{"id":118196,"date":"2014-03-01T12:00:00","date_gmt":"2014-03-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2014\/03\/parnisari-6\/"},"modified":"2023-08-23T23:20:28","modified_gmt":"2023-08-23T21:20:28","slug":"parnisari-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2014\/03\/parnisari-5\/","title":{"rendered":"Die Konjunktur hat nicht nur vor\u00fcbergehende Wirkungen"},"content":{"rendered":"<p>Konjunktur wird h\u00e4ufig definiert als die Gesamtheit der Ereignisse, die einen beschr\u00e4nkten, vorwiegend <em>kurzfristigen<\/em> Einfluss auf das aktuelle Wirtschaftsgeschehen haben. Allgemein wird die Konjunktur in Zusammenhang gebracht mit <em>vor\u00fcbergehenden, provisorischen,<\/em> manchmal <em>zyklischen<\/em> Ereignissen, deren Auswirkungen sich langsam in den tieferen, <em>strukturellen<\/em> Trends einer Volkswirtschaft verlieren. Diese strukturellen Trends w\u00e4ren somit massgeblich f\u00fcr die <em>langfristige<\/em> Zukunft einer Gesellschaft. Die Wirtschaftstheorie definiert jedoch nicht eindeutig, was unter kurz- und langfristig zu verstehen ist. \u00d6konomen geraten bei der Frage, welche Dauer sie diesen Begriffen zuordnen, meistens in Verlegenheit. Denn manchmal dauert es Jahre, bis erkennbar wird, welche langsamen, strukturellen Trends eine Wirtschaft pr\u00e4gen und bei welchen Tendenzen es sich um konjunkturelle Erscheinungen handelte. Vergessen geht dabei h\u00e4ufig, dass strukturelle Faktoren st\u00e4ndig eine Rolle spielen: Anpassungen am regulatorischen Rahmen, Ver\u00e4nderungen im Verhalten oder bei den relativen Preisen, Unternehmensgr\u00fcndungen oder -schliessungen, das Aufkommen neuer Technolo&shy;gien oder aber die Einsicht, dass der Produktionsapparat veraltet ist, sind st\u00e4ndige Prozesse.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a>&#13;<\/p>\n<h2>Wie misst man Konjunktur?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZur Messung der Konjunktur gibt es verschiedene M\u00f6glichkeiten. Die Wirtschaftswissenschaft und die \u00d6ffentlichkeit konzentrieren sich h\u00e4ufig auf folgende Instrumente:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>j\u00e4hrliche oder viertelj\u00e4hrliche preisbereinigte Ver\u00e4nderungen des Bruttoinlandprodukts (BIP) oder seiner Bestandteile;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Ergebnisse der monatlichen oder viertelj\u00e4hrlichen Konjunkturumfragen;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Arbeitsmarktindikatoren.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nWeil das BIP in der Regel zunimmt, werden seine Ver\u00e4nderungsraten f\u00fcr die Beurteilung des Konjunkturverlaufs herangezogen.Die Ergebnisse der Konjunkturbefragungen schwanken im Allgemeinen um einen mehr oder weniger konstanten historischen Durchschnitt, womit sie sich direkt interpretieren lassen (Saldo der Antworten bei Meinungsumfragen \u00fcber einen bestimmten Bereich). F\u00fcr die Arbeitsmarktindikatoren sind verschiedene Arten von Auslegungen und Analysen m\u00f6glich: von Wachstumsraten bis zu Prozents\u00e4tzen wie bei der Arbeitslosenquote. Die Berechnung der Ver\u00e4nderung des BIP \u2013 oder der Anzahl Stellen auf dem Arbeitsmarkt \u2013 ist nicht die einzige M\u00f6glichkeit zum Messen der Konjunktur. Viele Analysten und insbesondere die Zentralbanken und &shy;Finanzministerien versuchen, ein <em>potenzielles BIP<\/em> f\u00fcr ein Land zu berechnen. Vergleicht man dieses mit dem effektiven BIP, erh\u00e4lt man die <em>Produktionsl\u00fccke<\/em> (Output-Gap). Das potenzielle BIP einer Wirtschaft &shy;bezieht sich auf das Angebotspotenzial (&shy;Produktionsfaktoren und Technologie). Auf mehrere Jahre hinaus gesehen, sollte sich das Potenzialwachstum aus dem Wachstum der Erwerbsbev\u00f6lkerung und dem technischen Fortschritt ergeben. \u00dcber mehrere Quartale hinweg kann sich das potenzielle BIP \u00e4ndern, namentlich aufgrund eines ver\u00e4nderten &shy;Kapitalstocks. Das potenzielle BIP ist somit eine Art \u00abtheoretisches\u00bb BIP, das eine Wirtschaft