{"id":118934,"date":"2013-05-01T12:00:00","date_gmt":"2013-05-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2013\/05\/kellermann-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:24:35","modified_gmt":"2023-08-23T21:24:35","slug":"kellermann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2013\/05\/kellermann\/","title":{"rendered":"Wird die Wertsch\u00f6pfung der Kreditinstitute \u2028ausgewiesen?"},"content":{"rendered":"<p>Der vorliegende Beitrag diskutiert konzeptionelle Probleme im Zusammenhang mit der Quantifizierung des Produktionswerts sogenannter unterstellter Bankdienstleistungen (Fisim). Der aktuelle Modus, Risikopr\u00e4mien als Teil der unterstellten Bankgeb\u00fchr in den Produktionskonten der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) zu ber\u00fccksichtigen, widerspricht der eigentlichen Systematik der VGR und ist \u00f6konomisch wenig \u00fcberzeugend. Diese Praxis\u00a0f\u00fchrt unter anderem dazu, dass die Wertsch\u00f6pfung im institutionellen Sektor Kreditinstitute zu hoch und in anderen institu&shy;tionellen Sektoren tendenziell zu tief ausgewiesen wird.&#13;<br \/>\nDer vorliegende Beitrag fasst Ergebnisse einer Studie im Auftrag des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) zusammen (vgl. Kellermann und Schlag, 2013). <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201305_06_Kellermann_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"257\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\u00abDie Messung der Produktion von Banken und finanziellen Kapitalgesellschaften stellt f\u00fcr die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung eine grosse Herausforderung dar\u00bb.&#13;<br \/>\nVgl. BFS (2003), S.16. Diese Auffassung wird nicht nur vom Bundesamt f\u00fcr Statistik (BFS) vertreten, sondern international geteilt. So setzten u.\u2009a. &shy;Eurostat, OECD, Europ\u00e4ische Zentralbank und die Vereinten Nationen verschiedene Arbeitsgruppen ein, die den Bestimmungsmodus der Bruttowertsch\u00f6pfung von Kreditinstituten kritisch reflektieren sollen.&#13;<br \/>\nVgl. ISWGNA Fisim Task Force (2011). Die Diskussion hat dabei eine technische, konzeptionelle, theo&shy;retische und politische Dimension.&#13;<br \/>\nVgl. Zieschang (2012). Tats\u00e4chlich liefert die VGR nicht immer vollst\u00e4ndig plausible Ergebnisse, was H\u00f6he und zyklischen Verlauf der Wertsch\u00f6pfung der Kreditinstitute anbelangt.&#13;<br \/>\nVgl. Haldane et al. (2010), Kellermann und Schlag (2013).&#13;<\/p>\n<h2>Komponenten des Produktionswerts der\u00a0Kreditinstitute<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie VGR ist ein in der Wirtschaftspolitik viel gebrauchtes Evaluations- und Diagnoseinstrument. Nicht selten werden einzelne Aggregate der VGR als Indikator der volkswirtschaftlichen Bedeutung eines Sektors oder einer Branche herangezogen. Dies gilt insbesondere f\u00fcr die sektorale Bruttowertsch\u00f6pfung (BWS), die den Beitrag der institutionellen Sektoren zur gesamtwirtschaftlichen Produktion misst. In der Schweiz hat sich die BWS der Kreditinstitute in den vergangenen Dekaden sehr dynamisch und weit \u00fcberdurchschnittlich entwickelt. Ihr Anteil am Bruttoinlandprodukt (BIP) betrug im Jahr 1990 3,8% und stieg bis 2007 auf 8,8% an (siehe <i>Grafik 1<\/i>).&#13;<br \/>\nDie Kritik an der herrschenden Fisim-Praxis ist nicht als Kritik an der Einkommensh\u00f6he oder -entwicklung im Sektor Kreditinstitute zu verstehen. Bem\u00e4ngelt wird, wie\u00a0diese Einkommen im System der VGR als Wertsch\u00f6pfung deklariert werden. Diese Entwicklung geht beinahe vollst\u00e4ndig auf die Expansion der Nettobetriebs\u00fcbersch\u00fcsse in den 1990er-Jahren zur\u00fcck. Die in den Kreditinstituten entstandenen Arbeitnehmerentgelte bleiben mit einem Anteil zwischen 3,5% und 4% am BIP dagegen relativ stabil. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr den Wertsch\u00f6pfungsanteil der Versicherungs&shy;gesellschaften, der zwischen 1990 und 2007 leicht von 3,5% auf 4,3% am BIP zunimmt.Die BWS entspricht der Differenz aus Produktionswert und Vorleistungen. Im Sektor Kreditinstitute setzt sich der Produktionswert zusammen aus den Geb\u00fchren aus Kommissionsgesch\u00e4ften (<i>Financial Intermediation Services Directly Measured, FISDM<\/i>) und den unterstellten Bankgeb\u00fchren (<i>Financial Intermediation Services Indirectly Mea&shy;sured, Fisim<\/i>). Die Erfassung der FISDM ist vergleichsweise unproblematisch (siehe <i>Kasten 1<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>FISDM<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Financial Intermediation Services Directly Measured (FISDM) erfassen Leistungen der Kreditinstitute, die vom Kunden direkt bezahlt werden. Hierzu z\u00e4hlen Kommissionen wie Courtagen f\u00fcr Kundengesch\u00e4fte im\u00a0Handel, Geb\u00fchren beim Zahlungsverkehr, Depot- und Treuhandgeb\u00fchren sowie Geb\u00fchren f\u00fcr die Ver&shy;m\u00f6gensverwaltung. Grafik 1 zeigt, dass der FISDM-Anteil am Produktionswert der Schweizer &shy;Finanzintermedi\u00e4re in den Jahren 1995-2007 von 47% auf 66% zugenommen hat. Er ist im internationalen Vergleich relativ hoch. In den Niederlanden, Finnland, Spanien und Deutschland machen Kommissionen nur ca. 30% des Produktionswerts der Kreditinstitute aus. Im Vereinigten K\u00f6nigreich sind es\u00a050%,\u00a0in Italien 66% und in Luxemburg 70%.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n). Schwieriger ist hingegen die Bestimmung der Fisim, d.h. des Produktionswerts, der sich aus der finanziellen Mittlert\u00e4tigkeit der Kreditinstitute ergibt. Diese \u00abtraditionellen Finanzdienstleistungen\u00bb bestehen letztlich darin, \u00abEinlagen von Ein&shy;heiten entgegenzunehmen [\u2026] und diese anschliessend an andere Einheiten auszuleihen.\u00bb&#13;<br \/>\nVgl. Europ\u00e4ische Komission (2010), ESVG 2010, \u00a7 14.01. Sie generieren keinen Umsatz im engeren Sinne und m\u00fcssen in der VGR durch ein spezifisches Verfahren indirekt bestimmt werden.&#13;<\/p>\n<h2>Bestimmung der Fisim<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEin einfaches Schema erlaubt, die Grundz\u00fcge des VGR-Konzepts zur Ermittlung der Fisim darzustellen (siehe <i>Grafik 2<\/i>). Ausgangspunkt bilden die Fisim-relevanten Finanzinstrumente auf der Aktiv- und Passivseite der Bankbilanz. Sie werden mit E f\u00fcr Einlagen und K f\u00fcr Kreditinstrumente bezeichnet. Die Einleger akzeptieren einen Einlagenzins rE, der unter dem vom Kredit&shy;nehmer gezahlten Satz rK liegt. Aus diesen berechnet sich der Nettozinsertrag, der den Finanzmittlern als Differenz aus empfangenen Zinsen und geleisteten Zinszahlungen zufliesst. Nur ein Teil des Nettozinsertrags z\u00e4hlt zum Produktionswert; der verblei&shy;bende Rest entspricht der Verzinsung der eigenen Mittel (\u2009K \u2013 E\u2009).&#13;<br \/>\nDie Zinsen auf eigene Mittel stellen Prim\u00e4reinkommen dar und werden den Kreditinstituten im prim\u00e4ren &shy;Einkommensverteilungskonto zugerechnet. Gem\u00e4ss BFS (2007, S.