{"id":118724,"date":"2013-07-01T12:00:00","date_gmt":"2013-07-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2013\/07\/feldmann-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:23:59","modified_gmt":"2023-08-23T21:23:59","slug":"feldmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2013\/07\/feldmann\/","title":{"rendered":"Reichtum an Rohstoffen ist Fluch und Segen zugleich"},"content":{"rendered":"<p>Die Diversifizierung der Wirtschaft geh\u00f6rt zu den zentralen Herausforderungen in der Wirtschaftspolitik vieler ressourcenreichen L\u00e4nder. Eine breit abgest\u00fctzte Wirtschaft ist Grund&shy;voraussetzung f\u00fcr nachhaltiges Wachstum und hilft, die Widerstandsf\u00e4higkeit gegen\u00fcber Schocks l\u00e4ngerfristig zu st\u00e4rken. Erfolgreich ist eine Kombination aus stabilen makro\u00f6konomischen Rahmenbedingungen, Investitionen in Bildung und dem Aufbau von Institutionen. Aserbaidschan befindet sich ganz am Anfang dieses Entwicklungsprozesses. Im Rahmen der Ostzusammenarbeit leistet die Schweiz einen Beitrag zur Bew\u00e4ltigung der damit verbundenen Herausforderungen. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201307_08_Feldmann_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"247\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nRohstoffe sind Fluch und Segen gleichermassen. Viele ressourcenreiche L\u00e4nder mit einer hohen Rohstoffabh\u00e4ngigkeit hinken langfristig betrachtet in ihrer wirtschaftlichen Leistungsf\u00e4higkeit und Entwicklung ressourcenarmen oder weniger ressourcenabh\u00e4ngigen L\u00e4ndern hinterher. L\u00e4nder, &shy;welche eine hohe Diversifizierung ihrer Wirtschaft \u2013 insbesondere der Exportstruktur \u2013 aufweisen, wachsen auf lange Dauer stetiger, als jene die stark von einem einzelnen exportorientierten Wirtschaftssektor abh\u00e4ngig sind. Nat\u00fcrliche Ressourcen wie \u00d6l, Gas oder andere Mineralstoffe k\u00f6nnen zwar viel Geld in die Kassen sp\u00fclen und kurzfristig starke Wachstumsimpulse ausl\u00f6sen. Die Abh\u00e4ngigkeit von Rohstoffen f\u00fchrt aber auch zu Verzerrungseffekten und kann die Wettbewerbsf\u00e4higkeit von anderen Wirtschaftszweigen nachhaltig beeintr\u00e4chtigen. Solche L\u00e4nder sind st\u00e4rkeren Preis- und Nachfrageschwankungen \u2013 und somit externen Schocks \u2013 ausgesetzt, als L\u00e4nder, deren Volkswirtschaften \u00fcber eine breiter abgest\u00fctzte Exportstruktur verf\u00fcgen. Ressourcenreiche L\u00e4nder verf\u00fcgen zudem oftmals \u00fcber schwache Institutionen, welche durch <i>Rent Seeking<\/i> und oligarchische Machtstrukturen gepr\u00e4gt sind. Das erschwert die Gestaltung und Umsetzung wirtschaftspolitischer Massnahmen und die Schaffung eines gesunden Gesch\u00e4ftsumfeldes.&#13;<\/p>\n<h2>Diversifizieren ja, aber wie?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDamit sich Ressourcenreichtum vom Fluch zum Segen wandelt, sind geeignete Diversifizierungsstrategien n\u00f6tig. Die Ausgestaltung und Umsetzung solcher Strategien h\u00e4ngt stark von den Beweggr\u00fcnden und institutionellen und wirtschaftlichen Ausgangsbedingungen ab. Diversifizierung ist ein langwieriges Unterfangen, dessen Erfolg nicht vorprogrammiert ist. Die Erfahrung von L\u00e4ndern wie Chile, Malaysia oder Indonesien, welche erfolgreiche Diversifizierungsprozesse durchliefen zeigt, dass eine Kombination aus stabilen makro\u00f6konomischen Rahmenbedingungen, Investitionen in Bildung und dem Aufbau von funktionierenden Institutionen erfolgversprechend ist. Sektorpolitiken sollten nur mit Bedacht und unter Einbezug einer gesamtwirtschaftlichen Risikoabw\u00e4gung gew\u00e4hlt werden.