{"id":118424,"date":"2013-12-01T12:00:00","date_gmt":"2013-12-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2013\/12\/thalmann-6\/"},"modified":"2023-08-23T23:22:03","modified_gmt":"2023-08-23T21:22:03","slug":"thalmann-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2013\/12\/thalmann-5\/","title":{"rendered":"Klimapolitik der Schweiz: Mustersch\u00fclerin mit Fragezeichen"},"content":{"rendered":"<p>Die Schweiz geh\u00f6rt zu den Industriel\u00e4ndern mit den besten Umweltindikatoren. Das gilt auch f\u00fcr die Treibhausgasemissionen. 2011 gingen lediglich 0,3% des gesamten Ausstosses der Industriel\u00e4nder auf ihr Konto.<a href=\"#footnote_1\" id=\"footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor\">[1]<\/a><br \/>&#13;<br \/>\nDie 6,3 Tonnen CO2-\u00c4quivalente pro Kopf entsprechen der H\u00e4lfte des Durchschnittswerts der Industriel\u00e4nder (13,4 Tonnen) und liegen sogar leicht unter dem weltweiten Durchschnitt (7 Tonnen im Jahr 2010). Gemessen an der Wirtschaftsleistung sieht die Bilanz der Schweiz sogar noch besser aus: Unser Land erzeugte pro Mio. US-Dollar ihres Bruttoinlandprodukts (BIP) lediglich 124 Tonnen Treibhausgase, gegen\u00fcber 443 Tonnen der \u00fcbrigen im Anhang I der Klimakonvention aufgef\u00fchrten L\u00e4nder.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2>Die Schweiz ist weniger vorbildlich, als es scheint<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Treibhausgasemissionen bestehen in erster Linie aus CO2, das bei der Verbrennung fossiler Energietr\u00e4ger freigesetzt wird. Wesentliche Faktoren f\u00fcr das gute Ergebnis der Schweiz sind entsprechend eine relativ hohe Energieeffizienz und ein CO2-armer Energiemix dank Kern- und Wasserkraftwerken. Eine zentrale Rolle spielten zudem die ausgepr\u00e4gte Tertiarisierung unserer Wirtschaft und die damit einhergehende hohe Abh\u00e4ngigkeit von importierten Industrieg\u00fctern. Die scheinbar vorbildlichen Zahlen verlieren deshalb etwas ihren Glanz, wenn wir die Emissionen ber\u00fccksichtigen, die bei der Produktion und beim Transport der Waren und Leistungen anfallen, die in die Schweiz importiert werden (auch unter Abzug der Exporte). Die aktuellste Sch\u00e4tzung dazu betrifft das Jahr 2004.<a href=\"#footnote_2\" id=\"footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor\">[2]<\/a>Demnach kommen 78% an Emissionen hinzu, wenn man nicht nur die Produktion in der Schweiz betrachtet, sondern den gesamten Ausstoss im Zusammenhang mit dem Konsum. Gem\u00e4ss einer \u00e4hnlichen Sch\u00e4tzung f\u00fcr die in Anhang I (der Klimakonvention) aufgef\u00fchrten L\u00e4nder belaufen sich die Nettoimporte an CO2 auf 5,6% der Inlandemissionen (2001).<a href=\"#footnote_3\" id=\"footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor\">[3]<\/a>Das ist wesentlich weniger als im Fall der Schweiz und damit zu erkl\u00e4ren, dass 19% des gesamten CO2-Ausstosses der Industriel\u00e4nder im Zusammenhang mit Exportprodukten stehen. Bei einer einfachen \u00dcbertragung dieser Korrekturen auf die erw\u00e4hnten Werte resultiert f\u00fcr die Schweiz ein konsumbedingter Wert von 11,3 Tonnen CO2-\u00c4quivalenten pro Kopf. Das ist nicht mehr viel weniger als die 14,1 Tonnen der \u00fcbrigen L\u00e4nder aus Anhang I.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Wesentlich ist aber nicht nur die H\u00f6he der Treibhausgasemissionen, sondern auch deren Entwicklung. Denn die internationalen Abkommen verlangen, dass diese zu senken oder zumindest zu stabilisieren sind. Auch auf dieser Ebene ist der Schweiz das gelungen, was viele L\u00e4nder nicht erreichten, n\u00e4mlich ihren Ausstoss zu verringern \u2013 auch wenn im Zeitraum 2008\u20132012 lediglich ein R\u00fcckgang um durchschnittlich 4% pro Jahr gegen\u00fcber 1990 erzielt wurde. Zum Vergleich: In Deutschland belief sich der R\u00fcckgang auf 25%, in Schweden auf 14%, in D\u00e4nemark auf 12%, in der EU-15 auf 11% und in der EU-27 auf 16%.