{"id":118904,"date":"2013-05-01T12:00:00","date_gmt":"2013-05-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2013\/05\/dembinski-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:24:26","modified_gmt":"2023-08-23T21:24:26","slug":"dembinski","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2013\/05\/dembinski\/","title":{"rendered":"Rentabilit\u00e4t und Produktivit\u00e4t des Sach- und Finanzkapitals in Schweizer Unternehmen"},"content":{"rendered":"<p>Das Bundesamt f\u00fcr Statistik (BFS) erhebt seit Jahren f\u00fcr Unternehmen ausserhalb des Finanzbranche Datenreihen zur Rentabilit\u00e4t des eingebrachten Kapitals, zur Rendite der get\u00e4tigten Investitionen und zur Produktivit\u00e4t der eingesetzten Produktionsfaktoren. Diese Reihen wurden im Rahmen der hier vorgestellten Studie erstmals analysiert und mit Datenreihen zu den b\u00f6rsenkotierten nicht-finanziellen Schweizer Unternehmen verglichen. Es zeigen sich klare Unterschiede zwischen diesen zwei Gruppen der Schweizer Wirtschaft, die sich durch ihre Finanzierung und den geografischen Radius ihrer T\u00e4tigkeit unterscheiden. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201305_09_Dembinski_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"257\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nWie die Unternehmen ihre Finanzmittel \u2013 d.h. das ihnen zur Verf\u00fcgung gestellte Sparkapital \u2013 einsetzen, untersucht der vorliegende Artikel aus drei spezifischen Blickwinkeln: Der erste Teil befasst sich mit dem finanziellen Ertrag, den die Unternehmen mit den eingesetzten Mitteln zu erzielen wissen. Der zweite Teil widmet sich der Frage, wieweit sie diese finanziellen Mittel in Sachkapital umwandeln. Im dritten Teil wird der Beitrag des Sach- und des Finanzkapitals zur Produktivit\u00e4t der Unternehmen untersucht.&#13;<\/p>\n<h2>Kapitalrentabilit\u00e4t<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n<i>Grafik 1<\/i> zeigt die Kapitalrentabilit\u00e4t f\u00fcr nicht-kotierte und kotierte Schweizer Unternehmen zwischen 1997 und 2010. Bei den nicht-kotierten Unternehmen wurden nur Firmen mit einem Besch\u00e4ftigungsvolumen von mehr als 20 Vollzeit\u00e4quivalenten (VZ\u00c4) ber\u00fccksichtigt. F\u00fcr die kotierten Unternehmen gibt die Grafik zwei Gr\u00f6ssen an: die Rentabilit\u00e4t bezogen auf die Bilanzsumme (d.h. das Total aller Aktiven oder Passiven), und die Entwicklung des B\u00f6rsenkurses gem\u00e4ss Swiss Performance Index (SPI). Diese Daten werden zum nominalen Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) und zum \u00abrisikolosen\u00bb Zinssatz f\u00fcr langfristige Anlagen w\u00e4hrend des gleichen Zeitraums in Beziehung gesetzt. Das nominale BIP-Wachstum der Schweiz betrug in diesem Zeitraum durchschnittlich 2,9% pro Jahr, mit einem breiten Spektrum von +6,4% im Jahr 2007 bis \u20132,4% im Jahr 2009. Der sogenannte \u00abrisikolose\u00bb langfristige Zinssatz, der anhand der nominalen Rendite zehnj\u00e4hriger Obligationen des Bundes gemessen wird, lag durchschnittlich bei 2,7% (3,5% zu Beginn des Zeitraums und 1,7% im Jahr 2010). Bei der Betrachtung der Grafik fallen drei Dinge auf:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Die Rentabilit\u00e4t der Bilanzsumme resultiert, wenn das Betriebsergebnis (Bruttogewinn) durch alle Verm\u00f6genswerte (Aktiven) geteilt wird. Es handelt sich somit um die durchschnittlich bezahlte Entsch\u00e4digung f\u00fcr die Mittel, die auf der Passivseite der Bilanz stehen. Dazu w\u00fcrden auch die Zinszahlungen geh\u00f6ren, die jedoch f\u00fcr die vorliegenden Berechnungen nicht ber\u00fccksichtigten wurden. Diese Rentabilit\u00e4t hat im Beobachtungszeitraum bei allen nicht-kotierten Unternehmen \u2013 ungeachtet ihrer Gr\u00f6ssenklasse \u2013 systematisch zugenommen.