{"id":119004,"date":"2013-04-01T12:00:00","date_gmt":"2013-04-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2013\/04\/juen-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:24:50","modified_gmt":"2023-08-23T21:24:50","slug":"juen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2013\/04\/juen\/","title":{"rendered":"Der Schweizer Tourismus ben\u00f6tigt einen New Deal"},"content":{"rendered":"<p>Die Voraussetzungen f\u00fcr den &shy;Tourismusstandort Schweiz k\u00f6nnten eigentlich nicht besser sein: Im Gegensatz zu vielen S\u00e4ttigungsg\u00fctern des t\u00e4glichen &shy;Bedarfs ist die Nachfrage nach Tourismusleistungen weltweit auf\u00a0steilem Wachstumspfad. &shy;Warum stagnieren aber die \u00dcbernachtungszahlen in der Schweiz seit rund 40 Jahren? Unser Tourismus ist nicht nur eine be&shy;deutende Exportbranche, sondern auch eine wichtige wirtschaftliche St\u00fctze im Alpenraum. Warum gelingt es der Schweiz als \u2013 un&shy;bescheiden formuliert \u2013 sch\u00f6nstes Land der Welt nicht, sich vom\u00a0weltweiten touristischen Wachstumstrend eine Scheibe abzuschneiden?&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDer Strukturwandel in der alpinen Hotellerie wird vor dem Hintergrund eines seit \u00fcber 20 Jahren schleichenden Nachfrager\u00fcckgangs via Betriebsschliessungen und Umnutzungen ausgetragen, statt \u00fcber Renovationen und Wachstum. Dabei w\u00e4ren die Grundlagen und Erkenntnisse, um aus dieser Situation auszubrechen und in einen neuen Wachstumspfad einzubiegen:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Der Stammgast von einst hat heute ein v\u00f6llig anderes Profil. Er bucht kurzfristig, geniesst k\u00fcrzere Aufenthalte und ist unberechenbarer.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Der Ferientourismus muss unternehmerischer, innovativer werden. Der Hotelier, der sich als Allesk\u00f6nner f\u00fcr alle G\u00e4stesegmente begreift, hat heute ausgedient. Spezialisierungen und Konzentration auf das Wesentliche sind die neuen Erfolgsfaktoren.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Die wirtschaftlichen Chancen und Produktivit\u00e4tsverbesserungen sind zu realisieren. Das gelingt in Kooperation mit anderen touristischen Anbietern, sei es vertikal oder horizontal, um einiges besser. Die Destinationsphilosophie ben\u00f6tigt deshalb nach 20 Jahren der Theorie endlich das Eintauchen in die Praxis.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Ohne internationale G\u00e4ste k\u00f6nnen die vorhandenen Kapazit\u00e4ten niemals ausgelastet werden. Die Erschliessung neuer internationaler Quellm\u00e4rkte gem\u00e4ss der Dualstrategie von Schweiz Tourismus ist deshalb unabdingbar.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Der touristische Anbieter muss sich nach den ver\u00e4nderten Marktbed\u00fcrfnissen richten. Dazu hat er mit Blick auf die neuen Quellm\u00e4rkte sein interkulturelles Verst\u00e4ndnis bed\u00fcrfnisgerecht zu sch\u00e4rfen und die entsprechenden Instrumente aufzubauen.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Die internationalen Kostennachteile unserer Volkswirtschaft, speziell bei den &shy;Vorleistungen der touristischen Produkte, m\u00fcssen endlich eliminiert werden. Neben dem Luxussegment ben\u00f6tigen wir in preissensiblen Bereichen quantitativ eine breite Tourismusnachfrage.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2>Ohne Wachstum ist Erfolg nicht m\u00f6glich<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nNur \u00fcber eine wachsende Tourismuswirtschaft l\u00e4sst sich Geld verdienen und der laufende Strukturwandel ohne schmerzhafte Verluste bew\u00e4ltigen. Und nur so lassen sich sowohl die Kapazit\u00e4ten auslasten, als auch notwendige Renovationen und Innovationen aus eigenen Ertr\u00e4gen finanzieren. Der Tourismus m\u00fcsste daher im Gleichschritt mit unserer gesamten Volkswirtschaft wachsen, um seine grosse Bedeutung in der Branchenlandschaft verteidigen zu k\u00f6nnen. Ohne stabilit\u00e4tsorientierte makro\u00f6konomische Wirtschaftspolitik ist das nicht zu erreichen. Zudem sind die tourismuspolitischen Instrumente in ihrer Ausrichtung und Wirkung zu optimieren und zielgerichteter einzusetzen. Aber das reicht nicht. Um den Wachstumsschub anzustossen, ben\u00f6tigt der Schweizer Tourismus einen <i>New Deal<\/i>:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Das Ferienland Schweiz ist in der Seele und im Wertebewusstsein eines jeden Schweizers neu zu verankern (\u00abHeimatfeeling\u00bb).<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Die Schweizer Markentr\u00e4ger sind effizienter zu vernetzen.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>F\u00fcr eine zielgruppengerechte Bearbeitung der neuen Quellm\u00e4rkte sind erheblich mehr Mittel einzusetzen.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2>Qualit\u00e4t und Innovation<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIst der Schweizer Tourismus zu wenig innovativ und qualitativ zu schwach? Zwei Initiativen der letzten Jahre sprechen dagegen. Vor rund 12 Jahren wurden zwei Projekte gestartet, um den Tourismus mit dem Qualit\u00e4ts- und Innovationsvirus zu infizieren:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Das Qualit\u00e4tsg\u00fctesiegel ist mittlerweile zu einem zus\u00e4tzlichen Eckpfeiler des Sterne-Klassifikationssystems von Hotelleriesuisse geworden. Es ist aus dem Orientierungsrahmen und Qualit\u00e4tsbewusstsein des Hoteliers nicht mehr wegzudenken.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Der Tourismuspreis Milestone hat sich zu einem eigentlichen Ideengenerator entwickelt und liefert Jahr f\u00fcr Jahr Rezepte und Projekte, die auch in andere Zusammenh\u00e4nge \u00fcbertragen und durch Erzielung von Wertsch\u00f6pfung realisiert werden k\u00f6nnen.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nDie Perspektiven f\u00fcr den Tourismus&shy;standort Schweiz sind also durchaus intakt. Nutzen wir doch die Chancen!<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Voraussetzungen f\u00fcr den &shy;Tourismusstandort Schweiz k\u00f6nnten eigentlich nicht besser sein: Im Gegensatz zu vielen S\u00e4ttigungsg\u00fctern des t\u00e4glichen &shy;Bedarfs ist die Nachfrage nach Tourismusleistungen weltweit auf\u00a0steilem Wachstumspfad. &shy;Warum stagnieren aber die \u00dcbernachtungszahlen in der Schweiz seit rund 40 Jahren? Unser Tourismus ist nicht nur eine be&shy;deutende Exportbranche, sondern auch eine wichtige wirtschaftliche St\u00fctze im Alpenraum. 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