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Die leichte Abnahme der Treibhausgasemissionen in der Schweiz vollzog sich im Umfeld eines verhaltenen Wirtschaftswachstums von durchschnittlich 1,4% pro Jahr zwischen 1990 und 2012. Die Verringerung ist das Ergebnis eines R\u00fcckgangs um 14% bei den Brennstoffen (Industrie und Heizen) in \u00dcbereinstimmung mit dem CO<sub>2<\/sub>-Gesetz von 1999 und eines Anstiegs um 13% bei den Treibstoffen (Automobile und Schwerverkehr); bei letzteren sah das Gesetz eine Reduktion von 8% vor.<a href=\"#footnote_4\" id=\"footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor\">[4]<\/a><\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Im Geb\u00e4udebereich ist das Reduktionspotenzial nach wie vor bedeutend. Die damit verbundenen Kosten sind h\u00e4ufig durch Energieeinsparungen und Komfortgewinne kompensierbar. Dezidierte Anstrengungen braucht es vor allem noch im Strassenverkehr, wo Effizienzgewinne der Fahrzeuge systematisch durch schwerere Modelle, zus\u00e4tzliche Ausr\u00fcstungen und eine wachsende Mobilit\u00e4t zunichte gemacht werden.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2>Schweiz orientiert sich an EU-Zielen<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Das Parlament hat die Klimakonvention 1993 und das Kyoto-Protokoll 2003 ratifiziert. Mit der Klimakonvention verpflichtete sich die Schweiz zu einem Beitrag zur Stabilisierung der Treibhausgaskonzentration in der Atmosph\u00e4re auf einem Niveau, das keine Gefahr f\u00fcr das Klimasystem bedeutet. Gem\u00e4ss Protokoll musste die Schweiz den Nettoausstoss von sechs Treibhausgasen im Zeitraum 2008\u20132012 um durchschnittlich 8% gegen\u00fcber 1990 senken. Verankert wurde diese Zielvorgabe im CO2-Gesetz von 1999 in Form einer Verminderung von 10% f\u00fcr die CO2-Emissionen aus der energetischen Nutzung fossiler Energietr\u00e4ger, die rund 80% des Treibhausgasausstosses der Schweiz ausmachen.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Die Zielvorgabe von 8% im Rahmen des Kyoto-Protokolls entspricht genau der Vorgabe f\u00fcr die EU-15 von 1997. Die einzelnen Mitgliedsstaaten m\u00fcssen unterschiedlich viel beitragen, je nach wirtschaftlichem Entwicklungsstand, CO<sub>2<\/sub>-Intensit\u00e4t ihrer Wirtschaft und ihren M\u00f6glichkeiten zur Emissionsreduktion. Die Spannweite reicht von Luxemburg, das den Ausstoss um 28% senken muss, bis zu Portugal, dem ein Zuwachs von 27% einger\u00e4umt wurde. \u00d6sterreich, ein mit der Schweiz vergleichbares Land, verpflichtete sich zu einem R\u00fcckgang um 13%. Mit \u20138% liegt die Schweiz im Bereich von Belgien (\u20137,5%), Italien (\u20136,5%) und den Niederlanden (\u20136%). Vielleicht h\u00e4tte die Schweiz mehr versprechen k\u00f6nnen und m\u00fcssen.<a href=\"#footnote_5\" id=\"footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor\">[5]<\/a><\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Doch selbst diese Verpflichtung wird sie nur durch die Anrechnung von j\u00e4hrlich 1,7 Mio. Tonnen CO<sub>2<\/sub>-\u00c4quivalente an Senkenleistung durch den Wald und Emissionszertifikaten \u00fcber 4,6 Mio. Tonnen, welche die Stiftung Klimarappen im Ausland kauft, einhalten. Im Vergleich dazu waren die Emissionen um 4,2 Mio. Tonnen CO<sub>2<\/sub>-\u00c4quivalente pro Jahr zu senken.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Im Zeitraum nach Kyoto m\u00fcssen die Treibhausgasemissionen gem\u00e4ss revidiertem CO<sub>2<\/sub>-Gesetz bis 2020 gegen\u00fcber 1990 abnehmen. Auch hier hat die Schweiz einfach das Gesamtziel der EU \u00fcbernommen, diesmal der EU-27, der viele wirtschaftlich schw\u00e4chere L\u00e4nder angeh\u00f6ren. Die Klimakonvention sieht vor, dass jedes Land gem\u00e4ss seinem Wohlstand, seiner CO<sub>2<\/sub>-Intensit\u00e4t und seinen M\u00f6glichkeiten zur Emissionsreduktion zum globalen Ziel beitr\u00e4gt. Aufgrund dieser Kriterien h\u00e4tte die Schweiz eine Senkung um 25% vorschlagen m\u00fcssen.