{"id":118799,"date":"2013-06-01T12:00:00","date_gmt":"2013-06-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2013\/06\/favre-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:24:01","modified_gmt":"2023-08-23T21:24:01","slug":"favre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2013\/06\/favre\/","title":{"rendered":"Verdr\u00e4ngungseffekte auf dem Schweizer Arbeitsmarkt bleiben gering"},"content":{"rendered":"<p>Das Freiz\u00fcgigkeitsabkommen der Schweiz mit der EU\/Efta leitete eine Phase starker Zuwanderung in die Schweiz ein. Auch die Zahl der Grenzg\u00e4nger stieg massiv an. Die Zuwanderungswelle wirft die Frage nach m\u00f6glichen Verdr\u00e4ngungseffekten f\u00fcr die ans\u00e4ssige Bev\u00f6lkerung auf dem Arbeitsmarkt auf. Dieser Frage sind die Autoren im Rahmen einer Studie nachgegangen. Im Ergebnis zeigt sich, dass nur geringe Verdr\u00e4ngungseffekte feststellbar sind, dass jedoch einzelne Gruppen etwas st\u00e4rker betroffen sind als andere. Insgesamt vermochte der Schweizer Arbeitsmarkt die Einf\u00fchrung der Personenfreiz\u00fcgigkeit gut zu verkraften. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201306_05_Favre_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"247\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas Freiz\u00fcgigkeitsabkommen (FZA) der Schweiz mit der EU\/Efta gew\u00e4hrt Personen aus diesem Raum seit dem Jahr 2002 erleichterten Zugang zum schweizerischen Arbeitsmarkt. Das Abkommen wurde 2006 und 2009 auf die neuen EU-Mitgliedstaaten ausgedehnt. Das FZA ist Teil einer seit Mitte der 1990er-Jahre von der Schweiz verfolgten Migrationspolitik mit dem Ziel, dass die Zuwanderung vermehrt aus hoch qualifizierten Personen aus dem europ\u00e4ischen Kulturraum bestehen soll. Dieses Ziel wurde tats\u00e4chlich erreicht: Seit Inkrafttreten des FZA ist der Anteil hochqualifizierter Einwanderer markant gestiegen, und diese kamen zu einem wesentlichen Teil aus EU- und Efta-L\u00e4ndern (siehe <i>Grafik 1<\/i>). Weil auch der Wanderungssaldo&#13;<br \/>\nDer Wanderungssaldo entspricht der Anzahl Einwanderer minus der Anzahl Auswanderer und damit der wanderungsbedingten Ver\u00e4nderung der zugewanderten Bev\u00f6lkerung in der Schweiz. Er ist also ein Mass f\u00fcr den effektiven Migrationsdruck. Wir sprechen in diesem Zusammenhang auch von \u00abNettoimmigration\u00bb. der Schweiz massiv zugenommen hat, ist die Migrationspolitik zu einem der meistdiskutierten Themen in der \u00f6ffentlichen Debatte avanciert.&#13;<\/p>\n<h2>Entwicklung der Zuwanderung in den &shy;Arbeitsmarkt seit 1990<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n<i>Grafik 2<\/i> zeigt die Zunahme ausl\u00e4ndischer Besch\u00e4ftigter relativ zur Gesamtzahl der Besch\u00e4ftigten f\u00fcr den Zeitraum 1991 bis 2010. In der ersten H\u00e4lfte der 1990er-Jahre war der Wanderungssaldo mit den Mitgliedsstaaten der EU wie auch mit dem \u00fcbrigen Europa (v.a. Ex-Jugoslawien) positiv. Der Saldo mit der EU ging im Laufe der Rezession Ende der 1990er-Jahre stark zur\u00fcck und war zwischen 1996 und 1998 sogar negativ. Seit 1999 zeigt der Wanderungssaldo mit der EU einen klar positiven Trend: Die Zuwanderung nimmt im Durchschnitt zu. Die Zuwanderung aus dem \u00fcbrigen Europa pendelt sich auf einem vergleichsweise geringen positiven Niveau ein. Die Zuwanderung leistete einen entscheidenden Beitrag zur Zunahme der Besch\u00e4ftigung. Zwischen 2002 und 2010 nahm die Anzahl besch\u00e4ftigter Immigranten um 337\u2009000 Personen zu. Dies entspricht etwa 8,2% der Gesamtbesch\u00e4ftigung des Jahres 2002. Der EU-Raum leistete mit 5,8% den Hauptbeitrag, w\u00e4hrend die verbleibenden 2,4% aus dem Rest der Welt kamen.