{"id":118984,"date":"2013-04-01T12:00:00","date_gmt":"2013-04-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2013\/04\/gilgen-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:24:25","modified_gmt":"2023-08-23T21:24:25","slug":"gilgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2013\/04\/gilgen\/","title":{"rendered":"Herausforderung Raumentwicklung Schweiz"},"content":{"rendered":"<p>Die Raumentwicklung der Schweiz verl\u00e4uft bis heute nicht nach&shy;haltig \u2013 trotz dem seit Ende der 1970er-Jahre bestehenden Raumplanungsgesetz und der darin &shy;verankerten Ziele einer haush\u00e4lterischen Nutzung des Bodens, einer hohen Siedlungsqualit\u00e4t und dem Schutz der nat\u00fcrlichen Ressourcen. Das\u00a0Raumkonzept Schweiz will die nachhaltige r\u00e4umliche Entwicklung der Schweiz f\u00f6rdern. Bund, Kantone, Gemeinden und St\u00e4dte haben es gemeinsam entwickelt\u00a0und verabschiedet. Der nachfolgende Artikel beleuchtet Geschichte, Strategien und Ziele des Raumkonzepts Schweiz sowie\u00a0erste Schritte zu dessen &shy;Umsetzung.&#13;<br \/>\nMehr zum Raumkonzept Schweiz unter: <a href=\"http:\/\/www.are.admin.ch\/themen\/raumplanung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.are.admin.ch\/themen\/raumplanung<\/a>. <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201304_20_Gilgen_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"256\" \/>&#13;<\/p>\n<h2>Raumentwicklung braucht Visionen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Schweizer Medien schenkten der Raumentwicklung in j\u00fcngerer Vergangenheit erh\u00f6hte Aufmerksamkeit. So wurden anl\u00e4sslich der Abstimmungen \u00fcber die Zweit&shy;wohnungsinitiative und die Revision des Raumplanungsgesetzes Herausforderungen, Erwartungen und Visionen rege diskutiert. Wie sehen Landschaften und Siedlungen in Zukunft aus? Welche Qualit\u00e4ten sollen diese aufweisen? Und wie k\u00f6nnen auch kommende Generationen die Ressource Boden gem\u00e4ss ihren Bed\u00fcrfnissen nutzen? Solche und andere Kernfragen der gegenw\u00e4rtigen Raumentwicklung traten zu Tage.Die unterschiedlichen Interessen, Bed\u00fcrfnisse und Vorstellungen zu b\u00fcndeln, ist allerdings schwierig. Hier setzt das Raumkonzept Schweiz an. Es soll Beh\u00f6rden, aber auch &shy;privaten Akteuren und interessierten Kreisen als allgemein anerkannter Orientierungs&shy;rahmen dienen. In der Absicht, die Vielfalt, Solidarit\u00e4t und Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Schweiz zu erhalten, formulierten Gemeinden, St\u00e4dte, Kantone und der Bund gemeinsam ihre Vorstellung einer nachhaltigen r\u00e4umlichen Entwicklung des Landes. Diese Gesamtschau kann entscheidend dazu beitragen, eine allzu eng fokussierte Sichtweise zu \u00fcberwinden und die \u00fcberregionale Zusammenarbeit ins Rollen zu bringen. Dies ist angesichts der gegenw\u00e4rtigen Herausforderungen denn auch dringend n\u00f6tig.&#13;<\/p>\n<h2>Kulturfl\u00e4chen zunehmend unter Druck<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Siedlungsfl\u00e4che dehnt sich seit Jahrzenten rasant aus. Allein seit den 1980er-Jahren nahm die Siedlungsfl\u00e4che um nahezu ein Viertel zu. Durch die massive Zersiedelung der Landschaft kommen Kulturlandfl\u00e4chen und zusammenh\u00e4ngende nat\u00fcrliche Lebensr\u00e4ume zunehmend unter Druck. Diese Entwicklungen werfen Fragen auf: Wie kann dem stetig steigenden Fl\u00e4chenkonsum Einhalt geboten werden? Welche L\u00f6sungsans\u00e4tze erm\u00f6glichen es, f\u00fcr alle Betroffenen ein angemessenes