{"id":118379,"date":"2013-12-01T12:00:00","date_gmt":"2013-12-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2013\/12\/kaestli-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:21:45","modified_gmt":"2023-08-23T21:21:45","slug":"kaestli","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2013\/12\/kaestli\/","title":{"rendered":"Welchen volkswirtschaftlichen Nutzen stiften die arbeitsmarktlichen Massnahmen des Bundes?"},"content":{"rendered":"<p>InnoPark Schweiz AG ist eine von vielen Stellen, die im Auftrag des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) arbeitsmarktliche Massnahmen (AMM) umsetzen. Konkret geht es bei InnoPark darum, hoch qualifizierten Stellensuchenden den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern. Das Programm dauert in der Regel sechs Monate und beruht auf vier S\u00e4ulen. Die Teilnehmenden werden in Projektarbeit eingesetzt, auf den Stellensuchprozess vorbereitet, absolvieren eine auf ihre Bed\u00fcrfnisse (und auf die Bed\u00fcrfnisse des Marktes) ausgerichtete Weiterbildung und werden bei Bedarf individuell gecoacht. Die Erfolgsquote betrug im Jahre 2012 \u00fcber 75%. <a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a><br \/>&#13;<br \/>\nDas heisst, dass Teilnehmende beim Verlassen des Programms von InnoPark mit einer Wahrscheinlichkeit von \u00fcber drei Vierteln keine oder nur noch eine reduzierte Arbeitslosenentsch\u00e4digung beziehen.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2>Wie viel kann die \u00f6ffentliche Hand einsparen?<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Zu Recht wird immer wieder die Frage der Wirksamkeit der arbeitsmarktlichen Massnahmen gestellt. Im Folgenden wird versucht, dieser Frage am Beispiel von InnoPark nachzugehen. Als Erstes wird gefragt, welche Ersparnisse bei der \u00f6ffentlichen Hand anfallen, wenn Teilnehmende dank einer Massnahme fr\u00fcher aus der Arbeitslosigkeit herausfinden als ohne eine solche Massnahme. Dabei sind die Ersparnisse umso h\u00f6her, je h\u00f6her die (wegfallende) Arbeitslosenentsch\u00e4digung ist und je gr\u00f6sser die zeitliche Differenz zwischen der Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt mit oder ohne Massnahme betr\u00e4gt (siehe <i>Tabelle 3<\/i>).<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2013\/12\/110.gif\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-10628\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2013\/12\/110.gif\" alt=\"1\" width=\"840\" height=\"322\" \/><\/a><\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2013\/12\/28.gif\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-10627\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2013\/12\/28.gif\" alt=\"2\" width=\"840\" height=\"510\" \/><\/a><\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2013\/12\/32.gif\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-10626\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2013\/12\/32.gif\" alt=\"3\" width=\"840\" height=\"351\" \/><\/a> Bei InnoPark Schweiz AG konnten im Jahre 2012 330 Teilnehmende w\u00e4hrend der sechsmonatigen Dauer des Programms in den Arbeitsmarkt reintegriert werden.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>\u00a0Um die kumulierte Ersparnis zu ermitteln, w\u00e4re f\u00fcr jeden dieser 330 Stellensuchenden das f\u00fcr ihn zutreffende Feld in <i><a class=\"graphic-link\" title=\"Ersparnis dank fr\u00fcherer Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt f\u00fcr eine Einzelperson\">Tabelle 3<\/a><\/i> zu ermitteln; anschliessend m\u00fcssten die 330 resultierenden Betr\u00e4ge zusammengez\u00e4hlt werden.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Wie viel Arbeitslosenentsch\u00e4digung die erfolgreichen Teilnehmenden vor der Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt bezogen hatten, kann wegen mangelnder \u00f6ffentlich zug\u00e4nglicher Daten nicht ausgesagt werden. Es ist zu vermuten, dass beim Seco diese Daten \u2013 allerdings auf gesamtschweizerischer Ebene und nicht pro Massnahme \u2013 vorhanden sind. Ein Zugriff auf diese Daten w\u00fcrde helfen, die Effizienz von AMM besser zu beurteilen. Wenn jeder Organisator von AMM diese Daten erheben w\u00fcrde (dies war bisher aus Gr\u00fcnden des Datenschutzes nicht