{"id":118709,"date":"2013-09-01T12:00:00","date_gmt":"2013-09-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2013\/09\/tesar-4\/"},"modified":"2023-08-23T23:23:53","modified_gmt":"2023-08-23T21:23:53","slug":"tesar-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2013\/09\/tesar-3\/","title":{"rendered":"Boris Z\u00fcrcher trifft auf eine prall gef\u00fcllte Agenda"},"content":{"rendered":"<p>Der Arbeitsmarkt ist seit der Einf\u00fchrung der Personenfreiz\u00fcgigkeit st\u00e4rker in den Vordergrund ger\u00fcckt. Gleich mehrere Volksinitiativen stellen f\u00fcr die Direktion f\u00fcr Arbeit mit ihren 315 Mitarbeitenden eine Herausforderung dar. Entsprechend steil ist der Einstieg f\u00fcr den\u00a0neuen Direktor Boris Z\u00fcrcher in seinem Amt. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201309_17_Tesar_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"247\" \/>&#13;<\/p>\n<p class=\"bildquelle\">Foto: Hannes Saxer<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n\u00abEs sind ziemlich grosse Brocken, die uns da erwarten.\u00bb Angesprochen auf die gr\u00f6ssten Herausforderungen spricht der neue Direktor f\u00fcr Arbeit Klartext. Der 49-j\u00e4hrige Boris Z\u00fcrcher leitet die gr\u00f6sste Direktion innerhalb des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) seit Anfang August. In erster Linie sei die Direktion mit dem Vollzug \u2013 beispielsweise der Arbeitslosenversicherung \u2013 besch\u00e4ftigt. Das sei eine Daueraufgabe, bei der die m\u00f6glichst effiziente Dienstleistungserbringung im Vordergrund stehe, sagt Z\u00fcrcher in seinem B\u00fcro an der Effingerstrasse.W\u00e4hrend es bei der Arbeitslosenversicherung zur Zeit keine grossen Baustellen gibt, stehen jedoch einige politische Herausforderungen an \u2013 angefangen etwa mit der Referendumsabstimmung \u00fcber die \u00ab\u00d6ffnungszeiten der Tankstellenshops\u00bb im September. Dabei handelt es sich um eine \u00c4nderung des Arbeitsgesetzes. Abgestimmt wird dar\u00fcber, ob die Arbeitnehmenden in den Shops rund um die Uhr das gesamte Sortiment verkaufen k\u00f6nnen sollen oder nicht. Und: \u00ab\u00dcber die Mindestlohninitiative wird die Bev\u00f6lkerung voraussichtlich im kommenden Jahr abstimmen\u00bb, sagt Z\u00fcrcher. Die Direktion verfasste k\u00fcrzlich zuhanden der st\u00e4nder\u00e4tlichen Kommission WAK einen Bericht \u00fcber die Tieflohnbranchen (vgl. S. 53 ff.). Er dient dazu, die Diskussion \u00fcber die Mindestlohninitiative weiterzuf\u00fchren und soll allf\u00e4llige Alternativen zu einem starren Mindestlohn aufzeigen.Bei der 1:12-Initiative hat die Direktion des geb\u00fcrtigen Langenthalers zwar nicht die Federf\u00fchrung, aber die Arbeitsmarktspezialisten bringen sich ein. Die Betreuung liegt bei der Direktion f\u00fcr Wirtschaftspolitik, die ebenfalls im Seco angesiedelt ist. Auch mit der Personenfreiz\u00fcgigkeit ist die Direktion des \u00d6konomen besonders gefordert. Die Volksinitiative \u00abGegen Masseneinwanderung\u00bb und die Initiative \u00abStopp der \u00dcberbev\u00f6lkerung\u00bb sind mit dem bestehenden Freiz\u00fcgigkeitsabkommen nicht vereinbar. \u00abHerausgefordert w\u00e4ren wir auch, wenn es ein Referendum zur Erweiterung der Personenfreiz\u00fcgigkeit auf Kroatien g\u00e4be.\u00bb&#13;<\/p>\n<h2>Kehrt nicht in den \u00abMutterschoss\u00bb zur\u00fcck<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie erste Phase seit dem Eintritt in die Direktion f\u00fcr Arbeit empfindet Z\u00fcrcher als \u00abLernphase\u00bb. Obwohl er bereits von 1999 bis 2002 Ressortleiter Arbeitsmarktpolitik beim Seco war und danach als wirtschaftspolitischer Berater zuerst f\u00fcr Bundesrat Pascal Couchepin, sp\u00e4ter f\u00fcr Joseph Deiss und Doris Leuthard im damaligen Volkswirtschaftsdepartement <a href=\"http:\/\/www.evd.admin.ch\/\">EVD<\/a> arbeitete, kehre er nicht \u00abwieder in den Mutterschoss zur\u00fcck.