen sein soll und deshalb Massnahmen treffen darf, um im Einvernehmen mit den Mitgliedsstaaten erg\u00e4nzende Ausk\u00fcnfte einzuholen.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer wichtigste Statistikstandard des IWF ist der Special Data Dissemination Standard (SDDS), welcher derzeit 19 Datenkategorien umfasst. Sie betreffen die VGR, den Staatshaushalt, den Finanzsektor und den Aussenhandel. Daneben gibt es einen vereinfachten Standard (GDDS) f\u00fcr Mitgliedsstaaten mit einem weniger entwickelten Statistiksystem. Diese Standards sehen ein zwingendes Rechtsverfahren vor, das den Ausschluss vom Statistiksystem des IWF eines Landes, das die Standards nicht einh\u00e4lt, zur Folge haben kann. Bisher haben sich rund 90% der Mitgliedsstaaten zur Einhaltung der statistischen Standards des IWF verpflichtet. Dem SDDS haben sich 69 L\u00e4nder angeschlossen. Die Schweiz ist 1996 beigetreten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer neue Standard SDDS Plus schreibt &shy;eine Ausweitung der statistischen Daten des SDDS in Form von neun zus\u00e4tzlichen Datenkategorien<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a> vor, die ein detaillierteres statistisches Angebot und eine gr\u00f6ssere Periodizit\u00e4t vorsehen. Der Wortlaut wurde vom Exekutivrat des IWF im September 2012 gutgeheissen. Der Standard betrifft im Wesentlichen die Staaten mit einem systemisch relevanten Finanzsektor, weil der IWF der Auffassung ist, dass der Standard eine signifikante Verbesserung der Analyse der Finanzstabilit\u00e4t erlaubt.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> Der Beitritt zum SDDS Plus ist zwar nicht obligatorisch, doch mit einem Beitritt verpflichten sich die Mitglieder zur Einhaltung s\u00e4mtlicher Vorschriften des IWF.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nder SDDS Plus verlangt nicht nur zus\u00e4tzliche detaillierte Informationen \u00fcber den Banksektor sowie f\u00fcr die Finanzstabilit\u00e4t relevante Kennzahlen, die auch den Immobiliensektor einschliessen. Insbesondere gefordert sind Daten \u00fcber Finanzinstitute ausserhalb des Bankensektors (Vorsorgeeinrichtungen, Kredit- und Versicherungsgewerbe usw.), da dieser Subsektor eine wachsende Bedeutung aufweist. Der Standard verlangt zudem eine detaillierte Aufschl\u00fcsselung der Verm\u00f6gensbilanz, damit die Struktur der Finanzintermediation zwischen Staaten und Sektoren analysiert werden kann. Ferner beinhaltet der Standard eine Analyse der wechselseitigen Risikoanf\u00e4lligkeit betreffend Schuldtitel\/Forderung pro institutionellem Sektor oder Staat und Datenvergleiche zu den Direkt- und Portefeuille-Investitionen sowie zur Zusammensetzung der Devisenreserven der Zentralbank. Schliesslich umfasst der SDDS Plus Informationen \u00fcber den Staatssektor und die Zusammensetzung der Staatsschuld.&#13;<\/p>\n<h2>Worum geht es f\u00fcr die Schweiz?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie befragten Kreise stellen in ihrer &shy;subjektiven \u2013 und manchmal negativen \u2013 Wahrnehmung den Nutzen und den Wert der Statistik inFrage. Der Aufwand f\u00fcr die Datenerfassung ist jedoch am Opportunit\u00e4tsgewinn zu messen. Umfassendere, detailliertere und h\u00e4ufigere Statistiken k\u00f6nnen zur Verfeinerung der Analysearbeiten beitragen und damit die \u00f6ffentliche Hand bef\u00e4higen, wirtschaftliche und finanzpolitische Krisen besser zu antizipieren. Zudem tr\u00e4gt die Statistik in Gesellschaft und Privatwirtschaft zur Meinungsbildung auf dem Gebiet der Finanzplanung und der Investitionsstrategie bei. Schliesslich ist sie eine wertvolle Informationsquelle f\u00fcr die