{"id":118919,"date":"2013-05-01T12:00:00","date_gmt":"2013-05-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2013\/05\/eichler-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:24:46","modified_gmt":"2023-08-23T21:24:46","slug":"eichler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2013\/05\/eichler\/","title":{"rendered":"Finanzsektorgr\u00f6sse und Volkswirtschaft: Zu viel des Guten?"},"content":{"rendered":"<p>Ein m\u00f6glichst grosser Finanzsektor galt lange Zeit f\u00fcr die gesamtwirtschaftliche Entwicklung als w\u00fcnschenswert. Zudem f\u00f6rderten Deregulierung und technologische Neuerungen die dynamische Ausweitung des Sektors. Angesichts der andauernden Finanz- und Schuldenkrise in Europa mehren sich jedoch die kritischen Stimmen. Die Frage stellt sich, ob der Finanzsektor auch einen zu grossen Anteil innerhalb der Gesamtwirtschaft einnehmen und letztendlich das gesamtwirtschaftliche Wachstum hemmen kann. Diese laufende Debatte, die &shy;ge&shy;rade f\u00fcr die Schweiz mit ihrem grossen Finanzsektor relevant ist,\u00a0wird im vorliegenden Beitrag\u00a0aufgenommen. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201305_05_Eichler_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"257\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Finanzsektor galt lange als die Vor&shy;zeigebranche, die den Verlust industrieller Wertsch\u00f6pfung in den westlichen Volkswirtschaften teils kompensieren und den Strukturwandel in Richtung einer dienstleistungsorientierten \u00d6konomie vorantreiben kann. Dabei haben sich die M\u00f6glichkeiten des Sektors seit den 1980er-Jahren sowohl von technologischer als auch regulatorischer Seite aus deutlich erweitert. Dies hat zu einem zeitweise sehr dynamischen Wachstum des Finanzsektors gef\u00fchrt.Die Entwicklungen der j\u00fcngsten Jahre haben das Image des Finanzsektors als Vorzeigebranche revidiert. Beginnend mit der Subprime-Krise in den USA bis hin zur zeitlich nachgelagerten Krise im Euro-W\u00e4hrungsraum sind die Finanzm\u00e4rkte ins kritische Blickfeld der \u00d6ffentlichkeit zur\u00fcckgekehrt. Dieser Perspektivenwechsel schl\u00e4gt sich auch in der Politik mit einem teils radikalen Umdenken nieder. Als Beispiele seien die USA und Grossbritannien genannt, wo die heute amtierenden Regierungschefs offen eine politische Reindustrialisierungsagenda fordern. Auch f\u00fcr Zypern wurde im Zuge der Rettungsaktionen eine Redimensionierung des Finanzsektors explizit gefordert. Gleichzeitig hat der Druck auf den Finanzsektor in Form einer engeren regulatorischen Z\u00fcgelung auf nationaler wie internationaler Ebene zugenommen.&#13;<\/p>\n<h2>Welchen Beitrag leistet der Finanzsektor zur wirtschaftlichen Entwicklung?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDieser Orientierungswechsel der Politik wirft die Frage auf, welchen Beitrag der Finanzsektor zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung leistet. Dar\u00fcber herrscht wesentlich weniger Klarheit, als man angesichts der Bedeutung der Fragestellung annehmen k\u00f6nnte. Kaum bestritten in der wissenschaftlichen Diskussion ist heute, dass der Finanzsektor eine wesentliche Rolle bei der Entstehung moderner wirtschaftlicher Strukturen spielt. Offen ist jedoch, ob Finanzentwicklung stets w\u00fcnschenswert ist oder ob es in weit entwickelten Volkswirtschaften m\u00f6glicherweise eine obere Grenze gibt, ab der eine weitere &shy;Expansion gesamtwirtschaftlich schadet.F\u00fcr eine