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Gegens\u00e4tzlich entwickelten sich im Beobachtungszeitraum der \u00abrisikolose\u00bb Zinssatz (von 3,5% auf 1,7%) und die Rentabilit\u00e4t der Bilanzsumme nicht-kotierter Unternehmen (1,5% auf 3,5%). Die Kapitalrentabilit\u00e4t war bei den kotierten Unternehmen in diesem Zeitraum im Durchschnitt um 2 Prozentpunkte h\u00f6her als bei den nicht-kotierten. Daraus folgt unter Ber\u00fccksichtigung der nicht eingeschlossenen Zinszahlungen, dass die volkswirtschaftliche Ersparnis, die nicht-kotierten Unternehmen anvertraut wurde, im Vergleich zu risikolosen Anlagen insgesamt ansprechend entsch\u00e4digt wurde, aber deutlich weniger gut als bei kotierten Unternehmen (durchschnittlich 2,4% bzw. 4,6%).<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Verbl\u00fcffend ist die Feststellung, dass die\u00a0Finanzkrise die Kapitalrentabilit\u00e4t der \u00a0nicht-kotierten Unternehmen nicht schm\u00e4lerte, w\u00e4hrend die kotierten Unternehmen, der SPI und das BIP zwischen 2007 und 2009 arg ins Trudeln gerieten. Auch bei den Zinss\u00e4tzen setzte ein R\u00fcckgang ein, der bis heute anh\u00e4lt.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2>Rentabilit\u00e4t der verschiedenen &shy;Finanzierungsquellen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUm die Rentabilit\u00e4t der eingesetzten Mittel zu gewinnen, ist es sinnvoll, zwischen den beiden klassischen Finanzierungsquellen der Unternehmen zu unterscheiden: den Aktion\u00e4ren, die das Eigenkapital zur Verf\u00fcgung stellen, und den Gl\u00e4ubigern, die das Fremdkapital beisteuern. Die Fremdmittel bestehen aus den nicht entsch\u00e4digten, zinslosen Schulden \u2013 namentlich kurzfristige Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen \u2013 sowie den \u00fcbrigen Schulden.<i>Grafik 2<\/i> zeigt die Rentabilit\u00e4t dieser beiden Finanzierungsquellen f\u00fcr die kotierten und die nicht-kotierten Unternehmen. Die nicht-kotierten Unternehmen wurden in zwei Untergruppen eingeteilt: Grossunternehmen (mehr als 250 VZ\u00c4) und KMU (20 bis 250 VZ\u00c4). Die pr\u00e4sentierten Daten liefern folgende Erkenntnisse:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Bei den Entsch\u00e4digungen f\u00fcr bereitgestelltes Eigenkapital (Aktion\u00e4re) sticht der Performanceunterschied zwischen nicht-kotierten Grossunternehmen und KMU ins Auge, auch wenn er in den letzten beiden Jahren deutlich zur\u00fcckgegangen ist. Die durchschnittliche j\u00e4hrliche Entsch\u00e4digung f\u00fcr Eigenmittel betrug in den nicht-kotierten Grossunternehmen etwas \u00fcber 13% und in den KMU knapp 8%.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Die Abgeltung f\u00fcr Eigenmittel in den &shy;kotierten Unternehmen liegt fast durchwegs zwischen den Renditen von nicht-kotierten Grossunternehmen und KMU. Durchschnittlich boten kotierte Unternehmen f\u00fcr Eigenmittel eine Jahresrendite von 10%. Zur Erinnerung: Im gleichen Zeitraum verzeichnete der B\u00f6rsenindex SPI, berechnet von Juni bis Juni, eine durchschnittliche j\u00e4hrliche Performance von 8,3%. Als Aktien an der B\u00f6rse platzierte Mittel waren somit weniger rentabel als die zur Produktion verwendeten Eigenmittel der entsprechenden Firmen.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Langfristige Fremdmittel entsch\u00e4digten die KMU durchschnittlich mit 4,4% j\u00e4hrlich, die nicht-kotierten Grossunternehmen mit 4,8% und \u2013 \u00fcberraschend \u2013 die kotierten Unternehmen mit 8,5%.