Wirtschaftsforschung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZur Erf\u00fcllung der Norm ist eine Anzahl technisch-rechtlicher Probleme zu l\u00f6sen. Nach Ansicht f\u00f6deralistisch aufgebauter Staaten wie der Schweiz braucht es ferner zus\u00e4tzliche Ressourcen sowie Reorganisationsmassnahmen f\u00fcr die betroffenen Statistik\u00e4mter, weil die statistischen Anforderungen des IWF Kompatibilit\u00e4tsprobleme aufwerfen. Ausserdem kann eine h\u00f6here Periodizit\u00e4t die Qualit\u00e4t der gelieferten Daten beeintr\u00e4chtigen, wenn die Statistik\u00e4mter mangels Ressourcen gezwungen sind, Sch\u00e4tzungen statt Erhebungen zu liefern. Manche Informationen de SDDS Plus sind f\u00fcr die Analyse sicher von Interesse, bei anderen scheint der Mehrwert jedoch fraglich.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie neue Norm schafft auch neue Meldepflichten. In der Schweiz halten sich die Statistikkosten in Grenzen. Gem\u00e4ss Bericht des Schweizerischen Instituts f\u00fcr Klein- und Mittelunternehmen der Universit\u00e4t St. Gallen aus dem Jahr 2013, der vom Bundesamt f\u00fcr Statistik (BFS) in Auftrag gegeben wurde<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a>, ergeben sich f\u00fcr die Handlungspflichten allein f\u00fcr die obligatorischen Statistiken &shy;Regulierungskosten von 7,3 Mio. Franken pro Jahr. Diese Zahl ist allerdings im Kontext der gesamten Regulierungskosten von ca. 10 Mrd. Franken pro Jahr in der Schweiz zu sehen. Die Studie kommt zum Schluss, dass das schweizerische Statistiksystem derzeit gut funktioniert, da in den &shy;vergangenen Jahren zahlreiche Massnahmen zur Entlastung der Unternehmen umgesetzt &shy;wurden. Dazu geh\u00f6ren unter anderem die Entwicklung von elektronischen Erhebungssystemen und die Integration und die Harmonisierung von Statistiken zur Vermeidung von Doppelspurigkeiten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nParallel dazu wirft der Beitritt zum SDDS Plus die Frage nach der Reputation der Schweiz hinsichtlich der Einhaltung internationaler Standards auf. Die Standards tragen zur St\u00e4rkung der Wirtschafts- und Finanzstabilit\u00e4t sowie zur Gew\u00e4hrleistung der Good Governance bei und schaffen im internationalen Wettbewerb gleich lange Spiesse (Level-Playing Field). Das ist vor allem f\u00fcr eine offene Volkswirtschaft mittlerer Gr\u00f6sse sehr wichtig. Die internationalen Standards, einschliesslich derjenigen zur Verbreitung der statistischen Daten, dienen unter anderem dazu, die rechtlichen und institutionellen &shy;Infrastrukturen im Ausland \u2013 namentlich in den aufstrebenden L\u00e4ndern \u2013 zu st\u00e4rken und damit das Risiko und die Ungewissheit der Schweizer Investoren in diesen Staaten zu verringern. Die wirtschaftliche und institutionelle Transparenz verhilft diesen L\u00e4ndern zu besseren Wirtschaftsergebnissen und einer gr\u00f6sseren Finanzstabilit\u00e4t.&#13;<\/p>\n<h2>Ist der konzeptuelle Rahmen der internationalen Statistik neu zu definieren?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nF\u00fcr die Probleme der internationalen Statistik bietet der SDDS Plus lediglich eine Teill\u00f6sung. Angesichts der wachsenden Komplexit\u00e4t der finanziellen Verflechtungen und der hohen Ansteckungsgefahr ist davon auszugehen, dass die Statistik neue Risiken nicht erkennt, weil die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und das Bankensystem eines Landes wie der Schweiz gesund und solide scheinen. Im Bewusstsein dieser Herausforderungen hat der IWF im Oktober 2013 erstmals ein internationales Forum organisiert mit dem Ziel, ein Konzept der Statistiktransparenz