{"id":119024,"date":"2013-04-01T12:00:00","date_gmt":"2013-04-01T12:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/2013\/04\/laesser-2\/"},"modified":"2023-08-23T23:25:08","modified_gmt":"2023-08-23T21:25:08","slug":"laesser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dievolkswirtschaft.ch\/de\/2013\/04\/laesser\/","title":{"rendered":"Neue Vermarktungsans\u00e4tze im Schweizer Tourismus"},"content":{"rendered":"<p>Die Globalisierung sowie die Technologisierung der Kommunikations- und Vertriebskan\u00e4le sind eine st\u00e4ndige Herausforderung f\u00fcr das touristische Marketing von Destinationen. In zwei Reformschritten hat die Tourismusbranche in den Alpenl\u00e4ndern versucht, diesen Herausforderungen gerecht zu werden. Der sich beschleunigende Wandel wirft die Frage auf, ob nicht ein grunds\u00e4tzlich neues Bild der Tourismusorganisation notwendig ist. Die Autoren entwerfen im folgenden Artikel deshalb ein Konzept, das sich von der polit-r\u00e4umlichen Strukturierung des Tourismusmarketings l\u00f6st und potenziell skalierbare Arbeitsprozesse in den Vordergrund stellt.&#13;<br \/>\nDer vorliegende Artikel basiert auf dem Grundlagenbericht der Autoren zu \u00abDestinationsstrukturen der 3. Generation \u2013 Der Anschluss zum Markt\u00bb (und der dort zitierten Literatur) sowie auf verschiedenen abgeschlossenen und laufenden Umsetzungsprojekten, die auf den Erkenntnissen dieses Berichts basieren (so etwa im Rahmen zweier Innotour-Projekte des Seco). <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"article_rect\" src=\"\/dynBase\/images\/article_rect\/201304_08_Laesser_01.eps.jpg\" alt=\"\" width=\"370\" height=\"241\" \/>&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nDie umfassende und vermehrt mobile Verf\u00fcgbarkeit von Informationen hat Vermarktungs- sowie Vertriebsstrukturen und -prozesse revolutioniert. Dies gilt insbesondere im Tourismus, der immer schon als \u00abInformationsgesch\u00e4ft\u00bb galt. Eine Mehrheit der Innovationen in der Informationstechnologie \u2013 wie etwa Buchungsm\u00f6glichkeiten im Internet \u2013 wurden im Tourismus bereits fr\u00fch umgesetzt. E-Business und E-Gesch\u00e4ftsmodelle haben auch interne Leistungsprozesse ver\u00e4ndert. Heute verlangt ein sprunghafter, hyperdynamischer Konsument immer kurzfristiger \u2013 h\u00e4ufig bereits unterwegs \u2013 auf seine Bed\u00fcrfnisse zugeschnittene Informationen \u00fcber Angebot und Dienstleistungen.In mittlerweile zwei wesentlichen Reformschritten (Destinationsmanagement \u201995 und Destinationsmanagement \u201905) hat die Tourismusbranche in den traditionellen Alpenl\u00e4ndern versucht, den notwendigen Wandel in neuen Strukturen f\u00fcr das Destina&shy;tionsmanagement nachzuvollziehen. Die hierzu aufgegriffenen Massnahmen waren eher struktureller Natur und zielten auf die Gewinnung von Skaleneffekten durch Gr\u00f6sse in einem r\u00e4umlich klar begrenzten Gebiet. Der Aufwand f\u00fcr diesen organisationellen Wandel war aufgrund der Dezentralit\u00e4t der beteiligten Institutionen und Akteure sowie der Politisierung der Prozesse auf allen Stufen zeitlich, personell und finanziell enorm, insbesondere auch in Form von Beratungsaufwand. Gleichzeitig zeigte sich, dass diese Schritte unumg\u00e4nglich waren, um die f\u00fcr die Finanzierung der steigenden Marketingkosten notwendigen finanziellen Ressourcen zu sichern und die f\u00fcr qualifiziertes Fachpersonal ausreichende Attraktivit\u00e4t als Arbeitgeber zu erhalten.Angesichts des sich beschleunigenden Wandels dr\u00e4ngt sich heute die Frage auf, ob nicht ein grunds\u00e4tzlich neues Bild der Tourismusorganisation notwendig ist. Wir postulieren deshalb, <i>von der polit-r\u00e4umlichen Strukturierung des Tourismusmarketings abzukehren und in Zukunft potenziell skalierbare Arbeitsprozesse in den Vordergrund zu stellen<\/i>. Im Folgenden werden m\u00f6gliche Wege und Begr\u00fcndungen f\u00fcr diese Vorgehensweise aufgezeigt.