erste Bewertung einzelner Branchen als Teil einer Volkswirtschaft wird in der Regel auf ihren Anteil an der gesamtwirtschaftlichen Besch\u00e4ftigung und Wertsch\u00f6pf&shy;ung verwiesen. Ein deutlicher Hinweis auf die Bedeutung des Finanzsektors in dieser Betrachtung sind das \u00fcberdurchschnittliche Lohnniveau und der (zumindest zeitweise) hohe Wachstumsbeitrag. Diese Perspektive allein wird der tats\u00e4chlichen Bedeutung des Finanzsektors aber nicht gerecht. Vielmehr muss der Finanzsektor als ein Netzsektor betrachtet werden. Die volkswirtschaftliche Bedeutung von Netzsektoren zeigt sich erst bei Ber\u00fccksichtigung des Zusatznutzens, der durch die Verf\u00fcgbarkeit des Angebots des Sektors generiert wird. Ohne diese Inputs k\u00f6nnten andere Bereiche der Wirtschaft nicht oder nur wesentlich weniger effizient produzieren. Diese Sektoren stellen somit kritische Vorleistungen bereit. Neben dem Finanzsektor z\u00e4hlen beispielsweise die Energie- und die Verkehrsbranche zu den Netzsektoren.&#13;<\/p>\n<h2>Funktionen des Finanzwesens als &shy;Netzsektor<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Funktion des Finanzsektors kann mit der Funktion des Herzens im menschlichen K\u00f6rper verglichen werden: Wie das Herz f\u00fcr den Kreislauf des Blutes sorgt, sorgt der &shy;Finanzsektor f\u00fcr den kontinuierlichen Kreislauf des Geldes. Der Finanzsektor erm\u00f6glicht den effizienten Geldfluss zwischen Sparen und Investieren. In diesem Kontext lassen sich mehrere Teilfunktionen unterscheiden, die Finanzunternehmen in der Volkswirtschaft \u00fcbernehmen. Eine dieser Funktionen ist die <i>Beschaffung von Informationen \u00fcber Investitionen und die konkrete Anlageentscheidung<\/i> (Informationsbeschaffungs- und Allokationsfunktion). Sie tr\u00e4gt dem Umstand Rechnung, dass es f\u00fcr einen einzelnen Sparer vollkommen ineffizient bis unm\u00f6glich w\u00e4re, den zur Identifikation der geeigneten Investitionsprojekte notwendigen Rechercheaufwand selbst vorzunehmen. Dies gilt analog f\u00fcr die <i>fachm\u00e4nnische \u00dcberwachung laufender Investitionsprojekte<\/i> (\u00dcberwachungsfunktion). Eine wesentliche Aufgabe des Finanz&shy;sektors besteht im <i>Pooling von Sparbeitr\u00e4gen und Investitionen, um unterschiedliche Fristen und variierende Volumina zusammenzubringen<\/i> (Ersparnispoolingfunktion mit [Fristen-]Transformationsfunktion). Durch das Pooling <i>reduziert sich auch das Risiko f\u00fcr den einzelnen Investor<\/i> (Risikodiversifikationsfunktion). Dar\u00fcber hinaus \u00fcbernehmen in vielen Anlageformen die Finanzinstitute selbst auch einen Teil des Risikos direkt.&#13;<\/p>\n<h2>Je gr\u00f6sser, desto besser?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWenn der Finanzsektor die oben genannten Funktionen wahrnimmt, kann eine Volkswirtschaft effizienter wirtschaften. Wenn ein gr\u00f6sserer Finanzsektor diese Aufgaben besser erf\u00fcllen kann, profitiert eine Volkswirtschaft umso mehr, je gr\u00f6sser er ist. In der j\u00fcngeren Literatur werden jedoch vermehrt auch die Risiken in Bezug auf ein unbegrenztes Wachstum des Finanzwesens diskutiert. Die Kritikpunkte sind indes h\u00e4ufig weniger klar und werden st\u00e4rker durch die Beobachtung krisenhafter Erscheinungen getrieben als durch eine theoretische Fun&shy;dierung. Im Folgenden werden kurz einige wesentliche Kritikpunkte aufgegriffen.