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Interessant ist der Vergleich der Renditen langfristiger Fremdmittel mit den entsprechenden \u00abrisikolosen\u00bb Zinss\u00e4tzen. Letztere beliefen sich durchschnittlich auf 2,7% pro Jahr, w\u00e4hrend die Hypothekarzinsen bei 3,5% lagen. Somit bezahlen die Unternehmen ihren langfristig engagierten Gl\u00e4ubigern eine Pr\u00e4mie (f\u00fcr Risiko und Vermittlung). Diese betrug rund 2 Prozentpunkte bei den nicht-kotierten Unternehmen und fast 6 Prozentpunkte bei den kotierten. Dieser hohe Wert erstaunt aus zwei Gr\u00fcnden: Einerseits verf\u00fcgen diese Unternehmen \u00fcber ein umfangreiches Finanzwissen und einen direkteren \u2013 und somit in der Theorie g\u00fcnstigeren \u2013 Zugang zu den Kapitalm\u00e4rkten. Andererseits liegen die Zinss\u00e4tze, mit denen die kotierten Unternehmen ihre Gl\u00e4ubiger entsch\u00e4digen, sehr nahe bei der Eigenkapitalrentabilit\u00e4t, was darauf hinweist, dass diese Unternehmen an die Grenzen der gemessen an den Kosten der Eigenmittel noch rentablen Fremdfinanzierung (Leverage) stossen.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Wie in Grafik 1 zeigen sich in Grafik\u00a02 kaum Spuren der Finanzkrise. Am st\u00e4rksten sichtbar sind sie in der geringeren Rentabilita\u0308t der Eigen- und Fremdmittel der kotierten Unternehmen sowie in der r\u00fcckl\u00e4ufigen Eigenkapitalrendite der der nicht-kotierten Grossunternehmen. Auf die nicht-kotierten KMU scheint sich die Krise nicht oder nur marginal ausgewirkt zu haben.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nZwei Schl\u00fcsse lassen sich daraus ableiten:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Erstens scheint es f\u00fcr nicht-kotierte Unternehmen bei der Aufnahme langfristiger Mittel kein Hindernis zu sein, dass sie keinen direkten Zugang zu den Kapitalm\u00e4rkten haben \u2013 in Krisenzeiten k\u00f6nnte man gar von einem Vorteil sprechen. Die einzige plausible Erkl\u00e4rung f\u00fcr dieses paradoxe Muster betrifft den Umstand, dass sich kotierte Unternehmen in verschiedenen W\u00e4hrungen finanzieren m\u00fcssen, um Wechselkursrisiken zu vermeiden. Dies kann kostspieliger sein als Finanzierungen ausschliesslich in Schweizer Franken zu t\u00e4tigen, f\u00fcr die im internationalen Vergleich niedrige Zinss\u00e4tze die Regel sind.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Zweitens generieren b\u00f6rsenkotierte Unternehmen insgesamt eine nur unwesentlich h\u00f6here Rendite als alle Schweizer Unternehmen mit \u00fcber 20 VZ\u00c4. Die Eigenkapitalrendite von kotierten und nicht-kotierten Unternehmen ist vergleichbar; Investitionen in Form von Fremdmitteln werden in nicht-kotierten Unternehmen weniger grossz\u00fcgig entsch\u00e4digt. Dass kotierte Unternehmen wesentlich h\u00e4ufiger international t\u00e4tig sind als nicht-kotierte, hat somit keinen nennenswerten Einfluss auf die H\u00f6he der Entsch\u00e4digung f\u00fcr die Geldgeber. Dies bedeutet, dass die Schweizer Unternehmen (mit mehr als 20 VZ\u00c4) insgesamt f\u00fcr das ihnen anvertraute Sparkapital \u00e4hnliche Renditen bezahlen k\u00f6nnen wie kotierte Unternehmen. Nicht zu vergessen ist dabei auch, dass ein B\u00f6rsengang an sich noch nicht zur Finanzierung des kotierten Unternehmens beitr\u00e4gt. Neuemissionen von Aktien, zusammen mit der Eigenfinanzierung die einzige Quelle von Eigenmitteln kotierter Unternehmen, machen denn auch durchschnittlich weniger als 3% der gesamten B\u00f6rsentransaktionen aus. In der Theorie kann ein B\u00f6rsengang nur indirekt durch eine Senkung der Finanzierungskosten zu einer besseren Performance des kotierten Unternehmens beitragen. Allerdings weisen die besprochenen Beobachtungen \u2013 entgegen der Theorie \u2013 darauf hin, dass mit einer B\u00f6rsenkotierung die Finanzierungskosten nicht sinken.