Wohnangebot sicherzustellen?Die Bev\u00f6lkerung w\u00e4chst vor allem in den St\u00e4dten und Agglomerationen. Die Einwohnerzahl der Schweiz betr\u00e4gt heute acht Millionen und soll sich ab 2055 bei knapp neun Millionen stabilisieren. Doch die Bev\u00f6lkerung entwickelt sich nicht nur quantitativ, sondern auch strukturell. Der Anteil junger Menschen sinkt, w\u00e4hrend die Lebenserwartung stetig steigt. K\u00fcnftig gilt es, Wohn- und Siedlungsformen zu verwirklichen, die dem gesellschaftlichen Wandel Rechnung tragen.Der l\u00e4ndliche Raum l\u00e4uft Gefahr, seine typischen Merkmale zu verlieren. Die einst klare Abgrenzung von urbanen und l\u00e4ndlichen R\u00e4umen weicht zunehmend auf. Es gilt gerade in peripheren l\u00e4ndlichen Gebieten, spezifische Arbeitskulturen zu st\u00fctzen, pr\u00e4gen diese doch auch Kulturlandschaften. Schaffen wir es k\u00fcnftig, Stadt und Land in ein Gleichgewicht zu bringen? Wie lassen sich Biodiversit\u00e4t, landschaftliche Vielfalt und Vernetzung der nat\u00fcrlichen Lebensr\u00e4ume erhalten?Energie- und Verkehrsinfrastrukturen sind zentrale Entwicklungsfaktoren. Im Jahr 2011 stellte der Verkehr mit 36% den L\u00f6wenanteil des Energieverbrauchs. Letzterer hat sich seit 1950 mehr als verf\u00fcnffacht. Nun soll er durch technische Neuerungen auf dem heutigen Niveau stabilisiert werden. Die Energiestrategie 2050 des Bundesrates zielt auf einen Ausstieg aus der Kernkraft bis ins Jahr 2034. Die wegfallende Produktion sollen erneuerbare Energien kompensieren. Alternative Energietr\u00e4ger haben ein vielversprechendes Ausbaupotenzial, k\u00f6nnen jedoch das Landschaftsbild beeinflussen. Verm\u00f6gen k\u00fcnftige Siedlungsformen den Energieverbrauch, die Mobilit\u00e4t und die CO2-Emissionen zu verringern?Die Bev\u00f6lkerung der Schweiz konzentriert sich vorwiegend in den Metropolitanr\u00e4umen. Auf einem Viertel der Landesfl\u00e4che beherbergen die Agglomerationen drei &shy;Viertel der Bev\u00f6lkerung und vier F\u00fcnftel der Arbeitspl\u00e4tze. Hier tut ein r\u00e4umliches Gleichgewicht not zwischen den Metropolitanr\u00e4umen als Knoten der globalen Wirtschaft und den peripheren Gebieten, die von der Vielfalt der kleinen und mittleren Unternehmen gepr\u00e4gt sind.&#13;<\/p>\n<h2>Weshalb ein Raumkonzept Schweiz?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nZur gegenw\u00e4rtigen Situation hat m\u00f6glicherweise beigetragen, dass die Schweizer Raumentwicklung ihre Ziele seit Jahrzehnten nicht erreicht. Entgegen zahlreichen politischen Absichtserkl\u00e4rungen und planerischen Massnahmen verlief die Raumentwicklung des Landes bis heute nicht nachhaltig&#13;<br \/>\nVgl. Nachhaltigkeitsdefinition des Berichts \u00abUnsere &shy;gemeinsame Zukunft\u00bb (Bruntland-Bericht), 1987: &shy;\u00abEntwicklung, welche die heutigen Bed\u00fcrfnisse zu &shy;decken vermag, ohne f\u00fcr k\u00fcnftige Generationen die\u00a0M\u00f6glichkeiten zu schm\u00e4lern, ihre eigenen Bed\u00fcrf&shy;nisse zu decken&nbsp;\u00bb, Weltkommission f\u00fcr Umwelt und &shy;Entwicklung (WCED). und dies, obwohl sich das Raumplanungsgesetz die haush\u00e4lterische Nutzung des Bodens, eine hohe Siedlungsqualit\u00e4t und den Schutz der nat\u00fcrlichen Ressourcen bereits Ende der 1970er-Jahre auf die Fahne schrieb. Die zunehmende wirtschaftliche und gesellschaftliche Vernetzung, steigende Bev\u00f6lkerungszahlen, ein erh\u00f6hter Bedarf an Verkehrs-, Energie- und Kommunikationsinfrastrukturen sowie nicht zuletzt der wachsende Pro-Kopf-Konsum von Siedlungs- und