&#13;<\/p>\n<h2>Systemrisiken und Wachstumsvolatilit\u00e4t<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEine hohe Volatilit\u00e4t des Wirtschaftswachstums, die sich in stark ausgepr\u00e4gten Konjunkturzyklen ausdr\u00fcckt, ist aus sozialer und wirtschaftlicher Sicht mit erheblichen Kosten verbunden. <i>Easterly, Islam und Stiglitz (2000)<\/i> kommen zum Ergebnis, dass eine starke Finanzentwicklung diese Volatilit\u00e4t erh\u00f6hen kann. Zwar sinkt die Volatilit\u00e4t bis zu einem bestimmten Niveau der Finanzentwicklung. \u00dcbersteigt das Volumen \u00abprivater Kredite (durch Einlagenkreditinstitute) in Relation zum Bruttoinlandprodukt (BIP)\u00bb aber eine kritische Schwelle, erh\u00f6ht eine &shy;weitere Ausweitung der Finanzaktivit\u00e4ten die\u00a0Wachstumsvolatilit\u00e4t. L\u00e4nder, in denen Unternehmen einen hinreichenden Verschuldungsgrad aufweisen und Finanzinstitutionen hochgradig gehebelt sind, ziehen sozusagen Schocks an, da gerade deren Finanzinstitute unter Druck stehen, bei Abschw\u00fcngen die Kreditvergabe an Unternehmen einzuschr\u00e4nken.&#13;<br \/>\nVgl. Easterly, Islam und Stiglitz (2000). Folglich vertiefen sich gem\u00e4ss diesem Szenario wirtschaftliche Abschw\u00fcnge gegen\u00fcber Volkswirtschaften mit geringerem Kreditvolumen. Die Autoren orten die kritische Schwelle bei einem Niveau von 100%.&#13;<\/p>\n<h2>Too-big-to-fail-Problematik<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie j\u00fcngere Krise liefert die Grundlage f\u00fcr einen zweiten Kritikpunkt. Im Zuge der Subprime- wie auch der laufenden Wirtschafts- und Finanzkrise im Euro-W\u00e4hrungsraum wurden Schulden und Haftung f\u00fcr Verbindlichkeiten grosser (systemrelevanter) Finanzinstitute von der Gesellschaft \u00fcbernommen, um einen Zusammenbruch des Finanzsystems zu vermeiden. Mit einer marktwirtschaftlichen Ordnung ist dies jedoch unvereinbar: Erfolglose Unternehmen m\u00fcssen vom Markt verschwinden (Selbst&shy;reinigung des Marktes). Ber\u00fccksichtigen &shy;systemrelevante Finanzinstitute m\u00f6gliche Rettungsaktionen bereits in ihrer Unternehmensstrategie, k\u00f6nnen sie das Risiko ihrer Gesch\u00e4fte auf Kosten des Gemeinwesens \u00fcber das wettbewerblich sinnvolle Mass hinaus erh\u00f6hen. Sie schaffen somit systematisch\u00a0die Grundlage f\u00fcr Krisen. Die Too-big-to-fail-Problematik bildet somit selbst ein Systemrisiko und ist eng mit der Problematik der Erh\u00f6hung der Wachstumsvolatilit\u00e4t verbunden.&#13;<\/p>\n<h2>Brain-Drain<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Finanzsektor konkurriert mit der \u00fcbrigen Wirtschaft um knappe Ressourcen. Dies gilt insbesondere am Arbeitsmarkt f\u00fcr hochqualifizierte Fachkr\u00e4fte.&#13;<br \/>\nVgl. Cecchetti und Kharroubi (2012): \u00ab[] people who might have become scientists, who in another age dreamt of curing cancer or flying to Mars, today dream of becoming hedge fund managers\u00bb. Diese Fachkr\u00e4fte fehlen damit an anderer Stelle in &shy;Wissenschaft oder Wirtschaft, zumal die Innovationsf\u00e4higkeit ganzer Branchen unter Umst\u00e4nden von einer relativ kleinen Anzahl\u00a0von Personen gepr\u00e4gt wird. <i>Cecchetti und Kharroubi (2012)<\/i> untersuchen, wie die Finanzentwicklung mit dem gesamtwirtschaftlichen Produktivit\u00e4tswachstum korreliert. Aus ihren Ergebnissen schliessen sie, dass die nachweislich hohe Anziehungskraft des Finanzsektors tats\u00e4chlich relevante Ressourcen von der Realwirtschaft fernhalten k\u00f6nnte.