<a href=\"#footnote_6\" id=\"footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor\">[6]<\/a><\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>F\u00fcr die Zeit nach 2020 ist noch alles offen. Falls sich die Schweiz wieder an der EU orientiert, k\u00f6nnte sie f\u00fcr 2050 ein Reduktionsziel von 85% bis 90% \u2013 und damit eine \u00abkohlenstoffarme Wirtschaft\u00bb \u2013 anpeilen.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Die aktuelle Diskussion \u00fcber den Zeithorizont von 2020\u20132050 steht im Zeichen des Entscheids \u00fcber den Atomausstieg, der im Mai 2011 nach dem Unfall von Fukushima gef\u00e4llt wurde, und der Notwendigkeit eines Umbaus der Energieversorgung. Vorgesehen ist, die Kernenergie durch CO<sub>2<\/sub>-freie Quellen zu ersetzen, allerdings mit einer \u00dcbergangszeit, in der allenfalls Gaskraftwerke zum Einsatz kommen k\u00f6nnten. Deren CO<sub>2<\/sub>-Emissionen m\u00fcssen jedoch vollst\u00e4ndig kompensiert werden, da sich Bundesrat und Parlament verpflichtet haben, daf\u00fcr zu sorgen, dass durch den Atomausstieg der CO<sub>2<\/sub>-Ausstoss im Zusammenhang mit fossilen Energietr\u00e4gern nicht zunimmt.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Eine Reduktion der CO<sub>2<\/sub>-Emissionen um 85% bis 90% bis 2050 ist ein ehrgeiziges, aber technisch machbares Ziel. Bisher fehlt es noch am politischen Willen dazu. Dieser wird dadurch gehemmt, dass die Kosten eines CO<sub>2<\/sub>-Ausstiegs \u00fcbersch\u00e4tzt und Einzelinteressen verteidigt werden. Denn s\u00e4mtliche technischen und wirtschaftlichen Modelle zeigen, dass eine substanzielle Reduktion der Emissionen bis 2050 pro Jahr das BIP um weniger als 1% schm\u00e4lern w\u00fcrde, wenn zu diesem Zweck der CO<sub>2<\/sub>-Preis schrittweise bis auf ein Niveau angehoben wird, das Anreize f\u00fcr mehr Energieeffizienz und einen Ersatz fossiler Energietr\u00e4ger bietet. Selbst der Atomausstieg \u00e4ndert an diesen Ergebnissen nicht grunds\u00e4tzlich etwas. Wesentlich h\u00f6her k\u00f6nnen die wirtschaftlichen Kosten hingegen ausfallen, wenn zum Erreichen eines so ehrgeizigen Ziels ungeeignete Instrumente gew\u00e4hlt werden.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2>Gesamtschweizerische L\u00f6sungen auf die lange Bank geschoben<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Das wirksamste Instrument, mit dem sich\u00a0die Reduktionsziele zu den geringsten Kosten erreichen lassen, ist eine lineare volumenabh\u00e4ngige Abgabe f\u00fcr alle Emissionsverursacher. Wenn unterschiedliche Abgabens\u00e4tze gelten, erh\u00f6hen sich die Gesamtkosten, da die Verursacher, welche die Emissionen zu den tiefsten Kosten reduzieren k\u00f6nnten, dies nicht als erste tun. Der Bundesrat war sich dessen bewusst und plante eine solche einheitliche Abgabe in seiner ersten Version des CO2-Gesetzes<a href=\"#footnote_7\" id=\"footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor\">[7]<\/a> im Jahr 1994. Er wollte 1996 eine Abgabe von 12 Franken pro Tonne CO2 einf\u00fchren und diese schrittweise bis auf 36 Franken im Jahr 2000 anheben. Damit h\u00e4tte die Schweiz zu den L\u00e4ndern mit einer klimapolitischen Vorreiterrolle geh\u00f6rt.<a href=\"#footnote_8\" id=\"footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor\">[8]<\/a><\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Dieser Vorschlag stiess in der Vernehmlassung auf starken Widerstand, weshalb der Bundesrat den Gesetzesentwurf \u00fcberarbeitete und 1997 eine neue Version vorlegte, die in einem ersten Schritt auf freiwillige Massnahmen setzte.