{"id":118879,"date":"2013-06-01T12:00:00","date_gmt":"2013-06-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2013\/06\/eichenberger-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:24:17","modified_gmt":"2023-08-23T21:24:17","slug":"eichenberger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2013\/06\/eichenberger\/","title":{"rendered":"Personenfreiz\u00fcgigkeit \u2013 theoretisch unsch\u00e4dlich, praktisch uns\u00e4glich"},"content":{"rendered":"<p>Die Personenfreiz\u00fcgigkeit erh\u00f6ht die Zuwanderung und damit das\u00a0Wachstum der Bev\u00f6lkerung und des gesamten Volksein&shy;kommens. Sie bringt jedoch kein h\u00f6heres Pro-Kopf-Einkommen, &shy;daf\u00fcr aber zunehmende Knappheit von &shy;Boden und Infrastruktur. &shy;Zusammen mit den flankierenden &shy;Massnahmen droht sie die Schweiz ins wirtschaftliche &shy;Abseits zu f\u00fchren. Vorsicht: Das Gesagte folgt nicht aus einer politisch korrekten, sondern aus einer \u00f6konomisch richtigen Analyse.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDas offizielle Bild der Personenfreiz\u00fcgigkeit ist viel zu positiv. Es beruht unter anderem auf folgenden Fehleinsch\u00e4tzungen: <i>\u00abDie Schweiz ist auf die Zuwanderer an&shy;gewiesen\u00bb.<\/i> Das stimmt nur f\u00fcr wenige Bereiche, etwa an Universit\u00e4ten oder in der Altenpflege. In den meisten Berufen werden die Schweizer aber gerade durch die Zuwanderung noch knapper. In manchen Bereichen sind sie heute aus ganz nat\u00fcrlichen Gr\u00fcnden weit \u00fcbervertreten \u2013 etwa bei den Anw\u00e4lten, hohen Verwaltungsstellen, der Polizei oder der Kleinkinderziehung. Folglich m\u00fcssen \u2028sie in den anderen Bereichen untervertreten sein. Je mehr die Zuwanderung die Gesamtwirtschaft \u2013 und damit auch die Nachfrage nach Schweizern \u2013 in den \u00abSchweizer&shy;branchen\u00bb wachsen l\u00e4sst, desto mehr muss ihr Anteil in den anderen Branchen schrumpfen. <i>\u00abDie Zuwanderung f\u00fcllt L\u00fccken im Arbeitsmarkt\u00bb.<\/i> Falsch: Zwar erlaubt es die Zuwanderung, viele L\u00fccken einfacher oder billiger zu f\u00fcllen. Dadurch wird jedoch der Standort Schweiz attraktiver, was neue Investitionen und Firmen anzieht. Das schafft neue Arbeitspl\u00e4tze, aber damit gleich wieder neue L\u00fccken. Genau so schafft die Zuwanderung auch neue Nachfrage, was wiederum L\u00fccken und damit \u00abBedarf\u00bb nach neuer Zuwanderung schafft. <i>\u00abDie Zuwanderung reguliert sich von selbst. Zuwanderer kommen nur, solange neue Stellen geschaffen werden\u00bb.<\/i> Falsch: Die Zahl offener Stellen wird weit weniger durch den Zuwachs von Arbeitspl\u00e4tzen als durch die nat\u00fcrliche Fluktuation infolge Jobwechsel und Pensionierungen gepr\u00e4gt. So sind auch in schlechten Zeiten j\u00e4hrlich 400\u2009000 Stellen neu zu besetzen. <i>\u00abDie Zuwanderer sind h\u00f6her qualifiziert als die Schweizer\u00bb.<\/i> Falsch: Die Zuwanderer stammen wieder vermehrt aus den EU-S\u00fcdl\u00e4ndern, wo eher der formale als der reale Bildungsstand beeindruckt. Weil die formale Bildung dauernd zunimmt, sollten die Zuwanderer mit gleichaltrigen Schweizern verglichen werden. Dann erscheint ihre Bildung noch weniger eindr\u00fccklich. Zudem haben die wirklich hochqualifizierten Zuwanderer eine besonders kurze Verweildauer in der Schweiz. Deshalb ist die Nettozuwanderung weit weniger gut qualifiziert als die Bruttozuwanderung.<i>\u00abDie Zuwanderer bringen einen fiskalischen \u00dcberschuss. Sie zahlen mehr Steuern und Abgaben als sie den Staat kosten\u00bb.<\/i> Das stimmt nur unter sehr speziellen Bedingungen. Zuwanderer mit Kindern, die \u00f6ffentliche Schulen besuchen, bringen nur einen fiskalischen \u00dcberschuss, wenn sie sehr gut verdienen und sehr lange bleiben \u2013 l\u00e4nger als sie es heute tun.<i>\u00abDie Nachfrage der Wirtschaft nach Zuwanderern kann gesenkt werden, indem die Frauen und Alten besser in den Arbeitsmarkt integriert werden\u00bb.<\/i> Falsch: Die verst\u00e4rkte Arbeitsmarktintegration der Frauen und Alten reisst da neue L\u00fccken, wo diese Personen bisher gewirkt haben. So muss dann die Kinderbetreuung vermehrt marktlich organisiert werden, wozu es wiederum zus\u00e4tzliche Arbeitskr\u00e4fte und damit Zuwanderer braucht. Zudem bringt die Mehrarbeit den Frauen und Alten Mehreinkommen, was wiederum Mehrausgaben, zus\u00e4tzliche Nachfrage nach Arbeitskr\u00e4ften und damit zus\u00e4tzliche Zuwanderung bringt.<i>\u00abDie Personenfreiz\u00fcgigkeit ist wenigstens nicht sch\u00e4dlich\u00bb.<\/i> Was die Personenfreiz\u00fcgigkeit schlussendlich bringt, h\u00e4ngt von der schweizerischen Politik ab. In Kombination mit den geplanten flankierenden Massnahmen ist sie volkswirtschaftlich enorm sch\u00e4dlich. All die Eingriffe auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt zum Schutz der bisherigen Einwohner zerst\u00f6ren zwei bisherige Hauptst\u00e4rken der Schweiz, n\u00e4mlich die relative Flexibilit\u00e4t des Arbeits- und des Wohnraummarktes. Gleichzeitig entstehen riesige Kosten, wenn die Politik versucht, den Energieverbrauch oder die Treibhausgasemissionen trotz Zuwanderung zu limitieren und sogar zu senken. Was heisst das nun f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Politik der Schweiz? Trotz allem bringt heute die Personenfreiz\u00fcgigkeit den Europ\u00e4ern insgesamt grosse Vorteile, genau so wie bei der Gr\u00fcndung der modernen Schweiz 1848 die Einf\u00fchrung der Niederlassungsfreiheit den Schweizern insgesamt grosse Vorteile brachte. F\u00fcr die Schweiz stellt sich deshalb vor allem die Frage, wie die Wanderungsgewinne st\u00e4rker zugunsten der bisherigen Bewohner der Schweiz umverteilt werden k\u00f6nnen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Personenfreiz\u00fcgigkeit erh\u00f6ht die Zuwanderung und damit das\u00a0Wachstum der Bev\u00f6lkerung und des gesamten Volksein&shy;kommens. Sie bringt jedoch kein h\u00f6heres Pro-Kopf-Einkommen, &shy;daf\u00fcr aber zunehmende Knappheit von &shy;Boden und Infrastruktur. &shy;Zusammen mit den flankierenden &shy;Massnahmen droht sie die Schweiz ins wirtschaftliche &shy;Abseits zu f\u00fchren. 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