erreichen w\u00fcrde, wenn alle Produktionsfaktoren (Kapital und Arbeit) normal ausgelastet w\u00e4ren. Darunter ist ein nachhaltiges Wachstum ohne Inflationsdruck zu verstehen. Die Produktionsl\u00fccke kann auch positiv sein. Dies ist dann der Fall, wenn das effektive BIP h\u00f6her ist als das potenzielle BIP. Dabei handelt es sich um eine vor\u00fcber&shy;gehende Situation, die h\u00e4ufig mit Inflationsdruck einhergeht. Umgekehrt kann ein starker Nachfrager\u00fcckgang eine negative L\u00fccke zwischen (niedrigerem) effektivem BIP und (h\u00f6herem) potenziellem BIP zur Folge haben, wie dies in den meisten &shy;Industriel\u00e4ndern zwischen 2009 und 2013 der Fall war. Die Sch\u00e4tzung der Produk&shy;tionsl\u00fccke ist insbesondere f\u00fcr die Geld&shy;politik von Interesse, da sie auf m\u00f6gliche Inflationstendenzen hinweist, wenn sie &shy;positiv ist, und auf Deflationstendenzen im um&shy;gekehrten Fall. F\u00fcr die \u00f6ffentlichen &shy;Finanzen lassen sich durch die relative &shy;Position einer Volkswirtschaft im Vergleich zum potenziellen BIP die konjunkturellen und strukturellen Bestandteile im Saldo des Staatshaushalts (Defizit oder \u00dcberschuss) identifizieren.&#13;<\/p>\n<h2>Finanz- und Wirtschaftskrise und &shy;Potenzialwachstum<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Europ\u00e4ische Kommission und die Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) berechnen j\u00e4hrlich Sch\u00e4tzungen f\u00fcr das potenzielle BIP\u00a0f\u00fcr die L\u00e4nder Europas und weitere Industrie&shy;l\u00e4nder. Wir betrachten hier das &shy;effektive und das potenzielle BIP der USA, der Eurozone und der Schweiz im Zeitraum 1997\u20132015.&#13;<\/p>\n<h2>USA<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n<i>Grafik 1<\/i> zeigt, dass das potenzielle BIP der USA erwartungsgem\u00e4ss stabiler verl\u00e4uft als das effektive BIP und darin ein langfristiger Trend erkennbar ist. Es f\u00e4llt auf, dass das Wachstum zwar seit 2010 wieder positiv ist, die Produktionsl\u00fccke aber bis mindestens 2015 negativ bleiben und mit einer \u00abkonjunkturellen\u00bb Arbeitslosigkeit einhergehen d\u00fcrfte, weil das Wachstumspotenzial nicht voll ausgesch\u00f6pft wird. <i>Konjunkturerholung<\/i> und gute Konjunkturlage sind nicht dasselbe. Ausserdem ist festzustellen: Die Finanzkrise hatte zwar einen d\u00e4mpfenden Einfluss auf das potenzielle BIP der USA (namentlich 2009 und 2010), doch w\u00e4chst dieses seit 2013\/14 wieder \u00e4hnlich dynamisch wie vor der Krise. <a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/03\/201403_04D_Grafik01.eps1_1.gif\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-3975\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/03\/201403_04D_Grafik01.eps1_1-600x307.gif\" alt=\"201403_04D_Grafik01.eps[1]\" width=\"600\" height=\"307\" \/><\/a>&#13;<\/p>\n<h2>Eurozone<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Situation in der Eurozone ist komplexer und schwieriger zu interpretieren (siehe <i>Grafik 2<\/i>). Der R\u00fcckgang des BIP 2009 fiel nicht nur markanter aus als in den USA, die Finanz- und Wirtschaftskrise scheint sich auch st\u00e4rker negativ sowohl auf das Niveau als auch auf das Wachstum des potenziellen BIP ausgewirkt zu haben: Das Potenzialwachstum der Eurozone ist gem\u00e4ss Berechnungen der Europ\u00e4ischen Kommission von rund 2% vor der Finanzkrise auf 0,5% nach der Krise gesunken. <a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/03\/201403_04D_Grafik02.eps1_.gif\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-3973\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/03\/201403_04D_Grafik02.eps1_-600x292.gif\" alt=\"201403_04D_Grafik02.eps[1]\" width=\"600\" height=\"292\" \/><\/a>&#13;<\/p>\n<h2>Schweiz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Entwicklung des effektiven und des potenziellen BIP der Schweiz zwischen 1997 und 2015 scheint \u2013 Berechnungen der OECD zufolge \u2013 darauf hinzuweisen, dass bisher kein bleibender Effekt aufgetreten ist (siehe <i>Grafik 