{"id":118205,"date":"2014-03-01T12:00:00","date_gmt":"2014-03-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2014\/03\/sturm-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:21:27","modified_gmt":"2023-08-23T21:21:27","slug":"sturm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2014\/03\/sturm\/","title":{"rendered":"\u00abIch habe mit dem Ergebnis nicht gerechnet\u00bb"},"content":{"rendered":"<p><em>Die Volkswirtschaft: <\/em><i>Herr Sturm, Sie sind Niederl\u00e4nder. Wie haben Sie die Abstimmung zur Zuwanderungsinitiative von Mitte Februar erlebt?<\/i>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nJan-Egbert Sturm: Am selben Abend hat mich noch das niederl\u00e4ndische Radio angefragt, um meinen Landsleuten zu erkl\u00e4ren, was nun genau in der Schweiz passiert ist. F\u00fcr die Niederl\u00e4nder ist der Ausgang der Abstimmung schwierig nachzuvollziehen, denn sie sind sehr pro-europ\u00e4isch \u2013 und dies, obwohl das Land in den letzten Jahren wirtschaftliche Probleme hatte. Weil sie eine traditionelle Handelsnation sind, ist die Idee der Personen-, G\u00fcter- und Dienstleistungsfreiheit bei den Niederl\u00e4ndern historisch stark verankert.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<em>Die Volkswirtschaft: Hat Sie der Ausgang \u00fcberrascht.<\/em>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n?Jan-Egbert Sturm: Ehrlich gesagt, habe ich mit dem Ergebnis nicht gerechnet. Im Vorfeld habe ich gedacht, dass die Schweizer Bev\u00f6lkerung bei solchen wirtschaftlich wichtigen Themen letztendlich sehr rational entscheiden w\u00fcrde, so wie es bei fr\u00fcheren Abstimmungen der Fall war. Das war diesmal nicht mehr so, auch wenn das Ergebnis sehr eng war. In den vergangenen Jahren waren bei solchen Wirtschaftsthemen die potenziellen volkswirtschaftlichen Konsequenzen oft ausschlaggebend. Dieser Mechanismus hat nicht mehr so funktioniert wie in der Vergangenheit. Aus rein volkswirtschaftlicher Perspektive ist es schwierig, sich mit dem &shy;Abstimmungsergebnis gesamtwirtschaftlich positive Effekte vorzustellen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<em>Die Volkswirtschaft: Wird der Entscheid also der Schweizer Volkswirtschaft schaden?<\/em>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nJan-Egbert Sturm: Langfristig d\u00fcrfte das Wachstum der Schweiz wohl geringer sein als mit der Personenfreiz\u00fcgigkeit. Es h\u00e4ngt aber massgeblich davon ab, wie die Masseneinwanderungsinitiative genau ausgestaltet und wie die Europ\u00e4ische Union reagieren wird.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<em>Die Volkswirtschaft: Die Argumente der Wirtschaft scheinen nicht mehr Geh\u00f6r zu finden, wie die j\u00fcngsten Abstimmungen zeigen. Kann es sein, dass die Schweizer Bev\u00f6lkerung der Wirtschaft nicht mehr traut?<\/em>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nJan-Egbert Sturm: Ich kann mir schon vorstellen, dass das Vertrauen in Bezug auf alles, was mit Wirtschaft zu tun hat, in den letzten Jahren gesunken ist. Die Bankenkrise war f\u00fcr das Image der Wirtschaft sicherlich nicht f\u00f6rderlich \u2013 das hat sich ja auch bei der Diskussion um die Abzockerinitiative gezeigt. Zudem haben wir einige turbulente Jahre hinter uns. Wirft man einen Blick auf gewisse L\u00e4nder, sehen wir immer noch zahlreiche akute Probleme: In den aufstrebenden M\u00e4rkten schwanken die Wechselkurse stark, Japan und die USA verfolgen eine sehr expansive Geldpolitik, und mehrere europ\u00e4ische L\u00e4nder tragen die Last einer hohen Staatsverschuldung. Die Schweiz ist eine Insel inmitten dieser L\u00e4nder. Nat\u00fcrlich ging auch die Finanz- und Wirtschaftskrise nicht spurlos an uns vorbei, und auch wir stecken nicht mehr in der sogenannten Great Moderation, in der man dachte, volkswirtschaftlich w\u00fcrde alles relativ glatt \u00fcber die B\u00fchne gehen. Die Schweizer haben wohl das Gef\u00fchl, dass durch eine Abschottung Turbulenzen moderater ausgehen k\u00f6nnten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<em>Die Volkswirtschaft: Ist das so?