{"id":118244,"date":"2014-01-01T12:00:00","date_gmt":"2014-01-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2014\/01\/huesemann-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:20:26","modified_gmt":"2023-08-23T21:20:26","slug":"huesemann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2014\/01\/huesemann\/","title":{"rendered":"Kontinuierliche Verbesserung der Zollsysteme \u2013 Kostensenkungspotenzial f\u00fcr KMU"},"content":{"rendered":"<p>Die Schweiz erwirtschaftet jeden zweiten Franken im Ausland.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a> Deshalb ist es wichtig, dass der grenz\u00fcberschreitende Warenverkehr reibungslos l\u00e4uft und die damit verbundenen administrativen Belastungen f\u00fcr die Firmen so weit wie m\u00f6glich erleichtert werden. Unternehmen sind verpflichtet, Ein- und Ausfuhren bei der Eidg. Zollverwaltung (EZV) anzumelden. Dies ist mit Aufwand bzw. Kosten verbunden, entweder indem die Unternehmen die Zollformalit\u00e4ten selber erledigen oder diese an einen Logistik-Spezialisten auslagern.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nZur administrativen Entlastung und Reduktion der Kosten hat das Parlament 2010 eine Motion zur kosteng\u00fcnstigen und unb\u00fcrokratischen Abwicklung von Zollverfahren f\u00fcr Unternehmen \u2013 insbesondere KMU \u2013 verabschiedet.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a> Diese verlangt vom Bundesrat, dass er die Einrichtung eines interaktiven Internetportals zur elektronischen Zollabfertigung veranlassen soll. Dabei sei sicherzustellen, dass der Datenaustausch zwischen den Unternehmen und der EZV direkt \u00fcber das Internet sowie der ganze Verzollungsprozess elektronisch bzw. medienbruchfrei erfolgt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie EZV, das Bundesamt f\u00fcr Informatik und Telekommunikation (BIT) sowie das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) haben zur Erf\u00fcllung der Motion neben ihren laufenden Verbesserungsbestrebungen in einer Machbarkeitsstudie die aktuellen Verzollungsprozesse und Informationssysteme dargestellt. Die Studie zeigt die M\u00f6glichkeiten auf, den Unternehmen und speziell den KMU ein webbasiertes Zollportal mit umfassenden Funk&shy;tionalit\u00e4ten \u00fcber den ganzen Verzollungsprozess hinweg anzubieten (Internetschnittstelle der zweiten Generation). Die Studie hat die technische Realisierbarkeit, die Kosten und die Zeitdauer der Umsetzung erhoben.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a>&#13;<\/p>\n<h2>Zollprozesse fr\u00fcher, heute und morgen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nFr\u00fcher mussten Unternehmen die Zollprozesse mit Hilfe von papierbasierten Formularen erledigen. Das konnte fehleranf\u00e4llig und langwierig sein. Heute werden die meisten Zollanmeldungen elektronisch \u00fcbermittelt. Hierzu bietet die EZV ein breites Spektrum an Funktionalit\u00e4ten, die von den Zollkunden auf unterschiedliche Weise benutzt bzw. eingebunden werden k\u00f6nnen:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Unternehmen mit vielen Importen und Exporten \u00fcbermitteln Deklarationen &shy;direkt aus ihren Informationssystemen an die EZV-Systeme e-dec und NCTS<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a>. Diese Dienste werden direkt in die eigenen elektronischen Prozesse eingebunden (System-zu-System-Kommunikation). Sie richten sich haupts\u00e4chlich an Spediteure und Grossunternehmen.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Unternehmen, die ihre Systeme nicht mit jenen des Zolls integriert haben, k\u00f6nnen \u00fcber e-dec web Einfuhren und Ausfuhren unverbindlich anmelden und \u00fcber das Dokument GUI digital signierte rechtsg\u00fcltige Mehrwertsteuer- und Zoll-Veranlagungsverf\u00fcgungen beziehen. Die Applikation wird von der EZV frei zug\u00e4nglich und ohne Registrierung angeboten. Sie ist geeignet f\u00fcr Unternehmen, die gelegentlich Verzollungen vornehmen.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nIn naher Zukunft sollen alle Zollanmeldungen und Veranlagungsverf\u00fcgungen elektronisch erfolgen.&#13;<\/p>\n<h2>Bestehende L\u00fccken f\u00fcr KMU schliessen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nF\u00fcr Unternehmen, die regelm\u00e4ssig importieren oder exportieren, aber aus Kostengr\u00fcnden keine eigenen Informationssysteme mit Anbindung an die Zoll-Services wollen, sind die bestehenden Verzollungsl\u00f6sungen der EZV nicht geeignet. Dabei handelt es sich vor allem um KMU. Die Analyse der Machbarkeitsstudie zeigt auf, dass <i>e-dec web<\/i> zwar zum Ziel beitr\u00e4gt, die administrativen H\u00fcrden zu senken, aber keine vollwertige Verzollungsl\u00f6sung darstellt. Bestimmte n\u00fctzliche Funktionalit\u00e4ten \u2013 wie Eingabehilfen beim Ausf\u00fcllen einer Zollanmeldung oder der Zugriff auf fr\u00fchere Deklarationen \u2013 stehen den Unternehmen nicht zur Verf\u00fcgung. Der Zugang zu den Systemen der EZV kann deshalb mittels eines ausgebauten Web-Portals weiter verbessert werden. Die bestehenden L\u00f6sungen sollen so erweitert werden, dass sie die Bed\u00fcrfnisse von KMU st\u00e4rker ber\u00fccksichtigen.