&#13;<\/p>\n<h2>Identifikation von &shy;Verdr\u00e4ngungseffekten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Studie im Auftrag des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) untersucht, ob und in welchem Umfang der seit Inkrafttreten des FZA verst\u00e4rkte Migrationsdruck zu Verdr\u00e4ngungsprozessen auf dem Schweizer &shy;Arbeitsmarkt gef\u00fchrt hat. Von Verdr\u00e4ngungseffekten sprechen wir, wenn \u00fcberdurchschnittlich hoher Migrationsdruck zu einer Zunahme der Arbeitslosigkeit oder &shy;einer Reduktion der Besch\u00e4ftigung der Wohnbev\u00f6lkerung f\u00fchrt. Migrationsdruck kann durch Nettozuwanderung, aber auch durch eine Ver\u00e4nderung im Bestand der Grenzg\u00e4nger ausgel\u00f6st werden. Deshalb &shy;untersuchen wir immer zugleich Ver&shy;dr\u00e4ngungseffekte von Einwanderung in die Wohnbev\u00f6lkerung und von Ver\u00e4nderungen im Grenzg\u00e4ngerbestand und weisen diese Effekte separat aus. Aus theoretischer Sicht ist nicht klar, ob es zu Verdr\u00e4ngungseffekten kommt. Wenn Zuwanderer T\u00e4tigkeiten aus\u00fcben, welche diejenigen der ans\u00e4ssigen Besch\u00e4ftigten erg\u00e4nzen, kann Zuwanderung die Situation am Arbeitsmarkt verbessern. Umgekehrt f\u00fchrt Zuwanderung zu Verdr\u00e4ngung, wenn die T\u00e4tigkeiten der Zuwanderer zu denjenigen der ans\u00e4ssigen Besch\u00e4ftigten in Konkurrenz stehen. Die Frage, ob Zuwanderung zu Verdr\u00e4ngung f\u00fchrt, muss also auf empirischer Ebene gekl\u00e4rt werden. Die Quantifizierung der Verdr\u00e4ngungseffekte erfolgte in zwei Schritten:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Im ersten Schritt wurden anhand regionaler Vergleiche die Auswirkungen der Einwanderung auf Arbeitslosigkeit und Besch\u00e4ftigung der in der Schweiz ans\u00e4ssigen Bev\u00f6lkerung untersucht.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Im zweiten Schritt wurden die so ermittelten Effekte mit dem mutmasslichen Ausmass der durch das Freiz\u00fcgigkeitsabkommen ausgel\u00f6sten Migrationsstr\u00f6me kombiniert, um den Effekt des FZA quantifizieren zu k\u00f6nnen.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nW\u00e4hrend der erste Schritt strikt auf einer Analyse der Daten beruht, erfordert der zweite Schritt eine Annahme dar\u00fcber, wie sich die Immigration ohne das FZA entwickelt h\u00e4tte. Die Resultate des ersten Schrittes unserer Studie basieren \u2013 in Anlehnung an den Grossteil der existierenden Literatur f\u00fcr andere L\u00e4nder \u2013 auf der Analyse regionaler Unterschiede im Migrationsdruck und in der damit einhergehenden Entwicklung des Arbeitsmarktes. Erstmals in einer Studie zu den Arbeitsmarkteffekten der Einwanderung in der Schweiz greifen wir daf\u00fcr auf MS-Regionen&#13;<br \/>\nMS = mobilit\u00e9 spatiale. zur\u00fcck. Die 106 MS-Regionen werden als mikroregionale Zwischenebene f\u00fcr &shy;zahlreiche wissenschaftliche und regionalpolitische Zwecke verwendet. Der Vorteil der MS-Regionen gegen\u00fcber politischen Gliederungen der Schweiz besteht darin, dass sie sich durch eine gewisse r\u00e4umliche Homogenit\u00e4t auszeichnen und Kleinarbeitsmarktgebiete mit funktionaler Orientierung auf Zentren darstellen.