\u00a03) wurde das Konzept der Fisim explizit entwickelt, um die aus der Zinsspanne entstehenden Nettozinsertr\u00e4ge in eine Leistungsverg\u00fctungskomponente und eine reine Verm\u00f6genseinkommenskomponente zu zerlegen. Letztere stammt nicht aus der Mittlert\u00e4tigkeit der Bank und ist damit auch nicht Bestandteil der Fisim.&#13;<br \/>\nVgl. BFS (2003), S. 50. Die Aufteilung des Nettozinsertrags erfolgt mit Hilfe eines Referenzzinssatzes tr&#13;<br \/>\nDer Referenzzinssatz wurde lange als Zins verstanden, der f\u00fcr das risikolose Verleihen von Geld beispielsweise unter Familienmitgliedern bezahlt wird. Man spricht auch vom \u00abreinen Preis des Geldes\u00bb. Der Referenzzins enth\u00e4lt damit weder einen Aufschlag zur Abgeltung von Dienstleistungen, die von Finanzmittlern erbracht werden, noch einen Risikoaufschlag. SNA und ESVG nennen den Interbankenzins als ad\u00e4quaten Referenzzins. Gleichzeitig darf nach SNA 2008 und ESVG 2010 der Referenzzinssatz neuerdings eine Risikokomponente enthalten., der in der Schweizer VGR einem gewichteten Durchschnitt aus den fakturierten Kredit- und Einlagenzinsen entspricht.&#13;<br \/>\nVgl. BFS (2007) sowie Tabelle 2. Das Fisim setzt sich in der Schweizer VGR daher etwa h\u00e4lftig aus dem Einlagen-Fisim E\u2009(\u2009rR \u2013 rE\u2009) und dem Kredit-Fisim K\u2009(\u2009rK \u2013 rR\u2009) zusammen. <i>Grafik 2<\/i> zeigt die Einnahmen aus der Anlage eigener Mittel (\u2009K \u2013 E\u2009)\u2009rR sowie die beiden Fisim-Komponenten des Nettozinsertrags.&#13;<\/p>\n<h2>Umstrittene Risikopr\u00e4mien<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDen VGR-Spezialisten bereitete es von Anfang an Unbehagen, Zinsertr\u00e4ge als Element der Produktion anzuerkennen, wie dies bei den unterstellten Bankgeb\u00fchren der Fall ist. Die Unzufriedenheit mit dem Fisim-Konzept f\u00fchrte zu verschiedenen Revisionen. Diese betreffen nicht nur das System der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung der Vereinten Nationen (SNA) und das Europ\u00e4ische System der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (ESVG), sondern wirken sich auch auf die Schweizer VGR aus. Die Kritik am Fisim-Konzept ist vielf\u00e4ltig.&#13;<br \/>\nVgl. Wang et al. (2009), Mink (2011) sowie Zieschang (2012). Auf dem Pr\u00fcfstand steht vor allem der Umgang mit den im Fisim enthaltenen Risikopr\u00e4mien. Diese ergeben sich aus den risikobedingten Zinsaufschl\u00e4gen, die einen Teil der Zinsmarge zwischen den fakturierten &#8211; und zinsen (\u2009rK \u2013 rE\u2009) aus&shy;machen. Den Kreditinstituten fliessen die Risikopr\u00e4mien f\u00fcr die \u00dcbernahme von Kreditausfallrisiken, Liquidit\u00e4ts- und Marktrisiken zu. Sie nutzen diese, um Reserven zu bilden oder um die Tr\u00e4ger des Risikos zu entl\u00f6hnen.&#13;<br \/>\nVgl. Mink (2011) sowie Kasten 2. Die als Risikopr\u00e4mie zufliessenden Mittel sind folglich gebunden und stehen nicht zur Finanzierung von Produktions&shy;faktoren zur Verf\u00fcgung.&#13;<br \/>\nZusammengenommen betragen s\u00e4mtliche in der Schweizer Bankenstatistik ausgewiesenen Wertberichtigungen, R\u00fcckstellungen und Reserven der Banken im Zeitraum 1996 bis 2010 durchschnittlich gut 40% am Fisim. Das Kreditinstitut kann vielmehr nur den Anteil der Fisim in der Produktion von Bankdienstleistungen einsetzen, der nach Subtraktion der Risikopr\u00e4mie \u00fcbrig bleibt. Umgekehrt gilt, dass der Anteil der Fisim, der nicht f\u00fcr den Einsatz von Produktionsfaktoren oder den Sachaufwand verbraucht wird, die Bildung entsprechender Reserven m\u00f6glich macht.Dass die Risikopr\u00e4mien trotzdem als Komponente der Fisim im Produktionskonto des institutionellen Sektors Kreditinstitute auftauchen, widerspricht der Systematik der VGR. Gem\u00e4ss dieser wird unter Produktion eine T\u00e4tigkeit verstanden, bei der \u00abdurch den Einsatz von Arbeitskr\u00e4ften, Kapital sowie Waren und Dienstleistungen andere Waren und Dienstleistungen produziert werden\u00bb.