&#13;<\/p>\n<h2>Antizyklische Fiskalpolitik<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nStabile makro\u00f6konomische Rahmenbedingungen \u00fcber den Ressourcenzyklus hinweg sind eine kritische Grundlage jeglicher erfolgreichen Diversifizierungspolitik. Dabei kommt einer vorsichtigen, antizyklischen Fiskalpolitik zur Abschw\u00e4chung von Boom-Bust-Zyklen die ausschlaggebende Rolle zu. Fehlt eine solche Politik, kann das zur Destabilisierung des exportorientierten Nichtrohstoffsektors und zur Verlangsamung des Wachstums f\u00fchren. Fiskalregeln k\u00f6nnen einen zus\u00e4tzlichen Beitrag zu einer vorsichtigen Ausgabenpolitik \u00fcber den Konjunkturzyklus hinweg leisten. Die W\u00e4hrungs- und Geldpolitik kommen unterst\u00fctzend hinzu, um grosse W\u00e4hrungsschwankungen, insbesondere \u00dcberbewertungen, zu vermeiden. Eine wichtige Rolle spielt auch eine offene Handelspolitik, welche den Zugang zu ausl\u00e4ndischem Kapital, Wissen und M\u00e4rkten erm\u00f6glicht.&#13;<\/p>\n<h2>Aufbau verschiedener Arten von Kapital<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine Schl\u00fcsselrolle spielt auch der Aufbau von Humankapital sowie von institutionellem oder Gouvernanzkapital, d.h. von starken politischen und wirtschaftlichen Institutionen. Investitionen in Bildung und Forschung sind ausschlaggebend f\u00fcr die Diversifizierung weg vom Rohstoffsektor hin zur Entwicklung von h\u00f6herwertigen, innovativen Wirtschaftszweigen mit h\u00f6herer Wertsch\u00f6pfung. Der Aufbau funktionierender Institutionen kann ebenso wenig ausser Acht gelassen werden. Die F\u00e4higkeit einer Volkswirtschaft, nachhaltiges Wachstum zu schaffen, h\u00e4ngt stark von der Qualit\u00e4t der politischen und wirtschaftlichen Institutionen ab. Darunter fallen die politischen Mechanismen gegenseitiger Kontrolle und Rechenschaftspflicht, die Teilhabe der Bev\u00f6lkerung am politischen Entscheidungsprozess, kompetente und funktionierende staatliche Beh\u00f6rden, Rechtssicherheit und ein gesundes Gesch\u00e4ftsumfeld mit klaren und transparenten Spielregeln.&#13;<\/p>\n<h2>Gezielte Ausgaben- und Sektorpolitiken<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGezielte Ausgaben- oder Sektorpolitiken haben ebenfalls eine wichtige Funktion. Dabei ist allerdings zu bedenken, dass \u00f6ffentliche Ausgaben dazu tendieren, Ressourcen in der Binnenwirtschaft zu binden und den Exportsektor schw\u00e4chen. Sektorneutrale Investitionen in Basisinfrastruktur, Bildung und funktionierende Institutionen d\u00e4mpfen diese Tendenz. Sektorpolitiken sollten darauf ausgerichtet sein, die Produktionskosten im exportorientierten Nichtrohstoffsektor zu senken mit dem Ziel die Effizienz anzukurbeln und neue Markteintritte zu f\u00f6rdern. Im Vordergrund steht die Verbesserung der gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Programme zur Senkung der Lohnkosten, steuerliche Anreize oder Sonderwirtschaftszone k\u00f6nnen als zus\u00e4tzliche gezielte und zeitlich begrenzte F\u00f6rdermassnahmen zum Zug kommen. Sektorpolitiken sind aber auch mit hohen Risiken behaftet, indem sie Marktanreize verzerren, den Interessen einer kleinen Elite zum Opfer fallen, oder die Aufmerksamkeit weg von gesamtwirtschaftlichen Hindernissen lenken k\u00f6nnen. Sie m\u00fcssen daher mit R\u00fccksicht auf die gesamtwirtschaftlichen Konsequenzen gew\u00e4hlt und regelm\u00e4ssig auf ihre Zielerreichung \u00fcberpr\u00fcft werden.