&#13;<\/p>\n<h2>Ergebnisse: Insgesamt kaum Verdr\u00e4ngungseffekte feststellbar<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Hauptergebnis der Studie ist, dass Verdr\u00e4ngungseffekte aufgrund der starken Zuwanderung seit 2002 gering sind. Wir &shy;finden keine signifikante Abnahme der Besch\u00e4ftigung der in der Schweiz ans\u00e4ssigen Wohnbev\u00f6lkerung als Folge der starken Zuwanderung. Auch die erhebliche Zunahme der Grenzg\u00e4ngerbesch\u00e4ftigung zeitigt keine Verdr\u00e4ngungseffekte gr\u00f6sseren Ausmasses. Weder f\u00fcr in der Schweiz geborene Personen noch f\u00fcr bereits l\u00e4nger in der Schweiz lebende Ausl\u00e4nder ist ein signifikanter Einfluss des Migrationsdrucks auf die Besch\u00e4ftigtenquote festzustellen.&#13;<br \/>\nDie Unterscheidung zwischen \u00abin der Schweiz geborener\u00bb und \u00abfr\u00fcher zugewanderter\u00bb Wohnbev\u00f6lkerung st\u00fctzt sich auf den Grossteil der Literatur, welche die Wohnbev\u00f6lkerung in \u00abForeign Born\u00bb und \u00abNatives\u00bb unterteilt. Die Unterscheidung ist nahezu, wenn auch nicht vollst\u00e4ndig deckungsgleich mit der Unterscheidung in Schweizer Staatsb\u00fcrger und in der Schweiz wohnhafte Personen mit anderer Nationalit\u00e4t. F\u00fcr die in der Schweiz geborene Bev\u00f6lkerung zeigt sich ein nachteiliger Einfluss der Nettoimmigration auf die &shy;Arbeitslosigkeit, der jedoch quantitativ relativ gering und statistisch nur marginal &shy;signifikant ist. Konkret impliziert unser &shy;bevorzugtes \u00f6konometrisches Modell, dass Einwanderung im Ausmass von 1% der Besch\u00e4ftigten zu einem Anstieg der Arbeitslosenquote der in der Schweiz Geborenen von 0,068 Prozentpunkten f\u00fchrt. F\u00fcr fr\u00fcher Zugewanderte existiert ein solcher Zusammenhang nicht. Eine Zunahme der Grenzg\u00e4ngerbesch\u00e4ftigung f\u00fchrt weder zu einem signifikanten Anstieg der Arbeitslosenquote noch zu einem R\u00fcckgang der Besch\u00e4ftigtenquote.&#13;<\/p>\n<h2>H\u00f6here Effekte in einigen Subgruppen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nObwohl das Gesamtbild dieser Studie nicht darauf hindeutet, dass Verdr\u00e4ngungseffekte in bedeutendem Umfang existieren, zeigen sich Verdr\u00e4ngungseffekte f\u00fcr bestimmte Subgruppen. So finden wir bei den gut Qualifizierten Anzeichen f\u00fcr Verdr\u00e4ngungseffekte, nicht dagegen bei Arbeit&shy;nehmenden mit niedrigen und mittleren Qualifikationen. Konkret impliziert unser bevorzugtes \u00f6konometrisches Modell, dass Einwanderung im Ausmass von 1% der Besch\u00e4ftigten zu einem Anstieg der Arbeits&shy;losenquote hoch qualifizierter in der Schweiz Geborener von 0,127 Prozentpunkten f\u00fchrt und deren Besch\u00e4ftigtenquote um 0,302 Prozentpunkte reduziert. F\u00fcr die hoch qualifizierten fr\u00fcher Zugewanderten ist zwar kein signifikanter Effekt der Nettoimmigration sichtbar; doch eine Zunahme der Grenzg\u00e4ngerbesch\u00e4ftigung von 1% reduziert deren Besch\u00e4ftigtenquote um gesch\u00e4tzte 0,206 Prozentpunkte. Auch Arbeitnehmende mit mittlerer und niedriger Qualifikation geraten durch gleich qualifizierte Einwanderer auf dem Arbeitsmarkt unter Druck. Diese &shy;nachteiligen Effekte werden jedoch kompensiert durch positive Besch\u00e4ftigungseffekte &shy;infolge der Einwanderung hoch qualifizierter Personen.