&#13;<br \/>\nVgl. ESVG 95, \u00a7 3.07. sowie Kasten 2. Das ESVG 95 listet Grenzf\u00e4lle auf, f\u00fcr die Vereinbarungen getroffen worden sind, die den Konzeptrahmen des ESVG nicht einhalten. Hierzu wird auch das Fisim-Reglement gez\u00e4hlt (vgl. &shy;Eurostat, 1996, \u00a7 1.13). Die \u00dcbernahme von Risiken durch das &shy;Kreditinstitut spendet zwar Nutzen, wodurch Zahlungsbereitschaft bei den Bankkunden entsteht. Die so generierten Einnahmen sind jedoch nicht als Produktion im eigentlichen Sinne zu interpretieren.&#13;<br \/>\nZinsen stellen in der VGR \u00abim Grunde genommen Verm\u00f6genseinkommen\u00bb dar (vgl. BFS, 2003, S.16). Zinstransfers sind daher im Einkommensverteilungskonto und nicht im Produktionskonto zu verbuchen. Anders ausgedr\u00fcckt werden Zinsen normalerweise aus der Bruttowertsch\u00f6pfung (BWS) der leistenden Wirtschaftseinheit \u2013 beispielsweise einem Industrieunternehmen \u2013 bezahlt. Bei der empfangenden Wirtschaftseinheit \u2013 dem Investor \u2013 sind sie hingegen als Transfereinkommen zu &shy;behandeln. Risikopr\u00e4mien sind infolgedessen im Produktionskonto der VGR deplatziert.&#13;<br \/>\nDie spezifische Behandlung der im FISIM enthaltenen Risikopr\u00e4mien f\u00fchrt dazu, dass die Wertsch\u00f6pfung in den \u00fcbrigen produzierenden Sektoren umso geringer ausf\u00e4llt, je st\u00e4rker sich diese \u00fcber Bankkredite finan&shy;zieren.&#13;<\/p>\n<h2>Wertsch\u00f6pfung ohne Fisim<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWird dieser Argumentation gefolgt, so ist die Fisim konsequenterweise um die Risikopr\u00e4mien zu bereinigen. In der Literatur werden verschiedene Verfahren zur Ermittlung einer sogenannten risikobereinigten Fisim diskutiert. Viel Beachtung findet ein Ansatz von <i>Wang et al. (2009)<\/i>. Die Autoren verabschieden sich von der Idee eines singul\u00e4ren Referenzzinssatzes und f\u00fchren stattdessen f\u00fcr unterschiedliche Finanzinstrumente in der Bilanz der Kreditinstitute jeweils passende Referenzzinss\u00e4tze ein. Diese sind aus Sicht der Bankkunden als Opportunit\u00e4tszinss\u00e4tze zu interpretieren. Die Basis\u00fcberlegung ist, dass f\u00fcr jedes Finanzinstrument ein alternatives Instrument mit vergleichbarer Laufzeit und Risikoeigenschaften am Markt verf\u00fcgbar ist. Der Umstand, dass sich die Bankkunden f\u00fcr die Produkte der Kreditinstitute \u2013 und gegen die entsprechenden Substitute \u2013 entscheiden, dr\u00fcckt deren Zahlungsbereitschaft f\u00fcr die spezifische Leistung der Bank aus. An dieser wird der tats\u00e4chliche Wert der unterstellten Bankdienstleistungen gemessen.<i>Grafik 2<\/i> stellt dar, wie die Zerlegung der Fisim durch die Einf\u00fchrung der Opportunit\u00e4tszinss\u00e4tze auf Seite der Einleger rEOp und Kreditnehmer rKOp erfolgt. Die Fisim wird dabei in zwei Dienstleistungskomponenten und die verbleibende Risikopr\u00e4mie auf&shy;geteilt. Unter der extremen Annahme, dass die Opportunit\u00e4tszinss\u00e4tze exakt den fakturierten Zinsen entsprechen (\u2009rEOp\u00a0=\u00a0rE und rKOp\u00a0=\u00a0rK\u2009), ist die gesamte Fisim als Risikopr\u00e4mie zu interpretieren. Die risikobereinigte Fisim betr\u00e4gt in diesem Fall Null. Eine einfache Simulation f\u00fcr den Zeitraum 1990 bis 2010 zeigt, welche Auswirkungen die vollst\u00e4ndige Eliminierung der Fisim aus den Produktionskonten der Schweizer VGR h\u00e4tte. Diese sind \u2013 wie in <i>Tabelle 1<\/i> ausgewiesen \u2013 betr\u00e4chtlich. Als unmittelbare Folge der Fisim-Eli&shy;minierung sinkt zun\u00e4chst die nominale BWS\u00a0im Sektor Kreditinstitute (S.