{"id":118624,"date":"2013-09-18T15:59:47","date_gmt":"2013-09-18T15:59:47","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2013\/09\/marti-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:22:52","modified_gmt":"2023-08-23T21:22:52","slug":"marti","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2013\/09\/marti\/","title":{"rendered":"Je k\u00fcrzer die Arbeitslosigkeit, desto geringer die Auswirkungen auf Einstiegschancen und Einkommen"},"content":{"rendered":"<p>Wie wirkt sich eine Arbeitslosigkeit auf die Erwerbskarriere aus? Gibt es typische Erwerbsverl\u00e4ufe von Personen, die einmal in die Arbeitslosigkeit geraten? Und wie wirkt sich die Arbeitslosigkeit auf die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sowie die kurz- oder langfristige Einkommensentwicklung aus? <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201309_20_Marti_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"247\" \/>&#13;<\/p>\n<p class=\"bildquelle\">Foto: Keystone<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\nEcoplan hat im Auftrag des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) die Erwerbsbiografien von Personen untersucht, die zwischen 1993 und 2010 mindestens einmal Taggelder bezogen haben. Zu diesem Zweck wurden erstmals die Daten der ALV (Avam\/Asal-Daten) mit den Daten aus dem AHV-Register \u00fcber diese 18 Jahre verkn\u00fcpft. Insgesamt beinhaltet der verwendete Datensatz somit die Erwerbsinformationen von \u00fcber 2 Mio. Personen. Nachfolgend werden allerdings nur die Erwerbsverl\u00e4ufe von Personen ber\u00fccksichtigt, die \u00fcber den gesamten Beobachtungszeitraum im erwerbsf\u00e4higen Alter waren (Jahrg\u00e4nge 1947 bis 1973). Nicht ber\u00fccksichtigt sind Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4nder, die erst sp\u00e4ter zugewandert sind oder nur f\u00fcr kurze Zeit in der Schweiz anwesend waren.&#13;<\/p>\n<h2>Von der Erwerbsbiografie zum typischen Erwerbsprofil<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Erwerbsbiografien der untersuchten Personen sind sehr vielf\u00e4ltig. Um die Auswirkungen der Arbeitslosigkeit auf die Erwerbsbiografien besser analysieren zu k\u00f6nnen, werden diese in vier Erwerbsprofilen zusammengefasst. Die Profile werden auf Basis von theoretischen \u00dcberlegungen und empirischen Erkenntnissen festgelegt und unterscheiden sich sowohl aufgrund der Anzahl und der L\u00e4nge der Arbeitslosigkeitsphasen als auch aufgrund der Anzahl Rahmenfristen. Sie k\u00f6nnen wie folgt beschrieben werden:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Kurz-AL: Erwerbsbiografie mit nur einer oder maximal zwei kurzen Phasen von maximal je 6 Monaten in der Arbeitslosigkeit, wobei diese nicht in der gleichen Rahmenfrist sein d\u00fcrfen.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>1\u00d7Lang-AL: Erwerbsbiografien mit nur einer Arbeitslosigkeit, die aber l\u00e4nger als 6\u00a0Monate dauert.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>In\u2009&amp;\u2009Out: Erwerbsbiografien mit mehreren Arbeitslosigkeitsphasen innerhalb nur einer Rahmenfrist.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Mehrfach-AL: Erwerbsbiografien mit mehreren Arbeitslosigkeitsphasen in unterschiedlichen Rahmenfristen (mindestens eine l\u00e4ngere und eine k\u00fcrzere oder mindestens drei k\u00fcrzere Arbeitslosigkeitsperioden).<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Definition von Arbeitslosigkeit weicht von den sonst \u00fcblichen Definitionen ab und wird \u00fcber den Bezug von Taggeld definiert (siehe <i>Kasten 1<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Definition von Arbeitslosigkeit in der Studie<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie in der Studie verwendete Definition von Arbeitslosigkeit weicht von der \u00fcblichen Definition ab. Als arbeitslos gelten Personen in der vorliegenden Studie dann, wenn sie im entsprechenden Monat mindestens 10 Taggelder beziehen oder im entsprechenden Monat Einstelltage, Wartetage, Zwischenverdienste oder arbeitsmarktliche Massnahmen aufweisen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nHingegen wird Teilzeitarbeitslosigkeit nicht als Arbeitslosigkeit definiert, da durch die Teilzeitt\u00e4tigkeit der Humankapitalverlust reduziert wird und die entsprechenden Auswirkungen nicht mit der Vollzeitarbeitslosigkeit vergleichbar sind.