<\/em>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nJan-Egbert Sturm: In der heutigen Welt ist es kaum m\u00f6glich, sich vom Geschehen der Weltwirtschaft zu l\u00f6sen. Durch die Internationalisierung ist man in den letzten Jahrzehnten effizienter geworden, und damit ist der Wohlstand f\u00fcr eine Mehrheit der Bev\u00f6lkerung gestiegen. Eine Abschottung gleicht in vielerlei Hinsicht einem technologischen R\u00fcckschritt. F\u00fcr mich ist es ein Abw\u00e4gen zwischen wirtschaftlicher Stabilit\u00e4t und Fortschritt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<em>Die Volkswirtschaft: Wie wird die Annahme der SVP-Initiative in Ihre Prognosemodelle einfliessen? Ist das ein Thema?<\/em>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nJan-Egbert Sturm: Ja, das ist ein Thema \u2013 konkret etwa f\u00fcr den Arbeitsmarkt und f\u00fcr die Investitionst\u00e4tigkeit der Firmen. Unsicherheit hat in erster Linie einen Einfluss auf die Investitionen. Der dritte Bereich, der relevant ist, sind die Auswirkungen auf die Importe und Exporte mit Europa. Die EU-L\u00e4nder sind die wichtigsten Handelspartner f\u00fcr die Schweiz. Wird der Zugang zum europ\u00e4ischen Binnenmarkt erschwert, werden dies die Schweizer Importe und Exporte sp\u00fcren. Aber wie gesagt ist es aus jetziger Perspektive noch sehr schwer, einzusch\u00e4tzen, wie sich das alles entwickeln wird. Kurzfristig m\u00fcssen wir Prognostiker versuchen, die derzeitige Unsicherheit in unseren Modellen umzusetzen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<em>Die Volkswirtschaft: Hat der Volksentscheid in der Schweiz Wirkungen auf die Europawahlen?<\/em>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nJan-Egbert Sturm: Ich denke ja. Die Frage ist, wie gross die Auswirkung ist. Es ist tats\u00e4chlich Wasser auf die M\u00fchlen von gewissen rechtsgerichteten Parteien, die in Europa eine Rolle spielen. Die Zuwanderung bzw. ihre Beschr\u00e4nkung ist auch ein grosses Thema in Grossbritannien.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<em>Die Volkswirtschaft: Die Schweiz steht mit der Ecopop-Initiative vor einer weiteren Abstimmung zur Einwanderung. Dabei steht die Wachstumskritik im Zentrum der Diskussion: Braucht es Wachstum in einer Volkswirtschaft?<\/em>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nJan-Egbert Sturm: Ich verstehe diese Frage eigentlich nicht, obwohl sie immer wieder gestellt wird. Aus meiner Perspektive wachsen wir langfristig, solange es technologischen Fortschritt bzw. Effizienzgewinne geben wird. Der zweite Grund, warum wir wachsen, ist in der Tat die gestiegene Besch\u00e4ftigung und die Zunahme der Geb\u00e4ude- und Maschinenparks. Auf die Frage, ob man technologischen Fortschritt braucht, w\u00fcrde ich sagen, wir brauchen ihn nicht unbedingt, aber die Menschheit tickt nun mal so. Wir versuchen, uns immer weiter zu verbessern, und das ist wahrscheinlich auch gut so, denn sonst w\u00e4re die Menschheit nicht da, wo sie jetzt steht. Das ist also schon fast eine philosophische Frage.