Wohnfl\u00e4chen trugen dazu bei, die Bem\u00fchungen einer nachhaltigen Raumentwicklung zu unter&shy;laufen.Vor diesem Hintergrund entstanden bereits 1996 die <i>Grundz\u00fcge der Raumordnung Schweiz<\/i> und sp\u00e4ter der <i>Raumentwicklungs&shy;bericht 2005<\/i>. Letzterer erfasste die Haupttrends der r\u00e4umlichen Entwicklung:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>die Verst\u00e4dterung und die wachsende Bedeutung der Agglomerationen;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>die Verwischung der Unterschiede zwischen Stadt und Land;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>die Explosion der Mobilit\u00e4t.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nDie erkannte Dynamik wird der Forderung nach einer nachhaltigen Raumentwicklung jedoch nicht gerecht. Diese zu erf\u00fcllen bedeutet unter anderem, Lebensr\u00e4ume zu erhalten und nat\u00fcrliche Ressourcen mit R\u00fccksicht auf k\u00fcnftige Generationen zu nutzen.Basierend auf der Ansicht, dass die nachhaltige Gestaltung der Schweiz einer umfassenden und differenzierten Vorstellung \u00fcber m\u00f6gliche Entwicklungen bedarf, stellte der Raumentwicklungsbericht 2005 vier Szenarien zur Debatte:&#13;<br \/>\nVgl. Raumentwicklungsbericht 2005, S. 67\u201386. 1. eine Schweiz der Metropolen, 2. eine zersiedelte Schweiz, 3. eine polyzentrische urbane Schweiz und 4. eine Schweiz der Regionen. Diese Szenarien machten deutlich, dass die k\u00fcnftige Raumentwicklung nicht als Schicksal verh\u00e4ngt ist, sondern gestaltet werden kann. So forderte der Raumentwicklungsbericht 2005 ein Raumkonzept Schweiz, das auf dem vernetzten St\u00e4dtesystem von Szenario 3 aufbaut, jedoch den polarisierenden Konsequenzen und der Zersiedelung der anderen Szenarien entgegenwirkt.&#13;<\/p>\n<h2>Beispielhafte Erarbeitung durch &shy;Beh\u00f6rden aller Stufen<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Akteure des Raumkonzepts Schweiz teilten eine \u00dcberzeugung: Die starke r\u00e4umliche Verflechtung der erw\u00e4hnten Herausforderungen bedarf einer Staatsebenen \u00fcbergreifende Zusammenarbeit, die auch den horizontalen Austausch in funktionalen R\u00e4umen f\u00f6rdert. Um ihre Vorhaben auf eine gemeinsame Vision auszurichten, trafen Bund, Kantone, St\u00e4dte und Gemeinden im Mai 2006 eine Vereinbarung zur tripartiten Erarbeitung des Raumkonzepts Schweiz.Die Tr\u00e4gerorganisationen investierten f\u00fcnf Jahre Arbeit, bevor Bundesr\u00e4tin Doris Leuthard der \u00d6ffentlichkeit im Januar 2011 schliesslich einen Entwurf vorstellte und in eine breit angelegte Konsultation entliess. Nach weiteren zwei Jahren wurde das von Delegierten aller Stufen verabschiedete Raumkonzept in seiner definitiven Fassung im Dezember 2012 ver\u00f6ffentlicht.F\u00fcr die Erarbeitung wurden eine poli&shy;tische Begleitgruppe und eine technische &shy;Arbeitsgruppe eingesetzt. Bereits in den Jahren 2006-2007 fand ein Mitwirkungsprozess in Form von neun regionalen Foren statt. Um eine konsensf\u00e4hige Vision des Raums Schweiz zu formulieren, waren im weiteren Verlauf zum Teil schwierige Diskussionen und mehrere Fassungen von Texten und Karten n\u00f6tig. Im Zuge der Konsultation stellte sich heraus, dass die tripartite Projekt&shy;organisation dem F\u00f6deralismus zwar Rechnung getragen hatte, die r\u00e4umliche Vielfalt des Landes aber noch wenig hervorgehoben wurde. So erschien der Entwurf des Raumkonzepts als zu urban gepr\u00e4gt. Diese Wahrnehmung floss in die endg\u00fcltige Fassung ein, sodass sich schliesslich auch periphere Handlungsr\u00e4ume geb\u00fchrend ber\u00fccksichtigt sahen. Damit d\u00fcrfte der in der Raumplanung bisher einmalige Prozess f\u00fcr die Erarbeitung zuk\u00fcnftiger Mehr-Ebenen-Projekte auch in anderen Politikbereichen vorbildhaft sein.