&#13;<\/p>\n<h2>Holl\u00e4ndische Krankheit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn der \u00f6konomischen Theorie beschreibt die Holl\u00e4ndische Krankheit den Zusammenhang zwischen einer zunehmenden Aus&shy;beutung nat\u00fcrlicher Ressourcen und dem R\u00fcckgang des produzierenden Gewerbes innerhalb derselben Volkswirtschaft. Der zunehmende Export nat\u00fcrlicher Ressourcen sorgt demnach f\u00fcr eine Aufwertung der inl\u00e4ndischen W\u00e4hrung, was sich in eine dauerhafte Verringerung der Wettbewerbsf\u00e4higkeit\u00a0anderer Branchen \u2013 vor allem des produzierenden Gewerbes \u2013 \u00fcbersetzt. Der Zufluss an ausl\u00e4ndischem Kapital, der letztlich die \u00abKrankheit\u00bb ausl\u00f6st, kann aber auch andere Gr\u00fcnde haben. So sind die Finanzsektoren kleinerer und wirtschaftlich erfolgreicher L\u00e4nder (mit eigenst\u00e4ndiger W\u00e4hrung und geringem Staatsschuldenniveau) als <i>Save Havens<\/i> w\u00e4hrend der anhaltenden W\u00e4hrungs- und Finanzkrise in Europa durch ausl\u00e4ndisches Kapital geflutet worden; dies gilt auch f\u00fcr die Schweiz. Die W\u00e4hrungen dieser L\u00e4nder wurden sprunghaft und dauerhaft aufgewertet. Diese Entwicklung kann eine relevante Einschr\u00e4nkung der Gesch\u00e4fte \u2013 potenziell konkurrenzf\u00e4higer \u2013 exportierender Unternehmen bewirken und bei Persistenz einen Strukturwandel einleiten. Ein solcher Strukturwandel kann mit dem unwiderruflichen Verlust von kritischem Wissen einhergehen und verschlechtert damit nachhaltig die Wettbewerbsf\u00e4higkeit eines Landes.&#13;<\/p>\n<h2>Empirische Befunde<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie drei beschrieben Risiken deuten an, dass es sinnvoll ist, den Finanzsektor zumindest aus regulatorischer Sicht kritisch zu begleiten. Ob es jedoch eine Gr\u00f6sse gibt, ab der sich ein weiteres Wachstum des Finanzsektors als nachteilig f\u00fcr die Volkswirtschaft erweist, oder ob die positiven Auswirkungen in einem marktwirtschaftlichen Umfeld die negativen immer \u00fcberwiegen, l\u00e4sst sich durch die Analyse der Einzeleffekte nicht beantworten. Nur empirische Studien k\u00f6nnen hier Einblicke liefern.Die modernen Studien zu Wirtschaftswachstum und Finanzentwicklung lassen sich grob in zwei Str\u00f6mungen einteilen: jene, die in den 1990er-Jahren entstanden sind und jene, die in den 2000er-Jahren durchgef\u00fchrt worden sind (vgl. schematische Darstellung in <i>Grafik 1<\/i>). In der <i>Forschung der 1990er-Jahre<\/i> finden sich mehrheitlich Studien, die einen positiv-linearen Zusammenhang von Finanzentwicklung und Wirtschaftswachstum sehen (obere Kurve). Sie nehmen damit eine ungeteilt optimistische Sicht ein: Je gr\u00f6sser ein Finanzsektor ist, desto mehr profitiert die gesamte Wirtschaft. Die Studien von <i>King und Levine (1993)<\/i> sowie <i>Beck, Levine und Loayza (2000)<\/i> geh\u00f6ren hier zu den prominenten Beispielen. Die obigen Studien wurden f\u00fcr einige Aspekte kritisiert. Vielfach waren ihre \u00f6konometrischen Methoden relativ einfach, und sie nutzten nur vereinzelt Datensets, die zeitliche Variation umfassen (wie Paneldatens\u00e4tze). Vor allem aber liessen die Autoren mit den gew\u00e4hlten Spezifikationen die M\u00f6glichkeit ausser Acht, dass ein nicht-linearer Zusammenhang von Finanzentwicklung und Wirtschaftswachstum vorliegen k\u00f6nnte. Mit der <i>Jahrtausendwende<\/i> setzte der <i>j\u00fcngere Forschungsstrang<\/i> ein. Er nahm wesentliche Kritikpunkte fr\u00fcherer Studien auf, vor allem die