{"id":118974,"date":"2013-04-01T12:00:00","date_gmt":"2013-04-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2013\/04\/gerber-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:24:23","modified_gmt":"2023-08-23T21:24:23","slug":"gerber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2013\/04\/gerber\/","title":{"rendered":"Geli Spescha, der langj\u00e4hrige Chefredaktor von \u00abDie Volkswirtschaft\u00bb, tritt zur\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p>Auf Ende April 2013 gibt Geli &shy;Spescha die Chefredaktion der\u00a0Monatszeitschrift \u00abDie Volkswirtschaft\u00bb ab. Er blickt auf eine \u00fcber dreizehnj\u00e4hrige T\u00e4tigkeit &shy;zur\u00fcck, im Verlaufe derer er \u00abDie\u00a0Volkswirtschaft\u00bb von einem Staatsmedium zu einer wirtschaftspolitischen Plattform &shy;weiterentwickelt hat. Seine Nachfolgerinnen Susanne Blank und Nicole Tesar, welche die Stelle &shy;teilen werden, \u00fcbernehmen eine profilierte Publikation. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201304_17_Gerber_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"246\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGeli Spescha tritt in den Ruhestand. Mit seinem R\u00fccktritt geht eine eindr\u00fcckliche Etappe der seit 1920 bestehenden Zeitschrift \u00abDie Volkswirtschaft\u00bb zu Ende. Er hat dem Wirtschaftsblatt seinen Stempel aufgedr\u00fcckt und dieses blasse, halb statistische, halb wissenschaftliche Magazin zu einer beachteten Publikation gemacht, in der es eine Ehre ist, publiziert zu werden.&#13;<\/p>\n<h2>Wer ist Geli Spescha?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nGeli Spescha ist im Jahr 1948 geboren, Rumantsch ist seine Muttersprache, und er hat den engen Bezug zu seinem Heimatkanton nie verloren.&#13;<\/p>\n<h2>Der Aufm\u00fcpfige<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\n1968 nahm er an der Universit\u00e4t Bern das Studium der Volkswirtschaft, Betriebswirtschaft und Soziologie auf. Seine Interessen galten bereits fr\u00fch den grossen gesellschaftlichen und politischen Fragen. Er war im besten Sinn des Wortes ein aktiver 68er, engagierte sich in multiplen von Reformwillen beseelten Studentenbewegungen, solidarisierte sich mit Dekanatsbesetzungen und Protesten gegen Professoren, die glaubten, ihre Lehre \u00fcber Jahre hinweg unver\u00e4ndert ex cathedra vermitteln zu m\u00fcssen. Ist Geli deswegen ein S\u00fcnder seiner Jugend? War es nicht gerade dieses Aufm\u00fcpfige, dieses Hinterfragen von Alther&shy;gebrachtem, welches seinen kommenden Werdegang mitbestimmen sollte?&#13;<\/p>\n<h2>Der Protokollist<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nSein breites Interesse am politischen Geschehen machte Geli Spescha in den 1970er-Jahren zu einem Mitarbeitenden der Parlamentsdienste als Protokollf\u00fchrer im Amtlichen Bulletin. Wer nun denkt, er habe sich dann wie ein trockener Beamter in einer Amtsstube geb\u00e4rdet, liegt falsch. In seiner neuen Funktion hielt sich Geli Spescha manchmal in den Ratss\u00e4len auf, und zwar wie damals \u00fcblich im Nationalratssaal hinter den Bundesr\u00e4ten. Da sass Geli also und musste protokollieren, was Bundesrat Rudolf Gn\u00e4gi sagte. Und dieser pries die \u00abLiibli\u00bb, eben die an alle Soldaten und Offiziere zu verteilenden sogenannten \u00abGn\u00e4gi-Liibli\u00bb, in allen T\u00f6nen. Dabei hob der Bundesrat den Zweck dieser w\u00e4rmenden Dinger hervor. Tatsache war aber, dass es sich haupts\u00e4chlich um eine Massnahme zur Ankurbelung der darbenden Textil- und Bekleidungswirtschaft handelte. Dies missfiel Geli sichtlich. In der Tagesschau des gleichen Abends erschien Bundesrat Gn\u00e4gi im Bild und dahinter der gestikulierende Geli, der ganz offensichtlich zeigte, dass er von diesem Vorhaben gar nichts hielt. Kurz nach diesen Vorkommnissen wurden die Protokollf\u00fchrer in eine andere Ecke des Saales verbannt, wo sie heute noch sind.