{"id":118779,"date":"2013-07-01T12:00:00","date_gmt":"2013-07-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2013\/07\/profos-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:23:51","modified_gmt":"2023-08-23T21:23:51","slug":"profos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2013\/07\/profos\/","title":{"rendered":"Fragilit\u00e4t \u2013 was Entwicklungszusammenarbeit in L\u00e4ndern mittleren Einkommens bewirken kann"},"content":{"rendered":"<p>\u00dcber 1,5 Mrd. Menschen leben in L\u00e4ndern, die von Konflikt, Gewalt, und Instabilit\u00e4t gepr\u00e4gt sind. In diesen fragilen L\u00e4ndern steht der Staat auf unsicheren gesellschaftlichen Grundlagen, und die Armutsbek\u00e4mpfung kommt nur schleppend voran. W\u00e4hrend Fragilit\u00e4t fr\u00fcher fast ausschliesslich im Zusammenhang mit L\u00e4ndern mit tiefen Einkommen diskutiert wurde, betrifft dies immer mehr auch L\u00e4nder mittleren Einkommens. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201307_04_Profos_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"246\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAfghanistan, Somalia oder Sudan sind die \u00fcblichen Beispiele, die im Zusammenhang mit \u00abfragilen\u00bb L\u00e4ndern genannt werden. Anhaltende Konflikte, Gewalt, extreme Armut, unzureichend legitimierte Regierungen und instabile Staatsf\u00fchrung sind die Herausforderungen, welche diese L\u00e4nder in den letzten Jahren gepr\u00e4gt haben. Doch nicht alle fragilen Staaten entsprechen diesem Muster. Heute weisen fast die H\u00e4lfte der fragilen Staaten \u2013 23 von 47 \u2013 ein mittleres Pro-Kopf-Einkommen aus und geh\u00f6ren somit zur Kategorie der <i>Middle Income Countries (MIC)<\/i>.&#13;<br \/>\nOECD (2013). MIC sind L\u00e4nder mit einem Pro-Kopf-Einkommen zwischen 1006 und 3975 USD. Der Aufstieg mehrerer fragiler L\u00e4nder mit hohen Einwohnerzahlen in diese Einkommenskategorie \u2013 insbesondere Nigeria und Pakistan \u2013 bedeutet, dass heute ein wachsender Anteil der Armen in fragilen L\u00e4ndern mittleren Einkommens zuhause ist. So wird erwartet, dass ab 2018 Armut vor &shy;allem eine Frage der (In-)Stabilit\u00e4t wird.&#13;<br \/>\nChandy (2013). Nach neuesten Daten der Weltbank wird voraussichtlich nur jeder f\u00fcnfte fragile Staat bis 2015 die Anzahl seiner von extremer Armut (Einkommen unter 1,25 US-Dollar pro Tag) betroffenen Einwohner halbieren k\u00f6nnen. Insgesamt werden fragile Staaten 2015 noch weit von den Millenniumszielen entfernt sein.&#13;<br \/>\nIBRD\/World Bank 2013.&#13;<\/p>\n<h2>Breiteres Verst\u00e4ndnis von Fragilit\u00e4t<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nFragile Staaten sind sehr unterschiedlich. Entsprechend schwierig ist die Suche nach einer einheitlichen Definition. Erste Ans\u00e4tze wie das Konzept der <i>Low-Income Countries Under Stress<\/i> der Weltbank gingen von einer kausalen Verbindung zwischen Einkommen und Fragilit\u00e4t aus. Sp\u00e4tere Definitionen schlossen Konflikt, Gewalt und institutionelle Fehlleistungen mit ein. Insbesondere mit dem \u00abarabischen Fr\u00fchling\u00bb wurde das Verst\u00e4ndnis von fragilen Staaten noch breiter. Der 2011 abgeschlossene <i>New Deal for Engagement in Fragile States<\/i> ist eine \u00dcbereinkunft von mehr als 30 L\u00e4ndern und internationalen Organisationen mit dem Ziel, die Arbeitsweise der