&#13;<\/p>\n<h2>Aserbaidschans Weg zu einer diversifizierten Wirtschaft<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWie andere ressourcenreiche L\u00e4nder steht Aserbaidschan vor der Herausforderung, seine Wirtschaft zu diversifizieren. Trotz seiner kurzen Geschichte kann Aserbaidschan auf einen eindr\u00fccklichen Entwicklungspfad zur\u00fcckblicken. Die ersten Jahre der Unabh\u00e4ngigkeit Anfang der 1990er-Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion waren noch gepr\u00e4gt von internen politischen Auseinandersetzungen, dem Krieg mit Armenien um das abtr\u00fcnnige Gebiet Nagorno Karabach und wirtschaftlichem Chaos. Mittlerweile hat sich die politische und wirtschaft&shy;liche Situation stabilisiert. Das starke Wachstum des letzten Jahrzehnts aufgrund des \u00d6lbooms bescherte Aserbaidschan merkliche Entwicklungserfolge. So reduzierte sich der Anteil der Bev\u00f6lkerung unterhalb der Armutsgrenze gem\u00e4ss offizieller Statistik von 49,6% 2001 auf noch 6% 2012. Ddieserist aber gestellt, da sie haupts\u00e4chlich auf die Erh\u00f6hung der Sozialtransfers und der Reall\u00f6hne im Zuge der h\u00f6heren \u00d6leinnahmen zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Zudem nehmen die Einkommensunterschiede innerhalb der Bev\u00f6lkerung zu. Armut unter der Landbev\u00f6lkerung sowie der Vielzahl intern Vertriebener bleibt weit verbreitet.&#13;<\/p>\n<h2>Volkswirtschaft am Tropf des \u00d6l- und Gassektors<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nHeute befindet sich das Land an einem Scheideweg. Nach Jahren starken Wachstums aufgrund des \u00d6lbooms nimmt die \u00d6lproduktion seit einigen Jahren stetig ab, was zu einer merklichen Wachstumseinbusse f\u00fchrte. Wuchs Aserbaidschans Volkswirtschaft zwischen 2001 und 2010 im Durchschnitt noch 15,3% im Jahr, so betrug 2011 das Wachstum magere 0,1% und 2012 2,2%. Heute tr\u00e4gt der mehrheitlich aus Bauwirtschaft und Dienstleistungssektor bestehende Nicht\u00f6lsektor \u2013 angekurbelt durch \u00f6ffentliche Ausgaben \u2013 \u2028einen Grossteil zum Wachstum bei. Die Abh\u00e4ngigkeit der Wirtschaft vom \u00d6l- und Gassektor ist ungebrochen, und die Fortschritte in der strukturellen Transformation der Wirtschaft bleiben gering. Zwar sinkt der Anteil des \u00d6l- und Gassektors am Bruttoinlandprodukt (BIP) stetig und macht heute noch knapp die H\u00e4lfte des BIP aus. Er bindet aber rund 80% der ausl\u00e4ndischen Direktinvestitionen, ist f\u00fcr 92% der Exporte und \u00fcber 70% der \u00f6ffentlichen Einnahmen verantwortlich. Der gesch\u00e4tzte Produktionshorizont der alternden aserischen \u00d6lfelder betr\u00e4gt ohne neue Grossinvestitionen noch 15\u201320 Jahre. Die Gasreserven machen nur rund ein Drittel der \u00d6lreserven aus.&#13;<\/p>\n<h2>Hoch gesteckte Ziele der Regierung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAngesichts dieser Perspektiven nimmt die Bedeutung der Diversifizierung einen immer wichtigeren Stellenwert in der Wirtschaftspolitik ein. Ohne sie wird Aserbaidschan kaum an die Entwicklungserfolge des letzten Jahrzehnts ankn\u00fcpfen k\u00f6nnen und die hochgesteckten Ziele nicht erreichen. Mit der <i>Entwicklungsvision 2020<\/i> will die Regierung das Pro-Kopf-Einkommen in den n\u00e4chsten sieben Jahren verdoppeln. Die Vision legt die Priorit\u00e4ten der Regierung im Bereich der wirtschaftlichen Entwicklung fest und stellt die Diversifizierung der Wirtschaft ins Zentrum der \u00dcberlegungen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Infrastrukturinvestitionen (insbesondere in Transportwege), Investitionen in Bildung und Gesundheit, die St\u00e4rkung der Institutionen und die F\u00f6rderung bestimmter Sektoren wie Industrie, Landwirtschaft, Tourismus und Informa&shy;tionstechnologien.