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n).&#13;<\/p>\n<h2>Betroffenheit von verschiedenen Erwerbsprofilen mit Arbeitslosigkeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEin Drittel der Schweizerinnen und Schweizer, die in ihrer Erwerbskarriere mindestens einmal arbeitslos sind, geh\u00f6ren zum Profil <i>Kurz-AL<\/i>. Im Durchschnitt betr\u00e4gt die\u00a0Gesamtarbeitslosigkeitsdauer in diesem Profil rund 3 Monate. 60% waren gesamthaft 3 Monate oder k\u00fcrzer arbeitslos. Ein Drittel der Schweizer B\u00fcrger mit Arbeitslosigkeit in ihrer Erwerbskarriere sind mehrmals in unterschiedlichen Rahmenfristen arbeitslos (Profil <i>Mehrfach-AL<\/i>). Personen in diesem Profil haben mit rund 30 Monaten die h\u00f6chste durchschnittliche Gesamtarbeitslosigkeitsdauer.Im Vergleich zu den Arbeitslosen mit Schweizer Staatsangeh\u00f6rigkeit sind die Arbeitslosen mit ausl\u00e4ndischer Herkunft h\u00e4ufiger mehrfach arbeitslos (rund 46% in Profil <i>Mehrfach-AL<\/i>) und daf\u00fcr seltener kurz arbeitslos (20% in Profil <i>Kurz-AL<\/i>). Die Anteile der \u00fcbrigen beiden Profile sind in etwa gleich gross wie bei den Schweizer Staatsangeh\u00f6rigen. Die durchschnittliche Arbeitslosendauer innerhalb der einzelnen Erwerbsprofile liegt bei Ausl\u00e4nderinnen und Ausl\u00e4ndern leicht h\u00f6her. Wie stark sich die ausl\u00e4ndische Bev\u00f6lkerung von der schweizerischen unterscheidet, ist wesentlich vom Herkunftsland abh\u00e4ngig. Daneben sind insbesondere folgende Einflussgr\u00f6ssen interessant:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Bildung: Personen mit h\u00f6herer Bildung sind h\u00e4ufiger im Profil Kurz-AL und deutlich seltener als der Durchschnitt in den Profilen In&amp;Out oder Mehrfach-AL anzutreffen. Erstaunlich hoch ist der Anteil von Personen mit h\u00f6herer Bildung im Profil 1\u00d7Lang-AL. Dieser erh\u00f6hte Anteil k\u00f6nnte auf h\u00f6here Anspr\u00fcche von hoch qualifizierten Arbeitskr\u00e4ften an Stellenangebote zur\u00fcckzuf\u00fchren sein. Er k\u00f6nnte aber auch ein Hinweis darauf sein, dass es f\u00fcr gewisse Studienrichtungen nicht einfach ist, eine ad\u00e4quate Stelle zu finden.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Alter: Je \u00e4lter eine Person ist, desto niedriger ist die Wahrscheinlichkeit, rasch wieder ins Erwerbsleben zur\u00fcckzufinden. \u00c4ltere Personen sind daher im Profil 1\u00d7Lang-AL h\u00e4ufiger vertreten.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Regionale Unterschiede: Personen aus der lateinisch-sprachigen Schweiz weisen ein deutlich h\u00f6heres Risiko f\u00fcr Mehrfach-AL aus, w\u00e4hrend sie seltener im Profil Kurz-AL auftauchen. Gewisse Unterschiede sind auch zwischen Zentren und l\u00e4ndlichen Regionen zu erkennen. Arbeitslose aus l\u00e4ndlichen Regionen befinden sich erwartungsgem\u00e4ss seltener im Profil Mehrfach-AL und h\u00e4ufiger im Profil Kurz-AL als die Arbeitslosen aus st\u00e4dtischen Regionen. Daf\u00fcr ist im peripheren Raum die In\u2009&amp;\u2009Out-Problematik gr\u00f6sser.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Kein Unterschied zeigt sich hinsichtlich der Verteilung auf die Erwerbsprofile zwischen den Geschlechtern.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Einfl\u00fcsse soziodemografischer Faktoren auf die Wahrscheinlichkeit, einem bestimmten Erwerbsprofil anzugeh\u00f6ren, sind f\u00fcr Arbeitslose mit Schweizer Staatsangeh\u00f6rigkeit und f\u00fcr solche mit ausl\u00e4ndischer Herkunft in qualitativer Hinsicht sehr \u00e4hnlich.