<a href=\"#footnote_9\" id=\"footnote-anchor_9\" class=\"inline-footnote__anchor\">[9]<\/a>Die Grundlage dazu bildete das Programm <i>Energie 2000<\/i>, das zu den ersten dieser Art z\u00e4hlte. Die Schweiz hatte diesen Weg fr\u00fcher als viele andere L\u00e4nder eingeschlagen (so wie ein Jahrhundert zuvor die Elektrifizierung der Bahn). Die Umwelt stand dabei nicht im Zentrum. In erster Linie ging es darum, die Abh\u00e4ngigkeit des Landes von Energieimporten zu verringern.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Der urspr\u00fcngliche Ansatz mit freiwilligen Massnahmen war nicht auf die Haushalte ausgerichtet. Entsprechend wurden die Ziele in der Industrie erreicht, nicht aber im Geb\u00e4udebereich und vor allem nicht bei den Treibstoffen. Selbst bei den Brennstoffen war dieser Ansatz zum Scheitern verurteilt, denn der Aufruf zur freiwilligen Senkung des Ausstosses um 15% h\u00e4tte zum Erreichen des Ziels einer Gesamtreduktion um 15% nur ausgereicht, wenn sich ausnahmslos alle beteiligt h\u00e4tten. In der Folge wurde die Einf\u00fchrung der CO<sub>2<\/sub>-Abgabe unumg\u00e4nglich. Die Gegner vermochten die Massnahme bis 2008 hinauszuz\u00f6gern, vier Jahre nach der gesetzlich vorgesehenen Frist. Die Abgabe wurde anfangs auf 12 Franken pro Tonne CO<sub>2<\/sub> festgelegt, wie dies im 1994 erarbeiteten Gesetzesentwurf f\u00fcr 1996 geplant war, und beschr\u00e4nkte sich auf die Brennstoffe. Sie musste 2010 direkt auf 36 Franken angehoben werden. Selbst damit wurde das Ziel f\u00fcr die Brennstoffe verfehlt (Senkung um durchschnittlich 14,2% im Zeitraum 2008\u20132012, gegen\u00fcber einer Zielvorgabe von 15% im Gesetz). Deshalb wird die Abgabe 2014 erneut angehoben, diesmal auf 60 Franken. Man kommt nicht um die \u00dcberlegung, dass wohl eine besser abgestufte Anhebung m\u00f6glich gewesen w\u00e4re, wenn die Abgabe fr\u00fcher eingef\u00fchrt worden w\u00e4re.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Was die Treibstoffe angeht, fehlen bis heute echte Anreize zur Verringerung des Verbrauchs. Nun k\u00f6nnten diese Anreize mit einer Volksinitiative der Gr\u00fcnliberalen kommen. Die Mehrwertsteuer soll demnach durch eine Energieabgabe ersetzt werden. Zur Kompensation der durchschnittlich 21 Mrd. Franken aus der Mehrwertsteuer w\u00e4re laut unseren Berechnungen eine Abgabe von 10,1 Rp.\/kWh notwendig, wenn wir davon ausgehen, dass die Elastizit\u00e4t der Energienachfrage relativ gering ist (0,2). Dies w\u00fcrde einer Abgabe von 425 Franken\/t CO<sub>2<\/sub> f\u00fcr Benzin und von 385 Franken f\u00fcr Diesel und Heiz\u00f6l entsprechen.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2>Internationales Engagement verst\u00e4rken<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Wie erw\u00e4hnt ist die Schweiz nur f\u00fcr einen Bruchteil des globalen Gesamtausstosses an Treibhausgasen verantwortlich. Deshalb k\u00f6nnte die Schweiz mehr bewirken, indem sie dazu beitr\u00e4gt, dass die internationalen Verhandlungen \u00fcber den Klimaschutz vorankommen und indem sie technische und institutionelle L\u00f6sungen entwickelt, die andere L\u00e4nder \u00fcbernehmen k\u00f6nnen. Die Schweiz ist sich dessen bewusst und hat auch entsprechend gehandelt: Sie beteiligte sich von Anfang an sehr aktiv an der Vorbereitung der Klimakonvention von 1992. Heute wirkt sie weiterhin als treibende Kraft bei den Konferenzen der Vertragsparteien, indem sie strategische Partnerschaften mit anderen L\u00e4ndern eingeht.<a href=\"#footnote_10\" id=\"footnote-anchor_10\" class=\"inline-footnote__anchor\">[10]<\/a> An der Weltklimakonferenz vom November 2006 in Nairobi beispielsweise schlug der damalige Bundesrat Moritz Leuenberger vor, eine bescheidene Abgabe auf alle CO2-Emissionen zu erheben, um damit Schutz- und Anpassungsmassnahmen in L\u00e4ndern zu finanzieren, die besonders vom Klimawandel betroffen sind. Dieser Vorschlag kam an mehreren Gipfeln wieder auf den Tisch.