Partner in fragilen L\u00e4ndern zu verbessern und auf stabile Verh\u00e4ltnisse hinzuwirken. Der New Deal bezeichnet das Vertrauen zwischen Staat und Gesellschaft als Grundvoraussetzung f\u00fcr Entwicklung in fragilen Staaten. Die <i>Peacebuilding and Statebuilding Goals (PSG)<\/i> des New Deal benennen als wesentliche Faktoren f\u00fcr Stabilit\u00e4t legitime staatliche Strukturen, eine funktionierende Justiz, Sicherheit, wirtschaftliche Grundlagen sowie staatliche Eink\u00fcnfte und Dienstleistungen. Diese sind auch Kern der OECD-Definition von Fragilit\u00e4t und Widerstandsf\u00e4higkeit (OECD 2012).&#13;<\/p>\n<h2>Immer mehr fragile L\u00e4nder haben ein mittleres Einkommen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nNoch vor zehn Jahren standen vor allem einkommensschwache L\u00e4nder auf der Liste, die dem j\u00e4hrlichen OECD-Bericht \u00fcber zugrunde liegt. Heute verzeichnet fast die H\u00e4lfte dieser L\u00e4nder ein mittleres Pro-Kopf-Einkommen.&#13;<br \/>\nOECD (2013). Seit 2001 sind fragile Staaten wie Angola, Nigeria, Georgien, Kamerun, Kongo (Brazzaville), Sudan, Timor-Leste, C\u00f4te d\u2019Ivoire, Pakistan, die Salomon-Inseln und Jemen Middle-Income Countries geworden.&#13;<br \/>\nOECD (2012). Es handelt sich damit vor allem um fragile L\u00e4nder niedrigen Einkommens, die reicher werden, ohne Fortschritte in ihrer Gouvernanz und den strukturellen Ursachen ihrer Fragilit\u00e4t zu verzeichnen.Wenn diese Tendenz anh\u00e4lt, wird die Mehrzahl der fragilen Staaten in Zukunft nicht mehr einkommensschwach und von Entwicklungsgeldern abh\u00e4ngig sein. W\u00e4hrend Entwicklungsgelder in einkommensschwachen fragilen Staaten wie Liberia bis zu 90% des Bruttoinlandprodukts ausmachen, sind es in \u00c4gypten nur 1%.&#13;<br \/>\nOECD (2013), OECD\/DAC-Statistiken. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, inwiefern fragile MIC finanzielle Hilfe ben\u00f6tigen, da sie eigene Mittel f\u00fcr die Armutsbek\u00e4mpfung einsetzen k\u00f6nnen. Insgesamt 36% aller Entwicklungsleistungen werden in fragilen Kontexten ausgegeben; 10% der Mittel fliessen an fragile MIC.&#13;<br \/>\nOECD (2013).&#13;<\/p>\n<h2>Welche Rolle kann die Entwicklungs&shy;zusammenarbeit spielen?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEntwicklungsagenturen orientieren sich zunehmend am Begriff der <i>Resilienz<\/i>, also der Widerstandsf\u00e4higkeit. Sie setzen sich zum Ziel, widerstandsf\u00e4hige Strukturen und eine konstruktive und inklusive Beziehung zwischen Staat und Gesellschaft zu unterst\u00fctzen. Dazu f\u00f6rdern sie gezielt gesellschaftliche und staatliche Institutionen.Der \u00dcbergang von Fragilit\u00e4t zu Stabilit\u00e4t ist nicht linear. Er braucht Zeit und ist von komplexen Herausforderungen gepr\u00e4gt. Internationale Unterst\u00fctzung kann gerade in dieser Phase eine entscheidende Rolle spielen, wie Erfolge in Bosnien und Herzegowina, Guinea, Nepal, sowie Timor-Leste zeigen. Doch k\u00f6nnen externe Schocks diese Fortschritte in K\u00fcrze wieder r\u00fcckg\u00e4ngig machen. Deshalb sind gezielte Massnahmen gefragt, damit L\u00e4nder nicht (wieder) fragil werden.Konflikte und Gewalt sind die wohl augenf\u00e4lligsten Merkmale fragiler Staaten. Doch die Ursachen liegen oft tiefer: instabile Gesellschaftsstrukturen, ethnische Spannungen, mangelnde Teilhabem\u00f6glichkeiten am