Identifizierbarkeit nicht-linearer Zusammenh\u00e4nge in den Modellen. Diese Studien zeigten, dass tats\u00e4chlich eine abnehmende St\u00e4rke des Zusammenhangs (mittlere Kurve) oder gar ein Maximum bestehen k\u00f6nnte, nach dessen \u00dcberschreitung eine weitere Ausweitung von Finanzaktivit\u00e4ten das gesamtwirtschaftliche Wachstum hemmt (untere Kurve). Beispiele daf\u00fcr stammen von <i>Easterly, Islam und Stiglitz (2000)<\/i>, <i>Arcand, Berkes und Panizza (2011)<\/i> sowie <i>Cecchetti und Kharroubi (2012)<\/i>. Beide Forschungsstr\u00e4nge ber\u00fccksichtigen jedoch kaum regionale Daten und betrachten oftmals Industrie- und Entwicklungsl\u00e4ndern.Die vorliegende Studie von BAK Basel f\u00fchrt die laufende Diskussion in der Forschung fort.&#13;<br \/>\nVgl. BAK Basel (2013): Der Finanzsektor und die Volkswirtschaft: St\u00fctze oder Last? Die Studie baut auf der International Benchmarking-Database (IBD) von BAK Basel sowie der Datenbank \u00abFinancial Development and Structure 1960-2010\u00bb der Weltbank auf. F\u00fcr die Untersuchung werden die Daten von 19 OECD-Staaten&#13;<br \/>\nSample: Belgien, D\u00e4nemark, Deutschland, Finnland , Frankreich, Griechenland, Grossbritannien, Irland, Italien, Japan, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, \u00d6sterreich, Portugal, Schweden, Schweiz, Spanien, USA. bzw. 281 \u2028Regionen aus diesen Staaten von 1980 bis 2010 genutzt.Von der Nutzung eines regionalen Datensets verspricht sich BAK Basel eine Reihe von Vorteilen. So d\u00fcrften sich die Zusammenh\u00e4nge zwischen Finanzentwicklung und Wachstum auf regionaler Ebene besser nachweisen lassen als auf nationaler Ebene, da die verwendeten Regionen die funktional\u00a0zusammenh\u00e4ngenden Wirtschaftsr\u00e4ume besser abbilden als L\u00e4nderdaten. Dar\u00fcber hinaus f\u00e4llt die Varianz der verwendeten Variablen interregional oft deutlich gr\u00f6sser als international, was das Potenzial erh\u00f6ht, Zusammenh\u00e4nge zu identifizieren. Nicht zuletzt hilft dabei auch die h\u00f6here Anzahl an Beobachtungen. Einschr\u00e4nkend ist allerdings, dass regional nicht die volle Bandbreite an Indikatoren insbesondere zum Finanzmarkt vorliegt. Durch die Konzentration auf die OECD-L\u00e4nder soll ebenfalls die Chance auf eine Identifikation der interessierenden Zusammenh\u00e4nge erh\u00f6ht werden: Die nicht-linearen Zusammenh\u00e4nge liegen tendenziell im weiter rechts liegenden Teil von <i>Grafik 2<\/i>, wo vorrangig auch die OECD-L\u00e4nder zu finden sind.&#13;<\/p>\n<h2>Besch\u00e4ftigungsanteil des Finanzsektors und Wirtschaftswachstum<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n<i>Grafik 2<\/i> zeigt den Zusammenhang zwischen regionalem Wirtschaftswachstum und dem Besch\u00e4ftigungsanteil des Finanzsektors an der gesamtwirtschaftlichen Besch\u00e4ftigung als Indikator f\u00fcr die Finanzentwicklung, ermittelt mit einer Panelsch\u00e4tzung \u00fcber die gesamte Zeitperiode und mit allen Regionen.Der Zusammenhang weist auf H\u00f6he eines Besch\u00e4ftigungsanteils von etwa 8,5% ein gesamtwirtschaftliches Wachstumsmaximum auf. Schon bei etwa 7,6% liegt das Wachstumsmaximum f\u00fcr die Realwirtschaft (definiert als der Teil der Gesamtwirtschaft, der nicht zum Finanzsektor geh\u00f6rt). Bis zu diesen Besch\u00e4ftigungsanteilen ist das Wachstum \u2013 mit abnehmenden Raten \u2013 stets positiv mit der Finanzentwicklung korreliert; jenseits der Maxima hingegen kehrt sich der Zusammenhang