{"id":118694,"date":"2013-09-01T12:00:00","date_gmt":"2013-09-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2013\/09\/matter-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:23:30","modified_gmt":"2023-08-23T21:23:30","slug":"matter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2013\/09\/matter\/","title":{"rendered":"Warum es eine Neuordnung der Bundesbeitr\u00e4ge an die Sozialversicherungen braucht"},"content":{"rendered":"<p>Das starke Wachstum der AHV-Ausgaben f\u00fchrt bei der geltenden gesetzlichen Regelung\u00a0zu einer schleichenden Verdr\u00e4ngung von anderen Bundesausgaben. Aus diesem Grund hat sich der Bundesrat f\u00fcr\u00a0eine Neuregelung des Bundesbeitrags entschieden. Er\u00a0lehnt sich an den Mechanismus bei der IV an, der im kommenden Jahr in Kraft tritt. Konkret soll\u00a0die\u00a0H\u00e4lfte des AHV-Bundesbeitrags weiterhin der Ausgabenentwicklung der AHV folgen. Der Rest wird j\u00e4hrlich entsprechend dem Wachstum der Mehrwertsteuerertr\u00e4ge angepasst.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie AHV und die IV werden haupts\u00e4chlich aus den Beitr\u00e4gen der Versicherten und der Arbeitgeber finanziert. Einen namhaften Anteil tragen indessen auch der Bund und damit alle Steuerpflichtigen:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Erstens finanziert der Bund einen Beitrag an die AHV in H\u00f6he von 19,55% der j\u00e4hrlichen Ausgaben der Versicherung; bei der IV sind es 37,7%.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Zweitens erhalten die beiden Sozialwerke Anteile aus den Mehrwertsteuereinnahmen. F\u00fcr die AHV wird seit 1999 ein zus\u00e4tzliches Mehrwertsteuerprozent erhoben, dessen Ertrag zu 83% direkt der AHV zufliesst. F\u00fcr die IV wurde im Rahmen der IV-Zusatzfinanzierung (von 2011\u20132017 befristet) ein Zuschlag von 0,4 Mehrwertsteuerprozent erhoben.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Ferner fliesst der Ertrag der Spielbankenabgabe an die AHV, und die IV erh\u00e4lt vom Bund bis 2017 die Schuldzinsen, die sie der AHV zahlt, zur\u00fcckerstattet.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2>Verdr\u00e4ngung anderer Bundesausgaben<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAktuell fliessen 18% der ordentlichen Bundesausgaben an die AHV und IV. Die durch die demografische Alterung bedingte Ausgabensteigerung der Versicherungen stellt den Bundeshaushalt vor grosse Herausforderungen, indem sie Ausgaben f\u00fcr andere Gebiete, deren H\u00f6he nicht gesetzlich festgelegt ist, schleichend aus dem Haushalt verdr\u00e4ngt. Bis 2030 bel\u00e4uft sich der Verdr\u00e4ngungseffekt beim Bundesbeitrag an die AHV auf sch\u00e4tzungsweise 2 Mrd. Franken. Dies entspricht rund 30% der j\u00e4hrlichen Bundesausgaben f\u00fcr Bildung und Forschung oder 55% der Ausgaben f\u00fcr die Landwirtschaft.&#13;<\/p>\n<h2>Anbindung an das BIP-Wachstum<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Koppelung der Bundesbeitr\u00e4ge an die Ausgaben der Sozialwerke senkt den Reformdruck, weil jedes Ausgabenwachstum vom Bundeshaushalt teilweise mitgetragen wird. Umgekehrt reduziert sich der Anreiz f\u00fcr Reformen, weil allf\u00e4llige Einsparungen nicht nur den Sozialwerken zu Gute kommen, sondern auch den Bundeshaushalt entlasten.Aus finanzpolitischer Sicht ist es daher von Vorteil, die Bundesbeitr\u00e4ge an die Sozialversicherungen von deren effektiven Ausgaben abzukoppeln und an die Entwicklung des BIP (bzw. der Mehrwertsteuer) anzubinden. Bei der IV hat man diesen Weg mit dem ersten Massnahmenpaket der 6. IV-Revision bereits beschritten. Ab dem Jahr 2014 wird der Bundesbeitrag j\u00e4hrlich entsprechend der Wachstumsrate der Mehrwertsteuer angepasst. Weil die IV-Renten etwas langsamer zunehmen als das BIP, wird die Wachstumsrate des Bundesbeitrags zus\u00e4tzlich etwas abged\u00e4mpft.&#13;<\/p>\n<h2>Teilentflechtung bei\u00a0der\u00a0AHV<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Bundesbeitrag an die AHV soll nach dem Willen des Bundesrats ebenfalls neu geregelt werden. Gem\u00e4ss dem Entscheid \u00fcber die Eckwerte der Reform der Altersvorsorge 2020 soll es zu einer Teilentflechtung kommen: Die H\u00e4lfte des Bundesbeitrags (aufgerundet 10% der AHV-Ausgaben) soll weiterhin der Ausgabenentwicklung der AHV folgen. Der Rest (bei Inkrafttreten ebenfalls 10%) wird j\u00e4hrlich entsprechend dem Wachstum der Mehrwertsteuerertr\u00e4ge angepasst. Der Verzicht auf die vollst\u00e4ndige Entflechtung bedeutet, dass das demografisch bedingte Kostenwachstum der AHV weiterhin in gewissem Mass auf den Bundeshaushalt durchschl\u00e4gt. Der Bund tr\u00e4gt damit der zentralen Bedeutung der AHV Rechnung. Deren Einbussen werden zudem teilweise kompensiert, indem man ihr k\u00fcnftig 90% des Ertrags aus dem Mehrwertsteuerprozent f\u00fcr die AHV (bisher 83%) zuweist. Die Abkoppelung bei der AHV entlastet den Bundeshaushalt per 2030 mit etwa 550 Mio. Franken. Diese Entlastung spiegelt sich in entsprechenden Mindereinnahmen bei der AHV von etwas unter 1% einer Jahresausgabe; dies im Jahr 2030, also zu einer Zeit, in der die AHV dank den Massnahmen der Reform der Altersvorsorge 2020 \u00fcber ein Kapital von \u00fcber 90% einer Jahresausgabe verf\u00fcgt. In der Zeit danach d\u00fcrfte die IV ihre Schuld abgezahlt haben und \u00dcbersch\u00fcsse erwirtschaften.&#13;<br \/>\nDie Abkopplung bei der IV bringt, verglichen mit der 2013 noch geltenden Regelung, im Jahr 2030 dem Bundeshaushalt eine Mehrbelastung von 750 Mio. Franken, denn bei der IV verl\u00e4uft das Ausgabenwachstum aufgrund der verabschiedeten Reformen langsamer als das Wachstum des Bundesbeitrags. Der Bundesrat erw\u00e4gt daher, ob dann ein Teil des Bundesbeitrags f\u00fcr die IV an die AHV abgetreten werden k\u00f6nnte.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das starke Wachstum der AHV-Ausgaben f\u00fchrt bei der geltenden gesetzlichen Regelung\u00a0zu einer schleichenden Verdr\u00e4ngung von anderen Bundesausgaben. Aus diesem Grund hat sich der Bundesrat f\u00fcr\u00a0eine Neuregelung des Bundesbeitrags entschieden. Er\u00a0lehnt sich an den Mechanismus bei der IV an, der im kommenden Jahr in Kraft tritt. Konkret soll\u00a0die\u00a0H\u00e4lfte des AHV-Bundesbeitrags weiterhin der Ausgabenentwicklung der AHV folgen. 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