auszuarbeiten, um die globale Wirtschafts- und Finanzstabilit\u00e4t zu erh\u00f6hen. Der IWF will die Staaten f\u00fcr wichtige Schwachstellen in der Statistik sensibilisieren und sie ausserdem von der Notwendigkeit \u00fcber&shy;zeugen, vorhandene Risiken st\u00e4rker zu &shy;ber\u00fccksichtigen. Weiter geht es darum, die Ungewissheit der Wirtschaftsakteure zu verringern, die Koh\u00e4renz und die Vergleichbarkeit der internationalen Statistiken zu f\u00f6rdern sowie Instrumente zur St\u00e4rkung der politischen Handlungsf\u00e4higkeit zu schaffen. Laut IWF sind in zahlreichen Bereichen zur Unterst\u00fctzung der Forschungsbestrebungen Verbesserungen n\u00f6tig (siehe <i>Kasten 1).\u00a0<\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nUnter den Fachspezialisten werfen die Forderungen des IWF jedoch viele Fragen auf. Das Dilemma zwischen einer h\u00f6heren Datenfrequenz und dem Kosten-Nutzen-Verh\u00e4ltnis bei den Ergebnissen wird weiterhin heftig diskutiert. F\u00fcr manche \u00d6konomen setzt eine Vergr\u00f6sserung der Datenmenge voraus, dass zuerst die vorhandenen Informationen voll ausgewertet werden. Weitere heikle Fragen betreffen die Stichhaltigkeit der offiziellen Daten in gewissen Staaten. &shy;Gezweifelt wird auch am tats\u00e4chlichen Willen der Beh\u00f6rden, die Statistiken zweck&shy;m\u00e4ssig zu verwenden, um rechtzeitig zu &shy;reagieren und politische Massnahmen zu treffen. Dies zeigte sich am Beispiel Irlands: Alarm&shy;signale gab es schon vor der Krise, die schliesslich im Zusammenbruch des Banken&shy;systems m\u00fcndete. Informationsmangel &shy;erh\u00f6ht die Ungewissheit an den Finanzm\u00e4rkten, sodass sich allein schon eine erh\u00f6hte Transparenz der Statistiken stabilisierend auf die Wirtschaft auswirkt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie internationale Statistik passt sich also weiterhin der Entwicklung der Wirtschaftskrisen an, so wie es die Medizin gegen\u00fcber der Entwicklung der Viren tut. Statistische Weiterentwicklungen haben stets heftigen Widerstand gegen\u00fcber dem als \u00abInquisitor\u00bb empfundenen Staat hervorgerufen. Das war schon zu den Zeiten der R\u00f6mer der Fall, die als Erste alle f\u00fcnf Jahre eine Volksz\u00e4hlung durchf\u00fchren liessen. Auch Jean Bodin, ein Politik- und Wirtschaftstheoretiker des 16. Jahrhunderts, stiess auf grossen Widerstand, als er mit seinem originellen Konzept nachwies, dass Statistiken in Wirklichkeit zur &shy;Regierungspraxis liberaler Regierungen geh\u00f6ren. Die Statistik ist normativ t\u00e4tig, ohne Gesetze zu erlassen. Sie vermag im Laufe der Zeit regulierend auf das kollektive Verhalten einer Gesellschaft einzuwirken und zur Wirtschaftlichkeit beizutragen, ohne Vorschriften zu erlassen. Auf diese Weise erlaubt sie den Beh\u00f6rden \u2013 frei nach Jean Bodin \u2013 \u00abzu regieren, ohne zu regieren\u00bb.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Diese Standards wurden vom FSB in Zusammenarbeit mit dem IWF, der Weltbank und den internationalen Normenorganisationen ausgearbeitet.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">IWF-Statuten, Artikel VIII, Absatz 5 c.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Inter- und intrasektorielle VGR, Sektor Staat, \u00adZusammensetzung der Staatsschuld, f\u00fcr die Finanz\u00adstabilit\u00e4t relevante Indikatoren, Informationen \u00fcber \u00adFinanzinstitutionen ausserhalb des Bankensektors, Schuldscheine\/Forderungen pro institutionellem Sektor, Direkt- und Portefeuille-Investitionen, Zusammen\u00adsetzung der Devisenreserven der Zentralbank.