&#13;<\/p>\n<h2>Herausforderungen im Tourismus- und Destinationsmarketing<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAufgrund der fortschreitenden Globalisierung hat sich seit Mitte der 1990er-Jahre die weltweite Konsolidierung in der Tourismusindustrie beschleunigt. Diese Konsolidierung ist gekennzeichnet durch eine Reihe von Entwicklungen:Die <i>Globalisierung im Tourismus<\/i> ist allgegenw\u00e4rtig. Sie zeigt sich u.a. im Aufkommen neuer Destinationen mit einer immer besseren Erreichbarkeit und in der wachsenden Dominanz internationaler Tourismuskonzerne, aber auch in der Verbreitung integrierter Gesch\u00e4ftsmodelle und Destinationsformen. Diese versuchen, auf globaler Stufe die bestehende Nachfrage zu bedienen und eine neue Nachfrage zu generieren.Zudem ist eine zunehmende <i>Ausdifferenzierung der Leistungen<\/i> in \u00abMass vs. Class\u00bb zu beobachten. F\u00fcr die global zunehmende Massennachfrage ist eine weitgehende Standardisierung und Kommerzialisierung vieler Leistungen erkennbar. Gleichzeitig zeigen sich im kaufkraftstarken Bereich neue attraktive Nischen, beispielsweise im Gesundheits- oder Erlebnisbereich.Auf Ebene der <i>Marktstrukturen<\/i> ist aufgrund der Verbreitung des Internets ein zunehmender Wettbewerb zwischen Verkaufsplattformen und -kan\u00e4len feststellbar. Hierbei wirken starke Netzeffekte, so dass eine Konsolidierung und Fokussierung auf effiziente Verkaufs- oder Empfehlungsplattformen zu erwarten ist. Damit verbunden sind zwei wesentliche Entwicklungen:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Multi-Channelling: Promotion und Verteilung von Information sowie Buchungsm\u00f6glichkeiten erfolgen parallel \u00fcber verschiedene Kan\u00e4le an verschiedenen Verkaufsfl\u00e4chen. Dies erh\u00f6ht die Marketingkosten f\u00fcr die Destinationen;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Aufkommen digitaler sozialer Netzwerke: Die Kommunikation findet nicht mehr nur im Bereich B2B (zwischen Unternehmen) oder B2C (zwischen Unternehmen und Kunden) , sondern zunehmend auch C2C (zwischen Kunden). Damit wird Kommunikation f\u00fcr die Unternehmen noch schwieriger und im Endeffekt teurer.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nParallel zum Multi-Channelling auf der Anbieterseite findet sich das <i>Channel-Swapping auf der Kundenseite<\/i>. Wie verschiedene Studien zeigen,&#13;<br \/>\nVgl. z.B. Bieger &amp; Laesser (2004). nutzt auch der Kunde Kommunikations- und Kaufkan\u00e4le situativ und opportunistich entlang des Entscheidungs- und Kaufprozesses. Durch die vermehrte mobile Abfrage werden klassische intermedi\u00e4re Vertriebswege (Einschluss von Vertriebsorganisationen) zunehmend umgangen.&#13;<\/p>\n<h2>Die bisherigen Antworten<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIm Alpenraum haben nur wenige Destinationen f\u00fcr diese Entwicklungen passende Antworten gefunden \u2013 und wenn, dann oft mit Unterst\u00fctzung grosser Tourismusunternehmen oder international ausgerichteter Leitbetriebe (z.B. Bergbahnunternehmen, Freizeitattraktionen und -parks). Der Grossteil der Tourismusorganisationen hat sich jedoch auch in dieser Phase der Konsolidierung bez\u00fcglich ihrer Arbeitsweise und Strukturierung kaum ver\u00e4ndert.Seit rund 2005 wurde in verschiedenen Kantonen \u2013 etwa Graub\u00fcnden oder Wallis \u2013 die Frage nach den optimalen Destinationsstrukturen im Hinblick auf diese Entwicklungen neu gestellt. Die wesentlichen Merkmale der dabei entwickelten Konzepte sind folgende:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Gr\u00f6ssere Destinationsr\u00e4ume mit entsprechenden Organisationen, die in der Lage sind, Budgets von mindestens 7 Mio. Franken zu generieren.&#13;<br \/>\nVgl. Bieger, Laesser &amp; Weinert (2006).<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Diese neue Gr\u00f6ssenlogik ist vor allem getrieben durch das Multi-Channelling und die damit entstehenden Aufgabenerweiterungen und -vertiefungen.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Trennung zwischen territorialen und &shy;Verkaufsaufgaben: Territorial und fl\u00e4chendeckend m\u00fcssen die Gestaltung der &shy;touristischen Rahmenbedingungen (Lobbying-Funktion) und der Zugang zu Verkaufskan\u00e4len im Internet erfolgen. Kommerzielle Produktentwicklung, Verkauf sowie Markenentwicklung und -pflege kann an Destinationsorganisationen mit der erw\u00e4hnten kritischen Gr\u00f6sse oder an nicht raumgebundene Plattformen \u00fcbergeben werden.