{"id":118564,"date":"2013-10-01T12:00:00","date_gmt":"2013-10-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2013\/10\/mueller-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:22:44","modified_gmt":"2023-08-23T21:22:44","slug":"mueller-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2013\/10\/mueller-3\/","title":{"rendered":"Innovationsforum \u2013 ein internationales Instrument mit Zukunft?"},"content":{"rendered":"<p>Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind massgeblich mitverantwortlich f\u00fcr die Innovationsleistung der Schweizer Wirtschaft. Aufgrund des internationalen Wettbewerbs k\u00f6nnen sie in einem Hochpreisland wie der Schweiz nur bestehen, wenn sie innovative Produkte und Dienstleistungen entwickeln und effiziente Abl\u00e4ufe einf\u00fchren. Die Wertsch\u00f6pfungskette der Innovation macht nicht vor Landesgrenzen halt. Innovationsforen dienen deshalb der Vernetzung und Kontaktherstellung von Schweizer Innovationsakteuren mit ausl\u00e4ndischen Unternehmen und Forschungspartnern.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nBilaterale und multilaterale Innovationsforen sind Plattformen, welche Innovationsakteure aus Wirtschaft und Forschung zusammenf\u00fchren. Im gegenseitigen Austausch werden gemeinsame Interessen identifiziert, welche den Grundstein f\u00fcr die bilaterale Zusammenarbeit bilden. Da KMU das f\u00fcr ihre Innovationsvorhaben gesuchte spezifische Know-how nicht immer im eigenen Land finden, sind diese Foren mit einem unmittelbaren Mehrwert verbunden. Seitens des Bundes werden Innovationskooperationen unter anderem mit Deutschland, den Niederlanden, Schweden sowie mit den aufstrebenden L\u00e4ndern Polen und T\u00fcrkei durchgef\u00fchrt. Der Bund erm\u00f6glicht dadurch den Schweizer Innovationsakteuren Zugang zu dem von ihnen ben\u00f6tigten Fachwissen im In- und Ausland.&#13;<\/p>\n<h2>Warum Fokussierung auf KMU?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nInnovationen entstehen mit der Umsetzung von neuen Produkten, Prozessen oder Dienstleistungen im Markt und gehen folglich nicht vom Staat aus. Innovationskooperationen basieren deshalb auf dem Grundsatz, dass Innovationsf\u00f6rderung weder staatlich verordnete oder gesteuerte Technologiepolitik noch wirtschaftspolitische Interventionspolitik ist. Innovationsf\u00f6rderung wirkt vielmehr unterst\u00fctzend und anreizorientiert zugunsten der Innovationsakteure aus Wirtschaft und Forschung in der Schweiz. Der Fokus auf KMU ist gerechtfertigt, weil diese h\u00e4ufig nicht die Kapazit\u00e4t zur eigenst\u00e4ndigen Vernetzung mit Innovationsakteuren haben, insbesondere mit denjenigen im Ausland. Der Aufbau eines Forschungsnetzwerkes sowie das Auffinden der zur L\u00f6sungsfindung passenden Partner im In- und Ausland ist f\u00fcr KMU mit hohem Ressourcenaufwand verbunden. Zudem ist die Suche in anderen L\u00e4ndern f\u00fcr die Realisierung von Innovationen zeitintensiv.&#13;<\/p>\n<h2>Beispiele von Innovationsforen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWie Innovationsforen konzipiert werden, wie sie konkret durchgef\u00fchrt werden und was deren Bilanz ist, zeigen exemplarisch drei Beispiele aus der j\u00fcngeren Vergangenheit.2011 fand das erste bilaterale <i>Innovationsforum Schweiz \u2013 Deutschland zum Thema Nachhaltige Mobilit\u00e4t<\/i> in Schaffhausen statt. Es war das erste Innovationsforum dieser Art im BFI-Kontext, das die Schweiz mit einem anderen Staat organisierte und durchf\u00fchrte. Im gew\u00e4hlten Themenbereich bestehen besonders grosse M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Initiierung von bilateralen Innovationsprojekten: Deutschland besitzt eine starke Automobilindustrie, und die Schweiz spielt mit diversen Zulieferbetrieben f\u00fcr diese deutsche Schl\u00fcsselbranche eine wichtige Rolle. Insgesamt nahmen an der eint\u00e4gigen Veranstaltung knapp 100 Personen aus Wirtschaft, Forschung und Politik teil. Im ersten Teil fanden Inputreferate statt; im zweiten Teil wurden in drei verschiedenen Workshops konkrete Problemstellungen diskutiert. Eine interne Evaluation hat ergeben, dass der Grossteil der Teilnehmenden neue Kontakte kn\u00fcpfen konnte. In der Folge des Forums wurden etwa ein Dutzend konkrete bilaterale Innovationsvorhaben seitens der Wirtschafts- und Forschungspartner lanciert.Die <i>Swiss-Swedish Innovation Initiative (SWII)<\/i>&#13;<br \/>\nSiehe <a href=\"http:\/\/www.swii.org\">http:\/\/www.swii.org<\/a>. ist ein weiteres Beispiel f\u00fcr die bilaterale Innovationszusammenarbeit der Schweiz. Auch diese Kooperation verfolgt das Ziel, gemeinsame Projekte von Unternehmen und Forschungspartnern aus beiden L\u00e4ndern zu beg\u00fcnstigen. Die finanzielle F\u00f6rderung daraus entstehender Projekte geschieht