{"id":118389,"date":"2013-12-01T12:00:00","date_gmt":"2013-12-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2013\/12\/meier-12\/"},"modified":"2023-08-23T23:22:45","modified_gmt":"2023-08-23T21:22:45","slug":"meier-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2013\/12\/meier-11\/","title":{"rendered":"Mobilit\u00e4t: Wertvoll, knapp \u2013 und intelligent zu nutzen"},"content":{"rendered":"<p>Die industrielle Revolution hat das Raum-Zeit-Gef\u00fcge der Menschheit ver\u00e4ndert. Verliess ein Schweizer bis vor 200 Jahren kaum je seinen Heimatort, legte 2010 jeder Einwohner der Schweiz im Schnitt t\u00e4glich fast 37 Kilometer im Inland zur\u00fcck. Verglichen mit 2005 hat die Tagesdistanz nochmals um rund 4% oder 1,5 Kilometer zugenommen. Diese Entwicklung ist in erster Linie auf eine Zunahme der gefahrenen Bahnkilometer zur\u00fcckzuf\u00fchren: Gegen\u00fcber 2005 hat die mit der Bahn gefahrene Distanz um 27% zugenommen und betrug 2010 durchschnittlich 8,6 Kilometer.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie enorme Zunahme des Verkehrs ab der Mitte des 20. Jahrhunderts \u2013 eine Entwicklung, die weiter anh\u00e4lt \u2013 ergibt sich aus einem Geflecht von sich gegenseitig beeinflussenden Faktoren: Bev\u00f6lkerungswachstum, Wirtschaftsboom, steigende Kaufkraft, Motorisierung, Landflucht und erneute Stadtflucht, Ausdehnung der Agglomerationen, Freizeitkultur mit Freizeitverkehr, Liberalisierung des Welthandels, wirtschaftliche Integration, Globalisierung etc. Diese Entwicklung hat eine Situation geschaffen, in der viele Lebens-, Wirtschafts- und Gesellschaftsprozesse von ungehinderter Mobilit\u00e4t abh\u00e4ngig sind. M\u00f6glich gemacht haben dies zwei S\u00e4ulen: die weltweite Verf\u00fcgbarkeit von billiger (fossiler) Energie und der politische Konsens in der Schweiz nach einer bedarfsgerechten Verkehrsinfrastruktur.&#13;<\/p>\n<h2>Die Beanspruchung des Bahnnetzes steigt weiter<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDa verwundert es nicht, dass die Schweiz \u00fcber das am dichtesten genutzte Bahnnetz Europas verf\u00fcgt. Rund eine Million Kundinnen und Kunden sind t\u00e4glich in den Z\u00fcgen der SBB unterwegs. Die Schweizer Wirtschaft basiert auf einem komplexen Mobilit\u00e4tssystem, das Arbeitskr\u00e4fte jeden Tag von neuem auf den Weg schickt und eine l\u00fcckenlose Transportkette im G\u00fcterverkehr bietet.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nMit dem Erfolg der Schweizer Wirtschaft und der Anziehungskraft des Standorts Schweiz steigt die Beanspruchung des Bahnnetzes weiter. In den n\u00e4chsten 20 Jahren prognostizieren Experten einen Bev\u00f6lkerungszuwachs von 11%. Dabei wird auch der Mobilit\u00e4tsbedarf weiter zunehmen. Der Bund rechnet mit einer Zunahme des Personenverkehrs bis 2030 um 25%, in urbanen Ballungszentren gar um 30%. Beim \u00f6ffentlichen Personenverkehr rechnet das Departement f\u00fcr Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) bis 2030 sogar mit einer Zunahme um 50%. F\u00fcr den G\u00fcterverkehr wird im gleichen Zeitraum mit einem Wachstum von 45% gerechnet.&#13;<\/p>\n<h2>Verkehrsvorlagen des Bundes sind ein starkes Fundament<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Bund geht die zentralen Herausforderungen mit einer Strategie an, die auf drei Stossrichtungen fusst:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Erhaltungsinvestitionen haben Priorit\u00e4t vor Erweiterungsinvestitionen.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Erweiterungsinvestitionen sind nach Dringlichkeit, Wirksamkeit und Kosten-Nutzen-Verh\u00e4ltnis zu priorisieren.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Die notwendigen Mittel sind auch unter Ber\u00fccksichtigung des Verursacherprinzips zu finanzieren.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nBezogen auf die Schiene setzt der Bund diese Strategie mittels zwei politischen Vorlagen um. Mit der Vorlage Finanzierung und Ausbau der Bahninfrastruktur (Fabi) hat der Bundesrat ein starkes Fundament f\u00fcr die k\u00fcnftige Entwicklung der Bahninfrastruktur geschaffen. Fabi bietet die Chance, heute rechtzeitig den Erfolg f\u00fcr morgen zu planen. Die Vorlage bringt eine solide und langfristige Finanzierungsl\u00f6sung f\u00fcr Betrieb, Unterhalt und Ausbau des Bahnnetzes sowie eine nachhaltige Entwicklungsstrategie. Am 9. Februar 2014 befinden die Stimmb\u00fcrgerinnen und Stimmb\u00fcrger \u00fcber Fabi. Der k\u00fcnftige Netzausbau erfolgt im Rahmen der strategischen Entwicklungsplanung (Step). F\u00fcr den ersten Ausbauschritt bis 2025 sind 6,4 Mrd. Franken vorgesehen.