wirtschaftlichen und politischen Geschehen oder Unmut gegen\u00fcber autorit\u00e4ren Regimes. Sie k\u00f6nnen pl\u00f6tzlich als Krisen oder Schocks zum Ausbruch kommen, wie der arabische Fr\u00fchling eindrucksvoll zeigt. Auch Umweltkatastrophen oder wirtschaftliche Ursachen k\u00f6nnen Schocks erzeugen. So haben steigende Getreidepreise 2008 in rohstoffarmen Entwicklungsl\u00e4ndern zu einer Nahrungsmittelkrise und massiven Protesten gef\u00fchrt. Nur wenn die Institutionen und der Zusammenhalt der Gesellschaft stark genug sind, k\u00f6nnen solche Schocks ohne Eskalation \u00fcberwunden werden.&#13;<\/p>\n<h2>Schweizer Beitrag f\u00fcr eine verbesserte Widerstandsf\u00e4higkeit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Schweiz anerkennt die <i>Peacebuilding and Statebuilding Goals<\/i> und misst dem Thema Fragilit\u00e4t\/Widerstandsf\u00e4higkeit in ihrer Entwicklungszusammenarbeit eine hohe Bedeutung bei. Die Direktion f\u00fcr Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) hat langj\u00e4hrige Erfahrung mit fragilen Staaten und kann die Verkn\u00fcpfung von humanit\u00e4rer Hilfe mit Entwicklungsprojekten f\u00fcr ihr Engagement nutzen. Das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) arbeitet seinerseits vor allem mit L\u00e4ndern mittleren Einkommens.&#13;<br \/>\nSchwerpunktl\u00e4nder S\u00fcd: \u00c4gypten, Ghana, Indonesien, Kolumbien, Peru, S\u00fcdafrika, Tunesien, Vietnam; Ost: Albanien, Aserbaidschan, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Kirgistan, Mazedonien, Serbien, Tadschikistan, Ukraine. Somit ist das Thema aufgrund der geschilderten Trends f\u00fcr seine wirtschaftliche Entwicklungszusammenarbeit zunehmend relevant. Zudem spielen MIC angesichts ihrer Bev\u00f6lkerungszahl, ihres Wachstums, ihrer internationalen Bedeutung und ihres zuk\u00fcnftigen Entwicklungspfades eine Schl\u00fcsselrolle bei der Bew\u00e4ltigung globaler Risiken. Ihre Widerstandsf\u00e4higkeit gegen\u00fcber globalen Risiken ist daher essenziell f\u00fcr die globale nachhaltige Entwicklung.&#13;<\/p>\n<h2>St\u00e4rkung von Wirtschaft und Gouvernanz<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung des Seco hat zum Ziel, nach&shy;haltiges Wachstum in Partnerl\u00e4ndern zu &shy;f\u00f6rdern, um Armut und Ungleichheiten zu lindern.&#13;<br \/>\nZur ausf\u00fchrlichen Darstellung der Ziele, Strategie und thematischen Schwerpunkte der wirtschaftlichen Entwicklungszusammenarbeit des Seco, vgl. Botschaft \u00fcber die internationale Zusammenarbeit 2013-16, S. 2613-2659. Die Beschreibung der Massnahmen des Seco in diesem Artikel beruhen weitgehend darauf. Dazu unterst\u00fctzt das Seco die Integration von Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4ndern in die Weltwirtschaft sowie die St\u00e4rkung ihrer Wettbewerbsf\u00e4higkeit, damit sie z.B. Handelseinnahmen und ausl\u00e4ndische Direktinvestitionen generieren und diese Ressourcen f\u00fcr die nachhaltige Entwicklung einsetzen k\u00f6nnen. Auch wenn sich wirtschaftliche Integration langfristig positiv auf alle L\u00e4nder auswirkt, ist eine offene Wirtschaft gleichzeitig negativen externen Einfl\u00fcssen st\u00e4rker ausgesetzt. Zudem profitiert nicht die gesamte Bev\u00f6lkerung eines Landes gleichermassen von der wirtschaftlichen \u2028\u00d6ffnung, was Ungleichheiten und interne Spannungen versch\u00e4rfen kann. Um dies \u2028abzufedern, braucht es widerstandsf\u00e4hige Strukturen. Die Unterst\u00fctzung des Seco in Entwicklungsl\u00e4ndern tr\u00e4gt dazu bei, ihre Widerstandsf\u00e4higkeit besonders in den Bereichen Wirtschaft und Gouvernanz zu st\u00e4rken.