&#13;<br \/>\nVgl. Beritelli, Bieger, &amp; Laesser (2009); Bieger et al. (2006).<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nDer Wandel vom Destinationsmanagement \u201995 zu \u201905 ist in den meisten Schweizer Regionen noch in vollem Gange. Mittlerweile hat sich gezeigt, dass mit der Ausrichtung auf minimale Budgetgr\u00f6ssen seit Mitte der 1990er-Jahre viele Tourismusorganisationen verst\u00e4rkt marktorientierte Aufgaben wahrnehmen. Die Neuausrichtung auf Produktaufgaben und die gleichzeitige Emanzipation von den reinen Territorialaufgaben hat &shy;jedoch nur teilweise Erfolg gehabt. Ein m\u00f6glicher Grund hierf\u00fcr ist, dass sich die &shy;bisherigen Entwicklungen der Tourismusorganisationen zu sehr auf die Strukturen und zu wenig auf die Arbeitsprozesse konzentriert haben. Ein weiterer Grund liegt in den immer noch politisch gepr\u00e4gten regionalen Eignerstrukturen dieser Organisationen. So sind viele Tourismusorganisationen immer noch gr\u00f6sstenteils durch Gelder aus \u00f6ffent&shy;lichen Quellen finanziert (Gemeinde-, &shy;Kantonsbeitr\u00e4ge, Kurtaxen, Tourismusf\u00f6r&shy;derungsabgaben, etc.), weshalb weite Interessenkreise Eigneranspr\u00fcche auf die Tourismusorganisation erheben.&#13;<\/p>\n<h2>Der alternative Ansatz: Funktion und Prozess vor Territorium<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nAls weiterer Entwicklungsschritt f\u00fcr Tourismusorganisationen bietet sich die weitgehende Abl\u00f6sung von der territorialen Sicht und die Orientierung an die Prozesssicht an. Im Vordergrund stehen dabei auf M\u00e4rkte ausgerichtete Aktionspl\u00e4ne. Diese k\u00f6nnen in Form eines <i>Marketing Funnel<\/i> (siehe <i>Grafik 1<\/i>) strukturiert werden, der den Marketing-Wirkungsprozess widerspiegelt. Die dem Marketing Funnel zu Grunde liegende Sichtweise ist ein Kundenprozess (siehe <i>Grafik 2<\/i>), an dem sich das Tourismusmarketing letztlich orientierten sollte.In diesem prozessorientierten touristischen Marketing m\u00fcssen die Aufgaben der einzelnen Partner \u2013 von der Produktentwicklung \u00fcber Aufmerksamkeitsgenerierung, Bed\u00fcrfniserweckung, aktivem Verkauf, \u2028Buchung, Serviceerbringung bis zur Stammkundenbetreuung \u2013 gekl\u00e4rt werden. So ist \u2028es denkbar, dass die Marktforschung f\u00fcr einzelne M\u00e4rkte von der Tourismusorgani&shy;sation, f\u00fcr andere vom gr\u00f6ssten Bergbahnunternehmen vor Ort verantwortet wird. \u2028Die Produktentwicklung liegt in einem Markt bei der Tourismusorganisation, in \u2028einem anderen bei den Hoteliers. Grunds\u00e4tzlich d\u00fcrfte die St\u00e4rke von Tourismusorga&shy;nisationen im Reputationsmanagement und in der Erzeugung von Aufmerksamkeit \u2028liegen. Um gebrochene Wirkungsketten zu vermeiden, muss diese generierte Aufmerksamkeit von konkreten Produkten bedient und dieselben aktiv vermarktet werden. Noch zu h\u00e4ufig gibt es hier Br\u00fcche, die in\u00a0unproduktiven Marketinginvestitionen m\u00fcnden.&#13;<\/p>\n<h2>Konsequenzen f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Destinationsentwicklung<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nIn Konsequenz der vorangegangenen \u00dcberlegungen schlagen wir vor, vermehrt in flexiblen prozessorientierten Netzwerkstrukturen zu denken und damit die regional ausgerichtete Imagewerbung und Markenentwicklung in Produktentwicklung und -vertrieb zu \u00fcberf\u00fchren. Wir unterscheiden in der Folge in jedem Netzwerk drei wichtige Player (siehe <i>Grafik 3<\/i>):&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Systemk\u00f6pfe im Angebotsnetzwerk;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Market Mavens (Marktexperten) im Nachfragenetzwerk;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Portale, welche Systemk\u00f6pfe und Market Mavens verbinden.