\u00bb Vieles habe sich ver\u00e4ndert, und er habe nun eine andere Position inne. Aber selbstverst\u00e4ndlich profitiere er davon, was er damals gelernt und gesehen habe. Nach seinem Abgang als Direktor beim Forschungsinstitut BAK Basel im Februar hat sich Z\u00fcrcher eine Auszeit genommen. Er habe viel Zeit mit seiner Familie verbracht. Sein \u00e4lterer Sohn ist diesen Sommer in die Schule eingetreten, der j\u00fcngere in den Kindergarten.Z\u00fcrcher sagt \u00fcber sich, er sei ein politischer Mensch. Entscheide m\u00fcssten fachlich gut fundiert, aber auch mit den Partnern der Arbeitsmarktpolitik abgesprochen sein, um Erfolg haben zu k\u00f6nnen. \u00abIch bin sehr zielgerichtet und beharrlich\u00bb. Er habe eine grosse Ausdauer. Das belegt er auch mit seinem akademischen Werdegang. Der gelernte Maschinenzeichner absolvierte die Matura und das Wirtschaftsstudium bis zum Doktortitel berufsbegleitend. Ehrgeizig sei er, ja, aber er habe auch viel Gl\u00fcck gehabt in seiner Laufbahn.&#13;<\/p>\n<h2>Liberaler Arbeitsmarkt in Gefahr?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nHat man die Herausforderungen der Direktion f\u00fcr Arbeit vor Augen, stellt sich die Frage, ob der liberale Arbeitsmarkt der Schweiz in Gefahr ist. Z\u00fcrcher betont, die politischen Initiativen seien alle legitim. Der\u00a0liberale Arbeitsmarkt w\u00e4re in Gefahr, wenn grosse Teile der anstehenden Abstimmungen Erfolg h\u00e4tten. \u00abWenn wir Mindestl\u00f6hne einf\u00fchrten, w\u00e4re das ein starker Verlust an Flexibilit\u00e4t.\u00bb Die allgemeinverbindlich erkl\u00e4rten Gesamtarbeitsvertr\u00e4ge sind dagegen kein Verlust an Flexibilit\u00e4t des Arbeitsmarktes. \u00abDas sind ausgehandelte L\u00f6hne. Wir setzen den Stempel \u00abeidgen\u00f6ssisch\u00bb nur auf etwas, das bereits existiert.\u00bbZ\u00fcrcher betont, in Hinsicht auf die \u00f6konomische Grosswetterlage gebe es trotz beachtlicher Risiken f\u00fcr die Schweiz keinen Grund zur Besorgnis. Im Gegenteil: Das anhaltende Besch\u00e4ftigungswachstum und die relativ geringe Arbeitslosenquote im Vergleich mit dem EU-Raum sei bemerkenswert und erfreulich.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Beruflicher Werdegang&#13;<\/p>\n<h3>Beruflicher Werdegang<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nMai 2012\u2013Februar 2013&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDirektor und Chef\u00f6konom BAKBASEL Economics AG, Basel&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nM\u00e4rz 2007\u2013April 2012&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nMitglied der Gesch\u00e4ftsleitung und Chef\u00f6konom von Avenir Suisse, Think Tank for Economic and Social Issues, Z\u00fcrich&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nMitte 2002\u2013Anfang 2007&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWirtschaftspolitischer Berater der Departementsvorstehenden des Eidgen\u00f6ssischen Volkswirtschaftsdepartements (EVD)&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nJuli 1999\u2013Anfang 2002&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nChef Arbeitsmarktpolitik, Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco)<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Arbeitsmarkt ist seit der Einf\u00fchrung der Personenfreiz\u00fcgigkeit st\u00e4rker in den Vordergrund ger\u00fcckt. 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