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2>Bilanzstruktur, Finanzkapital und &shy;Sachkapital<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAufgrund dieser Erkenntnisse w\u00e4re es denkbar, dass sich nicht-kotierte und kotierte Unternehmen nur durch ihre Gr\u00f6sse und den Umfang der internationalen T\u00e4tigkeit unterscheiden. Doch es bestehen weitere wichtige Unterschiede. Neben der Produktivit\u00e4t der Produktionsfaktoren, auf die der folgende Abschnitt eingeht, zeigen sich auch in der Struktur der Bilanz der beiden untersuchten Unternehmensgruppen zwei substanzielle Unterschiede.Auch wenn der Anteil der Eigenmittel zwischen 1997 und 2010 in beiden Gruppen deutlich zunahm, <i>hat sich die Kluft zwischen den beiden Unternehmensgruppen vertieft<\/i>. So wuchs bei den nicht-kotierten Unternehmen das Eigenkapital \u2013 immer f\u00fcr das Medianunternehmen \u2013 von 29% auf 38% der Bilanzsumme. Dabei verlief die Entwicklung bei allen nicht-kotierten Unternehmen \u2013 KMU und Grossunternehmen \u2013 praktisch identisch. Bei den kotierten Unternehmen stieg der Anteil des Eigenkapitals im gleichen Zeitraum dagegen von 41% auf 56%. Dieser Trend hat sp\u00fcrbare Auswirkungen auf die gewichteten durchschnittlichen Kapitalkosten der beiden Unternehmensgruppen. Diese Kosten widerspiegeln die Rentabilit\u00e4t der beiden Kapitalarten (Eigenkapital und Fremdkapital), die dem Unternehmen zur Verf\u00fcgung stehen, wenn man sie mit ihrem Anteil an der Bilanzsumme gewichtet. Die gewichteten Kapitalkosten sind bei den KMU nach wie vor am niedrigsten, wenn auch leicht steigend (3,5%\u20134,5%). Bei den nicht-kotierten Grossunternehmen ist ein Aufw\u00e4rtstrend sichtbar (4,5%\u20136,5%), w\u00e4hrend bei den kotierten Unternehmen eine recht hohe Volatilit\u00e4t (4%\u20138%), jedoch kein klarer Trend auszumachen ist. Die durchschnittlichen gewichteten Kapitalkosten spielen bei der Wahl der Investitionsprojekte von Unternehmen eine wichtige Rolle. Denn je h\u00f6her die Kapitalkosten, desto h\u00f6her muss auch die Rentabilit\u00e4t der Investitionsprojekte sein.Der zweite Unterschied in der Bilanz der beiden Unternehmensgruppen betrifft das <i>Verh\u00e4ltnis zwischen Eigenkapital und Sachkapital<\/i>. <i>Grafik 3<\/i> illustriert die spezifische Situation der zuvor definierten Unternehmensgruppen. Die Bezugslinie markiert die Situation, dass Eigenkapital und Sachkapital gleich gross sind. Bei den Unternehmen, die sich oberhalb dieser Linie befinden, sind die Eigenmittel h\u00f6her als das Sachkapital, was bedeutet, dass sie freien Spielraum haben, um andere Investitionen zu finanzieren. Unterhalb dieser Bezugslinie ist das Gegenteil der Fall: Der Wert des Eigenkapitals ist weniger hoch als der Wert des Sachkapitals. Diese Unternehmen m\u00fcssen sich folglich verschulden, um ihre Sachanlagen zu finanzieren.Um die en zu veranschaulichen, zeigt die Grafik 3 sozusagen das \u00abHerz\u00bb der Verteilung: zwischen dem 10. und dem 75. Perzentil bei den nicht-kotierten und zwischen dem 10. und dem 90. Perzentil bei den kotierten Unternehmen. Zwei Unterschiede auf:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Bei rund zwei Dritteln der nicht-kotierten KMU und Grossunternehmen ist das Eigenkapital gr\u00f6sser als das Sachkapital, gegen\u00fcber einem Drittel bei den kotierten. Dies bedeutet, dass nicht-kotierte Unternehmen eher in der Lage sind, mit ihren Eigenmitteln andere Investitionen zu finanzieren als Sachanlagen.