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<em>Die Volkswirtschaft: Das ist doch nicht nur eine philosophische Frage. Im Hinblick &shy;etwa auf die \u00dcberalterung unserer Gesellschaft brauchen wir Wirtschaftswachstum, um die Altersvorsorge zu finanzieren.<\/em>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nJan-Egbert Sturm: Konzeptionell brauchen wir das nicht unbedingt; es ist aber hilfreich f\u00fcr Systeme, die auf Umlageverfahren \u2013 das heisst, die arbeitende Bev\u00f6lkerung finanziert die pensionierte Bev\u00f6lkerung \u2013 beruhen. Wenn man die Anspr\u00fcche gen\u00fcgend reduziert, wird jedes System wirtschaftlich tragbar. Sozial gesehen, sind dann aber Probleme vorprogrammiert. Eine h\u00f6here Zuwanderung von wirtschaftlich aktiven Personen lindert die Belastung derartiger Systeme.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<em>Die Volkswirtschaft: Die Schweiz war in der Finanz- und Wirtschaftskrise resistenter als die Staaten in Europa und die USA. Bleibt die Schweiz krisenresistent?<\/em>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nJan-Egbert Sturm: Was die Schweiz in dieser Phase auszeichnete, waren die Stabilit\u00e4t und die Sicherheit, die das Land nach aussen ausstrahlte, und die politische Stabilit\u00e4t, die das Land hat. Das macht sie in unsicheren Zeiten nicht nur f\u00fcr die Ausland&shy;investoren zu einem sicheren Hafen, sie ist es auch in vielen anderen Bereichen. Ich denke, dass das eine Eigenschaft ist, die in einer solchen Phase unglaublich hilfreich war. Meine These ist: Wenn die Unsicherheit in der Weltwirtschaft allm\u00e4hlich nachl\u00e4sst, sollte also auch diese Funktion als sicherer Hafen allm\u00e4hlich nachlassen. Die Frage ist, wie schnell das geschieht. Das ist nicht so einfach zu beantworten. Wir sehen jetzt gewisse Tendenzen einer konjunkturellen Erholung \u2013 Amerika w\u00e4chst ein bisschen st\u00e4rker, als manche erwartet hatten. Europa kommt langsam aus einer tiefen Rezession heraus. Das ist alles noch nicht hervor&shy;ragend, aber es ist etwas besser als zuvor.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<em>Die Volkswirtschaft: Kommen wir noch einmal auf die Gr\u00fcnde f\u00fcr die Standhaftigkeit der Schweiz zu sprechen: Gibt es nicht noch andere Aspekte wie die Unabh\u00e4ngigkeit der Zentralbank oder die Zuwanderung, die in der Krise f\u00fcr die Schweiz zentral waren?<\/em>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nJan-Egbert Sturm: Ja, das sind dann spezifischere Details. Ich habe jetzt sehr allgemein \u00fcber Stabilit\u00e4t gesprochen, und ein wichtiges Element dieser Stabilit\u00e4t war nat\u00fcrlich die Schweizerische Nationalbank. Wir haben davon profitiert, dass die SNB unabh\u00e4ngig agieren konnte und nicht in einem Konsortium handeln musste, so wie das in Europa der Fall gewesen ist. Im Nachhinein erweist sich das durchaus als Vorteil. Die Personenfreiz\u00fcgigkeit hat sicherlich auch dazu beigetragen, die Binnenkonjunktur in Gang zu halten. Die Schweiz war oder ist in einer Spirale: Es lief gut, wodurch Stellen geschaffen worden sind, und die Personenfreiz\u00fcgigkeit hat dann daf\u00fcr gesorgt, dass diese Stellen oftmals mit Migranten besetzt wurden, die wiederum eine neue Nachfrage kreiert haben, und so weiter. Das sind sich gegenseitig verst\u00e4rkende Faktoren gewesen, die die Schweiz gut durch die Krise man\u00f6vriert haben.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<em>Die Volkswirtschaft: Wenn wir jetzt die Abstimmung anschauen und \u00fcber Bev\u00f6lkerungswachstum sprechen \u2013 wie zentral ist Bev\u00f6lkerungswachstum f\u00fcr Wirtschaftswachstum?