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2>Langsamer Gesinnungswandel<\/h2>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>In gewissen Sektoren \u2013 wie Elektrizit\u00e4t und Industrie \u2013 wurden bei der Klimavertr\u00e4glichkeit grosse Fortschritte erzielt. Andere sind diesbez\u00fcglich deutlich weniger weit, so etwa der Strassenverkehr. Alle h\u00e4tten mehr erreichen k\u00f6nnen, wenn das Parlament nicht Jahre mit suboptimalen Instrumenten verloren h\u00e4tte und noch verliert; zu erw\u00e4hnen sind hier etwa freiwillige Massnahmen vor der CO2-Abgabe, Subventionen vor Lenkungsmassnahmen in der Energiestrategie 2050 oder die ausstehende \u00f6kologische Steuerreform. Die Schweiz geh\u00f6rt aufgrund ihres grossen Dienstleistungssektors zu den L\u00e4ndern, die ihre Emissionen am st\u00e4rksten externalisiert haben. Gleichzeitig erfordern die demokratischen Abl\u00e4ufe unserer Institutionen Geduld und Pragmatismus. Es ist jedoch zu hoffen, dass der Ausstieg aus dem Kohlenstoff nun schneller vorankommt. Inzwischen sind sich immer mehr Kreise bewusst, dass dies nicht eine R\u00fcckkehr in die Steinzeit bedeutet, sondern im Gegenteil eine neue technische und industrielle Herausforderung, die ein grosses Potenzial an Wohlstand und Lebensqualit\u00e4t birgt.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<ol class=\"footnote\"><li id=\"footnote_1\" class=\"footnote--item\">Siehe Anhang I der Klimakonvention, Berechnungen aufgrund von Daten der Emissionsdatenbank der Klimakonvention.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_1\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_2\" class=\"footnote--item\">Jungbluth et al. (2007).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_2\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_3\" class=\"footnote--item\">Peters und Hertwich (2008).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_3\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_4\" class=\"footnote--item\">Bafu (2013).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_4\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_5\" class=\"footnote--item\">Thalmann (2012).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_5\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_6\" class=\"footnote--item\">PBL, 2009, S. 31.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_6\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_7\" class=\"footnote--item\">Thalmann (1997).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_7\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_8\" class=\"footnote--item\">Die erste CO2-Abgabe hatte 1990 Finnland eingef\u00fchrt.&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_8\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_9\" class=\"footnote--item\">Baranzini et al. (2004).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_9\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><li id=\"footnote_10\" class=\"footnote--item\">Bafu (2012).&nbsp;<a href=\"#footnote-anchor_10\" class=\"inline-footnote__anchor hidden-print\">[<span class=\"icon-arrow-up\"><\/span>]<\/a><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Schweiz geh\u00f6rt zu den Industriel\u00e4ndern mit den besten Umweltindikatoren. 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Das gute Abschneiden bei den Treibhausgasen relativiert sich jedoch durch das hohe Gewicht des Dienstleistungssektors und der Importe. Ihre Verpflichtungen in der \u00abKlimakonvention\u00bb der Vereinten Nationen und im Kyoto-Protokoll wird die Schweiz nur erf\u00fcllen, wenn sie die CO2-senkende Leistung des Waldes und die erworbenen Emissionszertifikate ber\u00fccksichtigt. Derzeit pr\u00e4gt der Entscheid f\u00fcr einen Atomausstieg und der Umbau der Energieversorgung die Debatte. Vieles wird auf die lange Bank geschoben, und das Parlament z\u00f6gert bei verbindlichen Engagements.","post_hero_image_description":"","post_hero_image_description_copyright_de":"","post_hero_image_description_copyright_fr":"","post_references_literature":"<h3>Literatur<\/h3>&#13;\n<ul>&#13;\n<li>Baranzini Andrea, Thalmann Philippe und Gonseth Camille: Swiss Climate Policy: Combining VAs with other Instruments under the Menace of a CO2 Tax, in: Andrea Baranzini und Philippe Thalmann (Hrsg.): Voluntary Approaches in Climate Policy, Cheltenham (Grossbritannien) und Northampton (Massachusetts, USA), 2004, Edward Elgar, S. 249\u2013276.