{"id":118954,"date":"2013-04-01T12:00:00","date_gmt":"2013-04-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2013\/04\/banholzer-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:24:20","modified_gmt":"2023-08-23T21:24:20","slug":"banholzer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2013\/04\/banholzer\/","title":{"rendered":"Der Schweizer Tourismus im Bann der Multioptionsgesellschaft"},"content":{"rendered":"<p>Eine Milliarde Touristen reisten im Jahr 2012 weltweit \u2013 ein neuer Rekord, der Anlass zum Feiern gibt. Diese Entwicklung zeigt mit aller Deutlichkeit die Auswirkungen der fortschreitenden Globa&shy;lisierung auf. Damit verbunden ist eine Versch\u00e4rfung des Wett&shy;bewerbs und das Auftauchen neuer Mitbewerber, aber auch neuer Nachfragem\u00e4rkte. Entstanden ist\u00a0ein weltweiter Marktplatz mit egalit\u00e4ren Spielregeln, die vor der\u00a0Best\u00e4ndigkeit der touristischen Vergangenheit und Werthaftigkeit der Schweiz kaum Halt\u00a0machen.&#13;<\/p>\n<h2>Strukturen auf das Minimum reduzieren<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Gewinner der Globalisierung sind &shy;jene, welche die sich schnell \u00e4ndernden &shy;Rahmenbedingungen zu ihrem Vorteil auszunutzen verm\u00f6gen. Die regelm\u00e4ssig wiederkehrenden Aufrufe zu Strukturwandel, &shy;Kooperation und Innovation sollten uns eigentlich dazu veranlassen, die Zukunftsperspektiven f\u00fcr den Schweizer Tourismus neu zu beurteilen und zu gewichten. Stattdessen bleiben sie zu oft leere Floskeln. Doch die Tourismuslandschaft Schweiz ist von historisch gewachsenen Strukturen durchdrungen \u2013 fast wie ein un\u00fcberschaubares Wurzelgew\u00e4chs, das stetig neuen N\u00e4hrb\u00f6den findet. Kappt man einige der Wurzeln, wachsen sie in neuer Form nach. F\u00e4llt man den Baum, sterben die Wurzeln. Beides ist wenig w\u00fcnschenswert und hilfreich. Gleichwohl scheint es an der Zeit, die Wurzeln effektvoll und fachgem\u00e4ss zu schneiden, ohne die Standfestigkeit des Baumes zu gef\u00e4hrden.&#13;<\/p>\n<h2>Konzeptionelle Innovation und neue &shy;Gesch\u00e4ftsmodelle<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Zentrum der Bestrebungen steht nach wie vor der Gast, der durch die gesellschaftlichen, technologischen und \u00f6kologischen Umw\u00e4lzungen beeinflusst und gepr\u00e4gt wird. Fragen und gesellschaftliche Tendenzen \u2013 wie Klimawandel, Individualisierung und Technologisierung \u2013 konfrontieren uns mit neuen Herausforderungen, um die touristischen Angebote attraktiv zu halten und mit der Nachfrageentwicklung in Einklang zu bringen. Auf der anderen Seite er\u00f6ffnen sich eine Vielzahl neuer Chancen, welche eigentlich einen Anlass zu einer Repositionierung und Differenzierung des Schweizer Tourismus bieten w\u00fcrden. Zur Wahrung der Perspektiven ist entscheidend, dass die Marktteilnehmer es mittelfristig schaffen, sich \u00fcber bestehende Strukturen und Territorien hinwegzusetzen und die Gesamtheit der Tourismuswirtschaft als veritablen Konsumentenmarkt zu verstehen. In diesem Kontext sollten die Pr\u00e4ferenzen der G\u00e4ste aus den unterschiedlichen Nachfragem\u00e4rkten f\u00fcr unsere touristischen Produkte in den Fokus gemeinsamer \u00dcberlegungen gestellt werden. Ein m\u00f6glicher Ansatz besteht darin, bestehende und bew\u00e4hrte\u00a0Konzepte zu kombinieren und daraus neue Gesch\u00e4ftsmodelle zu entwickeln, welche auf die ver\u00e4nderte Nachfrage und die sich daraus ergebenden Tendenzen reagieren k\u00f6nnen. Das t\u00f6nt zwar einfach, ist aber schwierig, solange ein wenig nachhaltiger Opportunismus die neu entstanden Allianzen, Synergien und Skaleneffekte \u00fcberschattet.&#13;<\/p>\n<h2>Zukunft braucht Herkunft<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEin Leitmotiv, auf das der Schweizer Tourismus bauen kann, ist die Einzigartigkeit der Schweiz mit ihrer reichhaltigen Tra&shy;ditionskultur, dem H\u00f6chstmass an Lebensqualit\u00e4t und einer F\u00fclle an bezaubernden und gesch\u00fctzten Naturlandschaften. Allerdings reicht diese Einzigartigkeit als durchschlagendes Reisemotiv nicht mehr aus. Das\u00a0erkl\u00e4rt denn auch die in den letzten Jahren \u2013 trotz einer weltweiten positiven Tourismusentwicklung \u2013 r\u00fcckl\u00e4ufige Nachfrage. Der Preis bleibt ein unbestrittener und mitentscheidender Faktor beim Konsumentscheid. Ungeachtet der aktuellen Frankenst\u00e4rke sowie des schwierigen konjunkturellen Umfeldes in Europa m\u00fcssen wir uns eine Reihe von Fragen stellen: Welche weiteren Faktoren haben einen Einfluss auf die Wahl des Reiseziels Schweiz? Haben sich die Reisemotive und Bed\u00fcrfnisse unserer G\u00e4ste wom\u00f6glich grundlegend und unmerklich ver\u00e4ndert? Sind unsere touristischen Angebote im Umfeld der wachsenden Konkurrenz zu austauschbaren G\u00fctern geworden? Hat sich die Einstellung unserer G\u00e4ste \u2013 insbesondere im Zeitalter der Informations\u00fcberflutung und der eher selektiven und medienkritischen Wahrnehmung der Schweiz \u2013 zu unseren Ungunsten ver\u00e4ndert? Diese Fragen sollten bei der Beurteilung der Zukunftsaussichten sowie der langfristigen Positionierung und Differenzierung des Tourismusstandorts Schweiz Beachtung finden. Gefordert ist die R\u00fcckbesinnung auf die wahren Werte der Schweiz: eine Authentizit\u00e4t, die nicht nur kommuniziert, sondern auch vorgelebt wird, sowie ein Preis, der die erwartete Qualit\u00e4t und Gastlichkeit nicht nur verspricht, sondern auch rechtfertigt.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Milliarde Touristen reisten im Jahr 2012 weltweit \u2013 ein neuer Rekord, der Anlass zum Feiern gibt. Diese Entwicklung zeigt mit aller Deutlichkeit die Auswirkungen der fortschreitenden Globa&shy;lisierung auf. Damit verbunden ist eine Versch\u00e4rfung des Wett&shy;bewerbs und das Auftauchen neuer Mitbewerber, aber auch neuer Nachfragem\u00e4rkte. 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