&#13;<\/p>\n<h2>Handlungsbedarf in drei Bereichen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAserbaidschan verf\u00fcgt \u00fcber gen\u00fcgend Potenzial, seine Wirtschaft zu diversifizieren und das Wachstum auf eine nachhaltigere Basis zu stellen. Allerdings steht das Land vor grossen Herausforderungen, um diesen Prozess erfolgreich zu meistern:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Sicherstellung stabiler makro\u00f6konomischen Rahmenbedingungen: Zentral in dieser Hinsicht ist die Nachhaltigkeit der Fiskalpolitik. Diese war in der Vergangenheit stark expansiv und f\u00fcr einen Grossteil des Wachstums der letzten drei Jahre verantwortlich. So hat sich das Haushaltsdefizit im Vergleich zum BIP \u2013 abz\u00fcglich des \u00d6lsektors \u2013 konstant verschlechtert von knapp 20% 2003 auf \u00fcber 40% 2012. Es geht nun darum, die wachsende Abh\u00e4ngigkeit der Fiskalpolitik von \u00d6leinnahmen zu mindern und auf eine nachhaltigere Basis zu stellen. Einen Beitrag dazu k\u00f6nnen Fiskalregeln , welche eine angemessene Balance finden zwischen Ausgabenwachstum \u2013 insbesondere Investitionen in \u00f6ffentliche Infrastruk&shy;turen \u2013 und Sparanstrengungen. Eine offenere Handelspolitik w\u00fcrde die Diver&shy;sifizierung der Wirtschaft zus\u00e4tzlich beg\u00fcnstigen. Aserbaidschan bekundete bereits vor Jahren Interesse, der Welthandelsorganisa&shy;tion (WTO) beizutreten. Bislang zeigten die Verhandlungen aber nur geringe Fortschritte.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Aufbau von Human- und Gouvernanzkapital: Investitionen sind n\u00f6tig um das Ausbildungswesen zu reformieren, die Berufsbildung zu verbessern und die Innovationsf\u00e4higkeit zu f\u00f6rdern. Trotz der Priorisierung durch die Regierung fielen die Bildungsausgaben von knapp 20% in 2003 auf weniger als 10% in 2012. Wichtig ist auch der Aufbau von Gouvernanzkapital. Dazu geh\u00f6ren die Wahrung von grundlegenden politischen und wirtschaftlichen Freiheiten, die St\u00e4rkung der staatlichen Beh\u00f6rden \u2013 vor allem des Finanzwesens und der Dienstleistungserbringung \u2013 sowie die weitere Verbesserung des Gesch\u00e4ftsumfeldes und des Finanzsektors. Letztlich geht es darum, die Altlasten der Sowjetunion abzutragen und Rahmenbedingungen zu schaffen, welche den freien Wettbewerb f\u00f6rdern und den Markteintritt erleichtern. Aserbaidschan unternahm in dieser Hinsicht einige Anstrengungen. Doch der Weg hin zu st\u00e4rkeren Institutionen bleibt lang. Trotz Verbesserungen des Gesch\u00e4ftsumfelds \u2013 gemessen an den IFC Doing Business Reports oder dem WEF Competitiveness Index \u2013 bestehen weiterhin grosse Schwierigkeiten bei der Durchsetzung von Regeln und dem Zugang zu Finanzmitteln. Das f\u00fchrt dazu, dass die Gesch\u00e4fts- und Kreditkosten f\u00fcr den Privatsektor \u2013 speziell von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) \u2013 hoch bleiben. Ebenso bleibt Korruption eine der grossen Herausforderungen. Gemessen am Corruption Perception Index von Transparency International zeichnen sich nur langsame Verbesserungen ab. Aserbaidschan liegt denn auch hinter vergleichbaren Transitionsl\u00e4ndern zur\u00fcck.