<\/em>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nJan-Egbert Sturm: Ich glaube, dass es nicht unbedingt zentral sein muss, wenn der Zuwachs lediglich eine quantitative Ausweitung beinhaltet. Allerdings im Schweizer Kontext nicht wirklich. In den letzten Jahren haben die Schweizer Unternehmen gerade sehr selektiv die Leute, die innerhalb der Schweiz schwer oder gar nicht zu bekommen sind, eingestellt. Und das f\u00fchrt dazu, dass das Bev\u00f6lkerungswachstum im Schweizer Kontext langfristige positive Folgen f\u00fcr das Pro-Kopf-Wirtschaftswachstum haben muss. Es ist sehr schwierig, das richtig zu quantifizieren, aber rein konzeptionell ist diese Erh\u00f6hung des Wirtschafts&shy;potenzials ein grosser Vorteil. Wenn es im Prinzip nur eine Vermehrung des gleichen Personenbestands ist, dann ist es nur eine Ausweitung des Kuchens ohne qualitativen Mehrwert. In so einem Fall denke ich nicht, dass die Personenfreiz\u00fcgigkeit einen positiven Einfluss auf das reale Einkommen \u2013 das heisst auf die Pro-Kopf-Entwicklung \u2013 gehabt h\u00e4tte.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<em>Die Volkswirtschaft: Wie erkl\u00e4ren Sie sich das Ph\u00e4nomen, dass in der Schweiz viele &shy;Arbeitspl\u00e4tze geschaffen wurden und gleich&shy;zeitig die Arbeitslosenquote nicht sinkt?<\/em>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nJan-Egbert Sturm: Das ist ein Ph\u00e4nomen der letzten anderthalb Jahre. Um es zu verstehen, muss man ein wenig in die sektoralen Unterschiede hineingehen: Wo wir ein sehr starkes Besch\u00e4ftigungswachstum gesehen haben, war der Bereich der pers\u00f6nlichen Dienstleistungen. In diesem spielt der Gesundheitssektor eine wichtige Rolle. In der exportorientierten Industrie sahen wir hingegen eher einen Abbau. Wer keine Stelle in einem Maschinenbauunternehmen findet, kann nicht ohne Weiteres eine Stelle als Arzt annehmen. Das hat zu einem leichten Anstieg der Arbeitslosenquote in den letzten anderthalb Jahren gef\u00fchrt. Da stellt sich die Frage, ob das nicht passiert w\u00e4re, wenn wir die Personenfreiz\u00fcgigkeit nicht gehabt h\u00e4tten. Das glaube ich ehrlich gesagt nicht, weil dieses Problem durch den R\u00fcckgang des weltweiten Handels und der reduzierten Nachfrage nach gewissen Schweizer Produkten verursacht worden ist. Das Ph\u00e4nomen ist nicht durch das zus\u00e4tzliche Angebot an &shy;Arbeitskr\u00e4ften entstanden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<em>Die Volkswirtschaft: Bisher bezeichneten Sie die Frankenst\u00e4rke \u2013 und damit die Fest&shy;legung des Mindestkurses durch die Nationalbank \u2013 als das zentrale Thema in der wirtschaftspolitischen Diskussion der Schweiz. Hat sich das nun ge\u00e4ndert?<\/em>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nJan-Egbert Sturm: In der Tendenz ja, und zwar aus zwei Gr\u00fcnden. Erstens war die Wechselkurspolitik gerade in der Krisenphase unglaublich wichtig. Das heisst nicht, dass sie jetzt nicht mehr wichtig ist, aber verglichen mit der Situation vor ein paar Jahren hat ihre Bedeutung abgenommen. Das zweite Thema, die Personenfreiz\u00fcgigkeit, war bereits vor der wegweisenden Abstimmung im Februar ein grosses Thema in der Schweiz. Aber durch die Annahme der Initiative hat diese Diskussion einen anderen Stellenwert bekommen. Wenn man beide Themen vergleicht, hat sich der Schwerpunkt verlagert, auch wenn beide \u2013 letztendlich voneinander getrennte \u2013 Themenbereiche weiterhin wichtig bleiben.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<em>Die Volkswirtschaft: Zum Euro-Franken-Mindestkurs: Wann kommt der Ausstieg der SNB?