<\/li>&#13;\n<li>Jungbluth Niels, Steiner Roland und Frischknecht Rolf: Graue Treibhausgas-Emissionen der Schweiz, 1990\u20132004. Erweiterte und aktualisierte Bilanz, Bundesamt f\u00fcr Umwelt, Umwelt-Wissen UW\u20130711, Bern, 2007.<\/li>&#13;\n<li>Bundesamt f\u00fcr Umwelt BAFU: Internationale Umweltpolitik der Schweiz 2012. Zustand und Ausblick Nr. UD-1049-D, Bern, 17. Januar 2012.<\/li>&#13;\n<li>Bundesamt f\u00fcr Umwelt BAFU: Emissionen nach CO2-Gesetz und Kyoto-Protokoll, Bern, 3. Juli 2013.<\/li>&#13;\n<li>Netherlands Environmental Assessment Agency (PBL): Sharing Developed Countries\u2019 Post-2012 Greenhouse Gas Emission Reductions Based on Comparable Efforts, Publikation Nr. 500114014, Bilthoven (Niederlande), 2. Dezember 2009.<\/li>&#13;\n<li>Peters Glen P. und Hertwich Edgar G.: CO2 Embodied in International Trade With Implications for Global Climate Policy, Environmental Science &amp; Technology, 42(5), 2008, S. 1401\u20131407.<\/li>&#13;\n<li>Thalmann Philippe: Imp\u00f4ts \u00e9cologiques: l\u2019exemple des taxes CO2, Lausanne, 1997, Presses polytechniques et universitaires romandes.<\/li>&#13;\n<li>Thalmann Philippe: Objectifs de politique climatique pour la Suisse, in: Organe consultatif sur les changements climatiques OcCC (Hrsg.): Objectifs climatiques et r\u00e9duction des \u00e9missions. Une analyse et vision pour la politique climatique de la Suisse, Bern, 2012, S. 35\u201351.<\/li>&#13;\n<\/ul>&#13;","post_kasten":null,"post_notes_for_print":"","first_teaser_header_de":"","first_teaser_header_fr":"","first_teaser_text_de":"","first_teaser_text_fr":"","second_teaser_header_de":"","second_teaser_header_fr":"","second_teaser_text_de":"","second_teaser_text_fr":"","kseason_de":"","kseason_fr":"","post_in_pdf":118427,"main_focus":null,"serie_email":null,"frontpage_slider_bild":"","artikel_bild-slider":null,"legacy_id":"2805","post_abstract":"","magazine_issue":"20131201","seco_author_reccomended_post":null,"redaktoren":null,"korrektor":null,"planned_publication_date":null,"original_files":null,"external_release_for_author":"19700101","external_release_for_author_time":"00:00:00","link_for_external_authors":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/exedit\/54c794e34c94d"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/118424"}],"collection":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3980"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=118424"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/118424\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":127158,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/118424\/revisions\/127158"}],"acf:user":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3980"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=118424"}],"wp:term":[{"taxonomy":"post__type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post__type?post=118424"},{"taxonomy":"post_opinion","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_opinion?post=118424"},{"taxonomy":"post_serie","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_serie?post=118424"},{"taxonomy":"post_content_category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_category?post=118424"},{"taxonomy":"post_content_subject","embeddable":true,"href":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/wp-json\/wp\/v2\/post_content_subject?post=118424"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}