&#13;<\/p>\n<h2>Einfluss des Freiz\u00fcgigkeitsabkommens auf den Schweizer Arbeitsmarkt<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWie hat der Abschluss des FZA den schweizerischen Arbeitsmarkt von 2002 bis 2010 beeinflusst? Diese Frage l\u00e4sst sich nicht mit letzter Gewissheit beantworten, da es ohne weitere Annahmen keinen Anhaltspunkt daf\u00fcr gibt, wie sich die Immigration ohne das FZA entwickelt h\u00e4tte. Wir treffen die Annahme, dass die Einwanderung aus der EU ohne das FZA demselben Trend gefolgt w\u00e4re wie die Einwanderung aus dem \u00fcbrigen Europa von 1996 bis 2001. Diese Entwicklung ist in <i>Grafik 2<\/i> ersichtlich. Die Linie \u00abEU ohne FZA\u00bb schreibt den Trend der Jahre 1996 bis 2001 in der Nettoimmigration aus dem \u00fcbrigen Europa fort, um die hypothetische Zuwanderung aus der EU abzusch\u00e4tzen, das sich ohne das FZA ergeben h\u00e4tte. Die Differenz zwischen der Linie \u00abEU\u00bb und der Linie \u00abEU ohne FZA\u00bb entspricht also dem vermuteten Ausmass der Zuwanderung aus der EU infolge des FZA. Unter dieser Annahme hat das FZA von 2002 bis 2010 die Zuwanderung um 2,9 Prozentpunkte erh\u00f6ht. Gem\u00e4ss unseren Berechnungen ist &shy;somit etwa die H\u00e4lfte der Netto-Zuwanderung aus der EU seit 2002 der Personenfreiz\u00fcgigkeit zuzurechnen. Wie hat die durch das FZA bewirkte Zunahme der Zuwanderung die Arbeitslosigkeit und Besch\u00e4ftigung beeinflusst? Die Antwort auf diese Frage findet sich in <i>Tabelle 1<\/i>. Die Zuwanderung von 2,9 Prozentpunkten f\u00fchrte zu einer Erh\u00f6hung der Arbeitslosenquote aller in der Schweiz Geborenen um 0,2 Prozentpunkte. Im Durchschnitt der Periode 2002\u20132010 lag diese bei 2,6%. Im Durchschnitt der Periode 2002\u20132010 lag diese bei 2,6%. Die Besch\u00e4ftigungsquote der in der Schweiz geborenen Personen betrug 82,6% und blieb von der Zuwanderung insgesamt unbeeinflusst. Kein negativer Einfluss ging von der Zuwanderung zudem auf Personen aus, die fr\u00fcher in die Schweiz zugewandert waren.&#13;<\/p>\n<h2>Gewisse Verdr\u00e4ngungseffekte bei &shy;Hochqualifizierten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGewisse Verdr\u00e4ngungseffekte waren einzig bei hoch qualifizierten Arbeitskr\u00e4ften zu verzeichnen. So hat die Zuwanderung die Arbeitslosenquote der hochqualifizierten in der Schweiz Geborenen um 0,36 Prozentpunkte ansteigen lassen und deren Besch\u00e4ftigtenquote um 0,87 Prozentpunkte reduziert. \u00dcber den Zeitraum 2002\u20132010 lag ihre Arbeitslosenquote im Durchschnitt bei 1,6% und ihre Besch\u00e4ftigungsquote bei 92,3%. Die Arbeitsmarktintegration der hoch qualifizierten in der Schweiz geborenen Personen blieb damit trotz erh\u00f6hter Konkurrenz durch Zuwanderer \u00fcber den ganzen Zeitraum \u00fcberdurchschnittlich. Im Falle der Arbeitslosenquote aller in der Schweiz Geborenen und der Besch\u00e4ftigtenquote der hoch qualifizierten in der Schweiz Geborenen ist ein Nulleffekt auf dem \u00fcblicherweise verwendeten, strengeren 95%-Konfidenzniveau nicht auszuschliessen. F\u00fcr alle in der Schweiz Geborenen finden wir zudem keinen signifikanten Effekt f\u00fcr die Besch\u00e4ftigtenquote. Obwohl also die Zuwanderung zu h\u00f6herer Arbeitslosigkeit gef\u00fchrt zu haben scheint, ist keine statistisch gesicherte Evidenz f\u00fcr eine Verminderung der Besch\u00e4ftigung zu finden.Im Falle der Grenzg\u00e4ngerbesch\u00e4ftigung ist der Effekt des FZA nicht feststellbar, da die Grenzg\u00e4nger zum \u00fcberwiegenden Teil aus EU-Staaten stammen und sich deshalb kein kontrafaktisches Szenario anbietet. Wir weisen deshalb lediglich den Effekt der gesamten Zunahme der Grenzg\u00e4ngerbesch\u00e4ftigung aus. Dieser betr\u00e4gt f\u00fcr die Besch\u00e4ftigtenquote der hoch qualifizierten fr\u00fcher Zugewanderten als einziges signifikantes Ergebnis \u2013\u20090,39 Prozentpunkte.&#13;<\/p>\n<h2>Der Schweizer Arbeitsmarkt ist &shy;insgesamt robust<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZusammenfassend l\u00e4sst sich festhalten, dass der schweizerische Arbeitsmarkt die starke Zunahme der Immigration seit der Einf\u00fchrung des Freiz\u00fcgigkeitsabkommens gut verkraften konnte. Dieser positive Leistungsausweis ist vermutlich darauf zur\u00fcckf\u00fchren, dass mehrheitlich hoch qualifizierte Personen in die Schweiz eingewandert sind. Diese Personen k\u00f6nnen zwar in der Schweiz ans\u00e4ssige Personen mit gleicher Qualifikation verdr\u00e4ngen. Sie schaffen jedoch auch &shy;vermehrt Arbeitspl\u00e4tze f\u00fcr Personen mit geringerer Qualifikationsstufe. Dies erkl\u00e4rt vermutlich, warum die Verdr\u00e4ngungseffekte am Schweizer Arbeitsmarkt vergleichsweise gering sind. Sie treten f\u00fcr die Gesamtbev\u00f6lkerung kaum in Erscheinung oder sind zu gering, um sich in statistisch signifikanten Ver\u00e4nderungen der Arbeitslosen- und Besch\u00e4ftigungsquote niederzuschlagen.Die Ergebnisse der Studie f\u00fcgen sich gut ins Bild vorg\u00e4ngiger Studien, welche mit anderen Datengrundlagen und Methoden den Zusammenhang zwischen der Zuwanderung und der Lohnentwicklung untersuchten. W\u00e4hrend bei h\u00f6her qualifizierten tendenziell eine Erh\u00f6hung der Konkurrenz und damit gewisse lohnd\u00e4mpfende Effekte identifiziert wurden, wirkte sich die Zuwanderung auf die Lohnsituation von unqualifizierten Arbeitskr\u00e4ften sogar positiv aus.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abAnzahl der neu zugewanderten Arbeitskr\u00e4fte nach Ausbildungsniveau, 1990\u20132010\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abJ\u00e4hrliche Nettoimmigration als Anteil an der Erwerbsbev\u00f6lkerung, 1991\u20132010\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1: \u00ab\u00dcberblick der Resultate: Evidenz f\u00fcr Verdr\u00e4ngungseffekte\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Umfassendes Bild des Schweizer &shy;Arbeitsmarktes&#13;<\/p>\n<h3>Umfassendes Bild des Schweizer &shy;Arbeitsmarktes<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie empirische