{"id":118289,"date":"2014-01-01T12:00:00","date_gmt":"2014-01-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2014\/01\/taddei-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:20:50","modified_gmt":"2023-08-23T21:20:50","slug":"taddei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2014\/01\/taddei\/","title":{"rendered":"Administrative Erleichterungen: Eine nationale Priorit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>Das Anfang 2013 publizierte B\u00fcrokratie&shy;barometer des Seco best\u00e4tigt: Die administrative Last f\u00fcr die Unternehmen hat in den letzten Jahren betr\u00e4chtlich zugenommen. Im Durchschnitt m\u00fcssen KMU 40 Stunden pro Monat f\u00fcr Arbeiten administrativer Art aufwenden. Um die gesetzlichen Vorschriften einzuhalten, gibt fast die H\u00e4lfte aller Mikro-Unternehmen (3 bis 9 Mitarbeitende) monatlich bis zu 1000 Franken f\u00fcr externe Administrativkosten aus. Diese Belastungen schr\u00e4nken die Handlungsfreiheit und die Innovationskapazit\u00e4t der Unternehmer ein. Das wiederum d\u00e4mpft den Unternehmergeist, bremst das Wirtschaftswachstum und schadet der Besch\u00e4ftigung.&#13;<\/p>\n<h2>Darum: Weg mit der B\u00fcrokratie!<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie b\u00fcrokratische Ausuferung hat drei Gr\u00fcnde. An erster Stelle stehen die Regulierungsexzesse: \u00dcber 4000 Rechtsakte sind in der systematischen Sammlung des Bundesrechts erfasst. Das ist zu viel, wie das ber\u00fchmte Tacitus-Zitat besagt: \u00abJe schlechter der Staat, desto mehr Gesetze\u00bb. Eine derartige F\u00fclle von Normen l\u00e4sst die administrativen Verpflichtungen der Unternehmen geradezu explodieren.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAn zweiter Stelle folgen die f\u00f6deralistischen \u00dcberbordungen: Durch die Respektierung der Diversit\u00e4t tendiert unser f\u00f6deralistischer Staat mit seinen drei Ebenen zu einer Vervielfachung reglementarischer Leerl\u00e4ufe und administrativer Formalit\u00e4ten. Ein Beispiel von Hunderten: Das im Wesentlichen kantonale und kommunale Baurecht beruht auf \u00fcber 140\u2009000 Gesetzes- und Verordnungsartikeln. Die administrativen Kosten dieser normativen Heterogenit\u00e4t belaufen sich j\u00e4hrlich auf mehrere Mrd. Franken. Und schliesslich ist da noch der \u00dcbereifer der Beh\u00f6rden: Der legend\u00e4re helvetische Perfektionismus \u00e4ussert sich im Eifer der Funktion\u00e4re, alles und jedes bis ins kleinste Detail regulieren zu wollen. Das abstrahierende Allgemeinrecht wird so in seiner Anwendung zu einer pedantischen Regulierung. Die 1500 Seiten offizieller Publikationen zum Thema Mehrwertsteuer illustrieren schon fast karikaturistisch, bis zu welchem Grad die Demokratie \u2013 zu oft \u2013 der b\u00fcrokratischen Bevormundung unterworfen ist.&#13;<\/p>\n<h2>Am schlimmsten trifft es die KMU<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAlle Unternehmen sind vom staatlichen Regulierungswahn betroffen. Doch am schwersten treffen die daraus entstehenden administrativen Verpflichtungen die KMU: je kleiner ein Unternehmen, umso h\u00f6her die Administrativkosten je Mitarbeitenden. Somit ist es nicht verwunderlich, dass die\u00a0administrative Erleichterung von jeher &shy;zuoberst auf der Priorit\u00e4tenliste des Schweizerischen Gewerbeverbandes (SGV) steht. Im\u00a0Mai 2010 verabschiedete der KMU-Dachverband eine Resolution, die bis 2018 eine Reduktion der Regulierungskosten um 10 Mrd. Franken fordert.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nUm das zu erreichen, verlangte der SGV vorg\u00e4ngig eine Messung der Regulierungskosten, die durch die schweizerische Gesetzgebung entstehen. Doch \u2013 welch eine \u00dcberraschung \u2013 trotz der Ver\u00f6ffentlichung mehrerer Berichte des Bundesrats zu diesem Thema (seit 1999 deren sechs!) und der \u00dcberweisung zahlreicher parlamentarischer Vorst\u00f6sse kennt niemand mit Genauigkeit die administrative Last, welche die Unternehmen heute zu tragen haben.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAngesichts des Fehlens verl\u00e4sslicher Daten reichte St\u00e4nderat Jean-Ren\u00e9 Fournier, Mitglied des SGV-Vorstands, im Juni 2010 ein Postulat ein, das den Bundesrat be&shy;auftragte, die Regulierungskosten aller in der Schweiz in Kraft stehenden Gesetze zu messen. Die Exekutive nahm den Vorstoss ent&shy;gegen und liess daraufhin 15 Bereiche dahingehend \u00fcberpr\u00fcfen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer bundesr\u00e4tliche Bericht wurde im Dezember 2013 ver\u00f6ffentlicht. Er enth\u00e4lt konkrete Massnahmen f\u00fcr administrative Vereinfachungen in Bereichen, in denen die Belastung f\u00fcr Unternehmen besonders ins Gewicht f\u00e4llt. Angesichts dieser Resultate muss eine nationale Strategie f\u00fcr admini&shy;strative Erleichterungen aufgegleist werden, mit der sich priorit\u00e4r die gesetzgeberische Inflation eind\u00e4mmen und der F\u00f6deralismus dynamisieren lassen. An diesem Aktionsplan m\u00fcssen nicht nur die Wirtschaftskreise beteiligt sein, sondern auch alle \u00f6ffentlichen Akteure (Regierungen, Parlamente, Verwaltungen) auf eidgen\u00f6ssischer, kantonaler und kommunaler Ebene.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Anfang 2013 publizierte B\u00fcrokratie&shy;barometer des Seco best\u00e4tigt: Die administrative Last f\u00fcr die Unternehmen hat in den letzten Jahren betr\u00e4chtlich zugenommen. Im Durchschnitt m\u00fcssen KMU 40 Stunden pro Monat f\u00fcr Arbeiten administrativer Art aufwenden. 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