&#13;<\/p>\n<h2>Den Raum Schweiz gemeinsam gestalten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Schweiz ist gefordert, eine Trendwende hin zu einer ausgewogeneren und nachhaltigeren r\u00e4umlichen Entwicklung einzuleiten. Dies ist nur durch aktives Handeln seitens der Beh\u00f6rden und mit Hilfe aller verf\u00fcgbaren Kr\u00e4fte zu meistern. Um die Beteiligten f\u00fcr ein solches Vorgehen zu gewinnen und die unterschiedlichen Interessen auf einen Nenner zu bringen, braucht es ein klares\u00a0Ziel. Genau dies soll das Raumkonzept Schweiz bringen.Mit der gemeinsamen Erarbeitung einer Vorstellung von der k\u00fcnftigen r\u00e4umlichen Entwicklung des Landes haben Bund, Kantone, St\u00e4dte und Gemeinden etwas bisher Einmaliges in der Schweizer Raumplanung erreicht: Sie einigten sich auf einen allgemeinen Orientierungsrahmen und haben ihren Willen bekr\u00e4ftigt, diesen bei ihren raumwirk&shy;samen T\u00e4tigkeiten zu ber\u00fccksichtigen. Die vorgesehene, auf Freiwilligkeit und Mitverantwortung basierende Zusammenarbeit aller drei Staatsebenen ist vielerorts bereits \u2028Realit\u00e4t, so zum Beispiel in der Regionalpolitik und in der Sachplanung.Die Leitidee des Raumkonzepts Schweiz besteht darin, Vielfalt, Solidarit\u00e4t und Wettbewerbsf\u00e4higkeit zu erhalten. Darauf aufbauend gibt es f\u00fcnf Ziele, die auf die Kon&shy;kretisierung der nachhaltigen r\u00e4umlichen Entwicklung hinauslaufen:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Siedlungsqualit\u00e4t und regionale Vielfalt f\u00f6rdern;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>nat\u00fcrliche Ressourcen sichern;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Mobilit\u00e4t steuern;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Wettbewerbsf\u00e4higkeit st\u00e4rken;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Solidarit\u00e4t leben.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2>Drei Strategien<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAus der Leitidee und den f\u00fcnf Zielen resultieren drei Strategien und ihre jeweils zugeordneten Handlungsans\u00e4tze. Mit der <i>ersten Strategie<\/i> sollen <i>Handlungsr\u00e4ume gebildet und das polyzentrische Netz von St\u00e4dten und Gemeinden gest\u00e4rkt<\/i> werden. Die Schweiz ist dezentral organisiert. Ihr Raum ist von vielf\u00e4ltigen Zentren gepr\u00e4gt, wodurch Arbeitspl\u00e4tze, Versorgungs-, Bildungs-, Dienstleistungs- und Freizeiteinrichtungen gut erreichbar sind. Die unterschiedlichen Regionen sollen ihre spezifischen St\u00e4rken und Besonderheiten aktiv f\u00f6rdern. Dem \u00ab\u00dcberall-alles-Ansatz\u00bb und der damit einhergehenden Uniformierung hingegen soll entgegengewirkt werden. Sie setzen die Vielfalt der Landschaften und die Qualit\u00e4t der Siedlungen aufs Spiel. Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur sind gleichwohl eng miteinander verflochten \u2013 auch international \u2013 und bilden so genannte funktionale R\u00e4ume. Die Zusammenarbeit und das Entwickeln gemeinsamer Strategien sollen sich vermehrt auf solche \u00fcbergeordnete Handlungsr\u00e4ume beziehen und auf eine r\u00e4umliche Gesamtwirkung abzielen.Die <i>zweite Strategie<\/i> will die <i>Siedlungen und Landschaften qualitativ aufwerten<\/i>. Durch das ungehemmte Wachstum von Siedlungsgebieten und Infrastrukturen stehen die Kulturlandfl\u00e4chen nach wie vor unter Druck. In Bergregionen breiten sich Busch- und Waldland auf ehemaligen Landwirtschaftsfl\u00e4chen aus. Das Kulturland stellt aber nicht nur eine ausreichende Versorgung sicher, sondern spielt auch eine wichtige Rolle f\u00fcr die Biodiversit\u00e4t, den Tourismus, das Grundwasser und nicht zuletzt als Naher&shy;holungsraum f\u00fcr Stadtbewohnerinnen und -bewohner. Deshalb gilt es, verbleibende Kulturlandfl\u00e4chen und zusammenh\u00e4ngende nat\u00fcrliche Lebensr\u00e4ume zu erhalten und miteinander zu vernetzen. F\u00fcr die Landschaftsqualit\u00e4t massgebend sind nat\u00fcrliche Gegebenheiten, aber nicht minder menschliche Nutzung und Gestaltung. Dies zeigen beispielsweise Waldweiden, Weinberge oder spektakul\u00e4re Br\u00fcckenbauten. Die Schweizer Landschaftsarchitektinnen und -architekten postulierten denn auch unl\u00e4ngst: \u00abLandschaft nutzen, heisst Landschaft gestalten. Das gilt es ins Bewusstsein zu r\u00fccken, wenn wir die Qualit\u00e4ten erkennen und erhalten und neue Qualit\u00e4ten schaffen wollen.\u00bb&#13;<br \/>\nBund Schweizer Landschaftsarchitekten und Landschaftsarchitektinnen (BSLA), Arbeitsgruppe Freiraum- und Landschaftsentwicklung, Landschaftsmanifest, in\u00a0Hochparterre, 04.05.2011. Unbebaute Fl\u00e4chen zu bewahren, bedeutet Siedlungen zu begrenzen und den Bedarf an neuen Wohn-, Arbeits- und Infrastrukturfl\u00e4chen auf bereits urbanisierte Gebiete zu lenken. Mit der <i>dritten Strategie<\/i> sollen <i>Verkehr, Energie und Raumentwicklung aufeinander abgestimmt<\/i> werden. Sie zielt darauf ab, die ausufernde Mobilit\u00e4t zu kanalisieren und die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Schweiz durch \u2028eine optimale, finanziell tragbare Erschliessung zu st\u00e4rken. Dank mehr Koordination im Infrastrukturbereich lassen sich nat\u00fcrliche Ressourcen bewahren. Metropolitane und st\u00e4dtische Zentren m\u00fcssen durch unterschiedliche Verkehrstr\u00e4ger miteinander verbunden sowie international vernetzt sein. Auch die l\u00e4ndlichen Zentren und ihre umliegenden R\u00e4ume bed\u00fcrfen einer angemessenen Erschliessung. Der Anteil des Langsamverkehrs, der heute bei weniger als 10% liegt, muss erh\u00f6ht werden, speziell in Agglomerationsgebieten. Kompakte Siedlungen verringern nicht nur den Mobilit\u00e4tskonsum sondern reduzieren den Energieverbrauch durch optimierte Geb\u00e4udetypologien, effiziente Energienetze und die gute Erreichbarkeit von Einrichtungen.&#13;<\/p>\n<h2>Wie geht es weiter?<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Raumkonzept wurde von den Beh\u00f6rden aller Staatsebenen als Orientierungsrahmen und Entscheidungshilfe definiert. Es enth\u00e4lt die Handlungsans\u00e4tze, welche k\u00fcnftig in die Instrumente, Verfahren und raumwirksamen T\u00e4tigkeiten einfliessen sollen. Die Umsetzung geschieht stufengerecht und durch Zusammenarbeit \u00fcber institutionelle Grenzen hinweg. Auch private Akteure sollen mittun. Die r\u00e4umlichen Auswirkungen der Anwendung sollen regelm\u00e4ssig evaluiert werden. Die Voraussetzungen f\u00fcr das Ar&shy;beiten in Handlungsr\u00e4umen werden nach und nach geschaffen sowie die Qualit\u00e4t von Siedlungen und Landschaften regelm\u00e4ssig &shy;diskutiert.An ihrer Abschlusssitzung im Januar 2013 verabschiedete die politische Begleitgruppe des Raumkonzepts das Vorgehen f\u00fcr die &shy;Folgearbeiten. Dieses zielt darauf ab, bestehende