&#13;<\/p>\n<h2>Erwerbsverlauf nach der Arbeitslosigkeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUm verschiedene Typen von Erwerbsprofilen n\u00e4her zu charakterisieren, sind <i>Informationen \u00fcber das Erwerbsleben nach der letzten Arbeitslosigkeit von grosser Bedeutung<\/i>. Dabei interessiert insbesondere, ob eine Person nach der Arbeitslosigkeit wieder eine Stelle findet oder aber aus dem Erwerbsleben ausscheidet. Das Ausscheiden aus dem Erwerbsleben kann sowohl freiwillig als auch unfreiwillig erfolgen.71% der Schweizer Staatsangeh\u00f6rigen, die zwischen 1993 und 2010 mindestens einmal arbeitslos waren, nahmen direkt nach der letzten Arbeitslosigkeit wieder eine Erwerbst\u00e4tigkeit auf. 12% wurden ausgesteuert und 10% wechselten \u00abfreiwillig\u00bb in die Nicht-Erwerbst\u00e4tigkeit. Die \u00fcbrigen rund 7% waren Ende 2010 noch arbeitslos oder sind fr\u00fchzeitig aufgrund des Alters aus dem Erwerbsleben ausgeschieden. Rund zwei Drittel aller ausgesteuerten Personen sowie etwa die H\u00e4lfte aller \u00abfreiwilligen\u00bb Erwerbslosen kehrten mit der Zeit wieder ins Berufsleben zur\u00fcck. Das Ergebnis f\u00fcr die Ausgesteuerten deckt sich mit den Ergebnissen einer Befragung von Aeppli aus dem Jahr 2006.&#13;<br \/>\nVgl. Aeppli (2006): Die Situation der Ausgesteuerten in der Schweiz. Insgesamt zogen sich nur rund 9,5% aller Arbeitslosen danach definitiv vom Arbeitsmarkt zur\u00fcck.Die Erwerbskarrieren nach der letzten Arbeitslosigkeit fallen f\u00fcr die einzelnen Erwerbsprofile unterschiedlich aus:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Wenig \u00fcberraschend liegt der Anteil der Personen, die direkt nach der Arbeitslosigkeit wieder erwerbst\u00e4tig werden, bei den Mehrfach-Arbeitslosen mit knapp 61% am tiefsten. Demgegen\u00fcber liegt der\u00a0Anteil an Personen, die nicht wieder ins Erwerbsleben zur\u00fcckkehren, mit 14% \u00fcberdurchschnittlich hoch.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Klar die besten Chancen auf eine Erwerbst\u00e4tigkeit nach der letzten Arbeitslosigkeit haben Arbeitslose im Profil Kurz-AL. 85% davon sind direkt wieder erwerbst\u00e4tig und weitere 8% finden nach einem kurzen tempor\u00e4ren Erwerbsunterbruch wieder ins Erwerbsleben zur\u00fcck.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Bei den beiden Profilen 1\u00d7Lang-AL und In\u2009&amp;\u2009Out werden 65% bzw. 70% direkt nach der Arbeitslosigkeit wieder erwerbst\u00e4tig. In beiden Profilen ist der Anteil derjenigen, welche nach der letzten Arbeitslosigkeit ausgesteuert werden, mit knapp 19% bzw. gut 16% vergleichsweise hoch. Allerdings kehren bei beiden Profilen rund zwei Drittel der Ausgesteuerten sp\u00e4ter in den Arbeitsmarkt zur\u00fcck.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Wahrscheinlichkeit, nach einer Arbeitslosigkeitsphase sp\u00e4ter wieder einmal erwerbst\u00e4tig zu sein, ist von verschiedenen Faktoren abh\u00e4ngig. Entsprechende statistische Auswertungen zeigen, dass sich insbesondere folgende Faktoren negativ auf die Wahrscheinlichkeit einer sp\u00e4teren Erwerbsaufnahme auswirken: eine ausl\u00e4ndische Nationalit\u00e4t, ein tiefes Qualifikationsniveau, ein h\u00f6heres Alter, eine Berufst\u00e4tigkeit in Industrie, Gewerbe, Baubranche oder Landwirtschaft sowie der Wohnsitz in der Westschweiz oder im Tessin. Das Geschlecht und der Urbanit\u00e4tsgrad der Wohnregion haben hingegen keinen signifikanten Einfluss.&#13;<\/p>\n<h2>Auswirkung der Arbeitslosigkeit auf das\u00a0Einkommen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWelchen Einfluss haben die Erwerbsprofile \u2013 und somit die Arbeitslosigkeit \u2013 auf die Einkommensentwicklung? In der Studie werden die Einflussfaktoren auf unterschiedliche Einkommen mit deskriptiven und \u00f6konometrischen Auswertungen analysiert.