<\/em>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nJan-Egbert Sturm: Das ist eine gute Frage. Kurzfristig werden wir den Ausstieg noch nicht sehen. Es gibt keinen Grund f\u00fcr die SNB, in der jetzigen Situation von diesem Erfolgsrezept abzuweichen. Nat\u00fcrlich, irgendwann stellt sich die Frage: Wann steigt man aus? Dies wird wahrscheinlich innerhalb der SNB sehr h\u00e4ufig diskutiert werden, und auch bei uns diskutieren wir das immer wieder. Aber das zu prognostizieren, ist schwierig. Einzig die Absicht ist klar definiert: Die SNB wird sich irgendwann wieder zur\u00fcckziehen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<em>Die Volkswirtschaft: Was heisst kurzfristig? Rechnen wir mit zwei, drei Jahren?<\/em>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nJan-Egbert Sturm: Wir sind Konjunkturprognostiker. Das heisst, unser Zeithorizont beschr\u00e4nkt sich auf das laufende, h\u00f6chstens noch auf das kommende Jahr.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<em>Die Volkswirtschaft: K\u00f6nnen Sie mir trotzdem die aus Ihrer Sicht gr\u00f6ssten Herausforderungen f\u00fcr die Schweiz f\u00fcr die n\u00e4chsten zwei, drei Jahre nennen?<\/em>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nJan-Egbert Sturm: Die gr\u00f6sste Herausforderung ist eine rein politische: Wie geht die Schweiz mit Europa um? Ich formuliere es absichtlich so. Ich denke noch nicht einmal an die Kontingente, obwohl dieses Thema auch sehr wichtig ist. Aber die Frage geht weit dar\u00fcber hinaus. Was bedeutet die Zueinwanderungsinitiative f\u00fcr die Kooperation zwischen der Schweiz und Europa, f\u00fcr die bilateralen Vertr\u00e4ge? Was kann von den bisherigen Vereinbarungen bestehen bleiben, und wie entwickeln wir uns weiter? Denn man kann nicht stehen bleiben. Europa entwickelt sich auch weiter.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<em>Die Volkswirtschaft: Gilt das unabh\u00e4ngig von der Abstimmung?<\/em>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nJan-Egbert Sturm: Ja, das war auch schon vor der Abstimmung ein grosses Thema. Jetzt hat es nat\u00fcrlich eine andere Dimension bekommen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<em>Die Volkswirtschaft: Die institutionelle Zusammenarbeit der Schweiz mit Europa ist also etwas vom Zentralsten f\u00fcr den Wirtschaftsstandort Schweiz?<\/em>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nJan-Egbert Sturm: F\u00fcr die Schweiz ist das sehr, sehr wichtig. Wir sind eine kleine Volkswirtschaft, wie auch immer man das misst, und da ist man stark angewiesen, was die grossen L\u00e4nder um einen herum machen. Wir konnten uns einige Zeit auf eine sehr gute Binnenkonjunktur verlassen, aber in der l\u00e4ngeren Frist kann man die Schweizer Wirtschaft nicht isoliert von Europa sehen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<em>Die Volkswirtschaft: Und wenn wir von der Branchenebene sprechen: Hat der Finanzplatz Schweiz das Schlimmste \u00fcberstanden, oder kommen neue Herausforderungen auf uns zu?<\/em>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nJan-Egbert Sturm: Wahrscheinlich haben wir das Schlimmste hinter uns. Trotzdem heisst das nicht, dass wir in einem station\u00e4ren Zustand angekommen sind und sich nichts mehr \u00e4ndert. Die Rahmenbedingungen im Finanzbereich \u00e4ndern sich laufend. Wir m\u00fcssen sehen, wie sich die Bankenunion in Europa weiterentwickelt und welche Konsequenzen das wiederum f\u00fcr den Finanzplatz Schweiz haben wird. \u00c4nderungen in den bilateralen Vertr\u00e4gen mit der EU werden ebenfalls Konsequenzen f\u00fcr diese Branche haben.