ins Negative um. Die H\u00e4ufigkeitsverteilung der Regionen zeigt, dass die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit der betrachteten Regionen innerhalb des Bereichs liegt, in dem sie von Finanzentwicklung profitieren. Aber es gibt auch einige hochspezialisierte Regionen, denen ihr eigener Finanzsektor zur Last geworden sein k\u00f6nnte.Die Sch\u00e4tzung des realwirtschaftlichen Wachstums hat eine erg\u00e4nzende Funktion zur Sch\u00e4tzung des gesamtwirtschaftlichen Wachstums. Da der Finanzsektor selbst in vielen Regionen einen gewichtigen Teil der Gesamtwirtschaft ausmacht, kann es m\u00f6glich sein, dass die Besch\u00e4ftigungsentwicklung und das Wachstum des Finanzsektors selbst das gesamtwirtschaftliche Wachstum pr\u00e4gen. Am Beispiel einer Region mit einem grossen, vor allem im Ausland t\u00e4tigen Finanzsektor l\u00e4sst sich dies illustrieren: Obwohl keine der oben genannten \u00abFunktionen des Finanzwesens als Netzsektor\u00bb zugunsten der regionalen Wirtschaft erf\u00fcllt wird, generiert der Finanzsektor selbst durch Dienstleistungsexporte Wachstum. Die Ergebnisse k\u00f6nnten also auch nur einen Zusammenhang innerhalb des Finanzsektors wiedergeben. Das erg\u00e4nzende Ergebnis f\u00fcr das realwirtschaftliche Wachstum verdeutlicht, dass der verzerrende Einfluss der hochspezialisierten Regionen das dargestellte Ergebnis nicht entscheidend beeinflusst: Auch die isolierte Betrachtung der Realwirtschaft l\u00e4sst den Kurvenverlauf und den Ort des Wachstumsmaximums weitgehend unver\u00e4ndert.Erg\u00e4nzend durchgef\u00fchrte Robustheitstests zeigen, dass ein Wachstumsmaximum auch dann nachgewiesen werden kann, wenn Top-Finanzregionen (Z\u00fcrich, London, New York u.a.) und bestimmte Zeitr\u00e4ume (z.B. aktuelle Krisenjahre 2006-2010) aus dem Sample eliminiert werden. Die Grundaussagen der Ergebnisse \u00e4ndern sich mit den Variationen der Spezifikation nicht. Die wichtigsten Robustheitstests sind in <i>Tabelle 1<\/i> zusammengefasst. Es kann festgehalten werden, dass das vorliegende Ergebnis damit die j\u00fcngere eher kritische Sicht auf den Zusammenhang von Finanzsektor und gesamtwirtschaftlichem Wachstum best\u00e4tigt. Die gew\u00e4hlte quadratische Spezifikation zeigt nichtlineare Zusammenh\u00e4nge an und weist auf eine wachstums&shy;optimale Gr\u00f6sse des Finanzsektors hin (Maximum). Allerdings legt auch diese Spezifikation noch funktionale Begrenzungen fest und erzwingt einen Extrempunkt. Gerade angesichts der Tatsache, dass das festgestellte Maximum nahe am h\u00f6chsten beobachteten Besch\u00e4ftigungsanteil des Finanzsektors liegt, w\u00e4ren die Ergebnisse wohl auch mit einem positiven, aber bei zunehmender Gr\u00f6sse des Finanzsektors stark abnehmenden (und gegen Null tendierenden) Einfluss auf das Wachstum kompatibel. In <i>Grafik 1<\/i> entspricht ein solcher abnehmender Grenznutzen der mittleren Kurve gegen\u00fcber einem tats\u00e4chlichen R\u00fcckgang gem\u00e4ss der unteren Kurve. Ein streng linearer positiver Zusammenhang kann gem\u00e4ss diesen Resultaten jedoch ausgeschlossen werden.