Aktivit\u00e4ten \u2013 wie Modellvorhaben, Forschungsprogramme oder regionale Leitbilder \u2013 zu unterst\u00fctzen, den Informationsaustausch zu f\u00f6rdern und die Koordination zu st\u00e4rken. Auf die Lancierung v\u00f6llig neuer Projekte soll vorl\u00e4ufig bewusst verzichtet werden. Wichtige Themen sind dabei das gemeinsame Arbeiten in Handlungsr\u00e4umen, die Agglomerationspolitik, die Gesamtstrategie f\u00fcr l\u00e4ndliche R\u00e4ume, die Koordination von Verkehr, Energie und Raum sowie der Nutzen-Lasten-Ausgleich. Ebenfalls einfliessen soll die Energiestrategie 2050. Die Akzeptanz des Raumkonzepts in weiten Kreisen der Verwaltung und der \u00d6ffentlichkeit soll durch gezielte Kommunikation und gemeinsames Anpacken weiter gest\u00e4rkt werden.Die Staatsebenen \u00fcbergreifende Zusammenarbeit geht also weiter. Die Federf\u00fchrung \u00fcbernimmt dabei eine tripartite &shy;Kerngruppe, die aus den Gesch\u00e4ftsstellen der Konferenz der Kantonsregierungen, der Bau-, Planungs- und Umweltdirektoren-Konferenz, des St\u00e4dteverbands, des Gemeindeverbands sowie dem Bundesamt f\u00fcr Raumentwicklung besteht. Die politischen Entscheidungstr\u00e4ger werden laufend informiert und bei strategischen Fragen beigezogen. Die neue Organisationsform erm\u00f6glicht eine flexible und dynamische Umsetzung des Raumkonzepts Schweiz. Hauptaufgaben des Kernteams sind Information, \u00d6ffentlichkeitsarbeit, Dokumentation, Monitoring und Bedarfsermittlung.&#13;<\/p>\n<h2>Fazit<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Schweiz steht vor grosse Herausforderungen, die aber auch vielf\u00e4ltige Chancen f\u00fcr eine nachhaltige Raumentwicklung er\u00f6ffnen. Mit dem Raumkonzept Schweiz liegen erstmals konsensf\u00e4hige Strategien vor, wie sich das gemeinsame Handeln in der Raumentwicklung aktiv, differenziert und kreativ gestalten l\u00e4sst. Die Akzeptanz und das Verst\u00e4ndnis des auf Freiwilligkeit beruhenden Raumkonzepts muss durch stetige Information und einen lebhaften Erfahrungsaustausch in weiten Kreisen der Administration, der Fachwelt und der Bev\u00f6lkerung weiter gest\u00e4rkt werden. Nur so kann es den gew\u00fcnschten Einfluss erlangen und dazu beitragen, dass alle betroffenen Akteure an einem Strick ziehen. Es ist wichtig, das Gleichgewicht zwischen unterschiedlichen Teil- und Handlungsr\u00e4umen zu wahren. Urbane Zentren und l\u00e4ndliche Gebiete sollen gleichermassen einbezogen und an der Umsetzung beteiligt werden. Das in der Raumplanung bisher einmalige Vorgehen einer tripartiten Erarbeitung des Raumkonzepts Schweiz ist ein gelungenes Experiment. Die Kooperation \u00fcber alle drei Staatsebenen hinweg ist beispielhaft und k\u00f6nnte bei k\u00fcnftigen Projekten auch in anderen Politikbereichen erfolgversprechend zur Anwendung kommen.&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abFl\u00e4chenanteile der Arealstatistik 2009\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abEntwicklung der Bodennutzung, 1985\u20132009\u00bb<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Raumentwicklung der Schweiz verl\u00e4uft bis heute nicht nach&shy;haltig \u2013 trotz dem seit Ende der 1970er-Jahre bestehenden Raumplanungsgesetz und der darin &shy;verankerten Ziele einer haush\u00e4lterischen Nutzung des Bodens, einer hohen Siedlungsqualit\u00e4t und dem Schutz der nat\u00fcrlichen Ressourcen. Das\u00a0Raumkonzept Schweiz will die nachhaltige r\u00e4umliche Entwicklung der Schweiz f\u00f6rdern. 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