m\u00f6glich), w\u00fcrde die Qualit\u00e4t der Beurteilung noch einmal steigen. Eine solche Erhebung k\u00f6nnte ohne weiteres auf anonymisierter Basis durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Die Frage, wie viel l\u00e4nger die erfolgreichen Stellensuchenden ohne ihre Teilnahme im InnoPark-Programm arbeitslos gewesen w\u00e4ren, kann nicht beantwortet werden, ist doch dieser Fall rein hypothetisch. Es ist aber zu vermuten, dass Stellensuchende, die vor Eintritt in eine Massnahme lange arbeitslos waren, schwer vermittelbar sind und somit ohne die Hilfe eines Programms noch weiter lange arbeitslos geblieben w\u00e4ren. Deshalb k\u00f6nnte die L\u00e4nge der Arbeitslosigkeit eines Stellensuchenden vor Eintritt in eine Massnahme als Proxy f\u00fcr die vermutete weitere L\u00e4nge der Arbeitslosigkeit ohne Hilfe eines Programms herangezogen werden.<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a><\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Aufgrund der schlechten Datenlage muss mit Annahmen gearbeitet werden. Hier wird die einfachste Konstellation einer Gleichverteilung der erfolgreichen 330 Teilnehmenden auf die 16 Felder in <i><a class=\"graphic-link\" title=\"Ersparnis dank fr\u00fcherer Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt f\u00fcr 330 PersonenTotal: 11573000 CHF\">Tabelle 4<\/a><\/i> angenommen. Unter dieser Annahme w\u00fcrde sich bei fr\u00fcherer Wiedereingliederung von 330 Stellensuchenden in den Arbeitsmarkt dank AMM die Ersparnis der \u00f6ffentlichen Hand wie folgt pr\u00e4sentieren:<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Die Bruttoersparnisse \u2013 sie ergeben sich aus der Addition aller Felder in der Tabelle \u2013 w\u00fcrden damit f\u00fcr die \u00f6ffentliche Hand rund 11,6 Mio. Franken betragen. InnoPark Schweiz AG hat im Jahr 2012 f\u00fcr den Bund einen Aufwand von ca. 5,1 Mio. Franken verursacht.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a> Damit w\u00e4re der direkte Nutzen von InnoPark f\u00fcr das Jahr 2012 auf etwa 6,5 Mio. Franken zu veranschlagen. Zu diesen direkten Ersparnissen kommen indirekte Ersparnisse in Form von h\u00f6heren Steuern und Beitr\u00e4gen an die Sozialversicherungen, die von den bisher Stellensuchenden k\u00fcnftig bezahlt werden. Zudem ist damit zu rechnen, dass dank der Reintegration in den Arbeitsmarkt viele durch die Arbeitslosigkeit bedingte Krankheiten, vor allem psychische Probleme, wegfallen. Insgesamt d\u00fcrften die f\u00fcr InnoPark eingesetzten Gelder eine hoch rentable Investition darstellen.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2013\/12\/4.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-10625\" src=\"http:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/content\/uploads\/2013\/12\/4.gif\" alt=\"4\" width=\"840\" height=\"376\" \/><\/a><\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2>Ans\u00e4tze f\u00fcr ein wirksames Controlling<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Am Beispiel einer einzigen Institution, die ungef\u00e4hr 1% des Budgets f\u00fcr arbeitsmarktliche Massnahmen beansprucht, kann nat\u00fcrlich nicht auf die Wirksamkeit des gesamten Pakets geschlossen werden.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a><br \/>&#13;<br \/>\nAus dem Beispiel l\u00e4sst sich aber ableiten, in welche Richtung eine Wirkungsanalyse und ein wirksames Controlling der einzelnen Organisatoren gehen muss.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Neben der Erfolgsquote, die heute in allen Facetten erfasst und analysiert wird, m\u00fcssten weitere Abkl\u00e4rungen erfolgen. So w\u00e4re wichtig zu wissen, wie viel Arbeitslosenunterst\u00fctzung Stellensuchende w\u00e4hrend ihrer Teilnahme am Programm beziehen. Bei der Erhebung dieser Daten ist auf die Anforderungen des Datenschutzes zu achten.