&#13;<\/p>\n<h2>Kontinuierliche Verbesserung der &shy;Prozesse und Zoll-Systeme<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nBei der EZV laufen aktuell verschiedene Projekte, die zu Verbesserungen bei der Abwicklung von Zollverfahren f\u00fchren. Einige dieser Projekte weiten die M\u00f6glichkeiten der elektronischen Verzollung aus. Bei anderen stehen Prozessoptimierungen im Zentrum.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie in der Studie beschriebene Vision ist es, m\u00f6glichst einfache, weitgehend digitalisierte und automatisierte Prozesse f\u00fcr die Zollkunden anzubieten. Unternehmen sollen auch ohne eigene Informationssysteme \u00fcber eine L\u00f6sung der EZV alle f\u00fcr sie relevanten Transaktionen zur Erledigung von Verzollungen elektronisch abwickeln k\u00f6nnen. Medienbr\u00fcche im Verzollungsprozess sollen vermieden werden. Der physische Warenfluss soll beim Grenz\u00fcbertritt so schnell wie m\u00f6glich ablaufen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nUm KMU ohne eigene Informationssysteme die M\u00f6glichkeit zu geben, alle Zollformalit\u00e4ten webbasiert zu erledigen, soll ein Zoll-Portal bereitgestellt werden (siehe <em>Grafik 1<\/em>). Dieses beinhaltet schon existierende Web-Anwendungen und Services und kann im bestehenden gesetzlichen Rahmen umgesetzt werden. Daneben soll es auch Funktionalit\u00e4ten enthalten, die bisher den Zollkunden noch nicht von der EZV in einer integrierten Art und Weise in einem webbasierten Portal zug\u00e4nglich gemacht werden. So k\u00f6nnte ein solches Portal die Selbstregistrierung bei der Zollkundenverwaltung, die Zollanmeldung, die elektronische Veranlagungsverf\u00fcgung, die Einsicht in fr\u00fchere Zollanmeldungen und nicht zuletzt die Zahlung und die Bewirtschaftung des Kontostands (E-Payment) anbieten. Weitere vorgeschlagene Massnahmen zur Verbesserung der Zollformalit\u00e4ten sind:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Vereinfachung der Erfassung von Zollanmeldungen;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Erh\u00f6hung der Bekanntheit bestehender Schnittstellen zu Zoll-Services;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Eliminierung von Medienbr\u00fcchen durch Bereitstellung mobiler Applikationen.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nDie verschiedenen Massnahmen k\u00f6nnen zum gr\u00f6ssten Teil unabh\u00e4ngig voneinander realisiert werden, das heisst die Umsetzung kann auch parallel erfolgen. Zur administrativen Entlastung der Unternehmen sollten alle Massnahmenpakete umgesetzt werden, unter Ber\u00fccksichtigung schon laufender oder geplanter Projekte der EZV.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie zollexternen Kosten f\u00fcr die technische Implementierung eines solchen Portals werden in der Studie mit 700\u2009000 bis 1\u2009350\u2009000 Franken gesch\u00e4tzt. F\u00fcr die Umsetzung wurde mit 26 bis 54 Personenmonaten gerechnet. In diesen Kosten sind weder die zollinternen Kosten (Ressourcen f\u00fcr das Projekt seitens EZV) noch die wiederkehrenden Aufw\u00e4nde f\u00fcr den laufenden Betrieb der L\u00f6sung enthalten. Auch eventuell anfallende Kosten f\u00fcr organisatorische Anpassungen auf Seiten der EZV sind nicht ber\u00fccksichtigt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n<a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/01\/201401_20D_Grafik01.eps1_.gif\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-9921\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2014\/01\/201401_20D_Grafik01.eps1_-600x494.gif\" alt=\"201401_20D_Grafik01.eps[1]\" width=\"600\" height=\"494\" \/><\/a>&#13;<\/p>\n<h2>Weitere Erleichterungen f\u00fcr KMU &shy;w\u00e4ren\u00a0w\u00fcnschbar<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nKMU k\u00f6nnen schon heute von einigen informationstechnischen M\u00f6glichkeiten zur Abwicklung der Ein- und Ausfuhren profitieren. So erm\u00f6glicht die Zollkundenverwaltung die Selbstregistrierung und Verwaltung durch Unternehmen. Trotzdem besteht weiteres Optimierungs- und Kostensenkungspotenzial. Es ist zu hoffen, dass die Entwicklung beim Bund weiter vorangetrieben wird. So kann die Wettbewerbsf\u00e4higkeit des Wirtschaftsstandorts Schweiz gest\u00e4rkt werden.<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Eidgen\u00f6ssische Zollverwaltung (2014): Homepage http:\/\/www.ezv.admin.ch&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Das Schweizer Parlament (2010): Motion 10.3949 \u2013 Kosteng\u00fcnstige und unb\u00fcrokratische Abwicklung von Zollverfahren auch f\u00fcr KMU (Motion Noser).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">H\u00fcsemann, Stefan (2012): Zollverfahren: Machbarkeitsabkl\u00e4rung Internet-Schnittstelle zweiter Generation, Bern: Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (SECO), Bericht verf\u00fcgbar unter: http:\/\/www.seco.admin.ch, Themen, Standortf\u00f6rderung KMU-Politik.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">New Computerized Transit System.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schweiz erwirtschaftet jeden zweiten Franken im Ausland. 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