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>H\u00e4lt man sich an den oberen Bereich der Verteilung, verf\u00fcgen rund 40% der nicht-kotierten Unternehmen \u00fcber Eigenmittel, die doppelt so hoch sind wie das Sachkapital. Der entsprechende Anteil bei den kotierten Unternehmen betr\u00e4gt lediglich 15%. Erw\u00e4hnenswert ist auch, dass 25% der nicht-kotierten Unternehmen \u00fcber ein Eigenkapital verf\u00fcgen, das mehr als dreimal so hoch ist wie das Sachkapital. Diese Unterschiede sind teilweise damit zu erkl\u00e4ren, dass viele nicht-kotierte \u2028Unternehmen (insbesondere KMU) im Dienstleistungsbereich t\u00e4tig sind.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Mehrheit der kotierten Unternehmen kann einen Teil der Sachanlagen durch Fremdmittel finanzieren. Demgegen\u00fcber setzen mehr als die H\u00e4lfte der nicht-kotierten Unternehmen Eigenmittel ein, um Bilanzposten zu finanzieren, die nicht zum Sachkapital z\u00e4hlen. Dies wirft die Frage auf, ob dieser h\u00e4ufigere R\u00fcckgriff auf Eigenmittel \u2013 f\u00fcr das Sachkapital, das hier mit den Sachanlagen gleichgesetzt wird \u2013 durch die nicht-kotierten Unternehmen darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, dass diese keine Schulden machen wollen oder darauf, dass sie aufgrund eines fehlenden Angebots Schwierigkeiten haben, mehr Fremdmittel aufzutreiben. Diese Frage steht heute im Zentrum der Debatte \u00fcber die Rolle des Bankensektors bei der Finanzierung der sogenannten \u00abRealwirtschaft\u00bb. Denn der Unterschied in den Bilanzen beider Unternehmensgruppen hat auch einen Einfluss auf ihre Produktivit\u00e4t.&#13;<\/p>\n<h2>Produktivit\u00e4t der Produktionsfaktoren<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer dritte Teil unserer Analyse widmet sich der \u00abBruttoproduktivit\u00e4t\u00bb (einschliesslich Abschreibungen) der Unternehmen, \u2028genauer:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>der Arbeitsproduktivit\u00e4t (Wertsch\u00f6pfung pro VZ\u00c4);<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>der Produktivit\u00e4t des Finanzkapitals (Wertsch\u00f6pfung pro Bilanzfranken);<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>der Produktivit\u00e4t des Sachkapitals (Wertsch\u00f6pfung pro Franken Sachanlagen).<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nDie <i>Arbeitsproduktivit\u00e4t<\/i> der KMU hat zwischen 1997 und 2010 von 97\u2009000 Franken auf 112\u2009000 Franken sowie bei den nicht-kotierten Grossunternehmen von 109\u2009000 auf 130\u2009000 Franken zugenommen. In den kotierten Unternehmen ist die Arbeitsproduktivit\u00e4t im gesamten Beobachtungszeitraum relativ stabil geblieben, betrug sie doch 107\u2009000 Franken im Jahr 1997 und 106\u2009000 Franken im Jahr 2010 bei einem H\u00f6chstwert von 113\u2009000 Franken.Bei der <i>Kapitalproduktivit\u00e4t<\/i> liegen die absoluten Werte weit auseinander. 1997 ben\u00f6tigten nicht-kotierte Unternehmen (KMU und Grossunternehmen) 1800 Bilanzfranken, um 1 Franken Wertsch\u00f6pfung zu erzielen. Bei den nicht-kotierten Grossunternehmen hat sich dies nicht ge\u00e4ndert, w\u00e4hrend die KMU 2010 nur noch 1600 Bilanzfranken ben\u00f6tigten. Bei den kotierten Unternehmen wiederum stieg der Einsatz von Finanzkapital pro Wertsch\u00f6pfungseinheit von 2700 auf fast 3000 Franken. Dies bedeutet, dass die Kapitalproduktivit\u00e4t in den KMU leicht zugenommen und in den nicht-kotierten Grossunternehmen stagniert hat, w\u00e4hrend sie bei den kotierten Unternehmen