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Anspruchsvoll ist die Sch\u00e4tzung der Verk\u00fcrzung der Arbeitslosigkeit durch eine AMM. Hierf\u00fcr m\u00fcsste festgestellt werden, um wie viel im Durchschnitt die Arbeitslosigkeit durch eine Teilnahme in einem Programm verk\u00fcrzt worden ist. F\u00fcr eine aussagekr\u00e4ftige Analyse gen\u00fcgt eine einfache Unterteilung in Stellensuchende mit und ohne Teilnahme in einem Programm nicht. Es m\u00fcsste vielmehr bei jedem einzelnen Programm die Teilnehmergruppe im Programm mit einer Gruppe von Stellensuchenden verglichen werden, die ein m\u00f6glichst \u00e4hnliches Profil aufweisen und nicht an einem Programm teilnahmen. Durch eine sorgf\u00e4ltige Auswahl der beiden Gruppen und eine Erhebung ihrer durchschnittlichen Verweildauer in der Arbeitslosigkeit liesse sich dann ein weiteres Element der Wirksamkeit der AMM eruieren.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2>Zus\u00e4tzliche Datenerhebungen w\u00fcrden sich lohnen<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Durch eine systematische Erhebung des Erfolgs der einzelnen Institutionen, die AMM umsetzen, und eine konsequente Politik, die sich an diesen Erfolgen orientiert, k\u00f6nnte die Wirksamkeit der Massnahmen vermutlich deutlich gesteigert werden.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Ein weiterer wichtiger Schritt w\u00e4re die Erm\u00f6glichung von Peer Reviews f\u00fcr Organisatoren arbeitsmarktlicher Massnahmen. Bisher konnten die Daten von Institutionen, die ein \u00e4hnliches Zielpublikum anvisieren, nur bruchst\u00fcckhaft ermittelt werden. Mithilfe von aussagekr\u00e4ftigen Vergleichszahlen k\u00f6nnten Schwachstellen bei einzelnen Institutionen ermittelt und eliminiert werden. Neben den vom Seco erhobenen Kennzahlen wurde ein weiterer wichtiger Schritt mit der Einsetzung einer f\u00fcr alle Organisatoren gleichen Pr\u00fcfgesellschaft getan. Durch die Einf\u00fchrung eines einheitlichen Pr\u00fcfrasters k\u00f6nnen wichtige Vergleichszahlen erhoben, analysiert und zur Behebung von Schwachstellen eingesetzt werden. Der zus\u00e4tzliche Aufwand durch die Erhebung und Beurteilung von Datenmaterial w\u00fcrde die Wirksamkeit von AMM objektivieren. Dies w\u00fcrde eine politisch relevante Aussage dar\u00fcber erlauben, aber auch die Effizienz der Massnahmen und deren Organisation verbessern.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Die Beurteilung der Wirksamkeit der arbeitsmarktlichen Massnahmen des Bundes beruht auf Vermutungen. Aufgrund des Beispiels von InnoPark Schweiz ist davon auszugehen, dass einzelne Massnahmen dieser Art einen hohen volkswirtschaftlichen Nutzen in Form von Ersparnissen f\u00fcr die \u00f6ffentlichen H\u00e4nde erbringen. Ein wirksames Controlling der Organisatoren von AMM, das allerdings nicht einfache Zusatzerhebungen erfordern w\u00fcrde, w\u00e4re wohl geeignet, die Effizienz dieses Instruments deutlich zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Durch eine systematische Erhebung des Erfolgs der einzelnen Institutionen, die AMM umsetzen, und eine konsequente Politik, die sich an diesen Erfolgen orientiert, k\u00f6nnte die Wirksamkeit der Massnahmen vermutlich deutlich gesteigert werden.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Vgl. InnoPark Schweiz AG, Gesch\u00e4ftsbericht 2012, Winterthur 2013 Seite 11.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Vgl. InnoPark Schweiz AG, Gesch\u00e4ftsbericht 2012, Winterthur 2013, Seite 11.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Vermutlich w\u00e4ren beim Seco auch solche Daten greifbar.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Vgl. InnoPark Schweiz AG, Gesch\u00e4ftsbericht 2012, Winterthur 2013, Seite 22.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Im Jahre 2004 wurden vom Seco sechs Studien zur Wirksamkeit der AMM in Auftrag gegeben. F\u00fcnf der sechs Studien wurden in Die Volkswirtschaft 10-2006 vorgestellt, eine weitere in der Seco-Publikation Nr. 20, Bern 2007. Alle diese Studien beziehen sich auf die Wirksamkeit aller AMM. Hier wird daf\u00fcr pl\u00e4diert, die Wirksamkeit einzelner Programme systematisch zu untersuchen und auszuwerten.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>InnoPark Schweiz AG ist eine von vielen Stellen, die im Auftrag des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) arbeitsmarktliche Massnahmen (AMM) umsetzen. Konkret geht es bei InnoPark darum, hoch qualifizierten Stellensuchenden den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern. Das Programm dauert in der Regel sechs Monate und beruht auf vier S\u00e4ulen. 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