&#13;<\/p>\n<h2>Stabile volkswirtschaftliche \u2028Rahmenbedingungen und Institutionen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nStabile volkswirtschaftliche Rahmen&shy;bedingungen und Institutionen sind unabdingbar f\u00fcr die Widerstandsf\u00e4higkeit eines Landes. Dazu geh\u00f6ren zum Beispiel Budgetstabilit\u00e4t, gesunde \u00f6ffentliche Finanzen und eine verantwortungsvolle Schuldenverwaltung. Sie verleihen dem Staat Spielraum f\u00fcr finanz- und geldpolitische Massnahmen, damit auch Wirtschaftskrisen leichter zu \u00fcberwinden sind. In diesem Zusammenhang f\u00f6rdert das Seco die gute Regierungsf\u00fchrung in Entwicklungsl\u00e4ndern und die St\u00e4rkung von Institutionen (Zentralbanken, Finanzkontrolle, Steuerverwaltungen, Wirtschafts- und Finanzministerien). Es unterst\u00fctzt Reform&shy;prozesse im \u00f6ffentlichen Finanzwesen und f\u00f6rdert die Transparenz und Rechenschaftspflicht z.B. im Umgang mit Eink\u00fcnften aus dem Rohstoffabbau. Das Seco begleitet Partnerl\u00e4nder auch bei Reformen in der Steuerpolitik und -verwaltung, damit sie ihre eigenen Ressourcen besser mobilisieren k\u00f6nnen. Die Steuerabgeltung der B\u00fcrger und \u2013 im Gegenzug \u2013 die Erbringung \u00f6ffentlicher Dienstleistungen, festigen den Gesellschaftsvertrag <i>(Contrat Social)<\/i> zwischen Staat und Bev\u00f6lkerung. Schliesslich unterst\u00fctzt das &shy;Seco seine Partnerl\u00e4nder auch in der Bereit&shy;stellung einer funktionierenden Basis&shy;in&shy;frastruktur und der Verwaltung von Versorgungsbetrieben.&#13;<\/p>\n<h2>St\u00e4rkung des Privatsektors und Zugang zu \u2028internationalen M\u00e4rkten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEin starker, diversifizierter Privatsektor mit Zugang zu internationalen M\u00e4rkten und \u2028guter Positionierung in internationalen Wertsch\u00f6pfungsketten ist wichtig f\u00fcr die \u2028wirtschaftliche Stabilit\u00e4t und die Einkommenssicherung der Bev\u00f6lkerung. Je diversifizierter, innovativer und wettbewerbsf\u00e4higer der Privatsektor, desto widerstandsf\u00e4higer ist die Volkswirtschaft gegen\u00fcber volatilen M\u00e4rkten und globalen Krisen, weil sie weniger von einzelnen Sektoren abh\u00e4ngig ist. In diesem Zusammenhang unterst\u00fctzt das Seco Entwicklungsl\u00e4nder bei Reformen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen f\u00fcr Investitionen und Handel (z.B. Regulierungen und administrative Verfahren, Zugang zu Finanzierung f\u00fcr Unternehmen, Anbindung an internationale M\u00e4rkte), und bei der St\u00e4rkung der entsprechenden Institutionen. Zudem hilft das Seco seinen Partnerl\u00e4ndern, einen stabilen und diversifizierten Finanzsektor zu etablieren, der die Wirtschaft verl\u00e4sslich und ausreichend mit Geld in lokaler W\u00e4hrung versorgen soll. Dadurch sind die Unternehmen weniger von externen Finanzm\u00e4rkten abh\u00e4ngig, was die Widerstandsf\u00e4higkeit st\u00e4rkt.