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Vgl. Heat, Robert: Why are the G-20 Data Gaps Initiative and the SDDS Plus Relevant for Financial Stability \u00adAnalysis?, IWF Working Paper, Januar 2013. Internet: www.imf.org\/external\/pubs\/ft\/wp\/2013\/wp1306.pdf&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Vgl. \u00abSch\u00e4tzung der Kosten von Regulierungen und Identifizierung von Potenzialen f\u00fcr die Vereinfachung und Kostenreduktion im Bereich Statistik\u00bb, Forschungsbericht, der von Januar bis Juli 2013 im Auftrag des Bundesamtes f\u00fcr Statistik (BFS) vom Schweizerischen Institut f\u00fcr Klein- und Mittelunternehmen der \u00adUniversit\u00e4t St. Gallen erstellt wurde: www.seco.admin.ch\/themen\/02860\/04913\/04914\/index.html?lang=de.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Forderung einer Verbesserung der statistischen Daten, wie sie die G20 erheben, ist nicht neu. 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Die Globalisierung der Finanzm\u00e4rkte hat zu einer grossen Bewertungsdynamik von Aktiva und Passiva sowie zu einer starken Zunahme der Wechselkursrisiken gef\u00fchrt. Parallel dazu ist das Auslandverm\u00f6gen der Staaten und der Wirtschaftssektoren komplexer geworden. Feststellen l\u00e4sst sich auch ein zunehmend asymmetrisches Verschuldungsrisiko von Industrienationen und aufstrebenden L\u00e4ndern. Eine detaillierte Aufschl\u00fcsselung der Verm\u00f6gensbilanz ist demnach notwendig, um die Struktur der Finanzintermediation zwischen Staaten und Sektoren zu analysieren und festzustellen, wer letztendlich die Inhaber der tats\u00e4chlich risikobehafteten Aktiva sind. Die Aufschl\u00fcsselung erlaubt auch, die sektoriellen Risiken zu analysieren, welche die Bedeutung der inter- und intrasektoriellen Verflechtungen und die Heterogenit\u00e4t der Finanzpositionen in den einzelnen institutionellen Sektoren angemessen ber\u00fccksichtigten. Die geforderten Daten w\u00fcrden insbesondere die Realisierung des statistischen Konzepts der Bestandsanpassung (Stock-Flow Adjustment, SFA) erlauben. Dieses Instrument wurde seit der Finanzkrise neu \u00fcberdacht; es erm\u00f6glicht ein besseres Verst\u00e4ndnis der Verschuldungssituation von Staaten, indem die Verschuldung nicht nur mit der Entwicklung des Defizits, sondern mit einer Reihe anderer Faktoren in Verbindung gebracht wird (Wertver\u00e4nderung der Schuld in Fremdw\u00e4hrungen, Zweckbindung der Privatisierungseinnahmen der \u00f6ffentlichen Hand f\u00fcr die Schuldentilgung usw.).&#13;\n&#13;\n<strong>2) Statistische Kontrolle der Kapitalfl\u00fcsse<\/strong>&#13;\n&#13;\nEs braucht detailliertere bilaterale Daten, um die Volatilit\u00e4t der Interbank-Darlehen und der Finanzstr\u00f6me internationaler Portefeuilles zu antizipieren. Weder die nationalen Zahlungsbilanzen noch die Daten des IWF enthalten in ihrer heutigen Form Angaben zur Art des Investors (ausser dem Herkunftsland), zum Ort, zur Emissionsw\u00e4hrung, zur Laufzeit der Finanzinstrumente sowie zu den Investitionsstrategien. Ein m\u00f6glicher Ansatz w\u00e4re die \u00dcberarbeitung des konzeptuellen Rahmens der Zahlungsbilanz.