\u2009121\u2013122). Dies gilt f\u00fcr den gesamten Zeitraum, wobei der Effekt in den 1990er-Jahren etwas h\u00f6her ausf\u00e4llt als nach der Jahrtausendwende. Die h\u00f6chste Wertsch\u00f6pfungsreduktion ergibt sich im Jahr 1995 mit 78%. Im Jahr 2007 geht die Wertsch\u00f6pfung der Kreditinstitute um 51% zur\u00fcck. Wird die Fisim aus dem Produktionswert der Kreditinstitute herausgerechnet, sind davon s\u00e4mtliche institutionelle Sektoren sowie das Schweizer BIP insgesamt betroffen. Dies r\u00fchrt daher, dass ein Teil der Fisim den \u00fcbrigen produzierenden Sektoren als Vorleistungen angelastet wird. Fallen diese Fisim-Vorleistungen weg, so steigt die Wertsch\u00f6pfung der betroffenen Sektoren.&#13;<br \/>\nEine Ausnahme bilden die sonstigen Nichtmarktproduzenten. Auf das berechnete BIP gehen damit gegenl\u00e4ufige Effekte aus. Da jedoch nicht die gesamte Fisim Vorleistung darstellt, sondern ein gewisser Anteil in Konsum und Export fliesst, dominiert der kontraktive Effekt. In Folge der Reduktion der Konsum- und Exportaggregate reduziert sich das BIP auch in der Verwendungsrechnung.&#13;<br \/>\nZur Aufgliederung der Fisim auf die institutionellen &shy;Sektoren vgl. BFS (2007).<i>Tabelle 1<\/i> stellt die gegenl\u00e4ufigen Aus&shy;wirkungen der Eliminierung der Fisim aus den Produktionskonten der VGR explizit dar. Im\u00a0Jahr 2010 steigt die BWS der nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften (S.\u200911), privaten Haushalte (S.\u200914) und privaten Organisationen ohne Erwerbszweck (S.15) insgesamt um 2,9% an. Die Zunahme der BWS im institutionellen Sektor Versicherungsgesellschaften und Pensionskassen (S.\u2009125) betr\u00e4gt 3,2%. Aufgrund der spezifischen Behandlung von Vorleistungen im Produktionskonto des Staates (S.\u200913) geht dessen BWS um knapp 1% zur\u00fcck. Hieraus resultiert eine Reduktion des nominalen BIP um insgesamt 2%. Verwendungsseitig sinken die Exporte um 1,4%, der private Konsum um 1,9% und der \u00f6ffentliche Konsum um 0,8%.&#13;<\/p>\n<h2>Risikobereinigung mittels \u2028Opportunit\u00e4tszinss\u00e4tzen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAuf Basis von Daten aus der Bankstatistik der SNB l\u00e4sst sich f\u00fcr die Schweiz eine Approximation der risikobereinigten Fisim nach dem Wangschen Ansatz vornehmen. Die Darstellung des Berechnungsmodus findet sich in <i>Kellermann und Schlag (2013)<\/i>. Verschiedene Eckdaten sowie die wichtigsten Berechnungsresultate sind <i>Tabelle 2<\/i> zu entnehmen. Die Ber\u00fccksichtigung von Opportunit\u00e4tszinss\u00e4tzen reduziert die Fisim im Jahr 2008 um ca. 59% gegen\u00fcber dem auf Basis der g\u00fcltigen Bestimmungen ausgewiesenen Niveau. Im Jahr 2009 liegt die approximierte Fisim-Reduktion bei 64% und im Jahr 2010 bei 56%. Wird die risikobereinigte Fisim in einem alternativen Ansatz \u00fcber Faktoreinsatz und -kosten approximiert, so ergeben sich etwas geringere Reduktionen der Fisim-Betr\u00e4ge von knapp 50%. Der Produktionswert im Sektor Kreditinstitute geht um gut einen Viertel zur\u00fcck. Die modifizierte Wertsch\u00f6pfung der Kreditinstitute betr\u00e4gt in den betrachteten Jahren nur noch knapp 60% des tats\u00e4chlich ausgewiesenen Niveaus. Untersuchungen f\u00fcr die USA und den Euro-Raum kommen auf insgesamt vergleichbare, allenfalls etwas geringere Auswirkungen der Risikobereinigung auf Fisim und Wertsch\u00f6pfung im Sektor Kreditinstitute.