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<\/p>\n<h2>Systemk\u00f6pfe<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nEin Systemkopf im Angebotsnetzwerk steuert bzw. treibt den Marketing Funnel. Dies kann zum Beispiel die wichtigste Attraktion im Ausflugstourismus oder eine Hotelgruppe im Aufenthaltstourismus sein. Der Systemkopf ist also der Leader eines angebotsseitigen Netzwerks. Er besitzt oder schafft Zugang zu Portalen, welche wiederum Zugang zu spezifizierten Kundensegmenten haben. In Bezug auf den Marketing Funnel ist der Systemkopf f\u00fcr eine Reihe von Aufgaben verantwortlich (siehe <i>Kasten 1<\/i>&#13;<\/p>\n<h3>Aufgaben eines Systemkopfes<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Initiative: Er initiiert den Prozess zum Aufbau und Betrieb eines Marketing Funnels;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Koordination Vorbereitung: Er steuert den Prozess in der Vorbereitungs- bzw. Konzeptionsphase;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Steuerung Umsetzungsprozess: Er steuert die Umsetzung;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Inhalte: Er liefert gemeinsam mit Partnern Inhalte;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>F\u00fchrung im taktischen Marketing: Dazu geh\u00f6rt insbesondere der Zugang zu Preisfestsetzungsinstrumenten und zur Kapazit\u00e4tssteuerung im Rahmen von Systemen der nachfrageorientierten Preissteuerung.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\n). Diese kann er selber ausf\u00fchren oder outsourcen.&#13;<\/p>\n<h2>Market Mavens<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Gegenst\u00fcck zum Systemkopf auf der Anbieterseite ist auf der Nachfrageseite der Market Maven. Diese Person oder Institution mit einem Wissensvorsprung steuert oder beeinflusst die Informationsverteilung \u2013 und bestenfalls die Entscheidungsfindung \u2013 potenzieller G\u00e4ste (klassisch als Key Account Intermedi\u00e4r oder vermehrt auch als zentraler Player in einem sozialen Netzwerk). Im Idealfall handelt es sich hierbei um ein eigentliches <i>Buying Center<\/i>.Systemk\u00f6pfe wie Market Mavens sind gekennzeichnet durch eine <i>zentrale Position im Netzwerk<\/i>. Sie f\u00fchren mehrere Teile weiterf\u00fchrender Netzwerke als Verbindungsknoten nicht nur zusammen, sondern beeinflussen diese als wichtige Informationsvermittler und Meinungsbildner.&#13;<br \/>\nVgl. Jones et al. (1997); Hill et al. (2006). Ein wunderbares und unterhaltsames Beispiel liefert der 2009 publizierte Spielfilm \u00abThe Jones\u00bb).&#13;<\/p>\n<h2>Portale<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nWo Systemk\u00f6pfe aus eigener Kraft mit Market Mavens erfolgreich operieren, sind Portale von untergeordneter Bedeutung. Wenn jedoch die Verbindung aufgrund beschr\u00e4nkter Ressourcen oder mangelnder Kompetenzen der Systemk\u00f6pfe oder fehlendem Zugang der Market Mavens zum Destinationsangebot nicht hergestellt werden kann, erweitert sich das Konzept des virtuellen Portals auf eine operative Einheit, welche mit <i>Koordinations- und Vermittlungskompetenzen<\/i> ausgestattet ist. Hier sind Destinationsmanagement-Organisationen der neuen Generation gefragt, die gezielt Angebote koordinieren sowie den Nachfrage- und Angebotsnetzwerken zuf\u00fchren.Der <i>Marketing Funnel<\/i> ist deshalb auch auf jede relevante Verbindung in diesen Netzwerken anzuwenden. Um eine Analogie aus der Physiologie zu benutzen: Angebots- und Nachfragenetzwerke bilden das Skelett des Marketing Funnels. Systemk\u00f6pfe, Market Mavens und Portale stellen die Muskeln dar, welche es dem Marketing Funnel erlauben, sich zu bewegen und flexibel zu bleiben. \u2028Die Informations-, Kommunikations- und Transaktionsfl\u00fcsse zwischen Systemk\u00f6pfen, Market Mavens und Portalen entsprechen dem Blut, welches den Marketing Funnel &shy;lebensf\u00e4hig macht.&#13;<\/p>\n<h2>Destinationsmanagement der Zukunft<\/h2>\n<p>&#13;<br \/>\nDas Destinationsmanagement der Zukunft ist durch drei Entwicklungen gepr\u00e4gt:&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Weg von der Fixierung auf die Optimierung von Destinationsstrukturen, hin zu einer Orientierung an Transformationsrichtungen und an den daf\u00fcr notwendigen Entwicklungsprozessen. Wichtig ist, dass sich die Verantwortlichen im Klaren sind, wie der gesamte Marketingprozess von der Produktentwicklung bis zum Kundenbindungs-Management und zum aktiven Verkauf optimal gestaltet werden kann und wie sich die Funktionalit\u00e4t und Rolle der eigenen Organisation in Zukunft wandelt. Dieser Wandel (bzw. dessen Richtung) ist Gegenstand eigener strategischer \u00dcberlegungen.