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<em>Die Volkswirtschaft: Welches sind die grossen Fragezeichen bei der Bankenunion, &shy;also der gemeinsamen Kontrolle der wichtigsten Finanzinstitute in der EU, im Hinblick auf die Schweiz?<\/em>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nJan-Egbert Sturm: Die Bankenunion ist eine der zentralen Baustellen in Europa. Ich bin \u00fcberzeugt, dass sich noch einige Probleme bei den europ\u00e4ischen Banken verstecken. Diese Branche befindet sich sicherlich noch nicht dort, wo sie auch aus gesellschaftlicher Perspektive sein m\u00fcsste. In den B\u00fcchern ist noch einiges versteckt. Es war f\u00fcr die Banken teilweise politisch noch nicht der richtige Zeitpunkt, die Karten vollst\u00e4ndig offen auf den Tisch zu legen. Diesbez\u00fcglich stehen die Schweizer Banken besser da als so manche im Euroraum.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<em>Interview: Nicole Tesar<\/em>&#13;<\/p>\n<h3><\/h3>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Volkswirtschaft: Herr Sturm, Sie sind Niederl\u00e4nder. Wie haben Sie die Abstimmung zur Zuwanderungsinitiative von Mitte Februar erlebt?&#13; &#13; Jan-Egbert Sturm: Am selben Abend hat mich noch das niederl\u00e4ndische Radio angefragt, um meinen Landsleuten zu erkl\u00e4ren, was nun genau in der Schweiz passiert ist. F\u00fcr die Niederl\u00e4nder ist der Ausgang der Abstimmung schwierig nachzuvollziehen, denn [&hellip;]<\/p>","protected":false},"author":4162,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"om_disable_all_campaigns":false,"ep_exclude_from_search":false,"footnotes":""},"post__type":[66],"post_opinion":[],"post_serie":[],"post_content_category":[213],"post_content_subject":[],"acf":{"seco_author":4162,"seco_co_author":null,"author_override":"","seco_author_post_ocupation_year":"","seco_author_post_occupation_de":"Chefredaktorin, Die Volkswirtschaft","seco_author_post_occupation_fr":"R\u00e9dactrice en chef de \u00ab La Vie \u00e9conomique \u00bb","seco_co_authors_post_ocupation":null,"short_title":"","post_lead":"Jan-Egbert Sturm, Leiter der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Z\u00fcrich, \u00e4ussert sich zur \u00adAnnahme der Masseneinwanderungsinitiative und der Frage, ob eine Volkswirtschaft Wirtschaftswachstum braucht.","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"","post_kasten":[{"kasten_title":"Was die KOF macht","kasten_box":"Die KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Z\u00fcrich ist am Departement Management, Technologie und \u00d6konomie (D-MTEC) der ETH Z\u00fcrich angegliedert. Die KOF erstellt eine Vielzahl von Prognosen und Indikatoren zur Konjunkturbeobachtung. Gefragt nach dem Nutzen von Prognosen, macht KOF-Leiter Jan-Egbert Sturm den Vergleich zu Wetterprognosen. Im Alltag brauche es ein Gef\u00fchl, wo man stehe und wo die Reise hingehe. \u00abDas hilft uns den Tag zu meistern, etwa bei Fragen, die lauten: Brauche ich am n\u00e4chsten Tag einen Regenschirm?\u00bb \u00c4hnlich verhalte es sich mit den Konjunkturprognosen. \u00abDiese helfen den Unternehmen und der \u00f6ffentlichen Verwaltung ihre Investitionen zu planen\u00bb, erkl\u00e4rt Sturm. Die Daten aus den KOF-Unternehmensbefragungen sind einmalig in der Schweiz. Monatlich und viertelj\u00e4hrlich f\u00fchrt das Institut bei rund 11\u2009000 Firmen Befragungen durch. \u00abDamit halten wir den Finger am Puls der Schweizer Wirtschaft\u00bb, sagt Sturm. Die Teilnahme an der Umfrage ist freiwillig. Die Unternehmen erhalten jedoch im Gegenzug die Auswertung der Befragungen. Aus diesen Daten generiert die KOF verschiedene Indikatoren (KOF Konjunkturbarometer, KOF