&#13;<\/p>\n<h2>Die Schweiz und ihr Finanzsektor<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWie Finanzsektor und Volkswirtschaft harmonisch zusammenwirken, ist f\u00fcr die Schweiz von fundamentaler Bedeutung. Im Vergleich zu strukturell \u00e4hnlichen L\u00e4ndern und Regionen in Europa ist die Schweiz \u2013 insbesondere ihr bedeutendstes Finanzzentrum Z\u00fcrich \u2013 finanziell hoch entwickelt und spezialisiert. Diese Tatsache bringt mit sich, dass die Schweiz einerseits die Fr\u00fcchte ernten kann, andererseits aber allen potenziellen Risiken des Sektors im Ernstfall in besonderem Masse ausgesetzt ist.Die vergangenen Jahre zeigten, dass Aktivit\u00e4ten auf den Finanzm\u00e4rkten zu makro\u00f6konomischen Risiken werden k\u00f6nnen. So stellt die Frankenst\u00e4rke weiterhin einen Hemmschuh f\u00fcr die Schweizer Exportindustrie dar, was zumindest teilweise auf Kosten der Funktion der Schweiz als \u00abTresor der Welt\u00bb zur\u00fcckzuf\u00fchren ist und den Voraussetzungen der Holl\u00e4ndischen Krankheit \u00e4hnelt. Angesichts der Ergebnisse der vorliegenden und weiterer Studien k\u00f6nnte auch der hohe Spezialisierungsgrad der Region Z\u00fcrich Anlass geben, die Wirkungen des Finanzsektors auf das regionale Wachstum kritisch zu hinterfragen. Mit einem Besch\u00e4ftigungsanteil von 10,5% an der Gesamtwirtschaft (2010) hat dieser eine Gr\u00f6sse erreicht, in der m\u00f6glicherweise das gesamtwirtschaftliche Wachstum eher gehemmt als gest\u00fctzt wird. Beispielsweise ist ein unerw\u00fcnschter Brain-Drain zulasten anderer exportorientierter Branchen nicht auszuschliessen. Allerdings d\u00fcrfen die Spezifika des Einzelfalls nicht vollkommen ignoriert werden \u2013 der \u00abim Schnitt\u00bb ermittelte Effekt muss nicht zwingend in jedem Einzelfall gelten. So weist gerade der Schweizer Finanzplatz einige spezifische Charakteristika auf, wie beispielsweise eine besonders starke Ausrichtung auf die Verm\u00f6gensanlage bei einer relativ geringen Bedeutung des Investment Bankings. Die Ergebnisse verdeutlichen jedoch, dass die Entwicklung durchaus kritisch begleitet werden muss und Chancen wie Risiken zuk\u00fcnftig noch besser gegeneinander abgewogen werden sollten. F\u00fcr ein finanziell hoch entwickeltes Land wie die Schweiz zahlt es sich langfristig aus, die Aktivit\u00e4ten seiner zahlreichen Finanzakteure stets kritisch zu begleiten und die Regulierung den sich \u00e4ndernden Verh\u00e4ltnissen anzupassen. So kann sichergestellt werden, dass der Finanzsektor weiterhin in den Dienst der gesamten Wirtschaft gestellt wird.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abZusammenhang von Finanzentwicklung und Wirtschaftswachstum in der Literatur\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abZusammenhang des regionalen Besch\u00e4ftigungsanteils des Finanzsektors mit dem regionalen Wachstum der Realwirtschaft und Gesamtwirtschaft, 1980\u20132010\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1: \u00abRobustheitstests: Variation von Zeitr\u00e4umen und Regionstypen\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Weitere Ergebnisse der Studie&#13;<\/p>\n<h3>Weitere Ergebnisse der Studie<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nIn weiteren Spezifikationen wurden anhand verschiedener Finanzentwicklungsindikatoren die Zusammenh\u00e4nge mit dem Wachstum der Bruttowertsch\u00f6pfung, der Wachstumsvolatilit\u00e4t der Bruttowertsch\u00f6pfung und den Patentanmeldungen als Proxy f\u00fcr Innovationen getestet. Die Gleichungen wurden \u2013 je nach Datenverf\u00fcgbarkeit \u2013 auch f\u00fcr einzelne Branchen gesch\u00e4tzt.