im Rahmen der bestehenden marktorientierten Forschungs- und Entwicklungsprogramme Eureka sowie Eurostars. Die Unterst\u00fctzungsmassnahmen f\u00fcr die Initiierung der Projekte, die Innovationsforen, zeigen eine beachtliche Wirkung: Beim bilateralen Projektaufruf im Rahmen von Eureka und Eurostars vom M\u00e4rz 2013, der von einem Innovationsforum in Winterthur begleitet wurde, kam es zur Einreichung von \u00fcber 50 Vorschl\u00e4gen f\u00fcr gemeinsame Projekte. Dies bedeutet eine signifikante Steigerung von schweizerisch-schwedischen Projekten seit der Initiierung der SWII im letzten Jahr. Es besteht eine eindeutige Korrelation zwischen dem Instrument Innovationsforum und den bilateralen Projekteingaben (siehe <i>Grafik 1<\/i>).Im Juni 2013 wurde <i>gemeinsam mit Polen ein Innovationsforum zum Thema Energieeffizienz<\/i> durchgef\u00fchrt. Energieeffizienz ist ein f\u00fcr beide L\u00e4nder wichtiger Bereich f\u00fcr zuk\u00fcnftige Innovationen, damit die jeweiligen energiepolitischen Zielsetzungen erreicht werden k\u00f6nnen. Das gemeinsame Lernen und die Kn\u00fcpfung von ersten Kontakten standen im Vordergrund dieser Veranstaltung. Polens Strategie im Bereich Innovation zielt darauf ab, die noch steigerungsf\u00e4hige Innovationsleistung \u2013 vor allem im polnischen Privatsektor \u2013 zu erh\u00f6hen. Allf\u00e4llige Folgeveranstaltungen mit Polen streben die Initiierung von bilateralen Innovationsprojekten an.&#13;<\/p>\n<h2>Positive Zwischenbilanz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWie Auswertungen zeigen, f\u00e4llt eine erste Bilanz f\u00fcr das noch junge Instrument zur Unterst\u00fctzung der Schweizer Innovationsakteure sowie zur F\u00f6rderung der Schweizer Innovationsleistung positiv aus. Die Anzahl bilateraler Innovationsprojekte konnte mit denjenigen L\u00e4ndern signifikant gesteigert werden, mit denen bilaterale Innovationsforen durchgef\u00fchrt werden. Neben der Pr\u00fcfung der Kausalit\u00e4t dieser Beziehung wird jedoch auch das Kosten\/Nutzen-Verh\u00e4ltnis noch genauer angeschaut werden m\u00fcssen. Es l\u00e4sst sich noch nicht abschliessend beurteilen, ob der Nutzen solcher Foren f\u00fcr die Schweizer Wirtschaft die Kosten des Bundes rechtfertigt.Aufgrund der bisherigen Erfahrungen werden Innovationsforen mittelfristig weiterhin f\u00fcr bilaterale Kooperationen im Bereich Innovation eingesetzt. Damit sich die angestrebten Ziele der Vernetzung der Akteure und der Projektinitiierung noch effizienter erreichen lassen, fliessen folgende gewonnene Erkenntnisse in die Gestaltung der aktuellen Innovationskooperationen ein:\u2013 F\u00fcr die Umsetzung von (bilateralen) Innovationsvorhaben spielt die Projektfinanzierung eine wichtige Rolle. Eine enge Verkn\u00fcpfung von Innovationsforen mit bestehenden F\u00f6rderm\u00f6glichkeiten wie Eureka, Eurostars oder Ambient Assisted Living (AAL) ist deshalb von zentraler Bedeutung. Es ist zielf\u00fchrend, nicht nur die Projektf\u00f6rderm\u00f6glichkeiten vorzustellen, sondern begleitend allenfalls auch Aufrufe f\u00fcr gemeinsame Projekte (sogenannte bilaterale Projektaufrufe) im Rahmen der Foren zu ver\u00f6ffentlichen.\u2013 Eine Konsequenz aus der Verkn\u00fcpfung von bilateralen Innovationsforen mit bestehenden F\u00f6rderm\u00f6glichkeiten ist die exakte Definition des Themas sowie der Ziele, die man mit der Veranstaltung erreichen m\u00f6chte. Das Thema sollte dementsprechend in Verbindung zum Projektaufruf stehen. Nur so k\u00f6nnen bereits im Vorfeld eines Forums entsprechende Akteure aus beiden L\u00e4ndern identifiziert werden.Insgesamt ist das Innovationsforum in der heutigen globalisierten Welt aufgrund der bisher gemachten Erfahrungen zweifelsohne ein Instrument mit Zukunft. Das dynamische wirtschaftliche Umfeld erfordert eine laufende \u00dcberpr\u00fcfung und Anpassung des Instruments. Dies garantiert, dass die Innovationsforen ihre Aufgabe, einen Beitrag zur Innovationsf\u00e4higkeit der Schweizer Wirtschaft und Forschung zu leisten, auch erf\u00fcllen k\u00f6nnen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abEntwicklung bi- oder multilateraler Projekteingaben mit Schweden\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abEntwicklung der Projekteingaben mit priorit\u00e4ren Partnerl\u00e4ndern\u00bb<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind massgeblich mitverantwortlich f\u00fcr die Innovationsleistung der Schweizer Wirtschaft. Aufgrund des internationalen Wettbewerbs k\u00f6nnen sie in einem Hochpreisland wie der Schweiz nur bestehen, wenn sie innovative Produkte und Dienstleistungen entwickeln und effiziente Abl\u00e4ufe einf\u00fchren. Die Wertsch\u00f6pfungskette der Innovation macht nicht vor Landesgrenzen halt. 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