zur\u00fcckgegangen ist.Die <i>Produktivit\u00e4t des Sachkapitals<\/i> ist in allen Unternehmensgruppen gestiegen, wobei die Niveauunterschiede bestehen blieben. Die KMU ben\u00f6tigen 330 Franken Sachkapital f\u00fcr eine Wertsch\u00f6pfungseinheit (1997: 500); in den nicht-kotierten Grossunternehmen sank der Sachkapitalbedarf von 430 auf 400 Franken und in den kotierten Unternehmen von 1800 auf 1500 Franken. Daraus ergeben sich zwei allgemeine Feststellungen:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Die Arbeitsproduktivit\u00e4t ist in nicht-kotierten Grossunternehmen deutlich h\u00f6her als in kotierten Unternehmen wie auch in KMU. Am geringsten ist die Arbeitsproduktivit\u00e4t derzeit in den kotierten Unternehmen.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Die Produktivit\u00e4t des (Finanz- und Sach-)Kapitals ist in kotierten Unternehmen ebenfalls geringer. Besonders gross ist der Unterschied bei der Produktivit\u00e4t des Sachkapitals, was die bereits diskutierte Bedeutung der Sachanlagen in der Bilanz unterstreicht.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nWie lassen sich die Produktivit\u00e4tsunterschiede erkl\u00e4ren, die aus den Buchhaltungsdaten der Schweiz Unternehmen hervorgehen? Allgemein werden Diskussionen \u00fcber Produktivit\u00e4t problematisch, sobald diese \u00fcber die Betrachtung eines einzelnen Faktors (Arbeit bzw. Sach- und Finanzkapital) hinausgehen. Allerdings steht die Komplementarit\u00e4t der Faktoren im Zentrum der Produktionsprozesse der Unternehmen. Eine M\u00f6glichkeit, die Unterschiede in den Anteilen der Faktoren (<i>Factor Mix<\/i>) abzubilden, besteht in einem Vergleich der Kapitalmenge, die notwendig ist, um die Wertsch\u00f6pfung eines VZ\u00c4 zu erwirtschaften. Bei einer solchen Berechnung treten klare Unterschiede zwischen den drei untersuchten Unternehmensgruppen zutage.Die Ergebnisse dieser Berechnung sind in <i>Grafik 4<\/i> dargestellt. Kotierte Unternehmen ben\u00f6tigen zur Produktion der Wertsch\u00f6pfung von 106\u2009000 Franken pro Arbeitsplatz durchschnittlich 311\u2009000 Bilanzfranken und 160\u2009000 Franken Sachkapital. Eine Arbeitskraft in einem KMU erzielt mit 170\u2009000 Bilanzfranken und 37\u2009000 Franken Sachkapital eine Wertsch\u00f6pfung von 112\u2009000 Franken. Mitarbeitende in nicht-kotierten Grossunternehmen schliesslich ben\u00f6tigen f\u00fcr die 130\u2009000 Franken, die der Produktivit\u00e4t eines Arbeitsplatzes entsprechen, 236\u2009000 Bilanzfranken und 51\u2009000 Franken Sachkapital. Die Grafik zeigt, dass die Kehrseite einer hohen Kapitalintensit\u00e4t in einer geringen Kapitalproduktivit\u00e4t besteht, namentlich bei den kotierten Unternehmen. Dies k\u00f6nnte \u2013 unter Vorbehalt der Hypothesen zur Produktionsfunktion \u2013 darauf hinweisen, dass sich die kotierten Unternehmen in jenem Bereich befinden, in dem die Kapitalproduktivit\u00e4t und die realen Kapitalrenditen abnehmen. Somit stellt sich die f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der aktuellen Krise zentrale Frage: Wie wirksam sind die Mechanismen, die regeln, zu welchen Akteuren das Sparkapital fliesst?