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Weg von einer Orientierung an Territorien, hin zu einer Orientierung an Aufgaben innerhalb von Marketingprozessen. Ziel m\u00fcsste es sein, in eigentlichen Prozesslandkarten als Abstimmungsinstrumente die Aufgaben der einzelnen Teilorganisationen aufzuzeigen, die \u00dcberg\u00e4nge im Marketing Prozess sicherzustellen und so die Funktionsweise des Marketings in einer Region und nicht die Aufgabenerf\u00fcllung einer einzelnen Tourismusorganisation zu optimieren.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Weg von einer Budgetorientierung, hin zu einer Marktorientierung. Die Diskussion um kritische Budgets sollte weniger durch die Organisation, als vielmehr vom Markt getrieben sein. Je kleiner das Budget, desto kleiner der Markt. Doch ein Markt kann immer in irgendeiner Form sinnvoll bearbeitet werden.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nGrafik 1: \u00abMarketingfunnel im Tourismus\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 2: \u00abKundenprozess im Tourismusmarketing\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nGrafik 3: \u00abNetzwerklogik im Tourismusmarketing\u00bb&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\nKasten 1: Aufgaben eines Systemkopfes&#13;<\/p>\n<h3>Aufgaben eines Systemkopfes<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Initiative: Er initiiert den Prozess zum Aufbau und Betrieb eines Marketing Funnels;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Koordination Vorbereitung: Er steuert den Prozess in der Vorbereitungs- bzw. Konzeptionsphase;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Steuerung Umsetzungsprozess: Er steuert die Umsetzung;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Inhalte: Er liefert gemeinsam mit Partnern Inhalte;<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>F\u00fchrung im taktischen Marketing: Dazu geh\u00f6rt insbesondere der Zugang zu Preisfestsetzungsinstrumenten und zur Kapazit\u00e4tssteuerung im Rahmen von Systemen der nachfrageorientierten Preissteuerung.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>\n<p>&#13;<br \/>\nKasten 2: Literatur&#13;<\/p>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p>&#13;<\/p>\n<ul>&#13;<\/p>\n<li>Beritelli, P., Bieger, Th. &amp; Laesser Ch. (2009): Size Matters! Increasing DMO Effectiveness and Extending Tourism Destination Boundaries. In: Tourism, 57(3), S. 309-327.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Bieger, Th., &amp; Laesser, C. (2004): Information Sources for Travel Decisions \u2013 Towards a Source Process Model. In: Journal of Travel Research, 42(4), S. 357-371.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Bieger, Th., Laesser, Ch. &amp; Weinert, R. (2006): Wettbewerbsf\u00e4hige Strukturen und Aufgabenteilung im B\u00fcndner Tourismus \u2013 Teil 1: Ausgangsanalyse. St. Gallen.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Hill, S., Provost, F. &amp; Volinsky, C. (2006): Network-Based Marketing: Identifying Likely Adopters Via Consumer Networks. In: Statistical Science, 21(2), S. 256-276.<\/li>\n<p>&#13;<\/p>\n<li>Jones, C., Hesterly, W. S. &amp; Borgatti, S. P. (1997): A General Theory of Network Governance: Exchange Conditions and Social Mechanisms. In: The Academy of Management Review, 22(4), S. 911-945.<\/li>\n<p>&#13;\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Globalisierung sowie die Technologisierung der Kommunikations- und Vertriebskan\u00e4le sind eine st\u00e4ndige Herausforderung f\u00fcr das touristische Marketing von Destinationen. In zwei Reformschritten hat die Tourismusbranche in den Alpenl\u00e4ndern versucht, diesen Herausforderungen gerecht zu werden. 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