3<\/i>). Zwar hatte die Finanzkrise negative Auswirkungen auf die H\u00f6he und das Wachstum des potenziellen BIP in diesem Zeitraum. Andere Faktoren scheinen sich aber entgegengesetzt ausgewirkt zu haben, so dass H\u00f6he und Wachstum des potenziellen BIP in diesem Zeitraum offensichtlich nicht allzu sehr beeintr\u00e4chtigt wurden. Zu diesen Faktoren geh\u00f6rten wohl insbesondere das kr\u00e4ftige Bev\u00f6lkerungswachstum und die damit verbundene positive Wirkung auf das Potenzialwachstum. <a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/03\/201403_04D_Grafik03.eps1_.gif\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-3974\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/03\/201403_04D_Grafik03.eps1_-600x289.gif\" alt=\"201403_04D_Grafik03.eps[1]\" width=\"600\" height=\"289\" \/><\/a>&#13;<\/p>\n<h2>Konjunkturkrise mit kurz-, mittel- und langfristigen Folgen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Geschehen der letzten Jahre scheint sich auf drei verschiedene Arten auf die Wirtschaftst\u00e4tigkeit ausgewirkt zu haben:&#13;<\/p>\n<ol>&#13;<\/p>\n<li>Vor\u00fcbergehende Auswirkungen: Eine schwere Konjunkturkrise \u2013 in diesem Fall die Finanzkrise 2008\/09 \u2013 beeintr\u00e4chtigt die Wachstumsrate des effektiven BIP, wenn auch nur kurzfristig. Das effektive BIP findet danach rasch wieder auf den alten Wachstumspfad zur\u00fcck, und das potenzielle BIP wird durch die Krise nicht oder nur vor\u00fcbergehend geschm\u00e4lert. Das Niveau des potenziellen BIP kann vor\u00fcbergehend tats\u00e4chlich zur\u00fcckgehen, zieht aber rasch ebenso stark wieder an, womit die Krise weder das Niveau noch die Wachstumsrate des potenziellen BIP nachhaltig beeintr\u00e4chtigt. Dieses Szenario scheint auf die Schweiz zuzutreffen, wenn man die Sch\u00e4tzungen der OECD zum potenziellen BIP heranzieht (mit den bereits erw\u00e4hnten Nuancen).<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Langfristige, aber nicht bleibende Auswirkungen: Eine schwere Konjunkturkrise kann Spuren beim effektiven und beim potenziellen BIP hinterlassen. In diesem Fall wird das Niveau des potenziellen BIP \u00ablangfristig\u00bb beeintr\u00e4chtigt; das Wachstum kn\u00fcpft aber relativ rasch wieder an das Tempo vor der Krise an. Dieses Szenario scheint weitgehend auf die USA zuzutreffen.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Langfristige, bleibende Auswirkungen: Eine schwere Konjunkturkrise kann die Wirtschaft tief greifend beeintr\u00e4chtigen, wenn das potenzielle BIP nicht nur dem Wachstum vor der Krise hinterherhinkt, sondern sich mit der Zeit aufgrund eines geringeren Potenzialwachstums sogar immer weiter davon entfernt. Ein Beispiel daf\u00fcr ist m\u00f6glicherweise die Eurozone, falls die Sch\u00e4tzungen der Europ\u00e4ischen Kommission zutreffen.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ol>\n<p>&#13;<br \/>\nIn der Literatur gibt es zahlreiche Arbeiten dar\u00fcber, weshalb es zu diesen unterschiedlichen Auswirkungen kommt. H\u00e4ufig wird dabei auf die Folgen der Finanz und Wirtschaftskrise f\u00fcr die Faktoren des langfristigen Wachstums verwiesen. Dazu geh\u00f6ren h\u00f6here strukturelle Arbeitslosigkeit und tiefere Erwerbsbeteiligung, bleibende Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, Beeintr\u00e4chtigung des Humankapitals, r\u00fcckl\u00e4ufige Investitionen in Forschung und Entwicklung oder regulatorische Neuerungen. Im Fall der Eurozone spielt auch der angeschlagene Zustand des Bankensektors eine Rolle. Dieser nimmt seine Funktion bei der Finanzierung von Investitionen in vielen L\u00e4ndern seit mehreren Jahren nicht mehr wahr. Die Sch\u00e4tzungen zum Potenzialwachstum sind allerdings mit Unsicherheiten behaftet. Sie m\u00fcssen \u00fcberpr\u00fcft werden, wenn durch eine gr\u00f6ssere zeitliche Distanz klar wird, wie sich der Aufschwung in den verschiedenen L\u00e4ndern genau vollzieht. Die Konjunkturanalyse gewinnt mit der Zeit an Sch\u00e4rfe.