&#13;<\/p>\n<h2>Schaffung von Arbeitspl\u00e4tzen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer arabische Fr\u00fchling hat gezeigt, dass hohes Wirtschaftswachstum f\u00fcr die Entwicklung eines Landes nicht ausreicht. Wenn das Wachstum nur einer kleinen Elite zugute kommt und es Ungleichheiten verst\u00e4rkt statt die Armut der breiten Bev\u00f6lkerung zu lindern, ist die Entwicklung nicht sozial nachhaltig und die Stabilit\u00e4t des Landes nicht gew\u00e4hrleistet. Das Seco unterst\u00fctzt den Ansatz, dass Wirtschaftswachstum gen\u00fcgend und qualitativ gute <i>Arbeitspl\u00e4tze<\/i> schaffen muss, damit die breite Bev\u00f6lkerung einen ausreichenden Lebensunterhalt unter w\u00fcrdigen Bedingungen erarbeiten kann und so am Wachstum teilhat. Das Seco finanziert z.B. Massnahmen f\u00fcr bessere Rahmenbedingungen f\u00fcr kleine und mittlere Unternehmen sowie schnell wachsende Firmen, die zahlreiche Arbeitspl\u00e4tze schaffen. Es unterst\u00fctzt Initiativen zur Sicherstellung der Qualit\u00e4t der Arbeitspl\u00e4tze und f\u00f6rdert gezielt die F\u00e4higkeiten und Kenntnisse der Arbeitnehmenden.&#13;<br \/>\nSECO (2012).&#13;<\/p>\n<h2>Globale Risiken<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSchliesslich bedrohen <i>globale Risiken<\/i> zunehmend die Lebensgrundlagen unz\u00e4hliger Menschen in Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4ndern. Um deren Auswirkungen zu vermindern und die Resilienz der L\u00e4nder zu erh\u00f6hen, gehen die Globalprogramme von Seco und Deza globale Risiken wie Wasserknappheit oder Klimawandel an.&#13;<br \/>\nVgl. dazu den Artikel auf S. 34 ff. Das Seco begleitet zum Beispiel Massnahmen, um Ursachen der Klimaerw\u00e4rmung zu bek\u00e4mpfen und ein klimafreundliches Wachstum zu erm\u00f6glichen. Ein Beispiel ist die Verbreitung von ressourceneffizienteren Produktionsmethoden in Partnerl\u00e4ndern. Zudem hilft es Entwicklungsl\u00e4nder bei Versicherungen gegen\u00fcber Risiken aus Naturkatastrophen, da die entstehenden Kosten die Kapazit\u00e4ten des Staates oft \u00fcbersteigen.&#13;<\/p>\n<h2>Zusammenspiel aller involvierten \u00c4mter<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGeberl\u00e4nder, die sich zum Ziel setzen, Entwicklung, Gouvernanz und Sicherheit in fragilen Staaten zu st\u00e4rken, sollten die Ressourcen aller ihrer Ministerien auf gezielte und koordinierte Weise daf\u00fcr einsetzen. Das heisst zum Beispiel, ihre Entwicklungs-, Wirtschafts- und Sicherheitspolitik gegen\u00fcber fragilen Staaten in Einklang zu bringen.&#13;<br \/>\nDies wurde bereits in den OECD Fragile States Principles festgehalten, vgl. OECD (2007). Die Schweiz setzt einen solchen Ansatz im Nordafrika-Programm um, an dem Seco, Deza, die Politische Direktion und die Direktion f\u00fcr V\u00f6lkerrecht im Eidg. Departement f\u00fcr ausw\u00e4rtige Angelegenheiten (EDA) sowie das Bundesamt f\u00fcr Migration (BFM) beteiligt sind. Jedes der involvierten \u00c4mter tr\u00e4gt mit Massnahmen gem\u00e4ss seiner spezifischen thematischen Kompetenz zum Programm bei.&#13;<br \/>\nVgl. dazu den Artikel auf S. 8 ff.