&#13;\n&#13;\n<strong>3) Evaluation des parallelen Bankwesens (Shadow Banking)<\/strong>&#13;\n&#13;\nDer IWF hat eine neue Matrix zur Analyse der Finanzstr\u00f6me internationaler Fonds entwickelt (Global Fund of Flows, GFF a). Von Belang ist namentlich, dass sie sowohl die nationale wie die internationale Risikoexposition des Banksektors gegen\u00fcber den anderen Finanzinstitutionen abbildet. Sie erlaubt auch die Unterscheidung von \u00abnormalen\u00bb Bankpassiva (Core Liabilities, insbesondere Einlagen der privaten Haushalte) und \u00abrisikobehafteten\u00bb Passiva (Noncore Liabilities, d. h. andere Finanzierungsquellen via Schattenbank). Sie bezweckt ferner die Unterscheidung von Round-Trip Flows (z. B. Reinvestitionen des Banksektors in die Staatsanleihen des Investorlandes) und Gegenleistungen pro Sektor und Land. Die Daten sind allerdings l\u00fcckenhaft. Der IWF hat einen ersten Entwurf einer GFF-Matrix f\u00fcr die USA vorgelegt und plant die Erstellung einer Matrix f\u00fcr den Euroraum und Grossbritannien. Der IWF m\u00f6chte am liebsten eine detaillierte Matrix pro Institutionstypus und mit verl\u00e4ngerten Zeitreihen erstellen.&#13;\n&#13;\n<strong>4) Risikomessung im \u00f6ffentlichen Sektor<\/strong>&#13;\n&#13;\nDie Staatsschuldenkrise im Euroraum hat gezeigt, wo der \u00f6ffentliche Sektor am st\u00f6rungs\u00adanf\u00e4lligsten ist (Fault Lines). Die Qualit\u00e4t der Kennzahlen f\u00fcr den Voranschlag sowie der Bewertung von Aktiva\/Passiva des \u00f6ffentlichen Sektors wird heute infrage gestellt. Das \u00abRegieren mithilfe der Statistiken\u00bb (d.h. die \u00abnachtr\u00e4gliche\u00bb Validierung der Finanzpolitik durch die Maastricht-Kriterien) hat ihre Schw\u00e4chen offenbart und ist nicht mehr zukunftsgerichtet. Die Strukturdifferenzen der \u00f6ffentlichen Sektoren sind so gross, dass die einzelnen Staaten unterschiedlich damit umgehen m\u00fcssen. Eine Fiskalunion kann zwar die asymmetrischen Schocks d\u00e4mpfen. Sie gen\u00fcgt jedoch nicht zur L\u00f6sung der spezifischen Probleme wie der \u00adRisiken betreffend die Eventualverbindlichkeiten, der Schockanf\u00e4lligkeit der Fiskaleinnahmen oder der Nachhaltigkeit des Staatshaushaltes. Wo es noch keine gibt, braucht es die Errichtung unabh\u00e4ngiger Finanzbeh\u00f6rden; die bereits bestehenden sind zu st\u00e4rken. Wichtiger als eine Erh\u00f6hung der Daten\u00admenge ist die Verfeinerung der statistischen Methoden, um den \u00abfinanzpolitischen Spielraum\u00bb \u2013 d. h. die Differenz zwischen tats\u00e4chlicher Verschuldung und theoretischer H\u00f6chst\u00adverschuldung \u2013 und den Konsolidierungskreis des \u00f6ffentlichen Sektors (netto\/brutto; mit\/ohne von der \u00f6ffentlichen Hand \u00fcbernommene Einheiten usw.) besser einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen.&#13;\n&#13;\na Vgl. Mapping the Shadow Banking System Through a Global Flow of Funds Analysis, IWF Working Paper, Januar 2014: <a href=\"http:\/\/www.imf.org\/external\/pubs\/ft\/wp\/2014\/wp1410.pdf\">http:\/\/www.imf.org\/external\/pubs\/ft\/wp\/2014\/wp1410.pdf<\/a>"}],"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":118194,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"2871","post_abstract":"","magazine_issue":"20140301","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/54c0e953567c7"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/118191"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4020"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=118191"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/118191\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":127113,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/118191\/revisions\/127113"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4020"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=118191"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=118191"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=118191"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=118191"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=118191"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=118191"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}