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie Qualit\u00e4t der \u00f6konometrischen Ergebnisse scheint stark von der Verf\u00fcgbarkeit regionaler Daten f\u00fcr die jeweilige Spezifikation abzuh\u00e4ngen. Insgesamt erlauben die Ergebnisse der Studie keine abschliessende Aussage f\u00fcr eine bestimmte Form des Zusammenhangs von Wachstum und \u2028Finanzentwicklung. Jedoch ist zu erkennen, dass der positiv-lineare Zusammenhang (obere Kurve in Grafik 1) zu Recht hinterfragt wird.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nFinanzentwicklungsindikatoren&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Besch\u00e4ftigtenzahl im Finanzsektor in Relation zur Gesamtbesch\u00e4ftigung;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Privater Kredit (durch Einlagenkreditinstitute) in Relation zum Bruttoinlandprodukt (BIP);<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Versicherungspr\u00e4mienvolumen in Relation zum BIP (ohne Lebensversicherungspr\u00e4mien);<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Aktienhandelsumsatz in Relation zur durchschnittlichen realen Marktkapitalisierung;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Ausl\u00e4ndisches Nettoverm\u00f6gen in Relation zum BIP.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nAbh\u00e4ngige Variablen&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Wachstum der Bruttowertsch\u00f6pfung;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Wachstumsvolatilit\u00e4t der Bruttowertsch\u00f6pfung;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Patentanmeldungen (Innovation).<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nKasten 2: Literatur&#13;<\/p>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Arcand, J.-L., Berkes, E., &amp; Panizza, U. (2011). Too Much Finance. International Monetary Fonds Working Paper.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Cecchetti, S., &amp; Kharroubi, E. (2012). Reassessing the Impact of Finance on Growth. Bank for International Settlements Working Papers, Nr 381.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Demirg\u00fc\u00e7-Kunt, A., &amp; Levine, R. (2008). Finance, Financial Sector Policies, and Long-Run Growth. World Bank Policy Research Working Paper Series, Nr. 11.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Easterly, W., Islam, R., &amp; Stiglitz, J. E. (2001). Shaken and Stirred: Explaining Growth Volatility. In: Annual World Bank Conference on Development Economics (Vol. 191, S. 211).<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>King, R. G., &amp; Levine, R. (1993). Finance and Growth: Schumpeter Might Be Right. The Quarterly Journal of Economics, 108(3), S. 717\u2013737.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Levine, R., Loayza, N., &amp; Beck, T. (2000). Financial Intermediation and Growth: Causality and Causes. Journal of Monetary Economics, 46(1), S. 31\u201377.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Levine, R. (2005). Finance and Growth: Theory and Evidence. Handbook of Economic Growth, Vol. 1, Part A, S. 865\u2013934.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Rajan, R. (2006). Has Finance Made the World Riskier? European Financial Management, 12(4), S. 499\u2013533.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein m\u00f6glichst grosser Finanzsektor galt lange Zeit f\u00fcr die gesamtwirtschaftliche Entwicklung als w\u00fcnschenswert. Zudem f\u00f6rderten Deregulierung und technologische Neuerungen die dynamische Ausweitung des Sektors. Angesichts der andauernden Finanz- und Schuldenkrise in Europa mehren sich jedoch die kritischen Stimmen. 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