&#13;<br \/>\nVgl. Kellermann und Schlag (2013).&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nVieles spricht daf\u00fcr, dass die sektorale Verteilung der BWS im derzeit g\u00fcltigen VGR-System zugunsten der Kreditinstitute verzerrt ist. Ursache hierf\u00fcr ist der Modus, nach dem die unterstellte Bankgeb\u00fchr (Fisim) berechnet wird. Intention der vorgestellten Untersuchung ist, diese Problematik aufzuzeigen und eine risikobereinigte Fisim zu approximieren. Die Untersuchungsresultate sind dabei als erste Ann\u00e4herung zu verstehen. Sie beruhen auf einer l\u00fcckenhaften Datenbasis und bringen einen Ansatz zur Anwendung, der sich noch in der Entwicklung befindet.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abZusammensetzung des Produktionswerts im Sektor Kreditinstitute (S.121\u2013122), 1990\u20132010\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abRisikopr\u00e4mie als Komponente der Fisim\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 1: \u00abAuswirkungen einer Eliminierung der Fisim aus den Produktionskonten, 1990\u20132010\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nTabelle 2: \u00abAuswirkungen der Anpassung von Fisim im Sektor Kreditinstitute (S.121\u2013122), 2008\u20132010\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: FISDM&#13;<\/p>\n<h3>FISDM<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Financial Intermediation Services Directly Measured (FISDM) erfassen Leistungen der Kreditinstitute, die vom Kunden direkt bezahlt werden. Hierzu z\u00e4hlen Kommissionen wie Courtagen f\u00fcr Kundengesch\u00e4fte im\u00a0Handel, Geb\u00fchren beim Zahlungsverkehr, Depot- und Treuhandgeb\u00fchren sowie Geb\u00fchren f\u00fcr die Ver&shy;m\u00f6gensverwaltung. <i>Grafik 1<\/i> zeigt, dass der FISDM-Anteil am Produktionswert der Schweizer &shy;Finanzintermedi\u00e4re in den Jahren 1995-2007 von 47% auf 66% zugenommen hat. Er ist im internationalen Vergleich relativ hoch. In den Niederlanden, Finnland, Spanien und Deutschland machen Kommissionen nur ca. 30% des Produktionswerts der Kreditinstitute aus. Im Vereinigten K\u00f6nigreich sind es\u00a050%,\u00a0in Italien 66% und in Luxemburg 70%.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 2: Versicherungsgesellschaften in\u00a0der\u00a0VGR&#13;<\/p>\n<h3>Versicherungsgesellschaften in\u00a0der\u00a0VGR<\/h3>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Versicherungsgesellschaften und Pensionskassen (S.125) sind ebenso wie die Kreditinstitute (S.122) Bestandteil des institutionellen Sektors finanzielle Kapitalgesellschaften (S.12). Der Modus, nach dem der Produktionswert bei den Versicherungsgesellschaften ermittelt wird, ist im Vergleich zu den Kreditinstituten n\u00e4her am Produktionsparadigma des ESVG. Der Produktionswert der Lebensversicherungen und der Schadenversicherungen wird im ESVG 1995 nach einem von Eurostat entwickelten Verfahren berechnet. Er ergibt sich aus der Summe der verdienten tats\u00e4chlichen Pr\u00e4mien zuz\u00fcglich den zus\u00e4tzlichen Pr\u00e4mien abz\u00fcglich f\u00e4lliger Leistungen, Ver\u00e4nderungen der Deckungsr\u00fcckstellungen und der R\u00fcckstellungen f\u00fcr Gewinnbeteiligung der Versicherten. a&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie in den Pr\u00e4mien enthaltenen Anteile, die zur Deckung laufender Sch\u00e4den und Bildung von R\u00fcckstellungen verwendet werden, sind damit nicht mehr im Produktionswert der Versicherungsgesellschaften enthalten.