&#13;<\/p>\n<h2>Kurze Arbeitslosigkeit ist langfristig unproblematisch<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n\u00dcber die gesamte Erwerbsbiografie (zwischen 1993 und 2009) weisen Personen im Erwerbsprofil Kurz-AL die st\u00e4rkste Lohnsteigerung auf. Mit einem Nominallohnwachstum von rund 2,7% pro Jahr betr\u00e4gt deren Medianlohn 5700 Franken im Jahr 2009. Schw\u00e4cher entwickeln sich die L\u00f6hne bei den\u00a0restlichen Erwerbsprofilen: Hier betrug das Wachstum je nach Erwerbsprofil 1,3% (1\u00d7Lang-AL), 1,5% (<i>Mehrfach-AL<\/i>) und 1,9% (<i>In\u2009&amp;\u2009Out<\/i>).Doch wie entwickelt sich das Erwerbseinkommen bei Personen, die von einer Kurz-AL betroffen sind, im Vergleich zu Personen, die keine Arbeitslosigkeit erleben? Die Resultate zeigen, dass Personen mit einer oder zwei kurzen Arbeitslosigkeitsphasen zwischen 1993 und 2001 kein tieferes Lohnwachstum zu erwarten haben als Personen, die in dieser Periode nicht arbeitslos wurden. Einzig f\u00fcr Personen mit Einkommen deutlich \u00fcber dem Medianlohn ist eine kurze Arbeitslosigkeit mit einem negativen Lohneffekt verbunden.&#13;<\/p>\n<h2>Einkommensverlust steigt mit zunehmender\u00a0Dauer<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Lohnentwicklung w\u00e4hrend der Arbeitslosigkeit \u2013 also das Verh\u00e4ltnis zwischen dem Lohn vor und nach der Arbeitslosigkeit \u2013 kann nur f\u00fcr jene Personen sauber gesch\u00e4tzt werden, welche lediglich eine einzige Arbeitslosigkeitsphase aufweisen. Die Analyse beschr\u00e4nkt sich darum auf einen Teil der Personen der Profile Kurz-AL und 1xLang-AL. Gemessen wird dieser Effekt, indem die Durchschnittsl\u00f6hne in den sechs Monaten vor und nach einer Arbeitslosigkeitsphase miteinander verglichen werden.Wie die Sch\u00e4tzungen zeigen, beeinflusst die Dauer der Arbeitslosigkeit den kumulierten Einkommensverlust wie erwartet in negativer Weise. Je l\u00e4nger die Arbeitslosigkeit dauert, desto gr\u00f6sser ist auch die monatliche Einbusse. Zwar ist bis zu einer Arbeitslosigkeitsdauer von 3 Monaten kein Einkommensverlust zu erwarten. Bereits bei einer Arbeitslosigkeitsdauer von 4-6 Monaten ist jedoch mit einem kumulierten Verlust von 1,8% und bei 7-12 Monaten von 5,4% zu rechnen. Mit rund 22% liegt der kumulierte Einkommensverlust bei Personen mit einer Arbeitslosigkeitsdauer von 1-2 Jahren deutlich h\u00f6her. In dieser Gruppe ist der Anteil an Personen h\u00f6her, die ihren Anspruch auf Arbeitslosenentsch\u00e4digung voll aussch\u00f6pfen und ausgesteuert werden. In der Folge nimmt bei diesen Personen auch der Reservationslohn \u2013 d.h. der Lohn, bei welchem sie bereit sind, arbeiten zu gehen \u2013 ab.Den gr\u00f6ssten Effekt auf das Lohnwachstum respektive die Lohneinbusse w\u00e4hrend der Arbeitslosigkeit hat allerdings das Einkommen in den sechs Monaten vor der Arbeitslosigkeit. Je h\u00f6her das Einkommen vor der Arbeitslosigkeit ist, desto gr\u00f6sser ist der Verlust des Einkommenswachstums w\u00e4hrend der Arbeitslosigkeit. Sowohl die Dauer wie auch das Ausgangseinkommen wirken sich bei Frauen und M\u00e4nnern in etwa identisch auf die Lohnentwicklung aus.Die Ver\u00e4nderungen im Arbeitsmarkt legen nahe, dass eine Arbeitslosigkeit in den 1990er-Jahren und nach 2000 nicht unbedingt dieselben Auswirkungen auf die Einkommenseinbusse gehabt haben muss. Tats\u00e4chlich l\u00e4sst sich beobachten, dass die Einkommenseinbusse bei einer Arbeitslosigkeit nach 2000 zumindest f\u00fcr M\u00e4nner signifikant kleiner ist. Bei Frauen l\u00e4sst sich zwischen den beiden Subperioden kein signifikanter Unterschied feststellen.