&#13;<\/p>\n<h2>Der Kontrolleur<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDass Geli Spescha das Protokollieren nicht als Lebensaufgabe betrachtete und sein Kommunikationstalent und breites Beziehungsnetz nutzen wollte, war die Basis f\u00fcr die anschliessende, herausfordernde und nicht allt\u00e4gliche Aufgabe als Leiter Kommunikation der schweizerischen zivilen Flugsicherung Swisscontrol, eine Arbeit die er zehn Jahre bew\u00e4ltigte. Swisscontrol war damals schon in den Schlagzeilen sowie mit Kompetenz- und Koordinationsproblemen mit der Flugsicherung der Nachbarl\u00e4nder besch\u00e4ftigt. Doch auch hier hatte Geli Spescha sein eigentliches Wirkungsfeld noch nicht gefunden.&#13;<\/p>\n<h2>Der Chefredaktor<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Suche nach einem neuen Chefredaktor f\u00fcr \u00abDie Volkswirtschaft\u00bb im Jahre 2000 war f\u00fcr Geli Spescha \u2013 und auch f\u00fcr \u00abDie Volkswirtschaft\u00bb \u2013 ein Gl\u00fccksfall. Dort konnte er endlich pers\u00f6nliches Profil und Interesse in einem hohen Masse zum Beruf machen und sein fundiertes Medienwissen einbringen.&#13;<\/p>\n<h2>Bringt Ordnung in der Datenflut!<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie heutige Informationstechnologie erm\u00f6glicht einen raschen und gezielten Zugriff auf jede m\u00f6gliche Information, seien es Statistiken, Gesetzestexte, Pressemitteilungen, Bildmaterial und elektronische Medien. Braucht es in diesem Umfeld noch eine Publikation wie \u00abDie Volkswirtschaft\u00bb? Diese Frage ist zu bejahen, weil es dem Chefredaktor gelang, \u00abDie Volkswirtschaft\u00bb weit \u00fcber die reine Bereitstellung von nackten Informationen auszubauen. Zu ber\u00fccksichtigen gilt es:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Die Label-Funktion: Die publizierten Artikel m\u00fcssen Kriterien bez\u00fcglich Qualit\u00e4t, Form und Aktualit\u00e4t erf\u00fcllen. Der Leser soll wissen, was er kriegt. Damit ist die Informationsaufnahme wesentlich einfacher als im Internet, wo man immer wieder \u00fcber ungenaue und veraltete Informationen stolpert.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Der politische Kontext: Die Einbettung ins politische Geschehen beginnt mit der Losl\u00f6sung vom ausdruckslosen, einf\u00f6rmigen Charakter eines Bundesblattes. Die Meinungsvielfalt soll mitber\u00fccksichtigt werden.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nGeli Spescha hat sehr fr\u00fch und zielstrebig auf dieses tragf\u00e4hige Format hingearbeitet, noch zu Zeiten, als gewisse Wirtschaftspublikationen dem Boulevardstil huldigten und breiten Absatz fanden. Die Verlockung des kurzlebigen Infotainments war gross, doch der Chefredaktor wiederstand ihr.&#13;<\/p>\n<h2>W\u00fcrdigt das Qualit\u00e4tsmanagement und\u00a0die Form!<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Weg zu einer qualitativ hochstehenden Zeitschrift beginnt im Kleinen. Geli Spescha musste Texte akquirieren, die von der L\u00e4nge und der Verst\u00e4ndlichkeit her ins Format passen. Dies war und ist nicht immer einfach. Manch alteingesessene Autorin und Autor empfand es unter ihrer oder seiner W\u00fcrde, dass sich jemand erfrecht, Vorschriften \u00fcber die L\u00e4nge des Artikels zu erlassen oder am Schreibstil herumzuflicken. Gar seine Vorgesetzten, die ab und zu publizierten, bekamen die Meinung des Chefredaktors zu sp\u00fcren. Geli Spescha hat diese Probleme dadurch gel\u00f6st, dass er offen auf die Leute zuging, in der Sache hart, aber freundlich die Lage erkl\u00e4rte und L\u00f6sungen vorschlug.Jedes Pamphlet, aber auch \u00abDie Volkswirtschaft\u00bb, droht zu scheitern, wenn die Verpackung nicht stimmt; Inhalt und Form sind bekanntlich komplement\u00e4r. Die typische Leserschaft des Magazins will sich mit einem Thema vertieft auseinandersetzen, ohne sich durch Texte durchackern zu m\u00fcssen, die einer Dissertation \u00e4hnlich w\u00e4ren. Verp\u00f6nt sind somit langf\u00e4dige Fliesstexte mit zahlreichen Fachausdr\u00fccken, Formeln und \u00fcberlangen Zitaten.Das resultierende Konzept der zur\u00fcckhaltenden, fast m\u00f6chte man sagen edlen Gestaltung mit der sauberen Schrift und der Auflockerung durch Fotos erlaubt heute noch ein entspanntes und konzentriertes Lesen dieser Monatszeitschrift, die dennoch wissenschaftlichen Anspr\u00fcchen zu gen\u00fcgen vermag. Besonderes Augenmerk wird auf eine einheitliche Gestaltung der Grafiken gelegt, die das Verst\u00e4ndnis der Zusammenh\u00e4nge verbessert. Anregend und f\u00fcr sich sprechend sind auch die Titelbl\u00e4tter, die bereits symbolisch treffend den eigentlichen Inhalt der Zeitung wiederspiegeln. Hat sich hier Geli Spescha von \u00abThe Economist\u00bb inspirieren lassen?