&#13;<\/p>\n<h2>Es kommt auf die Umsetzung in den Partnerl\u00e4ndern an<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Arbeit mit fragilen L\u00e4ndern mittleren Einkommens stellt Geberl\u00e4nder vor neue Herausforderungen. Eine Rolle der Entwicklungszusammenarbeit in diesem Kontext besteht darin, die Widerstandsf\u00e4higkeit dieser L\u00e4nder gegen\u00fcber Schocks und globalen Risiken zu verbessern. Die St\u00e4rkung von Gouvernanz und Institutionen ist dabei eine unbestrittene Priorit\u00e4t. Doch gen\u00fcgt eine blosse formale \u00c4nderung der institutionellen Regeln nicht; sie m\u00fcssen auch umgesetzt werden. Mindestens so wichtig wie der gezielte Aufbau von Kompetenzen in den Institutionen sind Anreize zur Einhaltung dieser neuen Regeln. Reformprozesse ziehen sich \u00fcber viele Jahre hin. F\u00fcr Geber wie die Schweiz erfordert ein Engagement in diesem Bereich einen langen Atem. R\u00fcckschl\u00e4ge sind nicht ausgeschlossen. Letzten Endes liegt es auch in den H\u00e4nden der Partnerl\u00e4nder, wie ernsthaft sie diese Reformen angehen wollen. Die Unterst\u00fctzung des Seco ist stets subsidi\u00e4r zu den Bem\u00fchungen der Partnerl\u00e4nder.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abArmut in fragilen und stabilen L\u00e4ndern, 1990\u20132030\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abVerteilung von Fragilit\u00e4t und Armut, 2005 und 2010\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Fragilit\u00e4t und Reichtum an Ressourcen&#13;<\/p>\n<h3>Fragilit\u00e4t und Reichtum an Ressourcen<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nSieben der fragilen L\u00e4nder, die in den letzten zehn Jahren zu MIC geworden sind, verdanken ihr Wachstum im Wesentlichen Rohstoffen wie \u00d6l, Tropenholz oder Gold. Gerade in L\u00e4ndern mit grossen Rohstoffvorkommen bleibt das Vertrauen zwischen Staat und Gesellschaft und die Legitimit\u00e4t der staatlichen Strukturen oft eine Herausforderung. Rohstoffe bilden eine bedeutende Einnahmequelle f\u00fcr den Staat, die andere Steuereinnahmen oft bei weitem \u00fcbersteigt. Entsprechend ist der finanzielle Anreiz f\u00fcr die Regierung klein, in den Contrat Social zu investieren. So k\u00f6nnen Rohstoffvorkommen zur Quelle von Korruption, Staatsstreichen, Gewalt und Menschenrechtsverletzungen werden, statt sozialen Wohlstand und Fortschritt zu f\u00f6rdern. Zudem f\u00fchrt das Fehlen eines funktionierenden Steuersystems auf die L\u00e4nge zu einer Abh\u00e4ngigkeit vom Rohstoffexport und entsprechender Exponierung gegen\u00fcber volatilen Rohstoffpreisen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nHier kann Entwicklungszusammenarbeit ansetzen, indem sie die Rechenschaftspflicht zwischen Staat und Bev\u00f6lkerung f\u00f6rdert, z.B. durch mehr Transparenz bez\u00fcglich der Staatseinnahmen oder durch die St\u00e4rkung der Zivilgesellschaft. Das Seco unterst\u00fctzt verschiedene Initiativen im Zusammenhang mit dem Rohstoffabbau. a&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\na Projektbeispiele im Rohstoffbereich: <a href=\"http:\/\/www.seco-cooperation.admin.ch\">http:\/\/www.seco-cooperation.admin.ch<\/a>, \u00dcber uns, Dossiers, Projektbeispiele Rohstoffe.&#13;<br \/>\nKasten 2: Eine fragile Welt \u2013 Perspektiven &shy;\u2028junger Menschen&#13;<\/p>\n<h3>Eine fragile Welt \u2013 Perspektiven &shy;\u2028junger Menschen<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie diesj\u00e4hrige Jahreskonferenz der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit von Seco und Deza ist dem Thema Fragilit\u00e4t gewidmet.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nAnhand von ausgew\u00e4hlten Beispielen aus Nord- und Westafrika sowie Zentralamerika diskutieren Fachleute aus Politik und Praxis \u00fcber die Programmans\u00e4tze der Schweiz und reflektieren \u00fcber die wirksame Anwendung verschiedener Instrumente.