&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Analyse zeigt, dass kotierte Unternehmen pro eingesetzten Franken wesentlich weniger Wertsch\u00f6pfung erzielen als nicht-kotierte, dass sie aber f\u00fcr das bereitgestellte Kapital gleich hohe Entsch\u00e4digungen bezahlen. Wie ist dieses Paradox zu erkl\u00e4ren? Und woher r\u00fchren solche Produktivit\u00e4tsunterschiede bei gleichen Kapitalrenditen? Denkbar sind zwei Hypothesen: Einerseits k\u00f6nnten die kotierten Unternehmen G\u00fcter, Leistungen und Technologien anbieten, die besonders viel Sach- und Finanzkapital erfordern. Die Kapitalrenditen w\u00e4ren dann zwar nicht durch die Produktivit\u00e4t zu rechtfertigen, aber im Preis ber\u00fccksichtigt, den die K\u00e4ufer f\u00fcr die entsprechenden Endprodukte bezahlen. In diesem Fall w\u00e4re die Erkl\u00e4rung f\u00fcr das Paradox eher beim Absatzmarkt f\u00fcr die Endg\u00fcter \u2013 und einem schwachen Wettbewerb \u2013 als auf der Seite des Kapitalmarkts zu suchen. Gewisse Merkmale der kotierten Unternehmen, wie der Besitz von Marken oder eine Marktdominanz im Zusammenhang mit den Rechten f\u00fcr geistiges Eigentum, k\u00f6nnten Hinweise in diese Richtung liefern. Bei dieser Hypothese h\u00e4tten wir es jedoch mit einer Verzerrung im Warenmarkt zu tun, die zu einer suboptimalen Verteilung des Kapitals mit negativen Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum f\u00fchren k\u00f6nnte.Die zweite Hypothese geht von unterschiedlichen Buchhaltungspraktiken in kotierten und nicht-kotierten Unternehmen aus. Demnach w\u00e4ren die \u00abeffektiven\u00bb Sachanlagen in den nicht-kotierten Unternehmen in der Buchhaltung systematisch unterbewertet, weil die Unternehmen diese aus steuerlichen \u00dcberlegungen schnell amortisieren oder weil sie auf periodische Neubewertungen der Sachanlagen verzichten. Dies w\u00fcrde bedeuten, dass die im ersten Teil ausgewiesene Kapitalrentabilit\u00e4t der nicht-kotierten Unternehmen zu hoch beziffert w\u00e4re. Die \u00abeffektive\u00bb Rentabilit\u00e4t des Kapitals w\u00e4re somit in nicht-kotierten Unternehmen geringer, als es die Buchhaltungsdaten nahelegen. F\u00fcr die Allokationseffizienz des Kapitalmarkts w\u00e4re diese Erkl\u00e4rung beruhigend. Sie w\u00fcrde aber Zweifel daran aufkommen lassen, dass die betriebswirtschaftlichen Buchhaltungskennzahlen die wirtschaftliche Realit\u00e4t widerspiegeln. Wie aber sollen sich Personen, die ein Unternehmen leiten oder Wirtschaftsforschung betreiben, ein repr\u00e4sentatives Bild von der Realit\u00e4t machen, wenn nicht anhand von Buchhaltungsdaten? Solange kein zuverl\u00e4ssigeres Instrument vorliegt, bieten die Buchhaltungsergebnisse der schweizerischen Unternehmen sehr wohl eine reichhaltige Informationsquelle zu den Mechanismen unserer Wirtschaft. Die Auswertung dieses Materials steht indes noch am Anfang. Vertiefte Analysen dieser Daten \u2013 insbesondere nach Wirtschaftszweigen \u2013 d\u00fcrften auch das hier aufgezeigte Paradox von Rentabilit\u00e4t und Produktivit\u00e4t aufl\u00f6sen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abRentabilit\u00e4t der Aktiven, Aktienkursverlauf, langfristige \u00abrisikolose\u00bb Zinss\u00e4tze und Wachstum\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abRentabilit\u00e4t von Eigenkapital und Fremdkapital\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 3: \u00abFinanzierung der Sachanlagen\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 4: \u00abArbeitsproduktivit\u00e4t und ben\u00f6tigtes Kapital\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Quellen und Methoden&#13;<\/p>\n<h3>Quellen und Methoden<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Bundesamt f\u00fcr Statistik (BFS) ver\u00f6ffentlicht j\u00e4hrlich die Buchhaltungsergebnisse schweizerischer Unternehmen. Diese Publikation enth\u00e4lt die wichtigsten Buchhaltungskennzahlen, die f\u00fcr den Gesch\u00e4ftsgang in den verschiedenen Sektoren und Branchen der Schweizer Wirtschaft repr\u00e4sentativ sind. Somit pr\u00e4sentiert sie eine Zusammenfassung der Ergebnisse einer Befragung, an der bis 2008 j\u00e4hrlich \u00fcber 4000 Unternehmen und seither \u00fcber 10\u2009000 Unternehmen j\u00e4hrlich teilgenommen haben.