&#13;<\/p>\n<h2>Entscheidende Projekte stehen vor Realisierung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie SBB ist von der Zunahme des Verkehrs und vom Ausbau der Bahninfrastruktur ganz direkt betroffen. Deshalb investiert sie j\u00e4hrlich rund 1 Mrd. Franken in neues Rollmaterial, in der Regel in doppelst\u00f6ckige Fahrzeuge, die jeweils rund 1000 Fahrg\u00e4sten Platz bieten. Zudem baut die SBB das Bahnnetz laufend weiter aus. Mit der Er\u00f6ffnung der Durchmesserlinie in Z\u00fcrich (2014) und dem Jahrhundertbauwerk Gotthardbasistunnel (2016) stehen entscheidende Projekte vor ihrer Realisierung.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nMobilit\u00e4t ist wertvoll: Sie macht Arbeits-, Einkaufs- und Freizeitorte leichter erreichbar, spart Zeit, erm\u00f6glicht die Schaffung von Arbeitspl\u00e4tzen und verbindet die Schweiz mit Europa. Volkswirtschaftlich betrachtet f\u00f6rdert Mobilit\u00e4t Produktivit\u00e4t und Wirtschaftswachstum. Kurz: Mobilit\u00e4t ist ein wichtiger Wohlstandsfaktor \u2013 und die Bahn leistet einen entscheidenden Beitrag dazu.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nMobilit\u00e4t ist aber auch ein knappes Gut, insbesondere in urbanen Ballungsr\u00e4umen und in den hoch frequentierten Spitzenstunden. In Mobilit\u00e4tsdiskussionen ist deshalb immer wieder zu h\u00f6ren, die Kapazit\u00e4tsgrenzen des Systems Bahn seien erreicht. Dem ist entgegenzuhalten, dass die Sitzplatzauslastung in den Z\u00fcgen gesamthaft nur bei knapp 30% liegt. Ausserhalb der Hauptverkehrszeiten besitzt das Bahnnetz also noch hohe ungenutzte Kapazit\u00e4ten.&#13;<\/p>\n<h2>Intelligente L\u00f6sungen f\u00fcr die Zukunft<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nMobilit\u00e4t ist intelligent zu nutzen \u2013 zum Beispiel mit flexiblen Arbeitsformen. Die SBB hat deshalb das Programm <i>WorkAnywhere<\/i> lanciert und erm\u00f6glicht ihren Mitarbeitenden flexibles Arbeiten zu Hause oder unterwegs. Zu diesem Engagement geh\u00f6rt auch die durchg\u00e4ngige Mobilfunkversorgung auf der ganzen Reisekette f\u00fcr die Kundinnen und Kunden. An den 100 meistfrequentierten Bahnh\u00f6fen der Schweiz steht deshalb bis Ende 2015 Gratis-Internet zur Verf\u00fcgung. Und in den Z\u00fcgen verbessert die SBB in Zusammenarbeit mit den Mobilfunkanbietern den mobilen Empfang mit Signalverst\u00e4rkern. Bis Ende 2014 sind s\u00e4mtliche Fernverkehrsz\u00fcge ausger\u00fcstet, bis sp\u00e4testens 2020 soll die gesamte Regionalverkehrsflotte folgen. Zu einer intelligenten Nutzung der Mobilit\u00e4t geh\u00f6rt auch, das Fahrgastaufkommen zu lenken. Schon heute hat die SBB entsprechende Massnahmen ergriffen, so etwa Sparbillette, das 9-Uhr-GA oder Auslastungsanzeigen. Genauso wichtig ist es, wandelnden Kundenbed\u00fcrfnissen in einer hochvernetzten und mobilen Welt zu entsprechen. Die SBB hat sich deshalb zu einem kundenorientierten Mobilit\u00e4tsdienstleister entwickelt und wird diesen Weg weiter beschreiten \u2013 z.B. mit Angeboten wie SBB &amp; Mobility oder personalisierten Kundeninformationen f\u00fcr die ganze Reisekette.&#13;<\/p>\n<h2>Alle m\u00fcssen zur Finanzierung beitragen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nNicht zuletzt hat die Mobilit\u00e4t ihren Preis. Und dieser wird sich gem\u00e4ss \u00fcbereinstimmender Expertenmeinung verteuern. Die SBB bef\u00fcrwortet im Grundsatz, dass die Nutzerfinanzierung im \u00f6ffentlichen Verkehr gesteigert werden soll. Auch in dieser Hinsicht geht Fabi in eine gute Richtung. Der politische Prozess wird zeigen, ob in den n\u00e4chsten Jahren auch ein Verkehrstr\u00e4ger \u00fcbergreifendes Mobility Pricing Zukunft hat. Sicher aber ist, dass alle Akteure \u2013 Bund, Kantone, Nutzer und SBB \u2013 einen Beitrag werden leisten m\u00fcssen, um den steigenden Finanzbedarf aufzufangen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die industrielle Revolution hat das Raum-Zeit-Gef\u00fcge der Menschheit ver\u00e4ndert. Verliess ein Schweizer bis vor 200 Jahren kaum je seinen Heimatort, legte 2010 jeder Einwohner der Schweiz im Schnitt t\u00e4glich fast 37 Kilometer im Inland zur\u00fcck. Verglichen mit 2005 hat die Tagesdistanz nochmals um rund 4% oder 1,5 Kilometer zugenommen. 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