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nJunge Erwachsene erz\u00e4hlen zudem von den bevorstehenden Herausforderungen ihrer Generation.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWo: Palazzo dei Congressi in Lugano&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWann: 27. September 2013, von 12h bis 16:30h&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWeitere Informationen: <a href=\"http:\/\/www.seco-cooperation.ch\">http:\/\/www.seco-cooperation.ch<\/a>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 3: Literatur&#13;<\/p>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Chandy, Laurence, et al.: The final countdown: Prospects for ending extreme poverty by 2030, Brookings Institution, Washington, DC, April 2013.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Gertz, Geoffrey and Laurence Chandy, Two Trends in Global Poverty, Brookings Institution, Washington, DC, 2011.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>OECD (2007): Principles for Good International Engagement in Fragile States &amp; Situations, Paris.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>OECD (2012): Fragile States 2013: Resource flows and trends in a shifting world.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>OECD (2013, im Erscheinen): Fragile States Update 2013, Paris (Herbst 2013).<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Rockefeller Foundation (2013): Rebound: Building a more resilient world.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Schweizerischer Bundesrat (2012): Botschaft \u00fcber die internationale Zusammenarbeit 2013-16 vom 15. Februar 2012, 12.029.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>SECO (2012): Arbeitspl\u00e4tze &#8211; ein Hebel f\u00fcr Entwicklung. Das Engagement des SECO.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>SECO (2013): Projektbeispiele im Rohstoffbereich.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>The Economist: MIFFed by misrule: Wealth, Poverty and fragile states, 21. Juli 2011.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>World Bank (2011): World Development Report 2011: Conflict, Security and Development<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>International Bank for Reconstruction and Development \/ World Bank (2013): Global Monitoring Report 2013: Rural-Urban Dynamics and the Millennium Development Goals (Advance Edition).<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Edward, Peter and Andy Sumner: The Future of Global Poverty in a Multi-Speed World, Center for Global Development, June 2013.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Thomas, Anna (2013): Do Middle-Income countries need aid?, Bond, April 2013.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber 1,5 Mrd. Menschen leben in L\u00e4ndern, die von Konflikt, Gewalt, und Instabilit\u00e4t gepr\u00e4gt sind. In diesen fragilen L\u00e4ndern steht der Staat auf unsicheren gesellschaftlichen Grundlagen, und die Armutsbek\u00e4mpfung kommt nur schleppend voran. W\u00e4hrend Fragilit\u00e4t fr\u00fcher fast ausschliesslich im Zusammenhang mit L\u00e4ndern mit tiefen Einkommen diskutiert wurde, betrifft dies immer mehr auch L\u00e4nder mittleren Einkommens. 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