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nF\u00fcr die vorliegende Studie, die das Staatssekretariat f\u00fcr Wirtschaft (Seco) in Auftrag gab, konnten die individuellen Daten der Unternehmen aus der Stichprobe des BFS, die seit 1997 elektronisch verf\u00fcgbar sind, beigezogen werden. Ein Teil der Ergebnisse der Studie wird in diesem Artikel vorgestellt. Die Studie wurde aus einem anderen Blickwinkel durchgef\u00fchrt als die Publikation des BFS. Es ging darum, die bereitgestellte F\u00fclle an Informationen so zu nutzen, dass gewisse statistische Reihen entstehen, die Anhaltspunkte dazu geben, wie die schweizerischen Unternehmen ihre Finanzmittel einsetzen und entsch\u00e4digen. F\u00fcr die Datenanalysen der Studie wurden wenn m\u00f6glich nicht Durchschnittswerte verwendet, weil diese zu stark von Extremwerten und ihrer Verteilung abh\u00e4ngig sind. Die Analysen st\u00fctzen sich im Wesentlich auf den Medianwert, der in der Mitte dieser Verteilung liegt und die Daten in zwei gleich grosse Beobachtungsgruppen teilt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie methodischen Schwierigkeiten, die sich bei der Verarbeitung einer solchen Masse von Daten stellen, sind betr\u00e4chtlich, aber l\u00f6sbar. Die hier beschriebenen Ergebnisse erheben deshalb nicht den Anspruch, f\u00fcr alle Unternehmen oder gar die gesamte Schweizer Wirtschaft repr\u00e4sentativ zu sein, sondern lediglich f\u00fcr die h\u00e4ufigsten F\u00e4lle.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie f\u00fcr diese Analyse verwendeten Buchhaltungsergebnisse der Unternehmen des BFS beziehen sich auf 85\u2009000 Beobachtungen (Unternehmen\/Jahr) und den Zeitraum 1997 bis 2010. Die Daten zu den Jahren 2009 und 2010 wurden vom BFS mit einer neuen Stichprobenmethode erhoben, was gewisse Br\u00fcche in den Datenreihen erkl\u00e4rt. Diese F\u00fclle von Beobachtungen wurde folgendermassen strukturiert:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>nach der Zahl der Arbeitspl\u00e4tze (Vollzeit\u00e4quivalente, VZ\u00c4): Kleinstunternehmen mit 0 bis 20 Besch\u00e4ftigten (22% der Beobachtungen), kleine und mittlere Unternehmen (KMU) mit 20 bis 250 Mitarbeitenden (67%) und Grossunternehmen mit \u00fcber 250 VZ\u00c4 (11%). In der vorliegenden Studie wurden nur die beiden letzten Kategorien ber\u00fccksichtigt, d.h. 78% der verf\u00fcgbaren Beobachtungen;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>nach sechs Wirtschaftszweigen: Herstellung von Waren (40% der Beobachtungen), Baugewerbe (10), Handel (17%), Beherbergung und Gastronomie (6%), Dienstleistungen (17%) und \u00fcbrige Industriebranchen (10%).<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nUm ihre Aussagekraft zu erh\u00f6hen, wurden die Daten des BFS, die sich auf nicht-kotierte Unternehmen beziehen, soweit m\u00f6glich den Daten von nicht-finanziellen Unternehmen gegen\u00fcbergestellt, die an der Schweizer B\u00f6rse kotiert sind.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Bundesamt f\u00fcr Statistik (BFS) erhebt seit Jahren f\u00fcr Unternehmen ausserhalb des Finanzbranche Datenreihen zur Rentabilit\u00e4t des eingebrachten Kapitals, zur Rendite der get\u00e4tigten Investitionen und zur Produktivit\u00e4t der eingesetzten Produktionsfaktoren. Diese Reihen wurden im Rahmen der hier vorgestellten Studie erstmals analysiert und mit Datenreihen zu den b\u00f6rsenkotierten nicht-finanziellen Schweizer Unternehmen verglichen. 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