Besch\u00e4ftigungsindikator, KOF Gesch\u00e4ftslage), die ein Stimmungsbild der Schweizer Wirtschaft wiedergeben. Die KOF ist auch (zusammen mit dem ifo-Institut in M\u00fcnchen) an der sogenannten Gemeinschaftsdiagnose f\u00fcr Deutschland beteiligt. Die Gemeinschafts\u00addiagnose ist die f\u00fcr Deutschland massgebliche Konjunkturprognose. Sie wird seit 1950 im Auftrag des deutschen Wirtschaftsministeriums von f\u00fchrenden Wirtschaftsforschungsinstituten erstellt. Die Treffen finden zweimal im Jahr statt. \u00abWir sind sehr stolz darauf, dass wir bereits seit 2006 dabei sein d\u00fcrfen. Das ist nicht selbstverst\u00e4ndlich\u00bb, so Sturm. Die KOF betreibt das deutschsprachige Internetportal \u00d6konomenstimme (<i><a href=\"http:\/\/www.oekonomenstimme.org\">http:\/\/www.oekonomenstimme.org<\/a><\/i>), auf dem sich \u00d6konomen zu aktuellen \u00f6konomischen und wirtschaftspolitischen Themen \u00e4ussern."},{"kasten_title":"Neuerung KOF Konjunktur\u00adbarometer 2014","kasten_box":"Die KOF pr\u00e4sentiert Ende M\u00e4rz das neue, grundlegend \u00fcberarbeitete KOF Konjunkturbarometer, welches in dieser Form seit 2006 im Einsatz war. Damit tr\u00e4gt die KOF dem \u00adUmstand Rechnung, dass sich die Charakteristika des Konjunkturverlaufs aufgrund der Grossen Rezession und der Eurokrise ver\u00e4nderten. Das neue Barometer profitiert zudem von methodischen Neuerungen und der zunehmenden Anzahl verf\u00fcgbarer Daten\u00adreihen. Im revidierten Barometer kommen \u00fcber 200 Zeitreihen zusammen, die so die Robustheit und die Stabilit\u00e4t des Barometers verbessern. Ausserdem wurden die in das KOF\u00a0\u00adKonjunkturbarometer einfliessenden KOF\u00a0Konjunkturumfragen um zus\u00e4tzliche Branchen und Sektoren erg\u00e4nzt und ausgeweitet. Die Auswahl der Variablen st\u00fctzt sich auf theoretisch g\u00fcltige Zusammenh\u00e4nge. \u00adEine statistische Analyse der Variablen erfolgt neu innerhalb eines definierten automatischen Auswahlalgorithmus, der die \u00adIndikatorvariablen identifiziert, die einen empirisch erkennbaren Vorlauf von bis zu sechs Monaten zu der Referenzreihe aufweisen. W\u00e4hrend das fr\u00fchere KOF Konjunktur\u00adbarometer sich auf die Wachstumsrate des BIP im Vorjahresvergleich als Referenzreihe \u00adbezog, orientiert sich das neue Instrument an einer Verlaufswachstumsrate."}],"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":118208,"main_focus":[156674,157281],"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"2875","post_abstract":"","magazine_issue":"20140301","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/54afac77c042f"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/118205"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4162"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=118205"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/118205\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":127115,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/118205\/revisions\/127115"}],"acf:post":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/157281"},{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/main_focus_post\/156674"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4162"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=118205"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=118205"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=118205"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=118205"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=118205"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=118205"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}