&#13;<\/p>\n<h2>Aufholeffekt bei Wiedereinstieg<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nNeben der Lohnentwicklung w\u00e4hrend der Arbeitslosigkeit unterscheidet sich auch das Lohnwachstum in den drei Jahren nach der letzten Arbeitslosigkeit je nach Erwerbsprofil. \u00dcber alle Profile hinweg zeigt sich jedoch, dass das Lohnwachstum mit Durchschnittswerten zwischen 4,4% und 5,0% pro Jahr \u00fcber dem mittleren j\u00e4hrlichen Lohnwachstum liegt. Gewisse Aufholeffekte lassen sich also empirisch nachweisen Die Analyse zur Einkommensentwicklung w\u00e4hrend der Arbeitslosigkeit hat gezeigt, dass die Einkommenseinbusse mit steigender Arbeitslosigkeitsdauer stark zunimmt und bei einer Arbeitslosendauer von \u00fcber einem Jahr im Durchschnitt 20% \u00fcbersteigt. Kombiniert man nun diese Erkenntnis mit jener zur Einkommensentwicklung nach der letzten Arbeitslosigkeit, so kommt man zum Schluss, dass die\u00a0erlittenen Einkommenseinbussen bei Personen mit einer l\u00e4ngeren Arbeitslosigkeitsphase im Durchschnitt nur langsam und nur zum Teil kompensiert werden k\u00f6nnen. Kleinere Einbussen durch relativ kurze Arbeitslosigkeitsphasen k\u00f6nnen dagegen gut kompensiert werden.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abVerteilung der Erwerbsprofile, Schweizer und ausl\u00e4ndische Staatsangeh\u00f6rige\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abErwerbsverlauf nach der letzten Arbeitslosigkeit: Schweizer Staatsangeh\u00f6rige\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 3: \u00abEinkommensverlust w\u00e4hrend der Arbeitslosigkeit f\u00fcr Personen mit lediglich einer Arbeitslosigkeitsphase\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Definition von Arbeitslosigkeit in der Studie&#13;<\/p>\n<h3>Definition von Arbeitslosigkeit in der Studie<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie in der Studie verwendete Definition von Arbeitslosigkeit weicht von der \u00fcblichen Definition ab. Als arbeitslos gelten Personen in der vorliegenden Studie dann, wenn sie im entsprechenden Monat mindestens 10 Taggelder beziehen oder im entsprechenden Monat Einstelltage, Wartetage, Zwischenverdienste oder arbeitsmarktliche Massnahmen aufweisen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nHingegen wird Teilzeitarbeitslosigkeit nicht als Arbeitslosigkeit definiert, da durch die Teilzeitt\u00e4tigkeit der Humankapitalverlust reduziert wird und die entsprechenden Auswirkungen nicht mit der Vollzeitarbeitslosigkeit vergleichbar sind.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Wichtigste Erkenntnisse der Studie&#13;<\/p>\n<h3>Wichtigste Erkenntnisse der Studie<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Erwerbsprofile der untersuchten Personen sind sehr unterschiedlich. Es zeigt sich allerdings, dass rund ein Drittel aller Personen nur ein- oder zweimal f\u00fcr eine kurze Zeit arbeitslos sind, wobei diese kurzen Phasen f\u00fcr die Personen keine negativen Auswirkungen auf das Einkommen zeigen. Personen mit l\u00e4ngeren oder mehrfachen Arbeitslosigkeitsphasen (Profile 1\u00d7Lang-AL, In&amp;Out, Mehrfach-AL) m\u00fcssen hingegen mit Einbussen im Erwerbseinkommen rechnen, die auch im Zeitverlauf nicht wieder ganz aufgeholt werden k\u00f6nnen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nW\u00e4hrend die Analyse des Erwerbseinkommens deutliche Unterschiede je nach Art des Erwerbsprofils zeigt, wirkt sich die Arbeitslosigkeit nicht ausgepr\u00e4gt auf die M\u00f6glichkeit einer Wiederbesch\u00e4ftigung aus. Unabh\u00e4ngig vom Erwerbsprofil gelingt den Personen nach einem ALV-Bezug mehrheitlich ein Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt. Auch Personen, welche die Leistungen der ALV voll aussch\u00f6pfen und ausgesteuert werden, schaffen sp\u00e4ter zu rund zwei Dritteln den Wiedereinstieg.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie wirkt sich eine Arbeitslosigkeit auf die Erwerbskarriere aus? Gibt es typische Erwerbsverl\u00e4ufe von Personen, die einmal in die Arbeitslosigkeit geraten? 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