Analyse betritt Neuland durch eine Kombination verschiedener administrativer Datens\u00e4tze. Die individuellen Konten der zentralen Ausgleichskasse der AHV wurden mit Angaben zur MS-Region des Wohnorts aus der Bev\u00f6lkerungsstatistik (Statpop) kombiniert. Diese Datengrundlage erlaubt eine pr\u00e4zise regionale Zuordnung von Arbeitslosigkeit, Besch\u00e4ftigung und Immigration und damit eine genauere Absch\u00e4tzung allf\u00e4lliger Verdr\u00e4ngungseffekte. In der vorliegenden Studie messen wir Arbeitsmarktergebnisse anhand von zwei Gr\u00f6ssen: Die <i>Arbeitslosenquote<\/i> setzt die Zahl der Personen, welche aktiv auf Stellensuche sind, in Bezug zur Erwerbsbev\u00f6lkerung. Die Erwerbsbev\u00f6lkerung umfasst alle besch\u00e4ftigten und arbeitslosen Personen. Die <i>Besch\u00e4ftigungsquote<\/i> misst den Anteil der besch\u00e4ftigten Personen an der Wohnbev\u00f6lkerung. Die Arbeitslosenquote \u2013 also der Prozentsatz der Personen, die sich am Arbeitsmarkt beteiligen, aber keine Besch\u00e4ftigung finden \u2013 ist das prim\u00e4re Mass f\u00fcr das Funktionieren eines Arbeitsmarktes. Sie vermag jedoch nicht alle wichtigen Entwicklungen zu erfassen, so etwa den R\u00fcckzug entmutigter Personen nach einer erfolglosen Stellensuche. Eine solche Entwicklung widerspiegelt sich in der Besch\u00e4ftigungsquote (<i>Employment to Population Ratio<\/i>). Um ein m\u00f6glichst umfassendes Bild des schweizerischen Arbeitsmarktes zu erhalten, analysieren wir daher die Entwicklung der beiden Gr\u00f6ssen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Das Problem der umgekehrten &shy;Kausalit\u00e4t&#13;<\/p>\n<h3>Das Problem der umgekehrten &shy;Kausalit\u00e4t<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDas zentrale Ziel dieser Studie besteht in der Sch\u00e4tzung der kausalen Effekte eines verst\u00e4rkten Migrationsdrucks in den verschiedenen Regionen auf Arbeitslosigkeit und Besch\u00e4ftigung in diesen Regionen. Die Schwierigkeit, kausale Effekte korrekt zu sch\u00e4tzen, besteht in erster Linie im Problem der umgekehrten Kausalit\u00e4t. Da eine gute regionale Besch\u00e4ftigungslage in der Regel viele Immigranten anzieht, sagt ein einfacher Vergleich der Arbeitsmarktlage in Regionen mit viel und wenig Zuwanderung nichts \u00fcber die Auswirkung der Zuwanderung auf die Arbeitsmarktlage aus. Um dieses Problem der umgekehrten Kausalit\u00e4t zu umgehen, verwenden wir einen hypothetischen Migrationsdruck, der sich ergeben h\u00e4tte, wenn die Einwanderer ihre Niederlassungsentscheidung alleine darauf ausrichten w\u00fcrden, Anschluss an ein Netzwerk von Landsleuten zu finden. Diese Variable misst den \u00abexogenen\u00bb Teil des regionalen Migrationsdrucks und ist von der gegenw\u00e4rtigen regionalen Arbeitsmarktlage unabh\u00e4ngig. Umgekehrte Kausalit\u00e4t kann so als Erkl\u00e4rung f\u00fcr das Fehlen bedeutender Verdr\u00e4ngungseffekte in unserer empirischen Analyse weitgehend ausgeschlossen werden.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Freiz\u00fcgigkeitsabkommen der Schweiz mit der EU\/Efta leitete eine Phase starker Zuwanderung in die Schweiz ein. Auch die Zahl der Grenzg\u00e4nger stieg massiv an. 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