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Ausgaben- und Sektorpolitik der Regierung: Ein Blick auf die Ausgabenpolitik der letzten Jahre zeigt, dass Infrastrukturinvestitionen die \u00f6ffentlichen Ausgaben dominieren, w\u00e4hrend Ausgaben in Bildung und Gesundheit r\u00fcckl\u00e4ufig waren. Angesichts des oftmals heruntergekommenen Zustands der \u00f6ffentlichen Infrastruktur, welche von der Sowjetunion geerbt wurde, k\u00f6nnen Investitionen in Basisinfrastruktur, wie Wasserversorgung, Stromnetze oder Transportwege, wachstumsf\u00f6rdernd sein und zur Diversifizierung der Wirtschaft beitragen. Allerdings stellen sich Fragen zur Effizienz dieser Investitionen und zur Absorptionsf\u00e4higkeit der Wirtschaft. Im Rahmen der Entwicklungsvision 2020 schl\u00e4gt die Regierung auch Massnahmen vor, bestimmte Sektoren wie Landwirtschaft und Informationstechnologien gezielt zu f\u00f6rdern, zum Beispiel durch verg\u00fcnstigte Kredite oder mit der Schaffung von Sonderwirtschaftszonen. Viele dieser Massnahmen sind allerdings erst in einem Planungsstadium. Ohne gleichzeitige Verbesserung der Qualit\u00e4t der Institutionen d\u00fcrften sie nur eine beschr\u00e4nkte Entwicklungswirkung haben. Auch sollten solche spezifischen F\u00f6rdermassnahmen nicht von den gesamtwirtschaftlichen H\u00fcrden ablenken.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2>Der Beitrag der Schweiz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Rahmen der Ostzusammenarbeit engagiert sich die Schweiz seit rund 20 Jahren im S\u00fcdkaukasus und ist seit 2002 mit einem Programmb\u00fcro in Aserbaidschan direkt vor Ort. Als Mitglied der Schweizer Stimmrechtsgruppen bei der Weltbank und des &shy;Internationalen W\u00e4hrungsfonds spielt Aserbaidschan auch in der multilateralen Zusammenarbeit eine wichtige Rolle. Im Rahmen der neuen <i>S\u00fcdkaukasusstrategie 2013\u20132016<\/i> konzentrieren sich die Aktivit\u00e4ten des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) und der Direktion f\u00fcr Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) in Aserbaidschan auf die Bereiche wirtschaftliche Gouvernanz und Marktentwicklung. Ziel ist es, den wirtschaftlichen Transformationsprozess zu unterst\u00fctzen und zur Nachhaltigkeit \u2028des Wachstums sowie zur Diversifizierung der Wirtschaft beizutragen. Wirtschaftliche Gouvernanz umfasst alle Spielregeln, welche die wirtschaftlichen Aktivit\u00e4ten des \u00f6ffentlichen und privaten Sektors bestimmen. Im Zentrum steht dabei die Rolle des Staates in der Verwaltung \u00f6ffentlicher Gelder, der Erbringung \u00f6ffentlicher Dienstleistungen und der Schaffung von Rahmenbedingungen f\u00fcr den Privatsektors sowie die Corporate Governance von Privatunternehmen. Damit setzt das Programm bei den zentralen Herausforderungen Aserbaidschans an, n\u00e4mlich der Sicherstellung von stabilen makro\u00f6konomischen Rahmenbedingungen und dem Aufbau von starken wirtschaftlichen Institutionen. Ein Schwerpunkt ist die St\u00e4rkung des \u00f6ffentlichen Finanzwesens \u2013 einschliesslich der Erbringung \u00f6ffentlicher Infrastrukturdienstleistungen \u2013 und der Aufbau von Kapazit\u00e4ten zur wirtschaftspolitischen Politikgestaltung. Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf der Verbesserung des Gesch\u00e4ftsumfelds f\u00fcr KMU durch den Abbau von regulatorischen H\u00fcrden und die St\u00e4rkung des Finanzsektors. Dar\u00fcber hinaus f\u00f6rdert die Schweiz mit &shy;ausgew\u00e4hlten Programmen die l\u00e4ndliche Marktentwicklung durch den Aufbau von bestimmten landwirtschaftlichen Wertsch\u00f6pfungsketten. Das Programm kann einiges an Erfolgen vorweisen. So trug die Schweiz zur Erarbeitung neuer Gesetze bei, welche die Gesch\u00e4ftsinspektionen regeln oder den Markteintritt f\u00fcr Privatunternehmen erleichtern. Auch f\u00fchrte die Unterst\u00fctzung der Schweiz zur Einf\u00fchrung neuer volkswirtschaftlicher Prognosemodelle und einer Verbesserung der statistischen Grundlage f\u00fcr die Wirtschaftspolitik. Letztlich trugen die Programme der Schweiz zu Einkommenssteigerungen und zur Schaffung von Arbeitspl\u00e4tzen im l\u00e4ndlichen Raum bei.&#13;<\/p>\n<h2>Die Entwicklungserfolge der letzten &shy;Jahre sichern<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAserbaidschan erzielte im letzten Jahrzehnt eindr\u00fcckliche Entwicklungserfolge. Die Nachhaltigkeit dieser Errungenschaften und das zuk\u00fcnftige Fortschreiben der vergangenen Erfolge h\u00e4ngen allerdings stark von der F\u00e4higkeit ab, das Wachstum auf eine nachhaltige Basis zu stellen und die Wirtschaft zu diversifizieren. Aserbaidschan befindet sich am Beginn dieses Prozesses. In Zukunft gilt es viele H\u00fcrden zu meistern. Die Erfahrung anderer L\u00e4nder zeigt aber, dass Diversifizierung m\u00f6glich ist. Die Schweiz leistet dazu mit seinem Entwicklungsprogramm einen wichtigen Beitrag.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abWirtschaftswachstum Aserbaidschans, 2001\u20132012\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00ab\u00d6lproduktion Aserbaidschans, 2001\u20132012\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Aserbaidschans lange Geschichte mit dem \u00d6l&#13;<\/p>\n<h3>Aserbaidschans lange Geschichte mit dem \u00d6l<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nBereits im Altertum und fr\u00fchen Mittelalter wurde Erd\u00f6l aus nat\u00fcrlichen Quellen als Brennstoff, Heilmittel und zu milit\u00e4rischen Zwecken eingesetzt. 1844 wurde in der N\u00e4he von Baku die weltweit erste \u00d6lbohrung durchgef\u00fchrt. Das l\u00f6ste einen regelrechten \u00d6lrausch aus und zog viele ausl\u00e4ndische Unternehmer, Ingenieure und Geldgeber an, darunter die Br\u00fcder Nobel oder die Familie Rothschild. Um die Jahrhundertwende stieg Aserbaidschan zum weltgr\u00f6ssten \u00d6lf\u00f6rderer auf. Die Russische Revolution und die Verstaatlichung der ausl\u00e4ndischen \u00d6lgesellschaften in Folge der Annexion Aserbaidschans durch die Sowjetunion setzte diesem Boom ein Ende und l\u00e4utete den teilweisen Niedergang der \u00d6lf\u00f6rderung ein. Den zweiten \u00d6lboom erlebte Aserbaidschan w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs als rund 70% des sowjetischen \u00d6ls aus Baku kam und mitentscheidend f\u00fcr den Kriegsausgang war.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer dritte \u00d6lboom setzte nach der Unabh\u00e4ngigkeit 1991 ein. Mit der Unterzeichnung des so genannten <i>Vertrags des Jahrhunderts<\/i> 1994 erm\u00f6glichte Aserbaidschan ausl\u00e4ndischen \u00d6lgesellschaften die Ausbeutung der neu entdeckten \u00d6lfelder <i>Azeri-Chirag-Gunashli (ACG)<\/i> im Kaspischen Meer. Mit der Er\u00f6ffnung der <i>Baku-Tblisi-Ceyhan Pipeline (BTC)<\/i> 2006 wurde zudem ein neuer, direkter Transportweg an die t\u00fcrkische Mittelmeerk\u00fcste und somit zum Weltmarkt erschlossen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn Zukunft will Aserbaidschan verst\u00e4rkt auf die\u00a0Gasf\u00f6rderung setzen und damit den europ\u00e4ischen Markt beliefern. Ab 2018 soll die kommerzielle Produktion des Erdgasfelds <i>Shah Deniz II<\/i> aufgenommen werden. Am 28.