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nIn der Einkommensrechnung der VGR entspricht die Wertsch\u00f6pfung den L\u00f6hnen und Geh\u00e4ltern, den Ertr\u00e4gen der Versicherungsgesellschaften und den an die Versicherten ausgezahlten Gewinnbeteiligungen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\na Vgl. Eurostat (1996), Anhang III Versicherungen, S.\u00a0289ff.&#13;<br \/>\nKasten 3: Literatur&#13;<\/p>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>BFS \u2013 Bundesamt f\u00fcr Statistik (2003), Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung: Eine Einf\u00fchrung in Theorie und Praxis, Methoden und Konzepte des ESVG, 2003, Neuenburg.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>BFS \u2013 Bundesamt f\u00fcr Statistik (2007), Finanzdienstleistungen \u2013 Eine neue Methode zur Messung der indirekt gemessenen Finanzdienstleistungen, August 2007, Neuenburg.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Europ\u00e4ische Kommission (2010), Anhang A, Kapitel 14: Unterstellte Bankdienstleistungen (FISIM), Anhang A des Vorschlags f\u00fcr eine Verordnung des Europ\u00e4ischen Parlaments und des Rates zum Europ\u00e4ischen System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen auf nationaler und regionaler Ebene in der Europ\u00e4ischen Union, KOM(2010) 774 endg\u00fcltig, Anhang A\/Kapitel 14, Br\u00fcssel, 20.12.2010.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Eurostat (1996), Europ\u00e4isches System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen ESVG 95, Br\u00fcssel, Luxemburg.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Haldane, A., S. Brennan und V. Madouros (2010), What is the Contribution of the Financial Sector: Miracle or Mirage?, The Future of Finance, LSE Report, 64\u2013104, London.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>ISWGNA FISIM Task Force (2011), Summary Minutes of the ISWGNA FISIM Task Force meeting: July 5\u20136, 2011, New York.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Kellermann, K. und C.-H. Schlag (2013), Wird der Wertsch\u00f6pfungsbeitrag des Finanzsektors zu hoch ausgewiesen?, Studie im Auftrag des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco).<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Mink, R. (2011), Measuring and recording financial services, Paper presented on the Meeting of the TASK Force on Financial Intermediation Services Indirectly Measured (FISIM), IMF Headquarters, March 3 &amp; 4, 2011, Washington D.C.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Wang, J. C., S. Basu und J. G. Fernald (2009), A General- Equilibrium Asset-Pricing Approach to the Measurement of Nominal and Real Bank Output, W. E. Diewert, J. S. Greenlees und C. R. Hulten (eds.), Price Index Concepts and Measurement, Studies in Income and Wealth 70, 273\u2013320, University of Chicago Press, Chicago.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Zieschang, K. D. (2012), FISIM Accounting, IMF Working Paper, October 2012, Washington.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der vorliegende Beitrag diskutiert konzeptionelle Probleme im Zusammenhang mit der Quantifizierung des Produktionswerts sogenannter unterstellter Bankdienstleistungen (Fisim). Der aktuelle Modus, Risikopr\u00e4mien als Teil der unterstellten Bankgeb\u00fchr in den Produktionskonten der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) zu ber\u00fccksichtigen, widerspricht der eigentlichen Systematik der VGR und ist \u00f6konomisch wenig \u00fcberzeugend. 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