&#13;<\/p>\n<h2>Bettet die Beitr\u00e4ge in den politischen Kontext ein!<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nUm ein Thema in einen politisch-gesellschaftlichen Zusammenhang zu stellen, gen\u00fcgt es nicht, die Artikel mit zwei oder drei Stellungnahmen von Gleichgesinnten anzureichern. Gefragt ist eine Vielfalt der Meinungen. Nicht nur die Analyse der Bundesverwaltung soll zum Zuge kommen, sondern auch andere Autoren, insbesondere solche mit Positionen abseits der allgemeinen Sichtweise. Der Schritt weg vom reinen Verwaltungsblatt war zwar bereits vor der Zeit von Geli Spescha eingeschlagen worden, aber er war es, der den breiten R\u00fccken besass, nicht konforme Ideen aufzunehmen. Es d\u00fcrfen heute auch kontradiktorische Standpunkte aus allen politischen Lagern, Interessenverb\u00e4nden und Wirtschafts- und Wissenschaftskreisen ge\u00e4ussert werden. \u00abDie Volkswirtschaft\u00bb als Streitschrift? Wieso nicht, wenn die Beitr\u00e4ge Qualit\u00e4tskriterien unterstehen, sachbezogen sind und nicht in Populismus ausarten. Geli Spescha wusste dies zu verhindern.All dies scheint normal. Indes gilt es zu ber\u00fccksichtigen, dass \u00abDie Volkswirtschaft\u00bb ein Erzeugnis des Bundes ist, das die Haltung des Bundesrates zu respektieren hat. Hier ein Gleichgewicht mit abweichenden Meinungen zu finden, ist nicht a priori gegeben. Doch nur ein einziges Mal in seiner Karriere als Chefredaktor musste Geli Spescha einen Artikel zur\u00fcckweisen, weil dieser das sensible Gleichgewicht umgestossen h\u00e4tte.Es ist nicht zuletzt der Unparteilichkeit der Schrift \u00abDie Volkswirtschaft\u00bb zuzuschreiben, dass es auch heute im Zeitalter der elektronischen Plattformen, Blogs, Facebook und Twitter kein Problem darstellt, illustre Autoren \u2013 Bundesr\u00e4te und andere Magistratspersonen, Verbandspr\u00e4sidenten, aber auch CEO und Verwaltungsratspr\u00e4sidenten sowie mit multiplen Doktortiteln versehene Universit\u00e4tsprofessoren \u2013 rasch und unkompliziert f\u00fcr einen Artikel, ein Interview oder eine Stellungnahme zu gewinnen.&#13;<\/p>\n<h2>Und nun?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWas passiert nach dem Abschied des Chefredaktors? Die Medienlandschaft und die Politik sind in raschem Wandel begriffen. Auch das \u00abKind\u00bb von Geli Spescha wird sich an neue Gegebenheiten anpassen. Die Politik tendiert dazu, den aktuellen Themen ein grosses Gewicht beizumessen. Die Suche nach Erh\u00f6hung der Auflage ebenso. \u00abDie Volkswirtschaft\u00bb hat den Vorteil, weder der Tagesaktualit\u00e4t verfallen zu m\u00fcssen, noch dem Auflagendruck unterstellt zu sein. Somit kann sie ihre Aufmerksamkeit weiterhin den langfristigen Fragen widmen, wie strukturellen Problemen, Sicherung der Wettbewerbsf\u00e4higkeit und der Sozialwerke sowie den Grenzen des Wachstums. Gleichzeitig wird \u00abDie Volkswirtschaft\u00bb aber auch ihre Artikel mit der Tagesaktualit\u00e4t zu verbinden wissen, dies wie bisher im exzellenten Timing mit den Monatsthemen. Zu guter Letzt: Unter Geli Speschas Leitung hat \u00abDie Volkswirtschaft\u00bb den Ruf des Departements f\u00fcr Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF) und des Staatssekretariats f\u00fcr Wirtschaft (Seco) gest\u00e4rkt, ohne aber servil als Sprachrohr seiner Auftraggeber zu dienen oder die Achtung von Aussenstehenden f\u00fcr diese Periodika zu beeintr\u00e4chtigen. M\u00f6ge dies unter der neuen F\u00fchrung so bleiben.Wir danken dir, Geli, und verbinden diesen Dank mit den besten W\u00fcnschen f\u00fcr deinen neuen Lebensabschnitt.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf Ende April 2013 gibt Geli &shy;Spescha die Chefredaktion der\u00a0Monatszeitschrift \u00abDie Volkswirtschaft\u00bb ab. Er blickt auf eine \u00fcber dreizehnj\u00e4hrige T\u00e4tigkeit &shy;zur\u00fcck, im Verlaufe derer er \u00abDie\u00a0Volkswirtschaft\u00bb von einem Staatsmedium zu einer wirtschaftspolitischen Plattform &shy;weiterentwickelt hat. 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