\u2009Juni 2013 fiel der Entscheid, das Erdgas aus dieser Produktion \u00fcber nach Italien zu f\u00fchren und nicht \u00fcber die Route <i>Nabucco West<\/i>, welche von der t\u00fcrkischen Grenze nach \u00d6sterreich verl\u00e4uft. An TAP ist auch der Schweizer Energiekonzern Axpo beteiligt. Die Er\u00f6ffnung dieses S\u00fcdkorridors f\u00fcr Erdgaslieferungen spielt eine wichtige Rolle, die Abh\u00e4ngigkeit Europas vom russischen Gas zu mildern.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Wirtschaftspolitische Dialogplattform&#13;<\/p>\n<h3>Wirtschaftspolitische Dialogplattform<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nZusammen mit der deutschen Gesellschaft f\u00fcr Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der UNDP hat das Seco k\u00fcrzlich eine wirtschaftspolitische Dialogplattform ins Leben gerufen. Ziel dieser Plattform ist es, einen offenen Dialog zum Thema der wirtschaftlichen Diversifizierung mit der Regierung und Experten in Aserbaidschan zu f\u00f6rdern und somit zur St\u00e4rkung der Kapazit\u00e4t zur Politikgestaltung beizutragen. Die Dialogplattform umfasst einen Konferenz- und Seminarzyklus mit internationalen und nationalen Experten sowie Vertretern der Regierung und der Zivilgesellschaft. Aufbauend auf der Erfahrung anderer L\u00e4nder sollen verschiedene Aspekte der Diversifizierung in kleineren Arbeitsgruppen beleuchtet und im Rahmen einer gr\u00f6sseren Konferenz Mitte 2014 pr\u00e4sentiert werden. \u2028Dar\u00fcber hinaus geh\u00f6rt die Erarbeitung eines konkreten Aktionsplans f\u00fcr die Umsetzung der Entwicklungsvision 2020 zu den Haupt&shy;anliegen der Plattform.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 3: Literatur&#13;<\/p>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Acemoglu, D., J. Robinson (2012): Why Nations Fail: The Origins of Power, Prosperity, and Poverty. Random House, New York.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Booz &amp; Co (2008): Economic Diversification: The Road to Sustainable Development.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Gelb, A (2010): Economic Diversification in Resource Rich Economies.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Government of the Republic of Azerbaijan (2012): Development Concept Azerbaijan 2020: The Vision for the Future.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>IMF (2012): Economic Diversification in LICs: Stylized Facts and Macroeconomic Implications.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>IMF (2012): Macroeconomic Policy Framework for Resource Rich Developing Countries.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>IMF (2012): Republic of Azerbaijan: Staff Report for the 2013 Article IV Consultation.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Onder, H. (2013): Azerbaijan: Inclusive Growth in a Resource-Rich Economy. World Bank.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Diversifizierung der Wirtschaft geh\u00f6rt zu den zentralen Herausforderungen in der Wirtschaftspolitik vieler ressourcenreichen L\u00e4nder. Eine breit abgest\u00fctzte Wirtschaft ist Grund&shy;voraussetzung f\u00fcr nachhaltiges Wachstum und hilft, die Widerstandsf\u00e4higkeit gegen\u00fcber Schocks l\u00e4ngerfristig zu st\u00e4rken. Erfolgreich ist eine Kombination aus stabilen makro\u00f6konomischen Rahmenbedingungen, Investitionen in Bildung und dem Aufbau von Institutionen. 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