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>&#13;<\/p>\n<h2>Wirtschaftspolitische Instrumente &shy;gezielt einsetzen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Schwierigkeit, konjunkturelle von strukturellen Trends abzugrenzen, und die Erkenntnis, dass diese voneinander nicht unabh\u00e4ngig sind, d\u00fcrfen nicht dazu verleiten, die entsprechenden wirtschaftspolitischen Instrumente unterschiedslos anzuwenden. Die Wirtschaftstheorie und die Beobachtungen im Zeitraum 1960\u20132013 lassen kaum Zweifel daran, welche Instrumente sich eignen, um rasch und dezidiert Einfluss auf die Konjunktur zu nehmen oder indirekter gewisse Verhaltensweisen und die Strukturen der Wirtschaft \u2013 die viel zitierten <i>Rahmenbedingungen<\/i> \u2013 zu ver\u00e4ndern. Die Geldpolitik ebenso wie die Fiskalpolitik bieten in gewissen F\u00e4llen Instrumente, die einen Einfluss auf die Konjunktur haben. Weiterhin eine zentrale Rolle f\u00fcr die langfristigen Wachstumsperspektiven spielen aber auch das regulatorische Umfeld, die Arbeitsmarkt&shy;politik, die institutionellen Vorgaben zu den Sozialversicherungen oder \u2013 in L\u00e4ndern mit ausgepr\u00e4gter demografischer Alterung \u2013 die Einwanderungspolitik. Zwischen Konjunktur und Struktur bestehen feine Wechselwirkungen. Der Abbau struktureller Ungleichgewichte erfolgt immer in einem bestimmten konjunkturellen Kontext. Dies gilt insbesondere f\u00fcr die Reduktion der strukturellen Defizite der \u00f6ffentlichen Haushalte in der Eurozone in den Jahren 2012 und 2013. Dieser Abbau war unabdingbar zur Vermeidung einer neuer&shy;lichen Finanzkrise. Umgekehrt kann ein \u00fcberm\u00e4ssiger Einsatz von Konjunkturinstrumenten eine Volkswirtschaft in weitere strukturelle Ungleichgewichte st\u00fcrzen. Diese Gefahr birgt beispielsweise die seit Langem sehr expansive Geldpolitik in mehreren &shy;Industriel\u00e4ndern. Kurz- und langfristige &shy;Aspekte spielen stets zusammen, und die &shy;Realit\u00e4t l\u00e4sst sich nicht auf ein Modell mit zwei Zeitrechnungen reduzieren.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Im Extremfall k\u00f6nnte man behaupten, dass kurzfristig nur heute ist und langfristig bereits morgen beginnt.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Wie ist die aktuelle Diagnose einzustufen? Die Konjunkturdiagnosegleicht dem Prozess des Entwickelns: Bei Fotofilmen, die in der Dunkelkammer mit chemischen Entwicklungs- und Fixiermitteln bearbeitet werden, erscheinen zuerst nur die Umrisse eines Bildes.Nach einigen Sekunden wird dann langsam das ganze Fotomotiv erkennbar. Der Unterschied ist, dass es nicht nur Sekunden, sondern h\u00e4ufig mehrere Quartale oder sogar Jahre braucht, bis sich das Konjunkturbild klarer abzeichnet.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Konjunktur wird h\u00e4ufig definiert als die Gesamtheit der Ereignisse, die einen beschr\u00e4nkten, vorwiegend kurzfristigen Einfluss auf das aktuelle Wirtschaftsgeschehen haben. Allgemein wird die Konjunktur in Zusammenhang gebracht mit vor\u00fcbergehenden, provisorischen, manchmal zyklischen Ereignissen, deren Auswirkungen sich langsam in den tieferen, strukturellen Trends einer Volkswirtschaft verlieren. 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Zur Beantwortung dieser Frage gilt es zun\u00e4chst zu kl\u00e4ren, was unter den Begriffen Konjunktur und Struktur zu verstehen ist und wie diese Gr\u00f6ssen normalerweise gemessen werden. Die Auswirkungen der Krise k\u00f6nnen vor\u00fcbergehend, langfristig aber nicht bleibend, sowie langfristig und bleibend sein. Die beiden erstgenannten F\u00e4lle scheinen eher auf die Schweiz und die USA zuzutreffen, der letztgenannte Fall auf die Eurozone. In der Wirtschaftspolitik stehen spezifische Instrumente zur Verf\u00fcgung, um kurz- oder langfristig Einfluss auf die Wirtschaft zu nehmen. Zwischen beiden bestehen jedoch komplexe Wechselwirkungen.","post_hero_image_description":"Die Auswirkungen der Krise waren in einigen L\u00e4ndern vor\u00fcbergehend und in anderen L\u00e4ndern dauerhaft. 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